Skip to main content

Full text of "Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen"

See other formats


This is a digital copy of a book that was preserved for generations on library shelves before it was carefully scanned by Google as part of a project 
to make the world's books discoverable online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 
to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 
are our gateways to the past, representing a wealth of history, culture and knowledge that 's often difficult to discover. 

Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this file - a reminder of this book's long journey from the 
publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prevent abuse by commercial parties, including placing technical restrictions on automated querying. 

We also ask that you: 

+ Make non-commercial use of the file s We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machine 
translation, optical character recognition or other areas where access to a large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attribution The Google "watermark" you see on each file is essential for informing people about this project and helping them find 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are responsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can't off er guidance on whether any specific use of 
any specific book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search means it can be used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liability can be quite severe. 

About Google Book Search 

Google's mission is to organize the world's Information and to make it universally accessible and useful. Google Book Search helps readers 
discover the world's books while helping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll text of this book on the web 



at |http : //books . google . com/ 




über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google -Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unterstützt Autoren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 



Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 



lAf'L f^ 







1^ 



i(il 









/ 



GOEDEEE'S 6RÜNDBISZ 



ZUR CKSCHICTITE DER DEUTSCTIKN DICHTUNG. 



ERSTER BAND 



VON DER ALTESTEN ZEIT BIS ZUM DREISZIGJAIIRIGEN KRIEGE 



BITCTI I-IV. §. 1-175. S. 1-432. 



...y 



J 



< , 




GKÜNDEISZ 



, ZUR 

GESCHICHTE DER DEUTSCHEN DICHTUNG 



AUS DEN QUP]LLEN 



VON 



KARL GOEDEKE. 



ERSTER BAND. 

ZWEITE AUSGABE, 



Multum adhuc reftat operis, maltnmqiM 
reftabit; nee ulli praedadetnr oceaAo 
aliqiüd adhuc adjiciendi. 

SENBC. EPP. 64. 




DRESDEN 

VERLAG VON L. EHLERMANN 



^ .• 



DEM FÖRDERER 

DER KUNST UND WISZENSCHAFT 

DEM GROSZHEKZOG 

EASL ALEXANDES 

VON SACHSEN-WEIMAR-EISEMCH 

KÖNIÖLICHK HOHEIT. 



\ / 



Vorwort. 

Im Aagaft 1854 verabredete ich mit meinem Freunde L. Ehiermann die 
Herausgabe eines Grnndrißes zur Gefchichte der deutfchen Dichtung. Wir 
uberfchlugen den Gegenftand und meinten mit funfsehn bis zwanzig Druck- 
bogen auszureichen. Der Verleger reiste getroft nach Italien und erwartete, 
bei feiner Rückkehr das Buch fertig gedruckt vorzufinden. Ich blieb in Ha- 
nover zurück, fiedelte nach dem Tode meines guten Vaters aus der Refidena, ' 
wo mich die öffentlichen Angelegenheiten der Stadt und des Landes mehr aU 
mein Herz wünfchte in ihren Wirbel gezogen und zerftreut hatten, im Mai 
1855 nach Celle, wo ich Muße zu gewinnen ficher war, fchloß mich vor der 
Welt ab und vergrub mich in meine Bücher und Samlungen. Als die Stände- 
verfammlung mich im Juni wieder nach Hanover gerufen und ich dem ans 
Italien heimgekehrten Freunde zuerft wieder begegnete, war es mir längft 
klar geworden, daß eine Arbeit in dem verabredeten Umfange weder feinen 
Erwartungen, noch meinen Neigungen entfprechen könne. Zwar w&re ein 
Grundriß nach der Art der gangbaren Bücher ohne fouderliche Mühe in 
wenigen Wochen hergeftellt; allein es ftr&ubte fich etwas in mir, die Zahl 
der Schriften um mein Scherflein zu vermehren, die mit Hülfe der Werke 
von Gervinus, Gräffe, Koberftein, Schäfer, Vilmar, Wilh. Wackernagol und 
meiner früheren Arbeiten jeder zu verfertigen im Stande ift, der von dent- 
Icher Literatur außer den fo genannten Claffikcru nichts gefehon hat, als 
was jene Werke und ein paar Anthologien ihm darbieten. Auf meine fchon 
während der Uuiverfit&tsftudien angelegten und feitdem fortgefetzten Sam- 
lungen geftützt, glaubte ich eine felbftftändige Bearbeitung des Gegenftandes 
unternehmen zu dürfen, der mir unter allen wechfelndeu und zerftreneuden 
Befchäftignngen der liebfte und in jedem Sinne der theuerffce geblieben war. 
Was ich in den feit Kochs Compendium erfchieneuen literarifchen Arbeiten 
immer ungern vermifst hatte, die Reichhaltigkeit des Stoffes und die klwr 
gefonderte Behandlung jedes feiner einzelnen Beftandteile, hofte ich darbie- 
ten und damit ein Buch liefern zu können, das neben allen Literaturgefchioh- 
ten einen Platz verdienen und finden werde. Meine Aufgabe, für deren 
Lüfung der Verleger mir freie Hand ließ, war wefentlich diefelbe, die Koch 
üch geftellt und für feine Zeit in ausgezeichneter Weife gelost hatte. Wie er 
ftrebte auch ich nach innerer Vollftändigkeit und äußerer Reichhaltigkeit. 
Seine Arbeit ftand mir als Mufter vor Aug6n, aber ich durfte mich nicht da- 
bei beruhigen. Die Quellen, über die er hatte gebieten können, flößen auch 
für mich. Ich hatte nachzuprüfen und längft nachgeprüft. Gottfcheds Arbei- 
ten und Blankenburgs Zufätze zu Sulzers Theorie der fchünen Künfte bilde- 
ten die Hanptgrundlage feines Compftü^Voravik, Ti«. väa. wä xSä&ää^«. ^^Sievs^.- 



VIH ' Vorwort. » 

rung wnftc, dnQ man fioh in zweifelhaften Fällen weder auf den einen noch 
auf den andern verlaßen durfte, und da überdies der Stoff felbft feit der Be- 
gvttpdung der dentfchen Philologie in zahlreichen Monographien neu und 
gründlich durchgearbeitet, das Mittelalter in den Quellen faft ganz erfchloßen 
und die fpätere Zeit durch aufgefammeltc Bücherfchätze zugänglicher geworden 
ift, fo hielt ich es f&r angemeßen, anftatt Kochs fleißige Arbeit zu berichtigen, 
la ergänzen und fortzuführen, lieber eine ganz felbftftändige für mich zu be- 
. ginnen. Seine Methode, den Stoff nach den Dichtungsgattungen und Ge- 
dichtformen zu zerfplittern und die Gefamtanfchauung einer Dichterperfoii- 
licbkeit zu zerftoren, konnte ich ohnehin nicht zu der meinigen machen, da 
mich die Gefchichte aller Dichtung gelehrt hatte, daß die Form etwas Unter- 
geordnetes und nur im Verhältnis Wichtiges , das Wefentliche aber die 
fchaffende PerfSnlichkeit ift. 

Was ich nun darbiete, will ich nicht loben, nicht rechtfertigen, Plan und 
Art der Ausführung liegen jetzt fo offen vor Augen, die Inlialtsüberfichten vor 
dem erften und zweiten Bande machen das Zurechtfinden fo leicht, und das 
Begifter, das der Verleger mit mir zufammen ausgearbeitet hat, geftattet die 
rafche Auffindung jeder Einzelheit fo bequem, daß jeder Lefer über das, was 
ich .gewollt, bald im Klaren fein und fich über das, was ich geleiftet habe, 
ohne Schwierigkeit ein Urteil bilden kann. Die Stimmen, die bisher fich 
öffentlich über mein Buch vernehmen ließen und bis zu mir gedrungen find*), 
laßen meinem Fleiß im allgemeinen Anerkennung zu Teil werden. Nur Hein- 
riüdt Kurtz in Aarau **) meint, ich hätte etwas Beßres leiften können, und 



*) Bisher fin4»mir folgende kürzere und ausführlichere Anzeigen des GrundriJjes 
bekannt geworden; 1) Kölner Zeitung (aufgenommen in den Hanoverfchen Courier 1856. 
Hr. 660). — 2) Hamburger Nachrichten 1856 Nr. 264. 1857 Nr. 16 u. 139, 1858 Nr. 126. — 

• 8) Sohwibifcher Merkur 1856 Nr. 268. — 4) Hanoverfche Nachrichten 1856 Nr. 23 und 41. — 
6) Welmarifches Sountagsblatt 1856 (Auszug in den Ilanov. Nachrichten). — 6) Anzeiger des 
germanifchen Mufeums 1856 Nr. 11 (von K. Bartfch). — 7) Literarifches Ceutralblatt 1857 
Nr. 9 XL. 42, 1858 Nr. 5. — 8) Bremer Sonntagsblatt 1856 Nr. 49. — 9) Spenerfche Zeitung 

. 1866 Nr. 256. — 10) Menzels Literaturblatt 1856 Nr. 100. — 11) Der Aufmerkfarae (Beilage 
rar Orazer Zeitung) 1856 Nr. 265 (von K. Wein hold?). — 12) Die Grenzboten. 1857 Nr. 9 

' und 1868 Mai (v. G. FreytagV). — 13) Correfpoudenzblatt dos hiftorifcben Gefamtvereins 
185T Nr. 5 (von C. L. Grotefend). — 14) Abendzeitung 1857 Bogen 38. — 15) Herrig's 
ArohiT XXT. (von H. Pro hie). — 16) Hamburger Jahreszeiten 1857 Nr. 18 (von Feodor 
Wohl). — 17) Prutis deutfehes Mufeum 1857 Nr. 4 u. Nr. 27. — 18) Münchner neuefte Nach- 
, richten 1856 Nr. 317, 1857 Nr. 94 u. 302, 1858 Nr. 85. — 19) Nationalzeitung 1857 Nr .59 u. 609. 
— 20) Die Wiener Preffe 1857 Nr. 138 u. 207. — 21) Volksblatt für Stadt und Laud 1857 

' Nr. 66, 1858 Nr. 9. — 22) Neue Züricher Zeitung 1857 Beilage zu Nr. 54. — 23) Pfeilfers 
Germania n, 491-505 (Auszüge in der Kölner Zeitung und im Hanoverfchen Courier. Wie 
« dankbar ich diefe gründliche und bei allem Tadel über Einzelnet) im Ganzen bis zur Be- 
foh&mung lobende Beurteilung Pfeiffer 's aufgenommen, zeigen die Nachtr&ge). — 24) Blätter 
rtr literarifche Unterhaltung 18.58 8. 169-171, von Heinrich Kurtz, vgl. die folgende An- 
merkung. ^ 25) Blätter für lit. Unterhaltung 1858 S. 311 ff., von Hermann Marggraff 
(nur über Goethe. Auch diefe Beurteilung nimmt es ernft und gründlich; Einzelnes wird 
gemisbilligt, im Ganzen erkennt Marggraflf die Arbeit willig an). — 26) Literaturblatt zu 
' Eggert' Kunftblatt 1858 Juni ('Angefichts diefor ftillen Logik der That fachen, wie lie 
ein folcher chronologifch-ftatiftifcher Ueberblick aufdeckt, ordnen lieh die hiftorifcben An- 
fchaunngen anders und Ücherer, als nach der Kenntnis eines zufällig zufammengewürfelteu 
BflcherhaufenB, und mancher fch6nklingende Gemeinplatz zerftäubt in fein gebührendes 
mc£t8.' Wtifte ich es nicht, ich würde in dinfem reinen Blick und klaren Ausdruck er- 
kennen, daß Paul Heyfe die Beurteilung fchrieb). — 27) Allgemeine Zeitung 1858 Nr. 199 
Beilage (über Goethe, von M. Carriere; auch diefe Beurteilung ift voll ehrender Anerken- 
nung). — 28) Neue Münchner Zeitung 1857 Nr. 199, 1858 Nr. 36 (von Jul. Groffe? Es 
wird gefragt, weshalb ich das mittelalterliche Volkscpos der höfifchen Ritterpoeße nachge- 
ordnet habe? Die Antwort ift, weil das Volksepos, wie es vorliegt, von der hdfifchen Kunft 

. gelernt hat). — 29) Didaskalia 1858 Nr. 18. — 80) Literarifche Mitteilungen aus St. Gallen 
1857 Nr. 15, 1858 Nr. 21. - 31) K6nig8berger Zeitung 1857 Beilage 131. — 32) Hamburger 
Oorrefi>ondont 1858 Nr. 106. - 33) Deutfche Keichszeitung 1857 Nr. 251 und 1858 Nr. 66. — 
3i) Jahns Jahrbücher 1858, Juni S. 820-324 v. H. Düutzer; vgl. Anm. 3. — 3.5) Sächßfche 
Conititntionello Zeitung 1858 Nr. 260 (Jul. Hammer?) 

**>i?ejnrjch Kurtz in einer Beurteilung in den Bl. f. lit. l^nterhaltnng 1858 S. 171 
r^rmifsto in meinem Buche die Erwihnung eines 'Nachtrages', den Ä.H\ti«\ lu teVu^x Qs<i«V,\!k^- 



^ Vorwort. IX 

Heinrich Düntzer ift mit meiner Arbeit Aber Goethe im Ganzen und Einzel- 
nen fo unzufrieden ^ie mit allem was andre als er über Goethe fchreiben. , 
Auf Kurtzens Vorwurf habe ich nur zu entgegnen, daß ich meine Bücher fo 
gut mache wie ich kann, und daß ich Schriften, die gar nicht exiftieren, 
nicht nennen, von den Lefern und Tadlern aber erwarten kann, daß fie flei- 
ßiger Tuchen, als Heinrich Kurtz, ehe de Schriften, die ich genannt habe, als 
fehlend bezeichnen. Herrn Düntzer will ich nur in der Anmerkung ant- 
worten. ***) Ein Vorwurf, der mir von manchen Seiten gemacht ift, der, daß 

bibliothek herausgegeben habe. Ein folcher Nachtrag exiftiert bisher noch nicht. Die 'Frag- 
mente aus einer Goethebibliothek' konnten nicht gemeint fein, da ich diefe zweimal nenne. 
Die ebenfalls vermifsto Erläuterung lel^ing^fcher Dramen von Aug. Nod na gel nenne ich S.61S, 
wo ich fie nennen mufte. Daß ich Dorer-Egloffs Schrift über Lenz (S. 1170 zu S. 667) nicht 
nannte, gefchah einfach deshalb, weil ich fie nicht kannte und als ich den Artikel Aber Lens 
fchrieb auch kaum kennen konnte. Die Biographie Schubart's von D. Fr. StrauJß (S. 1170 
zu S. 675) fiel in das Jahr 1849 und ift mir deshalb entgangen. Ich habe die Bokanntfchaft 
mit derfelben allerdings erft H. Kurtx zu danken. '^ 

***) Dieallgemeingünftigc Aufnahme meiner Goethebiographie, Aber die mir die ehrend- 
ften Urteile durch öffentliche Blätter, brieflich und mündlich zugekommen find, würde nicht 
ftattgefunden haben, wenn Herr Düntzer in Köln die Anficht der ZeitgeuoJßen hätte be- 
ftimmen können. Er hat in Jahns Neuen Jahrbüchern (Bil. 77. 78 Heft 6 S. 320-324 vom 
19. Juni 1858) eine kurze durchaus ungtinftige Anzeige meiner Arbeit veröfl'entlicht, der zu- 
folge ich mich 'mancher Misurleile und falfcher Beleuchtung', ferner der *£infeitigkeit' 
fchnldig gemacht habe, 'welche überall Flecken und Schwächen flieht, als ob der Verfaßer 
darauf angewiefen w&re, dem Dichter überall etwas anzuhaben'. Was Herr Düntzer an mir ' 

grundlos tadelt fchiebe ich ihm mit gutem Grunde zurück. In gefchichtlicher und äfthetifcher 
Auffaßung find Düntzer und Goedeke zwei fo grundvi rfchiodene Wefeu, daß eine Ueberein- 
ftimmung zwifchen beiden zu den "Wundern gehören könnte. In diefen Dingen laße ich 
Hrn. Düntzer gern bei feinem Credo. Seine philologifche Älikrologio erkenne ich nach 
ihrem Werte willig und gern an ; ich habe in einzelnen Füllen etwas dabei lernen können ' - 
und vor allem das, daß man Hm. Düntzers Arbeiten entbehren kann, wenn man die Quellen. 
felbft zu nutzen vermag. (Düntzers Infinuation, daß ich eine Darftellung det» J. 1775 aus 
feinen Frauejibildern gefchöpft haben möge, erledigt fich durch meinen Auffatz in den Bl. 
f. lit. ITnterh.) Au» feiner Anzeige meiner Arbeit habe ich noch mehr gelernt: das nemlich, 
daß man feinen Angaben nur infoweit trauen darf, wie iie mit den Urkunden übereinftimmen 
und daß fie dies (wenn feine Beurteilung meiner Arbeit als Mufterprobe dienen kann) ich 
will nicht fagen: feiten, aber doch nicht immer thuii. Kr hat in meiner Darftellung auf ver- 
meinte Fehler förmlich Jagd gemacht und dabei Böcke auf meinem Gehege erlogt, die er 
erft felbft hineingetrieben. Zu S. 714 berichtigt er, daß Goethe am 6. Aug. 1771 nicht Doctor 
i'ondern Licentiat geworden. Ich habe einfach nur von der Promotion mit Goethes eigenen 
Worten gefprochen und dem Dichter nach der Promotion nur den Namen des Doctors ge- 
geben, mit dem er'inSefenheim nnd fortan jahrelang fchlechthin genannt wurde, fo fchlecht- 
hin, daß der 'Doctor' in Klingers leidendem Weibe geradezu fär Goethes Namen gilt. — Zu 
8. 715 wird es 'ganz irrig' genannt, daß der Götz fehon in Wetzlar concipicrt fei. Irrt hier 
jemand, fo irrt Goethe felbft, deffen Angabe (S. 878 zum J. 177J) ich einfach nur wiederholt 
habe. Goethe irrt aber diesmal nicht, wie die Vergleichung von Gouds Mafaren mich be- 
lehrte und Hrn. Düntzer belehren könnte, wenn er den Götz nicht fchon vor Jahren com- 
mentiert und damit jede weitere Belehrung abgcfchnitteu hätte. Zu S. 717 glaubt Hr. Düntzer 
nicht, daß Goethe die Epifode vom Bauerknecht als künftlerifchen Contraft in den Werther 
eingefchoben habe. Da diefer Unglaube äfthetifchnr Natur ift, bedarf os gegen Hrn. Düntzer 
keines Verfuchs der Erfchütterung. — Zu S. 720 wird bemerkt, Goethe habe fich nicht naekf 
fondern vor feinem Abgange von Wetzlar in Gießen aufgehalten. Da Goethe felbft (S. 878) 
die Hauptepochen vorzeichnet und Frankfurt, Wetzlar, Gießen in diefer Folge nennt, wollte 
ich die Folge nicht ändern, zumal da gar nichts darauf ankommt.— Zu S. 719 wird die Aus- 
dehnung der Recenfionon, die Goethe in die Frankfurter gel. Anzeigen lieferte, bis zum 
21. Apr. 1775 um 2 Jahre befchränkt; was mit den Thatfachen nicht übereinftimmt. — Zu 
S. 720 bemerkt H. Düntzer befcheiden, die Angabe daß Hans Sachfens poetifche Sendung 
ins J. 1774 zurückverlegt werde, 'fcheine durchaus haltlos'. Für 1776 n?richt nichts als die 
Erw&hnung eines Pappdeckels, auf dem (ioethe das Gedicht begonnen; für 1774 fprechen 
innere und äußere Zeugniffe. — S. 723 habe ich das Luftfpiel mit Gefangen, das Goethe im 
Sp&therbfte 1773 beendet hatte und in einem Briefe an KeAuer erwMmt, 'ganz willkürlich' 
auf Erwin und Elmire gedeutet. Die Willkür befiehl in der zwingenden Notwendigkeit, da 
Goethe 1773 kein anderes Luftfpiel mit Gefangen nachgewiefen ift. — S. 724 fagt Goedeke, 
als Goethe in der Frankfurter Frühjahrsmeffe 1773 das Puppenfi)iel vom Dr. Fauft gefeben, 
habe ihn die Gewalt des Stotfes gefaßt; Hr.Düntzer läßt mich fagen, Goethe habe den erften 
Plan zum Fauft gefaßt, als er 1773 das Puppenl^iel gefehen und meint, das fei 'durch nichts 
XU begründen'. Die kleine düntzer'fche Wortverdrehung läßt fich freilich durch nichts be- 
gründen. — Die Aeußerung S. 725. daß wer den Prolog im Himmel golefen und bedacht 
habe, keines andern Fauftcommeutars bedürfe, nennt H. Düntzer eine 'ungerechtfertigte 
Phrafe'; ich glaube, fie ift durch H. Düntzers Commentar mehr als gerechtfertigt, der doch 
wol nach des Verfaßers Urteile der hefte ift. — S. 725 Z. 3 v. o. lies: 1808. — Die gelegent- 
liche Bemerkung S. 726, daß Goethe Ende März 1775 Claudlw<h N^i\\. NV^%. ^^ä^-*. ^-«sx ^«»^"«ä^- 
gung nahe gebracht habe, nennt HerrDVintzet 'ut\««ii»m^ \jl1i^ \»Ä«i>MN. «Sä'Vä\«^ -s^ ^i^^'v*^ 
nMuen Anguhe, daß Goethe am 14. Apr. beiivaYi« ^msAX. ^<iT\.\% %«^^^«vv ^<v. ^^ää^"«:!» 



X" ' Vorwort. ' 

meine Arbeit nicht gleichm&ßig durohgefüihrt, bald zu karg, bald zu ausgiebig 
erfcheine, mag nicht ohne Grund fein. Wer fich aber jemals an einer &hn- 

■ liehen Aufgabe verfucht, die fo vieles aufzunehmen, weil es einmal vorhanden 
ift, und Aber fo manches leichter hinwegzugehen gebietet, weil es bei ge- 
nauerer Behandlung noch weiter fuhren müfte, wird über die Mängel eines 
erften Wurfes nicht allzuftreng zu Gericht fitzen. Erft jetzt, da der reinliche 
^Druck die umfangreichen Maffen des Materials überfichtlicher hervorhebt, läßt 
tich erkennen, wo zu befchräuken und wo weiter auszugreifen ift. Daß ich 
dem eplfcheu Gedicht des Mittelalters eingehende Aufmerkfamkeit gewidmet 
habe, wird niemand misbilligen, der erft jetzt die Stufenfolge vierfacher Be- 

. arbeitung klar vor Augen geftellt Geht. Daß ich die kirchliche Volksdichtung 
der Reformationszeit genauer als meine Vorgänger behandelte, unterliegt ge- 
wis noch weniger einem begründeten Tadel; eher wol die Kürze, mit der ich 
das frühere Mittelalter und die Zeit von Opitz bis auf Gottfched abgethan. 
Für das ältere Mittelalter hatte ich in meinem Buche über mittelalterliche 
Dichtung, wie ich glaubte, vorgearbeitet und eine Verweifung auf daffelbe 
wie auf die allgemein zugänglichen Quellen fehlen mir genügend. Wefent- 
liches wird auch jetzt nicht vermifst werden. Ueber die Zeit von Opitz bis 
Gottfched hätte ich Ausführlicheres gegeben, wenn ich auf Lefer hätte rech- 
nen können. Wer jene Zeit aus eignem Studium einigermaßen kennt, verargt 
es nicht, wenn hier die Freude au der Sache klein und die Seele trocken 
wird. Ob ich bei Gottfched zu weitläuftig oder zu kurz gewefen, habe ich 



freilich nnbeftimmtor als 14. April, aber au« der genauen Angabe erfährt man genau dasfelbe 
wie aus der ungenauen : daß Claudine im Frühjahr 1775 in Arbeit war. 

Die Anmerkung zu S. 726 behauptet nach H. DUntzer Unmögliches; indeffen räumt 
H. Dtintzcr ein, daß Goethe am 2'd. Juni nicht zugleich in Oifenbach und in der Schweiz 
gewefen fein könne. Genau dasfelbe behauptet die Anmerkung. — S. 730 : Die Schaufpieler 
giengen nach dem weimarifchen Sehloßbrande (vgl. Mufius nachgelaßne Schriften S. 222-235) 
nicht nach Dresden, fondern zuu&chft nach Gotha. Diefen Irrtum berichtige ich phne H. 
Dtlntzer. — S. 738 (bis dahin rügt 11. DUntzer nichts) wiederhole ich urkundliche Worte über 
das 'ins Coufeil fitzen vom Sonntag 11. Febr.' (1776) und fuche diofelben zu deuten; H. 
Dtlntzer nennt das 'irrig\ aber nicht die Deutung, fondern die Anführung der Quellenftelle 
nennt er irrig, da dicfclbe, wie er fchon irgendwo dargothan, dem folgenden J&hre (1777) 
angehöre, 1777 fiel aber der 11. Febr. nicht auf Sonntag. — Die S. 743 gegebene Bemer- 
kung, daß Raftlofe Liebe (Dem Schnee, dem Regen) am 11. Febr. 1776 entftanden fei, nennt 
H. Dttntzcr ein 'Verfehcn'; er hat die Briefe an Frau v. Stein nachzufchlagen, um fich von 
dem Vcrfehen nuf feiner Seite zu überzeugen. — S. 755 bin ich nach H. Dtintzer über die 
Iphigenie im Unklaren; H. Diintzev ift nur über die klare Bedeutung meiner Worte im Un- 
klaren. — Auf S. 781 ift es H. DUntzer auffallend, daß ich (Goethe) nachfchreiben konnte, 
die Iphigenie fei auf der erften ital. Reife mehr Entwurf als Ausführung gewefen. Ich denke, 
Goethe wufte doch was er fagtc, wenn er Entwurf- und Ausführung unterfchied. H. Dtintzer 
meint freilich, die Iphigenie fei in Italien ja nur in geregelte Vcrfe gebracht. — S. 785 be- 
gehe ich nach II. Dtintzer einen Irrtum, indem ich mit Goethes Worten Tage, was Er über 
-die Nanfikaa fagt. Der Irrtum ift wie bisher immer auf H. Dtintzers Seite. — S. 789, wo 
anftatt der von mir genannten Mailänderin 'unzweifelhaft der Maler Fr. Bury' gemeint fein 
foU, kann H. DUntzer einmal Recht haben, obgleich Burys Selbftbiographie keinen Anhalt 
dKtm bietet. — S. 798 ift meine Bemerkung über die nach innen wirkende Kälte der äußeren 
Erfcheinung 'ganz willkürlich' und die Entfremdung Wielands und Herders von Goethe ein 
'entfchiedener Irrtum'. P^benfo ift das was ich S. 829 über 'das erfte der famofen Sonette' 
Tage 'irrig', da das Sonett, das Goethe au Schlegel fchickt, das erfte aus Schlegels Ehren- 
pforte für Kotzebue fein foll. Goethe fchickte fein Sonett am 2. April 1800 an Schlegel ; die 
Ehrenpforte war ihm im Deo. eine ganz neue Erfcheinung. — S. 842 werde ich desfelbeu 
Irrtums geziehen wie Lowes. Diefer hatte als Teilnehmerin des goethefchen Clubs eine 
Gr&fin Einfiedel genannt, ich ganz allgemein 'Einfiedels'. H. Dtintzer weiß genau, daß die 
Gr&tin Egioifftein genannt werden mufte, vergißt aber daß eine Gräfin kein Mann und noch 
weniger ein Paar ift, wie das Stiftnugslied es andeutet. — S. 847 berichtigt H. DUntzer den 
von mir genannten Marfchall Ney in Marfchall Augereau. — Von der Bemerkung zu S. 822 
mOchte Ich zu Ehren H. Dtintzers fchweigen. Ich führe aus dem Goethe-Schillerfchen Brief- 
wcehfel an, daß Goethe am 28. Mai 1798 ein Gedicht an Schiller gefandt habe und füge den 
Namen Amyntas bei. H. DUntzer findet es 'unbegreiflioh' wie ich den Amyntas der fchon 
/JZ7 Sept. 1797 entftanden, in den Mai 1798 fetzen könne. Begreiflich ift mir dabei nur, daß 

Ä Dtlntzer zxvifcben der EDtrtebnng eines goethefchen Gedichtes und der Ueberfendung 

d0gfelben &n acbiller keinen UnterCcMed begreift. 



, Vorwort.! < Xl 

auB keiner Beurteilung erfehen. Nach meinem Qefühl, das freilich die wenig- 
ften Lerer teilen mögen, hätte ich die Zeit der Ausbreitung und Befeftigung. 
des franz6firchea Gefchmacks, der z. B. in der Einteilung des Schaufpiels in fünf 
Acte bis auf die Gegenwart dauert, noch eingehender behandeln und nament- 
lich die Dichtung vne in der fpäteren Zeit provinzenweis verfolgen können. ^ 
Ich wollte, ich hätte es gethan! Bereuen kann ich aber weder die Kürze, die 
ich bei Klopftock, Leßing, Wieland und Herder, noch die Ausführlichkeit, die 
ich bei Goethe und Schiller walten Heiß. Das Leben der erften ift einfach 
und f&r ihre Dichtungen, wenn man von Klopftocks Oden abfieht, faft ohne 
Einfluß; ihre Wirkungen zeigen fich, je nach Verhältnis, bei den Nachfolgern, 
die wol genügend vorgeführt lind. Anders war es bei Goethe und Schiller, ^ 
auf deren Schriften unfere Literatur ruht und deren Schriften ihr Leben find. 
Nach dem Plan meines Buches konnte ich aber bei Goethe fchon deshalb 
nicht ohne Nachweis des Zufammcuhanges zwifchen Dichtung und Leben ab- 
kommen, weil in Goethe das Streben nach der Clafficit&t des Altertums Kör- 
per gewann und ein Leben wurde, das die Gegenwart noch füllt, wenn auch 
nicht mehr ausfüllt. Was ich Goethe einräumen mufte, konnte ich Schiller 
nicht verfagen; ich hätte mir wenigftens einGewißen daraus gemacht zu ver- 
fchweigen, wie diefer eifeme Wille dem herben Leben die Kränze abrang, die 
dem leicht von der Welle getragnen Liebling des Schickfals wie im Spiel 
gefchenkt wurden. In der Gefchichte diefer Beiden liegt unfre Gefchichte um 
die Wende des Jahrhunderts; in ihrem Leben fpiegelt fich das Loben Vieler; 
die Ausführlichkeit bei ihnen mufte den übrigen fcheinbar Verabfaumten zu 
Gute kommen. Doch auch jetzt kann ich die Abfchnitte über Goethe und Schiller, 
wie viel Raum fie hinnehmen, nicht für eine Gefchichte, immer nur als Grund- 
riß zur Gefchichte anfehen, auf dem vielleicht niemand bauen mag und ich 
vielleicht felbft nicht bauen werde. Denn mir bleibt noch eine Arbeit übrig, fo' • 
umfangreich und fo fchwierig, daß ftärkere Kräfte als die meinigen zu fchwach 
erfcheinen konnten. Ich meine die Fortführung des Grundrißes bis auf die 
Gegenwart, bis auf den heutigen Tag und zwar in einer Weife, daß meine 
Arbeit nicht mit dem nächften Tage veraltet, fonderu eine Reihe von Tagen 
aushält. Das Material ift fo fchwierig zu erlangen und fo mühfam zu bewäl- 
tigen, jeder Schritt auf dem Felde, das fich faft unabfehbar weitet, fo fehr 
der allgemeinften Beurteilung im Guten und Argen bloßgeftellt, daß ich, wenn 
ich nicht der Grundbedingung meiner Arbeit untreu werden und mich zu 
einer &fthetifchen, d. h. ungefchichtlichen Auswahl verftehen, wenn ich mich .. 
nicht auf die 4berall begegnenden Namen befchränken wollte, keinen andern 
Weg finden konnte, als die Gegenwart felbft zur Mitarbeit an meiner Arbeit 
aufzurufen. Ich habe mich an die deutfchen Dichter nah und fern gewandt 
und fie gebeten, mir das beizufteuern, was niemand beßer geben k: .in als fie 
felbft. Mit großer Bereitwilligkeit ift meine Bitte faft ohne Ausnahme von 
allen, an die ich fie richten konnte, erfüllt worden. Ich wiederhole fie hier 
für die, welche bisher zurückhielten, und für die, welche ich auf keinem an- 
dern Wege zu erreichen weiß, weil ich, wenn ich auch ihre Schriften kenne, 
nennen und beurteilen kann, von dem Aufenthaltsorte der Verfaßer keine 
Kunde habe und auf den eing^efchlagnen Wegen keine zu erlangen vermochte. 
Namentlich an die Dichter und SchriftCtell^i m ^^w ^T^-vsriiÄÄAÄXXv^ X-ö. ''^^ä^^'^- 
wjg-HoUteinj den deutfch - T^BUeViftH Oa^^ft^\^VYM.«ti, ^«vv ^^öw«x<v^^^^ 



XII Vorwort 

Kronländern, in der Schweiz, in Frankreich, Belgien und den Niederlanden, 
an die in England und jenfeits des Weltmeers wendet fich meine Bitte, mit- 
zuwirken an der Vollendung einer Arbeit, die der Ehre des deutfchen Vol- 
kes, der Blöte feines Lebens, feiner Dichtung gewidmet ift. 

Es bleibt mir noch Äbrig, denen zu danken, die mich bisher bei meiner 
Arbeit gefördert haben. Ich nenne nur die Namen. Manche m6gen vergeben 
haben, daJß und wie fie mir halfen; ich habe es nicht vergeßen. Manche ver- 
mag mein dankbares Wort nicht mehr zu erreichen; fie find weggegangen. 
Nenne ich fie nicht ihretwegen, fo doch meinetwillen. Was hätten fie von 
meinem Dank gehabt? Mir ift er Bedürfnis und Genuß. Ich habe zu danken 
f&r größere oder kleinere, für vorübergehende oder ausdauernde Hülfe den 
Herren BETHMANN in Wolfenbüttel, E. BÖCKING in Bonn, TH. COLSHORN 
in Hanover, f J. H. DETMOLD in Hanover, L. EHLERMANN in Hanover, 
A. ELLISSEN in Göttingen, JUL. FEIFALIK in Wien, G. K. FROMMANN 
in Nürnberg, EM. GEIBEL in München, HERM. GRIMM in Berlin, JAG. 
GRIMM in Berlin, WILH. GRIMM in Berlin, E. v. GROOTE in Köln, H. 
GROTE in Limmer bei Hanover, C. L. GROTEFEND in Hanover, FRITZ 
HAHN in Hanover, K. HALM in München, H. HARRYS in Hanover, H. CH. 
HEIMBÜRGER in Celle, f K. HEYSE in Berlin, PAUL HEYSE in Mün- 
chen, S. HIBZEL in Leipzig, H. HOFFMANN v. Fallersleben in Weimar, W. 
L. HOLLAND in Tübingen, TH. G. v. KARAJAN in Wien, A. v. KELLER 
in. Tübingen, R. KÖHLER in Weimar, J. M. LAPPENBERG in Hamburg, 
WENDELIN V. MALTZAHN in Berlin, NOLTE in Hanover, G.H.PERTZ in 
Berlin, FRANZ PFEIFFER in Wien, L. PRELLER in Weimar, W. PÜTZ 
in Köln, FRANZ ROTH in Frankfurt, K. RÜMPLER in Hanover, OSKAR 
SCHADE in Weimar, A. SCHAUMANN in Hanover, A. SCHOLL in Wei- 
mar, JULIUS SCHRADER in Berlin, f K. SCHCENEMANN und f O. SCHCE- 
NEMANN in Wolfenbüttel, F. SCHWEIGER in Göttingen, W. SIEMSEN in 
Hanover, STROMEYER in Göttingen, THIES in Wolfenbüttel, L. UHLAND 
in Tübingen, C. M. WIECHMANN - KADOW auf Kadow in Meklenburg, 
r M. WIENER in Hanover. M6gen die lebenden unter ihnen mir ihre Teil- 
nahme erhalten und die Mitlebenden mir und meiner Arbeit, die mit dem 
dritten, der romantifchen Schule und der Gegenwart gewidmeten Bande ge- 
fcbloßen fein und, wenn es der Wunfeh ift, ein Regifter der Liederanfänge 
bringen wird, ihre fördernde Gunft bewahren. Ich bedarf jener wie diefer. 

K. Goedeke. 

Celle im Königreich Hanover. 
An Schillers Geburtstage 10. Nov. 1858. 



Inhalts&berficht. 



Einleitung. 
§. 1. Begriff. §. 2, Behandlungsweife. §. 3. Vorarbeiten. §. 4. Begrenzung. 
Zeiträume. §. 5. Dichter u. Formen. §. 6. GefamtAberbliek. §. 7. Ältefte 
Spuren. §. 8. Gothen; Ulfila. §. 9. Bekehrung5 Lieder. §. 10. Heidnifche 
Gedichte (vgl. S. 1149). §. 11. Epifche Dichtungen. §. 12. Tliierfage. 

Erftes Bach. 

Von Karl dem Großen bis auf die KreuzzÄge. 
Dichtung der Geiftlichen. 

Erßes Kapitel, §. 13. Einführung des Chriftentums. Profa der 
Geiftlichen. §. 14. Glaubensbekenntniffe ; Beichtformeln j Gebete. §.15. Pre- 
digten j Evangelien 5 Ifidorus. §. 16. Heidnifch-Chriftliches: Weßobr. Gebet; 
Mufpillij Heliand. S ä chf if ch e Li t er a tur. §. 17. Otfried. §. 18. Lyrik. 
§. 19. Klofterfchularbeiten : Ammonius. §. 20. Notker. §. 21. Williram. 
§. 22. Lateinifches Schaufpiel: Hrotsvith. — Thierfage. 

Zweites Kapitel. §.23. Dichtungen des xi.-xii. Jh. §.24. Biblifche 
Erl6fungsgefchichten : Ezzo5 Ava; Hartman; Heinrich 5 Anegenge u. f. w. 
§. 25. Legenden: Pilatus; Crescentia; Ulrich; Tundalus; Servatius n. f. w. 
§. 26. Mariencultus. §. 27. Geiftliche und weltliche Lyrik, vgl. 8. 115D f. 
§.28. Lehrdichtung. §.29. Gefchichtliche Dichtung: Annolied; Kaiferchronik; 
§. 30. Lamprechts Alexander; Herzog Ernft; Graf Rudolf. §.31. Thierfage: 
Ifengrimus; Reinardus; Reinhart. §. 32. Kerlingifche Sagen: Rolandslied. 
§. 33. Spielmannsdichtung: Orendel; Oswalt; Rother; Salman und Morolt. 
§. 34. Heldenf&ge; Zeugniffc. 

Zweites Buch. 

Vom Zeitalter der Kreuzzüige bis zum Interregnum. 
Hofifche Dichtung. 

§.35. Ueberficht. ■— Erßea Kapitel §.36. H6fifche R.itt er-Po efie. 
§. 37. Ueberarbeitungen. §. 38. Heinrich v. Veldecke; Eilhard v. Oberge; 
Otte ; Athis und Prophilias ; Konrad v. Fußesbrunn ; Ulrich v. Zazikhoven ; 
Herbort v. Fritzlar; Biterolf ; Albrecht v. Halberftadt (vgl. S. 1 151). §. 39. Hart- 
mann V. Aue. §. 40. Wolfram v. Efchenbach. §. 41. Gotfried v. Straßburg. 
§. 42. Wirnt v. Gravenberg ; Blicker v. Steinach ; Heinrich v. d. Türlin ; Konrad 
Fleck; Die gute Frau. §. 43. Der Stricher. §, 44. Jans Enenkel; Wernher 
der Gartensere; Herrand von Wildonie. §. 45. Gotfriod v.Hohenloch; Ulrich 
V. Türheim; Konrad v. Heimesfurt. §. 46. Rudolf v. Ems. §. 47. Reinbot 
V. Dume; Heinrich v. Krole^iz; Liutwin. §. 48. Ulrich v. d. Türlin; Der 
Plaier; Mai und Beaflor; Bertold v. Holle; Konrad v. Stoffel. 

Zweites Kapitel §. 49. Lyrik. §. 50. Spervogel; Reinmar der Alte; 
Bruder Wernher; Heinrich v. Morunge; Kriftan v. Hamle^ Wa.ltk<ftx -^ . ■\&jö«., 
§. 51. Walther v. d. VogelwoWe. ^. ^*l. '^VtXÄX^s ^qNSärä. ^.^^^^^ V^^^- 
keinmar y. Zweter, der Marnei. 



XIY Erfter Band. InhaltsAberfioht. 

Drittes KapiteL §. 54. D i d a k t i T ch e D i ch t n n g. §. 55. 'K6nig Tirol j 
DerWinsbeke und die Winsbekin ; Thomafins welfcher Gaft. §.56. Vridankes 
Befcheidenheit. §. 57. Cato5 Der Taiihufor5 Ulrich v. Lichtenltein. 

Viertes Kapitel. §. 58. Die d eutf ch e Hei d enf age. §..59. Sagen- 
kreiße. §. 60. Nibelungenhandfchriften. §.61. Handfchriften. §. 62. Die 
Klage. §. 63. Hugdietrichj Ortnitj Wolfdietrich und Sahen. §. 64. Sigenotj 
Ecke 5 Laurin ; Goldemar. §. 65. Nibelungenlied. §. 66. Walther v. Spanien } 
Öudrun. §. 67. Schaufpiel; Ludus de nativitate dominij Ludus de paffione 
domini; Ludus de afcenßone domini u. f. w. 

Drittes Bach. 

Vom Interregnum bis zur Reformation. 
Bürgerlicli - gelehrte Dichtung. 
§. 68. Ueberblick- §. 69. Myftifche Gedichte. §. 70. Titurelj Wartburg- 
krieg3 Lohengrin. §. 71. Konrad v. Würzburg. §. 72. Kleine Erz&hlungen. 
§. 73. Das de utfche Heldengedicht. §.74. Alpharts Tod} Dietrichs 
Ahnen und Flucht; Rabenfchlacht ; Dietrich und feine Gefellen; Biterolf und 
Dietleib; Dietrich und Wenezlan ; Der Rof engarte. §. 75. Hugdietrichj Ortnit; 
Wolfdietrich. §.76. Hildebrant. §.77. Sigenot} Ecke 5 Laurin. §.78. Teil- 
nahme der Fürften. §. 79. Frauenlob; Barthel Regenbogen 5 Joh. Had- 
laub. §. 80. Ulrich v. Efchenbach; Die heil. Elifabethj Wigamurj Reinfried 
V. Braunfchweig) Apollonius v. Tyrland, Priefter Johflnnj Friedrich v. Schwa- 
ben 5 Wilhelm v. Oefterreichj Herzog Ernft^ Alexander und Antiloie; Triftan 
Heinrichs v. Freiberg. §.81. Ordensritter: Buch der Rügen } Hugo 
y. Langenftein ; Schondochj Panional; Luderus v.Brfchw.5 Nicolaus v. Jerofchin *, 
Heinrich Hesler} Bruder Philipp 5 Bruder Johannes ; W^alther v. Rheinau u. f. w. 
§. 82. Lehrdichter: Seifrit Helbling; Heinzelin v. Konftanz ; Hugov.Trim- 
berg. §. 83. Hadamar v. Laber u. f. w. §. 84. Hiftorifehe Gedichte; Reim- 
chroniken 5 Lieder. §. 85. Ulrich Boner 5 Konrad v. Ammenhaufen 5 Heinrich 
V. MfigelU) Heinrich der Teichner j Peter Suchenwirtj Suchenfinne u. f. w.5 
Evehardus Cerlne. §. 86. Heldenbuch. §.87. Hans der Buhelerj Konrad 
Vintlor; Hermann v. Sachfenheim; Altfwert. §. 88. Kleine Erz&hlungenj 
Schwanke. §. 89. Priamelj Weingrüße; Klopfan} R&tfel. §. 90. Lyrik. 
Konrad V. Queinfurt 5 Hermann v. Salzburg, Heinrich v. Laufenberg; Legenden- 
dichtung; Kunz Kiltener. §. 91. Hugo v. Montfort; Muskatblüt; Michel 
Beheim; Peter Zwinger} Jörg Schiller; Michel MüUer; Jörg Breining u. f. w. 
§.92. Schaufpiel: Kindheit Jefu; Himmelfahrt Chrifti; Die zehen Jung- 
frauen; Dorothea} Schernberks Spiel von Frau Jutten} Entkrift. §. 93. Faß- 
nachtfpiele. §. 94. H. Rofenplüt. §. 95. Hans Folz. §. 96. Püterich; Ulrich 
' Pürterer. §. 97. Heldengedicht. Der Nibelunger Lied} Siegfrieds 
Drachenkampf; Hörnen Siegfried; Ermenrichs Tod} Kaspars v. d. Ron Helden- 
buch. §.98. Nied er d eu tf ch e poetifche Literatur: Heldenfage} 
Reimchroniken} Hiftorifehe Lieder} Legenden und Bibeldichturgen. §.99. Die 
Blankeimer Handfchrift} Das Herzbuch} Die Helmftedt-Wolfcnbüttler PTand- 
fchrift ; Die jütifche Samlung } Die liefländifche Samlung ; Die Wiener Hand- 
fchrift. §. 100. Gerard v. Minden; Vridank, Facetus, Cato; Theophilus; 
Sitndenfall u. Marienklage } Das Redentiner Spiel} Reineke; Schaekfpel S. 1157. 

Viertes Buch. 

Von der Reformation bis zum dreißigjährigen Kriege. 

Kirchliche Volksdichtung. 

§. 101. Allgemeine Charakteriftik. JErßes Kapitel, §. 102. V 1 k s 1 i t e - 

ratur. §. 103. Sprichwörter. §. 104. Schwanke. §. 105. Volksbücher: Auf- 

15fang alter Gedichte. §. 106. Pfaff v. Kaienberg; Peter Leu; Eulenfpiegel, 

§. 107. Die fieben Meifter; Salomon und Marcolf; Grifeldis} AppoUonius} 

Flore und Blanfcheflur} Lother und Maller; Fortunatus. §. 108. Melufina; 

Der Bitter vom Turn; Pontus und Sidonia} Hug Schapler} Herpin} Magelone; 

F^erAhms; Haimonskinder ; Octavianus; Galmj. §. 109. Volkslied. §. 110- 

///. Samlungen, §, 112. Einzelne Lieder imi LiedeiVäuÖLe, 



Erfter Band. Inhaltsflb erficht X\* 

Zweites Kapitel. §. 113. Wiederbelebung der Wi ß enf chaft en. 
Lateinirche Schaufpiele. §. 114. Ueberfetzungen. §.115. Seb. Branfc. §: 116. 
Pampfailns Gengenbach. §. 117. Lehrgedichte: Morßheim; Batt Murner 5 Job. < 
Murner; Albr. Dürerj Beruh. Klingler; Jac. Mennel u. f. w. §. 118. Kaifer 
Maximilian. §. 119. Kirchenpoeüe vor der Reformation; Sixt Buchsbaum. 
Hier. Schenk; Adam v. Fulda; Joh. Böfchenftein; Wolfgang v. Maen ; Mart. 
Myllius; Legendendichtungen. §.120. Predigten: Joh. Geiler von Kaifersberg. 

Drittes Kapitel, Reformation. §. 121. M. Luther ; Bibeluberfetzungen. 
Luthers Ueberfetzung ; Luthers Kirchenlieder 5 einige feiner übrigen Schriften. 
§. 122. Dichtungen f&r und gegen Luther. §. 123. Das Kirchenlied 5 Allge- 
meine Gefangbücher. §. 124. Localgefangbücher. §. 125. Dichtungen über 
einzelne Bibelabfchnitte; Nie. Hermann. §. 126. Poetifche Bearbeitungen des 
Pfalters. §. 127-128. Dichter geiftlicher Lieder. §. 129. Namenlieder. §. 130, 
Tonfetzer geiftlicher Lieder. §. 131. Dichter geiftlicher Lieder in ideder- 
deutfcher Sprache. §. 132. Umdichtungen weltlicher Lieder. 

Viertes Kapitel. Kirchenkampf. §. 133. Thom. Mumer. §. 134. Na- 
tnenlofe Dichtungen etc. 5 Joh. Eberlin v, Günzburgj Michael Styfel^ Joh. Eck. 
Joh. Faber; Fr. Naufea5 Hieron. Emferj (Erafmus Alberus)^ Joh. Cochlaeus ; 
Ulrich V. Hütten (vgl. 1172); Franz v. Sickingen; Johann v. Schwarzenberg. 
§. 135. Die b6hmifchen Bi-üderj Mich. Weiffej Joh. Hörn. Gefangbücher. 
§. 136. Dichter geiftlicher Lieder unter den Katholiken; Mich. Vehe; Georg 
Wicel; Joh. Leifentritt ; Nie. Beüttner5 Leonh. Kethner; Gefangbücher; Katho- 
lifche Pfalmendichter : Rutger Eding; Cafp. Ulenberg. §. 137. Märtyrer der 
Reformationszeit. 

Filnftes Kapitel. §. 138. Ausbreitung der Reformation. §.139. 
Meiftergefang: Meifterfinger und Meifterlieder. §.140. Dialoge in 
Vers und Profa. §.141. G ef chich tlich e Gedichte. (Schwabenkrieg 5 
Baierifcher Erbfolgekrieg; Deutfeh -franzöGfch-italienifche Kriege; Hildeshei- 
mifche Stiftsfehde; Ulrich v. Würtemberg; Sickingen, Hütten; Bauernkrieg; 
Seeräuber Kniphof und Pechlin; Streit- und Spottgedichte der Reformations- 
jahre; Stralfund, Danzig, Hamburg5 Juden, Türken ; Heinrich der jüngere von 
Braunfchweig- Lüneburg u. f. w. ; Neue Zeitungen, Mordgefchichten ; Sitten- 
gefchichtliche Lieder). §. 142. B ü ch 1 e i n in Vers und Profa über reforma- 
torifche Anläßc, Lehrgedichte. §. 143. Umarbeitungen älterer Werke) 
Ueberfetzungen aus dem Griech. und Lateinifchen. §. 144. Kleine dichterifche 
Erz&hlungen: Reineke Fuchs 5 Peter Diemringer; Bruder Raufch; Thedel 
v. Walmoden; Heinrich der L6we. Reimchroniken} Pritfchmeiftor. 

Sechßes Kapitel, Schaufpiel. §.145. Benutzung der Form; Naogeorg, 
Niederdeutfche Spiele: Claus Bauer; Der Schlemmer. §. 146. Schau- 
fpiele der Schweiz: Nie. Manuel} J. Kolroß; Hans v. Rute; Sixt Birk; 
Jac. Ruof; Vaient. Boltz} Jac. Funkelin} Jof. Murer; Herm. Haberer u. f. w, 
(vgl. die Nachträge). §. 147. Schaufpiele in S ach fen, Thüringen und 
Heßen: Joch. Greff; P. Rebhun; V. Voigt} Hans Tirolf} Joh. Krüginger; 
Joh. Chryfeus; Cyr. Spangenberg} Georg Rollenhagen; Ambr. Papo} Barth. 
Krüger; Mart. Hayneccius; Joh. Sommer u. f. w. §. 148. Schaufpiele im 
Rheinland: Homulus und Hekaftus. §. 149. Schaufpiele in S ch w a b e n , 
Baiern, Franktn; Leonh. Culmann ; Joh.lleros; Seb. Wild; Clem.Stephani; 
Daniel Holzmann ; Nie. und Jac. Frifchlini Thom. Birck; Georg Mauritius. 
§. 150. Schaufpiele im Elf aß: Jörg Wickram} Mart. Montanus; Jac. Frey} 
Job. Raffer; Andr. Mayenbrunn. §. 151. Schaufpiele in Brandenburg, 
Pommern, Preußen: Henrich Knauft; Joh. Reinhard; Georg Bomiche} 
Phil. Agricola; Georg Pfund (Pondo); Elias Herlitz; Heinr. Kielmann. §. 152. 
Schaufpiele in Braunfchweig-Lüneburg: Joh. Römolt ; Fr. Dcdekind ; 
Z. Zahn} M. Neukirch j Heinrich Eckftorm} Joach. u. Fr. (S. 1164) Lefeberg5 
Locke; Bellinkhaus. Schaufpiele in Meklenburg: Beruh. Hederich; Fr. 
Omichius} Joach. Burmeifter; G. Dedeken; Anton Schwabe. Schaufpiele in 
Oefterreich: Wolfg. Schmslzl (S. 1165)^ Thoia.Ri:TmxÄTS^^"«ÄA..^^^'i^^^^5»w. 
SchanfpieJe in Schlefien: Sam. HeVi^Ys U. UVX^\s ^v« . 'VIvc5iL\ KV^^Ä5Ö^- 
mann; Andreas Calagius; Tob, KobeT. 3 ^iTjL\\.^TiVombV>.^^v. 



r ■. 



XVI Erfter Band. Inlialtsfiberi^oht. 

Siebentes Kapitel, §. 153. Hans Sachs Leben ; §. 154 feine geiftlichen 
Gedichte, Dialoge, Befchreibnng und Meifterlieder. §. 155. Samlang feiner 
Gedichte und Jaiiresfolge feiner Schwanke und Schanfpiele. §. 156. Fabel- 
dichter: Erafm. Alberus Leben und Schriften. §. 157. Burchard Waldis 
Leben und Schriften (vgl. S. 1165)3 Nathan Chyträus ; Dan. Holzmann ; Huldr. 
Wolgemuth. §. 158. Grobianus (Dedeldnd; Cafp. Scheidt 5 Wendelin Hell- 
bach). §. 159. Seh wanke: JorgWickram, Leben und Schriften (Loß- 
bücher). §. 160. S chwank dich tun g. Job. Pauli; Jac. Frey; Martin Mon- 
tanus; Michael Lindener5 Valentin Schumann 5 Hans Wilh. Kirchhof 5 Beruh. 
Herzog. §. 161. Unterhaltungsliteratur ; Hiftorien; Amadis ; Giaffers S6hne ; 
Thedaldus. Teufelliteratur. §. 162. Bilderbücher: Todtentänze ; 
Biblifche Figuren 5 Emblemata; Ikonesj Gefellenbücher5 Thierbücherj Gem&l- 
poefien. 

Achtes Kapitel, Polemik. §. 163. Johannes Nas; Job. Vogelgefang. 
§. 164. Johann Fi f Chart. §. 165. Georg Nigrinus. §. 166. Georg Rollen- 
nagen. §. 167. Hans Chrftph. Fuchs 5 Balth. Schnurr (Macaronifche Dichtun- 
gen). §. 168. Barth. Ringwalt. 

Neuntes Kapitel. Nachahmung des Auslandes. §.169. Paulus 
Meliffus5 P. Denaifius5 Ph. v. Winnenberg. §. 170. Verfall des Schau- 
fpiels: Heinrich Julius 3 Die englifchen Komoediantcn. §. 171. Jac. Ayrer. 
§. 172. Schaubühne in Straßburg: Juniusj Fröreifen^ J. G. Wolckenftein 5 
J. Chr. Stipitz5 S. Ifrael5 Wolfhart Spangenberg. §. 173. Neu entftandne 
Volksbücher: Diogenes 5 Finkenritter; Claus Narr; Hans Clauert5 Fauft; 
Die Schiltbürger; Der ewige Jude 3 Valentin und Orfnsj Ogier. §. 174. 
Schwanken der Literatur: Job. Spreng 5 Leonhard Thurneiffer^ M. Quad; 
Job. Sommer; And. TharfiBusj Job. Steuerlein^ Job. Schr5ck5 Erafm. Wid- 
mann 5 Lazar. Sandrub; Job. Doman5 Jacob Vogel. §. 175. Romane und 
romanhafte Schriften; Aegidius Albertini ; Sch&ferelen; Schatzkammern 5 ürfde 
Aftr&aj Kuffftainer; Job. Sommer; Matth, Hofftetter; -^fchacius Maior) Nie. 
Ulenhart; G. F. Meßerfchmid; Adolph Rofe. 



Beim Schlußc diefes Bogens erhalte ich noch zwei Bücher, die ich wenig- 
ftens erw&hnen will: 

Zu S. 22: Karl Meinet zum erften mal herausgegeben durch Adelherf 
von Keller. Stuttgart 1858. 902 S. 8. 

Zu S. 60, §. 70, 2: D er Wartburgkrieg herausgegeben geordnet 
überfetzt und erläutert von Karl Simrock. Stuttgart u. Augsburg. J. G. Cotta- 
fcher Verlag. 1858. 364 S. 8. 



Binleitnng. 



§. 1. 

Glefchichte der Literatur ift nach der Zeitfolge geordnete Darftellung 
der im Wort lebendig gewordenen geiftigen Entwicklung der Völker. Sie 
begreift nicht allein das gefchriebene, fondern auch das lebendige Wort, 
das durch feine Form aus dem Eigentum des Einzelnen in das Eigentum 
größerer Kreiße Äbergegangen. Gefchichte der Dichtung befchränkt fich 
auf die Darfteilung der geiftigen Entwicklung der Völker in dichterifcherForm ' 
des Wortes. Diefe Form ift meiftens eine feft gebundene (metrifch, rhyth- 
mifch). Die Gefchichte der Form felbft (Poetik, Metrik) ift der Gefchichte 
der Dichtung untergeordnet, und wird hier wie die äußere politifche Ge- 
fchichte, Gefchichte der materiellen, und wißenfchaftlichen Cultur voraus- 
gefetzt. Eine Darfteilung der Gefchichte der deutfchen Dichtung hat die 
Aufgabe, die Entwicklung des deutfchen Volkes in der dichterifohen Form 
des Wortes kennen zu lehren. 

§. 2. 

Diefer Grundriß der Gefchichte deutfcher Dichtung foll das unter 
einfache Geiichtspunkte geordnete Material darbieten, auf dem eine ge- 
fchichtliche Darftellung fußen kann. Vom allgemeinen Charakter aus- 
gehend, foll er die einzelnen Entwicklungsmomente vor Augen ftellen, 
darin die verfchiedenen Richtungen unterfcheidenund die Erfcheinungen der- 
felben, die Dichtungen und Dichter nachweifen und Hülfsmittel anzeigen, 
aus denen genauere Kunde zu fchöpfen ift. Vollftändigkeit ligt nur fo 
weit im Plane, wie He erforderlich ift, um die Richtungen der einzelnen 

i >|Entwicklungsmomente des Gefamtchar akters kennen zu lehren. Eine 
vllilftändige Nachweif ung der Dichter und Dichtungen, gar eine voU- 
ftändige Anzeige der Hülfsmittel wird weder beabfichtigt noch ift fie 
möglich. Die von der Sache im Allgemeinen gebotne Ebenmäßigkeit in 
Behandlung des Stoffes wird durch mehrfache Rückfichten befchränkt 
Das allgemeiner in die Kenntnis der Mitlebenden Uebergegangene bedarf 
nur erwähnender Behandlung; Verweifung auf verbreitete Volrarbeiten 
genügt. Ungebürlich vemachläßigte Abfchnitte muften klarer vor^jaßifcs^ 
werden. Der ihnen gewidmete Raum, der widet^ '^^x^aKtL T.>j^\i^^K&x».^^- 

) Hgen fcbeintf thut es nur in der äuBexeii "Eottsi. 

i Qddeke, GrundriQ- ^ 



2 Einleitang. 

§. 3. 

Die Aufgabe war, durchgängig aus den Quellen zu fchöpfen, da nur 
< aus ihnen ein reines ungetrübtes Bild gewonnen wird. Die L5fung muß 
nicht feiten hinter dem Ziele zurückbleiben, weil die Quellen nicht überall 
zugänglich find. Erfatz fdr das Urfprüngliche gewährten Forfchungen, 
die für Quellen gelten dürfen. Daß der Verfaßer des Grundrißes feine 
Aufgabe nicht leicht genommen, darf unter Hinweifung auf frühere Ar- 
beiten, die alle im fteten Hinblick auf das Ziel unternommen wurden, 
bemerkt werden. Diefe Arbeiten fetzt der Grundriß und die darauf ge- 
baute Darfteilung als Ergänzungen und Belege voraus, doch fo daß jedes 
für fich' felbft verftändlich bleibt. Ausführliche Darfteilung bleibt vor- 
behalten. Die meiften Vorgänger find zwar nicht unbenutzt geblieben, 
doch ift die Uebereinftimmung zwifchen ihren Arbeiten und der vorlie- 
genden nicht als Entlehnuhg zu betrachten, andrerfeits fehlen es nicht 
erforderlich, die Abweichungen befonders zu rechtfertigen. Daß diefer 
Grundriß Verbeßerungen aus den Quellen und Berichtigungen aus §,hn- 
lichen Arbeiten erfahren kann und wird, ift von felbft verftändlich. Für 
jede werde ich dankbar fein, auch für die, welche ich vielleicht fchon 
felbft vorgenommen, wenn das Buch in die Hände der Lefer kommt. 

f» Gadeke, Handbach der GefcUchte dentfcher Pichtmig. Hanover 1856. — Deutfche 
Dichtung im Mittelalter. Hanover 1854. — Elf Bdcher dentfcher Dichtung vooi SebaftianBrant 
bis auf die Gegenwart. Leipz. 1849. n. — Deutfchlands Dichter von 1818 bis 1848. Hanover 
1844. — E. J. Koch, Grundrifs einer Gefchichte der Sprache und Literatur der Deutfchen von 
den mtellen Zeiten bis auf Lessings Tod. Berlin 1795—98. n. — G. G. Gerrtnut, Gefchichte 
der deutfchen Diditung. 4. Aufl. Leipz. 1853. y. — A. Koberftein. Gnindr|6 der Gefchichte 
der deutfchen Nationalliteratur. 4. Aufl. ■ Leipz. 1845 (unbeende«. — A. F. C, Vilmar, Ge- 
fchichte der deutfchen Kationalliteratur. 6. Aufl. Marb. 1855. — /. Ettmüller, Handbuch der 
deutfchen Literaturgefchichte. Leipz. 1847. — W. Wackernagel, Gefchichte der deutfchen 
Literatur. Ein Handbuch. Bafel 1848 (unbeendet). — W, Pütz, Ueberficht der Gefchichte der 
deutfchen Literatur. Coblens 1855. 

§. 4. 

Die Grefchichte dentfcher Dichtung umfaßt die Völker, welche deutfch 
reden, ohne Rückficht auf die politifchen Gränzen, fchließt alfo weder 
die Schweiz, noch das Elfaß, noch die deutfchen Oftfeeprovinzen aus. 
Im weiteren Sinne würde Q.Q auch die Niederlande, ü.ngland und den 
Norden zu umfaßen haben, wohin jedoch, da die Sprachentwicklung einen 
zu großen Abftand erzeugt und den lebendig einheitlichen Wechfelverkehr 
aufgehoben hat, nur da geblickt werden foll, wo Mangel dentfcher 
Quellen Lücken in der Gefchichte der einheimifchen Dichtung erzeugt» 
Lateinifch dichtende Deutfche konnten gleichfalls nur als Aushelfer be- 
rückfichtigt werden. Sie ganz 'auszufchließen war deshalb nicht ange- 
meßen, weil ohne ^q manche Abfchnitte der Dichtungsgefchichte, felbfl; 
wo ^Q wirkliche Volksdichtung wurde, lückenhaft geblieben wEre. Der 
Stoff beginnt da, wo die erften Spuren dentfcher Sprache auftreten, und 
reicht bis auf die Gegenwart. Er ift weder abgefchloßen, noch in gleich- 
mäßig fortwachfendem Leben begriffen, zeigt vielmehr großen Wechfel 
von Blüte und Welken, beide bedingt von der äußeren Gefchichte. Naqh 
diefen Stadien ergibt fich eine Zerlegung des gefamten Stoffes, deffen. 
Anfänge nur als Vorgefchichte zu betrachten find, in drei große Gruppen 
von felbft: die Vorgefchichte, welche die heidnifche Zeit bis zur Durch- 
/Mmng dea Chnlientümes umfaßt; das chii£t!^cYieMiU^\al\>«t\ ^xkd^i^^^ 



§. 3—6. 3 

neuere Zeit. Innerhalb diefer Gruppen treten wiederum merklich ge- 
fonderte kleinere Gruppen hervor, die eine Zerlegung des Stoffes in acht 
Abfchnitte, denen hier eben fo viele Bücher gewidmet find, empfelen. 
Die Einteilung ift demnach, die Zeit bis auf Karl den Großen als Ein- 
leitung betrachtet, folgende: 

1. Bueh. Von Karl d. Gr. bis auf die Kreuzzüge. Dichtung der Geist- 
lichen. 

2. Buch. Zeit der Kreuz^üge* Hofifche Dichtung. 

3. Buch.^ Von den Kreuzzügen bis zur Reformation. Bürgerliche Dichtung. 

4. Buch. Von der Reformation bis zum dreißigj. Kriege. Kirchliche Volks- 
dichtung. 

5. Buch. Vom dreißigj. bis zum fiebenj. Kriege. Gelehrt-h6fifche Dichtung. 

6. Buch. Vom fiebenj. 'bis zum Weltkriege. Nationale Dichtung. 

7. Buch. Zeit des Weltkrieges. Phantaftifche Dichtung. 

8. Buch. Vom Weltfrieden bis auf die Gegenwart. Gefellfchaftlich-philo- 
fophifche Dichtung. 

§. 5. 

In den einzelnen Büchern wird die reine Zeitfolge des Stoffes durch 
mehrfache, gleichzeitig fortlaufende, zwar dem Hauptcharakter unter- 
geordnete, aber doch verfchiedenartige Richtungen bedingt und hier des- 
halb unterbrochen oder geteilt werden müßen, wie wenn ein Strom in 
mehre Arme geteilt eine Stadt durchfließt. Darüber geben die einzelnen 
Kapitel der Bücher Rechenfchaft. Eine Scheidung nach den üblichen 
Formen der Poetik, Epos, Lyrik, Drama, empfal fich nicht, da fie weder 
erfchöpfend find, noch den Stoff ohne GewaltthUtigkeit darfteilen laßen. 
Dagegen find die Werke eines und defselben Dichters, fo weit fie über- 
haupt berückfichtigt werden muften, in der Regel an einer Stelle gefam- 
melt, und es ift lieber für den Dichter ein befonderes Kapitel eingeräumt, 
wenn feine verzweigte Thätigkeit keine Unterordnung unter ein anderes 
Kapitel geftattete, als daß das Gefamtbild ^rfchlagen und der Trümmer- 
haufen an vielen Orten w§,re ausgelegt worden. Nur hinter der Gefamt- 
thS-tigkeit des Einzelnen kann er felbft, der den Wert des Einzelwerks 
beftimmt, heraustreten, wie hinter den einzelnen Dichtem die Zeit felbft, 
die ihren Wert beftimmt, heraustritt. 

_ .§. 6. ♦ 
Ein Gefamtüberblick über die Literatur lehrt wie ftete 
Hemmungen dem Aufblühen Einhalt thaten und ftete Einflüße 
von Außen her die felbfteigene Entwicklung des deutfchen 
Geiftes irreleiteten. Der Kampf mit diefen fremden Elementen 
macht das bewegende Leben? in der Literatur aus. Die Ge- 
fchichte der Dichtung fpiegelt diefen Kampf am fchärfften. 
Im Beginn lag das unter einander kämpfende und herrlicher 
Dichtungen reiche Volk mit dem von außen eingeführten 
Chriftentume im Kampfe, deffen fiegreicher Ausgang alles Ur- 

S'* rüngliche niedertrat. Das in feinen Geiftlichen herrfchende 
liriftentum dr^gte die wiederaufftYe\i^Tv5t^\x ^x^aSx^ ^^'^»^^^^^'^ 
mit kirchlichen Dichtungen zurück. T>aTav ^^ ^^^ ^^'^Sötv5i^^'' 



s^ 



im 



^i 



■I 



:j 



7 



Einleitung. 



den ritterlichen Dichtem weichen muften, drang von ein 
andern Seite eine neue Bildung herein, die abermals den der 
fchen Beftrebungen fiegreich den Vorfprung abgewann ui 
felbft den edelften Erzeugniffen heimifcher Dichtung ihr< 
i'.; ' ' Stempel aufdrückte. Die rafch abwelkende Blute »diefer eing 

>;r ' führten Bildung wich einer von meiftens bürgerlichen Dichte: 

[^-; getragenen Gelehrtenpoefie, der alles Einfache und Volksmäßi^ 

gering und haßenswert erfchien und 'die ungelehrten Bürg 
nicht feiten verleitete den Schein der Gelehrfamkeit in dunkle 
Unfinn zu fuchen, oder die gefpreizte Feinheit durch grobel 
Natürlichkeit zu erfötzen. Auch . die Reformationszeit ftai 
unter dem Einfluße fremder Bildung, aber fie wufte fich de 
felben wie ureigner zu bemächtigen. Sie gCTfährt durch d 
über das ganze Volk verbreitete dichterifche ThAtigkeit, d 
durchgängig einen einheitlichen Charakter aufweift, zum erft< 
und letzten Male das Bild einer volksmaßigen Dichtung, d 
nur weil äußere gefchichtliche Hemmungen eintraten, fich nie 
zur Vollendung durcharbeiten konnte. Von da an fteht d 
deutfche Dichtung fortdauernd unter auswärtigem Einfluß, ba 
unter Niderländem, Franzofen, Spaniern, bald unter Engländer 
^' Griechen und Romern, bald unter aller Welt Einfluß, fo da 

i'j wie fehr auch die innere Bildung durch alle diefe Elemen 

&.' gefteigert und wie wenig Ausficht auch vorhanden ift, daß ba 

eine entfcheidende Wendung eintreten werde, die Gefchich 
einer Dichtung des deutfchen Volkes noch erft kommen muß 

' §. 7. 

t Die älteften Spuren deutfcher Sprache liegen in deutfchen Namen, 

" deren Formen die Sprachforfchung fchon grammatifche Regeln fpS-tererZ 

und mundartliche Unterfchi^e zu erkennen vermochte. Die alteft 
deutfchen Wörter, in einem Crlpffar des Dioscorides (um 40 n. Chr.) v< 
zeichnet, weifen Züfammenhang zwifcheri Geten und Gothen und Anklan 
an Kelten auf. — Eingehendere Kunde überDeutfchland gewS,hren zue 
Caefar, Plinius und Tacitus, zu deren ,Z.eitfim die deutfchen Völker meifte 
^ fchon diefelben Sitze innehattoii, wie im fpiteren Mittelalter. In ihre 

f. ' ' Leben lag die Poefie, wenn auch hie und da zu bewufter Dichtung ^ 

ftaltet, unabgel5st in allen Geiftesrichtungen ; im Glauben, der G5tt< 
und Heldengefchichten trug; im Rechte, das in finnlichen Formeln hi 
. tete ; in der Wißenfchaft des Arztes, der mit dichterifchen Spruch 
heilte; in der Gefchichtskenntnis, die in Liedern lebte und die Held 
zu den Göttern hob, die Götter zu den Menschen niederzog. Es w< 
den ausdrücklich Lieder erw8.hnt. 



J. erimm, Gefchichte der deutfchen Sprache. Leipz. 1848. n. Deutfche Mytholoj 
G-öttiiigen 1854. 3. Aufl. Deutfche Rechtsaltertümer. Göttingen 1854. 2. Aufl. — K. Simrt 
Handbuch der deutfchen Mythologie mit Einfchluß der nordifchen. Bonn 1855. — W. Mül 
Gefch. u. Syftem der altd. Religion. Göttingen 1844. 

Celebrant carminibus antiquis, quod unum apud illos memorlse et annalium genus 

Tuifconem, deum terra editum, et filium Mannum, originem gentis conditoresque. Mai 

tres filios afQgnant, e qnorum nominibus proximi Oceano Ingaevones, medii Herminones, cei 

LscBBvoDes roc&nt'üT . . Fniffe apud eos Herculem memorant, primunviue omnium viror 

forüum itari in proBlia, cannnt. Sunt illis hsec quoque caramia, qxvoTum Te\aA.>3L (^«^cto. \i«tS.A 

voornnt) accendunt animOB, tatürteque pugnse fortunam. ipso caulu au^utWQXut. Tac. Germ. 



§. 6-9. 5 

Temere Aibeuntes cohortes Germanorum canta tnici et more patrio nudis corporibus. Tac. 
kift. 2, 23. üt vlromm cantu, fceminanun ulnlatn fonnit acies. Tac. hift. 4, 18. Canitur (Ar- 
minias) adhnc barbaras apud gentes. Tac. ann. 2, 88. Nox apud barbaros canta aat clamore 
acta. Tac. hift. 5, 15. 

§.8. 

Dürftig bleibt die Kunde von deutf eher Dichtung auch npch bei den 
Gothen, nur daß hier neben den äußern Zeugniffen eigne in der Sprache 
felbft dargebotene auftreten. , 

Saggva: Gefang Eph. 5, 19. Col. 3, 16; hazeins: Lobgefang Eph. 5, 19. Col. 3, 16: 
naiteins Mrc. 2, 7. 8, 28. Lac. 5, 23: Spottlied; rpill: M&rchen, Sage. Joruandes nennt bei 
den Gothen cantiones, carmina: qaemadmodom in prifcis eorum carminibas, pene hiftorico 
rita, in commane recolitar. — Am^li, ante quos canta migorem facta modulationibus citha- 
risqne canebant: Ethespamarae, Hanalae, Fridigerni, Vidicalae et alioram. Jörn. c. 4. 5. 

Das w^ichtigfte Denkmal f&r die Gefchichte der deutfchen Sprache 
ift die gothifche BibelÄberfetzung des Ulfila 

Ulfila, um 318 geb., war Lector bei den Gothen, 348 Bifchof; Arrianer; 
355 verließ er fein Amt (von Athanarich verfolgt), gieng mit feinen Anhängern 
über die Donau; erhielt, von Conftantius ehrenvoll aufgenommen, Wohnfitze 
in den Gebirgen des H&mus; ftarb 388 zu Conftantinopel, wohin er fich zu 
einem den Arrianern verfprochnen Concil begeben. W&hrend feines vierzig- 
jährigen Epifcopats predigte er ohne Unterlaß in griechifcher, lateinifcher und 
gothifcher Sprache. Er hinterließ in diefen drei Sprachen mehre Abhandlun- 
gen und viele Ueberfetzungen. Er überfetzte die ganze Bibel mit Ausnahme 
der Bücher der Konige, die fein Volk zum Kriege eher gereizt als davon ab- 
gehalten hätten. Erhalten find vom alten Teftamente nur Bruchftücke , vom 
neuen Teftamente das meifte. 

M. G. F. Heupeliusy differt. hist.-phil. de ülphila f. verfione IV. evangeliftaram gothica. 
Witteb. 1693. 12 Bl. 4.— G. Wait%, über das Leben a. die Lehre des Ulfila. Hannov. 1840. 4. 
— J. Zacher^ das gothifche Alphabet Vulfllas u. das Ranenalphabet. Leipz. 1855. 8. 

Quatuor evangeliorum Terfiones perantiqua^ duae, gothica fcilicet et anglofaxonica, qaa- 
ram illam ex cod. Argenteo nunc primum depromfit Fr. Junius. Dortrechti 1665. ii. 4. Am- 
rtelod. 1684. n. 4. — G. Stiernfaelm, Evangelia ab Ulfila trans]ata. Stockh. 1671. 4. — Sacror. 
evangelior. verfio gothica ex codiceArg. emendata atqne fappleta cum interpr. latinaE. Ben- 
zelii edidit obfervationes faas adiecit et grammaticam gothicam praemifit E. Lye. Oxonii 
1760. 4. — J. ab Ihre. dilTertatio de lingua cod. argent. 1754. dilT. altera 1759. — Joh. ab Ihre 
fcripta verßonem Ulfilanam illaftrantia edita ab A. F. Büfching. Berolini 1773. 4. — Ulphilas 
▼erflonen» gothicam nonnollorom capitam epiXlolte Pauli ad Romanos e litura cuiusdam ms. 
refcripti eruit P. A. Knittel. Bunovici 1762. 4. — Ulfilas gothifche Bibelüberfetzung nach 
Ihrens Text hrsg. v. J. Chr. Zahn. Weiffenfels 1805. 4. — The gothic gof^el of St. Matthew 
from the codex Argdnteus with the correQ>onding Englifh or Saxon from the Durham book 
of the .eigth Century edited by S. Henshall. London 1807. 8. — Ülphilse partium ineditarum 
ab Angelo Majo repertarum I^ecimeu curis Mi^i et C. Oct. Caftillioniei editum. Mcdiolanl 
1819. 4. — yiphil« gothica verfio epiftol» divi Pauli ad Corinthios fecund«, quam edidit C. 
O. OaftillionaBus. Hediol. 1819. 8. — Evangelii'fecundum Matthseum verfio francica feculi ix. 
nee non gothica feculi iv. quoad fkipereft, ed. J. A. Schmeller. Stuttg. 1827. 8. — Gothic» 
verfionis epiltolarum divi Pauli ad Romanos, ad Corinthios primae, ad Ephefios quas Aiperfunt 
edidit C. O. CamUionasus. Mediol. 1834. — Gothicae verfionis epiftolarum d. Pauli ad Galatas, 
ad Philippenses, ad ColofTenfes, ad ThefTalonicenfes primae, quae Aiperfunt edidit C. O. Caftil- 
lionaeus. Mediol. 1835. — Ulfilas. Veteris et novi teftamenti verfionis gothicae ft-agmenta qn» 
AiperrUnt ediderunt H. C. de Gabelentz et Dr. J. Loebe. Vol. i. (Goth. n. lat. Text). Alten- 
burgi et Lipfiae. 1836. 4. ; Vol. n. pars prior (GlofRar). Lips. 1843. 4- ,* vol. ii. pars pofterior 
(Grammatik). Lips. 1846. 4. — Codex argenteus, five facrorum evangeUorum verfionis gothicss 
fl-agmenta, quae iterum recognita edidit A. Uppftröm. Upsalas 1854. 4. — Ulfilas. Die hei- 
ligen Schriften alten und neuen Bundes in gothifcher Sprache mit gegenüberftehender grie- 
chifcher und lat. Verfion, Anmerk., Wörterb., Sprachlehre und gefchichtlicher Einleitung von 
H. F. MaÖmann. Stuttg. 1855. 8. — Gothisches Glossar von Ernst Schulze. Mit einer Vorrede 
von Jacob Grimm. Magdeburg (1848). 4. 

§. 9. 
Die Gothen hatten das Chriftentum zuerft angenommen, ihnen folgten 
die Vandalen, Gepiden, Burgunden, Prankeu., T\si^\^:sl%'5^^^^'^^^^ '^^'^^'^^ 
undFriefen, zum Teil unter laeftigetLlSÄm^iexi, ^^\i^^ $J5Ä"^€^.^xs^^^'^^^^^^ 
dem die Poefie der deutfchen Stäiivm^ 8,xv^^^Nq%.0a.^^M . ^^^^a^M^^ -^^-^sa^^ 



6 Einleitung. 

oder zurückgedrängt wurde. Wer fich in Sachfen nicht taufen laßen 
will, wird getoetet ; wer die Toten verbrennt anftatt begraebt, wird geköpft ; 
wer dem Teufel opfert, wird getoetet; wer Quellen, Bäume, Haine anbetet, 
zahlt hohe Buße. (Capitulare de partt. Sax. Pertz legg. 1, 48 — 50). 
Begreiflich, daß fich von deutfcher Po efie faft nichts erhalfen hat. Es 
gab aber Lieder auf Götter, auf Helden und fonftige Gedichte. Dafür 
fprechen äußere Zeugnifse, erhaltne Bruchftücke und innere Anzeichen 
fpäterer Gedichte, fo wie fagenhaft erfundene, aus Liedern übernommene 
Erzl,hlungen der Gefchichtfchreiber. 

'Ich habe gefehn, daß die jenTeit des Rheines wohnenden Barbaren b&nrifche Lieder, 
die wie das Gefchrei der krächzenden y6gel lauteten, mit Wolgefallen fangen.' Julian Mifo- 
pogon, im Anfange. Barbaros Icudos harpa relidebat..; dent barbara carmina leudos. Venantiu* 
Fortunat (VI. Jh.) 7, 8. Barbara et antiquiXTima carmina, quibus yetemm regum actus et bella 
canobantur, fcripfit memoriaeque mandavit (Karolus). Einh. vlta KaroH c. 29. Poctica carmina 
gentilia, qüsB in iuventute didicerat (Ludovicus pius), rel^uit, nee legere, nee audire, nee 
• docere voluit. Thegan. vita Hludovici. c. 19. Als der heil. Liudger (t809), das Evangelium zu 
predigen, nach Friesland kommt, oblatua eft cobcus, vocabulo Bemlef (Isbernlef), qui a viclnia 
fais valde diligebatur eo quod effet aifabilis et antiquorum actus regumque certamina bene 
noyerat pfallendo promere. Altfridi vita S. Liudgeri 2, 1. Fem 2, 412. Nollatenus ibi (in den 
Nonnenkl6rtem) uuinileodos fcribere vel mittere praefmnat. Capitulare 789. Fertz legg, 1, 68. 
nuinileodos, cantilenas feculares. gl. Weingart. vgl. Müllenhof in Haupts Ztfchr. 9, 128. fcofleod 
odo winileod, plebeios pfidmos, cantica ruftica et inepta. Graff 2, 192. 

§. 10. 

Es haben fich aus der vorkarolingifchen, heidnifchen Zeit nur wenige 

Bruchftücke erhalten, in denen unvermifchtes Heidentum erkennbar ift, 

einige Befchwoerungen, ein Bruchftück des Hildebrandsliedes und einige 

Spottverfe; alle freilich in fp§,teren Aufzeichnungen. 

Die beiden Zauberformeln , nach dem Fundorte der hs aus dem m. Jh. in 

Merfeburg auch Merfeburger Gedichte genannt, die eine zur Heilung eines 

gelähmten Pferdes, die andre zur Losung eines Gefangnen. 

J. Grimm Aber zwei entdeckte Gedichte aus der Zeit des deutfchen Heidentums (Hiftor. 
phil. Abh. der Berliner Akademie 1842. 1.— 26). MA. 5. 

Das Hildebrandslied in einer mit niederdeutfchen Formen gemifchten Mund- 
art, anfeheinend lückenhaft, ohne Schluß, befingt das Zufammentreffen Hadu- 
brahts mit feinem Vater Hütibrant, Heribrants Sohn, der bei dem vor Otachres 
Haß geflohenen Dietrich lebte und vom Bohne für tot gehalten wird. 

Eccard Franc, or. 1729. 1,86&— 902. Die beiden filterten Gedichte aus dem vin. Jh. in 
ihrem Metrum dargeftellt durch die Brdder Grimm. CafTel 1812. 4. — K. Lachmann, Aber 
das midebrandsUed (PhU. Abh. der Berl. Akad. 1833. 128—162). — FeuBner, die älteften alU- 
terierenden Dichtungsrefte in hochdeutTcher Sprache. Hanau 1845. 4. (auch die Merfeb. ged. 
das WeBobr. Gebet und Mul^illi). — Chr. Wilbrandt, Hildibraht und Hadubraht. Roftock 
1846. 8. — Das Hildebrandslied hrsg. v. AI. Vollmer und K. Hofman. Leipz. 1850. 4. — W. 
Grimm, de Hildebrando antiquilTlmi carminis teutonici fragmentö. Gottingse 1830. Fol. 
(Facfimile). Vgl. Schack, Firduß. p. 363. — MA. 6. 

Die Spottverfe vom Eber, den kühnen Begegnenden, dem Hirsch, die ge- 
wöhnlich, wenn auch als Volks- doch nicht als Spottverfe genommen werden, 
alliterieren nur teUweife. Vgl. MA. 20. 

§.11. 

Schon das Hildebrandslied deutet auf größere epif che Dichtungen. 
In lateinifcher Bearbeitung des x. xi. Jh. ift ein Stück der deutfchen Helden- 
fage erhalten, dem ein deutfches Gedicht unterzuliegen fcheint. 

Waltharius, mit Hiltgnnd von Attilas Hofe zu feiner Heimat Aquitanien 
zurückziehend, wird im Wasichenwald (Vofagus) von dem fränkifchen Konige 
Gaatbaii und äeffen Helden angefallen. Das Gedicht, von Ekkehatd 1. (:^ 973"^ 
verfaßt, von Ekkeh&rd IV, (f 1036) überarbeitet, Cciuldexl 3L€t\iTLa.m^i. 



§. 9—12. Buch 1. §. 13. 7 

Fischer, de prima expeditlone Attilae. Lips. 1780. 4. — J. Grimma lat ged. des x. o. 
XI. Jh. Göttingen 1838. 8. S. 1—126. Vgl. MA. 270 ff. 

Auf diefe Denkmäler geftützt, darf nach den Andeutungen angel- 
fächiifcher Gedichte und den nordifchen Liedern auf eine weitverzweigte' 
epifche Poefie im yorkarolingifchen Zeitalter gefchloßen werden. Dazu 
ftimmen innere Kennzeichen der fpäteren epifchen Poefie, 

W. Grimm, die dentTche HeldenAige. Göttingen 1829. 8. — Beoyulf ans dem 7. 8. Jh. 
Xtützt fich auf Stammfagen der Angeln, Friefen, Juten, Dänen. J. M. Kemble, the anglo- 
faxon poem of Beovnlf. London 1835. 8. H.Leo, über BÄöwtdf. Halle 1839. 8. L.Ettmüller, 
Beowulf ftabreimend überfetzt. Zdrich 1840. 8. — Die Edda erft im 11. 12. Jh. gefammelt, 
weist ins 6. — 8. Jh. zurück und nach Deutfchland an den Rhein. Edda Saemundar hinns 
fr6da. Hafhise 1787— 1828. in. 4. Von Rask und Afzelius. Holm 1818. .8. Die Lieder der 
alten Edda hrsg. v. d. Gebr. Grimm. Berl. 1815. 8. Die Edda die ältere und die jüngere 
nebft den mythlTchen Erzählungen der Skalda überf. u. mit Erl&nt. begleitet von K. Simrock. 
Stuttg. 1851. 8. — P.E.MüUer, Sagabibliothek. Kopenh. 1817—20. m. 8. Sagaenbibl. l.Bd. 
flberf. ▼. K. Lachmann. Berl. 1816. 8. Sagabiblioth. 2. Bd. uberf. v. G. Lange. Frkf. 1832. 8. 

In der PoeHe des Mittelalters bildet die tarnhüt (Nib. 337, 1 L.) tarnkappe (Nib. 98, 
3 L.) ein wefentliches Moment. Das Wort (von tamjan, verbergen. Graff 5, 458) war im 
12. 13. Jh. unverstanden und weist auf ältere Zeit der Sprache und mehr noch der Sache 
nach zurück. — Die hiftorifchen Einfchaltungen Ermanrichs aus dem 4. Jh., Attilas aus dem 
5. Jh., Dietrichs von Bern, der Theoderich ift, können nicht Jahrhunderte nach ihrer Zeit 
gefchehen fein. 

§. 12. 

Neben der Heldenfage muß eine Thierfage fehr verbreitet gewelbn 
fein, in welcher der Fuchs den Mittelpunkt bildete. Innere und äußere 
Zeugniffe fprechen für das Dafein derfelben. 

Reinhart, Ratgeber: ragin regln, confilium. Graff, 2, 383. vgl. raginburgi. Graff, 2, 384, 
war fchon zu Anfang des 9. Jh. unverftändlich und weist, da der Haupttr&ger der Sage einen 
verftändlichen Kamen erhalten muXte als er auftrat, den ganzen Krei4), in dem er lebt, in die 
ältere Zeit hinauf. Ln 7. Jh. erzählt Fredegar (Chron. 3, 8.) wie der Fuchs des Hirsches Herz 
verfchlingt und es dem Könige (dem Bären) leugnet, da der Hirfch kein Herz gehabt habe, 
eine Sage die bei Froumund im 10. Jh., in der Kaiferchronik des 12. Jh. v. 6873 und im 16. 
Jh. bei Kirchhof, wendunm. 1, 84. 7, 153 wiederkehrt. 

J. Grimm, Reinhart Fuchs. Berlin 1834. 8. vgl. Mone Anz. 3, 185. 294. 4, 47. 181. 350. 
456. Altd. BU. 1, 1—10. 



Erstes Buch/ 

Von Karl dem Großen bis auf die Kjeuzzfige. 
Diehtang der Geistliehen« 

Erstes Kapitel. 

§. 13. 
Durch die Einfühnmg des Chriftentums gelangte die latei- 
nifche Sprache zur Herrfchaft. Geiftliche find die Traeger der 
Literatur. Kirchliche Gregenftände geben den Stoff. Die Poefie 
faft nur lateinifch. Sehr wenige Refte deutfcher Dichtung, bis 
im 11. Jh. die Geiftlichkeit fich eifriger auf deutfche Kirch- 
liche Poefie wirft. Der Charakter derfelben durchdringt auch 
weltliche Stoffe. Den meiften liegen lateinifche Originale unter. 
Der Kreiß, für den fie beftimmt wareny fcheint fich auf Geiftliche 
befchränkt zu haben. 

R. V. Räumer, die Einwirkung des Chriltentums auf die althochdeutfche Spraehe. 
Stuttg. 1845. 8. 

Mit dem andringenden Chriftentum Yi^ginui cvü^ ^Sai'c^^^T^^^ VäK^^'w\a. 
der vorkaroUngiichen Zeit, die kawm «Ab Tcä. ^«t \A\«t«JBat TM.\^^as^ööSÄ^>5^.^ 



8 Dichtung der Geiftlichen. 

da fie mehr für das Bedürfnis als ihrer felbft wegen gefchrieben wurde. Als 
Frucht des Zwiefpalts zwifchen kirchlich-lateinifchem und praktifch-deutfchem 
Leben erweckt fie IntereHe. 

E. G. Graff, althochdeutfcher Sprachfehatz. Berlin 1834-46. VI* 4. 

Wörterbücher, in denen Ausdrücke für die im t&glichen Leben notwendi- " 
gen Dinge, gefammelt und ihrem fachlichen Inhalte nach geordnet find. 

W. Grimm, altdeutfche Gelpr&che. BerUnl851. 4. Nachtrag, dar.1851. 4.— VgLMA. 8. 

Die Cafsler Gloffen, hrsg. v. W. Grimm, Berl. 1848. 4. — Vocabularius 
S. Galli (H. Hattemer, Denkmale des Mittelalters. S.Gallen 1844. III. 8. 1,11). 
— Die Schlettftädter GlofTen, x. Jh. (Haupt, Ztfchr. 5, 318). — DerNomencla- 
tor (H. HoflPmann, alth. Gloffen. Bresl. 1826. 4. p. 57). — Das Summarium 
Henrici (Graff, Diutiska 3, 235). — Die Boxhornfchen Gloffen (Nyerup fymbol. 
260). — Die Wiener Gloffen (H. HoflEmann, Sumerlaten, mhd. Gl. Wien 1834. 
8. p. 29). — Insbrucker Gl. (Mone, Anz. 7, 587). — Die Wiesbader Gl. der 
heil. Hildegard. 12. Jh. (Haupt, Ztschr. 6, 321). 

Gelehrten Zweken, der Erleichterung des Studiums lateinifcher Schriftfteller 
in den Kloftern, dienten die alphabetifchen Wörterbücher, die eigentlichen 
GHoffen, die Interlinearverfionen. Sie erftrecken fich durch das ganze Mittel- 
alter. In älterer Zeit zwei gn^oße Hauptgruppen, die f. g. keronifchen und die 
falomonifchen Gloffen. 

Kero, Mönch zu S. Gallen 8. Jh., Ton dem auch eine Interlinearverfion der 
Benedictinerregel vorhanden (Hattemer 1, 17 — 125), foU ein Yocabularium, ein 
lateinifches GloITar zur Bibel, dem die ahd. Wörter übergefchrieben waren, zu- 
fammengeffcellt haben. Original verloren. Drei alte Abfchriften des 8. Jh.: 
1. Parifer Gloffen (Diut. 1, 122—257); 2. St. Galler (Hattemer 4, 133—218); 
3. Reichenauer (Diut. 1, 128—279). 

Eine zweite Ueberfetzung deffelben GloITars liegt in den f. g. GlofTen des Rhabaniu 
Maums aus dem 9. Jh. vor (Eccard, Franc. Orient 2, 950 Diut. 3, 192 und Bruchstücke andrer 
hss. Diut. 2, 373. Haupts Ztfchr. 3, 581. Diut. 1, 123.) 

Salomon , Bifchof von Konffcanz (f 920) , ließ durch die S. Galler Mönche 
Ifo , Notker , Balbulus (f 912) und Tutilo ein alphabetifches Wörterbuch zur 
Erklärung von Kirchen v&tern und Klafükern lateinifch abf äffen, deffen Wörtern 
allm&hlich aus den keronifchen Gloffen und fonft deutfche Wörter beigefchrie- 
ben wurden. 

Dies Wörterb. blieb das ganze Hittelalter hindurch in Gebrauch und wurde zu Aagsb. 
zwifchen 1472—74 gedruckt. 

Eine Interlinearverfion von 26 lat. Hymnen aus dem 9. Jh., in der fclavi- 
fchen Weife wie die Benedictinerregel, auch Irrt&mer wie diefe bietend, fcheint 
zum Unterricht im Latein gedient zu haben. Sicher ift, daJß dies undeutfche 
Deutfeh nicht f&r den Gefang beftimmt war. 

J. Grimm, hymnorum veteris eccleflse xxvi interpretatio theotifca. Gottingae 1830. 4. — 
Die bei Neugart (epifcop. Conftant. 550) in einem alten BAchcrverzeichnis des Klofters Reichenau 
erwähnten carmina theodifc» lingu» formata, carmina diverfa ad docendum theodifcam lin- 
guam find nichts anderes als lateinifche Gedichte mit deutfchen GlofTen oder deutfcher Inter- 
linearverfion, ein fo gloflirtes Buch wird in den alten Katalogen häufig ausgezeichnet. 

§. 14. 

Der Verkehr der Geiftlichen mit dem ungelehrten Volke erzeugte deutfche 
Formeln, um den Leuten verftändlich zu werden. Abfchworungen des Heiden- 
tums, denen ein BekenntDis folgte. Nach demfelben wurde eine Ermahnung an 
die Laien gef]prochen, das apoftolifche Glaubensbekenntnis und das Vaterunfer 
auswendig zu lernen und die Täuflinge wieder im Glauben zu unterrichten. 

H. F. Maßmann, die deutfchen Abfchw6rungs-, Glaubens-, Beicht- und Betformeln vom 
8. bis 12. Jh. QuedUnb. 1839. 8. 

Schon die Statuten des heil. Bonifacius fchreiben bei der Taufe den Ge- 
brauch der Landesfprache vor. Der Taufende fprach eine Formel, die der 
TünfUng beantwortete. Einige find erhalten. 



* Buch 1. §. 13—16. 9 

• 

Eine rSchAfche. Ma6m. 67. Pertz legg. 1, 19. Dint. 2, 191. Genn&n. 1, 61. Zwei hochd. 
Mafsm. 68. J. Grimm, zwei Gedichte (§. 10) p. 25. MA. 11. — Nullus fit presbyter, qui in iplk 
lingoa qua nati fant baptizandos abrennntiationes vel confelfiones aperte interrogare non 
ftudeat, nt intelligant, quibus abrenunciant vel qasa-confltentar. Statut. Bonif. vgl. Karoli 
encyclica ad archiepiscopos de doctrina 811 (Pertz legg. 1, 171) und Hlndoviei et Hlotarü 
capitularia 829 aug. (Pertz legg. 1, 841). 

Die Glaubensbekenntnisformeln beruhen meistens auf dem apoftoliTchen 
Symbolum, ohne fich an den anerkannten lateinifchen Text zu binden. Mehre 
fehieben Erl&uterungen ein. Die dog^matifchen Erweiterungen laßen fioh 
meiltens auf das athanafifche Bekenntnis zurückfahren, einiges floß aus dem 
Bekenntnis des Pelagius. Von dem athanafifchen Bekenntnis find zwei unab- 
hängige, beide am recipirten Texte haltende Ueberfetzungen übrig. 

Das apoftoL Bek. MaTsm. Nr. 8—16. Das athanaT. MaTsm. 17—19. Raumer p. 50. 

Von den Ermahnungen an dasfYolk hat fich nur eine in zwei Faßungeu 
erhalten. 

W. Grimm, exhorUtio ad plebem ChriAianam. Berl. 1848. 4. Mafsm. Nr. 43. — Die 
jüngere Form bei K. Roth, Denkm&hler der dentfchen Sprache. München 1840. 8. p. 12. 
Mafsin. Nr. 42. 

Unter den Gebeten fteht das Vaterunfer voran, bald einfache Ueberfetzung, 
bald mit Auslegung . verfbhen. Andere Gebete nicht häufig. 

VatemnTer: Mafsm. Nr. 45—54; mit Auslegung: Mafsm. $5— 59. Andere Gebete : Mafsm. 
60—66, darunter eins Nr. 62, das nriprünglich deutfch und dann erft ins lat. {übertragen IfL 

Die Beichtformeln, meift aus vorhandenen lateinifchen hervorgegangen, 
enthalten meiftens nur Aufzählung erdenklicher Sünden. Einige laufen auf ein 
Beichtgebet aus. 

Mafsm. Nr. 20—41. 

§.15. 

Mehr auf allgemeinere Teilnahme deuten einige andere Denkm&ler : einige . 
Predigten und einige flie|}end gewandte Ueberfetzungen. Das Vorhandenfeih 
diefer erlaubt den Schlul} auf eine groj^ere Anzahl, die durch Ungunft der ^ 
Zeiten untergegangen find, oder noch des glücklichen Finders harren. 

Karl d. Gr. hatte eine Samlung lateinifcher Predigten für GeiTtliche anlegen laBen; 
durch Paulus Diaconns, 2 Bände, per totius anni circulnm. Encycl. de emend. libror. Pen» 
legg. 1, 44 f. Im Capitulare vom 23. Merz 789 § 81 (Pertz legg. 1, 66) fch&rft er das Predigen 
ein. Die Kirchenverftimlung von Tours gebot 818, daß der Geiftliche die Predigten zum Yer- 
ftändnis des Volks in die Yolksf^rache folle Äberfetzen können. Ebenfo die Mainzer 847. 
Die Bekehrer muften, wenn fie dem Volke verftändlich fein und wirkfam werden wollten, 
nch zum Dentfchen bequemen. Der heil. Gallus, rühmt Walafrid, yerftand neben der lat. 
auch die barbarifche Sprache. Liudger entfchied dadurch, daß er in der Landesi^rache 
predigte, die Unterwerfung der Friefen. 

Erhalten find Bruchstücke in Blättern aus Monfee : eine Predigt de voca- 
tione gentium aus Stellen des Auguftinus, Gregor d. Gr. und Isidor zusam- 
mengef&gt, und die 76. Predigt des Auguftinus , alle aus dem 8. Jh. ; aus dem 
9. Jh. nichts; aus dem 10. einige urfprünglich deutfch abgefaßte Predigtbruch- 
ftücke aus dem Dominicanerklofter zu Bamberg. 

Fragmenta theotifca edd. Steph. Endlicher et Hoifmann Fallersl. Vindob. 1834. 4. Ed. 
fecunda curante Mafsmann. Vienn» 1841. 4. — Die Bamberger Fragmente hrsg. v. Reuss 
in Haupts Ztfchr. d, 443 ff. 

Andere Ueberfetzungen, von denen Bruchftücke erhalten find, deuten auf 
weitergehende Beftrebungen fchon im 8. Jh. 

Eine Ueberfetzung des Matthäus, in Bruchftücken (Hoflftn. fragm. theotifca. p. 7.) und 
eine fehr gelenke Ueberfetzung des indorifchenTractes de nativitate domini. (Nach Roftgaards 
Abfchrift von 1697 in der <D&nifchen bibliothec' Coppenh. u. Leipz. 1738. 8. Stück 2, 335— 409. 
Dann nach der Parifer hs. hersg. v. A. Holtzmann. Carolsruh. 1836. 8. 

§. 16.. 

Wichtiger als diefe für die Sprachforfchung ergiebigen Ueberbleibfel 
find einige andere in gefchichtlicher Beziehung, die in poetLCcVjÄx ^iXJ&^fc- 
rierender Form die Mifchung heidniTchw uüöl OciTv.W^Ojv^x^^^'«v«v^^ 

Das Weßobranner Gebet, 8. Jh., Uotet «vu ÄlvicV Ä\.«t i^Q«ta.^%wsÄ, nr^t«^ 



10 Dichtuug der Geiftlichen. 

Gott noch der Menfchen mildester (freigebigfter) genannt, der Gedanke abei 

chriftlich gewandt wird. 

Gr&ter, Bragur 5, 1, 118. — Griinm die beiden älteften Gedichte. S. 79. — Mafsmann 
Erläuterungen znm Wefsobr. Gebet. Berlin 1824. 8. — W. Wackemagel, das Wefsobr. Gebet. 
Berl. 1827. 8. — Grimm Mythol. 1843. 530. — Peußner (§ 10). p. 14. 

Mnspilli. Ein Bruchftück von Ludwig dem Deutfchen (828 Koenig von 

Baiern, 843 — 76 deutfcher Koenig) vermutlich aus dem Gedächtnis auf den 

Rand eines ihm gewidmeten Buches gefchrieben, behandelt das jüngfte Gerichl 

in chriftlich kirchlichem Sinne aber mit Einmifchung heidnifcher Vorftellungen, 

z. B. Aber den Weltbrand (mufpilli). * 

Muf^illi. Bruchftück einer alliterierenden Dichtung vom Ende der Welt. Mitgetheill 
von J. A. Schmeller. (In Büchners neuen Beitri^ zur vaterl. Gefch. 1832. Bd. 1, 89—117, 
8.) — Feußner p. 15. ■— Verfuch einer ftrophifchen Abteilung von W. Müller in Haupts Ztfchr 
3, 452 ff. — MA. 22. Eine Zeile ift wörtlich in Otfrieds Evangelienbuch 1,18,9 aufgenommen, 
begegnet aber auch fonXt: Karaj. Denkm. 52, 48. Kaiferchron. 2408 Mafsm. 

Heliand. Nach der Sage foll auf Antrieb Ludwigs des Frommen eis 

räohfifcher Bauer, d. h. ein fächfifch redender ungelehrter Sachfe, die Ge- 

fchichte des Heilands nach den Evangelien dichterifch verfaßt haben. Die 

Arbeit, aus der Gegend von Essen (Grimm, Gram. 1', 4.) und der erffcen Hälfte 

des 9. Jh., ftellt mit großer dichterifcher Kraft und mit Uebertragung der heimi< 

fchen Anfchauungen auf die Zeit des Heilands, deffen Leben und Tod dar. 

Heliand. Pocma faxonicum feculi noni, expressum ad exemplar Monacenfe, infertis € 
Cottoniano Londinenü IVipplementis, prim. ed. J. A. Schmeller. Stuttg. 1830. 4. tom. fec. 
(gloffarium faxonicum). Stuttg. 1840. 4. A. F. C. Vilmar, deutfche Altertümer im Heliand 
als Einkleidung der evangelifchen Gefchichte. Marb. 1845. 70 S. 4. — Ueberfetzt von L, 
Kannegießer. Berl. 1847. 8. — Neu herausg. von Kdne. Münller 1856. (?) 8. 

Die nichiifche Literatur ift, wegen des auf dem Volke laftenden doppelten Druckes dec 
Adels und der Geiftlichkeit noch dürftiger als die hochd. Einige BefchwArungsformeln 
(Dorow Denkm. alter Sprache und Kunft. Bonn 1823. Tafel n. Diut 2, 189. Grimm Myth. 
1843. 1184), die Erwähnung des facrilegii faper defunctos id eft dadßfas (indiculus um 743. 
Pertz legg. 1, 19), eine abrenuntiatio diaboU (Pertz legg. 1, 19 vgl. p. 171. 341. Diut 2, 191. 
Germ. 1, 61), eine Beichtformel des 9. Jh. (Mafsm. Nr. 33. Lacomblet Archiv 1, 4—9. vgl. J. 
Grimm in den Göttinger Gel. Anz. 1832. Nr. 40), einige mit hochd. gemifchte GloITen des 9. 
(Mafsm. Denkm. 1, 83) und 10. Jh. (Haupts Ztfchr. 3, 280), Bruchftück aus der Uebertragung 
einer Predigt des heil. Beda aus dem 9. Jh. (Lacombl. Archiv. DuiTeld. 1831. 1, 1, 11. Dini 
2, 90. Auffelß Anz. 1, 267), eine Heberolle des Stiftes EfTen afis dem 9. Jh. (Lacombl. Archiv 
1, 1, 12. Diut 2, 191. J. Grimm bei Dorow Denkm. Vorrede S. 29 f.) und einige 'Nieder- 
deutfche Pfalmen aus der Karolinger Zeit. l(herausg. von F. H. v. d. Hagen. Bresl. 1816.' 4.), 
aus denen J. Lipfius die nach ihm benannten GloXTen zog, — das ift alles was auBer dem 
Heliand aus diefem Zeiträume genannt werden kann. 

§.17. 

Der erfte rein chriftliche Dichter ift Otfried, ein Franke, der unter Hraban 
(822—847) in Fulda gebildet, mit zwei Mitfchülern, Hartmuat (872 Abt) und 
Werinbracht (f 22. Mai 884) nach S. Gallen gieng. Sein Gedicht fchrieb er ah 
Mönch im Benedictinerldofter Weißenburg bis etwa 865. Es enthält die Ge- 
fchichte des- Heilands, einzelnes überfchlagend, Anwendungen und Deutungen 
hinzufugend. Er wollte zur Verdrängung des anftößigen weltlichen Laienge- 
fangs beitragen, beftimmte fein Buch alfo wot zum erbaulichen Gefang dex 
Geiftlichen außerhalb der Kirche. Der Stil ift trockne Predigt, feiten lebendig 
angeregt, meiftens breit und dürr. 

Otfrieds Evangelienbuch, in gereimten den alliterierenden gleich gebauten 
Langzeilen (J. Grimm lat. Ged. S. 38) gefchrieben, rein fränkif eher Mundart 
begreift 5 Bücher, 1. Chriftus von der Geburt bis zur Taufe ; 2. Chriftus wird 
durch Wunder und Lehre bekannt) .3. Chriftus lehrt die Juden; 4. Chrifti 
Leiden ; 5. Auferstehung, Himmelfahrt und jüngftes Gericht. Er fchrieb zuerfl 
das erfte Buch ; dann V, 16 — 25, die er mit einem Gedichte an den Conftanzei 
Bifchof Salomon fahdte ; dann f&gte er den mittleren , feinem Konige Ludwig 
dem Deutfchen und dem Erzbifchof Liutbert von M.&mi ^ft^^ — ^^^ ^^Yrld- 
meten Teil ein. 



Buch 1. §. 16—19. 11 

Erfte AtMgabe von Achilles P. Oafsar. Bafel 1571. 8. — E. G. Graff, Krift. Das Utefte 
von Otfried im $. Jh. verfaßte hochdeutfche Gedicht. Koenigsb. 1831. 4. — Otfried. Von 
K. Lachmann (i* Brfch u. Grubera Encyklop. 3, 7, 278—282). — K. Lachmann, Aber althbchd. 
Betonung und Yerskunft (in den hift. phil. Abhandl. der Berliner Akademie 1832. 235—270). 
Vgl. G.V. Lechler in den theol. Studien und Kritiken 1849. 1, 54—90. 2, 803—382. MA 24 ff. 

Otfrieds Vorgang fcheint nicht ohne Nachfolge geblieben zu fein. Die 
von ihm freilich nicht erfundene aber durch umfaßende Anwendung für die 
Geiftlichen gewiffermaßen geheiligte Strophe, aus zwei gereimten Langzeilen 
gebildet, kehrt in mehren kleinen Gedichten wieder, von denen einige für den 
Laiengafang mögen beftimmt gewefen fein. 

Zwei kleine Gebete des 9. Jh. (Graff, Otfried. 8. 446. Mafsm. Abfchw6r. Nr. 63); 
Lobgefang auf den heil. Petrus, mit Kyrie EleiTon (Mafsm. Nr. 64. Mit Mufikzeichen) ; ein Sfvie 
es fcheint fflr darftellenden Wechfelgefang befttmmtes Gefprich zwifchen Ohriftus und der 
Samariterin (Diut 2, 381. Hoffin. Fun^gr. 1, l.)j ein Pfalm (Diut. 2, 374. Fundgr. 1, 3. Alle 
im MA. 36 f.) und ein fehr entftelltes faft nnlesbares Gedicht auf den heil. Georg (Nyerup. 
Symbol. 411—36. Mone bei Wilken Gefch. der Heidelb. Bdcherfaml. S. 547. Hoffm. Fundgr. 1, 10.) 

§. 18. 

Die lyrifche Poefie, deren Dafein die kleinen Gebete bewiefen, war vor- 

wiHfend hiftorifch. Geiftliche (deutfche) Lyrik gab es wol nur in geringem 

Umfange. Die Laien fangen zwifchen den Strophen der lateinifchen Hymnen 

zu hundert und aber hundert Malen nur Kyrie eleifon, Chrifte eleifon, das 

fich zur gedankenlofen Formel abfchw&chte. Hiftorifche Lieder, die das Volk 

fich felbft fchuf , werden mehrfach erwähnt und einige haben fich erhalten. 

Ueber Kyrie Eleifon vgl. Hofhnann von F., Gefch. d. deut. Kirchenliedes, bis auf Luthers 
Zeit. Zweite Ausgabe. Hannover 1854. 8. S. 11 ff. Ein Loblied auf Gott, das der S. Gal^er 
Mönch Ratpert (f. um 900) zum Singen fAr das Volk verfaßte, ift nur in der lat. Uebertragung 
Ekkehards rv. (t 1036) erhalten (Hattemer 1, 340—44). Das Kyrie wurde ein bloßer Jubelruf, 
den E. B. Bauern beim Wiederaufrichten eines umgefttirzten Wagens (Pertz 2, 108) anltimm- 
ten. Hiftorifche Lieder werden erw&hnt auf Hattos Verrat (Pertz, 2, 83. MA. 21, 36), auf die 
Niederlage der Franken von den Sachfen bei Heresburg 915 (Pertz 9( 428. MA 21, 45), auf '* - 
die Thaten des kühnen Kurzibolt (Pertz 2, 104., MA. 21, 48.), auf den heil. Ulrich, Bifchof 
von Augsburg (f 973. MA. 22, 1), Heinrich (MA. 22, 4), den Hildesheimer Bifchof Benno 
(MA. 22, 7) und einige erhaltene. 

. Lndwigslied, auf den Sieg Ludwigs HL über die Normannen bei Saucourt, 

vor Ludwigs Tode (5. Auguft 882) abgefaßt, nach feinem Tode aufgezeichnet 

im Klofter S,. Amand. 

Rithmus teutonicus de piae memoriae Hludvico rege filio Hludvici aeque regis. Nack der 
von Hoffmann wiederentdeckten h». zu Valenciennes hrsg. in Elnonenfia; monuments . . publids 
par Hoffmann de Fallersl. avec une traduction et des remarques par J. F. Willems. Gand 

1837. 4. MA. 38. ^ • 

Gedicht auf die Verfohnung Ottos I. mit feinem Bruder Heinrich, Weih- 
nachten 941, mifcht, als älteftes Beifpiel, latein und deutfch (fächfifch). Nicht 
vor 962 verfaßt. 

K. Lachmann, Über die Leiche (Rhein. Mufeum für Philol. 8, 3, 430). Znerft gedr. in 
Eccards vetemm monum. quaternio. Lips. 1720. 50. Lachmann in Rankes Jahrbb. Berl. 

1838. 1, 2, 96. Hoff^ann, in dulci jnbilo. Hannov. 1854. 8. S. 29. MA. 39. 

§. lö. 

In den Klofterfchulen, die, feit der Aachener Earchenverfammlung 817, in 
interiores f&r Mönche und exteriores f&r Lai^n und Weltgeistliche zerfielen, 
war der Sitz der Gelehrfamkeit. Die Scholee exteriores m6gen es, ihrer fftr das 
Weltleben beftimmten Schüler wegen, vorzugsweife gewefen fein, die mehr als 
rein geiftliche lateinifche Schriften tractirten. In Freifing wurden Priscian und 
Alkwin, in Weihenstephen Virgil, in S. Emmeram Donat, Fulgentius, Phocas, 
Priscian, in Tegemfee Phocas, Priscian, Boethius, Virgil, in S. Gallen Virgil, 
Juvenal, Boethius, Alkwin, in Einfiedeln Salluft, Boethius, hie und da auch 
Horatius und Perfius glöffirt, alfo gelefen. Uebetall %.\i^x l\.^\A ^^^ ^-^«^ ^^x- 
an, vorzugsweife die Genefis mit dem Sünd^wi^iÄ. xm^ ^\^ ^-^^^^^^^^ ^ss^^. ^^-^ 
Euldfang. Auf diefe warf fich noch \aiig^ ^«t I^ääiS^SXjö^wAö^^ ^«\»S^ ^^"^^ 



12 Dichtung der Geiftlichen. 

Mönche. Einer Ueberfetznng des Matth&as ift fchon (§. 15) gedacht. Eine 
andere Arbeit, die auf Sachfen hinweift, ift die Ueberfetzung ^es Ammonins 
ans der Mitte des 9. Jh. 

Ammonins, Lehrer des Origenes, im Beginn des 3. Jh. lebend, nicht Tatian 
wie fr&her angenommen wnrde, verfaßte g^echifch eine Evangelien-Harmonie, 
der Bifchof Victor von Capna im 6. Jh. die entfprechenden Stücke der Yulgata 
gegenüberltellte. Daraus floß eine deutfche Ueberfetznng von unbekanntem 
Verfaßer, etwa Haimo von Halberftadt (t853), die forgfam und fleißig gear- 
beitet ift. 

Ammonii Alexandrini qa» et Tatiani dicitnr harmonia evangelica in lingnam latinam et 
iiide in francicam translata. J. A. Schmeller. Vienn» 1841. 4. (Früher von Palthen. Greifsw. 
1706. 4.) Als Bibeldberfetzer nennt Flacius Ülyricus vor dem Otfried Gafsars : Strabo f 849, 
Hrabanns f 859 und Haimo, f&r den ßichßfche Wörter nnd weichere Lante zu r^rechen 
fcheinen. 

§.20. 

In S. Gallen war fchon feit langer Zeit die klofterliche Wißenfchaft eifrig 
gepflegt. H6hern Schwung fuchte ihr Notker zu geben, der von der Ueber- 
zeugung ausgehend, daß man in der Heimatfprache fchnell faße, was in f An- 
der vorgetragen fchwer oder gar nicht eindringe, etwas, wie er fagt, bis dabin 
faffc ganz Ungewöhnliches unternahm, indem er, um feinen Schülern die freien 
Künfte zugänglich zu machen, lateinifche Bücher ins Deutfche überfetzte. Er 
bemühte sich, auch andere Geiftliche auf diefen Weg zu führen und deren 
Widerwillen gegen deutfche Bücher zu überwinden. 

Notker, gewöhnlich Labeo, doch fchon in alten Quellen Teutonicus zube- 
^y^ nannt, gegen die Mitte des 10. Jh. geboren, wurde zu S. Gallen von feinem 
^ Oheim, Ekkehard L, dem Bearbeiter des Waltharius (§. 11), gebildet; er Itarb 
am 29. Juni 1022, über 70 Jahr alt, an der Peft, welche das Heer Heinrichs U. 
aus Italien mitbrachte. In einem Briefe an den Bifchof von Sitten (mitgeteilt 
von J.Grimm in d. Göttinger gel. Anz. 1835, Nr. 92, S. 911 — 913) nennt er als 
feine Schriften 2 Bücher des Boethius de confolatione philofophica , einen Teil de 
Trinitate, den Cato, Yirgils bucolica, die Andria des Terenz, des Martianus 
Capella nuptias philologiaB, die Kategorien und die Hermeneutik des Ariftoteles, 
die Principia arithmetice^; dann, fich zur Bibel wendend, den ganzen Pfalter 
mit der Auslegung des h. Auguftin; ferner als feine eigene Arbeit eine neue 
Bhetorik, eine Zeitberechnung ; fodann den Hiob (mit der Auslegung Gregors), 
* doch nicht voUftändig. Seinem eignen Zeugniffe gegenüber kann ihm die 
fcharffinnigfte Kritik diefe Schriften nicht entziehen, um fie auf mehre, etwa 
feine SchiÖer zu verteilen. Verloren find davon de Trinitate, Cato, Virgil, 
Andria, Arithmetik, Zeitberechnung, Hiob. 

Boethius de confolatione. Hrsg. f. Graff. Berl. 18S7. 8. — Martianus Capella de nuptiis 
Hercnrii et Philologisa. Hsg. v. GraflF. Berl. 1837. 8. — Die Kategorien und Hermeneutik des 
Ariftoteles. Hrsg. v. Graff. Berlin 1837. 4. (Ans den MAor. phil. AbhdI. der Berl. Akad. 
1835. 267—399 befonders gedruckt.) — Die Pfalme. Nach der S. Galler hs. in Hattemers 
Denkm. Bd. 2. Eine Ueberarbeitung lie^t in den f. g. Windberger Pfalmen des xn. Jh. 
(Deutfche . Interlinearverßon der Pfalmen. Hrsg. von E. G. Graff. Quedlinb. 1839. 8.) vor. 
— Die Rketoriky nach der Münchner hs. hrsg. von Docen (ia Aretius BeitrsBgen 7, 283), nach 
der Züricher hs. aus S. Gallen, hrsg. v. W. Wackernagel (in Haupts Ztfchr. 4, 463—478). 

Andere kleine Stücke, die Notker ohne äujßeres Zeugnis zugefchrieben werden, find 
Ueberfetzungen der bibl. Cantica, der Symbola nnd des Vaterunfers (gedr. bei Hattemer. Bd. 2.), 
Aber Mußk (Gerbert, fcriptores de arte mnf. 1, 96. Hagen, Denkm. Bresl. 1825. 8. vgl. Diut. 
3, 197; aus einer Leipz. hs. in den Berichten der Leipziger deut. Gefellfch. 1836 p. 57 ff.; 
aus einer Wolfenbüttler hs. in Schcenemanns ri[>ecim. bibl. AuguItansB. Helmft. 1829. 4.) 

§21. 

Es gibt noch mehrfache kleine Profaftücke diefes Zeitabfchnittes, die ohne 
Bedeutung find. Zum erftenmale weckte größeres literarifches Leben Willi- 
ram. Er brachte das hohe Lied in lateinifche Yerfe und legte es deutfch aus, 
indem er die älteren Deutungen auf Chriftus und die KitcVi^ ÄuiüsAiiß.. ^^\w^ 
Arbeit war nicht mehr f&r die Schule, fondetn für "Lete ^^^OoÄ^Xievx^ ^^x«yi 



Buch I. §. 19—22. - 13 

Gefchmack er mit der Wahl des Sto£fes traf, delTen finnliche Glut reizte, wäh- 
rend die myftifche Deutung felhft vor dem eignen Gewißen den Verdacht des 
finnlichen Schwelgens fern halten konnte. Mit den zwifchen Sinnlichkeit und 
Myirtik taumelnden Anfchauungen fteht im voUften Einklänge das halb latei- 
nifche halb deutfche Lallen. Er brachte, fchon am Ende des 11. Jh., Myftik 
und Minne in die Literatur. 

Williram, von Geburt ein Franke, SchiUer des Lanfrancus, der zu Bec in 
der Normandie lehrte, war Scholasticus zu Bamberg, trat in das Klofter Fulda 
und rtarb als Abt des Klofters Ebersberg 1085. ]£m genügten die grammati- 
fchen und dialektifchen auf die »heidnifchen SchriftfteUer*^ gerichteten Studien 
der Schule nicht. Er drang auf die Bibel, die er mit Hülfe der Kirchenv&ter 
zu faßen fuchte. Seine Arbeit ilt in zahlreichen HandTchriften erhalten und 
fchon im 11. Jh. ins Niderländifche umgefchrieben. 

Willirami abb. in cantica Salomonis explanatio, per Menradnm Moltherum in Incem 
rertituta. Hageno» 1628. 8. FrAher von Merula hrsg. Leiden 1598. Dann von V6gelin. 
Worms 16dl. Von Scherz in Schilters Thefanr. Bd. 1. Ulm 1726. Von Hoffmann v. F. nach 
der Breslauer und Leidener hs. Bresl. 1827. Die Breslauer hs. in Hagens Germania 4, 153. 
5, 14S. Zu Merulas Ausgabe ließ Fr. Junius (Amfterd. 1655) Obfervationes erfcheinen. Vgl. 
MA. 44 f. 

§.22. 

Ohne der lateinifchen gelehrten Poefie folgen zu wollen, muß diefelbe, wie 
fchon beim Waltharius, hier zu Hülfe genommen werden, um Anfänge des 
Schaufpieles kennen zu lernen. Alte heidnifche Volksfefte find ficher mit Dar- 
ftellungen, vielleicht fchon mit Wechfelreden verbunden gewefen, worauf fp&- 
tere Br&uche, wie der Streit des Sommers und Winters, das Todaustreiben, 
das Vermummen in Thiergeftalten, Kinderfpiele u. f. w. fchließen laßen. Diefe 
heidnifchen Aufzüge drängte die Geiftlichkeit zurück oder fchränkte fie auf die 
Weihnachtszeit ein. Das Heidnifche mußte getilgt werden. Chriftliches trat 
daf&r an die Stelle, zun&chft Weihnachtsfpiele, dann die Paffion und fr&he wol 
auch fchon die dramatifche Darftellung des Sündenfalles und der Erl6fung. In 
diefe chriftlichen, nat&rlich lateinifch abgefaßten kurzen Dramen drang dann das 
Volkselement wiederum ein, worüber fp&ter Auskunft gegeben wird. Für die- 
fen Zeitraum wird die dramatifche Poefie durch Zeugnifse und einige erhaltene 
Stücke beftätigt. 

Mimi zur Zeit Ludwigs des Frommen: Thegan. c. 19. Peru 2, 595. VUes perronaa et 
infames hiftriones. Pertz legg. 1, 324 19ote, Mimus ante ianuam ftans et Sdavus faltans. Pert» 

2, 101. nof 39 infames perfonsa et hypocrits medici'[mimici] et hiftriones Adam, bremenf. 8,35. 
Pantomimi qui obfcoenis corporum motibus oblectare vulgus folent. ibid. 3, 38. Fanambulo 
inter lufos lüos in terram dejectus. 1135 annal. corbej. Leibn. 2, 307. Hiltrionnm nftmorumve 
more incedere, qui ut ad riltim facile turbas illiciant variis fefe depingunt coloribus. Liudpr. 

3, 35. . Peru 8, 310. Heinricus rex (a. 1044) infinitam hiftrionum et ioculatorum multitndinem 
muneribus vacuam abire permifit. Annal. Winiburg. Peru 2, 243. 3, 10^. 6. 30. 6, 187. HiTtrio 
quidam et fama et dignitate caeteris praeftantior, nomine Yollarc Othloni Üb. vißonum bei Pe» 
ihef. anecd. novifs. 3, 2, 609 an» dem XI. Jh. dazu die vielen Glofsen Hcemaro, fkem, fkirno, ' 
fcomen, fchimon, fcemlihamo u.f. w. womit mimus, mimicus, fcurra, hiTtrloüberfetzt werden; 
femer I^il, manslahti (^il, lintparlichTpil, (^ilarra, i^illicha, I^iliman, fpilahus, womit theft- 
trum u. r. w. ausgedrückt wird, welches freilich oft weiter nichts als einen öffentlichen Platz 
bezeichnet. 

Herodes sive magorum adoratio. Aus dem 9. Jh. in Münchner hss. (auch 

in Frankreich vorkommend) ohne Deutfehes und Eomifches. 

K. Weinhold, Weihnachtfpiele und Lieder aus Saddeutfchland und Schlefien. GrU 
1858. 8. S. 36 ff. 

Ordo Racheiis. 11. Jh. Der bethlehemitifche Kindermord, worin Rachel 
über die Kinder klagt. 

K. Weinhold S. 62 ff. Wright, early mylleries and other latin poems. London 1838. 

Die lateinifchen Stücke der Hrosnith, einer Gaiid«iT%\iÄYa!L«t'^QVL\Ä ^ksvsv^äAä 
des 10. Jh., die fie fchrieb, um den v\©\ g^iVe^teu^w '^«teiiT. T.-a ^^tÄi%.^%^'«^^ 
waren nicht für die Parftellung , nur idi daa lafil^n \i«t^^^<^^* '^^'^ iöomä-«^ ^»»^ 



14 Dichtung der Geiftlichen. 

nnglticklicher Weife den Stil des Terenz nach, fetzen aher an die Stelle der 
M&dchengefchichten der älteren Komödie Legenden, deren Tr&ger und Tr&ge- 
rinnen die Keufchheit predigen oder retten. Es find 6 Stücke. 

1. Abraham (überf. v. Werner v. Themar 1503. hs. Heidelb. vgl. WUken 894). — 2. CaUi. 
machus. — 3. Dulcitius. — 4. Fideg et Speg. — 5. Gallicanus (ttberf. in Gottfcheds n6t. toxtcI. 
2. 20). — 6. Paphnutius. Alle 6 hrsg. v. C. Celles. Norimb. 1501. Fol., von Schuzfleilbh. 
Yitteb. 1707. 4., von Ch. Magnin. Paris 1845. 8. Ueberf. v. Bendixen. Altona 1850—63. S. 
— G. Preytag, de Hrotswitha poetria. Bresl. 1839. 8. 

Die Ueberfetzung der Andria durch Notker Labeo ift nicht erhalten. 

Ebenfo muß, um das Dafein dichterifch geftalteter Thierfage zu belegten, 
auf die lateinifche Poefie zurückgegangen werden. Ein Gedicht, das Tor 936 
fällt und an die Yogefen weift, behandelt die Gefchichte vom kranken L6wen, 
welche die Feindfchaft zwifchen Wolf und Fuchs veranlaßt hat. 

Ecbafis cuiusdam captivi. Herausg. v. J. Grimm in den lat. Ged. S. 243 
bis 330. 1229 leonin. hexameter. MA. 588 ff. 



Zweites Kapitel. 

§.23. 
Vom 11. Jh. an beginiien die Quellen reichlicher zu fließen, 
es tritt eine größere Beteiligung an der deutfchen LiteratoFi 
namentlich der poetifchen, hervor; vielfach werden Dichter- 
namen genannt; überwiegend Geiftliche. Daß auch Geiftliche 
vorzugsweife den Leferkreiß bildeten, darf vorausgefetzt wer- 
den. Die übliche Weife, die Profapfalme, die Symbola und 
andere der metrifchen Form nicht unterworfne Stücke der kirch- 
lichen Literatur zu fingen, veranlaßte eine poetifche Form ohne 
erkennbare Gefetze in Verfen, die bald kurz bald lang Und, 
und mit Eeimen, die oft kaum noch in Vocalen oder Confo- 
nanten anklingenn Diefe Form, bald Lied, bald Bede genannt^ 
ift genau betrachtet nur eine mit Affonanzen gezierte Profa, 
macht aber bis tief ins 12. Jh. die einzige Kunftform, welche 
Poefie von Profa fcheidet. 

H. Hoffinann, Fundgruben fdr Gefchichte deutfcher Sprache und Literatur. Bresl. 1830 
—1837. n. 8. — AUdeutfche Blätter von M. Haupt und H. HofiFinann. Leipz. 18S5 — 40. n. 9. 
Anzeiger für Kunde des deutfchen Mittelalters. 1. Jahrg. von H. Frhm. v. AufTcfi. München 
1832. 4. -r 2. Jahrg. von H. Frhm. v. AuffeO. Nümb. 1833. 4. — 3. Jahrg. von Auffefi «ad 
P. J. Mone. Nümb. 1834. 4. — 4.-8. Jahrg. v. Mone. Karlsruhe 1835—89. 4. — Anzei§9r 
für die Kunde der deutfchen Vorzeit. Organ des germanifchen Mnfeums. Hrsg. von Dr. Frcdh. 
V. u. z. Auffeß, A. V. Eye und G. K. Frommann. Nümb. 1853 ff. 4.— v.d. Hagen, Gemuimm, 
Neues Jahrb. der Berlinifchen Gefellfchaft f&r deutfche Sprache und Altertumkunde. 'Bert, 
1836—53. X. 8. — ,M. Haupt, Zeit f ehrt fi für das deutfche Altertum. Leipz. 1841—56. x. 8. 
— K.T, Mafsmann^ deutfche Gedichte .dea XI. und xn.Jh. Quedlinb. 1837. n. 8. — Th. v. Karajun, 
deutfche Sprachdenkmale des xn. Jh. Wien 1846. 8. — J. Diemer, deutfche Gedichte d«8 
XI. und xn. Jh. Wien 1849. 8. 

Die Darftellung wird fich, um für den andringenden Stoff im einzelnen 
Raum zu behalten , fortan kürzer referirend verhalten und zunlichrt die ältere 
geiftliche Poefie, die fich an die Bibel oder deren Commentatoren anfchlie^t, 
dann die Legenden, darauf die Lyrik und die weltliche Poefie vorfuhren ohne 
fich ftreng an diefe in der Gefchichte felbft nicht gefchiedenen Gruppen su 
binden. 

§.24. 

Unter den biblifchen Büchern waren die Genefis und die Evangelien, wie 
fie am meiften gloffirt wurden, bei den Dichtern am meiften beliebt, weil He 
•SäaäenfM}} und EMtang bieten. Von Bamberg aua , ^o ^^on ^« "^x^^^. 



Buch 1. §. 22—24. 15 

• 
bmchftücke (§. 15) und Williram einen lebhafteren literarifchen Auffchwung 
andeuten, beginnt mit Willirams Zeitgenoßen, dem Scholafticus Ezzo (1065), 
die Beihe diefer biblifchen Erlöfungsgefchichten, die mitunter breit ins Epi- 
fche fallen und kosmogonifche Vorftellungen, die von der Kircbe fehwer- 
lich gebilligt waren, einflochten. Wie es fcl^eint, wurde diefe Poefie, aus der 
(ich dann weitere geiftliche Dichtung entwickelte, nach dem Südoften über- 
tragen, nach Oefterreich. Die dort entftandenen zum Teil kurz gefalzten Ge- 
dichte erfuhren fpäter mitunter erweiternde Bearbeitungen, die an den Nieder- 
rhein weifen. 

Die Schöpfimg (Sündenfall und Erlofung) vermutlich Ezzos Gedicht. Ge- 
druckt bei Diemer. Ged. d. xi. u. xii. Jh. S. 93—103. 

Die vier Evangelien (Sündenfall und Erl6fung), von Diemer als Ezzos, von 
Hartmann überarbeitetes Gedicht bezeichnet. Gedr. b. Diemer, S. 319 ff. 

Die Bucher Mofe (mit Josua und den Büchern der Richter; Sündenfall; 
Hindeutung auf das jüngfte Gericht), gedr. Diemer 1 — 90, wo Hartmann als 
VerfälTer vermutet wird. — Jüngere Bearbeitung (Genefis und Exodus) vor 1122. 
Zwifchen Genefis und Exodus ift ein Phyfiologus in Profa eingefchoben. Ge- 
druckt bei Mafsmann. 1,. 235—342. 

Vom Äntichriß (gedr. Fundgr. 2, 106), von den 15 Vorzeichen des jüngsten 
Tages (Haupt Ztfchr. 1, 117). t 

Ava. Ein größeres Gedicht vom Leben Jefu, Antichrift und jüngften Ge- 
richte (Diemer 229 — 298), gleichfalls Sündenfall und Erlofung behandelnd, weist 
der Herausgeber einer Ava (f 8. Febr. 1 127 in oder bei GÖttweih als Reclufa) 
zu und vermutet in ihr die Mutter der Dichter Hartman und Heinrich. — 
Eine jüngere Bearbeitung, früher Gorlitzer Evangelienharmonie genannt, fchal- 
tet eine Einleitung über Johannes den Täufer ein (gedr. Fundgr. 1, 127—204.) 

Hartman (nach Diemer Sohn der Ava, in Paffau zum Priefter gebildet, 
flüchtete während des Inveftiturftreits nach S. Blafien, dort Stiftsprior, 1094 
Abt in Göttweih, richtete 1096 das Elofter Lambrecht ein, f Jan. 1114), der 
fich felbft den armen Hartman nennt (V. 3737) dichtete eine Rede vom heü. 
Glaube^ das Credo mit Auslegung. Gedruckt bei Maßm. 1, 1 — 42. 

Heinrich (nach Diemer Sohn der Ava, nach 1127 geftorben) nennt fich 
(V. 221) einen Laien und (V. 990) Gottes armen Knecht; am Schluße einen 
Abt Efchenfrid (ein Göttweiher f 1130, ein Melker f. 1163). Sein Gedicht 
von des Todes Gehügede (memento mori), gedr. b. Mafsm. 2, 343 — 357. 

Loblied auf Maria , vielmehr ein Gebet zu Gott, verrät ungewandtere 
Kunft, breit und zerfließend. Gedr. Diemer 295—316. 

Vom Pfafferdebenj geiftliches didaktifches Gedicht, ohne directe Anlehnung 
an die Bibel, lebendig anfchaulich. Gedr. altd. Bbl. 1. 

Heinrich (nach Diemer derfelbe , der das gehügede dichtete) verfaßte eine 
Litanei zu Gott und Heiligen , die in 2 Bearbeitungen vorhanden ift, in einer 
des 12. Jh. (gedr. Fundgr. 2, 216—37), und einer um etwa 500 Verfe ver- 
mehrten jüngeren auch aus dem 12. Jh. (gedr. b. Mafsm. 1, 43 — 63). 

JudiÜi, der biblifche Stoff, in zwei Bearbeitungen. Die ältere kürzere 
gedr. b. Diemer 117 ff., die jüngere, freie Bibeluberfetzung, gedr. b. Diemer 
127 ff. 

Auf eine ältere verlorne Quelle weift ein Gedicht des Priefters Arnolt Aber 
die heilige Zahl fieben, da ähnliches auch in der Kaiferchronik, Alexander und 
früher genannten Gedichten vorkommt. Gedr. Diemer 333—57. 

Salomo. Ein Loblied auf ihn behandelt die morgenländiCche &«.%<%k ^^-<q^ 
döm Tempelban phne Eifenwerkzeug. Gedr. \i. T>\cm«t WV — ^\W» 

Fom ÄtTnmli/cken Jeru/cdem, ein© £chwangt«vcJ\a^ft'a^«x>ÄVN»ÄSt tjääö.^«^^^^ 



16 Dichtung der Geiftlichen. 

kalypfe, klaget fchon, daß die geiitliche Dichtung weniger gefalle als Singen 
von Helden. Gedr. b. Diemer 361—372, vgl. Karaj. Denkm. S. 70, 22. 

Gedicht vom Sünden/all und ErUfung, nur bruchftUckweife erhalten. Gedr. 
Ztfchr. 7, 442. 8, 258 nach Friedberger Blättern. 

Ein Bußgehet (irrig die Bekehrung des Paulus, der verlorne Sohn genannt) 
muß größere Verbreitung gehabt haben, da es in Fragmenten mehrer Hs. vor- 
liegt. Diut. 2, 297 ff. Haupt Ztfchr. 3, 518. Karaj. Denkm. 47—67. 

Das Anegengej eine Erweiterung des in der (Ezzo zugefchriebenen) Schöpfung 
behandelten Stoffes, das von Konrad von Fußesbrunn erwähnt wird, möge die 
Reihe diefer Gedichte (vom Sündenfall und der Erl6fung durch den von 
der reinen Jungfrau gebomen Heiland) abfchließen. Gemeinfame Zf^ge laufen 
faft durch alle diefe Gedichte, die lat. einmifchen und den Dichter als einen 
von der Laft aller Sünden und Lafter niedergebeugten darftellen, der nur von 
Gottes Erbarmen feiig gemacht werden kann. Daß diefe perfönHchen Selblt- 
anklagen nicht immer buchft^blich zu nehmen find, bedarf keines Beweifes. 

§. 25. 

Die Legendenliteratur, die im Mittelalter an Reichhaltigkeit von keinem 
andern Zweige überboten wird, lieferte der Dichtung durch die apokryphen 
Gefchichfen von Chriftus, in der reichen Marienliteratur und in dem Leben 
der Heiligen feft geformten Stoff, der nur der deutfchen Verseinkleidung be- 
durfte, um Gedichte zu liefern. Die meifben Dichter hielten fich ftreng und 
knapp an die Quellen. Daß fie dennoch davon unabhängigen Wert haben 
können, je nachdem fie angemeßen erz&hlen, kann nicht geleugnet werden. 
Ihre Bedeutung haben diefe Legendendichtungen, auch wo fie fich eng an die 
lateinifche Vorlage halten, dadurch, daß fie zeigen, wie man die überlieferten 
Stoffe aus den fijreißen der Gelehrten und Wißenden in größere fijreiße hinüber- 
zuführen und zu verbreiten wufte. Was lateinifch gefaßt zur Erhellung der 
Culturgefchichte der Geiftlichen dient, erl&utert deutfch gefaßt die Culturge- 
fchichte überhaupt. Dazu kommt, daß innerhalb der Legendenbearbeitung 
derfelbe Umfchwung wahifuehmbar wird, wie in der übrigen Dichtunf. Auf 
die kurze kräftige dur9h den Gegenftand allein fchon wirkende Behandlungs- 
weife folgte eine andere, die vorzugsweife durch die Austiefung des Stoffes, 
alfo durch des Dichters Zuthat wirken wollte, und dann wieder eine Behand- 
lung, die, weil fie einen geheiligten Stoff bearbeitete, die rohe Form glaubte 
aufdringen zu dürfen. Gerade fo im Epifchen, im Didaktifchen, im Lyrifchen. 
Ueberdies ift es nicht gleichgültig zu wißen, welcher Charakter des Stoffes 
felbft in den .ftreng bearbeiteten bei der Wahl deffelben leitete. Die meiften 
Legenden werden freilich aus äußern Gründen deutfch bearbeitet fein, aber 
zwifchen dem Bearbeitenden und dem Bearbeiteten muß eine gewifCe innere 
Verwandtfchaft vorausgefetzt werden, die den Dichter verinochte, den äußer- 
lich gebotenen Anlaß zu ergreifen. Indem hier für das Einzelne auf das 
»Mittelalter« S. 112—231 (auch für das zweite und dritte Buch) verwiefen 
werden kann, mögen, auf die Legende von Pilatus, die Heiligenleben und 
dann die wenigen Dichtungen auf Chriftus und Maria folgen. 

Pilatus. Der Dichter der Pilatusfage, gefchriebener Quelle folgend, weift 
durch den Eingang feines fchonen kräftigen Gedichtes über die augebliche 
Unfügfamkeit der deutfchen Sprache auf die Anfangszeit der neuen Dichtungs- 
weife hin. Pilatus ift der natürliche Sohn eines rheinifchen Koenigs Pyrus niit 
dea Maliers Ataa Tochter Pila erzeugt , der, weil ex teVaen. '^txi^^x «t^Oq^^^h^ 



Buch 1. §. 24—26. 17 

dem Jul. Caefar als Geifel gegeben, einen fränkifchen Koenigsfohn Paynus 
erfchl&gt, ohne daß die B6mer, die fein Gefchlecht und deatfches Volk mehr 
als die Eerlioger fürchten, die That rächen. Sie fenden ihn nach dem kriegs- 
wilden Pontius, das er bändigt. Ihn holt Herodes, in deHen Reich Chriftus 
geboren ift, daß er den Abfall der Jaden verhüte. (Er entreißt dem Herodes 
die Herrfchaft.- Nach der Kreuzigung zur Verantwortung gezogen, bringt er 
fich um. Sein Geift wird an den Pilatusfee in der Schweiz gebannt.) 

Das Gkdicht iTt unTollftändig erhalten. Gedr. Anz. 4, 484—46. MaTsm. 1, 145—52. 

Bonus wird, weil er den Himmlifchen auf ihr Geheiß Nachts Meffe gelefen, 
mit einem prächtigen Meffge wände ohne Nat befchenkt. Ein Nachfolger, der 
ihm nachahmen will, findet fich, er weiß nicht wie, Morgens im Bette. Un- 
gleiche Abfchnitte, mit dreifachem Reim fchließend. Gedr. Haupt Zeitfchrift 
2, 208—15. 

Oreacentia, die Gemalin ^etrichs des Unschönen wird, von deffen 
Bruder Dietrich dem Schonen Wr Untreue geziehen, in die l^ber geftürzt, 
kommt zu armen Fifcherleuten, leidet neue Verfolgungen, bleibt ftandhaft, 
und heilt die von Gott mit dem Ausfatz geftraften reuig Beichtenden, worauf 
fie und ihr Gemal der 'Welt entfagend das MÖuchsleben annehmen. 

C Schade, Orefcentia ein niederrheinifches Gedicht aus dem 12. Jh. Berl. 1853. 8. — 
Dtemer, Eaiferchronik. S. 347 ff. Maftm. Kaiferchron. v. 11368 ff. — Die Dichtong wurde in 
die Kairerchronik eingefügt, nicht erft daraus gefehöpft. — Sch4de's Herftellung in fechszeilige 
Strophen, ^die Form der Spielmannspoefle*, hat keine Annahme gefunden. 

Margareta, getauft, vom Vater verftoßen, verfchm&ht den Wuterich Oli- 
briift, weil fie fich Chriftus ergeben, wird gemartert, kämpft mit dem Satan 
und wird endlich enthauptet. Gedr. Ztfchr. 1, 151—93. 

Albertns verfaßte ein Leben des heil. Ulrich, Bifchofs von Augsburg, und 
zeichnet fich durch hiftorifche Schilderungen aus dem Kampfe Ludolfs gegen 
feinen Vater Otto und den Einfallen der Ungarn aus. 

J. A. Schmeller, St. Ulrichs Leben. München 1844. 8. 

TandcUtASf der durch Himmel und Hölle gefuhrt wird, ftammt aus Irland. 
Eine ältere niederrh. Bearbeitung um 1180 (hrsg. v. Lachmann in den hiftor. 
phil. Abhdl. d. Berl. Akademie 1836. 166 ff.) und eine jüngere gleichfalls dem 
12. Jh. angehorige, von Alberus verfaßte Bearbeitung (hrsg. von K. A. Hahn, 
Ged. d. 12. u. 13. Jh. Quedlinb. 1840. 8.) 

Älbiims, der Sohn eines Königs aus blutfchänderifchem Umgang mit der 
Tochter, bewegt den Vater zur Buße. Niederrheinifch (hrsg. v. Lachmann 
a. a. O. S. 161 ff.) 

Wernher vom Niederrhein verfaßte im 12. Jh. die Legende von der heil. 
Veronika, die in ihrem Tuche des Heilands Bild auffaßt, das den kranken 
Kaifer Titus heilt. Wernher verfaßte außerdem noch einige andere Gedichte 
myftifch-asketifchen Inhalts. 

W. Grimm, Wernher vom Niederrhein. Göttingen 1830. 8. Die Sage vom UrX^rung 
der Chriftusbilder. Berlin, 1843. 4. 

Servatvus, Bifchof von Tunger, der reinen Kirchenlehre treu ergeben, von 
den Hünen bedrängt, ftirbt zu Maeftricht und verrichtet nach feinem Tode 
manchfache Wunder. Hiftorifche Anlehnungen machen das Gedicht intereffant 
und die beginnende Sorge für das Aeußere, lange Schilderungen von Kleidern 
und Ger&ten zeigen den Uebergang in die h6fifche Kunft. (Gedr. Haupt Zeit- 
fchrift ö, 75-92.) 

§. 26. 

Das apokryphe JEvangelium Nicodemij vom Ende des 12. Jh., bisher unge- 
druckt, wurde die Hauptquelle für die nichtbiblifche Gefchichte des Heilands, 

Handfchriften. 1. Görlitzer (Pundgr. 1, 128. Abfchrift in Berlin. Germ. 10, 104) j 2. Schwe- 
riner (Lifch Jahrb. 2, 166); 3. Stuttgarter (Anz. 7, 281) Bruchltilcke ; 4. Anzeiger 4, 326—829; 
5. K. Roth, Denkmiler 103—105; 6. Berliner. Vgl. Franz Pfeiffer in den Münchner geL An- 
zeigen 1853 Nr. 72 Col. 579. 

Ein Lobgedicht auf die Jungfrau Mada^ -vom "S^K^ÖÄxftÄvo. ^ \x«iOBÄö.^ Nxv 
einzelnen Abfätzen auf überfchwäugliche NTeil^ ö.\^ 3\xu^T«a \rt^^««Ä.- 
TT. Orimm, Marienlieder. In Haupts ZtCehx. 10, \— \4\. 
CfSdeke, arundriß. ^ 



18 Dicbtang der GeiMcb'en. 

Wernher von Tegernfee Äberfetzte 1173 eine lateinifche Marienlegpende in 
dentfche Yerfp. Der 1. Abfchnitt (Lied) enthält die Gefchichte Annens, der 
Matter Marias, der 2. die Jagend Marias and Verm&hlung mit Jofeph; der 3. 
die Gebart des Heilands and die Gefchichte bis zar Rückkehr nach Judna. 
Jedes Lied fchlie^t mit G^bet nnd Ermahnung. Aoi^erdem von Wernher noch 
einige lateinifche Briefe, von denen zwei mit kleinen deutfchen (yolks)liedem 
fchließen. 

Vgl. P. Kugler, de Werinhero tegemfeenfl. Berol. 1881. 4. (Das Gedieht ift nnr über- 
arbeitet vorhanden.) 

Dm Jüdel, von ungenanntem Dichter, eine Marienlegende. Ein Jaden- 
knabe, der ein Bild der Jungfrau gereinigt, wird von ihr im feurigen Ofen er- 
halten und dann getauft. Anmutig erzählt. 

Gedr. bei Hahn, ged. des xn. xm. Jh. Qnedlinb. 1840. S. 129—184. Vgl. Serapeum 
1842, 843 ff. ^ 

Die Urflende, von ungenanntem, nicht zum erfbenmale dichtendem Ver- 
faßer, die Auferstehung Chrilti behandelnd, mit Strafpredigten und lateiniTchen 
Sätzen durchwebt. Gefchickt erzählt. 

Gedr. bei Hahn, ged. des zn. zm. Jh. Qnedlinb. 1840. S. 103—128. 

§.27. 

Die Lyrik dei^ xi. Jh. ift ungemein dürftig vertreten, kaum daO Anas 

weltlichen Gefanges gedacht wird, oder ein geiftlicher erhalten wäre. Dagegen 

aeigt das xn. Jh. erfreulicheren Auffchwung nach beiden Richtungen und der 

weltliche Gefang außerordentlich fchöne Lieder. 

VgL Hoffioiann Gefch. des Kirchenliedes S. 26 ff. Fr. H. ▼. d. Hagen, HinneAnorer. 
Dentfche Liederdichter des» xn., Xm. nnd XIV. Jh. Leipz. 1888. iv. 4. Bei der Wahl König 
Heinrichs 1024 Tagt Wippo: Ibant gaudentes, clerici pfallebant, laici canebant, ntriqne Cao 
modo. Ein Weihnachtslied ans Aachen bei Hoffim. S. 29. 

An geifÜichen Liedern Und folgende erhalten : Lobgefang cmf die heilige 
Jtmgflrau: Aaron inin erde leit eine ^erte (gedr. Pez. Thef. anecd. nov. 1, 1, 
415. Hoffm. S. 33). Ein Weihnachtshed : Er ift gewaltic unde ftark (HofiPm. 
36). Oßerlied: Chrift fich ze marterenne gap (HofTm. 37). Bruchftück: 
Würze des Waldes (Hofim. 38). Oßerlied: An dem 6fterlichen Tage (Hoffin. 
39). Oflerlied: Chrift ift erftanden (Hoffm. 64, wol aus einem Ofterfpiele). 

Zengniffe über andere geistliche GeHinge des Volks bei Hoffim. 39 ff. Die gelftlichen 
Lieder wnrden leife genannt; fie waren ans dem bloßen Rnfe Kyrie Eleifon entftanden. " 

Der weltliche Gefang, noch nicht von künftlichen Formen eingeengt, wird 
reichhaltiger gewefen fein, als aus den erhaltenen wenigen Liedern abgenom- 
men werden kann. 

Der Kftrenberger. Ein fonft unbekannter Dichter, vielleicht aus dem Gefchlecht 
von der Burg Kürnbecg im Breisgau. Gedichte voll feelenvoller Tiefe. Form der 
Nibelungenftrophe. W. Wackernagel, Kiurenbergii et Airami Gerftenüs car- 
mina. Berol. 1827. 8. Hoffm. Fundgr. 1, 263 ff. Hagen Ms. 1, 97. 4, 109. — 
Her Dietmar von Af( (Eift) aus dem lliurgau. Wenige Gedichte ; finnHch frifch. 
HMS. 1, 98. 4, 111. — Her Liatolt von Seven, von Sähen bei Brixen. Natur- 
anfchauungen. HMS. 1, 305. 3, 327. 4, 239. — End«lhard von Adelnbar^. 
Wenige Zeilen, das Verfagen der Geliebten beklagend. HMS. 1, 325. 4, 254, 
(4, 490 wird der Dichter Engelh. genannt und nach 1230 hernntergerückt) — 
Der Burggraf von Rletenbnrg, Heinrich oder Otto, 1179; reine Reime, aber 
ungleich gemeinen. HMS. 1, 218. 4, 155. — Her Reinmar der Videlnre, wol 
Oefterreicher ; reine Reime; fpottet iiber den von Seven und erwähnt eine 
Menge von Liedernamen , die damals fchon geübt fein m6gen. HMS. 2, 330. 
4, 474. 

Tag9Uet, klageUet, hAgeUei, zügeliet, tansellet, \eieb, luliL&eUet, VnVait«VL«\.x lO&!^\it\i»i^ 
iobeUet, räegeUet, Doheb^n werden genannt: nünneUet, YrineVleX^ \n;^\U«Qi, \x^m«^^ mwEA«^.. 
Ii0t, wioUet, OgeUet n, f. w. 



Buch 1. §. 26—29. 19 

§. 28. ■ 

Die Dichtung der Geiftliclien war, wenn auch nicht mit der Abficht es zu 
fein, eine lehrhafte durchweg. Das eigentliche Lehrgedicht, dem eine gr66ere 
Durchbildung des Volkes vorhergehen mu^, tritt gefondert nur fp&rlich auf, 
und bei manchen Denkm&lern, die man hierher ziehen kann, bleibt es fraglich, 
wie weit die Abficht der Verfaj^er auf das eigentlich Lehrhafte gerichtet war. 
DaO Gein^iche die Dichter' waren , ergeben Stoff und die Einmifchung des 
lateinifcheti. 

bas Sltefte Denkmal liegt in den Brmchftücken einer um 1070 verfaßten 
Weltbefchreibung vor, die fiä auf die Bibel und Ifidorus ftützt. 

tloftm. V. y., Merigarto. Prag 1834. 8. Fandgr. 2, S— 8. Vgl. J. arimm in den Göt- 
tinger gisl. Aui. 1838. N. 50. p. 548. 

Lebensregeln, wie es fcheint f&r Nonnen beftimmt; eia karülima beginnend. 
Gedr; altd. El. 1, 343 — 47. — Vom Rechte , nach den drei Cardinalpnnkten 
des romifchen Bechtes, das mit dem canonifchen Rechte fich um die Mitte 
des XIII. «Hl. eindrängte. Gedruckt in Karajans Sprachdenkm. 3—16. — Die 
Hochzeit, an Sündenfall und Erlöfung allerlei Lehren knüpfend. Gedr. Karig. 
19 — 44. — Phyfiologm, Schon in der erften Hälfte des xi. Jh. wurde nac5i 
lateinifcher Vorlage ein Phyfiologus in Profa abgefaßt, eine Deutung mythi- 
fcher Thiere auf Chriftus und den Teufel (gedr. Hoffm. Fundgr. 1, 17. Hagen, 
Denkm. 50); erweiterte Befchreibung , gleichfalls Profa aus dem xii. Jh., ift 
zwifchen Genefis und Exodus eingefchiJtet (§. 24). Eine gereimte Bearbei- 
tung diefes Stoffes, auf Bilder angelegt, lieferte das xii. Jh. Gedr. in Karaj. 
Sprachdenkm. 73 — 106. — Ein größeres Gedicht mit wörtlichen Ci taten r6mi- 
fcher Schriftfteller r&hrt von einem Kaplan Wernher von Elmendorf her. Gedr. 
in Haupts Ztfchr. 4, 284 ff. — Eine Deutung der Mefsgehrdtbche, vom Ende des 
XII. Jh. fcheint auf kirchlichen Gebrauch berechnet oder f&r angehende Prie- 
fter befdmmt gewefen zu fein. Gedr. Ztfchr. 1 , 270—84. — Erklärung des 
VcUerunfers in ungeregelten Verfen und unreinen Keimen (gedr Anz. 8, 39. 
vgl. Karaj. Sprachdenkm. 67 ff. MA. 232) und eine Dichtung über die Jieben 
Siegel der Apokaljpfe, in gleicher Form, voll myftifcher Spielereien (gedt. 
Anz. 8, 44 — 46. MA. 239) fallen vielleicht noch in den Anfang des xii. Jh. 

Noch mdgen die Segensformeln erw&hnt werden, die, wenn auch Bum Teil fpkt tLütgt' 
zeichnet, in alte Zeit zurückgreifen; BefchwArnngen, Bef^rechnngsformeln um das BInt an 
rtillen, Wnnden zu heilen, Feuer zu löfchen, Vieh zu fchtttzen, reifende Tliiere ahzuhalten, 
KranUieiten zu tilgen, oder andre mit denen man den Tag begann oder fchlod, die Keire 
antrat, den Abfehied regnete. Einige Formeln in Niederfohriften des 12. Jh. haben fleh er- 
halten. Vgl. die Zauberi^rttche %. 10 und MA. 241-44. 

§. 29. 

Gr6Bere Sorge wandte die Geiftlichkeit auf die poetifche Darfteilung der 
Gefchichte oder gefchichtlicher Stoffe. Alte Tradition und neue Anfchauungen 
mifchten fich darin. Fabelhaft wie die Vorftellungen von der r&umlichen Aus- 
dehnung der Welt waren die Vorfkellungen von dem gefchichtiichen Zufammen- 
hange der Dinge iü älterer Zeit Der ])fangel aller und jeder Kritik mu/te 
eine poetifche Behandlung der Gefchichte in diefer Weife begünftigen. So vor- 
trefflich zum Teil die lateinifchen Berichte {^ber gleichzeitige oder kurz vorher 
gefchehene Dinge find, die uns die Geiftlichen in ihren Annalen, Chroniken, 
Lebensbefchreibuugen hinterla^en haben, fo übereinftimmend verlieren fiefich, 
wo fie, mit der Weltfchöpfnng beginnend, das Altertum ihren Darftellungen 
voranfchicken , in bodenlofes Gewirr von Fabeln und Tr&umen. Die dichte- 
rifchen HiXtoriker treiben es in diefer Bichtung noch weiter. Weder dlf^'C^^^ 
vermochte diefen üppigen Trieb zu zügeln^ Tioci\i ^»ft l^l^-SAi^v2lÄT3L^<äQx^S^S^.^^^ 
der römifcben Literatur ihn zu regeln. OemÄYviODL^SÄasJCÄ *«l\äx^ >i«evöx^^ iG^ 
gMugene Quelle fcheint mannigfacli beniitaLt «a ieosi. 



20 Dichtung der Greilüichen. 

Dm AnnoUed. Ein Gedicht, in welchem dem Leben des heiligen Anno 
Ton Köln (t 1075) eine Einleitung Toranfgeftellt ilt von Erfch^^ng der Welt» 
Sünde nfall, Erl6fting, Verbreitung der chrifÜichen Lehre, die auch za den 
trojaniTchen Franken und nach Köln kam, die durch Anno gro6 nnd herrlich 
geworden. Kuckblick auf die Städtegründungen von Ninus an und die vier 
Weltreiche nach Daniels Traum. Manche Stellen der Einleitung begegnen auch 
in der Kaiferchronik , die wol nicht Quelle des Annoliedes fein konnte. 

Incertl poetas rhythmtu de Sancto Annone. Maiünns Opitius primns ex membrana veteri 
edidit et animadverfionibns illnrtravit. Dantifci. 1639. . 8. 78. S. — Text und UeoerTetsnng 
von HegewlTch in Eggew deutfchem Magazin 1791. 1, 555—72. 2, 10—75. S36— 375. — Der 
Lobgefang auf den heil. Anno in der althocbd. GnindJt)[)rache des 11. Jh. nnd mit einer £in> 
leitong, Ueberfetzong nnd Anmerkungen hrsg. v. Dr. 6. A. F. Goldmann. Leipz. n. Altenb. 
1816. 8. — Itere von fente Annen erzebifcove ci Kolne bi Rine. Von Neuem hrsg. von Dr. 
H. E. Bezzenberger. Quedlinb. 1848. 8. — Leben des heiligen Anno, Erzbifehofes Ton Kdln. 
Defitfches Gedicht des 12. Jahrhundertes, nach der opitziTchen HandTchr. genau heransg., 
fiberfetzt und erlSfitert von Dr. Karl Roth. 1. Heft. München 1847. 8. — VgL HofFin. Fond- 
gruben 1, 251, wo zuerft die Anficht einer älteren gemeinfchaftlichen Quelle auftritt. Lach- 
mann (Singen und Sagen. S. 112) fetzt das Lied um 1183. Bezzenberger ftimmt damit Aber- 
ein nnd laÖt die Kaiferchron. Quelle des Annoliedes fein. Roth macht nmgekehrt das Annolied 
rar Quelle der Kehr. Wogegen MaTsmann (Kehr. 3, 263) das Annolied ans der Kehr, inter- 
poUert fein lX6t. 

Die Kaiferchromk fuhrt die Gefchichte der r6mifchen und deutfchen Kai- 
fer von Bomulus und Julius Csefar bis auf Lothar (1139) oder in jüngeren 
Handfchriften bis auf 1147, wo Konrad UE. den erften Kreuzzug befchloB. 
Sage nnd Gefchichte find in der oben bezeichneten Weife gemifcht, fo da6 
das Gedicht nicht Gefchichte, fondern Dichtung bietet. Bis ins fp&te Mittel- 
alter wurde die Chronik einer Menge von Profachroniken zum Grunde gelegt. 
Auch Fortfetzungen bis auf den Kampf Rudolphs Yon Habsburg mit Ottokar 
von B6hmen find gedichtet. Um die Kaiferchronik und ihre Sagengefchichte 
hat fich Bfafsmann mit unermüdetem Fleiße bleibende Yerdienfte erworben. 

Der um die Seele wie um die Ehre gleichmäßig beforgte Dichter gruppierte feinen ana 
einer alten Gallica hiftoria oder deren Quellen gefchöpften, wol auch aus älteren deutfchen 
Ctodichten (wie fchon die Uebereinftimmungen mit dem Annoliede zeigen) entlehnten Stoff, 
nach Mafsmanns etwas allzugfinlliger Meinung von dem Compofitionstalente deffelben, nach 
großartigeren Anregungen als dem äußeren Rahmen der Kaiferreihe. 'Es find dies die rein 
menfchlichen Klänge vom endlichen Lohne bewährter Treue und bewahrter Unfchuld (Lu- 
cretia, Grefcentia), von wunderbarer Fflhrung Gottes durch Not nnd Tod, Schiffbruch and 
Selaverei, um fich die Herzen der noch heidniTchen Menfchen für den Sohn zu gewinnen, 
und die lang und weit Getrennten durch und ffir den neuen Glauben wieder zu vereinigen 

gtfechtilde, Fauftinianus, Clemens). Es ift femer das tapfre Martyrium fSr deh neuen Glan- 
en (Petrus, Paulus, Johannes. Lanrentius), wie der ritterliche Kampf fär denfelben (GottfHed 
▼on Bouillon, Karl d. Gr.). £s find die großen Verfnchungen und Verfolgungen deffelben 
\ (durch Julian und unter Theodofius, durch Nero, Domitian, Diocletian) bis zum Siege des 
1 \ Chriftentumi auf dem kaiferlichen Throne (unter ConTtantin). Um diefe Grundpfeiler der 
PAnfchauung und Erbauung ranken fich die lebhafteften und lieblichften Bilder: fchöne 
I züchtige Frauengeftalten (Lucretia, Thrafilla, Crefcentia, Almenia im luftigen Lagergel^räch 
mit Totila), daneben herrliche Heide ngeftalten tapfrer Herzoge (Adelger, Totila, Collatinns, 
Titus, Dietrich, Gotfried), gerechter Könige und Kaifer (Trajan, Juftinian, Karl); fei-ner die 
lebendigen Schilderungen von befonderen Kämpfen (des Titas, Adelgers, Dietrichs, Gotfrieds, 
Karls) und Weltfchlachten wie Caefars. Scheint dort bei den verborgenen Führungen des 
menfchlichen Herzens ein Geiftlicher zu l^rechen, fo wird uns bei jenen lebhafter gelnn- 
, genen Schilderungen von Schlachten wieder ganz kriegerlich zu Mute : Speere kUrrem, 
/ Schwerter klingen, Str&me Blutes rinnen ; dazwifchen wieder das Glitzern goldner Tifch- 
\ gefäße und Schttßeln, die zu fttrftlichen Tafeln getragen werden.' (Mafsm. Kehr. 3, 364 f.) 
Geiftliche waren damals eben auch Krieger und manchmal nur zu fehr. Die alte ungebän- 
dlgte Kriegsluft brach wie beim Mönch Ufan durch die priefterlichen Formen. Die geift- 
lichen Dichter weltlicher Stoffe verftanden fich ungleich beßer auf diefe als auf die eintönige 
Afkefe. Hure Parftellungen im Einzelnen find kurz, kräftig, im hohen Grade lebendig, ohne 
Schihuck und das gleißende Beiwerk des folgenden Jh. 

Die Kaiferchronik, nach der älteften, Yorauer Hs. des 12. Jh. herausg, von J. Diemer. 
I. Urtext. Wien 1849. 8. — Der Keifer und der Kunige Buoch oder die fo genannte Kaifer- 
chronik, Gedicht des 12. Jh. von 18578 Reimzeilen. Nach 12 vollffc. und ITunvolIft. hss. hrsg. 
T. Hans Ferd. Mafsmann. Quedlinb. 1849—54. m. 8. Der dritte Band enthält die Ab- 
handlungen. 

§.30. 

Lamprecht. Ein unbekannter Pfaff Lamprecht (wenn der Name nicht 

auf Irrtum beruht) verfaßte nach franz6fifcher Quelle des Alberieh ^on Bifen- 

inuzz ein Oedicht über Alexanders Zug in den Orient. Die Kämpfe werden 

mit nacbdmckaroUer Lebendigkeit und die ^nndex d^^a I&.ox^^iAa.tA^^ usaSb 

Uebliohen naiven Zfigen geibhildert. Das Ge6iobt Ul in «>Nq«v 'fiL^Qüa^'^^Tisii «s. 



Buch 1. §. 29—32. 21 

halten. Die Voraner Hs. felbn; ift die ältere, bietet aber einen jüngeren, ge- 
gen den Schluß zum bloßen Auszuge gewordenen Text, w&hrend die jüngere 
Straßburger Hs. zwar felbft jünger ifl;, aber den älteren yollftändigeren Text 
Hefert 

J.Grimm meint, derLamprecht der im Gedichte genannt wird, fei fchon aus der Quelle 
Alberioha in deffen Gedicht herAbergenommen. Diemer, der den Voraner Text (in den dent- 
fchen Gedichten des 11. u. 12. Jh. Wien 1849. S. 188) herausgegeben, hält diefen für den 
urfprünglichen. Die obige Annahme irt die von H. Weismann der das Ged. nach beiden 
Hss. herausgab: Alexander, Gedicht des 12. Jh. vom Pfaffen Lamprecht. Frankf. 1850. n. 8. 

Gleichfalls den morgenländifchen Wundem zugewandt ift das Gedicht 
vom Herzog Emfi, das vor 1186 fallt, aber nur bruchftückweife erhalten ift. 

Gedr. in Hofftn. Fundgr. 1, 228—230. — Eine lateinifche Profa gedr. in Haupts Ztfchr. 
7, 193>-252. Vgl. Schmeller u. Grimm lat. Ged. S. 222 ff. — Ein lateinifches Gedicht in 
Hexametern zwifchen 1206—1233 von einem Geiftlichen Odo gedr. in Martene, nov. thef. 
anecd. 3, 308 ff. — Um die weiteren Bearbeitungen gleich hier zufammenzuhalten : Ein deut. 
Ged. in Reimpaaren gedr. bei Hagen, deut. Ged. des Mittelalters Bd. 1; ein anderes deut. 
Ged. in Reimpaaren hdfchriftl. in Wien. Hoifm. Wiener Handfchriften. 8.33. — Ein Gedicht 
des 15. (?) Jh. in dreizehnzeiligen Strophen (Herzog Ernfts oder Bemerweife, l^&ter Rolandston) 
gedr. in Haupts Ztfchr. 8, 477. — Zuletzt die Bearbeitung in Kalmars v. d. Rcen Heldenbuche 
S. 227 von 89 auf 54 Str. abgektlrzt. Vgl. §. 97. 

Chaf Rudolf j ein Gedicht, das Scenen aus der Belagerung Ascalons 
fchildert (1148), fällt um 1170; nur bruchftückweis erhalten. 
Graf Rudolf. Hrsg. v. W. Grimm. GÖttingen 1844. 4. 

§.31. 

Die Thierfage fand zwar nicht zahlreiche, aber dem Erfolge nach fehr 
günftige Pflege, ürfprünglich naiv aus dem nähern Verkehr zwifchen Men- 
fchen und Thieren hervorgegangen und Thierifches mit Menfchlichem mifchend, 
ohne Satire zu beablichtigen, fowenig als da;S echte Epos Lob f&r lebende 
Menfchen im Sinne hatte, war die Behandlung der Thierfage, die man übet das 
ganze Volk verbreitet zu denken hat, nicht enthaltfam genug, um nicht im 
Laufe der Zeit fatirifche Ziige einzumifchen ; fchwerlich gegen einzelne Per- 
fonen, mitunter aber auf Ereigniffe der nächften Umgebung nach Zeit und 
Ort anfpielend, wie bei der Belehnung des Kamels Olbente mit einer rheini- 
fchen Abtei. Die Bearbeitungen find vorwiegend noch lateinifch und dringen 
aus Flandern in das Elfaß. Einzelne Abenteuer find hin und wider behandelt. 

J. Grimm, Reinhart Fuchs. Berlin 1834. 8. 

Ifengrimtis , lateinifches Gedicht von einem ungenannten fAdflandrifchen 
Dichter zu Anfang des xii. Jh. verfaßt, erzählt die Krankheit des L6wen und 
die Wallfahrt der Gemfe. 

J. Grimm. S. 1—24. Vgl. Pertz Archiv 9, 539. 

Reinardus, lat. Ged. von einem Magifter Nivardas um 1150 in Nordflandern 
verfaßt, in das der ganze Ifengrimus aufgenommen wurde, behandelt eine 
Reihe einzelner Abenteuer zwifchen Wolf und Fuchs. 

Reinardus Vulpes. ed. F. J. Mone. Stuttg. 1832. 8. — Bormans, notaB in Reinardnm 
vulpem. Gandavi. 1836. 37. 3 Fafc. 8. 

Reinhart von Heinrich dem Glichezäre, einei^j^ eiräßifchen Dichter um die 
Mitte des 12. Jh., folgt franzofifcher Quelle. Nur in Bruchftücken erhalten. 

J. Grimm, SendTchreiben an E. Lachmann. Ueber Reinhart Fuchs. Leipz. 1840. 8. 
Einzelne Abenteuer : <Der fuhs und diu vohe', *Der wolf in der fchuole* bei J. Grimm 364. 
333. M. A, 606. — Die franzftfirchen Dichtungen voll epifchen Lebens : Le roman du Renart 
par M^on. Par. 1826. iv. 8. Supplem. variantes et corrections par F. Ghabaille. Paris 
1835. 8. M. O. Rothe, les romans du renart examinds, analyfds et compar^s. Paris 1845. 8. 

§. 32. 

Aus den Niederlanden kam uns das. dorthin aus Frankreich eingewanderte 
kdrlingifche Epos, die fagenhaften Jugendgefchichten Karls des Gr<ifte.x^.., C^vcä 
und. feiner Helden Kämpfe in Spanien, "PtankteicV xm^ ^^ti^v^^^^^^Aä^n ^^^ 
denen die letzteren freilich erft fpJiter meVü ixbetteXaV. «5ä T^wSi^sg»^^^'«^'^ '^^^^ 



22 Dichtung der Geiftlichen. 

Karl und die Seinen find die Helden der Kreuzfahrten, der Geilt diefer Ge- 
dichte, namentlich des Bolandsliedes, ift der Geift der Kreuzzüge. Für den 
chriftlichen Glauben wird der Streit gegen die Heiden geftritten, der Tod ge- 
duldet. Karl fteht groß und gewaltig, wenn auch in würdevoller Hoheit den 
eigentliche^ Kämpfen entfernt, in den Gedichten, w&brend £ein Sohn liudwig 
mattherzig und blaß hinter die Helden zurückfchwindet. In Deutfchland hat 
das kerlingifche Gedicht, das in Frankreich das kräftigfte epifche Leben ent- 
faltete und in den Niederlanden zur herrlichen Blatte gedieh, nur geringe 
Neigung erweckt, da die markigen Geftalten, die glaubenskühnen Streiter bald 
vor den zierlichen lackierten Modehelden der Tafelrui^de und ihren Nachfolgern 
zurückweichen muften. 

Ueber die Quellen der GefcMchte des kerling. epos vgl. HA. 680. Dazn noch Kard- 
lelli^. Hrgg. ▼. Merzdorf. Oldenb. 1855. 8.' (Torpin in hexametrircher Bearbeitung.) 

Da8 RolandsUed, vom Pfaffen Ronrad aus dem franzSfifchen ins lateinifche 
und daraus ins deutfche {ibertragen, fchildert Karls Zug gegen die Heiden in 
Spanien und den Tod Rolands in Bunzival, yerfchuldet durch den Verräter 
Genelun. 

Das Rolandslied. Hrsg. v. W. Grimm. Göttingen 1838. 8. (Mit den Bildern der PfSizer 
Hs. und ausfAhrlicher Abhandlung. Grimm fetzt das Gedicht zwifchen 1178 — 1177; es fcheint 
jedoch älter zu fein und der darin erw&hnte als bereits Verftorben vorgeftellte Heinrich nicht 
Heinrich der Lcewe^ fondem deffen Vater Heinrich der Stolze (f 1139) zu fein, der die Ger- 
trudis, Tochter des Kaifers Lothar zur Gemalin hatte und gegen die heidnifchenWenden kämpfte.) 

Von den {ibrigen kerlingfchen Gedichten diefes Zeitraums find nur nieder- 
rheinifche in Bruchftücken bekannt geworden, die aus franzöfifchen Quellen 
flol^en und teils Karls Jugendgefchichte (Karlmeineit), teils die Gefchichte des 
heiligen Wilhelm und des Bennewart behandelten. 

Karlmeineit. 1. StraUtinder Bruchft. (gedr. in Beneckes Beitrsegen 611—618.) — 2. üh- 
lands Bmchft. (gedr. in Mafsmanns Denkm. 1, 155 — 159.) — 3. WoUienb. Bruchft. (gedr. im 
Anzeiger 1855. 275—78.) — 4. Menfebachs Bmchft. (gedr. in den hift.-phil. Abh. der Berl. 
Akad. 1886. 172 ff.) — Rennewart, Gedr. in K. Roths Denkm. S. 79. 

§. 33. 

Kurz vor dem Aufblüihen einer neuen Kunft am Ende des xii. Jh. fcheint 
noch einmal eine volksm&ßige Behandlung alter Sagenftoffe aufgelebt zu fein, 
in der fich Legende und Heidentum, alte ungefchlachte Tapferkeit und neue 
Verfeinerung, ernfthafte Auffaßung und poJßenhafte Darftellung wunderlich 
mifchen. Eine große RegeUofigkeit der Form, eine Menge haftender Allite- 
rationen, hie und da unverwifcht durchbrechende Strophen unter Reimpaaren, 
uralte Stoffe in offenbar verjüngter Geftalt machen diefe Poefie fehr merk- 
würdig und empfelen eine Unterfuchung , die in die Sachen dringt, dadurch 
aber erfchwert ift, daß diefe Gkdichte nur in einer oder doch fp&ten fchlechten 
Handfchrift vorliegen. Bs fcheint eine Spielmaunspoefie gewefen zu fein, die 
im Lagerleben der erftenKreuzzüige aufblühte und durch die geringe Kunft der 
Form fich bequem handhabe^ ließ, bequemer als die bald fo gefchniegelt ein- 
hertrippelnde Anmut der hofifchen Poefie. Allen ift ftofflich eine Brautwer- 
bung im Morgenlande gemeinfam, mehren der mönchifche Schluß. 

König Orendel, verbindet mit der Brautfahrt die Legende vom ungen4hten 
Rocke. Gedr. Augfp. 1512. 8. Hrsg. v. K. H. v. d. Hagen: der ungen&hte 
Rock Chrifti. Berlin 1844. 8. Ueberf. v. Ph. Laven, Trier 1845 und von K. 
Simrock. Stuttg. 1845. 8. vgl. MA. 283—86. 

König Oswalt wirbt um die fchone Spange, Tochter des Königs Aaron, 
entf&hrt fie und wird mit ihr geiitlich.' Gedr. Sant Oswaldes Lehen, herausg. 
von EttmüUer. Zürich 1835. vgl. MA. 163—167. 

JTcimy Bmthw, gleichfalls eine Brautwerbung tjä^ gevIWiäLf^et ^OaSxJÄ. "ETva 



Buch 1. $. 32<^34. 23 

Gedieht «u alter longobardifcher Heldenfage herfließend mit wunderbar fchö- 
nen Zf^en. Gedr. bei Mafsmann, dent Ged. d. xii. Jh. S. 162—234. Vgl. MA. 
275—83. 

Salman und MoroU, in der Ueberarbeitang des xiv. Jh. Salomon und 
Morolf. K6nig Salomons geliebte Frau Salome, wird wiederholt entföhrt, von 
Salomons Bruder Morolf aber liXüg wiedergeholt und endlich getötet. Gedr. 
in Hagens Ged. d. Mittelalters Bd. 1. Auch ein Gedicht in Wechfelreden, 
Hoheit und Plumpheit contraftierend, fcheint um diefe Zeit entfprungen zu fein. 

Vgl. J. M. Kemble, Salman and SatumuB. London 1848. 

§. 34. 

Im 10. — 12. Jh. wird mehrfach in deutfchen Quellen deutfoher Lieder und 
Namen ErwAhnung gethan, die auf ein fortdauerndes Leben des Epos fchließen 
läßt Die Art, in welcher dies gefchieht, macht es erkl&rlich, weshalb es nicht 
hAofiger gefchehen ift. Die gelehrten Autoren sehen mit einer unverkenn- 
baren Gkringfchätzung auf die deutfchen Sagen herab. Gleich die ältefte Er- 
wähnung in der Quedlinburger Chronik nennt Thideric von Berne mit dem 
Beifatze, es fei der, von welchem die Bauern ehemals gefungen, als ob die 
Bauern damals fchon darüber hinweg gewefen feien. «Die Urfperger Chronik 
gedenkt Hermenrichs von dem man im Volke finge und fage ; Otto von Frei- 
fingen weift auf die Fabel hin, daß Theodoric lebend zur Unterwelt geritten 
fei.' Eine Klofberchronik merkt beim J. 1135 von Verona an, daß es Dietrichs 
Haus genannt werde. Met§llu8 von Tegernfee fcheint etwas günftiger gefinnt, 
er erw&hnt eines deutfchen Gedichtes und Rogers und des alten Tetric. Pfaff 
Lamprecht fchildert im Alexanderliede eine Schlacht, der jener Kampf i^uf 
dem Wülpenwerder nicht gleich gekommen, in welchem Hildens Vater zwifchen 
Hagene un^ Waten tot gelegen, und hebt feine Helden über Herwich und 
Wolfwin. Arnold von Lübeck nennt Verona Hildebrants Haus. Selbft Hein- 
rich von Veldecke bezieht fich auf die Schwerter Miming, Kagelring und 
Eckefachs, freilich um fie nur herabzufetzen, und nennt beiläufig Gocherim. 
Auch Eilhart von Oberg kennt und nennt Dietrich und Hildebrant. Vor allen 
zeigt fich Wolfram von Efchenbach mit der Heldenfage vertraut, der im Par- 
zival Wolfhart, Bumolt, die kühnen Nibelungen, Sibeke und Ermenrich, ja 
SiMd nennt und im heil. Wilhelm auf Ezzel, Ermenrich, Wittich, Heime, Hil- 
debrant uud Frau Uote Bezug nimmt Da fich alle die hier erwähnten Züge 
in den erhaltenen epifchen Liedern der nächften Zeit nachweifen laßen, fteht 
das Dafein epifcher, vom Volke gefungener Gedichte in der Zeit vor 1200 f^ft. 
lieber die äußere und innere Befchaffenheit derfelben laQen fich, da nichts 
weiter als das hier Angeführte darüber bekannt ift, nur Vermutungen auf- 
ftellen. 

Die ZengnUTe find gefammelt bei W. Grimm, dent. Heldenf. B. 31—63 und 380. Auf die 
Hypothefen hier weiter einsugehen, erfcheint unnötig, da bei den Nibelungen (§. 65 if.) daranf 
Bttokflcht genommen wird. 



24 H8fifclie Dichtung. 

Zweites Bnch. 

Zeitalter der Kjeuzz&ge bis zum Interregnum. 
Httflisclic Dichtung« 

Allg^emeines. 

§. 35. 
Allmählich eintretende Wirkungen der Kreuzzuge gaben 
dem innern Verkehr der abendländifchen Völker einen bedeu- 
tenden Umfchwung. Die geiftliche lateinifche Bildung wich vor 
einer ritterlichen franzofifchen zurück. Diefe war in Wales 
entfprungen, nach Frankreich übertragen und weiter ausgebildet, 
durch die Niederlande nach Deutfchland gedrungen. Zunächß; 
äußerte fie lieh in der Auffaßung der kerfingifchen Heldenfage 
und fand an deutfchen Höfen Eingang, dauerte auch in fran- 
zofifch gedachten Behandlungen des Altertums fort und lag mit 
der entfchieden fremdartigen Bildung anfanglich in unbewuftem 
Widerftreit. Die fremde Bildung gehorte dem Leben wie der 
Dichtung und ergriff beide, vorzugsweife das Leben und die 
Dichtung des Adels. Fürften pflegten fie mit Vorliebe. Der 
wirkfamfte Vertreter diefes neuen Charakters der Bildung war 
Heinrich von Veldeke, deffen entfcheidender Vorgang auf lyri- 
fchem, geiftlichen und weltlichen Gebiete weite und dauernde 
Nachfolge weckte. Die Gegenfatze zwifchen chriftlich und 
heidnifch, die bis dahin noch fortgedauert natten, verfchwinden 
wie die Kennzeichen der Bildung nicht mehr in lateinifcher Bil- 
dung gegenüber der rufticitas gefucht werden. An die Stelle trat 

,,' der Gegenfatz zwifchen hövefch und dörperlich. Der Charakter 
der neuen Kunft beftan^~in ^'ef 'Ergreifung neuer Stoffe und 
neuer Formen. Die Stoffe waren vorwiegend weltlich; die 
wenigen geiftlichen, die mit der neuen Bildung nicht im Wider- 
ft)ruch ftanden, wurden vorzugsweife der Legende entnommen. 
In den meiftens nach dem Mufter des HSfifchen gedichteten 
Legenden gab fich das Zeitalter gewiflermaßen poetifch Rechen- 
fchaft über die Motive, die in der Gefchichte der Zeit vorwal- 
teten. Mit grSßter Vorliebe wurden die weifchen weltlichen 
Stoffe, die wol ohne Ausnahme aus franzofifchen Quellen flößen, 
von hSfifchen Dichtern gepflegt. Alte Mythen waren allmählich 
zu ritterlichen Liebesgefchichten abgefchwächt. Viele in der 
alten Form wolbegründete, durch das religiofe Element gerecht- 
fertigte Zuge traten in der abgewelkten Form der Unfitte oder 
des dumpfen Wunders auf. Die Aventüre verdrängte die Sage 
und brachte fremdartige Begebenheiten, fremdartige Anfchau- 
ungen, fremdartige Sitten, fremdartige Namen in die deutfche . 
Dichtung. Die innere Roheit der Stoffe wurde durch formelle 
Künfte zu verdecken oder zu mildem gefucht. Ein Grund- 

gedanke wurde iiin eingelegt. Der innereiv kxxÄÄÖLxm^ ^^tA\.^ 



Buch 2. §. 35. 36. 25 

(ich die Eunil zu. Schilderungen von Seelenzuftänden wurden 
beliebt und find oft mit Glück dargeftellt. Selbftgefpräche ver- 
fuchen eine genauere Entfaltung der in der Aventüre waltenden 
Motive. Die Dichter Hellen fich durch Betrachtungen über 
ihren Stoff. Die äußere. Behandlung charakterifiert fich durch 
Kürze in den eigentlichen Ereigniflen und weitläuftiger Pflege 
der Aeußerlichkeiten, in Befchreibunff von Waffen, Kleidern, 
•Thieren, Geräten, Geftalten. Nicht alles nahmen die Dichter 
aus öiner Quelle, manche Epifode wurde aus zweiter und dritter 
gefchöpft und der Aventüre eingeflochten. Selbft freie Dich- 
tungen m6gen verfucht fein. Faft durchgehendes Merkmal der 
h6fifchen Kunft ift die rafche Wechfelrede der handelnden Per- 
fonen. Der Versbau wurde kunftvoUer gehandhabt, der Reim 
faft durchgängig ftreng rein gehalten. Nicht feiten erfcheint 
ein Zahlengefetz in der Form gehandhabt. Größere Gedichte 
zerfallen in Abfchnitte, die, da fonft Reimpaare gelten, drei- 
reimig fchließen. Abfchnitte von 15 Reimpaaren find in ein- 
zelnen Gedichten nur von der neueren Kritik erkannt; alte 
Quellen wißen nichts davon. Die höfifche Kunft begnügte fich 
nicht mit der Entlehnung aus fremden Quellen, fie war auch in 
Ueberarbeitung älterer Gedichte thätig. Teils wurden die un- 
geregelteren Verfe und Reime geglättet, teils die neuen hSfifchen 
Sitten und Manieren eingeführt. Die älteren Gedichte find 
darüber häufig verloren gegangen und die Kenntnis diefer um- 
fchreibenden Th|ltigkeit ift nur in unvollkommener Weife mög- 
lich (§. 37). Sehr reichhaltig ift die Ivrifche Poefie vertreten 
(§. 50), nicht gerade ärmlich die lehrhafte Dichtung (§. 55); 
am fchwächften das^ Schaufjgiel (§. 67), deffen Pflege die Geift- 
lichen als Erfatz für die ubrieen ijmen abgenommenen Dich- 
tungszweige allein behielten. Gegen Ende des 13. Jh. beginnt 
eine neue geiftliche Poefie, die mehr in den Verfall der Dich- 
tung weist und deshalb dem folgenden Buche eingereiht ift (§. 69). 



Erftes Gapitel. 

§.36. 
Die ritterlich höfifche PoeDe der Erz&hler wandte fitjh vorzugs- 
weife den Aventüren vom Könige Artiis und feinen Helden zu. Gegen 
den Schluß des 6. Jh. wurde in Wales K8nig Artus zum Repräfentanten 
der Heldenthaten gegen die Sachfen erhoben. Seine Gefchichte wurde 
von Jahrhundert zu Jahrhundert mehr ausgefchmückt. Er zog, wie Sieg- 
fried und Dietrich in Deutfcbland, allmiblich alle Helden an fich. Die 
dichterifche Ausbildung der durch die Bretagne wandernden Aventüren 
gefchah im 12. Jh. in Nordfrankreich. Der erfte Dichter fcbeint Guiot 
gewefen zu fein, deffen Gedicht, wenn es provenzalifch abgefaßt war, ins 
nordfranzSfifche Äbergcgangen fein muß. Dex «xo. T£i^\t\&\i\i^^so^iL\Ä^x^c^^ 
war Creftien von Troyes. Er umfaßte \>em«\i«i «ML^lÄ.€^^«tk, ^«s^ksNaasi ^os^ 



26 Höfifche Dichtung. 

brachte oder anzog, Erec mit Eniten, Cliges, Lancelot und Iblis, Iwein 

und Laudine, Trü%an und Ifot, Parzival, Gawein und neben allen Art« 

felbrt. Im Gawein muß fchon die Aventüre vom Grftl mit Artus dnrek 

Gaweiu und Parzival in Verbindung getreten fein, wie im Triftan dit 

urfprüngHch unabhängige Aventüre der zauberifchen verbrecherifcheii 

Liebe zu gleicher Verbindung, eben fo äußerlich, vollzogen wurde. Der 

heil. GrdI, der allm&hlich einen dichten myftirchen Nebel um üch breitete, 

war im 1 2. Jh. noch einfach eine Schüßel, auf welcher der Kopf eines 

Vetters des Peredur hereingetragen wird, delTen Ermordung Peredur 

rächen foll. Weder das Haupt in der Schüßel noch die blutige Lanze, 

womit der Vetter get6dtet worden, veranlaßt Peredur zu einer Frage, 

der deshalb gefcholten wird. In Nordfrankreich wurde der Grftl in die 

Schüßel verwandelt, welche bei Jefus und feiner Jünger letztem Mahle 

diente. Jofeph von Arimathia fieng darin das Blut des Gekreuzigten 

auf, deffen Seite Longinus mit der Lanze durchbohrte. Durch Jofeph 

kam die Schüßel nach Britannien. Die fpätere Poeüe verklärte den 

GrM zu einem Inbegriff aller Wunder, das üch geheimnisvoll vor aller 

Welt verhüllt und nur dem Berufen ofPenbart. Diefer Ausbildung folgte 

Wolfram und ihm Albrecht von Scharifenberg. 

The Mabinogion from the Llyfir Goch o Hergest and other ancient welTh manaToripti 
with an englifh translation and notes by lady Charlotte Gueft. London 1838 — 19. vn. 8. — 
Contes popnlaireg des anciens Bretona prdced^s d^nn effai für Torigine des ^pop^es cheval- 
resques de la Table-Ronde par Th. de la Yillemarqud. Paris 1842. n. 8. — Barzas-BreiS. 
chants popolaires de la Bretagne, par Villemarqu^. Paris 1846. n. 12. — Die Arthnrfage 
nnd die M&rchen des rothen Buches von Hergert. Von San-Marte. Qnedlinb. 1842. 8. Zpr 
Arthnrfage. Von San-Marte. Halle 1843. 8. Beitrsege zur bretonifchen und celtirch<germa< 
nifchen HeldenTage. Von San-Marte. Qnedlinb. 1847. 8. — Crestien von Troies. Eine 
UteraturgefcbichtUche UnterAichung von W. L. Holland. Tüb. 1854. 8. — MA. 710 ff. 

§. 37. 

Einer Ueberarbeitung wurden nachweislich unterzogen mehre Gedichte 
des früheren Zeitalters. Teils beftand diefelbe nur in der Gltittung der Verfe 
nach den neuen rhjthmifchen Begeln und in der Tilgung älterer unhofifcher 
Ausdrücke, fo wie ungenauer oder altertümlicher Reime, teüs in Erweiterung 
des Inhalts durch neue Einfohiebfel, hinzugefiigte Betrachtungen oder aus an- 
dern Quellen gefchöpfte Vermehrungen und Abrundungen der urfprünglichen 
Gedichte. Ans der Art diefer Ueberarbeitungen laßen üch Schlüge auf die 
Ueberarbeitung anderer Gedichte ziehen, deren ältere Faßung nicht mehr er- 
halten ift. Zur weitern Erkenntnis der überarbeitenden Th&tigkeit darf eine . 
Vergleichung zwifchen dem Hildebrandsliede des 8. und 15., dem Nibelungen- 
liede des 13t und des 15. Jh. führen, allenfalls auch des Beinaert mit dem 
Beineke. 

Das ältere Gedicht von Beinhart durch Heinrich den GlichefsBre (§. 3t) 
wurde l^e überarbeitet; Formen auf öt und ön wurden getilgt, einige unge- 
l&ufige Wörter cus, burdüz, pfulfin durch andere erfetzt. Die Ueberarbeitung 
greift nicht über Formelles hinaus und ift wefentUch nur Umfchreibung in 
modernere Sprache. 

Oedmckib bei J. Grimm. Beinhart Fuchs S. 86—103. MA. 596. 

Die epifche legendenhafte Erzählung vom Könige Oswald weicht in der 
jüngeren Bearbeitung von der älteren (freilich beide in gleichzeitigen fchlech- 
ten Hs. erhalten) bedeutender ab, fowol durch umgeftaltete Einzelnheiten, wie 
durch die ganze Form. 

Cfedr. in HpU. Ztfehr, 2. 92—180. Die lUtere IToim %. ^%. ¥kX. \^ t. 



Buch 2. 8. 36—38. 27 

Wernhers von Tegernfee Mairienleben ilt nur in der Ueberarbeitung 
halten nnd gemattet deshalb keine Vergleichung im Einzelnen. (§.' 26.) 
Gedr. in Oetters Ausgabe. Nttrnb. 1808. 8. Fondgr. 2, 147—802. MA. 114 ff. 

Tundalns (§. 25. Gedr. bei Hahn, Oed. des 12. u. 13. Jh.), wahrfchein- 
3h liegt auch dem Servatius (§. 25) eine ältere Dichtung anter, der die 
leiderfchildemngen fehlten, die Wander wol fchon angeh6rten. 

Ueber die Umarbeitnng der Kaiferchronik (§.29) and die fftr den ge- 
snwärtigen Zeitpunkt bezeichnende Ueberarbeitang des Bolandsliedes 
irch den Stricher (§.44) find Diemers Unterfuchungen zu erwarten und 
'eydlers Zufammenftellungen lehrreich. 

F. W. Heydler, yergleichnng des Rolandsliedes vom Pfaffen Konrad und des Karl vom 
aicker. - Frkf. 1840. 4. 

§. 38! 

Heinrieh von Veldeeke, aus ritterbürtigem Gefchlechte aus der Gegend der 
btei 8. Trujden in den Niederlanden, lebte am Hofe zu Gleve, dichtete dort 
L74 — 75 nach franz6fifcher Vorlage eine Eneit (die Gefchichte des Aeneas), 
16 ihm entf&hrt wurde und die er auf der Neuenburg an der Unftrut auf 
itten des Pfalzgrafen Hermann von Sachfen (1190 Landgrafen von Thiirin- 
en), nicht vor 1184, vollendete. Die neue Kunft, wie fie vorhin (§. 35) ge- 
(hildert iTt, beginnt mit ihm. Die Dichter rühmen ihn als Begründer und, 
a fie ihm mehr oder minder alle folgen, fich felbrt. Ein Servatius von 
im ift verloren, einige Lieder find erhalten. 

Heinrich Ton Veldeke. Hrsg. v. L. Ettmüller. Leipz. 1852. 8. — HMS. 1, 35. Vgl. 
A. 867. 914. Veldeke führte namentlich, freilich ohne Selbftftändigkeit beanTprachen an 
5nnen, die Minne ein, die von nun an alle Gedichte des Mittelalters erföllt nnd felbft die 
irchdringt, die ihrer Natur nach faft gar keine Berührung damit haben, wie die BeiT^piele 
i'abeln); vor allem aber in der Lyrik tritt 0e wuchernd auf. 

Eilliard von Oberge, Dienftmann Heinricbs 4cs Löwen, in hildesheimifcben 
rkunden von 1189 — 1207, brachte, vielleicht aus England, die Gefchichte 
r ift ans und Ifoldes nach Deutfchland, die er einfach, ohne hofifche Aus- 
ierung bearbeitete. 

Nur in wenigen Bmohrtücken erhalten ; gedr.Fnndgr. 1, 232—239. Eine f^lLtere Ueber- 
rbeitung (ungedruckt. vgl. MA. Im) diefes eiThardifchen Gedichtes wurde in der Folge zum 
olksbuche aufgelftrt. Ueber die anderweiten Bearbeitungen des Triftan vgl. Gotfried v. Straß- 
arg §. 41, Ulrich von Türheim 46 und Heinrich v. Freiberg §. 80, 11. 

Otte. Ein gelehrter Mann, Meifter Otte, dichtete nach dem franz^fifohen 
es Gautier d'Arras einen Eraklius, halb Legende, halb Sage. 

Der vom Eaifer Focas gekaufte Knabe Eraclius, der den Wert der Steine, 
ferde und Frauen kennt, {iberf&hrt des Kaifers Frau der Untreue, wird nach- 
er Kaifer und gewinnt das heilige Kreuz. Sprache und innere Behandlung 
reifen das Gedicht in den Anfang des 13. Jh. 

Eraclius. Deutfehes nnd franzftr. Ged. des 12. Jh. Hrsg. v. H. F. MaAmann. Quedlinb. 
342. 8. MaTsmann ftellt Otto von Freiflngen aus der Mitte d6s 12. Jh. als VerfaBer dar. 
gL MA. 866. 

Athis und Prophilias. Die im Mittelalter weit verbreitete Gefchichte 
on der Selbftverleugnung zweier Freunde, von denen der eine die Gattin 
pfert, der andere fich felbft zu opfern bereit ift, wurde von unbekanntem 
Kchter nach franzofifcher Quelle in hSfifchem Stile, aber noch in unvoUkommner 
'orm bearbeitet. 

Nur BruchTtücke erhalten. Athis und Prophilias v.Wilh. Grimm.' Berl. 1846. 4. Ueber 
ie Literatur des Stoffes. Yj^l. MA. 866. , 

Konrad von Fufoesbrunn, vermutlich aus Fuezprun bei Krems in Nieder- 
Iterreich gebürtig, in Urkunden dortiger Gegend zwifchen 1182 — 1186 nach- 
■ewiefen, dichtete (fpäter) nach dem lateinifchen die Legenden von der Kindheit 
efu, fchon mit Anklänj^en an die neuere Weife, nicht ohne Anmut im Ein- 
einen, im Ganzen jedoch noch ohne die hofifchen A\]ü&m«JL\rii^^w. 

Gödr. bei K. F. Eßim, Ged. dea 12. li. 3U. B. Ul tt. 'St^iTaiA. \äU4^^«^ea!w»«w^ -«äjQ^ 



28 H8fifche Dichtung. 

franzSflfoher Sitte gefchehen. Er besieht fleh »nf das Anegenge und ein Leben der hefl. Anat 
von Meifter 'Heinrich. 

IHrieh von Zazikhoven, ein Baief, empfieng von Hugo von Morville, einem 
der Bürgen, die f&r Richard L6wenherz ge(tellt und an Kaifer HeinrichB Hof 
befolen wurden, ein welfches Buch, Lanzelet, das er in Verfe brachte ond 
als befonders höfifch rühmt Lanzelet rächt das Meerweib Viviane an Iweret, 
und heiratet delTen Tochter Iblis, mit der er an demfelben Tage ftirbt. Tiel 
unlittlicheHofifchkeit; Befchreibungen von Zelten, Mänteln ; Ginovers Hirfchjagd 
und Entfuhrung, Kämpfe mit dem Drachen u. f. w., bilden die Epifoden. 

Lanzelet von Ulrich von Zazikhoven. Hrsg. von K. A. Hahn. Frkf. 1845. 8. YgL 
MA. 723 flP. , 

Herbort von Fritzlar, ein junger Gelehrter, am Hofe des Landgrafen Her- 
mann von Thi!iringen, verfaßte im erften Decenuium des 13. Jh. eine gereimte 
Gefchichte des trojanifchen Krieges. 

Liet von Troye; nach einer franzofiTchen Bearbeitung des Dares und 
Dictys; offenbar durch Veldekes Vorgang hervorgerufen; ganz fo welTch wie 
bei ihm, Sprache ftark mit niederdeutfchem verfetzt. 18458 Verfe. 

Herborts von Fritslftr liet von Troye, hrsg. v. G. K. Frommann. Qnedlinb. 1837. 8. 

Biterolf , Zeitgenoß Herborts am thuringifchen Hofe, foll ein Gedicht von 
Alexander verfaßt haben, aus dem fich nichts erhalten hat. 

Albreeht von Halberßadt, feit 1217 in Urkunden zu Jechaburg, dichtete 
dort fchon 1210 auf Antrieb Hermans von Thüringen, unmittelbar nach dem 
lateinifchen Original die Metamorphosen des Ovid in deutfche Reimpaare 
um. Die Arbeit muß, da fie von den modigen Zuthaten nichts einmifcht, ge- 
lungen genannt werden. 

Das deutfche Original bis auf den Prolog verloren. Diefer vor Wickrams Emeuenmg. 
Mayntz 1545. Vgl. J. Grimm in Hpts. Ztfchr. 8, 10. 397. 464. MA. 878. 

§.39. 

Hartmann von Aue, nahm an dem Kreuzzuge vom J. 1197 Teil und war, nach 
gewohulicher Annahme, ein Dienftmann des fchwäbifchen Gefchlechts von Aue, 
fcheint zwifchen 1210—20 geftorben zu fein. Er ift nach Veldeke und Zazik- 
hoven, den er wol nicht kannte, der erfbe, der mit Erfolg die h6fifche Boman- 
poefie bearbeitete und die Manier auch auf die Legende übertrug. Fein und 
Tauber in der Behandlung des Einzelnen bebt er die Rohbeit und Verworren- 
heit der behandelten Stoffe nur um fo mehr. Seine Anflehten find milde und 
fittlich, was ihn mitunter in Zwiefpalt mit den Stoffen bringt Sein Stil ilt 
leicht und flüßig. Alle feine dichterifchen Tugenden find rein äußerliche. Er 
begann wol mit Liedern, in denen er die Liebe zu armen wtben dem zuohdhen 
zil vorzieht, wie das in der ritterlichen Minnepoefie häufig gefchieht. Neben 
den ritterlichen Frauen, die ihre Minner fich m&de ftehen ließen, fachten fich 
die Herren unter den nicht adelichen M&dchen Erfatz. Sein erfbes größeres 
Werk war wol der arme Heinrieb, dem eine lateinifche Quelle oder eine fonft 
überlieferte Sage zum Grunde lag. Noch ins 12. Jh. fällt der nach franz6fi- 
fehem Vorbilde gedichtete Erec. Darauf folgte «der gleichfalls dem franz6fi- 
fchen nachgebildete Gregor. Ein Streit zwifchen Herz und Leib i!iber die 
Liebe mag darauf gefolgt fein. Das letzte Werk war der aus dem franz6fl 
genommene Iwein. Lieder m6gen dazwifchen und daneben fallen. Verlorner 
Leiche des Auers gedenkt ein Minnefinger des 13. Jh. Ein „büechel^ voll 
Antithefen legt ihm Haupt ohne äußeres Zeugnis bei« 

Der Arme Heinrich. F&r den ausfötzigen HetTn \Ct em M^^dcV^^xi Vi^x^lt^ 
/leA das Herz ausfchneiden zu laßen , um ihn m\t \YvTem ^\\]l\.« t^tx ^i^^^ü. ^& 



Buch 2. §. 38—40. 29 

&e fchon unter dem Meßer des Arztes ift, verzichtet der Herr auf das Opfer 
und wird von Gott geheilt. Er heiratet das M&dchen. 

Heransg. in Mvllers Saml. Bd. 1: von J. G. BÜTching. Zürich 1810. 18.; von den Gebr. 
Grimm. BerUn 1815. 8. : von W. MüUer. Göttingen 1848. 8. ; von M. Haupt (in den Büch- 
lein. 1842); von W. Wackemagel. Bafel 1855. 16. Ueberf. v. Simrock. Berlin 1830. 8.; 
von A. V. Chamiffo im deut. Mufenalm. für 1839. 

Erec. Der Artusritter diefes Namens hat die fch6ne Enite zur Frau 
genommen und verliegt fich, d.h. verf&umt ritterliche Abenteuer. £nite> trauert 
darüber. Als Erec den Grund erf&hrt zieht er auf Fahrten aus und nimmt 
£niten mit (ich, verbietet ihr jedoch , ihn vor Gefahren zu warnen , was fie 
jedesmal dennoch thut und wofiir fie hart behandelt wird. Nach vielen wel- 
fchen Abenteuern tritt er feines Vaters Reich an und verliegt fich nicht wieder. 
Hitterehre und Frauentreue bilden die Grundzüge. 

Quelle ift der Erec des'Creltiens von Troyei. (Vgl. W. L. Holland : Crestien von Troies. 
Eine üteraturgefch. Unterftichung. Tübingen 1854. 8.) Hrsg. v. M. Haupt. Leipz. 1839. 8. 
Tgl. ZtTchr. 3, 266 IT. Ueberfetzt von S. O. Fiaes. Haue 1851. 8. MA. 713 ff. 

Gregarius. Wahre Buße tilgt die fchwerften Sünden. Der aus der 
blutfchänderifcMen Liebe zweier Gefchwifter erzeugte Gregorius wird ausgefetzt, 
heiratet feine ihm unbekannte Mutter, büßt dafür, als "er es inne wird, auf einem 
Felfen, und wird zum Papfte erw&hlt; entfündigt feine Mutter. 

Quelle ift ein franzftr. Ged. des xn. Jh. Vgl. V.- Luzarche : Adam drame anglo-nonnand. 
du xn. fiöde. Tours 1854. xzm.— xxxn. Heransg. in Greith : f^icilegium vaticanum. Frauen- 
felde 1838: von K. Lachmann. Berl. 1838. 8. Zeitfchr. 5, 32—69. Vgl. Anz. 7, 390. Ueberf. 
V. Fiftes. Halle 1851. 8. MA. 180 flF. * 

Die Lieder und Büchlein und der arme Heinrich. Hrsg. v. M. Haupt. Leipz. 1842. 

Iwein von Artus Hofe befteht an einem Zauberbrunnen einen Ritter, 
deffen Frau Laudine er zum Weibe nimmt. Auf Gaweins Rat, fich nicht wie 
Erec zu verliegen, verläßt er feine Gattin mit dem Verfprechen, innerhalb 
eines Jahres zurückzukehren. Da er nicht pünktlich ift, verliert er feiner 
Herrin Gunft und damit den Verftand. Umherirrend befreit er einen Löwen 
von einem Drachen und kommt nach allerlei andern Abenteuern zu Laudine 
zurück, die fich mit ihm ausf6hnt. 

Quelle ift Creftien von Troyes. Herausg. in Myllers Saml. als Twein; von E. J. Mi- 
chaeler. Wien 1786. n. 8. ; von Lachmann und Benecke. Berl. 1827. Zvveite Ausg. Berl. 
1843. 8. Beneckes Wörterb. z. Iwein. Göttingen 1833. 8. Ueberf. v. W. Grf. v. Baudiffln. 
Berl. 1844. — Vgl. Iwein, ein keltif eher Frühlingsgott, v. W. Ofterwald. Halle 1843. MA. 713 f. 

K. Barthel, Leben und Dichten Hartmanns von Aue. BerL 1854. 16. 

§. 40. 

Wolfram von Efchenbach, ein Baier von dem bei Ansbach gelegenen Schloß 
Efchenbach; gehorte dem Ritterftande an 5 fcherzt iiber feine Dürftigkeit ; nennt 
einen Herrn von Wertheim feinen Herrn ; lebte am Hofe des Landgrafen Her- 
mann von Thüringen, der im April 1215 ftarb. Wolfram ftarb nach 1215. 
Er ift der ausgezeichnetefte Dichter des deutfchen Mittelalters, voll Tiefe und 
männlicher Würde, der mit ganzer Seele in feinen Stoffen fteht, ohne die 
ficherfte Herrfchaft dber diefelben zu verlieren. Das Veritändnis im Einzelnen 
erfchwert mitunter ein rafch wechfelnder Humor. . Auch Wolfram dichtete nach 
franzöfifchen Quellen, die, wenn fie viriedergefunden würden, ihn in einem Ver- 
hältniffe dazu zeigen müßten, etwa wie Qoethe im Verhältnis zum Euri|)ides, 
da er die Stoffe tief in ihrer fittlichen Bedeutung auffaßte und darnach bei 
der Ausfuhrung behandelt zu haben fcheint. Außer einigen Liedern hinter- 
ließ er den Parzival (1203—1215), den heiligen Wilhelm und zwei Itrophifche 
Bruchftücke von Schionatulander. ' 

Leben und Dichten Wolframs von Erchenbach. Hrsg. v. San-Marte. Magdeb. 18d6--41. 
H. 8. Hagen, Minnefinger 4, 192—230. Germ. 3, 20. 

Parzival, Gahmurets und Herzelojdes Sohn, nach des Vaters Tode ge- 
boren, wird in einfamer Hut erzogen, um kein Rittetl^^Ti 'kq^ ^Sjüsä^t^^ 'V^x^j;!^- 
leitet entwickelt er fich aus fich felbCt als voV\^Tiife\ÄVJL^ ^Vqmä <^^T^SS>JsXföiV^M5:s.. 
Aus Jus^ndlicber ühbewuftheit erwachend vetv^eM^l « %av^^'^^sÄ «t ^ssä*^ 



30 Höfifche Dichtung. 

innere Kämpfe gekl&rt zum Glauben zurückkehrt. Zum K6nige de« Grahi 
beftimmt, vergißt er die verhängnisvolle Frage und verfällt dem Fluche. Den« 
noch bew&hrt er fich, überwindet den heften Ritter Gawein, und wird, all « 
zum zweiten male die Burg Munfalvsefche befucht und Anfortas heilt, na 
K6nige des Grales erhoben. Ein Ausblick in die Gefchichte des Lohengxin, 
der, wie Parzival durch die Unterlaßung der Frage unglücklich wurde, durek 
die unzeitig gethane Frage verfcheucht wird, fchließt das künffclerifeh Tofl- 
endete, trotz aller Stoffh&ufungen klar geftaltete Gedicht. Die reinfte UnTchuU, 
die feelenvollfte Wärme, die entfchiedenfbe Manneshoheit und der klarfte Blkik 
in das Herz und die Welt bleiben Wolframs Eigentum, wenn er feinen Quä- 
len felbH; die äußere Ordnung des Ganges der Begebenheiten verdanken feilte. 

Willehalm. Das Gedicht vom heiligen Wilhelm, deffen Stoff Wolfram 
vom Landgrafen Herman "empfieng, geh6rt dem kerlingifchen Kreiße an. Vfü- 
heim hat Arabele, Tochter Terramers, Frau des Königs Tybalt, ientf&hrt und 
fie, nachdem fie in der Taufe den Namen Gyburg angenommen, geehlicht. Die 
Heiden überziehen, um Arabeles Entführung zu rächen ,. S&d^ankreich. B« 
Alifchanz kommt es zur furchtbaren Schlacht; mit Hülfe des ftarken Benn»- 
wart r&umt er das Provenzalifche vom Feinde. Eennewart wird vermifiit« ^ 

Schionatulander. Die Liebe der Kinder Schionatulander und Sig^nne 
fchildert in holdefter Innigkeit das erfte Bruchftück. Im zweiten verlangt 
Sigune die Infchrift eines Brackenfeiles zu lefen. Schionatulander verfpriclit ei 
zu fchaffen. (Sigune ift die Enkelin Frimutels, die Urenkelin Titureli, des 
GralkSnigs, und auch im Parzival, um Schionatulanders Tod klagend, die 
Tr&gerin einer der fchonften Epifoden. Vergl. Titurel §. 72, 1.). 

Wolfram von ETchenbach heraosg. v. K. Lachmann. Berlin 1833. 8. Zweite AidL 
Berl. 1854. Üeberf. v. K. Simrock. Stattg. 1842. n. 8. Zvveite Ausg. StuUg. 1849. n. 1 
(Auch bei S. Marte.) Der Parzival wurde fchon 1477 o. o. 179 Bll. fol. gedruckt. (<Ea fbO 



die Hirtorie des Kayfers Ludovici Pii unter verdeckten Nahmen in fleh halten.* Gk>eEe, Markw. l 

der Dresd. Bibl. 2, 354.) MA. 687—94. 734-763. ■ 

Das tpktere Mittelalter fchob Wolfram mehrfach Dichtungen unter, fo den Titurel, elneB ] 

trojanifchen Krieg, das alte Heldenbuch. §. 86. ' 

§. 41. . I 

Gotfried von Strafzbarg, Meifter Gotfried genannt, weder Ritter noch I 
Geiftlicher, lebte nach Veldeke ; Zeitgenoß Hartmans, Walthers und Wolframs ; ' 
dichtete um' 1215, als jüngerer Mann, nach Thomas von Britanje oder einer 
aus diefem abgeleiteten Quelle, die Liebesgefchichte Triftans und Ifolts, die I 
nicht von ihm vollendet wurde. Außerdem einige lyrifche Gedichte, darunter | 
ein umfangreiches Lob der heiligen Jungfrau. Gottfried ift der Dichter der | 
Liebe, wie fie die ritterlichen Romane füllt, und als folcher der vollendetelte 
und feelenvollfte. Diefer Gegenftand felbft beftimmt feinen Wert. Was feine 
Kenntnis des verfchlagenen Herzens, finnliche Glut und durchfichtige Klarheit 
der Darfteilung zu leiften vermag, hat er wie keiner vor und nach ihm ge- 
leiftet. Der {iberlieferte Stoff ift durch diefe Vorzuge zu feinem vollen Eigen^ 
tum geworden. Im leichten zauberifchen Fluß der Rede , im geiftvollen Spiel 
der Gedanken und Empfindungen ift er niemals erreicht. Nicht feiten weiß er 
tief zu ergreifen und zu r&hren. Aber all diefe Künfbe find einem Stoffe ge- 
widmet, der unfittlich ift, und je verlockender er vom Dichter ausgebildet 
wurde, nur um fo mehr die ethifche Natur des Dichters herabdrückt. 

Tri f tan, der Schwefterfohn des Königs Marke wirbt f&r feinen Oheim 
um die blonde Ifolt von Irland. Ifolts Mutter mifcht, um ihre Tochter an den 
alten Gatten zu binden, einen zauberifchen Liebestrank, den Triftan und Ifolt 
auf der Ueberfahrt , ohne die Wirkung deffelben zu kennen , trinken. Fortan 
find fie in unauflöslicher nimmerfatter Liebe gefeßelt. Dennoch verm&hlt fieh 
J/M dem Könige Marke, der von dem liüügen, in aÄwiTLu-n&ÄXL öl^t ^^TVt^O[^«. 
Hfeben LieheakLugheit meifterhaft gewandten P&axe toTt Tmdi ioil^ >(^^\x^\g^sBL 



Bach 2. §. 40—42. 31 

VTurd. Nach einer langen Reihe folcher Arentüren geht Triltan in die Nor- 
mandie und beginnt mit einer Ifolt Weißhand, darch den Kamen (ich felbft 
belugend, eine neue Liebfchaft, die ihn nicht befriedigt. (Hier bricht Gotfrieds 
Oedicht ab. Vgl. Ulrich von Türheim §. 45 und Heinrich von Freiberg §. 80, 11.) 

Triftan, ein Rittergredicht. In Myllers Samlnng Bd. 2. — Triaan und Ifolde, mit der 
XV>rtretznng des Heinr. v. Vriberg und des Meirters ülr. v. Türheim. Hrsg. v. E. v. Groote. 
Serlin 1821. 4. — Gottfirieds von Strasburg Werke. Hrsg. v. F. H. v. d. Hagen. Breslau 
1823. n. 8. (Mit Ulrich, Heinrich, Gotfrieds Liedern und alten franzftf., engUTchen, walli- 
ATchen und I^anirchen Gedichten.) — TriXtan und Ifolt von G. v. Str. heransg. v. H. F. Mafs- 
anann. Leipz. 1843. 8. (Mit Ulrich.) — Ueberfetzungen : von Herrn. Kurtz. Stnttg. 1844. 8., 
-von K. .Simrock. Leipz. 1865. n. 16. — Vgl. F. J. Mone, Aber die Sage vom Triftan, vor- 
sflglich ihre Bedeutung in den Geheimlehren der britt. Druiden. Heidelb. 1822. 8. MA. 
7S1— 818. 

§.42. 

Wirnt von 6ra;venberg, aus der Gegend zwifchen Baireuth und Nürnberg, 
lebte am Hofe des Herzogs Berthold lY. von Meran, bei delTen Tode (1204) 
er zugegen war; dichtete zwifchen 1205 — 10; lebte noch ldl7. Er erz&hlt 
einfach und trocken, hat aber Intereffe dadurch, daß er nach der mündlichen 
Erz&hlung eines Knappen dichtete, alfo weniger eng an feine Quelle gebunden^ 
war als fein des Lefens kundiges Mufter Hartmann. 

Wigalois, Sohn Gaweins, kommt ohne feinen Vater zu kennen an Ar- 
tus Hof und wird der fchonen Larie von Komtin als Hülfe gegen Boaß von 
Glojs gefandt, den ev befiegt, worauf er. fich mit Larie verm&hlt und von 
feinem ihm durch einen Geift bekannt gewordenen Vater gute Lehren empfang^. 
Er zeugt einen Sohn Li fort Gawanides. Wundergiirtel, Biefen, Drachen u. dgl. 
g^ben Sto£f zu Epifoden. Eingeflochten ift ein deutfcher Held, Hoier von 
Mansfeld. 

Hrsg. V. Benecke. Berl. 1819. 8. (Mit Wörterb.): von Frane Pfeiffer. Leipz. 1847. 8. 
— MA. 729—84. 

Blieker von Steinaeh, aus der Bheinpfalz, in Urkunden- von 1211 — 1228, 

nannte fich von feinem Sitze Harfenberg. Freunde von ihm r&hmen ein nicht 

vollendetes Gedicht »der Umhang<<, Tapete. 

Gotfri^d V. Straszb. 119 Mafsm.: von Steinahe Blikk^r diu finiu wort fint luXTam. fl 
worhten vrouwen an der ram von golde und ouch von fiden, man möhte (e underÜ^den mit 
kriechifchen borten, er h&t den wunfch von worten: finen fln den reinen, ich wsBue daz in 
feinen ze wunder haben gef^unnen und haben in ir brunnen geliutert und gereinet: er ift 
benamen gefeinet: fin zunge, diu die karphe treit, diu hat zwo volle fselekeit: daz fint diu 
wort, daz ift der fin. diu zwei diu harphent under in ir maere vremdem prffe. der felbe wort 
wife nemt war, wie der hier under an dem vmbehange wunder mit i^asher rede entwirfet. wie 
er diu mezzer wirfet mit behendeclichen rimen. wie kan er rime limen, als ob fle da ge- 
wahren fin! fin wort diu fweiment als ein ar. — Rudolf v.Ems in Wilh; den wifen Blikkdren, 
des kunft, des wislicher rät den umbehanc gemdlet h&t. Im Alexander: Eines fandes hftt ge- 
dftht, der wart niemer voUebrftht, von Steinahe her Blikkdr. Der fiint iXt Ids und alfd hir, 
daz aller tihtssre An kan niemer vollebrin^en in: daz ift der Idfe umbekanef wsare er ffinf 
tfifent eilen lanc, man künde in vollem&len niht; biz des getihtes iht gefchiht, fd mac man 
•mftlen als iegelich« aventinre gibt: dftvon mac des niht gefchehen, daz er iht endes müge fehen. 

Franz Pfeiffer hat aus der Vergleichung der im weifchen Gafte durch 
Namen (von Helden und Heldinnen) bezeichneten Stoffe älterer hdfifcher Ge- 
dichte mit den noch erhaltenen Dichtungen gefunden, daß die von Thomafin er- 
wähnte Oenone einem Gedichte Blickers geh6ren könne, und da diefer Name 
(Ainund) fich in Bruchftücken findet, die durch Sprache und Stil der heften 
Zeit des 13. Jh. angehören, weiter gefchloßen, daß diefelben von Blicker her- 
rühren und einer Bearbeitung der Seroiden Ovids angehören, mit, Durchgang 
durch eine franzofifche Quelle. 

Zur deutfchen Litteraturgefch. von Frz. Pfeiffer. Stnttg. 1855. S. 1—28. Die Bruch- 
itttcke in Mones Anzeiger 4, 814—821. 

Aus Ovids Herolden ift die Novelle von H^o und Leander genommen, 
die Hagen (Gefamtabent. Nr. 15) bekannt gemacnt hat. 

Heinrich von dem Tflrlin, aus Kärnten, lebte nach Hartman..^ "L^^^^-vit^^ 
Wimts und Wolframs. Er dichtete nach eVaem ttWÄ^^l^^«^ ^txOs^ä ^««^ ^x^- 
iUen von Troyea ein amfangreiches in StotKibw\ÄÄaa% ^«t^TÄÄiÄftÄNS«ö8.Tsä&. 



82 



HSfifche Dichtung. 



Schilderungen frechfter Sittenlofigkeit, doch auch mit ruhrenden Stellen 
gelungenen Bildern z. B. eines mageren Pferdes. Das Ganze ift öde. 

Die Krone. Gaweins Heldenthaten mit unendlich fich drängenden ] 
foden. Gawein fucht und findet den Gral, thut auch die von Parzival 
i%nmte Frage. 

Hrsg. von G. H. F. Scholl (als 27. Publication des literar. Vereins). Stattg. 185S 
MA. 775—778. 

Konrad Fleck, ein fchw&bifcher oder fchweizeriTcher Dichter, dem Rii 
rtande angehörend, behandelte vor Rudolf von Ems und wol auch vor 
weifchen Gafte (1215) nach franzöfifcher Quelle die Liebe zweier Kinder, 
aus Büchern die Minne kennen lernen. Er erz&hlt einfach und mit Liebe 
feinen Sto£f, vielleicht beßer als fein Vorbild. Nur ift der Stoff felbft 
wenig kindlich, vielmehr altklug und gemacht. 

Flore und Blanfcheflur, beide zur felben Stunde geboren, i 

Blumen genannt, mit einander erzogen, dann getrennt; finden fich in Bab; 

wieder und verbinden fich in inniger Liebe. Verm&hlung. Ihre Tochtei 

^Berhte, Karls d. Gr. Mutter. Beide fterben hundert Jahre .alt an demfe 

Tage. Ein alter Lichtmythus fcheint zum Boman abgefchwächt zu fein. 

Flore und Blanfcheflur. Von Eonrad Fleck. Hrsg. v. E. Sommer. Quedlinb. 184< 
Vgl. Franz ]^eiffer, zur LiteraturgefcUchte. S. 29 ff. 

Rudolf von Ems nennt im Alexander noch ein anderes Artusgedicht I 
rads, Clies, das von dem Türheimer gleichfalls fpäter behandelt oder foi 
fetzt wurde. 

Die gute FraUj Gedicht des 13 Jh. von unbekanntem Dichter, im Auft 
eines Markgrafen nach franzöfifcher Quelle verfaßt. 

Das Gedicht will die Treue des Weibes und deren heilfame Folgen f 
dem, fchildert aber, wie fich zwei Eheleute in asketifcher Laune der "^ 
entfchlagen, getrennt werden. Die Frau, den Mann geftorben wähnend,, 
ratet erft einen Grafen, dann den König von Frankreich und zuletzt i 
erfben Mann, der fich wiederfindet, König wird (Karlmann) und fchon vo 
mit der guten Frau Pippin und Karl gezeugt hat. 

Hrsg. V. E. Sommer in Haupts Ztfchr. 2, 385—481. MA. 701—703. 

§. 43. 

Der Strichaere (Vagus), ein mit feinem wahren Namen nicht bekan 
Dichter, Zeitgenoß Rudolfs von Ems, war vielfach thätig und namentlich 
kleinere der Sage entnommene Gedichte befliißen. Daneben dichtete er 
alte Rolandslied um, fchrieb finen Daniel von Blumenthal, den Amis, Fa 
und vielleicht noch anderes das feinen Namen nicht mehr tr&gt. In klein 
Gedichten ift er anziehend und f&r die Sittengefchichte belehrend. 

Gewöhnlich Stricker, Strickasre genannt, eine vom Stricken, dichterifchen Verfle( 
der Maere abgeleitete Bezeichnung. Die Handrchriften nennen ihn mit beßrem S: 
BtrichsBre, vagns, wandernder Dichter. Dai) er ein Oefterreicher fei, nahm J. Grimm £ 
an; nichts zwingt dazn. 

In den kleinen Gedichten, die ihm meiftens ohne triftige Gründe z 
fchrieben werden , wechfelt Erzählung mit Lehre , Betrachtung mit Satire , 
Fabel mit dem Schwanke. H&ufig wird das Thema »Minne" behan 
wo es gar üicht angebracht ift. Einzelne Fabeln, blfpel genannt, leidei 
diefem Gebrechen (gedr. in Haupts Ztfchr. 7, 331 ff. Hahn kleine Ged.). 1 
eher Schwank ift lebendig und munter erzählt: das Martinsfeft (Hahn 5, 
gen GA. 50.), der Richter und der Teufel (Hagen GA. 69), der König 
Bade (daf. 71), der geäfi^egPfaffe (daf. 61, Hahn 4), Frauenehre (Ztfch 
478 ff.) ; andere mögen ihm gehören, ohne feinen Namen zu tragen. 

Amis. Die ältefte zu einem fortlaufenden Gedichte geftaltete Schw 
fammlung in Deutfchland, die mehre Stücke ebthält, welche fp&ter auf Et 
£piege\ übertragen wurden (Lefen des Efels; unfichtbare Malerei fibr eh< 



Buch 2. §. 42—44. 33 

Gebome fichtbar). »Er het hüs inEngellant in einer stat zeTrftmis (toBämis, 
Ramlej?) und hiez der Pfaffe Am$B<' heißt es im Eingange, was anf fremde 
Quelle zu deuten fcheint. (Ramis kommt auch in den fp&teren Artusfagen vor.) 

Hrsg. in Mailaths Kolocz. cod. und in Beneckes Beitrigen. (Unbenntate ha. in Gotluu 
Jacobs S. 102.) Vgl. Kemble, Solomon und Satnrnos. London 1848. S. 308--S28. Lappen- 
berg» Ulenl^. 353. Ottaker c. 541. 

Kleine Lehrgedichte oder Satiren ohne feinen Namen : Klage dber 
den Verfall der Sitten (Hahn 12), der vrftz (Hagens Germ. 2, 82); auch hier 
mag manches von ihm fein, ohne feinen Namen zu tragen: von den bierten 
(Altd. Wälder 2, 84), von der trunkenheit (Altd. W. 2, 188). 

Kleinere Gedichte von dem Stricker. Hrsg. v. K. A. Hahn. Qnedlinb. 1889. 8. 

Karl. Das ältere Gedicht des Pfaffen Konrad (§. 32) vielfach im Aus- 
druck geändert, verkürzt und erweitert, wobei ein franz6fifches Gedicht von 
Alberich von Bifenzun (§.30) benutzt wurde. Die Zufätze betreffen meiftens 
Karls Jugend. 

Gedr. von Scherz in Schilters Thefaar. Bd. 8. MA. 684. 

Daniel von Blumental, Gedicht des Artuskreißes, nach Alberich 
vonBifenze; ungedruckt (nur der Anfang bei Nyerup, Symbolie 461 ff.). Ueber- 
einftimmend nennen die Lefer des Gedichtes daffelbe elend und langweilig. * 

Handfchr. in Mflnchen, Eleinheabach, Dresden and Kopenhagen. MA. 779. 

§. 44. 

Jans Enenkel, ein Wiener, der um 1250 fbarb, hinterließ zwei Reimchroni* 
ken, die durch Novellen f&r die Lefer der Zeit anmutig gemacht und fehr 
verbreitet waren. 

Fürftenbuch von Oefterreich und Steier bis zum Ausfterben derBaben- 
berger, teils nach Urkunden, teils nach Sagen. 

Hrsg. V. MegifTer. Linz 1618. 1740. Rauch fcript. rer. anltriac. 1. 

Weltchronik, enthält die bibl. Gefch. bis auf Simfon und die weltliche 
bis auf Friedrich H. mit Entlehnungen aus der Kaiferchronik und voll von 
Gefchichtchen und Schwänken. Ungedruckt; zahlreiche Handss. 

Bmchltttcke gedr. in Fez Ter. rer. auftr. Bd. 2; Docen, Mifcell. 8, 160; Haupts ZtTchr. 
5, 268—93; Hagens GA. 2, 49S ff.; Mafsmann Kaiferchron. Bd. S; Mones Anz. 8, 208. 

Wernher der gartensere, ein 6fterreichifcher Dichter um die Mitte des 
13 Jh. nach Nithards Tode, zur Zeit Friedrichs des Streitbaren, griff aus dem 
Volksleben einen frifchen bewegten Stoff, den er einfach und angemeßen be- 
handelte. Dies Gedicht zeigt was die Dichter, die fich ihrer Zeit abwandten 
und ihre Kraft auf fremde Stoffe warfen, verßiumten. Die kleinen Erzählun- 
gen werden erft im nächften Zeitraum mehr hervorgefucht und immer mit 
Glück bearbeitet, felbft die, welche vom iittlichen Standpunkte verurteilt wer- 
den mülJen. 

Ein Bauernfohn, maier Helmbrecht, des arbeitfeligen Lebens fatt und 
nach dem müßigfreien Leben der h6fifchen Leute lüftern, verläßt das väter- 
liche Haus und treibt, plündernd und raubend, unter Bittem und wegelagem- 
dem Gefindel umher. VerhSfifcht kehrt er mit feinen Genoßen bei feinem 
Vater, fremde Sprachen radebrechend, einmal wieder ein, um feine Schwefter 
einem feiner Spießgefellen zum Weibe zu geben. Das verblendete Mädchen 
ift willig. Inzwifchen wird die ganze faubre Gefellfchaft aufgehoben und ge- 
henkt. Nur Helmbrecht wird geblendet und verftümmelt feinem Schickfale 
überlaßen. Der unglückliche ehrliche Vater weist ihn nach Welfchland. Die 
Bauern verhöhnen ihn und, erlittner Mishandlungen gedenkend, hängen &e 
ihn endlich hoch an einen Baum. Junge Kuechtel die auch etwa Helmbrechtel 
werden, können auch zum Hängen kommen. 

Die Hs8. weichen in den Ortsbeftimmungen ab. Hrsg. nach der Ambrarer Hs. von L. 
Bergmann in den Wiener Jahrbflchem 85. 86 : befodders gedruckt Wien 1839. 8. N«.«^^ ^«c 
Berl. Hs. in Hpts. Ztfchr. 4, 821 ff. (BfA. 826 ff.), nach beideu in U«.%«na Q(«ivBv\i&k«QX«^x.^ft. 

G&deke, Grundriß. % 



34 HöfiÜfche Dichtung. 

Herrand won Wildonie, ein Iteierfcher Dichter aoB der zweiten Hälfte doi 
13. Jh., dichtete an^er einigen Minneliedem (HMS. n. 66) mehre Erzählungen 
in fchlichter anfprechender Weife, die, wenn auch Helmhrecht nicht gleich- 
kommend, doch mehr anziehen, als die ahwelkenden gleichzeitigen welTchen 
Dichtungen. Eine derfelben (vom Wirte) macht freilich Anfpruche auf h^fifche 
Geltung, ift demgem&ß auch hSfifch genug gehalten. 

Die getriuwe kone. Eine Frau opfert aus Liebe zum einäugig ge- 
wordenen Gatten ihr eines Auge. Hagen GA. 3, 713 vgl. Nr. 12. 

Vom blolJen keif er. Der Kaifer Gomeus, der das Depofuit nicht 
fingen hören wül, wird durch einen Engel, der im Bade feine Geftalt ange- 
nommen, gedem&tigt. Ein oft, auch vom Stricher, behandelter Stoff, der bei 
RofenplAt und Bomoldt wiederkehrt. 

Von der katzen. Der Kater, der die Sonne freien will, fteigt zu Nebel, 
Wind, Mauer, Maus und endlich zur Katze nieder. Vgl. MA. 636. 

Der verkerte wirt. Um den Stoff fiir h6fifche Hörer zu bew&hren 
beruft fich Herrand auf feine Quelle Ulrich von Lichtenftein. Ein treulofes 
Weib äfft ihren alten Mann und weiß ihm einzureden, daß alles, was er wirk- 
lich gethan, nur ein Traum gewefen. Oft behandelter vielfach umgeHtalteter 
Stoff. Hagens. G^. Nr. 43. 

Vier Erz&hlimgen von Herrand y. Wildonie. Hrsg. v. L. Bergmann. Wien 1841. 8. (Ana 
den Wiener Jahrb. 95.) 

Von dem Abelen wibe. Ein unverträgliches Weib mishandelt ihren 
Mann. Mehrfache Erwähnungen aus der Heldenfage (Afprian, Wittich, Dietrich, 
Walther und Hildg^und, dann Tysbe, Aeneas, Triftan, Erec und Enite). 

Hrsg. V. L. Bergmann in den Wiener Jahrb. 94, und befonders Wien 1841. 8. 

§ 45. 

Gotfried von Hohenloeh, der in Straßburger Urkunden 1236 — 38 vorkommt, 
verfaßte ein (verlornes) Gedicht von den Rittern an Artus Hofe. 

Mehre Gedichte diefer Richtung find verloren; von einzelnen haben fich BruchTtfioke 
erhalten. In einem folchen werden Edolanz, Candis, Flandis neben Gawein und Artus 
genannt (Altd. BU. 2, 148 ff.); in einem andern die in einem Thurm verfehlofine Tochter 
Gonfortina und Grifantes in der Normandie, Dulciflorie genannt. (Altd. Bll. 1, 288 ff. 
Biblioth. Hoffm. p. 29 f.) Anderer verlorner Gedichte gedenkt Rudolf im Wilhelm und 
Alexander: der von Linouwe, der Ekkenis [Kehenis? §. 64] manheit hat getihtet und ge- 
feit, daz ift der WallsBre. — Her Albreht von Kemen&t der iRafe man, der meifterltchen 
tihten kan. — Sante Margareten leben hat vil gefnoge gegeben min Munt her Wetze 1.. 

tJIrieh von TArheim, in Augsburger Urkunden 1236 — 1246 nachgewiefen, 
ein Freund Budolfs von Ems und Konrads von Winterftetten (f 1240). Er 
fcheint keine felbftftändige Arbeit gefchaffen, nur vorhandene Gedichte fort- 
gefetzt zu haben. Er erzählt einfach, faft roh, ohne die übliche hofifche Aus- 
zierung des Einzelnen in den Motiven. Rudolf rühmt im Wilhelm feinen Clies 
und im Alexander fein gef&ges Anfangen .und Vollenden. Mit letzterem wird 
Trifban, mit erilerem etwa Clies gemeint fein. 

Clies Ein Gedicht diefes Stoffes hatte Konrad Fleck (nach Rudolf im 
Alex.) bearbeitet. Da Ulrich (nach Rudolf im Wilh.) denfelben Stoff bearbei- 
tete, fcheint erFortfetzer des Fleckfchen Gedichtes gewefen zu fein, vielleicht 
in der Art, daß er die der Liebe Clies voraufliegenden in Griechenland fpie- 
lenden Schickfale reimte. (Verloren. MA. 778.) 

Trift an. F^ir Konrad von Winterftetten fetzte erGotfrieds unvollendetes 
Gedicht fort und erzJLhlt darin die Schickfale Triftans von feiner Verm&hlnng 
mit Kolde Weißhand bis zum Tode. 

Gedr. in Hagens, Grootes und Mafsmanns Ausgaben GotfHeds (§. 41). MA. 815. 

Wilhelm. Die von Wolfram abgewiefenen, weil über feinen Plan hinaus- 
lieg^näen I/iebes^efchicke Rennewigi;s und Aliföns und WUhelms Monchatum 
und Tod brachte Ulrich (nach dem Tode de« OegeiiVL^m^ *a^\xiTu?DL \«A ^ot 



Buch 2. §. 44—46. 35 

dem Tode KaiTer Friedrichs ü.) in trockne Wolframs Stil m^fam nachahmende 
Reime, üngedmckt. 

Handrchriften in Wolfenbttttel, München (Aretin Beitr. 9, 1188. Anz. 1, 884), Wien 
(HoffiDL S. 48), Bmohrtttcke in Bamberg (Anz. 6, 54), Ortenberg (Serapeum 3, S48). 2iA. 694. 

Koorad von Heimesfurt, vermutlich aus dem ötting^chen Dorfe Heinsfurt 

(Heimenesfurt), ein Geiftlicher, erz&hlt mit frommer Wärme die Himmelfahrt 

der heil. Jungfrau nach latein. Quelle, ohne Vertiefung in Einzelnheiten, aher 

in der gewandten Form und faft ganz in den reinen Reimen der hdfifchen 

Poefie ; einiges fcheint fogar mit Gotfrieds Antitherenfpielen wetteifern zu wollen. 

Von unTer yrouwen hinvart. Hrsg» v. Franz Pfeiffer in Hpts. Ztfcbr. 8, 156—800. 
*yon Heimesfart her (?) Cuonrftt, der wol von gote getihtet hat, den darf rinwen niht f tn 
werc' Rudolfs Alexander. Konrad felbft nennt fleh *ich anner Pfaife Kuonrftt*. Pfeiffer 
glaubt ihm auch die Urftende (§. 86) zuTchreiben zu dürfen. 

Ueber andre Legenden diefes Zeitraumes, meiftens ungedruckte, vgl. 
MA. 161 ff. • 

§. 46. 

Rudolf von Ems, Dienlhaann zu Montfort, ZeitgenoJß der größten Dichter 
vom Anfange des xiii. Jh. und mit den meifben bekannt, blähte 1220—54 und 
hinterließ eine Beihe einfach erz&hlter finniger Gedichte, die fich durch inneren 
Frieden und fittliche Reinheit auszeichnen. Keines gehört der Ritterlichkeit 
im üblichen Sinne an, keines den allgemein herrfchenden Sagenkreißen. Er 
felbft gedenkt früherer Gedichte, mit deren trügerifchem Inhalt er die Welt 
betrogen habe, womit es nicht allzu emfthaffc genommen zu werden braucht, 
und woraus nur mit Sicherheit erhellt, daß feine früheren Gedichte uns unbe- 
kannt geblieben find. Die Reihenfolge der bekannten ift: Gerhard, Barlaam, 
Wilhelm (Euftachius, trojan. Krieg), Alexander, Weltchronik. 

Der gute Gerhard. Ein Kaufmann zu Köln hat in eigentümlichen 
Schickfalen bewührt, daß man das Gute nur des Guten wegen thun müße, 
wenn es vor Gott Wert haben Tolle. Seine guten Thaten, diö bis dahin nie- 
mand erfahren, läßt der Dichter ihn felbft dem Kaifer Otto (auf Gottes Geheiß) 
erzählen, um diefen, der fich feiner Tugenden wegen vor Gott gerühmt, zur 
Demut zurückzuführen. Die Einkleidung ift fchwach,, um fo anziehender die 
Gefchichte Gerhards felblt, die wol auf lateinifcher Grundlage beruht. Rudolf 
bearbeitete das Gedicht auf Antrieb eines Rudolf von Steinach. (1209 — 1227 
in Urkunden.) 

Hrsg. y. M. Haupt. Leipz. 1840. 8. Üeberf. von Laur. Lerfch. Bonn 1847. 8.; K^ 
Simrock. Frkf. 1847. 16.; inProfa von K.G^deke in derhannov. Morgenzeitung 1840. 

Barlaam und Jofaphat, nicht von Ritterfchaft, nicht von Minne, die 
ihre Kraft über zwei Liebende übt, nicht von Aventüren, noch von der lichten 
Sommerzeit; voUe und wahre Bekämpfung der Welt, an deren Lefung Männer 
und Weiber fich beßem, mögen. Die Legende ftellt den Sieg der chriftlichen 
über die heidnifche Lehre dar, die eigentlich bewegende Idee jenes Zeitalters. 
Für die Bedeutung des Stoffes liegen Zeugniffe in den vielfachen Bearbeitungen 
des Mittelalters vor. Nach Rudolf behandelten den Barlaam noch zwei deut- 
fcle Dichter; franz6fifche Bearbeitung des 13. Jh., eine norwegifche vom Ko- 
nige Hanon (1200 — 1204), eine italienifche des 14. Jh., fchwedifche und islän- 
difche des 15. Jh., die alle auf Johann v. Damaskus von der Mitte des 8. Jh. 
beruhen. Den Stoff empfieng R. vom Abt Guido (1220—1223). 

Hrsg. V. Köpke. Berl. 1818. 8. ; von Franz Pfeiffer. Leipz. 1848. 8. — Der griech. 
Text hrsg. in Boiffonades, anecd. grac. Paris 1832. Bd. 4. Ins Deutfche dberf. v. F. Liebrecht. 
Münfter 1847. 8. — Barlaams ok Jofaphats Taga, ndglret of K. Keyfer og Unger. Chriftiania 
1851. 8. Ueber die deutfchen Gedichte vgl. Ztfchr. 1, 126 und L. Dieffenbach, Mitteilung 
Aber eine noch ungedruckte Bearbeitung des B. u. J. Oiefsen 1836. Q^ttinger Gel. Anz. 
1820 N. 34. MA. 186 ff. 

Wilhelm von Orlens. Von Wük öl. "EitoVietet \i\ÄQi^'ÄnRÄ.N,^wS^^-t^* 
WiJb. lebt in England und Norwegen. "Eää QtxaX ^^iu ^xÄi«D^.> ^'ist *^^ ^^'st- 



36 HöfiTche Dichtung. 

wältiget, hatte ihm Stommheit auferlegt, bis König Reinhers Tochter Amüe ihn 
reden heiße. 

Bisher angedruckt. Hss. verzeichnet Franz Pfeiffer im Anzeiger 1854. Nr. 4. — Gto- 
drackte Bmchftücke im neuen lit. Anz. 1807 N. 11; Aurora 1804 N. 99; Mufeum 1, 662: Ade- 
lung 1, 46; Docens MifceU. 2, 150; Mone Anz. 6, 50 und 8, 344; Altd. BU. 1. 846. — Th. a. 
y. Earajan, Aber zwei Bruchftttcke eines deutfchen Gedichtes des 13. Jh. Wien 1854. 8. 

Euftachius. Die Legende von Euftachius Placidus behandelte Rudolf 
nach eignem Zeugnis im Alexander. 

<Do ich daz msere befchiet, wie fleh yon der heidenfehaft bekdrte nach der gotes kraft 
der guote fant EuTtachius.' Der Euftachius der Stuttg. Hs. (Poet s. n. quart. Anz. 7, 287) 
ift nicht von Rudolf (Münchner Gel. Anz. 1853. 590 f.) 

Alexander; wie der ältere Alex, des Pfaffen /Lamprecht nach dem 
Pfeudo-Kallirthenes gearbeitet. 

Nur ha^dfchriftl. in München cgm. 203. XV. Jh.,* noch dazu unvolUtHndig. Es fehlen 
die letzten 4 der zehn Bdcher. Vgl. Germ. 10, 104. Bndolfs Alex, bezieht fleh auf einen 
älteren Alex, von Berchtold von Herbolzheim (um 1218), der nicht den zehnten Teil 
des Stoffes gebracht habe. 

Troja. Nur aus Rudolfs Anf^rung in der Weltchronik bekannt. 

^Als ich anTrojasr buoche las do ich daz msere tihte und in tiutfche berihte.* PfeiflSers 
Ausg. des Barlaam. Xn. 

Welt Chronik. Rudolf verfaßte nach der Bibel, der hiftoria fcholafdca 
des Petrus Comeftor und hie und da dem Pantheon Gotfrieds von Viterbo 
eine Bearbeitung der Bi!icher des alten Teftaments bis auf Salomos Tod. Im 
Anfange des Prologs gibt er akroftichifch feinen Namen an. Der Prolog 
wendet fich an Koenig Konrad lY. Eine davon unabhängige Bearbeitung eines 
andern Dichters, deren Prolog an Landgraf Heinrich von Thüringen gerichtet 
ift, folgt mehr dem Gotfried ^s dem Petrus und liefert meifk nur Ueberfetzung, 
erftreckt fich auch nur Aber die Bücher Mofe, Jofua bis in die Bücher der 
Richter. Aus beiden Gedichten, deren jedes noch in befondem Hss. aufbehal- 
ten ift, wurde, wol noch im 13* Jh., ein gemifchter Text zufammengef&gt, der 
beide Prologe enthält. Einen fo gemifchten Text lieferte Schütze. 

Die zwei Recenfionen und die Bandfchriftenfamilien der Weltchronik Rudolfs v. Ems 
mit Auszügen. Von A. F. 0. Vilmar. Marb. 1839. 4. — Die hiftor. Bdcher des A. T. in 
einer gereimten Ueberfetzung mitgeteilt von G. Schütze. Hamb. 1779—81. IL 4. 

Rudolf nennt im Wilhelm die Dichter: Veldeke, Hartman, Wolfram, 
Gotfried, Blicker, Zazikhoven, Wirnt, Freidank (Äbfalone, Afcalone), Konr. 
V, Fußeahrunnen, Fleck (Flore. CliesJ, Linouw, Strichsere, Gotfr, von Hohehloch, 
Albrecht von Kemenat, den Türheimer und feine Freunde Meifter HeJJe und 
Va/oU — im Alexander: Veldeke, Hartman, Wolfram, Gotfried, Konr.v. Hei- 
mesfurt, Wirnt, Zazikhoven, Blicker, Heinr. v. d» Türlin, Freidank, Fleck (Flore), 
Albr. V. Kemenat, Linouw, Strichsere, Wetzet, den Türheimer. (Die Ourßv- 
gedruckten nur einmal.) Es ift behauptet und beftritten, daß hierbei genaue 
chronologifche Folge beobachtet fei. 

§. 47. 

Reinbot von Dume, nennt lieh Dichter Ottos (des Erlauchten von Baiem, 
1231 — 53) und heißt in einer Urkunde von 1240 Schreiber delTelben Herzogs; 
vermutlich von dem baierifchen Thum in Oberfranken zubenannt. Dichtete 
eine Legende vom heil. Georg nach franz6iifcher, noch nicht wiedergefundener 
Quelle, nicht ohne Lebendigkeit, mit fchwungvollen Gebeten, aber auch trock- 
nen Allegorien und ohne die Motive anders als 'äußerlich zu erfaßen. Hie 
und da Nachklänge Wolframs. 

Nach Mftfers von einem niederd. Schreiber herrührenden Hs. gedr. in Hagrens Gted. des 
Mittelalters. Bd. 1. — Aeltere Hs. v. J. 1876 in Wien: eine andere des XV. Jh. (auf der 
Züricher BtadtbibUothek) mit beßrem Texte (Mttnchner Oel. Anz. 1853. 584). MA. 192 ff. 

Heinrich von Krolewiz aus Meifsen, fchrieb um die Mitte des 13. Jh. eine 

gereimte Auslegung des Vaterunfers. Vielleicht lebte er am Hofe Guncelins HI., 

Orafen von Schwerin, 'EtT kannte die Siteren DiclitvmgeiL diefet Art (^. 28) 

nicht. Wahrfchelühcb arbeitete er felbft nacki eVnw QL&\Ä\iÄiO[i«ti^^QiV^^. 



Buct 2. §. 46—48. 37 

' Vater unfer. Weihnachten 1252 begonnen, 1255 vollendet; nur 4889 
Verfe. Weitfchweifig mit Einmifchung weitfchichtiger Gelehrfamkeit, doch 
durch Einflechtung gefchichtlicher und phjfiologifcher Notizen auch ikiterefsant 
(Gompas, Eigenfchaft der Steine u. f. w.) 

Heinrichs von Krolewiz tz MiTfen vater unfer. Hrsg. v. Lifch. Qnedlinb. 1839. 8. 
ICA. 884 ff. 

Liutwin, ein unbekannter, wol öfterreichifcher Dichter des 13. Jh. behan- 
delte die Schaffung Adams undEvas und die biblifche, mit traditionellen 
Zuthaten verfetzte Gefchichte bis ^um Ende der Sündflut 

Ungedraokt. Vgl. MA. 255. Angefchlofien mag hier werden: Adams Klage, ein Ge- 
dicht des 14. Jh., das auf traditionell volksmlLOiger Grundlage beruht und vielfach in Hss. ^ 
(MA. 255. Vilmar Rudolfs Weltchr. S. 30 ff.) verbreitet, I^&ter noch in deutfchen (Gedichten 
(vgl. Kymeus) behandelt und auch d&nifch (Oopenh. 1514. Ygi. D&nifche Biblioih. Leipz. 1738, 
2, 303—815) vorhanden ift: der Teufel ftört Adams und Evas Bu8e nach der Vertreibung aus 
dem Parade. (Gedruckt in Hagens Gefamtabent. Nr. 1. 

§. 48. 

IHrieh von dem TOrlin aus Kärnten, nach Wolfram und Wimt, über deffen 
Leben nichts Genaueres bekannt ift. 

Wilhelm. Die von Wolfram Abergangenen früheren Abenteuer, die Ge- 
fangenfchaft Wilhelms, die Entf&hrung Arabeles, ihre Taufe durch den Papft 
und ihre Verm&hlung mit Wilhelm, erz&hlt Ulrich, der nicht mit dem Tür- 
heimer zufammenfällt, in einfacher Weife,- nur feiten aus Wolfram borgend. 
Das Gedicht wurde fp&ter am Hofe Ottokars von Böhmen (1253 — 1278), fchwer- 
lich.vou Ulrich von dem Türlin felbft, eher von Ulrich von Efchenbach, fort- 
gefetzt. 

Hss. des älteren Gedichtes in Cafsel und Hanover; des jüngeren in Wolfenb., Wien, 
Heidelb. Nach der Oafsler Hs. hrsg. von Caf^arfon 1781. 4. 

Der Plaier, aus dem fteierifchen Grafengefchlechte der von Plaien, das 
1260 ausftarb ; lebte nach Budolf von Ems und verfaßte mehre bisher noch 
ungedruckte Gedichte des Artuskreißes. 

Garel vom blüenden tal (Hs. in Linz. Earaj. Frühlingsg. IV. Anz. 7, 611). 

Tantarias und Flordibel (Hss. in Heidelb. Wilken 449; München. Hagens Mufeum 
1, 192; Hamburg. Uffenb. 4, 179.) B6hmifch bearbeitet. Vgl. Bericht an die Mitglieder der 
deutfchen Gefellfch. in Leipzig 1830. 98. 

Meleranz von Frankreich. (Hs. in Donauefchingen.) 

Mai und Beaflor. Ein kleines mit keinem der hofifchen Avent&ren- 
kreiße in Verbindung gebrachtes nicht ohne Anmut gefchriebenes Gedicht aus 
der letzten Hälfte des 13. Jh., das fp&ter als Volksbuch von der geduldigen 
Helena wiederkehrt. 

Beaflor flüchtet vor der unnatürlichen Liebe ihres Vaters Telion und wird 
die Gemahlin Mais. Während diefer nach Spanien gegen die Heiden gezogen, 
wei^ feine Mutter Eliacha durch Verleumdungen Beaflors den Befehl Mais zu 
erwirken, daß Beaflor und ihr fchSner Knabe getötet werden follen. Die Un- 
fchuldige wird heimlich gerettet und mit Mai wieder vereinigt. 

Mai und Beaflor eine Erzählung aus dem 13. Jh. Leipz. 1848. 8. Aehnliches bei 
Janfen EnenkeL Vgl. Hagen Gefamtabent. N. 97 : des Beu8enk6nigs Tochter. 

Bertold won Holle, ein Niederdeutfcher, am Hofe Johanns v. Braunfchweig 
(1252 — 77) arbeitete nach franzofifchen Quellen mehre Gedichte, von denen 
nur Bruchfbücke erhalten ßnd. 

Grane (Bruchftücke gedr. im vaterländ. Archiv des hiftor. Vereins f. Niederfachfen 
1841. 57 fr. 430 ff. 1842. 247 ff. Hpts. Ztfchr. 1, 66 ff. 2, 176. 5, 368. Lifch Meklenb. Jhrb. 
7, 227). — Demantin (Bruchft. gedr. in Mafsmanns Denkm. 1, 76 ff.). — Darifant (Bruchft. 
gedr. in Nyerups Symbolis 83—92 und Haupts Ztfchr. 2, 179—86). 

Konrad von Stoffel, nennt fich Meifter, gehorte dennoch möglicher Weife 
dem Gefchlechte der Herren von Stoffel im H6wgau an. Ein gleichnamiger 
Domherr am Straßb. Münller kommt in einer Urkunde von 1279 vor. 

Gauriel von Montabel, der ritter mit dem bocV., ^Vn» ti«.^ ^VoÄTE^Va-^^-ws^«^ «Kt- 
worbnen Buche gedichtete Aventttre aus demKxeilSeQta^QVna txu^^xVwx^j ^X^^-wSä ^'«^'^^^^ 
kJsgt, weder von Gotfried, noch Hartman nocb'WolExtt.m erwW^ ^^V» Xixks&^^rsxOtX. ^»^.^-«^a- 



38 HSfifche Dichtimg. 

Zweites Kapitel. 

§. 49. 
Die lyrifche Poefie hat im Mittelalter die reichfte Blüte getrieben. 
Sie ift urfprüngliches Eigentum des Volkes. Ihre Form war anfänglich 
einfach. Kurze Strophen mit leichter Reimverbindung, mehr Anklang 
als Reim. Die h5fifche Kunft fchuf aijch hier ausgefuchtere Formen, 
' nicht ohne Einwirkung provenzalifcher Dichtung. Eine dreigliedrige 
j Strophe, in der Satz und Gegenfatz (Stollen) gleiche Reimftellung auf- 
weifen ; das dritte Glied (Abgefang) folgt einer felbftftändigen Reimftellang. 
• Innerhalb diefer einfachen Gränzen herrfcht die größte Mannigfaltigkeit 
; Drei, fünf, fieben Strophen (diu liet) bilden gewöhnlich ein lyrifches Ge- 
; dicht (daz liet). Daneben fteht eine andre Kunftform, der Leich, aus 
ungleichen auf Mufik beruhenden Strophen gebildet. Gefang und Spiel 
war darin verbunden und urfprünglich fcheint der Leich auf den Vortrag 
einer Menge berechnet gewefen zu fein (kriuzeleich, tanzleich, brütleich, 
hileich u. f. w.). Die Lyrik umfaßt alle Empfindungen der Menfehen- 
bruft, die Freude des blühenden Frühlings, der blumigen Heide, der Liebe 
zum Weibe, zum Vaterlande, zu Gott. Sie preist die Jugend, dieFranen; 
&e lobt und tadelt die Mächtigen; ^e feiert die höfifche Sitte und ver- 
fchmlht die ländlichen Freuden nicht; ihre T6ne ftrSmen reinftes Gefühl 
aus oder kleiden Lehren ein. Zwifchen Walthers Wder der linden* 
und feinem in Paläftina gefungenen Liede der Andacht (MA. 928) ligt 
die ganze Tonleiter menfchlicher Empfindung durch Hunderte von Liedern 
ausgedrückt. Von der reinfinnlichen Liebe (Niune) bis zur Anbetung der 
heil. Jungfrau hinauf (Gotfried), von Nithard bis Konrad find alle Wecbfel 
des Gefühls durchmeßen. Auch aus allen Ständen bürgerlichen und fürlV 
lichen, weltlichen und geiftlichen treten Dichter auf. Lobpreifungen der 
Dichter wechfeln mit bittem Anfeindungen. Gegen Ende des Jh. treten 
dieFürffcen mehrfach als Dichter hervor. Eine entfchiedene Neigung zur 
Gelehrfamkeit gibt fich kund. Wol fchon frühe wurden die Lieder ein- 
zelner Dichter gefammelt, obgleich keine derartige Samlung erhalten ift. 
Später wurden ans den kleineren gr6ßere Samlungen gebildet. ' 

Die Weingartner Liederhandfchrlft. Hrsg. v. Frz. Pfeiffer. Stnttg. 1843. 8. — Die alte 
Heidelberger Liederhandfchrift. Hrsg. y. Frz. Pfeiffer. Stuttg. 1844. 8. — Oarmina bnrana. 
Lat. n. dent. Lieder u. Gedichte einer Hs. des 13. Jh. ans Benediotbenren (hrsg. v. J. A. 
Schmeller). Stuttg. 1847. 8. — Minnefinger. Dentfche Liederdichter des 18.— 14. Jh. ^• 
rammelt von Fr. H. v. d. Hagen. Leipz. 1838. IV. 4. — F. Wolf, über die Lais Seqnensen 
und Leiche. Heidelb. 1841. 8. W. Wackemagel, altfranz. Lieder und Leiche. Bafel 1846. 8. 
K. Lachmann, Aber die Leiche, im rhein. Mufenm fAr Philol. n. Gefch. 1829. 3, 419—434. J. 
Grimm, über den altdeutfchen Meiftergefang. GRSttingen 1811. 8. MA. 910 ff. 

§.50. 
Spervogel, ein fonft unbekannter Dichter, der um den Beginn des 13. Jh. 
gefetzt wird; entfchieden lehrhafte Lyrik; fpruchartig; mit Fabeln, die faft 
nur Nutzanwendungen zu einer vorausgefetzten reichen Thierfage find. Rfih. 
rende Klage um Wemhart von Steinberg, der freigebig wie Büdiger von Bech- 
laren gewefen. Kräftige Öfter- und Weihnachtslieder. 
Fondgmben 1,268. HMß. N. 137. MA. 646. 

Jm 14. Jb. wurden die Fabelgnomen SpexYOgeVa 2.\i Yie\\.etftxi 'EÄi.liJDNNLa.^^xi 
ausgefäbrt Mebrea der Art in Laßbergs LS *, vg\. l&X. ^4^ ü. 



Buch 2. §. 49—52. 38 

Reinmar der alte, lebte am Hofe Herzog Leopolds IV. von (Efterreich, mit 
3m er an dem Kreozzuge von 1190 Teil genommen zu haben fcheint Wal- 
ler r&hmt ihn als feinen Meilter und beklagt feinen Tod. Innige feelenvolle 
iebeslieder. EQn und wieder lehrhaft. Sehr reichhaltig (42 Toene). 

HKS. Mr. 87. MA. 916. . 

Bruder Wernher, nennt fich felbft einen Laien und tritt als wandernder 
Knger auf, lebte um 1220 — 60 in Steier, (Efterreich, Baiem. Seine Lieder 
tahnen zu Elreuzziigen und fordern, in Hinblick auf die Vergänglichkeit irdi- 
sher Güter, Bereitung zum heilfamen Leben. Häufig lehrhafter Ton. 

HMS. Nr. 117. 

Heinrich von Mornngc, aus dem erften Viertel des 13. Jh.; der Sprache 
ftch ein Norddeutfcher, nach Hagens Vermutung aus Moringen bei Gtöttingen, 
)11 frifcher Sinnlichkeit und feine Liebeslieder mit lebhaften Zfigen der Wirk- 
shkeit durchflechtend, ohne flach zu werden. 

HMB. Nr. 84. MA. 940. 

Rriftan von Hamle, Zeitgenoß des Morungers, wol aus Sftddeutfchland. 
uch er voll glilihender Innigkeit. Nur wenig von feinen Liedern ift erhalten. 

HMS. Nr. 81. 

Walther von Meti, um 1245, aus Tirol. Bemerkenswert dadurch, daß er 
ich in franz6fifcher Sprache gedichtet haben foll (la mappe monde oder 
image du monde, ein Lehrgedicht vom Urfprung der fieben freien Künfte 
ad Darftellung der Welt, der Erde und des Himmels durch diefelben, in den 
9w6hnlichen nordfranz6fifchen 8- und Qfilbigen Reimpaaren). In feinen deut- 
shen Gedicliten ift jedoch kein Einfluß des Romanifchen zu fpAren. Schon 
ir Allegorie hinneigend. 

HMS. Nr. 58. 4, 848 ff. 

§. 51. 

Walther von der Vogelweide, aus dem Thurgau, Schwaben oder Franken, 

mte in Oefterreich Singen und Sagen ; ritterlichen Standes ; ohne Verm6gen, 

ändernder Sänger, am Hofe Herzog Friedrichs von Oefterreich (f 1198); 

nhänger Philipps (1207 in Magdeburg), dann am Hofe des Landgrafen Her- 

lan 5 von Friedrich H. vielleicht belehnt ; wieder in Oefterreich bei Leopold VH. ; 

tihm an einem Kreuzzuge (1228 — 29) Teil ; fein Todesjahr ungewis ; er foll im 

orenzgarten des Neumünfters zu Würzburg begraben liegen. Walther ift der 

ielfeitigft;e, tieffte, männlichfte lyrifche Dichter Deutfchlands, der mit voUftem 

lerzfchlage f&r des Vaterlandes Große wie f&r den Ring feines M&dchens zu 

tßeln weiß ; im leichten Getändel und emfter Mahnung immer derfelbe frifche 

anze Mann 5 unter den zahlreichen begabten Bichtem feiner Zeit der reichfte 

Q Gedanken, der leichtefte in der Form ; von allen, die ihn nennen, gerühmt, 

efcheiden vor fich felbft; den Gewaltigen gegenüber unerfchrocken offen, in 

irem Preife voll Achtung vor fich felbft; ein Held des Gefanges unter den 

[elden der defchichte. 

Die Gedichte Walthers v. d. Vogelweide. Hrsg. v. K. Lachmaiin. Berlin 1887. 43. 53. 
Agens Minnefinger 1, 222 ff. — Hornig, Gloffarium zn den Ged. W. v. d, V. Qnedlinb. 
)44. 8. — Ueberf. ▼. K. Simrock. Berl. 1888. n. 8. 1858. 8. — Walther v. d. V., ein alt- 
Botfcher Dichter, gefchildert von L. Uhland. Stnttg. 1822. 8. Hagens Minne f. 4, 160—190. 
A. 920 ff. Sein Grab in Wttrsbnrg vgl. Böhmer, fontes rer. germ. I, ZXZVL 

§.52. 

NithaiV Ein baierifcher Ritter, von ©mem T>otI^ ^vow^fi^aÖL, ^^ ^^>ö^v&^> 
leb der Binwentafer genannt, nahm an deml&reox&uf^« ^<eÄ'SL«ÄT.<^^'^j«^'^'äsÄCN[\i^^ 



40 Höfifche Dichtung. 

▼. CeSfterreich 1217—19 Teil Durch ümtriehe eines Grtille verlor er iUO £e 
Hnld des Herzogp von Baiern und mofte Freunde und Lehen verlaGen; «r 
wandte fich nach (Efterreich, wo ihn Friedrich der Streitbare wolwoUend «nf- 
nahm. Er läßt fich nicht Aber 1234 hinaus verfolgen. 

Seine Lieder bilden eine h6chft eigent&mliche Kehrfeite des höfifchen Ge- 
Tanges. Sie fchüdem das frohe lebendig derbe Treiben der Bauern, die «i 
Tanz und BaUTpiel gleiche Freude haben wie an Schl&gereien; den Zwift 
zwifchen Mutter und Tochter, die nicht zum Tanze foU ; die hoff&rtige BQeider- 
fucht der Bauern, die fogar den Neid des Adligen reizt; die Sommerlnit, die 
zum Tanze lockt; den Winter, der den Vogelfang erlterben l&ßt und dahdn 
das häusliche Leben verbittert. Daß er feine Lieder nur den Hofleuten oder 
diefen vorzugsweife gefungen ift nicht richtig, da er felblt fchildert, wie die 
Bauern kommen und ihn bitten, er m6ge ihnen etwas fingen und üe mit ihm 
fingen laßen. Auch ift feine Sprache weitab von der h6fifchen und die vor- 
nehmen Herren, die, wenn damals auch dem Volke näher als gegfenwSrtig, 
doch andre Anfchauungen hatten als diefe Dorfpoefie bietet, möchten manches 
in Nitharts Liedern kaum leichter verbanden haben als wir. Von allen Lyrikern 
feiner Zeit ift Nithart wol der fruchtbarfte gewefen. Er felblt nennt als die 
feinigen 409 Weifen und eine Tageweife. MA. 930 ff. 

HMS. Mr. 98 (8, 98—185. 3, 1, 185—318). Beneckes Beitr. Eine Anagsbe Nifharto yva 
M. Haupt Ut verheizen. Der ZoTammenhang Nitliarto mit Nithart Fachs ift noch nicht geaam 
ermittelt. 

Eine Fortfetzung diefer Liedergattung, doch mannigfach eigentümlich ge- 
(taltet, nur darin einffcimmig, daß fie fich gegen die zarte emp&idfame LtjSk, 
bei deren angeblichem Leiden die Bänger körperlich ganz wol gedeihen, direot 
und indirect erkl&rt und die dem Hofe abgewandten Freuden des iRndlichm 
Lebens, der ländlichen Minne befingt, geben Gedichte des Goeli (HMS. Nr. 
89), Stamheim (Nr. 88), Kirchberg (Nr. 12), Scharfenberg (Nr. 66^ 
Geltar (Nr. 111. MA. 935 f.) und die Niuniu genannten Lieder, die in ver^ 
fohiedenen Hss. auf mehre Dichter verteUt find (HMS. 2, 172. MA. 936). 

GotfHed von Nifen, in würtemb. Urkunden 1234—55, bewegt fich häufig 
auch in den Kreiden Nitharts und verfchm&ht es nicht, fich in Zweideutig 
keiten zu ergehen. Auch neigt er fchon fehr zu dem bloßen Spiele mit Heimen 
ohne wirkliche Empfindung. 

HMS. Nr. 17. Die Lieder GottlHeds von Neifen. Hrsg. v. M. Haupt. Leips. 1858. 8. 
MA. 986ir. 

§.53. 

Reinmar von Zweter, am Bhein geboren, in (Efterreich aufgewachfen^ ge- 
lehrt unterwiefen, lebte am Hofe zu Prag, den er, da nur derK6nig ihm hold 
war, verließ, worauf er wieder an den Bhein gieng. Er foU, einer fp&teren 
Nachricht zufolge, zu Eßfeld in Franken begraben liegen. 

Seine gedankenreichen* mehr lehrhaften als im gebräuchlichen Sinn empfin- 
dungsvollen Lieder vermitteln eine zeitgem&Jße Gelehrfamkeit mit volksm&ßigen 
Anfchauungen. Das Element der Minne ift faft ganz ausgefchlofien ; wo es 
hervortritt, h&her und geiftiger aufgefaßt Mit fätirifcher Schärfe wendet er fich 
gegen das leere Treiben der Zeit, gegen das 6de Tumierwefen, die Hofm6nche 
und die habgierigen Walfnrften, felbft gegen denPabft, defieuBann nicht von 
Gott, fondem aus fleifchlichem Zorne komme. 

Der Manier. Ein Schwabe, der Konrad geheißen haben foll. Sein Name 
bedeutet Meerfahrer. Li (Efterreich bekannt, gelehrt unterwiefen, fpottet, wie 
Beinmar Aber den bdhmifchen Hof, Aber das franz6f. welfchende Rheinvolk. Die 
aus Bumelands Liede (HMS. 3, 53) gefchöpfte Kunde, es fei 'ein marner, man- 
ches wamer, ein armer fchwacher blinder alter mann', den felber nach dem 
Tode m6ge verlangt haben, fchändlich erfchlagen, geht fchwerlfth auf den 
Marner, Aber de£Cen Ende nichts gewiffes bekannt iSl. 



Buch 2. §. 52-55. 41 

Was Aber Beinmar, den Mamer fcheinl^ar anfeindet, gefagt worden^ gilt 
auch vom Mamer. Nur kommt bei diefi^m noch eine genaue Bekanntfchaft 
mit der deutfchen HeldenTage und den ritterlich-höfifchen Dichtungen hinzu. 
Er fagt nicht, daß er fie gefnngen, nur, daß die Leute, wie Dietrich von Bern 
fchied, wo K6nig Buother gefeßen, der Beußen Schlacht, Eggehartes Kampf, 
Kriemhilts Verrat Heimen und Wittigen Sturm, Siegfrieds und Eggen Tod lieber 
h6ren oder der Nibelunge Hort lieber haben wollen als feine Lieder. Genaue 
Unterfuchnng Beinmars und des Mamers ergibt, daß beide nur ^ine Perfon jQnd. 

Beinmar HMB. Nr. 113. Manier HMS. 118. MA. 945. 



Drittes Kapitel 

§.54. 

Das didaktifche Gedicht entwickelte fich naturgem&ß aus der 
erbaulichen Dichtung der Geiftlichen (§. 24), trieb aber bald auf eignem 
Boden Wurzeln. Von volksm&ßigen einfachen Anfchauungen ausgehend 
erhob es fich zu umfaßenden Betrachtungen. Auch hier vorwiegend 
h6fifche Kunft thälig. Zucht und Sitte des Adels bilden das Thema des 
Winsbeken. Thomafin beginnt fein fjftematifch angelegtes Gedicht mit 
h5fifchen Begeln für das gefeilige Leben. Freidank ift teilweife aus 
h5fifchen Dichtungen entlehnt, Ulrichs von Lichtenftein Didaktik ganz 
auf h5fifches Leben berechnet. Yolksmäßigeren Ton, doch auch mit 
h5fifcher Gelehrfamkeit und Manier gefärbt, fchlägt Beinmar und fein 
Doppelgänger der Mamer an. Selbft die auf lateinifchem Grunde be- 
ruhenden, volksmSBig gedachten Gedichte der Cato Facetus undMoretus 
wenden fich dem H5fifchen zu. Des Tänhufers Hofzucht trägt fchon im 
Namen den Charakter. Ein Sprößling der Didaktik ift das bifpel, die 
Fabel, die mehrfach zur bloßen Nutzanwendung zufammengefchrumpft 
(Spervogel, Freidank) auftritt. Auch das bifpel wurde, ohne die heimi- 
fche Ueberlieferung gänzlich auszufchließen, vorwiegend aus fremder 
(lateinifcher) Quelle gefchöpft. Der Vortrag ift leicht, einfach, ungekün- 
ftelt; die Anwendung nicht feiten verfchroben und durch die Herbeiziehung 
der hSfifchen Minne in einem der Fabel widerftrebenden Sinne gehand- 
habt. Als Fabeldichter wird vorzugsweife der Stricher (§.'43) genannt. 
Beinmar, der Mamer, der Kanzler u. a. diefes Zeitraumes haben gleich- 
falls Fabeln gedichtet. Unter die lehrhafte, freilich nur aufUnterweifung, 
nicht auf Beßerung gerichtete Poefie würden auch die Beimchroniken zu 
ftellen fein, die außer den Weltchroniken Budolfs, feines Doppelgängers 
und Janfen Enenkels, faftnurin niederdeutfchen gereimten Specialgefchich- 
ten beftehen. Die Behandlung der Gefchichten des Altertums (trojanifcher 
Krieg, Alezander) wurden wol nicht mehr und minder für Gefchichte ge- 
halten wie die von Karl und Artus. 

§. 55. 

König Tirol. Die alte B&tfelpoefie, die auf naiven Naturanfchauungen 
beruht und zu Aberfinnlichen Deutungen hinübergreift, findet ihx«<CL^ ^\s& «^ 
fcheint älteften Ausdruck in dem ftropM(c\ieiL O^^^^Vä^ ^w^ \tKCL^VÄ%'^>2^'3s. 
und deffen 8obn Vridebrant, fich derartige BAAS^V wQi%<^«BA^ ^«^SSöbb^. ^««^ 



42 HSfifche Dichtung. 

König geht dann in gute Lehres an feinen Sohn Aber, fo da6 fich das Gedieht 
als Eingang zum Lehrgedichte des Zeitraams darftellt. 

Gedr. in Hagens Minneflngeni 1, 5. 46 Str. 

Der Winsbeke, ein ftrophiTches Lehrgedicht, in welchem ein weüflf 
Mann feinem Sohne gute Lehren Aber h6fifche Zucht un^ Sitte gibt. Die Be- 
lehrung läuft lebendig und naturgem&ß in Gefpr&che hinüber. Einfache Spraehe 
und treffender Ausdruck der Gedanken einesteils und andemteils fittlicher Ge- 
halt der gegebenen Lehren verleihen dem kleinen Gedichte einen hohen Wert 

DerWinsbekä und die Wii^bekin mit Anmerkungen von M. Haupt. Leips. 1845. 8. H«^ 
facht nachzuweifen daß der Winsbeke der Name des Dichters und diefer ein bairifcher oder 
frSnkifcher Ritter gewefen fei. Frdher wurde fogar angenommen der Winsbeke fei amHofi 
Friedrichs I. und Heinrichs VL angefehen und feine Frau die Winsbekin dem Franengimmar 
vorgefetzt gewefen. Die Hss. (mit Ausnahme der f. g. Manefiifchen, die von Winsbaeh, dir 
Winsbeke liefert) dberfchreiben das Gedicht nach dem Inhalt: Der weltliche rat; der vater 
lehrt finen fon. 18, 5 wird Gahmuret (aus dem Parzival), 28, 4 der Rhein, 38, 8 die BIM 
erwähnt. 

Die Winsbekin ift ein in gleicher Strophe und Ähnlichem Stil fp&ter 
als SeitenTkück verfaßtes Lehrgedicht, in welcher die Mutter ihre Tochter tibex 
weibliche Zucht und hofifche Sitte (vorzue^sweife Minne) belehrt. 

Mit demWinsbeken zufammen in Hss. und Ausgaben. Nur die f. g.ManeßifcheHs. giM: 
die Winsbekin; die Berliner: von der frauen werdikeit, die Abrigen gar keine AnfTeluifL 
Es ift weder an einen Dichter noch eine Dichterin des Namens zu denken, der alte Titel 
aus dem Inhalte zu erkl&ren. 

Thomafln von Zerclcsrey aus Friaul gebürtig, vielleicht inBolog^na gebildet, 
dichtete außer einem weifchen, wie es fcheint verlornen Buche Aber hSfifches 
Leben und hofifche Sitten, 1215 — 1216 noch nicht dreißig Jahre alt in sehen 
Monaten ein Lehrgedicht in zehen Büchern, das er den weifchen Galt, d. i 
den Fremden aus Welfchland nennt. 

Der weif che Gaft leitet fyHkematifch aus der S taste (conitantia) alle 
übrigen Tugenden ab, wie aller Untugenden Quelle die Unftaete (inconftantia) 
ift. Der Dichter, wolmeinend, unterrichtet, fogar gelehrt, ringt fchwerfäUig^ mit 
der Herausbildung feines Stoffes zur Form, wird aber der überfichtlichen in- 
Ordnung wegen anziehen, wenn auch ficher nicht durch poetifche Kraft oder 
Tiefe und Lebendigkeit feßeln. Das Gedicht wird bei fp&teren Dichtem niofat 
erwähnt, ift aber doch in zahlreichen Handfchriften verbreitet gewefen. 

Der wSlfche Gait des Thomafln von Zirdaria. hrsg. mit fprachlichen und gefchiehiL 
Anmerkungen von Dr. H. Btickert. Quedlinb. 1852. 8. Vgl. W. Grimm in den Göttioger 
Gel. Anz. 1835 Nr. 42. L. DieOel: der wSlfche Galt und die Moral des 1». Jh. (In der «Ug. 
Monatsfchr. f. Wi^enTch. u. Lit. 1852. 687—714.) 

§.56. 

Vrtdanc. Eine nach gewiffen Hauptgegenftänden geordnete . Saminng 
von Sprichwörtern, fprichwörtlichen Sätzen, kleinen Fabeln, R&tfeln und Pria- 
meln mit eingeflochtenen gnomenartigen Reflexionen nennt fich Bef che i den - 
heit, d. i. Unterweifung, Befcheidung, und als ihren Ordner Vridanc, woraus ein 
meifter und ein herr gemacht wurde. jBin ^Frydankus vagus', mit dem BeifalB 
*fecit rithmos theutonicos graciofos^ erfcheint in den Colmarer Annalen des 
13. Jh. Budolf V. Ems rühmt im Wilhelm ^Meifter Fridank'; Rumelant ao0 
Schwaben (HMS. 3, 69) ift 'her Vridanc* bekannt, Seifrit Helbling ein *her 
Bemhart Fridanc*, und eine Aufzeichnung aus dem 15. Jh. gibt eine Grabfchrifl 
*hie leit Freydank gar on allen fein dank der alweg fprach und nie fank', die 
zu Trevifo gewefen fein foll. Der Befcheidenheit angehängt ift ein Bruchftück, 
das 1229 zu Akers gedichtet fein muB' In der Befcheidenheit felbft findet fioh 
eine Menge von Sprüchen, die mit anderswo erhaltnen älteren gleichzeitigeB 
und ^&teren teils wörtlich, teils dem Sinne nach ^bereinCtim«ieTL. Die Spriiche 
4er Befcbeidenbeit seiebnen fich durch 8chäiie,l^nx%e \ai^¥^^!|^^\\. ^^t^ 



Buch 2. §. 55—57. «8 

G^edningenheit und Wahrheit der Gedanken und durch einen Anhauch lyrifcher 
Empfindung aus. Daß einige unmittelbar aus älteren Gedichten aufgenommen 
Qnd, ergibt die nur in der älteren Aufzeichnung richtige fyntaktifche Faßung 
(Hartm. Gregor 3401. 2. und arm. Hfeinr. 27. 28 = Freidank 39, 18. 19). Eine 
große Uebereinftimmung der Sprache ift zwifchen Walther v. d. Vogelweide 
und Freidank nachgewiefen. 

W. Grimm hat aufgeftellt, daß Walt her und Freidank identifch feien« 
Gervinus, J. Grimm und Franz Pfeiffer haben vielfache Gegengründe geltend 
gemacht, aber W. Grimms üeberzeugung nicht geändert. lieber Rudolf v. Ems 
■urückreichende Hss. gibt es nicht und mehrfache in Dichtem des 13. Jh. als 
Eigentum des Freidanks angefahrte Sprüche fehlen in den älteften Hss. Die 
Ordnung der Heidelberger Hs., die Grimm feiner Ausgabe zum Grunde gelegt, 
ift in • andern anders und viele Sprüche, die in jener fehlen, wie der ganze 
Abfchnitt über Akers, find in diefen erhalten. Bei der anfehnlichen Zahl ver- 
loren gegangener Gedichte vom Anfange des 13. Jh. mag mancher Spruch def 
Freidan^ als fein Eigentum erfcheinen, der andern gehört oder beiden gemein 
iTt. Ein ihm, wie es fcheint, beigelegtes Gedicht iH; noch nicht: wiedergefun- 
den. Mancher Dichter Verhältnis zum Freidank (wie des Strichers) ift noch 
nicht unterfucht Die Bedeutung des Namens (vgl. Muotdanc, Teuerdank und 
vri, vriheit: vagus, varende diet) ift noch unanfgehellt ; die ganze Unt^t- 
fuchUng weder im einen noch andern Sinne zu fichem Refultaten gelangt. 

Vridsnces Befcheidenheit. von Wilh. Grimm. Göttingen 1834. 8. Vgl. GStt. Gel. Ans. 
1885. S. 402 ff. — J. Grimm, Gedichte auf Friedrich den Stanfer. Bert. 1844. 4. S. 5 ff. 
— Ueber Freidank von Wilh. Grimm. Berl. 1850. 4. Ueber Freidank Nai:htrag (von W. 
Grimm). 4. — Znr deutfchen Litteratorgefchichte. Drei Unterrachnngen von Franz Pfeiffer. 
Stttttg. 1866. 8. S. 87— «7. — Ueber . Freidank. Zweiter Nachtrag von W. Grimm. Göt- 
tingen 1855. 4. 

Rudolf im Alexander: Tumpheit ftrftfen unde fpot, de werlt erkenneu, 
minnen got ; des libes und der fölen heil, werltlicher Iren teil in' dirre werlde 
kurzen tagen ISrte künfteliche bejagen der finneriche Fridanc, dem ftne val- 
fo^n fwanc alle rede volge jach fwes er in tiutfcher zungen fprach. 
Im Wilhelm von Orlens: Wolde iuch (die Gefchichte von Wilhelm) meifter 
Fridanc getihtet hftn, fö wseret ir baz für komen, dan an nur. oder von Ab- 
fal6ne (od der von Akaröne TT. Grimm, fö der vonAfcaldne Fr, Pfeiffer) haßte 
er iuch alfd fchöne berihtet, als dia maere, wie der edel StoufseicC) der keifer 
Friderich, verdarp und lebende hohez lop erwarp. 

§.57. 

Cato. Eine Samlung lateinifch abgefaßter Lebensregeln, die fchon Notker 
(§. 20) überfetzt hatte, wurde in der erften Hälfte des 13. Jh. teilweis in deutfche 
Verfe übertragen, mit Berührungen des Freidanks. Sp&tere Auszüge daraus 
wurden aus dem weifchen Gafte, Freidank und des Tanhufers Hofzucht inter- 
poliert und in der Folge bei Uebertragung der ganzen dem Dionyfius Cato 
zugefchriebenen Samlung benutzt. 

Der deutfche Cato bis zur VerSnderung durch die Ueberfetzung Seb. Brants. Von Fr. 
Zamcke. Leipz. 1862. 8. Zamcke bemerkt daß der bei Brant f. g. Moretns den eigent- 
lichen Face tu 8 (Moribus et vita quisquis vult effe facetus me legat et difcat qnod me« 
Mufa docet) enthiUt und der f. g. Facetus (Cum nU^l utilins) denPfendofaeetn.s darbietet. 
Vgl. Lit. Centralblatt 1854. 335. ^ 

Der Tanhufer, aus dem Salzburgifchen, lebte um die Mitte dos 13. Jh. am 
Hofe Friedrichs des Streitbaren, Ottos des Erlauchten von Baiern, Ottokarft 
V. Böhmen, Ottos von Meran und Heinrichs von Breslau; trieb ficb auch kreuz- 
fahrend im Morgenlande um, und fcheint vor 1270 geftorben zu fein. 

Tanhufer kramt in feinen lyrifchen Gredie\i\«u «2l\«t\«v -sq^V'ööa ^QaA.\s^«s«xv- 
fche Gelebrramkeit aas, preist die freigebigeü Y^T^teno. ^^BMÄ. ^^v"^ ^^^^^* 
Ingrt mit Vorliebe derbfinnliche Minne, lir TO\<^knici\. ^<äkL ^x«^ «jsosJGt^ \s:^^ve»^ 



44 Höfifche Dichtung. 

Tanzlieder aus und verfaßte eine'^Hofzucht*, eine lyriTche AnweiAug 
zum hSfifchep Leben. 

Gedr. bei HMS. Nr.. 90. Die Ho&ncht in Haupts Zifchr. 6,488. 7.174. Sein bewagHi 
Leben mag di».Sage von dem imVennsberg befangenen Minner auf ihn haben ftbertragM 
la^en. Pie Erwl^nng des Pabftes Urban paTst anf feine Zeit. VgL 1. 88. 

Gleichzeitig mag die Tifchzucht entstanden fein, AnweiTung suin IM- 
fchen Benehmen vor und bei dem Eßen, die noch tief ins 16. Jb. fortdauert. 
Vgl. L. Culmann. 

illrieh von Lichtenftein, um 1200 zu Lichtenflein in Steier geboren, f 26. 

Jan. 1276. Er befchreibt fein abenteuerliches Leben in oder Dichtung, dis 

aber durch die unbefangene Schilderung der ins Leben Abertragenen Abe»- 

.teuerlichkeiten, (wie er als Frau Venus verkleidet umzieht und alle Sittar 

feiner Herrin zu Ehren zum Kampfe auffordert, 307 Speere verftieht, oder ata 

]t6nig Artus yder aus dem Paradife wiederkehrt um die Tafelrunde hersaTteUen; 

«#ie er 13 Jahre um eine Fran dient und als er fieht, da6 es vergeblich ifi| 

eine andere wählt), durch die Erzählungen, wie er der verheiratete Mann vm 

andre Minne wirbt, und durch die AuffchlüOe Aber das Liederdichten und 

Liederfenden, zum unterrichtendTten Gedichte fiir die Kunde des h6fi£cheB 

Treibens wird. 

Ulrich y4>^ Lichtenftein (Franendienft und Franenbnch) mit Anmerk. t. Ti. 
y. Karajan hrsg. v. K. Lachmann. Berl. 1841. 8. MA. 896. 937. 

Viertes Kapitel. 

§. 58. 

Die deutfche Heldenfage, von deren dichterifcher Geftaltung 
kn früheren Mittelalter mehrfache ZeugnilTe redeten (§.34), tritt vom Ende 
des 12. undAnfang des 13. Jh. an in vollftändig erhaltnen Gedichten aa£ 
Hinter der Gefammtheit diefer bis zum Schluß e des 15. Jh. lebendig 
fortdauernder Dichtungen fteht die vollkommnere und umfaßendere Sage 
felbft, aus der alle Gedichte gefloßen find. Zu erkennen ilt dieHelden- 
fage nicht allein aus deutfchen Dichtungen und den daraus genommenen 
deutfchen Profaauszügen ; fremde Aufzeichnungen, die in älterer oder 
fp&terer Zeit in Deutfchland gefchöpft wurden und fremde, nicht unmittel- 
bar aus Deutfchland geholte Berichte, vervollTtändigen die Kenntnis der 
Heldenfage. 

W. Griim, die deutfche Heldenfage. Göttingen 1829. a Vgl. §. 34. — 
Völfungafaga. Oedr. im i. Bde, der Sandung: Fomaldar-fÖgur-Nordrlanda 
öptir gömlum handritum ütgefnar af C. C. Rafa. Stockh. 1829. 8. Auaeng 
bei Müller-Lange 8, 1 ff, MA. 343 ff. Die Saga, um 1200 aufgezeichnet, bildet 
den Uebergaiig von der Auffaßung der Edda zu derjenigen der Nibelungen. — 
"Püdreksfaga, gewöhnlich Wilkina, Vilkina, Viltinafaga genannt: Saga Didrikf 
konungs af Bern. utgf. af C. B. ünger. Chrifdania. 1853. 8. Wilkina nnd 
Niflunga Saga, Aberf. durch F. H. v. d. Hagen. Zweite Aufl. Bresl. 1855. ii. 8. 
Auszug bei l|üller-Lange 168 ff, MA. 345 ff. Die Thidreksfaga, um 1300 cMf- 
gezeichnet, fehöpße ihren Stoff av» Erzählungen und lAedem, wie fie in Münjler, 
Bremen tmd'^iederdeutfcMand umgiengen. — J9ic. Hvenfche Chronik vom Ende 
des 16, Jh, lim Auszuge hei MüUer-Lange 401 ff, MA. 347. — Die Lieder von 
Siegfried, auf den Fseröem gefungen : Fieröiske qvaeder om Sigurd Fofhersbane 
og hans JEt^ famlede og overfatte of Hans Chr. Lyngbye. Randers 1822. 8. 
Sjaräbar Kv^eähi famlede og beförgede ved Y. \3. H-Brnmo^ti^VQ^sc^t^. ^«cy^^T^ 
JäSfL a JUuzuy MnUer-Lange 415 ff. MA ^^ i. 



Buch 2. §. 57—59. 45 

§. 59. . 

Die Gefammtheit der deutfchen Heldenfage hat man nach fänf 
Hanptgruppen. in fünf Sag^ehkreiße gefchieden : 1 . f r ä n k i f c)i -burgun- 
difche Sage, deren Gkgenftand SiegMeds Drachenkampf und Befreiung 
CriemhildeQ ift. Ans diefem Kreiße ift nur das SiCgMedsliäd übrig ge- 
blieben. 2. Die gothifche Sage, deren Held Dietrich von Bern if^. 
Ihr geh5ren die Gedichte von Dietrichs und feiner Gefeilen kämpfen mit 
Drachen und Riefen an, aus denen die Abenteuer mit Goldenlar, Sigeno);, 
Ecke und Yafolt, fo wie der Kampf mit Laurin wieder heryortretei|i. 
Dietrich wird von Ermenrich vertrieben und flüchtet zu Etzel- (deüen Höf- 
halt ein befonderes Gedicht behandelt). Bei Etzel kommt er mitBiterolf 
und DieÜeib zufammen. Der Wiedereroberung feines Reicties und den 
dadurch erzeugten Sagen geh5ren die Gedichte von Hildebxant, von A1- 
, pharts Tode und von der Erlegung Ermenrichs an. Auch die Br^chftücke von 
Wenezlan fchließen fich hier ein. Der große Rofengarten,der^* wie Biterolf 
die rheinifchen und heunifchen Helden zufammenfdhrte, Dietrich dem 
Helden Siegfried gegenüberftellte und überlegen fein läQt, leitet in den 
n&chften Kreiß hinüber. 3. Die burgundifch- gothifche Sage um- 
faßt wefentlich nur die Nibelungen und die Klage, in denen alles zu- 
fammengefloßen ift, was die Sage Hervorragendes erzeugte. 4. Die 
gothifch-lombar difche Sage begreift K5nig Ruother, Ortnit, Hug- 
dietrich, Wolfdietrich, Wolfdietrich und Sahen. 5. Die nordifch- 
fächfifche Sage, der auth Siegfried zugewiefen werden kann, umfaßt 
Gudrun und die mehr zurücktretenden von Orendel und Oswald. 

J. Th. GrSfse, die großen Sagenkreife des Mittelalters. Dreisden 1842. «8. 
Auch die übrigen (nichi de^fchen) Sagen umfaßend» 

Auf den Grundlagen diefer Sagen erwuchfen epifche Gedichte. Diefe 
trugen das Gepräge der Zeit ihrer Entftehung. Die Lieder der Edden, 
das Hildebrandslied find heidnifch und alliterierend. Die Umwandlung 
ins Chriftliche ift uns gefchichtlich noch dunkel. Dabei fcheint die alte 
Form untergegangen und eine neue gebildet zu fein. Ein weiteres Um- 
wandlungsmoment fchuf aus den Helden h5fifche Ritter. Demgemäß 
wurden ältere Gedichte überarbeitet, wie die Nibelungen, oder auf Grund- 
lage der Sagen neue h5flfche Gedichte gefchaffen. Mit dem fortfchrei- 
tenden Verfall der inneren und äußern Bildung der Sagen und des epifchen 
Sinnes wurden ältere Gedichte fpäter einer neuen Bearbeitung unterzogen, 
wovon das Heldenbuch, Kaspar v. d. Roen, das Siegfriedslied, das Nibe- 
lungerlied u. f. w. den Beweib liefern. Die Grundlagen diefer Ueber- 
arbeitungen erweifen fich meiftens als die heften und älteften. 

Für die Kenntnis des epifchen Entwicklungsganges lehrreicher als falt alle 
übrigen Dichtungen ilt Wolfdietrich, der mehrfache Sagen angezogen hat und 
in einer Reihe von Umwandlungen urkundlich vorliegt. Die epifche Sage, eine 
ältere Dietrichsfage, fchied fich in zwei Arme; der eine ftellt den Wolfdietrich 
und Sahen dar (§. 63), der andre bringt den Wolfdietrich mit Ortnit in Ver- 
hindung ohne Sabens zu gedenken, und hat die Dichtungen von Ortnit und 
Hugdietrich angezogen, die in der Vereinigung mit der bevorzugten Wol£- 
dietrichsfage vielfache Umwandlungen in den Oxnii^ijL^ecL xm^ ^<&t ka&^^^Krox^^ ^^- 
litten haben(§. 75), Einen ähnlichen Gang nahm^ik d^fe«^VL^^««xQiÄ^^^Ä^^^^'^^'» 



46 HSfifche Dichtung. 

Sigenot, Laurin und auch der große Bofengarte. Zur deutlichen Eünfiehth 

diefe Entwicklungen oder Umwandlungen fehlen noch mehre alte Quellen vni 

' eine ynterfuohung Aber die Quellen der vorhandenen Handfchriften, 

denen die jüngften zum Teil den ältefben Vorlagen entnommen find. 

AlsYerftich m6ge hier eine Ueberficht der NibelnngenhsB. .(nach Zamcke) und dar ihift- 
gen SsmmeIhBB. :der Sagen (mit Aasfchln^ Sigenots, Eckes, Sigmeds, Hildebranto and Ente- 
riehs) ftehen. 

§.60. 

I. Der Nifaelunge liet. C. (Die Lachmannfche Bezeichnung wird bo- 
behalten.) Die Hohenems-Laßbergifche Handfchrift. Gedr. im 4. Bande 
von Laßbergs Liedersaal. — E.: Bruchft. Böders in Offenburg (gedr. in Leiclit* 
lens Forfchungen 1820. 1, 2, 17). — F.: Bruchft. zu Karlsburg in Sieben- 
bürgen. (Germ. 1, 337). — 6.: Laßbergs Bruchlt. aus Beromüniter (mr 
aus der Klaget ungedruckt; Vergleichung in Lachmanns Anmerkungen.) { 

— a: Wallerfteinfche Papierhandfchr. (Vgl. Nibelungen. Wallerfteiner Hii. { 
von F. H. V. d. Hagen. Mit einem Schriftbilde. Berlin 1855. 8. IMe 1 
Wallerfteiner Hs. ergänzt die Lücken in C.) ' \ 

IL Der Nibelunge not. J.: Berliner Hs. (vgl. Gkrm. 2, 251 ff.) — h.: Mea- > 
febachs in Berlm (Germ. 4, 1 — 12). — H.: Bruchft. in München (Oerm. i| 
322). — N.: Hagens Bruchft. aus Brandenburg (Nibelungen zwei und 
zwanzigfte äs. hrsg. durch F. H. v. d. Hagen. Mit einem Schriftbflde. ! 
Berl 1852. 8.) — d.: Ambrafer Hs. (Büfchings Nachr. 1,388. Germ. 8,1.) = 

— &.: Koblenzer Bruchft. in Berlin (Germ. 3, 1—19). 

ni. Gemifchte: D.: Münchner (um einige Str« abgekürzt, Anfangs Nliet, dasB 
Nnöt). — M.: Würzburger Bruchft. (Germ. 5, 208 ff. 7, 116 ff. Serapeum 

1852. N. 1). -- 0.: Auffeß Bruchft. (Nibelungen. Einzige Hs. der Slteften 
Darfteilung (C. S. 1 — 20) und drei und zwanzigfte Hs. vonF.H. v. d. Hagen. 
Mit zwei Schriftbildern. Berl. 1853. 8. S.21— 60 aus der Klage und den 
Nibelungen). B.: S. Galler Hs. (Büfchings Nachr. 2, 341. Germania?, 1.) 

. Auf diefer Hs. beruht die Ausgabe des Hrn. v. d. Hagen. Bresl. 1820. 8. 

— b.i Hupdeshagens Bruchft^. (Büfchings Nachr. 1, 140. 3, 99). — c: Ein 
Bruchft. bei Lazius; die Hs. ift verfchollen. — e.: Görres Koblens» 
Bruchft. (AM. Wälder. 3, 241 ff.) — f.: Bruchftücke altd. Wälder. 3, 
247 ff.) — g.: Heidelberger Bruchft. (Abfchrift aus e. Germ. 1, 180 ft) 

— i. : Berliner Bruchft. aus Hoffmanns Befitz (altd. Bll. 1, 47). — L. : Linzer 
Bruchft. aus Wels. (Germ. 5, 1 ff.) 

lY. A.: Hohenems-Münchner (German. 6, 1 ff. Berichte der Berl. Akademie 

1853. Mai S. 334—353 mit Schriftprobe). Auf diefer Hs. beruht die Aus- 
gabe Lachmanns, und auf Lachmann die von Vollmer, fo wie Simroeks 
Ueberfetzung. 

Vgl. i. 60, 18 und 97, 1. 

§.61. 

1. WindhBger Hs. in Wien. 14. Jh. 170 Bll. Fol. Nr. 2779 (ehemals 
B. 2259) vgl. Hoffmann, Wiener Hss. Nr. 10. Enthält: Marienlegenden. Kaif^- 
Chronik. Iweiiik Die Heidin. Ort n it. Siebenfchl&fer. Kreuzerfindung. Er- 
zählungen des Strichers. Marienlegenden. Dietrichs Ahnen und Flucht 
Raben f ch 1 a ch t. Türlins Krone. 

2. Ambrafer Hs. in Wien, um 1517 abgefchrieben. 242 Bll Fol. Enth.: 
Fr^Mienlob. Mauritius.' Iwein. Hartmans B&chlein. Ein Büchlein. Erek. 
Dietrichs Ahnen und Flucht. Rabenfchlacht. Nibelungenot 
Klage. Gudrun. Biterolf. Ortnit. Wolfdietrich und Sahen. 
Das üble Weib.' Erzählungen von Wildonie. Liechtenfteins Franenbuoh. 
Helmbrecht.' Strichers Amis. Wolframs Schionatulander. Priefter Johan. 

3. Hs. des Hrn. w. Hagen. 15. Jh. 57 Bll. 4. Enth.: Hugdietrich. 
Wolfdietrioh. 

4. Heidelberger Hs. Nr. 109 vom J. 1516. 164 Bll. 4. Enth. : Notizen. 
Hugdietrich. Wolfdietrich. Meifterlieder. öe/chriebea «oou Sl^nv^nredä 

jSrf'öT/. Beße Befchr&bung in Wachtrm^tli Bibliographie de» EMPcKeiOAAde». 15t .1^, 



Buch 2. §. 59—61. 47 

• 

5. Wiener Hs. 15. Jh.-vTT BU. 4. Aas Ambrius. Nr. 2947. (Ehemais 
phü. 299). Vgl. Hoffin. Nr. 38. Enth.: Hugdietrich. Wolfdietrich. 
Konrads goldne Schmiedo^ Zwei kleine Erzählungen. 

6. Heidelb. Hs. Nr. 865. 15. Jh. 186 BU. 4. Enth.: Ortnit. Hag- 
dietrich. Wolfdietrich. 

7. Heidelb. Hs. Nr. 373. 15. Jh. 136 BU. Fol.^ Enth : Ortnit. Hag. 
dietrich. Wolfdietrich. Erzählung von der Konigin von Frankreich. 

8. Oehringer Hs. 15. Jh. 189 BU. Fol. Enth.: Ortnit. Bl. 1—29. 
Hagdietrich and Wolfdietrich Bl. 30—160. 

9. Frankfurter Hs. 15. Jh. Fol. Enth. : Ortnit. 1—29. H u g d i e tr i eh. 
Wolfdietrich. 30—160. • $ 

10. Frankfurter Hs. 14. Jh. 59 BU. Fol. Enth.: Konrads Schwanritter. 
Cato. L a u r i n. Erz&hlung vom Schüder zu Paris ; vom Maler zu Würzburg. 
Großer Rofengarte. 

11. Straßbnrger Hs. vom J. 1476. 23 BU. kl. Fol. Enth.: Ortnit. 
Hugdietrich. Wolfdietrich. Groß. Rofengarte. Morolf. 

12. Straßbnrger Hs. des Heldenbuchs. 15. Jh. 372 BU. kl. 4. AngebUch 
ganz von einer und derfelben Hand. Enth. : Vorrede. Ortnit. Hug- 
dietrich. Wolfdietrich. Gr. Bofengarte. Laurin (diz hüeh haU 
diebolt von hanowe der goUfinider gefchr,) S i g e n o t 

13. Altes Heldenbuch (Straßbnrger Druck um 1477). Fol. Enth.: Vor- 
rede. Ortnit. Hugdietrich. Wolfdietrich. * Gr. Bofengarte. 
Laurin. 

14. Wiener Hs. vom J. 1472. 265 BU. 8. Nr. 3007 (ehem. Nr. 297). Vgl. 
Hoffm. Nr. 90. Enth.: Gebete. Jüngfter Tag. Margaretenleben. Laurin. 
Feronica. Georg. Propheten. Mariengebet. Lucidarius. Mariengedicht Spiel 
von der Auferltehung Chnlti. Sibyllen Weiffagung. Oswald. Der K6nig 
im Bade. Von den Bauerü. Alexius. 

15. Wiener Hs. 15. Jh. 102 BU. 4. Nr. 29S9 (ehem. B. 2269). Hoffin. 
Nr. 39. Enth.: Acht kl. Erzählungen. Laurin (der von 2383 des alten 
Druckes an aus einem Drucke des Laurin ergänzt ift). Kleibe Erz&hlung. 

16. Heidelb. Hs. 324. 15. Jh. 352 BU. Fol. Dietrichs Drachen- 

*"l7. Heidelb. Hs. 314 vom J. 1447. 197 BU. Fol. Enth.: Bonerius. Er- 
zählungen. Cato. Mariengedicht. Totentanz. Freidank. Erz&hlungen. 
Dietrichs Flucht. Babenfchlach t. Gefchrieben ^Hagenoto von Dypold 
Lavher fchreiher lerer die landegr* 

18. Feifaliks Hs. 15. Jh. Enth.: Ortnit. Hugdietrich. Wolf- 
dietrich. K6nig Antelan. Nibelungerlied (2442 Str.). Lohengrin. 
VgL §. 97, 1. 

19. Mflnchner Hs. 15. Jh. 8. Daniel von Blumenthal. Gr. Bofen- 
garte. 

20. Dresdener Hs. Nr. 56 v. J. 1489. 8. Daniel von Blumenthal. Gr. 
Bofengarte. 

21. Dresdener Hs. Nr. 103 v.J. 1472. 349 BU. 4. 1. Ortnei. 2. Wolf- 
dietrich und Sahen. 3, Ecke. 4. Gr. Bofengarte. 5. Meenvunder. 
6. Sigenot. 7. Etzels Hofhaltung. 8. Herzog Ernfb. 9. L a u r e i n. 
10. Dietrichs Drachenkämpfe. 11. Hildebrandslied. 

Urr^prfingllch nur Nr. 3. 4. 6. 7. 9, die laut der Schln^rclirift hinter 9 yon ^Kaiper fW 
der BCB purdich von mAnerftat in francken* Oftem 1472 vollendet worden. Von derfelben 
Hand wurde Nr. 8 (Emft) eingeklebt, ebenfo die mit andrer Hand gefchriebne Nr. 5 da« 
Heerwnnder. und dann die mit älterer Hand gefchriebnen Stücke 1.2.10.11 vom und hinten 
beigefagt. Das Ganze gelangte laut einer Notiz auf dem Vorfatzblatte in ddu Befits eines 
HeklenburgerFürften 'Waltafar von gocz genaden herczog zu mechelwurck' (geb. 1442 f 1507, 
bis 1479 Bifchof von Schwerin). Bearbeitungen ßnd f&mmtliche Stücke, Nr. 5. 7, wofür ältere- 
Quellen fehlen, vielleicht ausgenommen; Anzeige der Abkürzungen nur bei 1. 2. 10, alfo den 
iUteren zu der Hs. benutzten Stücken. Vgl. Zamcke in Frz. Pfeiffers Oermania 1, 53—63. Che- 
wohnlich wird diefe Samlung nach dem ' genannten Schreiber als das Heldenbucb 
Kaspars von der Rcen aufgeführt, was ganz pafTend ift, nur nicht zu der Anniüime ver- 
leiten darf als habe Kaspar die altem Gedichte zu eignem bänkeUängeriXchATtv Qt.^\\Tw^'ta&. 
bearbeitet. Vgl. i. 97. 

22. Lä6berg8 Hd£ehr. Angebl. aus dem U. 3Yi. V^^^-Vl.^^ ;;^^;^ 
Südolfß Wilhelm von Orlens. Konrada -von Y\3ia«Ä\iT\aLTxfiio. ^^^«össä. ^«»-- 



48 HSfifche Dichtung. 

Konrads von Heimesfart Marien Himmelfahrt. Sigenol Ecke (nnrofl- 
ft&ndig). 

§. 62. 

Die Klage. Als nach dem Untergange der Barganden am Hofe Kötap 
Etzel die Erfchlagenen von den Ueberlebenden, Etzel, Dietrich and Hfldebraiid, 
aafgefacht werden, um ihr Begräbnis zu erhalten, ergießen fich die Helden in Kla- 
gen, wobei die Tagenden and Schickfale der Erfchlagenen hervorgehoben werden. 
An die Witwen BAdigers and Günthers, Götlind and Prünhild, wird Botfchaft ge- 
fandt anR die Anfhahme derfelben'in Bechelaren nndWornM) berichtet. End- 
lich entfchließt fich Dietrich von Bern mit Herrad and Hildebrand heimm- 
ziehen. Der Dichter beraft fich aaf ein Bach, das der Bifchof Pilgrim von 
PaGaa (f 991) nach Erkandignngen, die' er von dem Angenzeagen and Boten, 
dem Spielman Swemmel eingezogen, dnrch einen Schreiber Konrad mit Utei- 
nifchen Bachftaben, feinen Neffen za Liebe, habe anfertigen lafien. Gewii 
liegt dem Gedichte eine lateinifche Niederfchrift zam Grande. Ein G^eiftliclier^ 
aber kein Zelot, hat das Gedicht verfaßt ; wie es fcheint am Schlaße des 12. JL 
Er kannte die Gefchichte, wie die Barganden za Etzel kameo, nimmt aber 
den Schein an, als wiße er nichts davon. Daß der Dichter der Klage, wie ß» 
jetzt in denHss. vorliegt, anmittelbar oder allein aas dem lat Bache g^fchSpft 
haben follte, ift nnwahrfcheinlich. Eine Menge alli&rierender Formeln weifen 
aaf Reffce volkstümlich geformter Darftellang hin. 

Die Klage ift in Hss. und Ausgaben mit dem Nibelungenliede verbunden. MA. 287 — 196. 

§. 63. 

1. Hagdietrich von Konftantinopel gewinnt, als M&dchen (HOdegant)' 
verkleidet, des Königes Walgant von Salnecke fch6ne Tochter Hildbarg, mit 
der er einen Sohn erzeagt. Diefer wird heimlich aasgefetzt and von Wölfien 
verfchleppt; von einem J&ger gefanden gelangt er an die Matter. Walgnnt 
willigt in der Tochter Ehe mit Hagdietrich, der Weib and Kind heimholt. Der 
von den Wölfen verlohleppte Knabe wird Wolfdietrich genannt. 

Diefes Braatfahrtgedicht war wie das von Ortnit nrfprünglich felbftftftndig, 
wnrde aber fp&ter, wie die Nibelangen alles öbrige anzogen, von dem gewal- 
tigeren Wolfdietrich angezogen. Das liebliche Gedicht erinnert vielfach an 
die Grandz&ge in FIos and Blankflos, nar daß im Hagdietrich alles frifche 
reine Jagend, in Fios alles kindifche Tändelei einer Bitterphantafie iTt. 

Das alte Gedicht fteht in der Wiener Hs. aus Ambras Nr/ 2947 (gedr. in Hpts. Ztfohr. 
4, 401 ff. ^MA. 464) und in Hagens Hs. (gedr. Hg. 1, 169—198). Das Verhältnis der Heidel- 
berger Hs. 109 irt noch nicht genügend erlSutert. — Verbunden mit Ortnit vorauf und Wolf- 
dietrich hinterher iftHugdietrich (den die Dresdner Hs. 108 übergeht) in den Heidelberger Hm. 
865. 373, in den Straßburgern, der Oehringer und Frankfurter; vielleicht ebenfo in Feifalike Ha. 

2. K6nig Ortnit von Lamparten entf&hrt mit Hülfe feines Vater«, 
des Zwerges Alherich, die Tochter des K6nigs Marchorel von Montebar, die 
in der Taafe den Namen Sydrat empfängt. Ueber den Verlaft der Tochter 
zürnend fendet der Konig anter dem Schein von Gefchenken darch den J&ger 
Yelle dem Könige Ortnit Drachen ins Land, die herangewachfen alles ver^ 
w^^ften. Ortnit felbft findet im Kampfe gegen diefelben feinen Tod. 

Eine ältere Geftalt des Gedichtes iffc nicht erhalten. Von einer Hs. die 
mit der Ambrafer Äbereinftimmte, im Aasdrack aber abwich, haben fich Bruch- 
ftÜcke erhalten (Hg. 1, 155 ff.). Daß ein älterer Ortnit vorhanden war geht 
ans den vorangeftellten Strophen hervor, nach denen die Heiden zu Saders 
ein Bach begraben hatten^ das gefanden and dies GedloXiX. ^^V. N^. V^^. . 

J^Iefe kürsere und urtprüngUchere FaOung der ÄÄge, die NVeUwiti wx OvmiX^ Vjk. W\- 



Buch 2. §. 61—63. 49 

anklingt, ift in der Windhager und am 8 Strophen erweitert auch in der Ambrafer Hs. auf- 
bewahrt, nach jener hrsg. "von Ettmüller (Kfinec Ortnides mervart unde tot. Zfiricb 1838), 
nach diefer bearbeitet bei Hg. 1, 1—69. 

3. Wolfdietrich und Saben. Hugdietrichs von Konltantinopel jtüig- 
fter in feiner Abwefenheit geborner Sohn wird auf Antrieb des von der Ko- 
nigin mit feinen Liebeswerbungen abgewiefenen Saben dem Berchtung von 
Meran zum Toten übergeben, aber von diefem erhalten. Die Königin fordert 
die Beltrafung des Thäters. Hugdietrich wälzt erft die Schuld auf Berchtung 
und, als deffen Unfchuld fich erweift, dann auf Saben, der vertrieben, nach 
des Königs Tode von der Königin aber wieder aufgenommen wird. Seiner 
treulofen Natur folgend reizt er der Königin ältefte Söhne gegen die Mutter, 
fo daß fie verftoßen wird. Sie kommt zu Berchtung, bei dem Wolfdietrich 
aufgewachfen ift. Von feiner Mutter über feine Herkunft belehrt zieht er mit 
Berchtung und deffen 16 Söhnen gegen feine Brüder und Saben, treibt fie 
zurück, verliert aber all die Seinen und von Berchtungs Söhnen fechs. Sie 
ziehen fich auf Berchtungs Burg Lilienport zurück und werden dort von Wolf- 
dietrichs Br&dern belagert, bis ins vierte Jahr. Da will Wolfdietrich aussiehn, 
um eines Königes Hülfe gegen feine Brüder zu fuchen. Bercbtung weifi nur 
Otnit zu nennen, wufte aber nicht, daß ihn der Wurm hingetragen hatte (Str. 
419). Auf dem guten Valken (423), dem RolTe, das Wolfdietrichs Vater 
-ehmals geritten, macht fich der junge Held durch die Romanie (421) auf. Ermüdet 
entfchlummert er unter einer Linde, wo ihn ein fcheusliches Weib zum Manne 
begehrt, die er jedoch ausfchlägt, weil er gefcbworen, fich nicht zu vermÄhlen, 
bis er. feine elf Dienftmannen befreit habe. Das Weib legt die Hülle ab und 
W. hat nie eine fchönere Frau gefehn. Sie begehrt einen feiner Brüder, wenn 
er diefelben fange, zur Ehe. ' Wolfdietrich gewährt die Forderung, worauf fie ihn 
durch eine Wunderwurzel ftärkt Weiterziehend gelangt er nach Garten in 
Lamparten, wo Otnit geftorben ift und von der Königin beklagt wird. Nie- 
mand könne ihn erfetzen als von Salnecke Wolfdietrich (532). Er hört von 
ihr Otnits Tod und entfchliefit fich, denfelben zu rächen. Er entfchläft an 
einer Steinwand, zweimal ruft ihn ein ^werg vergebens, zweimal jagt fein 
wackres Bofs den Drachen zurück, endlich ermuntert es ihn und der Kampf 
mit dem Wurm beginnt. 

Das alte Gedicht bricht hier ab. Der Schluß ift in der jungem Bearbei- 
tung und Abkürzung der Dresd. Hs. 103 aufbehalten (§. 61, 21): Wolfdietrich 
wir4 iu die Höhle gefchleppt, erlegt die Drachen mit Ortnits Schwerte, fchnei- 
det den getoeteten die Zungen aus (mit denen er fich fp&ter g|egen Hermann 
als Sieger ausweist) und zieht dem toten Koenige den Bing vom Finger. 
Abenteuer mit dem Sarazenenkönige zu Walledeife, deffen Tochter vergebens 
um ihn wirbt. Er toetet den Heiden im Meßerwerfen. Abenteuer mit Rie- 
finnen. Heimkehr nach Lamparten, wo er beim Mahle Otnits Ring in den 
Becher wirft und der Königin fich dadurch entdeckt. Vermählung mit Otnits 
Witwe. Zug gen Konftantinopel (inzwifchen wird feine Frau von einem 
Zwerge geraubt. Wiedergewinnung). Er zerbricht Konftantinopel, fchmiedet 
feine Brüder mit Ringen aneinander und läßt Saben r&dern. Mit feinen 10 
Dienftmannen (Berchtung war geftorben) unterwirft er Griechenland, lebt mit 
feiner Frau 12 Jahre ruhig, geht ins Klofter Tifchzung und nachdem er mit 
Teufeln gekämpft ftirbt er. Seine Frau folgte ihm und wurde bald nach ihm 
zu ihm in denfelben Sarg geleg^. 

Da die Dresdner Hs. mit dem altdn Gedicht, foweit es erhalten ift, in 
allen wefentlichen Zügen genau und nicht feiten wörtlich übereinftimmt, d<&T 
von ihr allein erhaltne Schluß aber ebenfo viel Strophen kKt ^\& «si ^^^tsv ii^^ks^ 
Gedichte fehlen; fo ift anzunehmen, daQ üe niobi «Xlem in ^«ii ^«j^«i^ ^^'^'- 
Gödeke, Grundriß. \ 



50 HöfiTche Dichtung. 

dem auch in der Aasffthmng fehr genan mit dem alten Gedichte Aber^Bkomit 
und die Aenderangen nur in der Einf&hmng des Binnenreims in die Nibehu- 
genXtrophe des alten Gedichtes beruhen. Das alte Gedicht weift fich htt 
durchweg als Zeitgenofi der Gudrun und 'durch die Feinheit der DarAel- 
lung als Arbeit eines guten hofifchen Dichters aus, för den auch firemdUiiifi- 
(che Bitterausdrücke (caftelan 330, 385. ravit 502. curfit 573. puneis 554. tioft 
602 und vielleicht auch patane, bataile 400) fprechen. 

Oedmekt siu der Ambrafer Hs. yon 1517 in Hg. 1, 7S— 151. 006 Strophea. 

Ob die Quelle des alten Gedichts oder unabhängig davon ein änderet 
gewefen, das lieh wieder auf ein älteres, ein gutes Buch, beruft, muß 



_ — — - — .....^. w_, ^ — g^.w— _^-. — , — f V -~ 

fchieden bleiben. An Hugdietrichs Stelle tritt darin ein Koenig Trippel mboS, 
deffen Gemahlin Dietlinde hei^t. Bertung ift aus Griechenland entronnen md 
zum Rußenkonige Grippian gekommen, den er im Meßerwerfen unterweüL 
Wolfdietrich im Walde von Wölfen genährt folgt feinem Vater der im '^aUe 
gejagt hat, und wird von einem Ritter gefunden. . . Später wird er, wie ei 
fcheint, kämpfend dargeilellt und feufzt um feine elf Dienftmannen in Grie- 
chenland. 

Wenige Zeilen einer am 1300 gerchriebenen Hs. in der Nibelnngenftrophe, ««dr. Hf. 1, 
168 ff. Merkwürdig ift darin, da6 Berchtnng den Heiden Meßer werfen lehrt, worauf sack 
der Heide im Jttngem Wolfdietrich (Hg. 1, 240 Str. 628) hindeutet, mit dem Berchtanff St Jakr 
Oefelle gewefen. Sehr auffallend in daß die Yerfe (Hg. 1, 164) : Qrippian der riche n. f. w. 
ffenan fo im Wolfdietrich der Frankf. Hs. (Grimm Heldenf. 230 f.) vorkommen. [ 

§.64. I 

1. Sigenot. Dietrich und Hildebrant haben eines Riefen Frsn uiii \ 
Oheim Grim erfchlagen und dadurch des Brefen Rache geweckt. Der 
daraus folgende Kampf bildete den Stoff eines Gedichtes, das uns in feiner 
älteren Faßung nicht erhalten ift. Dies Gedicht wurde abgekürzt, um mit . 
dem Eckenliede vereinigt zu werden. Es erzählt in diefer Porm ohne aUen I 
Schmuck, ja trocken, ohne den im Stoffe felblt liegenden Humor ganx Ter- | 
wifchen zu können. } 

a. Dietrich weckt den fchlafenden Sigenot. Erwähnung der froheren Ge- 
fchichte. (Dietrich wurde von Sigenots Frau auf eine Bank gedrückt. Hilde- 
brant ihm zu Hülfe eilend erfchlug das Weib.) Kampf. Dietrich wird über- 
wältigt, gebunden und in eine Steinh61e geworfen. Sigenot macht fich axd, 
um Befitz von Bern zu nehmen, b. Hildebrant, Dietrich nachi^&rend, be- 
gegnet Sigenot Kampf. Sigenot verliert die linke Hand und wird getötet 
e. Hildebrant an der H61e. Dietrich bittet um Befreiung. Hildebrant knüpft 
fein Gewand zum Seile, um Dietrich herauszuziehen. Das Seil reißt, d. Beim 
Zwerge Eggerich erhält Hildebrant eine Lederleiter, einft Grin gehörig, die 
er in die H&le hinabläßt. Dietrich fteigt heraus. Heimkehr nach Bern. .'Nun 
beginnt das Lied von Ecke.' 

Handfchr. Ladbergs, i. 61. 22. Damach von Lafiberg herausgegeben. 1830. 8. Wieder- 
holt bei Hg. 2, 3—17. 44 Strophen. 

2. Ecke. Budolf v. Ems rAhmt Heinrich von Leinau (§. 45), der von 
Ekkenis Manheit gedichtet habe, was eher auf den Kehenis (Kaedin) der 
Triftanfage oder ein anderes Gedicht zu deuten ift als auf ein Gedicht aus 
der deutfchen Heldenfage. Der Mamer (§ 53) gedenkt eines beim Volke be- 
liebten Liedes von Eggen Tode, und in einer Sammelhs. des 13. Jh. (MA. 461) 
findet fich eine Strophe, die auch in dem erften Teile eines Gedichtes über Egge 
vorkommt und vor deffen Tod fällt, fo daß der TeU des Eggenliedes bis aum 
Tode des Helden wol noch der erften Hälfte des 13. Jh. angehört. Die Form 
ift die iSzeilige Strophe. 

a. Die Königin Seburg von Jochgrim (in Tirol) wünfcht Dietrich lebend 
gefangen xn fehen. Egge zieht von Gripiar.(K&Vn'i') e.na, um ^«ü'^^m^bT vql 
bringeMi, verliert aber im Kampfe (mit feinem Bc\iw«xYA 'BiVk^&l«:^^ ^«t ^T^^aoba 



Buch 2. §. 63. 64. 51 

^rtnits, die dann an Wolfdietrich gekommen und von Sebtirg gekai^ war, 
em Helm Hiltgrin) das Leben. Dietrich beklagt feinen Tod. Das Gedicht 
rnrde fpäter fortgefetzt. MA. 452 ff. 

Um an einem Stoffe zafsmmenhängend den Gang der epifchen Umwandlungen an* 
3liaaUch zu macheui folgen hier gleich die Abrigen Gedichte: Der Lafibergifche Text, 
er alte Druck und die Bearbeitung Kaspars von der Bobu. Das alte Gedicht, 
MB mit Ecken Tode TchloO wurde augeuTcheinlich von fremder Hand erweitert. Die Frau 
jBlde, deren gleich anfangs gedacht wird, weist auf einen h^fifchen Dichter. Der alte Druck 
reiß von der ganzen Epifode nichts. Diefer bietet daher *wol die ältere Fafiung, ohne da6 
aihit Interpolationen geleugnet werden Tollen. .Es ift flberhaupt fchwer zu beftimmen, wei- 
hen Gang die Erweiterungen genommen, ob die längere FortTetzung die uri)>rünglichere 
rar oder die kürzere. Vergleicht man den Gang der Umwandlungen des Wolfdietrich, fo 
Infi man fleh fAr das letztere entfcheiden, die dem Epos überhaupt angemeOner erfcheint, 
AB andre felbltftändigere Sagen alsEpifoden einflicht. So hat auch die epifcheAnziehungs- 
xaft, die den Ortnit an den Wolfdietrich fügte, den Sigenot mit Dietrich-Ecke zu verbinden 
ey^ieht. Es läßt fich aus der Vergleichung weiter vermuten, daß die Abenteuer mit Vafolt 
xfjprünglich abgefondert behandelt waren und dann in das größere dreiteilige Eggenlied 
ingefögt wurden. Daneben giengen die Erweiterungen des letzten Teiles unabhängig vor fleh. 

b. Der Laßbergifche Text erz&hlt (die Erweiterung des alten Druckes mit 
vndrer Schrift) : a. Sigenot (oben 1.). b. Ecken Tod. c. Dietrich trifft die fchla- 
ende Babehilt, die er kniend weckt und die, feine Wunden heilend, ihm ver- 
LÜndet, daß ihm in feinen Kämpfen Frau Sfislde beifteHen werde. Es folgen 
lie Abenteuer mit Eckes Bruder Vafolt, der mit Hunden ein Weib durch den 
^ald jagt, deren fich Dietrich annimmt;, fie heilt feine Wunden und hSlt, 
während er fchläft. Wache (wie Hildegund bei Walther §. 11). Am n&chlten 
iforgen hat Vafolt die Beiden wiedergefunden. Kampf. Vafolt wird unter- 
worfen; er fchw6rt Treue. Als er des Bruders Tod vernimmt, wirft er Dietrich 
ror, daß Ecke im Schlaf getoetet fei. Dietrich will diefen Schimpf rUchen. 
Campf. Vafolt mit dem Tode bedroht wird von der Jungfrau losgebeten und 
geheilt. Sie verläßt beide, die zu einer von Zwergen bewohnten Burg kom- 
nen. Wahrend Dietrich der Buhe pflegt, geht Va/oU zu feiner Bafe Bütze, die 
m Walde ihre zwei Biefenfbhne erzieht. Zwerg Albrianus warnt Dietrich vor 
Vafolt und erz&hlt deffen Abßammimg und SchickfcUe. Die Biefenfbhne von 
Vafolt aufgereizt fallen den tumterziehenden Dietrich an, werden jedoch erfchla- 
iien. Gleiches Looß trifft ihre mvtter Bütze, Vafolt und Dietrich ziehen weiter 
SU Eggenot, der das Schwert des Hörnen Siegfrieds fuhrt, der von Dietrich 
m Kampfe erfchlagen wird. Vafolt finnt neue Tücke, f&hrt den Berner zu 
einer Mutter Birkhilt, die Ecken Tot an Dietrich rächen will, aber erfchlagen 
rrird, Kampf mit ihrer zur Rache heraneilenden Tochter Vodelgart. . . Biet 
>richt die Gefammterz&hlung ab. Die fpäteren Schickfale überliefert nur der 
ilte Druck: Wiederholte Tücke Vafolts, der endlich von Dietrich erfchlagen 
nrird. Bewirtung des Helden zu Jochgrim bei den K6nig^nnen. Seburg 
'chenkt ihm einen koftbaren Bing. Dietrichs Heimkehr. Unterwegs Aufenthalt 
sei einem Bauern. Wiederfehen mit Hildebrant. Fröhlicher Empfang in Bern. 
Binunddreißigj&hrige Regierung, und Tot im J. 497. 

HdTchr. Laftbergs 18. (?) Jh. vgl. Sigenot. Damach gedruckt: Eggen Liet, das iTt: der 
ballere, von Heinrich von Linowe.. 1832. 8. Wiederholt bei Hg. 2, 19 ff. — 19 BU. FoL v. 
r. 1455 in München. — Oedmckt: Augsb. Hans Schawer. 112 BU. 8. — Nümb., Wolfg. Huber. 
L512. 8. — Straßb. Chrift. Mttller 1559. 72 BU. 8. (Wiederholt: Ecken aufisfart. Hrsg. v. 
3. Schade. Hanover, Eümpler 1853. 8.) — 0.0.1666. 8. — Straßb. Chr. Mttller 1677. 72 BU. 8. 

c. Das Heldenbuch hat Eckes und Vafolts Abenteuer nicht aufgenommen. 
Ü^ach einer bisher noch nicht wieder aufgefundenen Quelle erz£blt Kaspar 
von der Roen 1472 (§. 97). Daß es eine hofifche Bearbeitung war, lehrt das 
nicht verwifchte feinere Colorit. Die aus dem alten Druck vorhin angefahrte 
Bpifode hat eine andere Wendung genommen. Dietrich und Vafolt find bei 
äen Zwergen angekommen. Dietrich fchläft. Vafolt, der fich erboten Schild- 
uoacht zu halten, fcMeicht zu den Biefinnen Bachin, Kallech und Bitzfeh, denen 
sr vorlugt, Dietrich habe Ecken fchlafend getStet. Er kehrt dann zum Bemer 
zurück. Die Biefin erfcheint und fordert ihn zur Wehr. Dietrich bittet fie bei 
ihrer weiblichen Jugend, zu geßatten, daß er fich vorher im Quell Augen und 
Hände wafche. Die Biefin geftattet es. Kampf, daß die Vhgel im Walde ver- 
fhmmen. Dietrich gerat in Not. Er haut ihr den Ztwfceu Fu.ß ob. l>«r ^^- 
gefchrei ruß ihre Shhne Zere wnd Weiderich herbex. Zere ««wd. wJcV^^w^- 
WMerirli entdeckt, daß Vafolt den Verrat bcgaugea, -uöcrraM-f TÄÄterw^V ^^5««^ 



52 H5firche Dichtung. 

doM Haupt ahfcU&gt. Weiderich freut fich, daß fein OefcTdeeU erfcMagm ^ 
Abenteuer mit Eckenot, der erfchlagen wird. Dietrichs Kampf gegen antontp 
tifche Büder. Ankunft zu Gocherim, wo drei Könige fitzen; der von Ke^ 
Hngen wird erfchlagen. Ankunft in Jochrimen bei den drei Königinnen, dk 
er fchilt, daß fie den Ecken gegen ihn ausgefandt. Heimkehr und herlidur 
Empfang zu Bern. Bei Tifch erz&hlt er der Maffenie, was das Gedicsht djuv 
geftellt hat. 

Sjwper hatte diefelbe Quelle vor fich, der die Vorrede zur Straftb. Ha. (ft. 61, 19} MgL^ 
d* Ae diefelben Namen bietet (Zerre, Weiderich), die fonTt in diefer Yerbindimg nicht vor* 
kommen. YgL Hg. I, GXY. 135.) 

3. L a u r i n. Die Sage von dem Tiroler Zwergk6nige Laurin und Dietriehs 
Kampfe mit ihm ift durch mehrer Bearbeiter Hände gegangen. Die 81te(le 
Bearbeitung fcheint uns ebenfo wenig wie bei Ecke erhalten zu fein. Unler 
den erhaltnen ift eine kürzere Faßung die ältefte, die von einem andern Dieh- 
ter fortgefetzt und unabhängig davon durch einen h6fifchen Dichter aosfiUir- 
lieber bearbeitet wurde. Diefe Bearbeitung liegt in zwei Bedactionen vor. 

a. Die Helden zu Bern unterreden fich über Dietrich und preifen feine 
tapfem Thaten. Hildebrant will nicht ganz zuftimmen, da der Held noek 
nicht mit Zwergen gekämpft habe. b. Auszug nach dem Bofengarten dM 
Zwergkönigs Laurin. e. Kampf mit Laurin, dem Dietrich den ZauberyfiritI 
nimmt, d. Laurin gewinnt feinen Schwager Dietlieb, delTen Schwefier SimOls 
er geraubt, füir fich und rettet dadurch fein Leben. 

Hdfchr. in Frkf. i. 61, 10 (888 Verfe) und Kopenhagen 14. Jh. 59 BU. kL FoL Tfi 
Nyemp Symbol. Die Hs. enthält auch die Fortfetzang. 

4. Goldemar. Angeblich hat Alb recht von Kemenaten, den 
Budolf (§. 46) erw&hnt, ein epifches Gedicht aus der Dietrichsfage in i3zeiUger 
Strophe verfaGt, vc^n dem nur wenige Strophen erhalten find. 

Albrecht v. K. fagte, daß der Berner nie hohen Mut gegen Frauen ge- 
wann. Allerdings war fein Sinn auf Kampf gewichtet, bis er eine fch6ne Frau 
fah, die wie die Aventüre berichtet, ihn bezwang. Er findet ein fchönes Weib 
das der Zwergkönig Goldemar ihm ftreitig macht. — Die ganze Art der Ein- 
ffthrung verr&t viel mehr Oppofitton gegen Albrecht, als daß fie auf ihn als 
den Dichter diefes Bruchftücks wiefe. Vgl. MA. 523 ff. 

§. 65. 
Das Nibelungenlied. Zwei große Begebenheiten, Siegfrieds Lieben 
und Tod und die Vergeltung am Hofe Etzels, zufammengehalten durch Chriem- 
hilde und Hagen und den Schatz der Nibelungen, bilden den Inhalt des 
epifchen Gedichtes von den Nibelungen, das laut der Urkunden, die im Norden 
früher aufgezeichnet wurden, in fr&heren Jahrhunderten fchon geftaltet aber 
wol nicht feft geformt war. Die Aufzeichnungen des Nordens find altertftm* 
lieber, der Natur näher (die Königinnen hadern um den höheren Stand am 
Fluße beim Haarwafchen, wo das Nibelungenlied fie um den Vortritt beim 
Kirchgange hadern läßt). Die deutfche Aufzeichnung fetzt eine Beihe von 
Umwandlungen voraus, in denen die Götter Helden wurden, andere Helden 
aus verfchiedenen Jahrhunderten anzogen und dem Stoffe verfchmolzen. ' £ine 
fefte Form fcheint dann eine Umwandlung der äußeren Geftalt (Alliteration 
gieng in Beimftrophe über) erlitten zu haben, auch dann noch erweitert und 
gekürzt zu fein, bis um den Anfang des 13. Jh. ein Dichter des neuen hofifchen 
Stiles fich der Bedaction des älteren Gedichtes unterzog (Kleidertrachten und 
hdfifchen Prunk einfchob und der Sprache eine glattere Form gab). Diefe 
Bedaction liegt in verfchiedenen Faßungen vor. 

Der Inhalt (MA. 309—338) darf hier vorausgetetait N«iw^ftw. ^\vc ^^ ^«t- 



Budi 2. §. 64<~66. 53 

fchiedenen Anficfaten Aber die Gefchichte des Gedichts: V. d. Hagen hielt 
von je her die Einheit der Dichtung als Werk eines Dichters feft, wogegen 
die fehr bedeutenden Abweichungen der Handfchriften Itreiten. Lach mann, 
von Wolffs Forfchungen über Homer angeregt, nahm ein Ineinanderfließen 
einselner Bhapfodien zu einem Ganzen an, das mit unechtem gemilcht fei. 
Bei der Auffindung diefes Unechten bediente er lieh (wie er bei allen feinen 
Studien ein Zahlenmaß handhabte) eines Zahlenfyftems, indem er die Sieben- 
zahl als Grundzahl annahm und in kleineren Abfchnitten von je fieben Stro- 
phen wieder zu finden meinte, von denen gewöhnlich je 4 einen größeren 
Abfchnitt, ein Lied von 28 Str. bildeten. 20 folcher von verfchiedenen Verfaßem 
unabhängig gedichteten Lieder feilte dann ein einundzwanzigfter gefammelt 
und zu einem Gedichte, der Nibelunge Not, verarbeitet haben. Die Zahlen- 
operation deckte J. Grimm auf. Die Vorausfetzung Lachmanns daß die Hs. 
A die ältefte Faßung Aberliefere widerlegte Holtz mann mit den fchlagendTten 
Gründen, der C als die ältefte Faßung nachwies und der Zwanzigliedertheorie 
neue Hypothefen gegenüberltellte. Eine, neue Pnlifung der Quellen hat begon- 
nen; fftr die Gefchichte des Nibelungenliedes werden fortan andere Gefichts- 
punkte gelten als die lachmannfchen. 

Von den Ausgaben nur die Jetzt noch brauchbaren: Der Nibelungen-Lied zum erlten 
Mal in der Slteften Geftalt aus der S. Galler Hs., mit Yergleichung aller übrigen Hss. hrsg. 
von F. H. V. d. Hagen. Berl. 1810. — Der Nibelungen-Lied. Oro^e Ausgabe. Mit den Les- 
arten aller Hss. hrsg. von Fr. H. v. d. Hagen. Breslau 1880. 8. — Der Nibelunge Noth und 
die Klage. V. K. Lachmann. Berl. 1826. 41. 51. 8. Zu den Nibelungen und der Klage. 
y. K. Lachmann. Berl. 1887. 8. (Lesarten und Anmerk.) ~ Der Nibelunge not und diu 
Klage hrsg. v. AI. J. Vollmer. Leipz. 1843*. 8. — Zwanzig Lieder von den Nibelungen. 
V. K. Lachmann. Berl. 1840. Fol. — Lieder Saal das ift: Sammelung altdeutfcher Gedichte. 
Hrsg. aus ungedruckten Quellen vom Reichsfreiherm von La8berg. Vierter Band. S. Gallen 
1846. 8. — Der Nibelunge liet nach dem Slteften Texte des Frhm. v. Laßberg unter Berück- 
fiehtigung der dbrigen, namentlich der Wallenlteiner Hs. von H. Nabert. Hannov. 1855. 8. 

Schriften zur Gefchichte des Gedichtes und zur Kritik des Textes: K. Lach- 
mann, Aber die ur^rfingliche Geftalt des Gedichtes von jder Nibelunge Noth. Berl. 1816. 8. 

— V. d. Hagen, die Nibelungen, ihre Bedeutung f&r die Gegenwart und fAr immer. BerL 
1819. 8. Zur Gefchichte der Nibelungen. Wien 1820. 8. — K. Rofenkranz, das Heldenbuch 
und die Nibelungen. Halle 1829. 8> — A. v. Spaun, Heinrich v. Ofterdingen und das Nibe- 
lungenlied. Linz 1840. 8. — W. Müller, VerAich einer mytholog. Erklärung der Nibelungen- 
fage. Berl. 1841. 8. Ueber die Lieder von den Nibelungen. Göttingen 1845. 8. — H. Timm, 
das Nibelungenlied nach Darftellung und Sprache ein Urbild deutfcher Poefie. Halle 1852. 

— A. Holtzmann, UnterÜtichungen über das Nibelungenlied. Stnttg. 1854. 4. — F. Zamcke, 
zur Mbelungenfrage. Leipz. 1854. 8. (Fdr Holtzmann.) — K. Mttllenhoff, zur Gefchichte der 
Nibelunge Not. Braunfchw. 1855. S^Gegen Holtzmann). J. G. Herrmann, Widerl^rttche in 
Lacfamanns Kritik der Nibelunge. Wien 1855. 8. (€togen Lachm.) — M. Rieger (gegen 
Holtzmann). 

DieAlliteration im deutfchen Heldengedi cht hob dasMA. bei den einzelnen Stücken 
hervor. Seitdem erfchien (Marb. 1855)^ Refte der Alliteration im Nibelungenliede. Von O. 
l^lmar. 36 S. 4. (Bei Lachmanns 20 Liedern beharrend.) 

Bruchftficke eines niederlttndifchen Gedichtes von den Nibelungen (vom Ende des 
13. Jh.? Anz. 4, 191— 198. 8, 281. Germ. 1, 839. Mono Ueberficht der. U. VolksUt. S. 65). 
Im Facfimile, mit einem neuen Bruchftttck vermehrt herausgegeben in Serrures Vaderlandsch 
Mufeum voor nd. letterkunde. G«nt. 1855. S. 1—33. Beide Fragmente gebdrea dem erftea 
Teile an (Siegfrieds Jagd. Criemhilden Totenklage). 

§.66. 

1. Walther von Spanien. Ein h6fifches Gedicht Aber Walther von 
Spanien (§. 11), offenbar auf volksm&ßigen Sagen erwachfen, hat fich nur 
bruchltücksweife erhalten, die nicht hinreichen um eine Vorftellung von der 
Anlage des Gedichtes felbffc zu gewinnen, aber darauf hinweifen, wie viel uns 
verloren gegangen. 

Walther kehrt mit Hiltgnnd von Günther begleitet in feine Heimat zurück 
und wird von feinem Vater 'mit ftolzer Maffenie* empfangen. Hochzeit mit 
Hiltgnnd. . . . Das Gedicht ift in einer erweiterten Nibelungenftrophe ab- 
gefaßt, die genau fo in dem Spiele von den 10 Jungfrauen (§. 92, 13) 
wiederkehrt 

Die von Tb. G. v. Kari^aa entdeckten Bruchftttoke gedr. in der Frflhlingsgabe 1—11. 
MA. 893 ff. 

2. Gudrun. Daß die Sage von Gudiun. teVoxv Vm -»ajl. ^. \«BL^'is«^%, 
zeigten die Anfpielungen der Dichter (,§.M). Eim «co^^ä ^«k^OoI^ ^^ ^«sws^ 



54 H6firche Dichtung. 

Inhalte nach in drei, (ich gefteigert wiederholende Abfchnitte eerflUli, ift in 
einer fp&ten EDs. erhalten. Nur neue Quellen werden &ber die Gefchichte dn 
Gedichte« fichem AuffchluB geben. 

Der erfte Abfchnitt erz&hlt die Entföhrung Hagens von Irland durch Greife, 
feine Em&hmng durch drei Königstöchter, feine Heimkehr und Vermahlung 
mit Hilde von India, die ihm eine gleichfalls Hilde genannte Tochter ^bi«ri 
Nur dem will er die Tochter verm&hlen, der ihm an Stärke gleichkommt. Dk 
Brautwerber läßt er toBten.— Der zweite Abfchnitt (Str. 88 ff.) erz&hlt, wie auf 
GeheiB K6nig Hettels von Heg^lingen, feine Helden Fruote und Horant, Jener 
durch Pracht, diefer durch Gefang ausgezeichnet, im Verein mit dem alten 
Wate, dem ftarken, als Kaufleute verkleidet Hagens Tochter Hilde entf&hien, 
[pkter in Waleis mit Hagen, der den K&ubem nachgefetzt war, kämpfen. 
Eine Verf6hnung folgt und die Verm&hlung Hettels mit Hilde fchlie6t den 
Abfchnitt. — Aus der Ehe entfprang die fch6ne Gudrun, deren Schickfale des 
Inhalt des dritten Abfchnittes bilden. . Zwei Freier werben um fie: der K^nig 
Hartmut von Normandie und Herwig von Seeland, dem Gudrun nach hartem 
Kampfe als Braut gew&hrt wird. Vor der Hochzeit wird Gudrun jedocl^ Ton 
Hartmut geraubt. Hettel verfolgt deuR&uber, holt ihn auf dem Wülpenfande 
ein und kämpft einen furchtbaren Kampf, in dem er fällt (Vgl. §. 34). WAh- 
rend der Nacht entfcblüpft Hartmut mit feiner Beute Gudrun, die fich dnrdi 
nichts in ihrer Treue gegen Herwich wankend machen läßt und deshalb tob 
der Mutter Hartmuts, der alten Gerlinde^ auf das härtefte bebandelt and n 
den niedrigften Arbeiten gebraucht wird. Dreizehn Jahre nach der Bntffth- 
rung, nachdem die Jugend herangewachfen, ruftet Gudruns Mutter Hilde einen 
Heereszug gegen die Normannen, den fie unter Horants Befel (teilt. Durek 
widrige Winde verfchlagen, gerät die Flotte an den Magnetberg Givers, von 
dem fie nur nach längerer Zeit erl6st wird. Gudruns Bruder Ortwin und Her- 
wich fahren, als fie Normandie erreicht, als Kundfcbafter vorauf, treffen Qndrun 
und ihre Genoßii^ Hildburg am Strande Linnen wafchend. Wiedererkennnng. 
Dann Erftürmung der Burg CaHiane, Toetnng Gerlindes, Gefangenfchaft Hart- 
muts, und vierfache Hochzeit (Herwig und Gudrun; Ortwin undOrtrnn; Hart- 
mut und Hildburg; Siegfried von Morland und Herwigs Schwerer) fchlieBen 
das Gedicht. 

>■ HAndfchrift aus AmbrM in Wien vom Anfange des zvi. Jh. DamAch gedruckt in Prl> 
mifTers und Hagens Heldenbache 1, 1—88. 1706 Str. (Eine Vergleichung mit der Hs. llt auf- 
fallender Weife noch nicht wieder vorgenommen.) Damach ins mhd. nmgefchrieben : Kfttria, 
mhd. hrsg. V. Ziemann. Quedlinb. 1835. 8. — Gudmn. Hrsg. v. AI. J. Vollmer. Leipi. 
1845. 8. (Die befte Ausgabe.) — Kudrun. Die echten Teile des Gedichts. Hrsg. v. K. MIUlflB- 
hoff. Kiel 1845. 8. (Auswahl des angeblich echten.) — «Gudrunlieder. Hrsg. v. EttmlUkr. 
Zfirlch 1841. 8. (Zerlegung in mehre auf einander folgende Redactionen.) — Kudrun, Ueberf. 
und Urtext. Hrsg. v. W. v. PlSnnies. Leipz. 1853. 8. (Ebenfalls Auswahl von angeblich 
echten Strophen, mit fleiBigen Abhandlungen.) Ueberfetzungen von San Marte. 1889. 8. 
(Paraphrafe voll fentimentaler Zuthaten.) Die heften Ueberfetzungen von A. KeHer (Stöttff. 
1840. 8.) und K. Simrock (Stuttg. 1848. 8.) Vgl. B£A. 895—430. 



§.67. 
In gleichem Verhältnis, wie die h6fifche Poefie zu den Stoffen, Iteht 
auf dem dramatifchen Felde auch die geiftliche Dichtung zu den Schau- 
fpielbeluftigungen des Volke«. Mit ihrer lateinifchen aus der r5mifcheii 
Liturgie hervorgebildeten Form drängte ^e die volksm&ßigen Spiele zu- 
rück, zugleich wahrfcheinlich auch das Volk felbft, das fich mit feinen Ver- 
mnmmungen (cervulum facere), Sonnenwendfeften u. dgl. entfchädigte. (Jm 
die Laien wieder anzuziehen fcheinen weltliche Stoffe und damit deutfche 
Sprache aufgenommen zu sein. So die Scene zwifchen Maria Magdalena 
und dem Farbenkrämer in dem Ofterfpil der Benedictbeurer Hs. Mit dem 
Schluße des 13. Jh. kamen dann ganz deutfch gefchriebene geiftliche 
Btücke auf (§. 92). 

Bier nur Wenigeg erhalten. Die Analyfe elnea gans \tX«Vn\S«Yk.«vi ^oaAi «&&%% it miAtiSte iii fc . 



Buch 2. §. 66. 67. 55 

Spieles unter Nr. 2. 3. Als Qaellen f&r diefen und den n&ehffcen Zeitraam: Weinhold 
(f. 88); Ho ff mann, Fundgruben Bd. 2; F. J. Mone, altteütfche SchauX^iele. Quedlinb. 
1841. 8. und Schaufjpiele des Mittelalters. Karlsruhe 1847. n. 8. 

1. Lndus pafchalis de adventu et interitu Antichrilti. Latei- 
fd/ch. Hs. des 13. Jh, Gedr. bei Pez thefaur. nomss. anecdot. 2, 3, 185. Vgl. §. 93. 

2. Lndus fcenicus de uati vitate domini. Lateini/ch. &. des 
13. Jh. <ms Benedidheuem. Gedr. in camdnib. huran. StuUg. 1847. 8. 80 ff. 

Augufdnus in einem Seßel vor der Kirche; zu feiner Hechten Jefaias, 
Daniel und die übrigen Propheten ; zur Linken die Juden mit dem Hohen- 
priefter. Jefaias und Daniel fingen ihre Prophezeihungen vom MeHfias. Sibylla 
auf den Stern weifend fingt mit ausdrucksvollen Geberden von der reinen 
Jungfrau und der Geburt des Heilands. Der Chor f&hrt Aaron fingend ein. 
Diefer vierte Prophet tr&gt die Gerte, die unter 12 dürren St&ben allein blüht. 
Als fünfter reitet Balaam auf der Efelin fingend ein, dem der Engel mit dem 
Schwerte in den Weg tritt. Der Efel weicht erfchrocken zurück. Der Engel 
verfchwindet uhd Balaam fingt: Es wird ein Stern von Jacob aufgehn u. f w. 
Nach diefen Weiffagungen f&hrt der Hoheprielter mit Geräufch empor, ftößt 
leine Genoßen, Haupt und Körper in lebhafter Bewegung, ftampft mit dem 
Fuße und fpricht den Propheten Hohn : vom Stiere werde nie ein Kamel kom- 
men. Von dem Getümmel der Juden gereizt ruft der Schulbifchof (episcopus 
puerorum), der Wein rede aus ihnen; Angfufünus folle entfcheiden. Disputa- 
tion zwifchen den Propheten, Angfuftinus und dem Hohenpriefter, jene ernit 
und würdig, diefer mit unbändigem Gelächter (nimio cachinno). Die Propheten 
nehmen ihre Sitze wieder ein. Der Engel bringt Maria die Verkündigung. 
Befuch bei Elifabeth. Geburt des Kindleins (Maria vadat in lectum fhum, 
quae jam de fpiritu fancto concepit, et pariat filium). Die heil, drei K6nige 
kommen aus verfchiedenen Teilen der Welt und wundern fich Aber den Stern. 
Boten des Herodes treten ihnen in den Weg und erkunden den Grund ihrer 
Keife, den fie dem K6nige berichten. Zornig beruft er den Hohenpriefter und 
die Juden,, denen er r&t, fich gegen die Konige zu verftellen. Der Engel ver- 
kündigt den Hirten auf dem Felde die Meufchwerdung. Der Teufel erkl&rt 
alles fftrLfigen. Der Engel überzeugt fie und fie gehen anbetend zur Krippe. Heim- 
kehrend begegnen fie den Kdnigen, dejien fie das Gefchaute mitteilen. Die 
K6nige beten an und opfern Gold Weihrauch und Myrrhen. Sie treten zurück, 
legen fich und entfchlummern. Der Engel ermahnt fie im Traume, nicht wieder 
zu Herodes zu gehn, und beruft das jüdifche Volk, den ratlofen Herodes zu 
h6ren. Der Hohepriefter mit feinen Genoßen erfcheint und ())richt: Tu Beth- 
lehem terra Juda etc. Herodes befielt die Kindlein zu toeten. Die Reifig^n 
gehorchen. Die Mütter wehklagen. Herodes von Würmern gefreßen fpringt 
auf und ftürzt tot nieder. Jubelnde Teufel nehmen ihn hin. Die Krone wird 
dem Sohne Archelaus aufgefetzt. Jofeph und Maria gehn nach Egypten. — 
Der König von Egjpten tritt mit Gefolge auf. Der Feltzug (conductus) fingt 
in Liedern mit Kehrreim die Freuden des erwachenden Frühlings und der 
Liebe. Beim Auftreten Marias und Jofephs ftürzen die egyptifchen Götzen- 
bilder um. Die Priefter richten fie mehrmals wieder auf, opfern Rauchwerk 
und fingen erfolglos Lobgef^nge. Der König davon benachrichtigt beruft 
durch feinen Waffen tr&ger die Weifen, die Rauch- und Menfchenopfer empfelen. 
Das Opfer gefchieht. Auch dies hilft nicht. Die Götzen werden abgethan. 
Der König von Babylon tritt auf mit Gefolge. Zufammenftoß des Heiden- 
tums, der Synagoge und der Kirche. Das Heidentum nennt in Wechfelg^fän- 
gen den Glauben an den ^inen Gott Thorheit. Der König von Babylon gegen 
die Heuchler. Antichrift. Das letzte ift aus dem altern Ludus (N. 1) entlehnt, 
wo die Scenen voUftändiger erhalten find. Die Entlehnung beweist die kirch- 
lich-volksm4ßige Verbreitung diefer Dichtungen, die als Gemeingut behandelt 
und benutzt wurden. 

3. Ludus pafchalis five de paffione Domini. Lateinifch und 
deutfch. Hs, aus Benedictbeuem. . 13. Jh. O^^. m ^ws\. ^-«rÄ&sv. Xs^at-Ko.. 
8. 95 ff, Hoßm. Fundgr. 2, 245 ff. Vik. ^1V— ^^. 



56 Hftfifche Dichtung. 

Das Dentfehe ilt in der nachstehenden Inhaltsangabe ndt andrer Si^uryt 
hervorgehoben: Püatos mit Frau und Trabanten nehmen ihre PlStse ein. 
Dann Herodes mit Trabanten. Dann die Priefter; der Kr&mer mit feinem 
Weibe, zuletzt Biaria Magdalena. Chriflus ruft am Ufer des Meeres Petrus 
und Andreas, er wolle fie zu MenfchenfiTchem machen. Ganz kurz folgen mit 
den biblifchen Worten die Beden an Zacbaeus, den Blinden, den er fehend 
macht; die Knaben ftreuen Zweige. Der Phari(%er ladet ChiiTtus zum Mahle ; 
und heifit den Diener die Tafel bereiten. — Gefang der Maria Magdalena, [ 
welche die Weltluft preist und mit ihren M&gden zum Kr&mer ^ht um [ 
Schminke und Wolgerüche zu kaufen. Der Er&mer lobt feine Waare. Maria ; 
Magdalena : Krämer gib die färbe miry die mein wänglein raUf damit ich die 
jungen mann, /eis ihnen leid, meiner liebe ncete uf.w. fie bietet fich der weit hfi 
aus. Ein Liebhaber kommt. Maria Ma^d. fordert die M&dchen auf, krixmen 
zu gehn, färbe zu kaufen. Kramer gib die färbe mir. Der krämer lobt fingernd 
feine waare. Maria Magdalena geht fchlafen. Ein Engel mahnt fie im Traume. 
Sie erwacht, fingt ihr laed von der Weltluft wieder und entfchl&ft. Der £ngel 
mahnt fie zum zweiten Male. Sie erwacht voll tiefer Keue fiber ihr fündiges 
Leben, leg^ die weltlichen Kleider ab, zieht ein fchwarzes Gewand an; Lieb- 
haber und Teufel verlaßen fie. Sie kauft köfüiche Salbe und geht, fich zu 
Jefu Fußen zu werfen, der alle Sünder heilt. Jefus, trofl der fede mein, Idß 
mich dir empfolen fein und Icßfe mich von der nU/fetat, zu der die Welt miieh 
gebracht hat. Der Phari(%er und Judas murren Aber die fündige Yerfchwen- 
derin. Jefus rechtfertigt fie. Maria erhebt fich und Itimmt ein KlageUed 
über fich, das tmfelige Weih, an. Kurze Worte bei der Erweckung des Lasams. 
Judas verheißt, Chriftus um dreißig Silberlinge zu verraten. Kurze Worte am 
Oelberge, Gefangennahme; Petrus Verleugnung; vor Pilatus, zu dem Herodes 
kommt und ihn ktUTt. Geifelung, Dornenkronung, Verfpeiung, Pilatus wäfcht 
feine Hände. Jefus wird zur Kreuzigung geführt. Judas wirft den Priefitom 
die Silberlinge weinend wieder zu. Der Teufel f&hrt ihn zum Galgen und 
hängt ihn. Klagen der Weiber von Jerufalem. Chriftus wird ans Kreuz ge- 
hängt. Die Mutter des Herrn kommt mit Johannes dem Evangeliften and 
fdmmt ihre Klage an. (4 Strophen, fp&ter häufig wiederkehrende Scene, Ma- 
rienklage genannt) Eine lateinifche Klage ähnlichen Inhalts. Maria um- 
armt Johannes, ihren neuen Sohn, der mit ihr weinen foU. *Et per horam 
quiescat fedendo et iterum furgat cantando : Planctus u. f. w. Chriftus ruft : 
mich dürftet. Die Juden reichen den Eßigfchwamm. Longinus durchbohrt 
ihm die Seite mit der Lanze und fagt : ich toü im flechen ah daz herze fin, dost 
fieh ende finer marter pin. Chriftus neigt das Haupt und ^bt den Geift auf. 
Longinus: Er ifl der wahre gottes fohn er hat zeichen an rmr gethan, denn ich 
hohe meine fehkraft wieder. Die Juden fpotten des Gottesfohnes. Jofeph von 
Arimathia bittet, den Gottmenfchen beßatten zu dürfen. Pilatus gewährt, Jefum 
zu beftatten, da er dem Bittenden fo zu Herzen gehe. 

4. In refurrectione domin i. Lateinifches Ofterfpiel. Hs. 13. Jh. 
Mone 1, 15. 

5. ftarienklage. Deutfeh. Hs. 13. Jh. Mone 1, 31. Eine Ueber- 
arbeitung gedr. in Hoffinanns Fundgr. 2, 260. 

6. Ofterfpiel zu S. Florian. Erw&hnt bei Pez fcriptor rer. auftr. % 
268 zwifchen 1248--89. 

7. Sacra comosdia de Jofepho vendito et exaltato der Mönche in 
Heresburg wird zum J. 1264 in den Annal. corbej. (Leibn. 2, 311) erw&hnt. 

8. Ludus incunnabil. Lateinifche Anweifungen (ordo), deutfche 
Reden. 9. Ludus trium martyrum. Lateinifcher Ordo, deutfche und 
lateinifche Gefänge mit Noten. 10. Ludus Mariae Magdalenae und 
11. Ludus Judeorum et fepulchri, ebenfo. Die Stücke 8 — 11 in einer 
Erlauer Hs. fp&ter Zeit. Vgl. Anz. 1855, 252. 

/a Weihnacbtsrpiel des 13. 14. Jh. Oeött. m Yt. n. ^Vä'ää l^^^. 



§. 67. Buch 3. §. 68. 57 

men lectC. antiquarom franoicar. Stade 1708. 4. p. 34. Vgl. Gennania 
7, 349. 

Virgil, von Angfoltinus aufgefordert zu verkünden was er von ChriTtus 
-wiße, redtiert die Stelle der 4. Edoge, die im Mittelalter auf Chriftus ge- 
deutet wurde. 

Diefe Verbindimg des r^mirchen Dichters mit den WeisfAgiingeii Aber Ohriftns drang 
«rit mit der Oelehrfamkeit vom Ende des 13. Jh. in die deutfche Dichtung und wird im 
"Wartburgkriege (9. 70) angedeutet, im BeinMed (|. 80) weitiäuftig behandelt. 



Drittes Bnch. 

Vom Interregnum bis zur Reformation. 
Bflrfferlieh gelehrte Diehtmig» 

§. 68. 

Rafches allgemeines und tiefes Abfinken von der Hohe be- 
zeichnet die Dichtung diefes Abfchnittes; es geht mit den 
inneren Umwälzungen Deutfchlands Hand in Hand. Der große 
gemeinfame Zug, der die Poefie des 13. Jh. zufammenhielt, 
weicht einem verworrenen Durcheinanderkämpfen, der Eaifer 
mit den Fürften, der Fürften mit dem Adel, aller mit den 
Städtern und wieder aller diefer gegen den aufftrebenden 
Bauernftand, für deffen Unterdrückung alle, für deflen Hebung 
nur er felbft thätig war. Alle Dichtung klagt über Verfall und 
blickt auf die großen Meißer zurück. Amur ift mit Raub und 
Brand vertrieben, die Fürften werden karg und teilnahmlos, 
die Welt im Allgemeinen wendet fich den Dichtern ab. Diefe 
wißen die formefle Ausbildung der Sprache zu nutzen und er- 
fetzen, was ihnen an Urfprünglichkeit abgeht, durch Menge und 
Umfang der Leißungen. Die alten Stoffe werden noch mehr- 
fach aufgenommen, es drängt fich aber in die phantaftifche - 
Dichtung ein realiftifcher Zug auf die G^efchichte. Hiftorifche 
Namen werden als Anknüpfungspunkte benutzt. Die Dichtung 
wendet fich der ftrengeren Gefchichte zu. Großen Einfluß 
übten die Ordensritter, namentlich die Ritter des deutfchea 
Ordens, geringeren die Myftiker die fich von der Welt in ver- 
liebter Contemplation zu Gott wandten. Wie fie nach einer 
Seite hin die l^oefie dunkel und nebelhaft machten, fchuf die 
Gelehrfamkeit, die allmählich auftrat, einen Charakter der Dich- 
tung, der fich von klarer Einfachheit immer weiter entfernte. 
Der Wert der Dichtung wurde bald nur in der Gelehrfamkeit 
gefucht, die mehr dunkel anfpielßnd als klar faßlich war. Hugo 
von Trimberg rühmt Eonrads Dichtung, die aus dem latein. 
gefchöpft fei und nur von Ungelehrten getadelt werden kötwsÄ, 
Aus diefer GelehrijMnkeit wuchs die kWe^^oTv^ V^rsr^st.^ ^^ ^^- 
ti[ch zu fein meinte/ wenn fie AbCtractioxieTi '^^Ttom%-^^Ä'^^• ^^^ 



58 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

all diefem dürren Wefen fachte die Poefie fich in kleinen lafciven 
Gefchichten zu er.holen, die fich rafch vergrobterten und gegen 
den Schluß des Zeitraumes eine Literatur fchamlofefter Unntte 
hervorbrachten. Sie hatten vorzugsweife in den großen üppigen 
Reichsftädten ihren Sitz, die mit hochmutigem Spott auf den 
Bauemftand niederblickten ui^d ihn mit all den fchmutzigen 
Farben fchilderten, die nur bei ihnen felbft gerieben wurden. 
Auch gegen diefe Richtung fchuf die Zeit ein freilich noch 
fchwach wirkendes Gegenmittel in den Meifterfängern, deren 
Singfchule in Augsburg 1449 erwähnt wird (§. 91). Kräftiger 
trat der hiftorifche Volksgefang, namentlich der fchweizerifche, 
auf (§. 84,) Erhebender als die ganze ubriffe poetifche Literatur ift 
die fortdauernde Entwicklung des deutfchen Epos, das in fteter 
lebendiger Umwandlung begriflFen den ganzen Zeitraum hindurch 
gepflegt wird. 'Auch hier zeigt fich freilich fortfchreitender 
Verfall, aber nur im Vergleich der jüngeren Gedichte mit den 
älteren, nicht im Vergleich mit den übrigen Dichtungen der 
Zeit. Aus der Hand der hofifchen Dichter nahm das Volk fein 
Eigentum zurück, vermochte jedoch nicht, die Einwirkungen 
der hofifchen Kunft, die ritterliche Gewandung ganz abzuftrei- 
fen, fo daß die Helden halb Recken halb Ritter wurden. Die 
Erweiterungen der an einem Helden haftenden Sage, die Zu- 
fammenlegung verfchiedener Gedichte zu einem größeren zeigt 
fich lehrreich an Ortnit, Hugdietrich und VSTolfdietrich und ge- 
ftattet Rückfchlüße auf Nibelungen und Gudrun. Auffallend 
und nicht wegzuleugnen ift die Thatfache, daß die jüngften 
Aufzeichnungen aus älteften Quellen fchöpfen. Für die Sagen- 

fefchichte und die Entwicklung des epifchen Stoffes find fie 
eshalb von eben fo großer VTichtigkeit wie fie vom Standpunkt 
der formellen Poefie wertlos fein würden. Das Schaufpiel, ob- 
wol vorwiegend geiftlich, fetzt eine umfaßende und erfreuliche 
Teilnahme des Volkes voraus und ift nach feiner ernft^n wie 
nach feiner luftigen Seite eine wirkliche Volksdichtung. Daß 
die luftigen Stücke, die Faßnachtipiele, überwiegend unfittlich 
find, ändert darin nichts. Doch Icheinen letztere nur auf die 
gr6ßeren Städte und jedenfalls auf Süddeutfchland befchränkt 

fewefen zu fein. Der Norden nahm erft im folgenden Jahr- 
undert an diefen Spielen Teil und hielt* fich frei von der 
groben Unfitte des Südens. Die niederdeutfche Dichtung (§.98 
— 100) tritt dürftiger auf, als fie in Wahrheit gewefen fein wird. 
Ihr fehlte die Unterftützung fleißiger Schreiber, um den Reich- 
tum ihrer ficher in dichterifcher Form gefeftigten Sage aufzu- 
faßen und zu überliefern. Das Volk fammelt nicht; dieFürften 
hatten wenig Sinn für vplksm&ßige Dichtung. Ohne die han- 
fifchen Kaufleute und vielleicht einige Geiftliche würden wir 
auch das wenige nicht« befitzen, was uns erhalten ift. 



Bach 3. §. 68. 69. 59 

§> 69. 

Myftifche Gedichte. Die Minne, die fchon bei Williram in ünnlich- 
Aberfinnlichen Anfchanungfen taumelte, in der hdfifchen Zeit faft aasfchliejßHcli 
einen weltlichen Charakter zeigte, tritt am Schluße des 13. Jh., von den großen 
ZeitereignilTen aufgeregt, in Deutfchland wieder in jener Weife. Willirams auf, 
nur beftiramter und felbftftändiger. Die Myftik, einerfeits auf dem hohen Liede, 
andrerfeits auf der fcholafUfchen Philofophie beruhend, nur daß fie fich als eine - 
hdhere Entwicklung derfelben betrachtete, ftellt eine Stufenleiter dar, auf welcher 
die menfchliche Seele .zur Vereinigung mit Gott gelangt. Die Ereigniffe des 
14. Jh., namentlich der fchwarze Tod, und das entfagfungsvolie Mönchsleben 
n&hrten diefe Richtung in Deutfchland. Eine eigent&mliche Literatur, deren 
Nachwirkungen bis in die neuefte Zeit dauern, ftellt den Gang der Entwick- 
lung diefes LiebesverhältnilTes zwifchen Seele und Gott dar. 

Williram (§. 21). Hugo von St. Victor (f 11. Febr. 1141), der eigentUchis Begründer 
diefer Richtung, war ein Deutfcher. Ihm folgte der hell. Bernhard, dann die Abtiffin eines 
Klorters Bingen die heU. Hildegard (1098 f 1180) in Deutfchland felbft. Die MyfÜker 
traten erft feit dem Zwifchenreich auf. Meifter Eckart (f vor 1329. Vgl. K. Schmidt in 
den theol. Studien und Kritiken 1839. 3,663 fr. H.Martenfen, Meifter Eckart. Hamb.1842. 8.). 
Joh. Tauler (f 1361. Vgl. Sein Leben von K. Schmidt. Hamb. 1841. 8.), Heinr. v. d. Berge, 
genannt Sufo, der Seufe (f 1365. Vgl. Leben und Schriften. VonM.Diepenbrock. Regensb. 
1829. 1837. St. Bormann, über Sufo. Germania 2, 1^2ff.). Joh. Ruysbrock (Vgl. J.G. V. 
Engelhardt, Richard von St. Victor und Joh. Ruvsbrock. Erlangen 1838. Joh. Rnysbroek, 
Hrsg. V. Amswaldt. Hannov. 1846. 8.) K. Schmidt, die Gottesfreunde im 14. Jh. Jena 
1865. 8. Frz. Pfeiffer, deutfche Myftiker des 14. Jh. Leipa. 1844. ff. 

Wie jede geiftig bedeutende Sichtung trat auch die Myftik in der Poefie 
auf, hinterließ aber dort ebenfo wenig bedeutende Wirkungen, wie in der Profa, 
die von der verfchwimmenden Unklarheit fo wenig Nutzen ziehen konnte wie 
die Poefie von der Liebeständelei der Contemplation. Die myftifchen Gedichte 
felbft haben allerdings einen Anflug von Innigkeit, nur daß fie f&r reine An- 
dacht zu gemacht find. Es ift nicht der hochfte Auffchwung der Seele, vielmehr 
ein künftlicher Erfatz f&r weltliche, menfchliche reine Freude. 

Das hohe Lied felbft wurde von dem Magdeburger Brnn von Sconebeck 
Aberfetzt und ausgelegt, urfprünglich wol in niederd. Sprache. 
Ungedr. vgl. BIA.. 109. 

BAchlein von der Tochter Syon. Der Dichter war ein Dominicaner 
vom Bhein. Ob mit dem Hailsbronner Mönch identifch, ift ungewis. — Es 
wird das Verlangen der Seele, fich mit Gott zu vereinigen, und das allm&hliche 
Hinaufg^lang^n in der Weife gefchildert, daß die Eigenfchaften der einzelneu 
Stufen als mithelfend perfonificiert werden. Die Tochter vonSion ift die ver- 
langende Seele, die, wenn die Vereinigung gefchehen, virgo Ifrahel heißt; im 
Geg^nfatze ift die mit der Welt umgehende Seele die Tochter von Babylon. 

Gedr. Blut. 3, 3. Damach MA. 245. Hrsg. v. O. Schade. Berl. 1849. (Hss. Klofter- 
neubnrg N. 1244. xiv. Jh. — Heidelb. 417. Bl. 108. xiv. Jh. Wilken 471. — Straßb. Joh. 
A. 98. Bl. 188—194. XIV. Jh.) Ueberf. v. K. Simrock. Bonn 1851. 

Das Buch der flehen Grade. Die 7 Grade find die Stufen des Gebets, 
die den fieben Stufen zum Tempel Salomonis entfprechen. 

Ungedruckt. Hs. Heidelb. 417 Bl. 62 b. Wilken 471. Die Hs. vom J. 1309 'per manns 
Ulrici Prei^iiteri Curriflcis de Efehenbach.' 

Bruder Lamprecbt, im Franziskanerklofter zu Regensburg, verfaßte nach 
mündlicher Stoffangabe des Provinzials Bruder Gerhard ein fich der Tochter 
Sion wefenllich anfchließendes nur weit umfangreicheres Gedicht. 

Ungedr. vgl. Fnndgr. 1, 310. BfA. 249. 

Andere Gedichte diefer Richtung, die immer tändelnder und in bt%n.t3Ä5s5E!As^ 
GleichnüTen fchwelgender werden, fich ImmeT m«\a ^x\. "w^^OsÄ'^'^.\«t'>^«Äss«^- 
Vgl. MA. 850—254, 



W Bürgerlich gelehrte Dichtang. 

§.70. 

1. Albrecht von Scharffenberg verarbeitete vor 12T2 die Fragmente Wolf- 
rams über Schionatulander und Sigune in ein großes Gedicht, das unter dem 
Namen des jüngeren T i t u r e 1 geht. 

Titurel, der im 40. Jahre noch nnfchuldig wie ein Kind und im 400. fei- 
nes Alters noch wie im 40. ift, baut den Tempel des Grales. Sein Sohn Fri- 
mutel wird nach ihm Gralk6nig. Schionatulanders Liebe zu Sigune, der En- 
' kelin Frimutels, feine Kämpfe, fein Tod, den er um das Brackenfeil kämpfend 
erleidet, Sig^nes Klage und Tod bilden den Stoff des Gedichtes. Durch £in- 
mifchung dunkler und abftrufer Gelehrfamkeit fetzte fich das Gedicht, das 
noch dazu den Namen Wolframs iich anmaßte, bei den folgenden Generationen 
in großes Anfehen und fchuf die fogen. Titurel ftrophe, die durch fchwer 
faandzuhabende Reime die Dichter reizte. 

Tytnrel. o. o. u. j. (1477) Pol. Der Jüngere Titurel (6207 flebenzeilige Strophen). Hrsg. 
V. K. A. Hahn. Qaedlinb. 1842. 8. Vgl. MA. 760 ff. Strophe 6182 Hahn fihrt Berthold 
(t 1272. Ausg. V. Kling S. 162) an. 

2. Wartburgkrieg. Nach Albrechts Titurel, um das Ende des 13. Jh., 
wurde von einem unbekannten Dichter ein mythifcher Sängerftreit, der 1206 
auf der Wartburg gestritten fein foll, in einer Art dramatifcher Form bearbei- 
tet. Die Dichter Wolfram, Heinrich von Ofterdingen, Klingfor u. f. w. fuchen 
fich mit dunkeln K&tfelgedichten^zu übertreffen 

R&tfelgedichte waren volksmäßig, wie aus dem Trougemundesliede 
(Uhland, Yolksl. Nr. 1), einem Meiftergef ang in Labers Tone (§. 93.) und 
den Faßnachtfpielen von Freihart (Keller Nr. 63) hervorgeht. Auch Sänger- 
ffcreite waren, wie Frauenlob zeigt, üblich; vgl. Tirol §. 55. Sp&ter wurden 
die allegorifchen Streitgedichte häufig (§. 83, 3). 

Der Singerkriec nf Wartburc. Hrsg. v. L. Ettmüller. Ilmenau 1830. 8. — A. Kober- 
ftein, Aber das wahrfcheinl. Alter und die Bedeutung des Gedichts vom Wartburger Kriege. 
Naumburg 1823. 8. — Lucas, fiber den Wartburgkrieg. K6nigsb. 1838. 8. — Rinne, es hat 
keinen Sängerkrieg su Wartburg gegeben. Zeitz 1842. 26 S. 4. — H. y. Plötz, dber den 
Sängerkrieg auf Wartburg, neblt einem Beitrage zur Literatur des K&tfels. Weimar 1851. 8. 
Vgl. 9. 89. 

3. Lohengrin. An den Wartburgkrieg anknüpfend läßt ein unbekann- 
ter Dichter Wolfram von Efchenbach erzählen, wie Parzivals Sohn Lohengrin 
vom Gral der Gräfin Elfe von Brabant zur Hülfe gefandt wird/ mit der er fich 
verm&hlt, ausbedingend, daß fie nie nach feinem Namen und feiner Herkunft 
frage. Er verrichtet mit Heinrich dem Vogler gegen die Ungarn Wunder der 
Tapferkeit. Als er heimkehrend von Elfe trotz des Verbotes nach Namen und 
Herkunft gefragt wird, verkündet er, daß er Parcivals Sohn fei, und fcheidet 
von Elfe, die vor Gram ftirbt. Ein hiftorifcher Anhang fährt die Kaiferge- 
fchichte bis auf Heinrich H. Der klare Gang diefer einfachen Begebenheiten 
iffc durch eine MalTe dunkler Gelehrfamkeit umnebelt. 

Lohengrin. Ein altd. Ged. mit einer Vorrede hrsg. v. J. Görres. Heidelb. 1813. 8. 
Vgl« HA. 774. Zu den dort verzeichneten Hss. kommt noch eine von Jul. Feifalik entdeckte. 

§. 71. 
Ronrad vm Wurzburg, vermutlich nach feiner Vaterfkadt fo genannt, bür- 
gerlichen Standes, wanderte auf feine Kunft, lebte am Oberrhein, in Straßburg 
und Bafel, wo er am 31. Aug. 1287 mit feiner Frau Berhta und feinen Töch- 
tern Gerina und Agnefe ftarb und an der Abfeite der Marien -Magdalenen- 
kirche dafelbft begraben wurde. Er verfnchte fein formell gewandtes Talent 
nach vielen Seiten und war bemAht durch Vielfeitigkeit des Stoffes den Man- 
gel wirklich poetifchen Gehalts zu verdecken. Seine Sprache ift leicht, an- 
muthig und fließend. Die Verskunft wurde bei ihm, wenn nicht verbeßert, 
doch geregelt und zwar in der Weife, daß faft regelmäßiger Wechfel der He- 
bang^en und Senkungen [tattßndet, wodurch der Gang des Verfes ein jambi- 



Buch 3. §. 70. 71. 61 

fcher wird. Konrad klagt über den Verfall der Kunft und hebt hervor, daß 
mehr als guter Oefang bei Hofe fchm&hliche Worte gefallen. Er will aber, 
wenn auch nur wenige laufchen, wie die einfame Nachtigall fingen. 

Oberlin, Diatribe de Konrado Herbipolenfl. 1782. 4. Vgl. Docen in Hagens MuTeom 
1. 39. 150. — HMS. 4, 720—730. — W. Grimms Einleitung zur goldnen Schmiede. Hahns 
Einleitung zum Otte und Haupts Anmerkungen zum Engelhard. — Arohiv des hift. Vereins 
f. Unterfranken. Bd. 11 (Würzb. 1851) S. 19. MA. 198 tt. 

Seine Lieder find weltliche und geiftliche; jene Tanzlieder, Minne-, Mai- 
und Wächterlieder, Klagen um abnehmende Freigebigkeit der Reichen; die(^ 
auf Gott und die heiUge Jungfrau. Der leichte Flu^ der Bede und die Keim- 
fülle verleitet ihn zu Keimlpielereien, fo daß ganze Lieder gebildet werden, in 
denen jede Zeile aus einer oder zwei reimenden Silben befteht. # 

HMS. Nr. 127. Vgl. Sw& tac erfchtnen fol zwein liuten, die verborgen inne liebe ftunde 
müezen tragen, D& mac verfWinen wol ein triuten; nie der morgen minne diebe kund« 
bttezen klage u. f. w. HMS. 2, 327 f. 

AI ex ins. F&r zwei Basler Bürger Johannes von Bermeswil und Hein- 
rich Ifelin bearbeitete der »arme Kuonrat von Wirzeburc«* nach lateinifcher 
<tvelle die Legende vom heiligen Alezius, der feine Frau gleich nach der 
Hochzeit verläßt und ein Leben voll Entbehrung f&hrt und unerkannt im 
reichen v&terlichen Haufe unter der Treppe ftirbt. 

Gedr. in Mafsmanns Alexius. QuedUnb. 1843. S. 86—104. Haupts Ztfohr. 8, 584-575. 
1884 Verfe. MA. 199 f. • 

Silvefter. Für Luitolt von Rötenlein (in Urkunden von 1256—1290) 
brachte der ntumbe Kuonrat von Wirzeburc<*, alfo noch jung, nach lateinifcher 
Vorlage die Legende in Verfe. Conftantin wird zum Chriftentume bekehrt 
und läßt daffelbe gegen die Anfechtungen der Juden verteidigen. Durch Tiefe 
und Gefchloßenheit ift diefe Legende eine der wertvollften des ganzen Mit- 
telalters. 

Konrads v. Wttrzburg Silvefter. Hrsg. v. W. Grimm. Göttingen 1841. 8. 5280 Verfe. 
MA.200ff. — FAr einen Johannes Argnel (1286—1292 in Bafel) wurde die Legende von Pan« 
taleon in deutfehe Verfe gebracht, die M. Haupt Konrad rafchreibt (Ztfchr. 6, 198—258. 
MA. 206 fr.) 

Die goldene Schmiede. In einem zum Preife der heiligen Jungfrau 
verfaßten Gedichte brachte Konrad alles zufammen, was an Bildern undGleich- 
niffen &ber die heilige Jungfrau im Volke oder der Literatur vorhanden war; 
eine Sammelarbeit, die in willkürlicher Folg^ ohne ftörende Uebergänge lobt 
und ihr Verdienft in der fließenden Sprache hat. 

K. V. W. goldne Sehmiede. Hrsg. v. W. Grimm. Berl. 1840. 8. 2000 Verfe. MA. 158. 

Der Schwanenritte r. Die Sage von Lohengrin (§. 70,3) in einfacher 
Erz&hlung; älter als jener. 

Hrsg. V. W. Grimm in den altd. Wäldern 8 (1815), 49—96. 

Engelhart und Engeltrut. Aus lateinifcher Quelle. Die Sage von 
Amicus und Amelius, mit Anklängen an die deutfche Heldenfage. Nach Got- 
frieds Mufter. 

Bine . fch&ne Hiftoria von Engelhart an^ Burgunt, Hertsog Dietherichen von Brabant, 
feinem Gefeilen, vnnd Engeldrut, deß K&nigs Tochter an^ Dennemarck. . . Franckf. a. M. 
1578. 8. In Ermangelung einer Hs. nach diefem Drucke hrsg. v. M. Haupt : Engelhard eine 
ErsUüung von K. v. W. Leips. 1844. 8. MA. aiS6. 6504 Verfe. 

Kaifer Otte. Auf Bitten des von Tiersbeck zu Straßburg, nach latei- 
nifcher Quelle. Heinrich von Kempten, der fich, einen Edelknaben fchützend, 
am Kaifer vergriffen hat und deshalb aus deffen Angefleht verwiefen ift, rettet, 
nackt aus dem Bade fpringend, dem Kaifer in einer Schlacht das Leben, wor- 
auf er wieder zu Gnaden kommt. 

Otte mit dem harte von C^onr. v. Würzebnrc hrsg. v. K. A. Hahn. Quedl. 1888. 8. 
Gedr. auch in Hagens Gefamtabent. N. 4. MA. 840. 764 Verfe. 

Das Herze. Der liebende Bitter, der im heiligen Lande ftirbt, fendet 
der Frau fein Herz, das deren Mann auffängt und ihr als Speife vorfetzt. Als 
&e den Zufammenhang erf&hrt, enthält fie fleh jeder andern Speife und fticbt. 
Multer ift Gotfried, der Dichter nennt fleh nicht« 

Die M&hre von der Minne oder die Heninlk:bxQ vou ^BL n. "^^ \«%*. 'H.'^xi».'Ä«!öi.. '^^eA. 
1846. 8. Auch in Hagens GA. Nr. 11. 642 VqtCq. 



62 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Der Welt Lohn. Wirnt von Gravenherc (§. 42.) wird von einer fch6- 
nen Frau, deren Dienftmann er immer gewefen fei, Aherrafcht. Sie nennt lieh 
die Welt. Als üe fich umwendet, zeigt fie ihm die mit Kr6ten, Schlangen und 
Gefchwiiren verunftaltete Kehrfeite. Wirnt, der Welt Nichtigkeit erkennend, 
rieht auf einen Kreuzzug. 'Nach fteter Buße ftirht er felig. 

Der werlte. Idn von Kuonrät von Wirzeburc hrsg. v. Frz. Roth. Frankf. 1843. 8. 
Hagens GA. N. 70. Frau Welt erfcheint fchon am Portale des Wonn^er Domes. Vgl. Pan- 
zer, Beitr. zur deutfchen Mythol. München 1848. 1, 207. Aehnliche Gedichte vom Guotere 
fflMS. 3, 41) and in einer Wolfenbüttler Hs. des xv. Jh. Aug.' 16. 17. 4. Vgl. G6deke, 
Gengenb. 629. 

Das Turn ei von Nanteis, deffen Dichter fich nicht nennt und eher 
der Verfaßer Reinfrieds als Konrad ift , wird Konrad feit Maßmanns Vorgang 
I zugefchriehen. Es befteht aus der Schilderung von Wappenkleidern. 
Gedr. in Mafsmanns DenkmsBlem n. f. w. 1828. 8. S. 138 ff. 1166 Verfe. 
Klage der Kunft. Eine Allegorie. Die Kunft klagt über die falfche 
Freigebigkeit gegen fchlechte Dichter, w&hrend die guten darben müßen. 

Gedrackt in Hagens Mnfeum 1, 62. HMS. 3, 1, 334—37. Ein ähnliches aUeg. Ged. von 
ihm fchildert wie Mars und Frau Wendelmut durch Baub und Brand den Gott Amur und 
mit ihm die Minne vertrieben, die einTt BiwaUn und BlanTcheflur gebunden hielt. HMS. 2, ^9. 

Einige Fabeln unter den ftrophifehen Gedichten Konrads find kurz im 
Stoff und verhältnismäßig breit in der Anwendung, die ganz zeitgem&ß , poli- 
tifch-gefchichtlich gehalten ift. 

HMS. 2, 331. 332. MA. 648. 

Der trojanifche Krieg. Das umfangreichfte Werk der mhd. Dich- 
tung, etwa 60,000 Verfe enthaltend. Quelle ift eine welfche Bearbeitung des 
Dares, die ohne Zweifel fchon alles ritterlich darfteilte wie Konrad. „Das un- 
geheure Gedicht beginnt vor Paris Geburt mit Hecubas Traum und Achilles 
Erziehung. Dann die Argonautenfahrt, Kaub der Hefione und zur Kache He- 
lenas Entf&hrung und der lange Krieg, wo alle chriftlichen Konige und Heere, 
auch die Tapferften Aller, die Deutfchen, auf Seiten der Griecben, die Heiden 
und Mohamedaner fiir Troja ftreiten. Der Kampf und das Ende zum Teil auch 
nach Dictys. Konrad vergleicht die M&re mit dem unendlichen Meere, in 
welches zahlreiche Waßer fich ergießen, worin wol ein Felfen verfänke und 
er felbft kaum Grund findet.« HMä. 4, 727. 

Bisher nur der Anfang gedruckt in Myllers Samlung. Bd. 8 (25245 Verfe). Der Tod des 
Hercules, hrsg. v. Frommann im Anz. 6, 287— 304. Von Frommann war eine Ausgabe des Gan- 
zen verheizen. 

§. 72. 

Schon um die Mitte des 13. Jh. treten kleine Erz&hlnngen auf, die fich 
keinem grl5ßeren Sagenkreiße anfchließen und teils dem wirklichen Leben der 
Zeitgenoßen entnommen, teils aus franz6fifchen Quellen, teils aus Legenden ge- 
fchöpft find. Die franzdfifchen verraten ihren Urfprung in der Ueppigkeit und 
' Zuchtlofigkeit der Stoffe und in einer ränkevollen Liftigkeit, deren deutfche 
Erfindungskraft; nicht f&hig fcheint. Manche diefer Novellen und Schwanke 
find an den Namen Konrads von Würzburg geknüpft, etwa wie das Helden- 
buch (§. 86) und der Titurel (§. 70) 'an Wolframs Namen. Die meiften ftam- 
men wol aus der nachahmenden Zeil^ vom Anfange des 14. Jh. Gegen Ende 
des 15. Jh. treten fie vergr6bert wieder auf (§. 95) und im 16. dienen fie, 
profaifch aufgelofb, zur Kurzweil, kehren im 18. Jh. Aber Frankreich noch ein- 
mal wieder (vgl. Koft). Hier nur einige. 

OA = Hagen, Gefamtabenteuer. Hundert altdeutfche Erzihlnngen. Stuttg. 1850. HI. 8. 
(Schon 1838 ausgew&hlt und gedruckt Vgl. HMS. 4, 727.) . 

1. Frauenzucht. Eine Widerfpenfdge wird von ihrem Manne gez&hmt, 

der dann auch die widerfpenftige Schwiegermutter durch Änsfchneidung der 

Zombraten bändigt. GA. n. 3. Als Dichter nennt fich Sibot. — Die alte 

Mutter und Kaifer Friedrich. Ein verfchwenderifcher Ritter wird von 

leiner kargen Mutter klagend vor Friedrich gef&hrt, fchiebt aber einen andern 



Buch 3. §. 7t. 72. . 63 

an feine Stelle. GA. n. 5. — Bittertreue. Ein Bitter, der die Leiche eines 
andern beftatten läßt, erringt im Turnier eine fchöne Frau. Er hat gelobt, 
die Hälfte des Tumierpreifes mit einem Andern zu teilen, der fich als der 
Geift des beftatteten Bitters zu erkennen gibt. GA. n. 6. — DieKdnigin 
von Frankreich und der ungetrene Marfchall. Letzterer verl&umdete die 
unfchuldige Konigin [Sibilla, die von Karl dem Großen verftoßne Tochter des 
Longobardenkonigs Defiderius], die aber errettet und dem K6nige wieder zu 
Teil wird. Der Marfchall muß einen Kampf mit dem Hunde eines von ihm 
Erfchlagenen beftehn. GA. 8. — Die Heidin. Ein Bitter zieht nach einer 
fchönen Heidenk6nigin aus, bekennt der Frau feine Liebe, wird aber ver- 
fchm&ht. Nach vielen Heldenthaten wird er endlich erh6rt. Das Gedicht ift 
auch in weitl&uftigerer Faßung als Wittich vom Jordan vorhanden. GA. 
n. 18. Als y erfaßer Wittichs nennt Ptiterich (§. 96) einen Rfldiger von Hindi- 
hofen (HMS. 4, 884), richtiffer: Hünchhaoer , der in Urkunden 1290-93 er- . 
fcheint (Herrig, Archiv 7, 340) und von dem eine andere Erz&hlung »der 
Schl&gel<< (GA. 49) aufbehalten ift: Ein Vater, der all fein Gut den Kin- 
dem gegeben und von ihnen fchlecht behandelt wird, t&ufcht fie liftig, als habe 
er noch einen Schatz zurückbehalten. Seine Kinder halten ihn deshalb wie- 
der in Ehren, finden aber nach feinem Tode in der vermeinten Schatzkifte 
nur einen Schl&gel mit der Beifchrift, daß man jeden Alten, der fein Gut 
lebend den Kindern austeile, mit diefem Schl&gel erfchlagen miiße. — Drei 
Wünfche, wol urfprünglich deutfch, hier nicht ganz mehr: Die Frau wiinfcht 
fich das fchönfte Kleid; der Mann, daß fie es im Magen habe; der dritte und 
letzte' Wunfeh befreit fie wieder. GA. n. 37. — Der Kozze. Ein Vater, der 
feinem l^ohne all fein Gut gegeben, muß ärmlich unter der Stiege häufen. Der 
Enkel l^ekehrt den unnatib*lichen Sohn durch die unfchuldige Bede, er wolle 
die Hälfte einer dem Großvater gegebenen Decke bewahren, um fie feinem 
Vater zu geben, wenn er alt geworden. GA. 48. — Der Wiener Meerfahrt. 
Von dem Freudenleeren, nach einer Erz&hlung des Burggrafen Herman von 
Dewin. Zechende Wiener fteigern ihre Weinlaune und reden fich fcbreiend 
und fingend in eine Fahrt nach Ackers hinein, werfen einen boshaften Mit- 
fahrer, der an dem Sturme Schuld fei, hinaus, daß er Arm und Bein bricht, 
und Äbert6nen fein Gefchrei mit ihrem Gefange. Am andern Morgen hebt fich 
Kriemhildennot als fie die Unbändigkeiten der trunknen Nacht erkennen. GA. 
n. 51. Germ. 5, 122-142. Ztfchr. 5, 243. Anz. 3, 461. Der Wiener mervart; 
y. K. Sch&del. Clausthal 1842. 8. — Der Weinfeh welg. Darftellung eines 
Tfinkers, der den Wein lobt und jedesmal beim neuen Anfatze mit den Wor- 
ten eingeführt wird: »dö huob er üf unde tranc^, womit das groteske Gedicht 
auch fchließt. Gedr. in den altd. Wäldern 3, 13. Der Weinfchwelg, übertragen 
von S. Rerlitt. Kaffel 1851. 8. — Aehnlich: Der Weinfchlund. Ztfchr. 7, 
405. — Auffchneidereien : Wachtelm&re. Gedr. in Mafsm. Denkm. S. 100. 
Germ. 8, 310. — Verkehrte Welt. Liederfaal n. 385. Diut. 1, 314. Suchen- 
wirt S. 148. — Lftgenm&rchen. Ztfchr. 2, 560. Germ. 8, 308. — Schlau- 
raffen. Altd. Bl. 1, 163. 

2. Von den auf franz6fifchen Quellen beruhenden Novellen foUen nur ges 
nannt werden: der Bufant (GA. n. 16), der Schüler zu Paris (14), 
Frauentreue (13), Frauenturnei (17), der Weltheilige (52), Arifto- 
teles und Fillis (2); angeblich von Ronrad von Wilrzbnrg: Alten Weibes 
Lift (9), die halbe bim (10). Von Dietrieh von Glexxe: der Gürtel (20). 
Vom Zwingaener (Zwickauer): der münch dör ein kind truoc (24. Ztfchr. 5, 
434). Vom Vriolsheimer: der entlaufne Hafenbraten (30). Von Her- 
mann FrefTant zu Augsburg: von den ledigen wiben (35). Von Jacob 
Appet: der Bitter unterm Zuber (41). Von Rfldiger von Monre: Irre- 
gang und Girregar (55) Von Johann von Freiberg: das B&dlein (58). 
Von Rnpreeht von Warabnrg: die beiden Kaufleute und die treue Haus- 
frau (68). Von Heinrieb von Pforzheim: dieFifchreufen (LS. 202). Die 
drei Mönche von Kolmar, von Niemand (59) und von Ungenannten: 
das h&felein/ (21. MA. 851), der Sperber (22. ZLtfcVa. -5^, aftS^^^ ^^^ 
Gänslein (23), das Schneekind (41^, äive ^fe\<iV\.^ VJA. 'LNJl^x. V ^'»^^ 
Aber und das Meerweib (ZtCchi. 5, «^ , öl^t Xt^xl^^^^^^"^^^^^' 



64 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

vergL Mone Ueberf. d. niederd. Yolkfllit. S. 90, 59), die Meierin mit der 
Geiß (GA. 40. vergl. Keller, Faftoachtfpiele n. 46). 

3. Von den legendenhaften, die rein erhalten find, behandelte Siegfried 
der Dorfer die Sage von der duldenden Frau, die auf Marias Weifung den 
harten Mann durch freudige Heiterkeit überwindet: Frauentroft (GA. 72. 
Ztfchr. 7, 109. MA. 145). 

§.73. 
Das deutfch 6 Heldengedicht trat nach kurzer Unterwerfung 
unter die höfifche Poelie gegen Ende des 1 3. Jh. wieder mehr ins Be- 
reich der Volksdichtung zurück, nicht ohne mannigfache Nachwirkungen 
der ritterlichen Umgeftaltungen. Das natürliche Wachstum der Sage war 
geftSrt, Willkürlichkeiten der erzählenden Dichter werden f8r zuläßig ge- 
halten. Der Stoff, immer freilich noch die Hauptfache, iltand nicht un- 
bedingt mehr über den Dichtem, die, teils aus Misverftändnis derUeber- 
lieferung, teils weil fie in neuen Verbindungen der alten Beftandteile den 
Sagen neuen Reiz zu leihen meinten, fich Umgeftaltungen erlaubten. 
Aus der alten Spielmannspo efie (§. 33) reichen manche F&den in die 
neuere Volksdichtung herüber. Daß auch neben den hSfifchen Geftaltungen 
des deutfchen Epos volksmlßige beftanden, ü% an lieh glaublich, wenn 
auch durch urkundliche Ueb erlief erung nicht erwiefen. Die Stoffe der 
Heldengedichte waren fchwerlich jemals der feiten äußeren Form ent- 
kleidet, fo daß ^e erft mit dem Wiederauf leben der Volksdichtung hätten 
neu geformt werden müßen. Daß ße felbft mit neuem Eifer wieder auf- 
genommen wurden, war eine natürliche Gegenwirkung gegen die verfchro- 
bene Gelehrfamkeit der namhafteren Dichter, deren verzuckerte Verfei- 
nerung und leere Formfpielerei in den etwas fleifchermäßigen Kämpfen 
und ungeregelten Verfen der Heldengedichte ihren naturgem§,ßen Gegen- 
fatz finden. Die meiften deutfchen Heldengedichte find in mehrfachen 
Redactionen vom Ende des 13. Jh. und aus rpS,terer Zeit überliefert. 
Eine überfichtliche DarJftellung des VerhältnifTes, in dem diefelben -zu 
einander ftehen, fehlt noch. Die Quellen treten erft allmählich ans Licht. 

Erft die genaueite Unterfuchung aller Handfchriften , ja diplomatifcher 
Abdruck derfelben, kann eine deutliche Einficht in dies noch ziemlich dunkle 
Gebiet gew&hren. Bloße Befchreibuhgen , Auszüge, Benutzungen zu fog. kri- 
tifchen Ausgaben u. f. w. genügen der Forfchung in keiner Weife. Erft wenn 
die Urkunden felbft vor aller Augen liegen, wird eine fruchtbare Befchäftigung 
mit dem deutfchen Heldengedicht eintreten. Manche Handfchriften find faft 
unbekannt, auch die alten Drucke noch nicht genügend unterfucht. Erft ganz 
neuerlich begfinnt eine Veröffentlichung urkundlicher Abdrücke und eine ge- 
nauere Analyfe der Handfchriften. (Vgl. §. 60. 61.) 

Haaptquellen find hier: Hagens und Primiffers Heldenbuch (= P.) Berlin 1820—25. 4. 
(Enth.: Gudrun; Biterolf; Gr. Rofengarten ; das Heldenbuch Kaspars von der Roen: Otnit. 
Wolfdietrich und Sahen. St»eU Hoßdltung. Ecken Ausfahrt. Sigenot. Dietrichs und feiner Ge- 
Mlen Kämpfe. Laurin. Gr. Rofengarten. Hildebrandslied. Meenounder. Hertog Ernft} Hörnen 
Siegfried. Dietrichs Ahnen und Flucht eu den Hennen. Die Ravennafchlacht.) — Kg. : Hel- 
denbuch. Altdentfche Heldenlieder aus dem Sagenkreife Dietrichs von Bern und der Nibe- 
lungen durch Fr. H. v. d. Hagen. Leipz. 1855. H. 8. (Enth. : Alte Vorrede des Heldenbuchs. 
Ortnit. Wolfdietrich und Sahen. Ortnit und Wolfdietrich. Hugdietrich und Wolfdietrich. 
Alpharts Tod. Die Kavennafchlacht. Sigenot. Ecke. Dietrichs und feiner Gefellen Kämpfe. 
Dietrich und Goldemar. Etzels Hofhaltung. Ermenrichs Tod.) ^ W. Grimm, deutfche Hei- 
denfage (9. 58). 

§. 74. 
1. Alpharts Tod. Ein in der vorliegenden Geffcalt augenfcheinlich aus 
dem niederdentfchen umge/chriebenes Gedicht , das zu den fch6nften und er- 



Buch 3. §. 72—74. 65 

greifendrten des Kreißes von Dietrich geh6rt. Daß es lieh nicht in die übrige 
Kette einf&gen will, beweist, bei der Mangelhaftigkeit unferer Quellen, nichts 
g^gen alte Sagenüberlieferung. Es ift nur zu zwei Dritteln erhalten. 

Im ganzen Gedichte begegnet kein Reim, der nicht auch niederdentfch fein könnte. 
FAr mitteUiochdeatrehe Reime, felbft des 14. Jh. find aber Eckart: Denmark334, fluoc: gnot 
445. 293, fluoc: wnot 286, degen: eber 393, want: clanc 241, wip: zit 90 und von: an 186 
allzufirei behandelt; niederdeutfche Gedichte waren mit dem bloßen Anklänge leichter zu- 
frieden. — Die Gedichte von Dietrichs Flucht und der Rabenfchlacht fallen frflheftens gleich- 
zeitig mit Alphart und können durch abweichende Angaben (in der Flucht wird Alphart von 
Rein]ber erfchlagen) die Sage nicht verdächtigen. Einzelne zöge ftimmen mit der Thidreks- 
faga, die mit Alphart aus gemeinfamer Quelle gefchöpft haben wird. Auf Niederdeutfchland 
deutet auch Alpharts Verlobte Amelgart, die Hildebrant aus Schweden geholt hat. — Von 46 Bll. 
der Hs. fehlen 15 mit etwa 900 Verszeilen. 

Dietrich wird von feinem Oheim Ermenrich auf Sibichs verdächtigende 
Anftiftung bekriegt. Dem heranziehenden Heere reitet der junge Alphart ent- 
gegen auf die Wart. Dort wird er von den zu Ermenrich fibergegangenen 
beiden treulofen Helden, Heime und Wittich, zwei gegen einen, beftanden und 
von Wittich getötet. Den Gefallenen zu rächen dringen die Berner, mit ftar- 
ker Hülfe gekräftigt, heran und treiben Ermenrich, der fich mit Sibich, Wit- 
tich und Heime nach Baben rettet, in die Flucht. Der treue Kampf mut des 
jungen Helden und die boshafte Tücke Wittichs find in wahrhaft dichterifcher 
Weife contrafkirt und im ganzen Bereich der deutfchen Heldendichtung fteht 
nur Siegfrieds Tod von Hagens Hand (auch wol auf niederdeutfcher Ueber- 
Heferung fugend) über diefem nihrenden Teile des Gedichtes. 

Hdfchr. des 15. Jh. 46 Bll. Fol. von denen BJ. 1 und 22—35 fehlen, von Hundshagen in 
Hanau gefunden, feitdem verloren. Nach einer frAher genommenen Abfchrift gedr. bei Hgn. 
1, 281—345. 467 Str. Auszug im MA. 492—502. 

2. 3. Dietrichs Ahnen undFlucht. ßabenfch lacht. Als 
Verfaßer des erften Gedichtes i^ennt fich von 7978 ein Heinrich der Vogeler, 
dem W. Grimm wegen h&ufiger Uebereinftimmungen in Eigent&mlichkeiten der 
Sprache auch das zweite beizulegen geneigt ift. Die Zufammengehorigkeit 
des Stoffes beider Gedichte, von denen das letztere nur eine ausgefiihrte Partie 
des erderen ü^ fcheint dafür zu fprechen. Jenes ift in Beimpaaren, diefes in 
einer fechszeiligen kurzen Strophe (ababcc) gefchrieben. Lebhafte Schlacht- 
fchilderungen führten auf die Vermutung (Hagen), daß der Dichter ein Krie- 
ger gewefen. Sprache, Beim und Darftellungsweife verraten das 14. Jh. 

Dietrichs Ahnen und Flucht. Ermrich t6tete feines Bruders Die- 
ther drei S6hne und fuchte feines Bruders Dietmar Sohn Dieterich zu fanj^en, 
' der jedoch Ermrich fchlug , den Seinen aber nicht zu lohnen vermochte , die 
um Gut nach Polen zogen. Ermrich nahm fie gefangen, nur Dietleib von 
Steier brachte die Kunde an Dietrich, der, um die Gefangenen zu 16fen, all 
fein Land und Gut gab und nach Heunenland zog. Mit Hülfe der Hennen 
wurde Ermrich vor Mailand gefchlagen und floh nach Bavenna. Dieterich 
vertrieb ihn nach Bologna, zog heim und freite Helches Schwerer Herrat. 
Da Baben durch Wittichs Verrat wieder verloren gieng und Ermrich graufam 
haufete, zog Dietrich gegen ihn aus und fchlug ihn. Dietrich klagt die Toten, 
zieht als Sieger nach Mailand und befucht fchließlich Etzelnburg. ^ — Diefem 
Gedichte fcheint eine Genealogie Dietrichs fp&ter voraufgeftellt zu fein : Diet- 
wart zeugte mit Lademers Tochter Minne den Sohn Sigeher, der mit Ballus 
Tochter Amelgart die Tochter Sigelinde und den Sohn Otnit zeugte. Sigelinde 
wurde Siegfrieds Mutter. Otnit heiratete eine Frau, die ihn überlebte und 
von Wolfdietrich zur Ehe genommen wurde. Beider Sohn war Hugdietrich, 
der mit Sigeminne von Frankreich Amelunc erzeugte. Diefer hatte drei Sohne, 
die Harlunge, die Ermrich t6tete; Ermrich hatte einen Sohn Fridrich, Diet- 
mar mit des £!6nigs Defen Tochter zwei Sohne: Diether und Dietrich von 
Bern. 

B a b e n f c hl a c h t. Dietrich klagt an Etzels Hofe um ^«^ ^ «-^eoS^. ^^vcäx 
Lande durch den alles verwüftenden Ermm^i. TSAa^W^X. ^^x^^^^^^"* '^T^ 
feiner Hülfe ruften. Hochzeit mit HerTat. H.ö\c\i^ , lL\.^^^a ^twx , HxVosaX n '»» 

Q6deke, QmndriQ. ^ 



66 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Drache raube ihre beiden Söhne, die deshalb nicht mit Dietrich sieben foUen. 
Dennoch nehmen fie Teü am Zuge. Ermrich lagert vor Ravenna, Dietrich 
vor Padna, wo Etzels S6hne nnd Dietrichs Bruder Diether, von Ylfan behütet, 
bleiben foUen. Sie verlaßen die Stadt, werden im Nebel von Ylfan getrennt, 
verirren üch nach Ravenna und finden ihren Tot von Wittichs Hand. Sohlacht. 
Dietrichs und Siegfrieds Zweikampf, in dem Siegfried unterliegt und fein 
Schwert Balmung an Dietrich gibt. Die Schlacht w&tet e^ Tage, am Abend 
des zwölften flieht Ermrich. Dietrich findet feinen Bruder und Etzels Sohne 
erfchlagen, an den Wunden erkennt er Witticbs Schwert, den er bis zum Meere 
verfolgt, wo ein Meerweib den Flüchtigen rettet. Begräbnis der Kinder. Ra- 
venna belagert. Ermrichs Ausfall und Flucht Traurige Rückkehr nach Heu- 
nenland. Helches und Etzels Klage. RAdiger verföhnt Etzel und Helche 
mit Dietrich, der eingeholt und huldvoll empfangen wird. 

Beide Gedichte ftehen in den drei überliefernden Has. immer zoAunmen und zwar in 
der Windhager, AmbraTer und Heidelberger Nr. 814. Eine andere ift bisher nicht bekannt 
geworden. Die Riedegger (allg. Monatsfchrift 1858. 468) ift wol Drackfehler für Windhager, 
dieEttmüller 1846 nicht nannte, was er nicht nur aus Hofftaianns Verzeichnis der Wiener Hss. 
(Lelpz. 1841.) Nr. 10, fondern auch aus eigner Anficht g^ekonnt h&tte, ^ er aus eben diefer 
Hs. den Ortnit fchon 1838 herausgegeben hatte. Gedruckt : Dietrichs Ahnen und Flucht in 
Hagen -PrimifTers Heldenb. Bd. 2. Nach der Heidelberger und Ambraflsr Hs. — Die Raben- 
fchlacht daf. Bd. 2 nach der Heidelberger und Ambraferj nnd in Hg. 1, 349 ff. aus der 
Windhager. 

Aus der Rabenfchlacht hat Ettmüller den Tot der S6hne Helches ausge- 
fchleden und fünf Lieder aufgeftellt, die zwar ein rundes Ganzes bilden, aber 
wie alle Verfuche diefer Art mehr ScharfQnn des Studiums als Sicherheit des 
Erfolges bieten. 

Daz m»re von vroun Heichen fünen. Aus der Bavennafchlacht ausgehoben von 
L. EttmüUer. Zürich 1846. 8. 

4. Dietrich und feine Gefellen kämpfen mit Riefen und Drachen; 
fehr weitfchichtig angelegt, meiftens von großer Dürre und Leerheit, doch hin 
und wieder nicht ohne Leben und den Humor, der allmählich im Volksepos 
hervortritt. 

Es m6gen hier volksm&ßige Elemente verarbeitet fein, die unter der Hand 
eines halb hofifchen, halb volksm&ßigen Dichters nicht ganz verwifcht find. 
Die Grundlage bildet der Kampf zwifchen 12 Helden gegen 12 Riefen. Dietrich, 
der bis dahin noch kein Abenteuer beftanden, thut das hefte. Es ift auch hier 
wie in Biter olf und dem Rofengarten der Trieb fichtbar, die Helden gruppen- 
weis gegeniiber zu ftellen, dort die rheinifchen und heunifchen, hier die Wöl- 
finge und Riefen. 

« Hdschr. Heidelb. 324 (fi. 63, 16) 1097 dreizehnzeilige Strophen. Bmchftficke in Berlin 

glpts. Ztfchr. 6, 308. Hgn. 2, 511 ff.) und Leipzig (Niederrhein. Hgn. 2, 516 ff.). Gedr. aus 
er Heidelb. Hs. bei Hgn. 2, 106—508. Vgl. MA. 584. 

Eine Bearbeitung in 408 Strophen, die vielleicht das ältere (fp&ter um 689 
Strophen erweiterte) Gedicht enthielt, lag dem Abkürzer des Dresdener Hel- 
denbuches (§. 61, 21) vor und erfchien diefem in 130 Strophen nicht zu kurz 
behandelt. Das Gedicht mul3, abgefehen von Namen, mehrfach abgewichen 
und obwol kürzer doch in fich voUftändiger gewefen fein. 

Ein Yerftich, die BemerweiTe (die 13zeilige AAb ccb de defgf reimende Strofe) in 
Reimpaare nmzufetzen, ift wol YerAich geblieben. Ein Blatt vom Anfang des 15. Jh. im 
Klolter Ebftorf bei Lüneburg. Gedruckt im CorreI]pondenzblatt des G-eCunmtvereins der 
deutfchen Gefchichtsvereine 1856, Nr. 5. S. 58 f. — Wohin das Stuttgarter BruchTtück 
(Mone, Quellen und Forfchungen S. 176 f.), das von Str. 184 gleich auf Str. 187 fiberl^ringt, 
zu ftellen ist, läßt fich aus den wenigen Zeilen nicht ficher beftimmen. 

5. Biterolf und Dietleib. Von der Herrlichkeit des Heunenk6nigs 
Etzel gelockt, verläßt Biterolf heimlich fein Beich zu Tolet und nimmt unter 
dem Namen Diete an Etzels Zeigen Teil, bis ihn fein jugendlicher Sohn Diet- 
leib, der ihn aufzufuchen auszieht und gleichfalls zu Etzel gelangt, in Etzel- 
bürg auffindet. Um eine dem Dietleib von Ounther zugef&gte Beleidigung zu 
rächen, wird ein Zug der Hennen an den Rhein unternommen. In großem 
Kampfe treten die heunifchen den rheinifchen Helden gegenüber. Friedliches 

Ende. Biterolf uad Dietleib werden von Etiel mit Stoler Mfthnt, 



Bttch d. S. T4. 67 

Der Diehtev, wol ein 0«iftIlolMr, Terfnohte ans voDisiii&Biffen Sagen ein 
hdflfches Qedialit zn fohaffftn, bei dem ihm HÜdebrants und Hadnbrants fiehick- 
fale vorgefchwebt haben mögen, vielteieht aaoh fchon die im Bofengarten 
wiederkelirende Oegenfiberftelliing vheisirelMP «md heanüiihMr Halden über- 
liefert war. Er gebierst über eine reiche Sagenkenntnis, die nur durch die 
Verwendung beeinträchtigt zu fein fcheint Wahrfcheinlich lebte er in Steier- 
mark. Die Zeit des Gedichtes, das im ganzen Ton und der Dasfteilungsweife 
von der heldenhafteren Belage abweicht, aber demfelben Yerfaßer beigelegt 
wird, fetzte man bisher gewöhnlich ans Ende des 12. Jh. 

Gedr. in Hage lu ud PrimilTtrs Hcldeabnche. 1, 89 ff. 1S610 Yerfe { aus d«r Ambrafor 
Hs., die aUein das Gedicht enthJUt. Vgl. MA. 993—809. 

6. Dietrich undWenezlan. Sin h^fifoher Dichter, wie es foheini 
aus dem 13. Jh., bennt^t^ die HeldenfagQ zu einem Oediohte, da« bi« auf 
wenige Bni«brtU«ko ¥«rlor«n gegangen* Wie im Biterolf ri^einifche und heu- 
nifohe Held«n einander gegenüber geffcellt Werden, wird hier Dietrich dem 
Po[Ienk6nige Wenezlan im Zweikampfe gegenübergeftellt und anfänglich zurück- 
getrieben. Hofifohe Bedensarten und Sitten drücken die Helden zu Rittern 
ber«jl>. 

Gedr. AUd* «1» 1, «90 ff. MiL 440 ff. 

7. Der rofengarte. Die Gefchichte diefes Zweiges der Heldenfage 
ift noch niohtvOHig erhellt, da hier dieHandTohri^ten noch nicht binlängUch be- 
kannt geworden, und die Abweichungen im Entwicklungsgange, den der Stoff 
genommen, nicht klar zu überfehen lind. Dagegen find die einzelnen Züge 
unter einander auf das forgfältigfte von W. Grimm verglichen. Die ttltefte 
Form des Gedichtes, das in den Zufammenfetzungen wie fie jetirt vorliegen, 
nicht vor der Zeit vom Schlüge des 13. Jh. abgefaßt fein kann, ift uns nicht 
eifiaiten. Alle vorhandenen Fä6ung«n fcheinen nicht jünger als aus dem 

,14. Jh. und m6gen wenig auseinanderliegfen. Die Ausweitungen des Sto£^ 
und die Gegenüberftellung der Kämpfer unterfcheidet die Bearbeitungen. 

Siegfried und Diatnoh fottte« im Kampfe lieh begegnen. £« wurdi« des- 
halb eine Zeit gewählt, in der Siegfried noch nicht vermählt, aber fchon zum 
G^emtJll KriemhSdens beAjmmt war. Am J^heine ift ein Bofengmrten de« Koniges 
Gibichy des Vaters der Kriemhilt. Gibichs Helden hüten den Garten gegen 
jeden Fremden. Gibich iffc bereit von dem Koenige, der mit einer Zahl von 
Helden, die der feinen gleich ift;, ihn überwindet, fein Reich zu Lehen zu neh^ 
men; jedem Sieger jd>er foll ^m Lohne ein Rofenkrana und ein Kufs erteilt 
w#rd^n. Die hiKiniibhen ^elden kommen. Der Kampf im Bofengarten be- 
ginnt. 12 EinzelkSmpfe werden gefchildert. Mehre rheinifche Helden werden 
getoBtet, Siegfried von Dietrich überwunden, der Lohn erteilt und Gibich muß 
fein Reich zu Lehen nehmen. — Da Dietrich einmal auf die Fahrt nach Worms 
gebracht ward, bemutzte die Dichtung die güuftige Gelegenheit, andere Helden 
heranzufsiehen. So wird der Dietleib, Sohn Biterolfs, hier gleich wieder in 
Th&tigkeit gefetzt, und vor allen Dingen wurden die vom Mönch Ilfan, jenem 
^&teren Abbild des Waltharius im chronicon novalicienfe und älterem Urbilde 
(fes Bruder Raufch (§ 88), an diefen Kreiß der fortgebildeten Sage gertickt, 
die in ihrem derb kriegerifchen Klofterhumor das ganze Gkdicht überragten. 
Il£an hat allerdings etwas von Hildebrants Charakter und wurde deshalb zu 
deffen Bruder gemacht. Als folcher erfcheint er in Alpharts Tode und dem^ 
Wolfdietrich des Heldenbuches (§. 86). 

Hdrchrlften: Straßbarger des Heldenbuchs (fi. 61, 12 übereinftimmend in den gedruck- 
ten Ausgabe« des Heldenbaches). — StrABb. (9- 61, 11) — Heidelberger Nr. 859. 16. Jh. 
89 Bll. Fol. jVgl. Adelung 1, 202 fF.) ; ans Vermifchung der beiden letzteren ift ein Ter*, 
gedruckt in Hagens und PrimiADers Heldenbuche Bd. 1. — Frankfertev H&. ^. ^'V.. V^. -^-vt- 

. von W. Grinu». &ßttlng©ii 1856. T ~ ' ' " * '"" 

N. Vm. roll In Leipzig 1855 verkauf 

' nxlii PrMdoer Bw. (ft. 61, 19. MV 



nMb heraiwg. von W. Grinu». &ßttlng©ii 1856. 8.^ — IEIVijä ^%a'Bt^«^«t ^. ^^5^.^L>'£*'^' 

Sachmann NN. Vm. foll In Leipzig 1855 verkaufe Celn.W Nt^.Kie\^tia^«iftteV«?feV^^A..,%'*^^ -- 
rJMiMi»i«r sxlfi Preidoer Bw. (ft. 61,, 19. MV 



68 Bürgerlich gelehrte Dichtung, 

Eine niederdentfche Bearbeitung des Bofengartens in einer Pommersfelder 
Hs. vom Jahre 1470 wurde von Bethmann gefunden, und der Anfang daraus 
in Haupts Ztfchr. 5, 369 bekannt gemacht 

Die Ueberarbeitang Kaapan von der Böen 1. 97. 

§. 75. 

1. .Hugjietrich. Die einfache Brautgefchichte Hugdietrichs, ohne alle 
Kämpfe, genügte nicht mehr. Es wurde deshalb in diefem Sinne eine Erwei- 
terung mit dem altem Gedichte vorgenommen. Nachdem Hugdietrich 15 Jahre 
verm&hlt ift, kündigt ihm Olfan von Babilonie Krieg an. Auch mit Ortnit wird 
Hugdietr. in Verbindung gebracht. Kaifer Ortnit fendet zu Hugdietrich und 
verlangt von delTen Lande den Zins. Dann Hugdietrichs Tod. 

Wie beim Ortnit (§. 63) wird auch hier eine Mitteilung tber die Gefchichte 
der Dichtung gemacht: Im Klofter zu Tagemunt (Dagmutt, Dageminde) lag 
manches Jahr ein Buch, das dem Bifchof von Einfteten (Eychftett) hinauf nach 
Baiern gefandt wurde, der es nach 17 Jahren derAbtiffin desKlofters zu Sant 
Waltburg (Walpurg) zu Einiteten (Einftat, zu ainem (tetten) brachte. Ihr be- 
hagte das Buch. Sie fetzte zwei Meifter vor fich, die es lernten und nahe 
und fern fangen und fagten. — Auf den von Ortnit verlangten Zins bezieht 
fich auch Wolfdietrich (unten 3.). 

Heidelb. Hs. 373. Oehringer Hs.: Hagdietrichs Brantfahrt und Hochzeit. Ans der 
Oehringer Hs. hrsg. v. F. F. Oechsl^. Oehringen und Stnttg. 1884. 8. (Gerade da, wo die 
Erweiterung beginnt, h6rt Oechsles Ausgabe auf.) Vgl. 9* 86. 

2. Konig Ortnit. Um Ortnits Sage mit der von Wolfdietrich enger 

zu verbinden muften Veränderungen damit vorgenommen werden, die, abge- 

fehen von den kleineren unwefentlicheren Abweichungen, vorzugsweife darin 

beftanden, daß Ortnit nicht fchon jetzt fterben durfte. Das Gedicht wurde 

deshalb nur bis dahin fortgef&hrt, wo der J&ger Volle die Würmer ins Land 

läßt, die alles verwuften. Nur eine Andeutung, daß Ortnit in Folge davon 

den Tot gelitten, fchließt diefe Faßung. 

Gedr. nach der Heidelb. Hs. Nr. 365 : Otnit. Hrsg. von Hone. Berlin 1821. 8- AuBer- 
dem etwas anders in der Heidelb. Hs. 878, mit der die Oehringer iUmmen folL VgL Helden- 
buch §. 86 und Roen fi. 97. 

3. Wolfdietrich, von feinen Brtidern des Erbes beraubt, verfocht mit 
Berchtung und der Seinen Hülfe, fich in denBefitz feines Eigentums zu fetzen, 
wird aber gefchlagen, wobei alle Helden bis auf Berchtung und 10 feiner 16 
Sohne fallen. Begegnung Wolfdietrichs mit der rauhen Elfe die im Jung- 
brunnen fich verwandelt und als Sigminne Wolfdietrichs Frau wird. Wolf- 
dietrich, vom Gelült erfaßt, mit Ortnit zu kämpfen, zieht aus, belteht den Kampf 
und fchließt mit Ortnit BrÄderfchaft. Ein Riefe Trafian entf&hrt ihm feine 
Frau, die. er wiedergewinnt, worauf fie Itirbt. Ortnit kämpft mit dem Riefen 
Helle und deffen Weib Runze, die ' er beide erfchl&gt. Heimkehrend entfchl&ft 
er unter einer Zauberlinde und wird von dem Drachen in die H6hle gefchleppt 
und getötet. Wolfdietrichs Abenteuer zu Falkeneis, wo er mit dem heidnifchen 
König Meßer werfen muß und diefen tötet. (Der ganze Abfchnitt offenbar von 
einem Geiftlichen verfaßt.) Nach Lamparten gekehrt befteht er fiegreich 
Drachenkämpfe und nimmt Ortnits Ring. Die Drachenkämpfe wiederholt. 
Ortnits trauernder Witwe verr&t er fich durch Ortnits Ring im Trinkbecher. 
Die Königin befucht mit ihm die Berghöhle, wo Ortnits Leiche liegt. Wieder 
Drachenkämpfe. ErmAdet entfchl&ft er. Die Königin wird entfüüurt und von 
W^>jfdietrich wiedergewonnen (faffc genaue Wiederholung der Entführung Sige- 

minDes). Den Schluß bildet die Eroberung KonttKn^o|M\« londL ^AABe^^iTm.*^ 



Buch 3. §. 74—76. 69 

der Söhne des verltorbenen Berchtong, die in der Gefangenfchaft der Brüder 
Wolfdietrichs hart gelitten hatten. Er bleibt in Garten bis er ftirbi 

Vielfache Zfige geben einen geiftlichen Bearbeiter zu erkennen, der aus 
dem Becken einen onerfchtitterlichen Chriften macht, ohne die heidnifchen 
Elemente verwifchen zu können. Die Einleitung fiber die Gefchichte der Dich- 
tung vor Hagdietrich wird dadurch beft&tigt, obwol hier Hugdietrich ausge- 
fchlojQen geblieben. Der durch Ortnit von Hugdietrich verlangte Zins ift 
unferm Gedichte in andrer Weife bekannt Als Wolfdietrich, um mit Ortnit 
zu ftreiten, Sigminne verlaßen will und diefe fragt, was Ortnit ihm gethan, • 
antwortet Wolfdietrich : 'als ich noch ein kleines E[ind war, wollte er mich 
bezwingen. Er faiidte mir 12 Grafen in meines Vaters Land, die mir ankün- 
digten, daß ich ihm das Land zinfen follte; ich ließ ihm erwidern, wenn ich 
ein Mann geworden, wolle ich ihn zu Garten um mein eigen Land beftehn.* 
Hg. 1, 209, Str. 347 f. 

Gedr. nach der Wiener Hs. ans Ambras 2947 (ohne SohlnB) in Hanpts Ztfchr. 4, 430 
und nach HagensHs. Hg. 1, 199—278. Z^ diefer Darstellung foU die Heidelb. Hs. 109 tum- 
men (Hg. 1, XXVH), was noch genauer unterAicht werden muB. Der Schlnfi hat in Hgns. Hs. 
einen ZoTats, wie es fcheint. 

§. 76. 

4. Hildebrant. Das alte heidnifche Gedicht vom Kampfe zwifchen 
Vater und Sohn gieng durch die Hände eines höfifohen Bearbeiters und wirkte 
von da ans auf den Volksgefang zurück, der bis ins 16. Jh. fortdauerte und 
das hofifche Gedicht, das im 15. Jh. abgekürzt wurde, völlig verdrängte. 

In dem alten alliterierenden Gedichte macht weder Vater noch Sohn aus 
dem Namen HehL In den fp&teren Gedichten wird der Name erft genannt, 
als der Jnn^^ vom Vater niedergeworfen üt. Die ganze Färbung entTpricht 
deijenigen der ritterlichen Erzählungen in denen fich die Helden blindlings 
anrennen und das Geheimnis ihres Namens bis aufs äußerfte verteidigen. 
Das Gedicht der Dresdner Hs. 103 (§. 61, 21, 11), dort 'der Vater mit dem 
Sohn* genannt, enthält 29 Strophen, 9 mehr als das Volkslied. Da von keinem 
andern Gedichte jener Samlung nachgewiefen, daß eine Erweiterung vorge- 
nommen, die Quellen der ^übrigen dort aufbewahrten epifchen Lieder ^überdies 
alle alt find, darf auch bei diefem eine Abkürzung nicht vorausgefetzt werden. 
Schon in der Thidreksfaga ift eine Quelle benutzt, die Alibrandur den Namen 
weigern läßt. Mit diefem Namen des Jungen (der im alliterierenden Gedichte 
Hadnbrant, im Volksliede der junge Hildebrant heißt) ftimmt eine Hs. aus der 
Mitte des xiv. Jh. die f&r ein höheres Alter des Gedichtes auch äußeres Zeugnis 
ablegt. Die epifche Formel des Jungen als Antwort auf die Frage, ob er ein 
Wöllng fei ; ^was wölfe ! wölfe laufen insholz' kommt genau {ibereinftimmend 
im älteften Wolfdietrich (§. 63, 3) zweimal (Str. 280. 635) vor und fpricht 
vielleicht f&r Gleichzeitigkeit der Abfaßung. Volkslied und Abkürzung des 
älteren Gedichtes weichen im Einzelnen bedeutend genug ab, fo daß eine 
Wechfelwirkung nicht anzunehmen ift. Die Abkürzung fchaltet einen Schein- 
kampf nach dem wirklichen ein, von dem das Volkslied nichts weiß. Dies 
läßt den alten Hildebrant einen Ring in den Becher werfen, nachdem feine 
Frau ihn fchon kennt. Davon weiß der Abkürzer nichts. Beide haben ritter- 
liche Färbung, doch die Abkürzung mehr als das Volkslied. Zwifchen der 
Quelle, aus der beide gefloßen, und zwifchen dem alliterierenden Gedichte liegen 
ficher mehre Entwicklungsftadien, da eine Kluft von vier Jahrhunderten fie 
trennt. Die Wiederentdeckung fehlender Zwifchenglieder würde iiber den Gang 
der ganzen epifchen Entwicklung mehr Licht verbreiten als die Vergleichnng 
derNibelungenhandfchriften bisher vermochte, mehr vielleicht als die Vergleichnng 
der vier oder fftnf Wolfdietriche. 

Hdfchr. Veefenmeyers vom J.1S59. (VgL Weckherlins Beiträge. Stuttg. 1811. S. 70.) 
Nur BrnchTtttcke ; abgedr. bei Hagen • PrimirTer Bd. 2.— Das abgekürzte Gedicht bei 
Kaspar (%. 97) and darnach gedruckt bei Hagen -Primiffer Bd. t. ^ 

Das Volkslied gedr. Straßb. o. J. — Nilmb. 3o\»%\. Qtu\\ai^OcÄ.,\im\\Ä^. --^^Yg^ 
Chr. Gutknecht. Um 1536.- Ntimb. Val. NewYjet. X3m \Wö.— "BaXA. «»«ov. ^^i'^^V^^^^, 
— FnuMf. Liederb. (186S) Hr. «07. - Kttnib. BndWx. 1Ö«V YöäX« «äth ^VvsäsA V'W.— ^'»^ 



70 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Endtor. 166T. — O. O. a. J. (Hoa. 17. Jh.) : wiederholt von Efohdnbvg im deat MnTeiim 1776. 
2, 392. Denkm. 437. — tJhland, Volksl. Nr. 132.— MA. 548. — Niederdeutfeh o. O. u. J. 
(Um 1560 Lflb«6k). --Niedorlftiidirchtm Antwerptr Liederfonoh Mr. 82. 

8.77. 

1. Sigenot 'Wie es Tcheint bentttzte ein h^fifcher t)lchter das ältere 
lied Ton Sigenot, um in übertreibender Darltellnng ein humoriftirches Bild zu 
liefern. Die alten Gmndzüge find beibehalten^ Aber die Einzelnheiten bis ins 
Kleinfte aUsgefCihrt. Die Einförmigkeit der Kampfe iH; mit greiser Sorgfalt 
belebt und dadurch, daß jede Bewegung gefcbÜdert wird, bis zum komifchen 
gefteigert. Die Anlage felbrt tr&gt in diefer Faßung die Farben des gutm&tig- 
rten Humors. Hildebrant, Dietrichs ZuchtmeiTter, warnt feinen Zögling vor 
dem Riefen, und als der Berner fich daran nicht kehrt ger&tii er in Todesnot, 
aus der ihn fein Meifter mit eigner Gefahr befreit und mit guten zUchtmeifter- 
liohen Vorwürfen überfchtittet 

Dem älteren Gedichte (das nicht das ältefte fein kann §. 64, 1) ift eine Vor- 
gefchichte voraufgeftellt : Dietrich und Hildebrant unterhalten fich von ihren 
Thaten, wobei fie auch des Abenteuers gedenken, als Hildebrs^nt von Ifengrin 
und deCfen boefem Weibe «um Tode bedrängt durch Dietrich, der die Riefin 
erfchlagen, befreit worden. Unter der BedingfUng, daß Dietrich nicht alsbald 
hinreiten wolle, will Hildebrant einen Riefen aus Grims Verwandtfchaft nennen. 
Der Bemer gelobt. Hildebrant nennt Sigenot und bezeichnet den Aufenthalt. 
Alsbald macht fich Dietrich, Ungeachtet feines Verfprechens und alle Warnun- 
gen in den Wind fchlagend, auf, um den Riefen zu beltehen. Ausführliche 
Abfchiedsfchilderung. Dietrich erlegt eine Hindin, die er einem mit einem 
Zwerge auf der Stange daherfchreitenden Riefen als Losfegeid für die Freiheit 
des Zwerges bietet. Der ergrimmte Riefe beginnt den Kampf, der f&r Dietrich, 
dem der Zwerg eine Zauberwurzel gibt, fieg^eichen, für den Riefen t6tlichen 
Ausgang nimmt. Der Zwerg Walduuk erz&hlt feine Gefchichte und befchenkt 
Dietrich mit einem den Hunger abwehrenden Stein. Nun folgt das ältere Ge- 
dicht (§. ,64, l.a), nur bis ins Kleinfte aus^füihrt. Dann wird eine Scene aus 
Bern eingelbhaltet. Hildebrant will ausziehn, um Dietrich zu Aiohen oder eu 
rächen. Seine Frau trauert beim Abfchied, worüber Wolfhart derbe Scherfe- 
reden mit der Herzogin weohfelt, daß alle, obwol fie traurig find, lachen mäßen. 
Daran fchließen fich, wieder mit den ausführliohften Einzelfchilderungen, die 
letzten Teiie des Gedichtes (b— d), genau denfelben Grundsügen folgend. Das 
Gedicht kündigt fich als abgefchloßen an, ohne auf Ecke hinüberzuleiten. 

Haüdfchriften: Veefenmeyers vom J. 1859. (Hg. I., XXXVm. f.) — Heidelb. Nr. 
67. 15. Jh. 102 Bll. 4. nur den Bigenot enthaltend; nicht genau bekannt gemacht. ~ 
Straßborger Hs. (§. 61, 12: nicht genan bekannt gemacht.)— BmchTtttoke in Mones Anseiger 
5, 417. (Str. 13. 14.) — Drucke: Heidelb. Heinr. Knoblochzer.. 1490. Fol. — StraGb. 
aulP Grieneck. 1505. PoL — Straßb. Ohrift. Mttller. um 1560. 8. — Nttmb. Fr. Out- 
kuecht. um 1560. 8. (Sigenot. Hrsg. v. O. Sehade. Hanorer. 1854. 8.) ^ Nümb. 
Val. Newber. 1560. 8. — Stra0b. Chr. Mttller. 1577. 8. — Leipaig 1613. 8. — Nttmb. 
M. u. F. J. Endter. 1661. 8. — BruchTtücke eines Druckes vom J. 1553 wiederholt in Haupts 
ZtOchr. 5, 245. 418. — Uebertragung ins Niederdeutfche : Bre kortwilige Hirtorien n. f. w. 
^gl. MA. 452.) Hamb. b. Joch. L6w. um 1550. 8. — Sp&tere leicht« tJeberarbeitung bei 
K. V. d. Roen. §. 97. 

%. Ecke vgl. §. 64, 2.b. 

3. L aurin. Um 1300 wurde das lUtere Gedicht (§. 64) einer Umarbei- 
tung unterworfen, die von einem h6fifch gebildeten Dichter herrührt und darin 
beftand, daß die einzelnen Teile eine den Kunftanforderungen der Zeit ent- 
fprechende neue Ordnung erhielten und durchweg bis ins EUeine ausgeführt 
wurden. Daß diefe Bearbeitung nicht Mher all um 1300 ffillt geht daraus 
hervor, daß einige Vetfe Kt>nrad8 Ton Würzburg benntst wurden. 

Laurin entführt Dietlfebs Schwefter Almute. Dietlieb zieht gen Garten 

nlid klagt Hildebrant fein Leid. Diefer zieht mit ihm auf Erkundigungen aus. 

£üi wilder Mann berichtet ihnen von Lfturin imd deCCf^u Edl^ngtxtAn «u Tirol. 



Buoh 3. §. 76-78. 71 

Die Helden kehren heim und w4hrend fie ein halbes Jahr ralten, verf&hrt 
Lanrin vielfachen Uebermut. Diefer Eingang iilt aus den Andeutungen des 
älteren Gedichtes (d) in ausgeföhrterer Bearbeitung vorangeftellt, genau wie 
beim Sigenot. Es folgen dann die beim älteren Gedieht^, genannten Aben- 
teuer (a. b. c. d.). Dann die Abenteuer im Berge. SimÜte erfcheint und 
wünfeht befreit zu n^erden. Laurins Tücken gegen die Helden, die er mit 
einem Trank einfchl&fert, bindet und in den Kerker wirft, nur DieÜeib nicht. 
Diefer verfchafiFt ihnen ihre Waffen wieder und kämpft mit den 2cwergen. 
Dietrich kommt zu Hülfe und ^überwindet Laurin. Riefen kommen gegen die 
Helden zu Hülfe, aber auch diefe werden überwunden. Laurin wird nach 
Bern geführt, wo *er als Luf^igmacher dienen muß. Dietlieb kehrt heim mit 
Similte, die er einem Bidermann zum Weibe gibt. Vgl. MA. 515 — 522. 

Diefe Bearbeitung liegt in zwei verfchiedenen Redactionen vor, 
einer älteren und einer jüngeren. A. Die ältere beginnt: Zu Berne was ge- 
fezzen. Diefe Faßung ift bisher nur handfchriftlich bekannt geworden. 

1. Pommersfelder Hs. Nr. 2798. 14. Jh. (Vgl. Pertz Archiv 9, 539. Haupts Ztfohr. 5, 
871). 2. Regensbnrger Hs. 16. Jh. (Anz. 7, 493). — 3. Münchner cgm. 811. früh er im 
BefltE des Diakonns Roth. Vgl. Hagens Mafenm 1, 172. K. Roth, BmchTtücke. S. XXVH. 

g>a8 fehlende Blatt im BeÜtz des Hm. t. d. Hagen vgl. Hg. I., LXXXI.). — 4. Wiener Ba, 
r. 3007 vom J. 1472 (§. 61, 14). — 5. Wiener Hs. Nr. 2959. (Vgl. §. 61, 15. am Schlüge 
ergänzt.) 

B. Die ausgefjihrtere Bearbeitung iCt wiederum in doppelter Form vor- 
handen. Die eine a. beginnt 'Ir herren hie befunder'; die andre b. fängt an: 
1r lieben herren hie befunder'. Sie wurde unternommen, weil man den Unter- 
fchied zwifchen ftumpf reimender Zeile mit vorletzter kurzer Silbe und der 
Zeile mit klingendem Reime nicht mehr verftand und daher beide durch Flick- 
wörter zu gleicher Silbenzahl brachte. Diefer Text hat am Schluße die Er- 
wähnung eines. Singers Heinrich von Osterdingen, aus dem dann eine große 
Fabel von Heinrich von Ofterdingen gemacht ifb 

a. Handfchrlftlioh in Straßburg (|. 61, 12), der Name darin lautet : Heinrich von Offtter 
dingen. — Gedruckt im alten Heldenbuche (§. 61, 13 : Heinrich von Osterdingen.) — Befon- 
ders: Straßb. Hipfüff. 1500. 4. — Daf. 1509. 24 BIl. 4. — \, Jr lieben herren n.f. w. Nttmb. 
Fr. Gutkneoht. O. J. (um 1560.) 62 BU. 8. ohne Erwfihnung eines Heinrich von Osterdingen; 
wiederholt: Laurin, ein altdeutfches Gedicht nach dem alten Nürnberger Drucke von Fr. 
Gutknecht, herausg. v. O. Schade. Leipz. 1854. 8. Aus dem Nürnberger Drucke, wenn auch 
einem älteren, floß die niederd. Uebertragung in den Dre kortwiligen Historien. (Vgl. MA. 
452, 22). Die angebliche Handfchr., welche Ettmüllers Luarin (1829) zum Grunde liegt, ift 
I Abfchrift. 



C. Das alte Gedicht wurde (ähnlich wie der niederländifche Reinaert), 
wol erft im 14. Jh. wieder aufgenommen und mit einem zweiten Teile 
vermehrt, der ganz chriffclich-geiftliche Färbung tr&gt und die Feindfchaft 
zwifchen Chriften un^ Heiden verf6hnend ausgleicht. 

Laurin hat die Taufe empfangen.* Der in feinen Bergen als Hüter zurück- 
gelaßne Zwerg Sindron ruft, um feinen Herrn trauernd, Laurins. Oheim W al- 
ber an von Armonia, dem der Kaukafus und das Euphratland unterthan find, 
sur Befreiung Laurins auf. Walberan landet in Venedig, fendet Schiltung als 
Ejriegsboten vorauf und kommt am neunten Morgen vor Bern an. Das ge- 
waltige Heer ift nicht zu befiegen. Laurin geht deshalb ins Lager, um Wal- 
beran mit Dietrich auszufohnen. Walberan fordert Einzelkämpfe. Schiltung, 
d^r mit Wolfhart kämpft, nimmt diefen gefangen. Kampf zwifchen Walberan 
und Dietrich. Keiner kann des andern mächtig werden. Hildebrant und Latirin 
eilen auf den Platz, jener befänftigt den Berher, diefer den Walberan. Letz- 
terer zieht ausgef6hnt mit in die Stadt. Herlicher Empfang. 

Hdfchr. in Kopenhagen. (Vgl. Nverup) ; Bruchltttcke in München (gedr. bei K. Roth, 
Dichtungen. Btadtamhof. 1845. 8. S. 112 ff.). Nach der Kopenhagener Hs. gedr. b«i Nyemp, 
Symbol, fi. 1-82. 

§. 78. 
Schon feit dem 12. Jh. ift eine Teilnahme von Fürften an der lyrifchen 
Dichtkunft Äachzuweifen, diefelbe dauert im 13. Cott "v>xA V\t^\^ xsskjSox ^sä 
KunÖfelbft finkt^ «ahlreicher um 1300, li&rl a^am «Xi«t 1«». \^*5ä wÄ, ^v?. tsävSMssv 



72 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

diefer Dichter find beachtenswerter wegen ihres Standes als wegen ihrer 
Leiftungen. 

Kaifer Heinrich (VI. f 1197) wird ftbereinftimmend in den Hss. als Dichter 
zweier Lieder geifannt, die fehr innig und feelenvoU find, womit feine Grau- 
famheiten in Neapel wenig ftimmen wollen; auch ift die Sprache fchwerlich 
die des 12. Jh. Keine Quelle des 13. Jh. gedenkt feiner als eines Dichters. 
HMS. 1. MA. 916. — K6nig Ronrad der Junge. (Konradin f 1268.) Auch 
feine beiden Lieder voll Seele. HMS. N. 2. MA. 942. — Herzog von Anhalt, 
Heinrich I. (f 1252) HMS. N.8. MA. 942. — Markgraf Heinrich vonMeiffen 
t 1288. Sechs Lieder. HMS. N. 7. — Herzog Heinrich von Breslau f 1^90. 
Zwei Lieder, von denen das eine allegorifch. HMS. N. 5. MA. 943. — Herzog 
Johan von Brabant, f 1294. Niederländifch. Von hchd. Schreiber überarbeitet. 
HMS. N. 9. MA. 943. — König Wenzel von Böhmen f 1305. Dem verzucker- 
ten Tone zufolge können feine Lieder nur ans Ende des Jh. gefetzt werden, 
und fchwerlich ift Wenzel I. der Dichter. HMS. Nr. 4. MA. 943. Für Wen- 
zel I. trat Nebesky neuerdings auf, hauptfächlich weil die Ueberfetzung ins 
Böhmifche (HMS. 4, 18) noch reimlos fei, w&hrend der Reim unter Wenzel U. 
im Böhmifchen fchon durchgedrungen. Vgl. Auffeß Anzeiger 1854. 296 ff. — 
Markgraf Otto von Brandenburg, f 1308, fieben Lieder voll Kraft und Anmut. 
HMS. N. 6. MA. 944. — Fürft Witzlav von Rügen f 1325. Siebenundzwanzig 
Lieder und Sprüche, ^urfprünglich niederdeutfch. HMS. 3, 78 N. 156. Ins 
Niederd. zurücküberfetzt von L. EttmüUer : Witzlaws des Vierten Sprüche und 
Lieder. Quedlinb. 1852. 8. 

§.79. 

1. Franenlob, eigentlich Heinrich, ftammte aus Meiffen, 1250 f 29. Nov. 
1318; fahrender Sänger, der fich in ganz Deutfchland an den Höfen der ge- 
fangliebenden Fürften umtrieb, bei Wenzel IL von Böhmen, Meinhard V. von 
Kärnten, Otto von Niederbaiem, Waldemar von Brandenburg, Gerhard von 
Hoya, Wizlav von Rügen u. f. w. In Mainz wo er ftarb, trugen Frauen ihn 
zu Grabe. Wein wurde über fein Grab gegoßen, wie wenigftens Albrecht von 
Straßburg erzählt. 

Sein Beiname Frauenlob teils von einem gproßen Leich zu Ehren der heil. 
Jungfrau, teils von den Streitgedichten, in denen er Frau dem Weibe vorzieht. 
Er dichtete lange und viel, war von feiner Kunft fehr eingenommen und ftand 
in großem Anfehn. Mit ihm beginnt ein neuer Stil,' der mit gefuchten An- 
fpielungen und gelehrtem Dunkel imponieren will, nichts einfach und gerade 
heraus fagen kann und das Einfachfte mit fchwülMgen Bildern und Blumen 
umhüllt. Nach ihm hat nur die zweite fchlefifche Dichterfchule wieder fo 
viele Topafe und Sapphire verbraucht wie er. Die Art feiner Spielereien 
macht ein Beifpiel deutlich. Maria fagt von Jefus und fich:. er hltumie von 
mir hluomen wolde ent/priezen, tmt cUas was in der zit, do fich die bltwmen 
fchouwen liezen. diu jtai hiez bltiome, da der bhbome von mir bluom,en warf fich 
in der bhumien zit, unt mit dem bluomen han ich mich geblüemet wit, (frauen- 
leich 19.) 

Heinrichs von Meiffen des Franenlobes Leiche, Sprttche und Lieder. Erläutert und 
heronsg. v. L. EttmüUer. QuedUnb. 1843. 8. HMS 2, 837. 3, 111. 855. 459. 4, 780. MA. 950. 

2. Barthel Regenbogen, ein Schmied, der fein Handwerk aufgab und vor 
Fürften und Kaifer zu fingen fich r&hmte. In Mainz traf er mit Frauenlob 
znfammen, dem gleich zu fein hochlter Ehrgeiz bei ihm gewefen zu fein fcheint. 
Nicht fo fchwülftig wie diefer, ift er dagegen viel inhaltslofer und macht 
h&ufiger als andre feine. Kunft felbft zum Gegenftande feiner Gedichte. Ein- 
zelne darunter (Todesboten HMS. 3, 1, 345) haben volksm&Qige Färbung. 

Regenbogens Lieder wurden fchon früh als fliegende Blätter. gedruckt und 
bilden die älteften Denkmale des fogenannten Meiftergefanges, des lyrifchen 
OefangsB der' Handwerker in könfblichen Weifen, die als befondere Tone be- 



Buch 3. §. 78—80. 73 

zeichnet werden. Von ihm kommen her:- der briefton, der graue, der blaue, 
der güldne ton, die lange weife u. f. w. Gleichzeitige und ältere Dichter wurden 
von den . fpäteren MeiHterf ängern als Stifter des Meiftergefanges genannt und 
als Sch6pfer künftlicher T6ne, geehrt. Wolfram wurde zum Wolf B6ne, Rein- 
mar zum Reinhard und R6mer gemacht und^ Hunderte von T6nen mit aben- 
teuerlichen Namen wurden erfanden, die feilweis, die zugweis, afpiston, frau 
Eren ton, maienweis u. f. w. 

Regenbogens erdichte bei HBiS. 3, 1, 844 ff. 

3. Job. Hadlanb, um 1300, lebte in Zürich; wanderte; kam auch nach 
Oefterreich. Er fchildert, neben fehr empfindfamen Vorgängen , derb ländliche 
Herbftfchmaufereien. In einem feiner Lieder rühmt er die Familie der M ane ß e 
in Zürich, daO fie Lieder fammle, mehr als man in einem Koenigreiche finde. 

Bodmer glaubte in der Parifer Liederhdfchr. die von Hadlaub erwähnte 
Samlung gefanden zu haben und nannte feine Ausgabe der Hs. (Zfirich 1758. 
4.) demgem&ß 'durch Buediger Manegen'. 

Job. Hadloubes Gedichte. Hrsg. t. L. Ettmüller. ZAricb 1840. 16. 

§. 80. 

1. Ufarieh von Efchenbach aus Baiem, lebte am Hofe des Erzbifchofs 
Friedrich n. von Salzburg (1270 f 1284) und Wenzels n. von B6hmen (1278 
-f* 1305), den er wie delTen Vater Ottokar mit hohen Lobfprüchen erhebt. 
Seine Dichtungen, die gewöhnlich mit dem Maße der BlMezeit gemeßen und 
deshalb nnterfchätzt werden, treten erft vom gefchichtlichen Standpunkte aus 
in das rechte Licht und gewinnen, wenn auch keinen hSheren poetifchen Wert, 
doch eine andre Bedeutung. 

Alexander, nach Walther von Caftilione, in 10 Bfichem mit einem 
fpäter hinzugefugten elften, etwa 30,000 Yerfe. Es ift ein Yerfuch die ritter- 
lichen Erz&lüungen durch Gefchichtserz&hlung zu verdrängen. Daß diefe Ge- 
fchichte noch -abenteuerlicher und fabelhafter auftritt als die ritterliche Aven- 
t&re, nimmt dem Streben feinen Wert kaum. Die Gtolehrfamkeit der Zeit ift 
zu einer weiten Auffchwellung des Stoffes verwendet worden. Allegorien 
in Fülle. 

Ungedruckt. Atusüge und Notizen : Weckberlin, Beitraege 1—32. Pfeiffer im Serapeum. 
1848. N. 82. Wackemagel, BaHer Hss. 25—30. Adelung, Nachrichten 2, 47—54. MA. 880. 

Wilhelm von Wenden. Nac^ * unbekannter Quelle, etwa 9000 Verfe. 
Ein Fürft Wilhelm von Wenden, der von Pilgern den Namen Crift gehört, ver- 
läßt feine Gemalin Bene, um Crifl; zu fuchen. Nach mancherlei Abenteuern 
kehrt er heim und empfängt mit feiner Frau die Taufe. Auch hier vermeinte 
Gefchichte. 

Ungedruokt. fis. in Hanover. Vgl. AufTeß Anseiger 1864, Sp. 82 f. MA. 880. 

2. Elifabeth, die 'Heilige, Landgr&fin von Thüringen. Ihr Leben und 
ihre Wunder bearbeitete ein ungenannter Dichter um 1300 in üeben Büchern 
(11050 Verfe), mitunter belebt und anziehend. Legende und Gefchichte mifchen 
fich, wie in den meinen der nachfolgenden Gedichte Sage mit gefchichtlichen 
Namen verknüpft ward. 

Ungedruckt. Auszug aus der Darmlt. Hs. Dint 1, 344—489. 

3. Wigamur. Ein Sp&tling der irrenden Bitterromane. Wigamur wird 
w&hrend fein Vater einem Feilte des Königs Artus beiwohnt von einem Meer- 
weibe geraubt und diefer wieder von einem Ungetüme entführt, das ihn in 
hdfifchen Künften erzieht. Erwaehfen befteht er viel gleichgültige Abenteuer, 
findet feinen Vater wieder und verm&hlt fich mit der fbh6nen Dulciflur, die ihm 
geraubt und von ihm wiedergewonnen wird. Sein Solvii \v^\^\. \i^j\ssv^R\^^x . 

Nach einer lückenhaften Hs. hrsg. v. BMcVdn« \u "a^b^^tiÄ «.wAWSvws^ ^«^^^tvVst^ ^fe^ 
mtteJaJten. Bd. 1. Nr. 4. Etwa 6000 Verfe. MA. 11^. 



7* Bürgeriich gelehrte Dichtung. 

4. Reinfried von Brannfchweig. UnvoUendeieB Gedicht von 27,000 
Verfen. Reinfried gewinnt die fch6ne Yrkane von Tenmark xur Fran und 
macht einen Zug ins Morgenland zur Wiedererofoerung des heiligen Grabes. 
Vor dem Scheiden gibt er feiner Frau die H&lfte eines Ringes mit dem Be- 
fcheide, ihn nur dann fftr tot zu halten, wenn ihr die andere Httlfte gebracht 
werde. Die Abenteuer in den Wunderlilndern des Oftens, die auf den Helden 
geh&uft werden, bilden den Hauptinhalt des letzten größeren Teiles. Der Dich- 
ter, der fich Gotfried zum Müller genommen, fcfaeint der Schweiz anzugehören. 
£r Schrieb nach 1291. 

1.1^ 4?®«™* ^ Archiv des hiftor. Vereins f. Niederfachfen. 1849. Es Uegt dem Ged. eine 
Ältere Paßung der 8age von Heinrich dem Lööwen unter. MA. 867. 

9t Apollonius von Tyrland, nach lateinifcher Quelle, von einem 
Wiener Arzte, Heinrich von der Neuenßadty um 1300 gedichtet, etwa 20,000 Verfe, 
voll abenteuerlicher Wunder des Morgenlandes. Heinrich verfaßte auch ein 
allegorifch-myrtirches Gedicht von der Wiederkehr des Herrn. (Gottes Zukunft.) 

Beide ungedmckt. Auszug in Reichardts Buch der Liebe. 1779. 363—890. MA. 867. 
und aus der Zukunft Gotes im MA. 110. 

6. Prieft er Johann. Ein fabelhafter Fürft in Hochafien, der Aber ein 
Wunderreich gebietet, fehrieb, wie mehrfach gedichtet wurde, Briefe an abend- 
liindifche Fürften, in denen die Wunder feines Landes gefchildert werden« 

▼gl. Altd. B11. 1, 308—24. Germania 8, 278. Grimm , Ged. auf Friedr. den Staufer. 
108-107. MA. 867. 

7. Friedrich von Schwaben, der fich Wieland nennt, gewinnt die 
fchone Angelburg mit Hülfe einer Jungfrau, die in einen Hirfeh verwandelt 
von ihm erl6ft wird. Er nimmt drei badenden Taaben ihre abgelegten Ge- 
wänder und die Tauben (Schwanjungfrauen) verheißen ihm f&r die Rückgabe 
des Gewandes diejenige zur Frau, die er w&hle. Er w&hlt Angelbnrg. Viel- 
fache Nachbildungen älterer Gedichte, wie Wolframs Wilhelm, Hartmanns Gre- 
gor u. f. w. Die in Deutfchland fonft nicht benutzte Wielandfage hat nur 
dürftige Züge geliefert. 

Auseug in Hagens Germania 7, 95—115. MA. 865. 

. 8. Wilhelm von Oefter reich, von Johann von Würzburg um 1314 ver- 
faßt, ift Ähnlicher Art, ältere Gedichte nachahmend und gefchichtlich fcheinende 
Namen in Sage verflüchtigend. Leopold von Oefterreich walfahrtet, weil er 
kinderlos ift, zu S. Johann nach Ephefus. Sein Gebet wird erh6rt. Die Her- 
zogin gebiert ihm den Knaben Wilhelm, der mit Aglie, der in derfelben Stunde 
geborenen Tochter des K6nigs Agrant von Zyzya verm&hlt wird. Agrant läßt 
fich taufen. 

Ungedruckt. Vgl. Mitteilungen aus der neueften Gefchiehte der k. Bitterakademie an 
Liegnits. (Programm) 1884. S. 85 f. Aretin, Beitr. 9, 1808. MA. 866. — In Profa aufgelöst 
wurde die Dichtung (Augsb. 1481 Fol.) friihe fchon gedruckt. §. 105, 4. 

9. Herzog E ruft, der fchon feit dem 12. Jh. poetifch behandelt wurde 
lieferte um das Jahr 1300 den Stoff zu einem weitläuftigen Gedichte, in dem 
die Wunder des Morgenlandes Hauptzweck der Schilderung geworden. Mehr- 
fache Anklänge an ^tere Gedichte (4511 ff. aus. Hartmanns Iwein zu Anfang). 

Gedr. in Hagens Ged. des Mittelalters. Bd. 1. 

10. Alexander und Antiloie, ein aus der Alexanderfage herausgeho- 
benes felbftftändig behandeltes Stück. Der neckifche Zwerg Antiloie lehrt 
Alexander feine ungetreuen Diener kennen, indem er jeden am Pfingftfeft bei 
der Meffe ohrfeigt. 

Bruchftttcke gedruckt in Haupts Ztfchr. 5, 424. Altd. BD. 1, 850. Vgl. GcBze, Merk- 
würdigk. der Dresdner Bibl. 8, 833. MA. 880. 

11. Heinrieh von Froher g, um 1300, am Hofe Wenzels H. von BShmen, 
von allen Sp&tlingen der maßvoUIte und geiftreichfte, der es in allen Künften 
des Stiles, in leichter gewandter Rede, anmutiger Darftellung und fchalkhafter 
Neckerei mit feinem Mufter Gotfried aufnimmt, nur nicht in der Tiefe und 

Innigkeit der Empßndung, 



Buch 3. §. T9— 81. 75 

Br fükgte Me Vbith von TÜrhölm (§. 45) den Sohlu« zu Ootfrl«d« 
Trißan, deffen Ehe mit Ifot Weißhand und rückMige Liebe zur blonden 
Ifolde, Triftans Aufenthalt bei Artus und beider Liebenden Tot er in leben- 
%fter Weife darftellt. Kaedins Liebe zu Kaffie, die Triftans Tot reranlaßt, 
bildet eine bedeutungsvolle Epifode. 

Oedr. in der Ausgabe Hagens von GotWeds Werken. {%. 41) Bd. 2. MA. 817. 

Zwei andere Dichtungen Heinrichs, ein befchreibendes Lobg^dicht auf die 
Bitterfahrt eines Johann von Michelsperg nach Frankreich (gedr. Genn, 
2, 93 flf.) und ein Gedicht vom heil. Kreuz (Wiener H». Nr. 2885), beide von 
geringem Umfange, weichen fo feHr im Stile ab und find fo dürftig, daß man 
den Triftiandichter darin nicht wiedererkennt. 

• §.81. 

Neben den fiirftlichen Gönnern der Dichtung widmeten ancli diö 

Ordensritter der Poefie eine Zeitlang Ermunterung und Pflege. Nicht 

alles, was aus diefer Richtung hervorgieng, ift erhalten und manches weift 

auf den Orden hin, was erft in fp&terer Zeit auftaucht, aber fchon firüher 

entfprungen fein muß. Vgl. §. 144. 

Der dentfche Orden wurde 1190 vom Henog Friedrich von Schwaben geftiftet und der 
heil. Jungfrau gewidmet, deren Cultus deshalb durch ihn fleh rteigerte. 

1. Buch der Riügen. Ein Deutfchordensrltter aus Suddeutfchland 
verfaßte um 1276 nach einem lateinifehen Gedichte 'fermones nulli parcentes' 
ein deutfches fatlrifch-didaktirches Gedicht , das mit lebendigen Zügen der 
Wirkliehkeit durcfaflochten ift und fich durch die ftete directe Besiehung auf 
vorhanden^ ZuftSnde von äsn allgemein gehaltenen Satiren und Lehrgedichten 
der nftchften Zeit vorteilhaft unterfcheidet. 

Hrag. V. Th. G. v. Kanaan in Haupte Ztfchr. 8, 4&— 96. MA. 807. 

2. flago ven Langenftein, auB dem fohw&biTchen Höwgau,* trat 1282 mit 
feinem Vater und drei Br&dem in den deutfchen Orden, dem fie alle ihre Gü- 
ter fchenkten, darunter die Infel Meinau im Bodenfee, auf der eine Ordens- 
oomthurei geftiftet wurde. 1293 brachte Hugo von Rom die Legende der heil. 
Martina mit und bearbeitete diefelbe teilweife. 1298 war er Ordensbruder des 
deutfchen Haufes zu Freiburg und 1319, wie es fcheint, Comthur auf der 
Meinau. 

Martina. Elf Martern der Heiligen , die, weil de dem Bilde des Apoll 
nicht opfern will, vom Kaifer Alezander zu Tode gequält wird, hat Hugo aus 
• zwanzig gewählt. Einen dürftigen Stoff weiß er durch EinfCigung vielfacher 
Gelehrfamkeit und allegorifcher Deutungen zu dem Umfange von 33,000 Yerfen 
auszudehnen. Darin verleugnet er feine Zeit nicht. Seine Art zu erz&hlen 
ift nicht ohne Wftrme und Anmut. Frühere Dichter, über deren Worte feine 
Verfe mitunter hinfließen, find feine Vorbilder gewefen, aber er ift kein Nach- 
ahmer. 

Aus dem bisher ungedruckten Gedichte (Hs. zu Bafel) hat Graff (Dint. 2, 115—166) 
!PM>ben verSffenflicht , die eine Ausgabe des ganzen Gedichtes wUnfchenswert machen. 
MA. 819 fr. 

3. Schondochf ein unbekannter Dichter, hat eine deutfche Ordensfage ge- 
dichtet, nach einer gefchriebenen Quelle. 

Der im Kampf mit den Preußen begriffene Fürft der Littauer fendet 
einen Kundfehafter nach Thom. Diefer ficht den das heilige Amt verwalten- 
den Priefter und in der Hoftie einen ftarken Riefen, den die Bitter verzehren. 
Er berichtet dem Littauer das Wunder, der nun begreift, wie es zugehe, da^ 
wenn ein Preuße niedergemacht worden, gleich ein anderer f&r ihn ^ C«.v. ILx 
geht folbft, um das Wunder zu fehen, und laßt fi^CiVv ^«.titl \«.\Ä«Vk., 

Der Littower. Durch Meüter Seppen (Laftb««. Coti»»»i> \^'i^. ^. '^^»^«^^^^^^'SL 
dMs Gedicht, dAB in detU». dtr liwOna oat, dweu IKciti\«r mu ^t^ÄikÄkWÄ.^«»»^*^^ 



76 Bürgerlich gelehrte Diohtang. 

leisten Verfe. Ihm wird auch die Ensählnng Ton der Königin von Frankreich zoge- 
fchrieben : PrimilTers Sachenwirt 8. L. Vgl. Hagen GA. N. 8, wo Icein Yerfa6er genannt Ift. 

[Die Hs. der Martina enthält noch eine kleine Natorlehre, aftronomifche 
Bemerkungen, diätetifche Regeln u. dgl., die auf einen DeutTchordensritter als 
Zufammenfteller fchließen laßen: Meinauer Natorlehre, herausgeg. von Wilh. 
Wackemagel. Stuttgart 1851. 8. 19 S.] 

4. Paffional. Von ungenanntem Dichter wurde die ganze Legenden- 
reihe von der heil. Jungfrau, den Apofteln und den Heiligen, wahrfcheinlich 
auch ein anderes Werk, Lehen der V&ter, poetifch bearbeitet. Das Ganze 
umfaßt etwa 100,000 Verfe. 

Der Dichter, der nicht nachweisbar mit dem deutfchen Orden in Verbin- 
dung fteht, durch die Art feiner Arbeit jedoch der Ordensdichtung fich n&hert 
und befonders durch die umfangreiche Berückfichtigung des Mariencultus den 
Beftrebungen des Ordens nahe fteht, zieht durch große Einfacheit und An- 
fchaulichkeit an. Er weiß warm, ohne Uebertreibung zu fchildem und ift von 
feinem Stoffe fo durchdrungen, daß er nicht feiten in lyrifcher Stimmung feine 
Empfindung ausftr6mt. * Es läßt fich jedoch nicht leugnen, daß die Arbeit durch 
die Behandlung eines fo umfangreichen Stoffes in verhältnism&ßig kleinem 
Räume etwas Handwerksm&ßiges an fich hat. Der rafch arbeitende Thomafin, 
(§. 75) hätte 6, der langfamere Heinrich von Krolewiz 60 Jahre an dem Werke 
gearbeitet. Einzelnes mag der Dichter fchon bearbeitet vorgefunden und dann 
leicht {überarbeitet aufgenommen haben. 

Das alte Parrional. Hrsg. v. K. A. Hahn. Frkf. 1845. 8. (Enth. Chrlftas und die 
Apoftel, Teil I. and H. Die ansgelaßnen Legenden von Jacobus tmg Kllden nach in 
Hagens Gkrmania 7, 251; die ebenfalls übergangenen Marienlegenden gab fVz. 
Pfeiffer Stuttg. 1846. 8. heraus.) Das Paffional. Eine Legendenfamlong des 18. Jh. 
Hrsg. V. Fr. K. Köpke. Qnedlinb. 1852. 8. (Enth. den m. TeU, die Heiligenlegenden.) Das 
BnchderV&ter ift angedruckt. Hs. in Leipz. N. 814. xiv. Jh., AusEdge daraus von Titt- 
mann in den Beitr&gen zur vaterlSnd. Altertumskunde. Leipz. 1826. 1, 1—41. — MA. 808. 

5. Luder (Lothar), Herzog von Braunfchweig , Hochmeiffcer des deutfchen 
Ordens (1331-^1334), der, nach Wigand von Marburg, deutfche Bftcher ver- 
faßte, brachte auch die Legende von der heiligen Barbara in ein deutfches 
Gedicht. 

Das Gedicht ift noch nicht aufgefunden. Nie. v. Jerofchin (Pfeiffer 30) ver- 
weift die, ^welche die Marter und das Leben der Barbara kennen lernen wollen, 
an das ^buch, das brudir Ludir von Brunswic hat gebracht zu dutfche ganz 
mit getichte.^ 

Ueber Luder als Hochmeifter vgl. han6verifche gel. Anz. 1751. St. 4. 5. 

6. Unter demfelben Hochmeifter und auf deffen Wunfeh wurde von einem 
ungenannten Dichter der Prophet Daniel verdeutfcht. Der Dichter fcheint 
in Ungarn gearbeitet zu haben. 

HdfchrfÜch. zu Königsberg. MA. 225. PfeifTer Jerofchin XXVI. 

7. Nicolaus von Jerofchin (bei Kalifch) Caplan des Hochmeifters des deut> 
fchen Ordens in Preußen, Dietrichs von Altenburg (1335 —1347), verfaßte auf 
Antrieb des Hochmeifters Luderus eine poetifche Bearbeitung der Gefchichte 
d^s deutfchen Ordens.. Das weit vorgefchrittene Werk wurde durch ein Weib 
('das arge Thier, das Jofephs Rock zerriß*) vertilgt. Erft unter Dietrich nahm 
Nicolaus es wieder auf und brachte es zu Ende. 

Nicolaus folgt genau, mitunter wörtlich der lateinifchen Chronik Peters 
von Dusberg (Frankfurt 1679. 4.) und hat deshalb allerdings vorwiegend nur 
fprachlichen Wert. Etwa 30,000 Verfe. 

Die Deutfchordenschronik des Nicolaus von Jerofchin. von Frz. Pfeiffer. Stuttg. 1854. 8. 
(Auszug einzelner Abfchnitte und . Stellen. Pfeiffer weist Nicolaus der 'mitteldeutfchen 
Sprache' zu.) IfA. 865. Vgl. die Reimchron. %. 83. 

8. lAiter Dietrich von Altenburg verfaßte 1338 ein Ungenannter eine 
poetische Paraphrafe des Buches Hiob. 

HdMurifmeb in KdaigBh&tg, MA. 885. Pfeiffer JeioCchiik XSNU. 



Bach 3. §. 80. 82. 77 

9. DiePropheten unddie Apoübelgefchichte Aberfetste und begleitete 
mit einer gereimten Vorrede der Minorit Claus Cranc, Caftos zu PreuITen anf 
Begehren des Oberften Marfchalls Sivrit von Taevelt (1347—59). 

10. Heinrich Hesler brachte die Offenbarung Johannes paraphraftifch 
in ein umfangreiches Gedicht von 23,000 Verfen , das durch viele Abfchwei- 
fnngen und Zeitbetrachtungen zu diefer St&rke angewachfen ift. 

Hdfchr. in Kdnigsbergr und Danzig. Bnichftficke gedr. bei K. Roth, ' Dichtungen des 
dentfchen Bfittelalters. Stadtamhof. 1845. 8. 1—17. Aaszdge von F. K. Köpke in Hagens 
Germania 10, 81—102, darunter S.88if. eine ansführliche Darlegung der Grnndr&tze, die 
Hesler in Bezug anf Reim und Yers befolgt. Eine Shnliche. nnr kürzere Stelle bei 
Nie. von Jerofcbin S. 10. Damach gelten nnr Reime anf gleichen vocal nndVerfe zwifchen 
6—9 (Nioplans, 6—10 Heinrich) SUben. 

11. Bruder Philipp fchrieb in der Carthaufe zu Seitz ein Marien*, 
leben, das er den Brüdern vom deutfchen Haufe fandte, die er lange auser- 
koren, weil iie Maria ehren und den chriftlichen Glauben ausbreiten. 

Der Arbeit dient eine in gereimten Hexametern Verfaßte Vita B. Marisa 
virginis et falvatoris als Grundlage, ift aber frei umfchrieben. Das Gedicht 
umfaßt Maria*s Leben von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt Die Erz&hlung 
ift einfach aber durchweg anfprechend. Von der großen Beliebtheit des Wer- 
kes zeugen die zahlreichen, zum Teil mit Einfchaltungen verfehenen Hs. (25) 
und eine Uebertragung in das Niederdeutfche. 

Bmder Philipps des Carth&nfers Marlenleben. Hrsg.v.Heinr.Rückert. Qnedlinb. 1858. 8. 
Da0 PMlipp OarthSnfer gewefen, gar zn Seitz, folgt nicht notwendig ans feiner Angabe. 
Seine Sprache ift nicht reines Hochdeutfeh und namentlich in den Reimen ungenau. Pfeiffer 
weist ihn der von ihm mitteldentfch genannten Mifch()[>rache zu, die auch Wüh. Grimm (im 
AtUs und Prophilias) örtlich genommen, darsuthun bemüht gewefen, wihrend J. Qrimm 
(Ztfchr. 8, 544) leugnet. — MA. 128 ff. 

12. Bruder Johannes, von Frankenftein in Polen, ein Johanniter zu Wien, 
dichtete im 14. Jh. eine Paffion, die er, da Chriftus der erfte Kreuztr4ger ge- 
wefen, den Kreuziger nannte. 

Ungedruckt. Vgl. Hofhnann Wiener Hss. N. 60. BfA. 111. 

13. Walther vonWidnau, gebürtig aus Bremgarten, bearbeitete nach latei- 
nifcher Vorlage (mit Einmifchung franzöfifcher Wörter) ein Marienleben in 
4 Biüchem, etwa 15,000 Yerfe. 

Walthers von Rheinau Marienleben. Hrsg. v. A. v. Keller. Tfibingen 1855. 4. (Buch I. 
Tllb. 1849. n.: 1858. HL: 1853. IV.: 1855.) — Andere Marienleben vgl. MA. 126 tt. — 
Mariengrfi^e. MA. 150. — Qebete an Maria. MA. 162. 

§.82. 

1. Seifrit Helbling, ein Sfterreichifcher Ritter, Befitzer eines Baumgartens 
zu Nu^dorf bei Wien, 1230 geboren, verfaßte 1290—1298 fünfzehen Büch- 
lein, didaktifch-fatfrirchen Charakters. 

In der Form von Gefpr&chen mit feinem Knechte verbreitet Helbling fich 
über die inneren VerhältniHe des Landes, Fürften, Adel und Bauern, Kriegs- 
wefen, Kleidung, Schmuck, Speifen, Verfall der Dichtkunft, Gerichtsverfaßung, 
Geiftlichkeit und anderes. Ohne befondem dichterifchen Wert führen die 
BAchlein Helblings lebhaft in die Sitten der Zeit ein, nehmen auch fchon die 
Allegorie zu Hülfe, fo wird z. B. eine Allegorie der Schlacht der Lafter und 
Tugenden gewidmet. 

Hrsg. von Th. G. v. Karajan in Hpts. ZtTchr. 4, 1—284. — MA. 898 tt, 

2. Heinielin von Konftanz, des Grafen Albrecht von Hohenberg und Hei- 
gerloh (f 1298) Küchenmeüter, hinterließ drei Gedichte, die wenn noch nicht 
rein allegorifch, doch fchon mit allegorifchen Elementen ftark verfehen find. 

Der Minne Lehre. Nach einer allegorifchen Einleitung geht der Dich- 
ter in eine Liebesgefchichte Aber, die leicht, zuweilen etwas redfelig flach er- 
E&hlt und mit einigen Liebesbriefen aufgefchmückt iCL 

Von dem Ritter und dem Pfaffen. Eiiix Ä\.tev\%«i^^T^^ T.NFfÄ<3sÄ\i.\i<>^««^ 
die Vorzüge des einen gegen die des andeni ^taxi^«a \ArRoidcL^<K^^^* 



78 > Btirgerifohf gelehrte Diohiimg. 

Von den zwei «Tohasafen, rieiehfaUe ein Kanpfgei^r&eh über die ge- 
genfeitigen Vorcüge, in ftropbifcher Fonn. 

Heinselein von Konfkanx von Pn. Pfeiffer. Leipa. 1869. 8. 

3. Hogo von Trimherg, aus dem WürzburgiTchen, 1260—1309, Schnlmeifter 
am CoUegiatftift der Theurftadt vor Bamberg, dichtete 'mehre Bücher, darun- 
ter 1266 den Samlor, der mit dem Benner gleichei» Inhalt hatte) aber verloren 
gegangen ift. 

Der Renner. 246S6 Verfe. .Ein Ldirredieht. ohne feilen Plan, «lehr 
eine allgemeine 6traf)predigt , aber frifob, lebhaft gefehrieben und weil kein 
Syftem wie bei Thomalin hemmte, mit unbeftingeiier Leichtigkeit gedichtet, 
dureh Fabeln und kleine Erz&hlungen mannigfach belebt Hugos Gedicht war 
neben dem Freidank das am meiften geachtete Lehrgedidbt des Mktelaltera 
und wurde nach der Beformation einer Bmeuerung fiur würdig gehalten. 

Viele Haa.; nach dev Erlanger berausgegeben : Bamberg X^8^36. 4, — Der Renner. 
Frkf. 1549. Fol. Vgl. MA. 900. 

§. 83- 

1. ladamar fon Laber, ein baierifcher Dichter, der vermutlich am Hofe 
Kaifer Ludwig des Baiem lebte. Genaueres ift nicht bekannt. In l^äterer 
Zeit galt »der Laber*« , »der L&uber<* den MeidterrSagem »U hohes Yorfoild^ 
auf delTen Niunen mehrfache Gedichte gefchoben werden. 

Die Jagd. Das ritterliohe Liebeleben wird tinler der AUererto einer 
Jagd dargeftellt. Vielfach wird die Allegorie, wenn auch nicht geft^rt, doch 
unterbrochen durch Klagen, Betrachtungen undSprttche, die eum großen Teile 
treffende Wahrheit in fehr fchdnerForm darbieten und roUkommen dÜe greife 
Achtung rechtfertigen, die dem Gedichte gezollt wurde, auch wol die Veran- 
laßung boten, daß die einzelnen Strophen in den verfemedenen Handfchriften 
willkürlich umgeftellt wurden. Unter allen Allegorien des 14. und .15. Jh. iit 
Labers Jagd die finnvolllte,' wenn auch nicht die einfachste. Die Form der- 
felben ift die Iiebenzeilige Strophe des Titurel, die mit Leichtigkeit gehandhabt 
erfcheint und in ihrer klangvoll tonenden Weife den Charakter des Gedichtes 
würdevoll hebt. 

Hadamars ron Laber Jagd- imd drei andre Minn^rediehte feiner 2elt und Welfo: D«[i 
Minners Klage. Der Minnenden Zwiffc nnd Verr&hntmg. Der Kbme Falkner. HTsig. v. J. A. 
SchmeUer. Stnttg. 1850. 8. MA. 901 ff. 

2. Die in Hadamars Stil und Strophe nachgebildeten Gedichte haben fei- 
nen treffenden Gedankenausdruck nur zum Teil gläeklich erreicht: 

a) Des Minners Klage, mit akroftichifchem Schlüge : Katherina. Vor- 
zugsweife dies Gedicht fe|3elt durch bündigen Ausdruck und wertvolle Sprüche, 
die, in edler Sprache vorgetragen, ohne Schmuck der Bede, gerade durch die 
naturliche Einfalt fich auszeichnen und neben die Winsbeken geftellt zu wer- 
den verdienen. Die Allegorie ift ganz ausgefchloi^en. 

Gedn. bei SchmeUer, Hadamars Jagd 8. 147^16SL TitnreUtrophe. 

bj Der Minnenden Zwift und VerfShnung. Streitgeipr&oh zwifcben 
ihm und ihr, nicht ganz ohne natilirliche Empfindung, die aber von fpielendem 
Gedanken und Wendungen fehr verdunkelt wird 

Gedr. bei SchmeUer 8. 163 ff. TitareUtro^h«. 

c) Der Minne Falkner. Die Geliebte wird mit einem Falken ver- 
glid^en. Die Allegorie fällt aber häufig aue fich felbft und geht in fchwülftig 
redefpielenden Preis der Geliebten über. 

Gedr. bei SchmeUer S. 171—208. 185 TitureUtrophen« 

dj Offenbare Nachahmung und zwar wertlofe ift das Gedicht von der 
Jagd der Minne, das in Beimpaaren abgefaßt die finnvollen Allegorien La- 
bers vergröbert und der bedeutungsvollen Mannigfaltigkeit entkleidet. 

Oedr. fn Lüßb. LB. Nr. 126; /bll nach LaBberga UrteUe *den ünflnn eines ganzen 
BMude» ron ItMimtw OedttM «oftrlegen*. 



Buch 3. §. 81—83. 79 

e) Der Minne Klofter. Leere halüofe AÜe^rie. Die Minne hat ein 
verfteckt liegendes Kloffcer, in dem Ritter und Fraaen lehen; fremde Ritter 
kommen sam Turnier, die Klolterritter behalten den Preis. Das alles fieht 
ein Ritter an, der durch Zufall hineingeraten iA und mit einer Frau feiner 
froheren Bekanntfchaft die Oefellfchaft muftert. 

'^Gtodr. in Lafibergs LS. 8. Nr. 124. 1890 Yerfe ; Reimpaare. 

/)Das gneiftli (Fünklein). Moralifch-allegorifche Belehrung, wie man 
fein Leben yernünftig einrichten foU, um durch Tugend glücklich zu werden. 
Bemeifterung feiner felbft. Vier Amtmänner foUen im Herzen fein: Weisheit 
Thorwart, die Stärke Vogt, die M&ßigkeit Koch, die Gerechtigkeit Ritter u. f. w. 
Qneiftli heißt das GMicht, weil es den Lefer mit dem Feuer der Liebe zur 
Tugend entzünden foll. 

Gedr. im LS. 8, 23. Nr. 178. 908 Yerfe. Reimpaare. 

g) Der Widerteil. Der Dichter, der Rofeu flehlen will, belaufcht, wie 
Frau Venus bunt verkleidet die Treue einer in die Farbe der Beftändigkeit 
gekleideten Frau prüft und probehaltig befindet 

Gedr. im LS. 3, 57. Nr. 180. 864 Yerfe. Reimp. (Wird Snchenwirt zngefchrieben.) 
h) Die alte und neue Minne. Eine verirrte Frau findet die alte 
(blaue) Minne in weltabgefchiedener Klaufe und fp&ter auch die fcheckigt ge- 
kleidete neue Miiine und ihre Gef&hrtin Wankelmut im prächtigen Palaft, zieht 
aber die alte vor^ die ihr Recht gegen die neue geltend zu machen verheißt. 

G«dr. im LS. 8, 83. Nr. 182. 441 Yerfe. Reimp. 

3. Streitgedichte. Die Vorzeige verfchiedener Gegenftände vor einan- 
der oder die Erwigung was an einem Gegenftände das Beßre fei wurde als 
Streit unter Perfonificationen dargeftellt. Uralte Sommelr- und Winterftreite 
m6gen die fr&heften yeranlaffungen gegeben haben (wie fchon die frohere 
lateinifche Poefie des Mittelalters dergleichen Streitgedichte aufweift, die bei 
den provenzalifchen Dichtem üblich wären; vergl. Wartburgkrieg §.70). Seit 
dem Ende des 13. Jh. werden die allegorifchen Streitgedichte in Deutfchland 
fehr h&ufig. Hier nur einige. 

Der Miiiner nnd der Trinker (LS. 2, 827). Frauen nnd Jungfrauen (LS. 2. S41). Minne 
und Ehre (LS. 8, 239). YenuB und Minnende (LS. 1, 283). Die Minne vor Gericht (LS. 1, 
195). Der ungaftliche Ritter (LS. 1, 517). Frau und Jüngling vor der entfcheidenden Yenus 
(H&tzlerin S. 226). Mai und AnguTt (Hätzlerin S. 248). Minner und Krieger (LS. 2, 25). 



• §. 

Die hifto^ifchen Gedichte , die mit dem Annoliede und der Kaifer- 
chronik (§. 29) fchon im 12. Jh. begannen, find im 13. fehr dürftig und wer- 
den durch die Weltchroniken (§. 46) und. die aus dem Altertum als hiftorifch 
aufgefaßten Gedichte von Alexander, Troja u. f. w. erfetzt. Die Niederdeut- 
fcheui die dem phantaftifchen Schwebein abgeneigter waren als die Oberdeut- 
fchen, zeichneten fich fchon fr&h durch hiftorifche Gedichte aus, die als wirk- 
liche Gefchichtsquellen Wert haben und auch nicht ohne poetifche Züge find 
(§. 98, I). 

Erft mit dem Schlüge des 13. Jh. beginnen die hochdeutfchen eigentlichen 
Reimchroniken, die großenteils lebhaft erz&hlt find und, wenn auch nicht völ- 
lig frei von fagenhaften Einflechtungen , doch im allgemeinen als Geichichts- 
quellen gelten müßen. Es begfinnt um diefe Zeit auch das Beftreben, die rit- 
terlichen Aventüren felbft durch Anlehnung an wirklich oder vermeintlich 
hiftorifche Namen glaubhafter zu machen. 

Liefländifche Reimchronik, um 1290 abgefaßt, unvollendet, etwa 13,000 V. 
Durch lebendige Schlachtfchilderungen und Sittenzüge anziehend (herau&^<&^. 
von Frz. Pfeiffer, Stuttg. 1844. 8.). — OefterreichvfcVv^ CVa^tsSiL -^wi. C>N5w5mä 
von Steier, gewdhnHch Ottokar von Homeek ^«n!Öa.. ^^ Qt^l^^'öSÄÄ ^^^5«srt^^sSsÄ 
Ton 1250— i309; durch lebensvolle, ins TöÄnzöVxi^ ^\übXL^<b \>%.T^riÖ5»j^ ^^^^ ^^ 



80 Büigerlioh gelehrte Dichtung. 

anziehend als hiTtorifch wichtig ; gedr. bei Pez fcript. rer. auftr. tom 3. MA. 
865). — Otto Baldeman, vom röm. Beich, 1341 (heraiusgeg. von J. M. Peter, 
Würzb. 1842. 4.). — Mecklenburgirche Beimchronik des Ernllfc von Kirchberg. 
1378 (gedr. bei Weftphal. monum. ined. 4, 594). — Appenzeller ReimchronSE 
um 1400 (hrsg. von Ildefons ab Arx. St. Gallen 1825. 8.) 

Aach kürzere hiftorifche Dichtungen nnd hiftorifche Lieder 
werden feit dem Schinne des 13. Jh. häufiger. In den letzteren befonders 
fpricht fich, als die gefamte üibrige Poefie in Verkünftelung oder Rohheit aus- 
geartet war, das tüchtigilbe Volksgef&hl unmittelbar nnd kräftig aus. Die Ge- 
fchichtfchreiber haben fall immer mit Vorliebe aus diefen Quellen gefchöpft, 
um ihre Verarbeitungen der Urkunden und Chroniken anmutig zu erfrifchen. 

Fr. L. V. Soltan, einhundert deutfohe hiltoriTche Volkslieder. Leipz. 183d. 8. ^ene 
Titelauflage 1845.) Fr. L. v. Soltaus Deutfohe hiTtoriTche Volkslieder. Zweites Hundert. Hrsg. 
von H. R. Hildebrand. Leips. 1856. 8. — Die MederdentTchen Lieder: S* 100. 

1. Spottlied auf K6nig Adolfs (abälarifirtes) Hofgefinde. 1293. (Mencken. 
2, 1756. Bange thftr. Chron. 113. Soltau S. 46.) 

2. Gedichte auf Adolph von NaHau 1298. (Haupts Ztfchr. 3, 2. Böhmer, 
fontes. Stuttg. 1845. 2, 22.) 

3. Spottgedicht auf Konig Ludwig von Baiem 1334 — 40. (Laßb. LS. 
Nr. 187.) 

4. Judenmord in Deggendorf. 1337. (Hormayr, Tafchenbuch 1832. 145. 
Soltau 51.) 

5. Von der Laupenfchlacht. 1339. (Rebman, luftig Gefprech. Bern 1620. 
8. 510. S.56.) 

6. Spottgedichte von 1380—88. (Mones Anzeiger 2, 219—230.) 

7. Halbfuters Lied auf die Sempacher Sehlacht 1386. (Gedr. bei Ettmüller, 
Bütteilungen der antiquar. Gefellfchaffc zu Zürich. 1844. Bd. 2. Vergl. Uhland 
Nr. 160.) — Ein Spruch vom Sempachftrit (Soltau 74). 

8. Treffen bei N&fels 1388. (Züricher Mitteilungen Bd. 2. Uhland. Nr. 161.) 

9. Kuttenberg. 1414. (Uhland Nr. 162.) 

10. Concü zu Konftanz. 1415. (Fichard Archiv 3, 208. Solt. 85.) 

11. Konrad Attingers Aufruf an K6nig Sigmund zum Kampf ¥rider die 
Humten. 1420. (Mones Anz. 8, 475. Hildebr. S. 9.) 

12. Spruch von der Allinger Schlacht 1422. (Hormayr Tafchenb. 1832.125. 
Soltau 88.) Y 

13. Aachenfche Händel 1429. (Mencken 1, 1210.) 

14. Spruch vom Verrat der Frankftirter an den Mainzern 1429. (Fichard 
Archiv 3, 379. Soltau 93.) 

15. Lied des Pfaffenfeindes zu Afchersleben gegen Bifchof Günther von 
Magdeburg 1431. (Pomarius, (ächf. Chron. 482 ff. Soltau 96.) 

16. Lied von der Belagerung Bambergs. 1435. (Heller, die Altenb. bei 
Bamberg. Bamb. 1828, S. 13t. Soltau 111. Der Dichter nennt fich einen 
Hoffer, der um ein Gewand bittet.) 

17. Albrecht des H. Kampf um die böhmifche Krone. 1438. (Deutfehes 
Mufeum 1777. 1, 440. Soltau 115. Allegorifcher Meiftergefang.) 

18. Wie die Rotenburger Ingeftatt (bei Ochfenfurt) erbrochen. 1439. (Hor- 
mayr, Tafchenb. 1834. 342. Soltau 118.) 

18a. Einnahme von Hettitädt 1439. (Schöttgen und Kreifig, diplom. Nach- 
lefe 5,114. Hildebr. 15. Das Lied ift im 16. Jh. ^überarbeitet und die Erwäh- 
nung der Landsknechte eingefchoben,' die 1439 noch nicht exiftierten.) 

19 — 22. Vier Lieder Aber Geldern. 1443. (Steiner, weftfU. Gefchichte 
4, 1474 ff.) 

23. Züricher Krieg. 1444. (Fichard 3, 273. Soltau 122.) 

24. Lied der Oefterreicher wider die Eidgenoßen. (Züricher Mitt. 2, 80.) 

25. Der Switter und Glarner Lied wider die von Zürich und von der 
Schlacht zu Ragatz. 1446. (Züricher Mitteil. 2, 72.) 

26. Markgraf Albrechts Fehde mit Nürnberg 1449. (Hormayr, Tafchenb. 
J833. 130. SoJtan i27.) 



Buch 3. §. 84. 85. 81 

27. Krieg der Fürften und Städte. 1450. (Hatzlerin S. 39. Soltau 153. 
Uhland Nr. 166.) 

28. Wie die Erfurter Waffenburg gewonnen. Lied. 1451. (Haupts Zeit- 
fchrift 8, 470.) 

29. K6nig Ladislaus Ermordung 1457. »Nun will ich aber heben an.<< 
27 Strophen; oft gedruckt: Ein hübfches lied von dem könig Laßla. Nümb. 
K Herg. 4 Bll. 8. Ein hüpfch Lied von K6nig La^la. o. O. u. J. 4 31. 8. 
(GÖttingeu. Poet. 6213). — Ein hupfch Lied von Kfung Lafla. Zürich, Frieß. 
4 Bi. 8. (München, gedr. bei Kömer, hift. Yolksl. S. 15 &) — Ein Hübfches 
Lied, von dem K6nig Laßla. O. o. u. j. 4 Bl. 8. — 30. Ein anderes Lied auf 
Ladislaus Ermordung: »Ach durch Got vememt die Klag.« Bei Soltau 133. 

31. Von dem thurgauifchen Kriege. 1460. (Züricher Mitteil. 2.) 

32. Gilg^nfcheins Lied auf die Fehde Friedrichs I. von der Pfalz mit 
Baden und Württemberg. 1462. (Fichard 2, 56. Soltau 138.) 

33. Lied aaf die Schlacht bei Seckenheim. 1462. (Fichard 2, 58. Soltau 143.) 

34. Eroberung Bünterlins (Pentarlier) 1475. (Körner 21.) 

35. Veit Webers Lieder vom burgundifchen Kriege. 1476. Hrsg. v. Heinr. 
Schreiber. Freiburg 1819. 8. 

36. Lied auf die Schlacht bei Granfon. 1476. (Züricher Mitteil. 2.) 

3Y. Ein hüpfch lied von vrfprung der Eydgnofchaft vnd dem erften Eyd- 
gnoHen Wilhelm Thell genannt, ouch von dem bundt wider Hertzog Karle 
von Burgund, vnd wie er erfchlagen ift worden. 4 Bl. 4. — Zürich, AuguH 
Frieß. 4 Bl. 8. (Körner S. 1.) 

38. Schlacht bei Murten 1476. (Züricher Mitteil. 2,) 

39. Schlacht bei Nanfy 1477. (Züricher Mitteil. 2.) 

40. Lied von der. gefchicht des herzöge von Burgundien 1 480. (Haupts 
Ztfchr. 8, 319.) 

4t. Spruch von burgundifchen Kriege 1477. fHaupts Ztfchr. 8, 326.) 

42. Lied über Ulrich Schwarz zu Augsburg. 1478. (Bair. Annalen 1833. 
N. 149.) 

43. Lied von den Erfurtern und dem Bifchof von Mainz 1481. (Haupts 
Ztfchr. 8, 316.) 

44. Die Görlitzer und Zittauer. 1491. (Büfching, Nachr. 1, 2& Solt. 164.) 

§.85. 

1. Ulrich Boner, aus einem Hemer ^efchlecht, Predigermönch in feiner 
Vaterfbadt, in Urkunden von 1324 — 1349; widmete fein Buch einem Johann 
von Ringgenberg, wahrfcheinlich demfelben, der 1340 ftarb; fällt alfo um 
1330 - 40. 

E de Ift ein. Eine Samlung von 100 Fabeln (bifpel, bifchaft), die erEdel- 
ftein nennt (und deshalb bedeutungsvoll mit der Fabel vom Hahnen beginnt, der 
einen Edelftein für ein Gerftenkorn geben würde), weil fie mannigfache Beleh- 
rungen enthalte und kräftig fei gleich dem Edelftein. Er folgt dem Ano- 
nymus des Nevelet, von deffen 60 Fabeln er 52 übertragen hat, und dem 
Avian, von deflen 42 Fabeln er 23 wiedergibt; die Abrigen ftammen aus 
andern Quellen. Gegen den Schluß mifchen fich unter die Fabeln Schwanke. 
Boner hat feine Fabeln fo geftellt, daO je zwei beifammen ftehen, in denen 
derfelbe Gedanke von zwei Seiten gedeutet wird, wie Untreue und Treue; 
verdienter und unverdienter Spott. Auch ift eine fortfchreitende Entwickelung 
einer moralifchen Grundanficht erkennbar, fo d&Q die Aneinanderreihung fchein- 
bar vereinzelter Fabeln zu einem einheitlich zufammenhängenden Lehrgedichte 
wird. Seine moralifchen Auslegungen pafsen deshalb nicht immer zu den 
Fabeln felbft und find durchweg fo allgemein gehalten und von Anlehnungen 
an die Zeit meiftens fo frei, daß fie eben deshalb nicht veralteten. Er erz&hlt 
fehlicht und einfach, ohne irgend an die prunkende Gelehrfamkeit feiner Zeit- 
genoßen und n&chften Vorgänger zu ftreifen. 

Boners Edelftein war das erfte gedruckte deutCcVie "Butiti-. 'BwiÄ»«t5t\i«\^\'^^^^* 
1461. 88 BU. Pol. - Jüngerer Druck derfelben BTUckoT%\\ o, O. u, ^. TV ^\i. ^«^- — ^«* 

OSdeke, arnndriß* ^ 



82 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Edeirtein getichtet von Bonerius. Hersg. v. G. F. Benecke. Berl. 1816. 8. I>er BdelTtein 
von Ulrich Boner. Hrsg. v. Frz. Pfeiffer. Leipz. 1844. 8, MA. 658—76. 

2. Ronrad von AmmenhauTen, Mönch und Leutpriefter zu Stein am Rhein 
um 1337. 

Schachzahelbuch. Eine vom Schachfpiel ausgehende Allegorie, die 
durch vielfältig eingeflochtene Gefchichten IntereHe erweckt. Grundlage ifb 
das Schachbuch des Jacobus de CelTolis. 

Viele Hss., In Wien, Heidelberg, Wolfenbüttel. Alter Dmck: Straßb. 1483. YgL W. 
Waokemagel in Kurz, Beitrsegen. Bd. %. 

3. leinrich von MügelUy Hand bei Karl lY. in Gunft, fcheint dann am 
Hofe des Erzherzogs Rudolf von (Efterreich (1358—65) gelebt zu haben und 
nennt (ich 1369 Von Mugeln gefeßen bei der Elbe im Land Meißen.^ Viel 
gelehrter Prunk. 

Der meide Kranz. Eine fch werfällig trockne Allegorie, in welcher der 
Rang der als Jungfrauen perfonificierten Wißenfchaften von Karl IV. beltimmt 
wird, fie felbft in den Palait der Frau Natur gefandt werden^ie ihre Beleh- 
rungen mitteilt. — Ungedruckt. Heidelberger Hs. Nr. 14. Wilken S.'309 ff. 
Weimarer Hs. vgl. Keller, Fafbnachtfpiele S. 1450, 36. MA. 677. 

Chronik von Ungarn. Zum Lobe des Herzogen Rudolfen vonOefter- 
reich. — » Gedr. bei M. G. Kovachich, Samlung kleiner Stücke der ungarifchen 
Gefchichte. Ofen 1805. 1, 1—96. Vgl. MA. 677. 

Ueberfetzung des ValeriHis Maximus, im J. 1369 verfaßt. Eine der 
fruheften Ueberfetzungen eines alten Profaikers und fchon fr&h gedruckt. — 
Handfchriftlich in Wien. (Hoffm. Wiener Hss. 110—116), Gedruckt: Augsb. 
1489. (Freytag, analect. literar. 1201 ff) 

Profa-Ueberfetzung der Pfalmen vom J. 1371. Handfchriftlich in Rein 
bei Graz. Vgl. Göttinger gel. Anz. 184a 1696. 

Fabeln und Lieder. Die Fabeln in kurzer Form, jede aus einer Ijrifchen 
Meifterüngerftrophe beltehend, trocken bis auf das Kürzefte zuTammengedrängt, 
mit kurzer Nutzanwendung. Die Lieder, MeiftergeHinge , weltlich und geift- 
lich, find mit der zeitgem&Oen Gelehrfamkeit verbr&mt. Bei den Meifterfingern 
war Heinrich M6gling, Mügling, der aus Mainz ftammen und ein Doctor der 
Schrift gewefen fein foll, geachtet. Seine T6ne erhielten fich tief ins 16. Jh. 

Fabeln und Minnelieder von Heinrich von Müglin. Hrsg. v. W. MlUler. CKittingen 
1847. 8. MA. 677. 620. ^ 

4. Heinrich der Teichner, ein fruchtbarer Didaktiker aus der zweiten 
^älfte des 14. Jh., von dem mehr als 700 Spruchgedichte (etwa 70,000 Verfe) 
vorhanden, aber nur teilweife gedruckt find. Er ftarb vor Suchenwirt, der 
feinen Tod beklagt. 

Für die Sittengefchichte des 14. Jh. find die Gedichte des Teichners eine 
«reiche Quelle, die wol verdiente, voUftKudig zugänglich gemacht zu werden. 
Er eifert gegen die unnützen PreuBenfahrten der Herzöge Leopold (1370) und 
Albrecht (1377), über die man die heimifchen Witwen und Waifen fchutzlos 
laße. Das Ritterwefen zeigt er, wie es fich anffcrengt, ftattlich aufzutreten, 
w&hrend innerlich alles hohl und überlebt ifb. Das üppige hoffUrtige Leben 
der Städter wird nach vielen Seiten lebendig gefchildert. 

Viele Gedichte in Lafibergs Liederraal. Ausführliche Abhandlung und Ausiflge aua 
einer vollzähligen Samlung: lieber Heinrich den Teiehner von Th. G. v. Kari^an. Wien 1855. 
4. Karajan fucht S. 9 die Entitehung eines Gedichtes 'von der btren kriec^ zwiTchen 1828 — 80 
nachzuweifen. Das Sltefte nachweisbare Datum iXt erft 1359. Das Schiftna des Herbftes 
1878 fcheint der Teichner nicht erlebt zu haben. 

5. Peter Suchenwirt, Oefterreicher , überlebte den Teichner und ftarb 
wahrfcheinlich nach 1400. Seine Gedichte weniger zahlreich als des Teichners. 

Für die Gefchichte ergiebiger als der Teichner, da er Namen nennt, was 
jener vermeidet. Durch Allegorien mitunter unverftä^dlich, im Ganzen trocken, 
in der Satire wenig frifch, in der Didaktik nicht tief. 

P. Snchenwirts Werke ans dem 14. Jh. Hrsg. v. AI. Priml8ar. Wien 1887. 8. 



Bach 3. §. 85. 86. 83 

6. Sn^enClniie, ein wandernder Dichter nm 1400, der mit ^feinen Gefeilen* 
umzog. Von feinen Gedichten ift wenig bekannt geworden. 

Zwei Lieder im Liederbnch der Clara Hätzler S. 92 Haltaas, and dreizehn 
Sprachgedichte in Fichards Frankfurter Archiv 3, 223 ff. 

7. Andere Dichter diefer Zeit und ähnlicher Richtung folgend, bisher faft 
gar nicht beachtet, find Suchendank, Schmieher, Zukunft, Sch&ber, 
Schilknecbt, die in Weimarer und Begensburger Hs. vorkommen. 

8. Evehardns Cerlne, ein unbekannter Dichter, von dem man nur wei£, 
daß er zu Minden lebte und nicht fp&ter als 1404 dichtete. 

Der Minne Regeln. Allegorifch. Der Dichter kommt zur Minnek6ni- 
gin , welche ihn die 10 Gebote der Minne lehrt. Es folgen 38 Fragen und 
Antworten ther die Minne. Der Dichter (oder fein Held) muß die Regeln der 
Minne famt einem Habicht an Konig Sjdrus Hofe ritterlich erwerben und die 
Minnek6nigin beft&tigt fie. Das Gedicht (dem* 31 profaifche Minneregeln an- 
gehängt find) iffc in gekreuzten Reimen gefchrieben und faßt 3 Bücher. Von 
demfelben Dichter gibt es 31 Lieder, die zum Teil in den Yolksmund -über- 
gegangen zu fein fcheinen und längft hätten bekannt gemacht werden follen. 

Hdfehr. vom J. 1404 in Wien. Nr 8013. Hofhn. Wiener Hsb. Kr. 80. 

§.86. 

Das Heldenbuoh. Als im 15. Jh. der Druck rafchere und allgemeinere 

Vervielfältigung gefchriebener Werke erleichterte,*'griff man in Deutfchland mit 

Vorliebe nach älteren G^edichten und benutzte dabei gerade fich darbietende 

Handfchriften. Eine folche, die mehre Teile der deutfchen Heldenfage enthielt, 

mochte fich dem Drucker des Wolframfchen Parzival und des f&r Wolframs 

Werk gehaltenen Titurel fchon deshalb empfelen, weil der darin enthaltene 

Wolfdietrich fich als ein Werk Wolframs bezeichnet. Daß die Veröffentlichung 

des Rofengartens und Laurins gleich mit im Plane lag, geht aus den erften 

Worten einer Inhaltsnotiz Aher dem erften Gedichte hervor, in der zugleich 

der feitdem beibehaltene Utel des eigentlich ohne Titel erfchienenen Druckes 

'der helden buoch^ enthalten ift. Unter diefem Heldenbuch begreift der Druc^ 

nur die unter dem gemeinfchaftlichen Titel 'Wolfdietrieb* zufammengefaßten 

Gedichte von Ortnit, Hugdietrich und dem jüngeren Wolfdietrick, und fcheidet 

davon ganz deutlich den Rofengarten und Laurin. Ein Auszug aus den nicht 

gedruckten Gedichten, .der als Anhang diente und erft fp&ter voraufgefteüt 

wurde," wird unter den *vil andern hyftorien' gemeint, die als folche am Schluß 

der Notiz genannt find. Der Druck hat den Wert einer Hs., durchaus keinen 

höheren und die Bezeichnung des Wolfdietrich als Heldenbuch follte diefem 

wol nur als Gegenfatz zu den Ritterbfichem Parzival und Titurel gelten, 

nicht zugleich ihn iüber andere Heldengedichte, die zum Teil >aus derfelben 

Druckerei hervorgiengen, emporheben. 

I>ie Hs. (der Straßbursrer %. 61, 12 ähnlich) wird in der Druckerei verbraucht Ma. 
Sechs Drucke find vorhanden, von denen fdr die Gefchichte des Epos nur der erffce Bedeu- 
tung hat, da die andern Nachdrucke find, 1 : o. O. u. J. 280 BU. Fol. (Vgl. MA. 526. — Exem- 
plare in (}öttingen, Berlin, Darmitadt.) — 2 : Augl^., Schön()[>erger. 1491. Fol. (Mit ver- 



tung hat, da die andern Nachdrucke find, 1 : o. O. u. J. 280 BU. Fol. (Vgl. MA. 526. — Exem- 
plare in (}öttingen, Berlin, Darmitadt.) — 2 : Augl^., Schön()[>erger. 1491. Fol. (Mit ver- 
kleinerten Holzfchnitten aus 1 ; Bxempl. in München.) — 8 : Hagenau, H. Gran. 1509. Fol. 



; Dresden, Berlin, Kopenhagen.) — 4: o. O. 1546. Fol. (Wolfenb., Hamburg.) - 
h: Frankf. , Weig. Hau und 8igm. Feyerabend. 1560. Fol, (Wolfenb., Dresden, Berlin. 
Hcmb.) — 6 : Frankf., Sigm. Feyerabend. 1590. 4. (Wolfenb., Dresd., Berll, Frkf., Hanover.) 
Drucke vom J. 1547 oder 1579 exiftieren nicht. 

Das Buch enthält den dreiteiligen Wolfdietrich, den großen und dann den 
kleinen Rofengarten (= Laurin). Ortnit und Hugdietrich find eng mit W^^- 
dietrich verbunden und das Ganze hat dadurch, bei «3\«ii^ ct&aÄÄT\SÄ^««v ^s«.^ 
neue Anwilchfe, eine umfaßendere epiCche GeftaW. AaeVömm^ii» 'üvfe Kt^äc^nä 



84 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

des eigentlichen Wolfdietrich mag zur Bezeichnung des Charakters diefer Arbeit 
geniigen. Der Krieg Hugdietrichs mit Alfan (§. 75, 1) und die Zinsforderung 
Otnits (75, 1. 3) find eingeflochten. Hugdietrichs Tot. Dann Wolfdietrich, 
lieber den Rofengarten vgl. §. 74, 7. lieber Laurin §. 73, 3. B a. 

Wolfdietrich ftimmt wef entlich mit dem handfchriftlichen (§. 75, 3) 
überein, nur find mehrfache Erweiterungen eingetreten. Nachdem Ortnit Runze 
erfchlagen hat, reitet er heim und läßt fich von feiner Frau einen Bing geben, 
der einem etwaigen Boten von feinem Tode zur Beglaubigung dienen füll. 
Zwerg Eiberich fchwatzt ihm denfelben ab. Dann wie dort Schlaf unter der 
Zauberlinde und Haub durch den Drachen, der ihn verfchlingt. Neu ift nun, 
daß die Zauberin des Baumes ihn wieder aus des Drachen Schlünde reißt und 
in einen Berg f&hrt; dieKaiferin wird verftoßen und muß fich von ihrer Hände 
Arbeit n&hren (wie im älteften Wolfdr. u. Sahen bereits angedeutet ift Hg. 1, 
143 Str. 540). Ortnit wird auf Gottes Befel befreit, findet Eiberich und erhält 
den Bing zurück. Froher Empfang in Qarten. Nach einem halben Jahre 
ftirbt Ortnits Mutter. Eiberich, vor den Würmern warnend, fcheidet. Ortnit 
zieht dennoch wieder gegen fie aus, entfchl&ft unter der Linde und wird vom 
Drachen Verfehlungen. Roß und Hund laufen als Todesboten nach der Burg. 
Wolfdietrich wallt, den Tod feiner Frau beklagend, zum heil. Qrabe. Begeg- 
nung mit 12 Schachern. Aufenthalt auf der Burg des Ritters Emeft. Auf der 
weitern Fahrt Abenteuer mi't dem Riefen, der W*s. Schiffer raubt und braten 
will. Auf dem Meere Qefecht mit Seeräubern. Ankunft in der Klaufe des 
deutfchen Haufes zu Ackes. Kampf gegen die Heiden, wobei fich Meifter 
Wolfram von Efchenbach (BL 121 des erften Druckes) nennt. Kampf auf 
der Heide bei Jerufalem. GefangQnfchaft beim K6nige Merczigan, Befreiung 
durch einen Heiden. Neuer Kampf. Wolfdietrich nimmt Jerufalem ein und 
betet am hell. Grabe. — Jetzt wird das alte Gedicht wieder aufgenommen: 
Abenteuer beim heidnifchen Könige Belligan (zu Falkeneis im alten Gedichte), 
den er beim Meßerwerfen toetet. ' — Dann neue Einfchaltungen, die fich auf 
die gefangenen Sohne Berchtung und diefen felbft beziehen. Wolfdietrichs 
Abenteuer in Sicilien mit dem Riefen Baldemar, durch delTen Erlegung Mar* 
filians Reich frei wird. Bewirtung auf deffen Burg. Begegnung mit der Riefin 
Runy; die fich als feine Muhme zu erkennen gibt und ihn famt Rofs undHar- 
nifch Aber das Gebirge tr&gt. Abenteuer zu TcrfiSj wo, Wernhers Tochter 
Amyge zu Ehren, ein Ringftechen gegeben wird. Wolfdietrich, Sieger darin, 
fchl&gt die zur Ehe gebotene Jungfrau aus, um Otnit Beiftand zu leiften. Er 
erf&hrt deJOTen Tod, den er an den Wtlrmem rächen will. Unbekannt kommt 
er zu Otuits Witwe, die ihm einen Ring als Pfand gibt, daß fie ihn ehelichen 
will, wenn er aus dem Drachenkampf fiegreich zurückkehrt. — Nun wieder 
wie im älteren Gedichte, doch mit mehrfachen Abweichungen in den Einzel- 
heiten. Neu eingefchoben ift die (dennoch m6glicherweife alte) Genealogie; 
Herebrant, den er mit jener Amyge aus Terfis verm&hlt, und der mit ihr Hil- 
tebrant, Ner und Ylfan fo wie eine Tochter, die Mutter der Wölfinge, erzeugt. 
Der zweite feiner Dienftmannen, Hache wird nach Breifach gefetzt, er er- 
zeugt Eckart 5 der dritte, Bechtung, wird mit Meran, der vierte, gleichfalls 
Bechtung mit Kärnten, der fünfte Bechter mit Sachfen, der fechfte AUibrant 
mit Brabant belehnt; die letzten vier fendet er nach Griechenland. Er felbft 
erzeugt eine Tochter Sidrate und einen Sohn Jung Hugdieterich, der von Here- 
hranta Sohn Hildebrant erzogen wurde. Wolfdietr. geht dann ins Kloiter 



Buch 3. §. 86. 87. 85 

Tufckal, kämpft mit den Feinden des Klofters. Die GeiHer aller je von ihm 

Erfchlagenen beunruhigen ihn. Er htißt und ftirbt. 

Wefentlich fehon fo in der Heidelb. Hs. S65 und 878 (hier mehr als dort erweitert), 
der Straßbnrger und wahrfoheinlich auch der Oehringer und Frankfurter (§. 61, 9). 

§. 87, 

1. Hans der Biiheler, lebte zu Poppeisdorf bei Bonn um 1400 und ftand 
im Dienft des Erzbifchofs von Köln. Er brachte zwei ältere volksm&ßige Qe- 
fchichten in poetifche Form, die, ohne Anfpruche zu machen, nicht übel ge- 
lungen ift. 

Königstochter von Frankreich. Die Gefchichte von Mai und 
Beaflor (§. 48) auf einen K6nig von Frankreich und von Mailand nach Eng- 
land übertragen, im übrigen ziemlich genau 'übereinftimmend. Nach der Schluß- 
angabe des Dichters im Febr. 1400 gefchrieben. Etwa 15000 Verfe. 

Gedr. : Von eines kttniges tochter von Frankreich ein hipfches lefen. StraBb. G-rtteninger. 
1500. 73 BU. kl. Fol. rep. 1508. 72 BU. Fol. 

Diocletianus Leben. Die Gefchichte der fieben weifen Meifter. Die 
Stiefmutter gegen ihren Stieffohn in verbotener Liebe entbrannt verläumdet 
ihn, der fich auf Rat der Geftirne hat ftumm ftellen müßen. Der Kaifer be- 
fielt, ihn hinzurichten. Durch Erz&hlungen der 7 Meifter (Lehrer), denen die 
Kaiferin ebenfoviel Erz&hlungen entgegenftellt, wird die VoUftreckung aufge- 
halten, bis der Sohn wieder reden darf. Eine 15. Gefchichte fchlieOt das Ge- 
dicht ab, das mit der Beftrafung der Stiefmutter endet. Ln J. 1412 gefchrie- 
ben. 9494 Verfe. 

Dyocletianns Leben von Hans von Bühel. Hrsg. v. Adelb. Keller. Qnedlinb. 1841. 8. 

Ueber die fieben weifen Meifter, die aus dem Lidifchen ftammen 
und durch altperiifche, arabifche, neuperlifche, fyrifche (hebr&ifche), neugrie- 
chifche, lateinifche und franzofifche Bearbeitungen gegangen und, vgl. li 
romans des * fept fages. hrsg. v. A. Keller. Tübingen 1836. 8. Einleitung, 
und : Effai für les fahles indiennes et für leur introduction en Europe, par A. 
Loifeleur Delongchamps, fuivi du roman des fept fages de Rome en profe, 
avec une analyfe et des extraits du Dolopathos, par Le Roux de Lincj. 
Paris 1838. 8. G. H, Bode in den Göttinger gel. Anz. 1843 Nr. 73—76 und 
1844 Nr 54. §. 107, 9. 

2. Conrad ¥intler, aus einem Tiroler Gefchlecht, Neffe des Nicolaus Yintler 
der die Burg Rungelftein* bei Botzen mit Gem&lden nach den Nibelungen, 
dem Heldenbuche und den Gedichten von Artus und Triftan ausfchmücken 
Heß. Auf dem Rungelftein lebte auch Konrad als poetifcher Einüedler und 
fammelte eine Bibliothek deutfcher Dichter, wovon Einzelnes bei den Vintlern 
in Bruneck fein foll (B. Weber, Osw. v. Wolkenft. 1850. 106). Er felbft dichtete 
ein umfangreiches Werk nach italienifcher Quelle. 

Blume der Tugend. Nach den Fiori di virtii des Tomafeo Leoni (um 
1320. Vgl Ztfchr. 10, 259). Siebenzehn Tugenden werden ebenfo vielen 
Laftern gegeniibergeftellt ; jeder Abfchnitt, dem noch ein 35., die Mäßigkeit, 
hinzukommt, zerfällt in Definition, Gleichnis und erläuternde Erzählung. Die 
letzteren namentlich machen den Wert des Buches, das 1411 abgefi^t und 
fchon frAhe gedruckt wurde. 

Flores Tirtntum oder das Buch der Tagend. Augsb. 1486. (Goeze, Merkwürdigk. der 
Dresdener Bibl. S, 236. Panser, Annalen 1, 164. Zof. 58.) Vgl. Hanpts Ztfchr. 9, 68->119. 
10, 865 ff. Handfchriften in Insbruck, Gotha nnd Stockholm. MA. 904. ^ 

3. Herman von Sachfenheim, ein fchw&bifcher Ritter, lebte in Conftanz, 
rtarb 1458 im hohen Alter. Seine Dichtungen folgen der allegorifchen Rich- 
tung der Zeit und beklagen den Verfall des ritterlichen Lebens, die Ausarti3A% 
der Minne, die dem Gelde unterliege. Ea mi^cVl ^^\v €vii lasassköT «ov^ ^'sst. 
msmcbmaJ rob ausartet und in der CatintcYieiL Oft|s^xÄ;^etl\Ä3öx«i^ ^««^ T^ve^^^Tts. 



86 Bürgerlich gelehite Dichtung. 

Stände mit ihrer vermeinten Plumpheit gegen die nach alter ritterEcher Art 
gebildeten die Würde und Zucht verliert. Füir die Qefchichte der aufftreben- 
den rtädtifchen Bildung find die IHchtungen Hermans ebeafo belehrend wie 
fdr die Ueberlebtheit des Rittertums, das hier völlig die Farben der Donqui- 
choterie tr&gt. 

Hermans Gedichte find angefanunelt und Manches wird ihm beisulegen fein, das feinen 
Namen nicht tr&gt. Die nachfolgenden Stficke (a — e) geh/^ren ihm ans innem nnd ändern 
Gründen ficher an; fie haben denfelben GeflchtskreiB, diefelben Ilterarifchen Kenntniffe, 
diefelben örtlichen Anrt>ielangen nnd diefelben I^rachlichen Eigentttmlidikeiten. Ob ihm 
die Abrigen (als frühere Arbeiten) gehören, mag dahingeftellt fein. 

a. DasfleigertÄchlin. Ein im Walde wehklagender junger Bitter 
erz&hlt dem Dichter feine Gefchichte: Die Geliebte hatte ihm einen mit ihrem 
Blute genetzten Schleier gegeben und mit guten Lehren die Fahrt ins gelobte 
Land empfolen. Die Pilgerfchaft wird lebendig und anfchaulich gefcnildert. 
Der am heil. Grabe zum Ritter gefchlagene junge Mann findet bei derHeimkelu* 
die Geliebte tot; daher feine Wehklagte, die fchließlich einer der Knechte mit 
gefundem Hausmannsverftande befchwichtigt. 

Gedruckt in Ifeifter Altfwert. Hrsg. v. W. Holland nnd A. Keller. Stuttg. 1850. S. 203. 
Die Heransgeber vermuteten vollkommen richtig Herman als VerfMter. 

b. Des fpiegels aben teuer. Frau Treu ift von der Königin Aven- 
t&re ausgefandt, um aus Schwaben den ZoU der Treue einzufammeln, bleibt 
aber ohne Einnahme und^ wehklagt laut über ihr Schickfal. Der Dichter von 
ihrem Gefchrei gelockt, tröltet fie und rühmt fich, daß mit der Treue feines 
Herzens allein taufend Elefanten und noch mancher Wagen beladen werden 
könne, daß er mit Treue ein ganzes Land {ibergolden, den Sand des wallen- 
den Meeres mit Treue z&hlen wolle. Kaum aber hat er, auf der Fahrt zu 
Frau Aventftre, in einem Zauberfpiegel ein fchdnes Weib erblickt, als er feine 
Frau und feine Treue vergeben hat und nur nach dem fch5nen Weibe ftrebt. 
In einem Zauberbuche, das Frau Aventiire ihm gibt, liest er dann wie fchlecht 
jenes Weib ift und wie feine getreue Frau daheim um ihn in Gram vergehen 
will. Gerührt geht er in fich. Die Reue überhebt ihn der gn&^ig erlaßnen 
Strafe. Ein Zwerg führt ihn auf einem Greifen heim nach Schwaben. 

Gedr. Altfv^ert S. 129 ff. 

c. Von der grasmelzen. Ein alter Graukopf erkl&rt mit den alten 
hSfifcben Redensarten von Gnadenhort, Secundill und dgl. einer Grasmagd 
feine Liebe, die einen Bauern in derJuppe lieber hat als ihn im feidnen Rock 
nnd feine verhimmelnden Zuckerworte mit groben Gemeinheiten abweist. Das 
ift der Witz diefes Jahrhunderts. 

G«dr. in Haltaus Liederbuch der Hätder. S. 879 ff. 

d. Die m5rin. Der Dichter wird auf einem Spaziergange von einem 
Alten und einem Zwerge gewaltfam entführt und von Frau Venus, deren Für- 
fprecherin eine Mohrin ift, vor K6nig Danhaufer wegen feiner Unbeft&ndigkeit 
in der Minne angeklagt. Der Mohrin ift dabei die Rolle der Plumpheit zuge- 
wiefen. Mehrfache Anfpielungen auf die Heldenfage und eingewebte Züge der 
Sittengefehichte machen die proceffualifche Allegorie intereffant. Gefchrieben 
im dritten Jahr nach dem Jubeljahr des Pabftes Nicolaus. Schilderung des 
Venusberges Bl. 26. 

Hdfchr. in Wien ^ofllmann Nr. 98. 99). Prankftirt (Anz. 1854. Nr. 8). Kopenhagen • 
(Nyemp 86). Meiningen (Haltans HStzlerln. Vorr. 98). Hrsg. von Joh. Adelphns Phificns; 
Strafib. bei Joh. Grttninger. 1518. 53 BU. Fol. — Wormbs, Seb. Wagner. 1688. Fol. 1589. FoL — 
Frankf. Weyg. Hanen Erben. 8. (nm 1560). 

e. Der goldene tempel. Allegorifches Gedicht zum Lobe der heil. 
Jungfrau, bei dem Konrads goldene Schmiede als Mufter vorleuchtete. Ge- 
fchrieben im 90. Jahre. 

üngedr. Hdfohr. in Wien, Frankfurt. Vgl. Dint. 8, 859. Hgn. Mnf. 1, 618 ff. 

f. Der fchatz. Der fpazierende Dichter wird von einem Martinsvogel 
zu einem Zw«rge geleitet und in den Yenusberg geführt, wo Frau Venus ihm 
eine van Ihr aad den Frauen Ehre, Liebe, State, Treue, ZuoYexR^ibt, TtoOi^ 



Buch 3* §. 87. 88. 87 

Wirde, Maß, Scham, Forcht imd Zucht gearbeitete zwölfzackige Krone ita 
feine Geliebte, (deren Mittler Kamensbuchftab Q ift) fchenkt; jede der Frauen 
hat einen Zacken gemacht; verläßt die Qeliebte eine der Tugenden, fo fällt die 
entfprechende Zinke ab. Der Dichter nennt fich (8. 95) Niemand, und be- 
richtet (8. 97) aus dem Elfaß. Eine Reihe von Spielen wird (S. 89 f.) ge- 
nannt, deren Sinn noch nicht aufgehellt ilt. Sprache fchw&bifch-fchweizerifch. 
Gedr. Altfwert S. 70—116. 

g. Der fpiegel. Dem Dichter träumt auf einem Jahrmarkte fchenke 
ihm ein Kaufmann einen Wahrheitsfpiegel, der, wenn Untugendhafte hrnein- 
fchauen, Flecke zeigt. Er läßt die (feliebte hineinfchauen. Der Spiegel 
bleibt rein. 

Oedr. AltrVert S. 117—128. 

h. Altfwert. Wie alte Schwerter den neu«n vorgezogen werden (lehrt 
Frau Venus) foll man auch die Männer in mittleren Jahren nicht gegen die 
jungen Thoren zurückfetzen. Der Dichter teilt das der Geliebten mit. *dife 
rede was ir wert, fie machte meifter Altfwert.' 

Der Name alfo Jedenfalls ein angenommener, der fich ans dem benutzten Gleichnis er- 
klärt. Gedr. Altfvrert 1—10. 

i. Der Kittel. Dem Dichter ift, als habe Venus ihn rufen laßen. Er 
zieht mit feinem Knechte aus nach Irland. Er hochtrabend, fein Knecht irdifch 
hungrig. Im Traume kommt ihm eine mit einem Kittel bekleidete fch6ne 
Jungfrau entgegen. Sie ffthrt ihn zu Frau Venus, der er die neue Minne des 
Elfskßes befchreiben muß. 

Gedr. AltfWert S. 11—69. 

§. 88. 

Kleine Erzählungen lieferte auch das 15. Jh. , Die ernften wurden 
teil weife von den Meifterfängem in fbrophifcher Form gedichtet und beruhen 
auf altern Sagen. Sie bilden eine fehr erfreuliche Erfcheinung und hätten 
tieferes Eingehen verdient Andere wurden in der alten Form der Reimpaare 
abgefaßt und find zum Teil wieder kürzere Bearbeitungen älterer -Gedichte. 

Karls Recht (Aretin Beitr. 9, 1185.) Karls Knecht (Bamb. 1493. 4. 
Straßb. 1498. 4. Hagens Mufeum 2, 276 ff) ~ Der Graf von Rom (Bamb. 
1493; Erf. 1495; Nürnb. b. J. Gutknecht c. 1515; Nürnb. bei Adam Dyon 1510; 
Nnrnb. Kuneg. Hergotin c. 1530; Adelungs Magazin 2, 3, 114; Bafel, Sam. 
Apiarius c. 1570; Nürnb. Val. Newber c 1570; Frkf. Liederb. N. 218; Magdeb. 
0. J.; Uhland Volksl. N. 299. Niederdeutfeh o. J. c. 1560. MA. 574). Als er- 
weiterter MeiTtergefang: Alexander in dem pflüg. Nürnb. J. Gutknecht, c. 1515. 
8B11. 8. Körner 49. MA. 569.) — Der M 6r i n g e r. Nürnb. A. Dyon c. 1510 ; Ntirnb, 
J. GuÜLuecht c 1515; Bragur 3, 403 nach einer Chronik von 1533; Odina 
und Teutona S. 200 ; Iduna und Hermode 1814. m 6 ; o. O. u. J. um 1570 ; 
Uhland N. 298; MA. 577. Es find zwei Strophen von Walther v. d. Vogel- 
weide benutzt.) — Der Tan häuf er. In mehrfachen Abfaßungen und vielenr 
Drucken. Vgl. Gr&fle, die Sage vom Ritter Tanhäufer. Dresden 1846. 8. 
MA. 580. — Trimunitas oder Driamus. In zwei Bearbeitungen. Eine von 
Mart. Mayer 1507. Vgl. MA. 564 ff. — Graf von Savoyen. (Ulm 1506; 
o.O.u.J. 8BU. 8. Efchenburg 347. Aretin 9, 1166 ff.) — Albertus B^agnurf 
(Görres Meifterlieder 195). — Von einem reichen Bauern wie er den 
Orden annahm (Adelungs Magazin 2, 1, 152. Gedruckt aus andrer Quelle, an- 
geblich lückenhaft, als Eulenfpiegel in Mones Anzeiger 8, 78 und daraus in 
Lappenbergs Ulenfpiegel 282 ff.) — Von Bruder Rauf eh. (Nürnb. Fr. 
Gutkn. c* 1560; Nürnb. Val. Newber c. 1570. HB. 730. Hrsg. v. Wolf und 
Endlicher. Vgl. Göttinger gel. Anz. 1835 Nr. 160.)- Von einem Kauf- 
mann der einem Juden ein Pfund Schmers aus feiner Seiten verfetzet. (Frkf. 
Liederb. N. 138.) — Königin von Frankreich und der Schftldr (Frkf. 
Liederb. Nr. 226). — Vgl. RofenplÄt und Folz. §. 94. 95. 

Die heitern fchließen fich mitunter an ältere Gedichte xsä^ st^V^vv ^^^^35^^^ 
in verkürzter Fonm Sie halten es nicht mehi thx lÄ^^, ^x^ «v»v"^<^ ^xs&iö^ 



88 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

liehen Stoffen das feinere Gewand zu geben, Tagen vielmehr alles ohne Bück- 
halt und Schaam frech und dreift heraus^ was die Sitte zu verfchweigen Grund 
hat. Die beliebte Form ihrer Darftellung, das Bauernleben in feiner plumpen 
Bohheit, zeigt ein fo {ibermilitiges Herabfehen des Bürgerftandes auf den Bauern- 
ftand; bei dem in diefen Bildern Alles, was gefchieht und unterlai^en wird, fo 
roh und g^ob erfcheint, alles verhöhnt und dem wiehernden Gelächter der 
vermeintlich gebildeten Städter bloß geffcellt wird, daß die Ereigniffe der 
Bauernkriege nicht befremden können, mag die Schilderung in Bezug auf die 
Gefchilderten richtig fein oder mehr nur die Stimmung der Schildernden 
ausdrücken. 

Vgl. G«f ammtabentener , Einleitung. — Liederfaal. — Liederbach der Clara Hätzlerin. 
Hrsg. y. C. Haltaas. Qaedlinb. 1840. 8. — A. y. Keller, Faftnachtr^piele ans dem xv. Jh. 
Dritter TheU. Stattg. 1853. 8. MA. 825 ff. 

Beliebt war der Stoff einer Bauernhochzeit, wo es beim w&ften Schmaufe 
zu blutigen Schl&gereien kommt: Maier Betz (Hätzl. S. 259). — Hetzen 
Hochzeit (Liederf. fi. 226). In einer großen grotesken Erz&hlung, die in 
plumper Wuftheit mit rohem Behagen fchwelgt, wurde der Stoff ausgef&hrt 
von einem fonft unbekannten (Schweizer) Dichter Heinrich Wittenweiler : Der 
Bing (hrsg. v. L. Bechftein, eingeleitet v. A. Keller. Stuttg. 1851. 8. Es wird 
darin fchon der Gebrauch des Feuergewehrs erw&hnt). Einen Bauern, der. 
mit einem M&dchen betrogen wird, freßen die Bauern bei der Hochzelt arm, 
pri^geln fich u. f. w. Das Ende mifcht in grotesker Weife Hildebrant, Dietrich, 
DieSeib, Laurin und Ecke in den Kampf. Die Schilderung der Bauernhochzeit 
bringt Lieder und w&hrend des Schmaufes fingt ein Bauer, w&hrend die andern 
feinen Teil mit verfchlingen, das Eckenlied (S. 158)- Ein Gedicht von 'der 
bauern hofart' hat auch der Bmti geliefert (Keller 1379. Der Dichter ift wol 
mit dem Johannes Doro identifch, von dem es ein Gedicht 'die fünf Namen' 
gibt. Keller 1378). 

Schwanke. Gleichen Inhalt wie die Fafknachtfpiele (§. 93) haben die 
Schwanke. Neben älteren Novellen (§. 72) wurden "auch wol neue Begeben- 
heiten bearbeitet oder erfunden. Die Anzahl derfelben muß fehr groß gewefen 
fein und die Beteiligung der Dichter ausgedehnter als die bisher bekannten 
Quellen darthun. Die meiften Dichter verbargen ihren Namen wol mit Abficht 
'und andern, die auch diefer Scham fich ent&ußert hatten, m6gen im Laufe der 
Zeit namenlofe Schwanke beigelegt fein. Wie der Spott über die Bauern 
hergeht, fo tritt daneben eine andere Art der Einkleidung ; der Dichter nimmt 
den Schein der &ußerften Armut an, in deffen Haufe alles wÄft und 6de ift 
und bei dem der Büttel felbft nichts findet, was er auspfänden könnte. Solche 
Sprüche mochten in den üppigen Relchsitädten mit befonderem Behagen ge- 
hört werden. 

Sprüche diefer Art von Hans Junger (Keller S. 1349), von Hans dem 
Schwätzer (von vile der hantwerken, gedr. bei Keller S. 1135). Erft fp&ter 
wurde mit Zerft6rung des Verfes Rofenplüts Name eingefchoben geller p. 1331) 
und dann in Hans Roßner verwandelt (Keller S. 1431), der mehrfach anRofen- 
plÄts Stelle tritt (Keller 1124). Aehnlich ift des Wolfes Klage, dem die Welt 
nichts mehr gönnt, die fich felbft nichts verfagt ; von Chrift. Awcr (gedruckt im 
Bericht der Leipziger deutfchen Gefellfchaft. 1837. S. 28. . Vgl. Keller 1437). 
Von Heinrich Sinherr (Iß^eller 1331. Verwandt find die falfchen Beichten, die 
in das Erz&hlende übergehen. Eine folche wird einem Conrad von Wttrzbnrg 
zugefchrieben. Keller 1^79. Eine andere von Folz). Den Wolf ftellte man 
auch fonft als Sittenfpiegel auf: fo läßt Stefan ¥ohpurk von Oefterreich den 
Wolf im Gefpr&ch mit dem Pfaffen diefem fehr b6fe Dinge fagen und, als der 
Pfaff fich beruft, fein Urteil vom Fuchs und B&ren beft&tigen (Keller 1375, vgl. 
HeideJb, Hs. Nr. 367, Adelung 2, 301, wo der Dichter der ¥elfehberger ge- 



Buch 3. §. 88—90. 89 

nannt wird). Die Annahme einer Maske war iiberhaupt beliebt; fo erzAhlt 
Hans Roller ein Liigenm&rchen (§. 72) um ein Trünklein gereicht zu bekom- 
men (Keller 1449). Von ihm auch das Lied vom Schüttenfam. (Uhl. N. 136.) 

§. 89. 

1. Priamel. Kleine Gedichte, die eine Reihe von Vorderfötzen Aber 
fehr verfchiedenartige Qegenftände mit einer die Jöleichartigkeit aller hervor- 
hebenden Bemerkung abfchließen, werden Priameln genannt. Es gibt geift- 
liche und weltliche, bald frech heiter, bald emft ftrafend, bald die Form des 
bloßen Denkverfes annehmend. Die älteften bekannten bieten Spervogel und 
Reinmar der alte, viele im Freidank, auch bei Reinbot und dem Kanzler. 
Hugo von Trimberg bedient fich der Priamel hAufig. Im 15. Jh. treten fie 
zahlreich auf und erfcheinen hier und im 16. Jh. in mehrfachen Samlungen. 
Sie kehren in der Sprichwörterfamlung von Fr. Peters (§. 103, 11) auch im 
Wendunmut(§ 160) bei Mofcherofch und Zincgref- Weidner in großerAnzahl wieder. 
Die Priameln wurden (wegen ihres Abfchnappens) auch Schneper genannt. 

Efchenbargs Denkm. 394—438. Leyfer im Bericht der deutfchen Gefellfchaft zu Jjeipzig. 
1837. S. 14 ff. Alte gute Schwanke, hrsg. v. A. KeUer. Leipz. 1847. VgL MA. 906 ff. a. §. 103, 3. 

2. Wein grüße. Kleine Sprüche mit denen der Trinker den Wein be- 
griißte und den Trunk fegnete, voll Schmeichelnamen far den Wein, gew6hn- 
lich WeiugrÄße und Weinfegen genannt, fcheinen im 15. nicht feiten gewefen 
zu fein. Eine kleine Sammlung ift in mehren Hss. erhalten und friUi gedruckt. 
— Auch Biergrüße kommen vor. 

Rebhenltelins Segen. O. O. u. J. 4. rep. Mülhanfen 1560. 4. Vgl. Gödeke, Gengen- 
bach 519. Altd. BU. 1, 401 ff. — Biergrufi : KeUer, Faftnachtl^. 1439. 

3. Klopf an. Kleine Gedichte zum Neujahr, die mit dem Worte klopf 

an beginnen und dann ihrem Inhalte nach eben fo vielgeftaltig und bunt find, 

wie die Priameln, bald emft und zart alles Sch6ne und Gute wünfchend, bald 

voller Unfauberkeiten, die in diefem Jahrhundert das Privilegium des Witzes 

haben. 

Klopfan. Ein Beitrag zur Gkfchichte der Nenjahrsfeier. Von Oskar Schade. Hanover 
1855. 8. (Ans dem weimarfchen Jahrb. 2, 75 ff.) Vgl. §. 95 und Keller S. 1461. 

4. R&tfel. « Nicht, daß die R&tfel gerade im 15. Jh. entfprungen w&ren, 
&e reichen bis in die ältefte Zeit zurück und find ohne Zweifel fchon fr&h ge- 
fammelt. Die einfachften Naturanfchauungen find darin ausgedrückt und nur 
durch die Frage r&tfelhaft gewandt. Diefe Form ift noch gegenwärtig eine 
der beliebteften beim Volk und bei Kindern. Die Zeit der Geiftlichen fcheinen 
die R&tfel zu verraten, in denen die Frage durch heilige Bilder ausgedrückt 
wird z. B. die Vergleichung Chrifti mit dem Weine (vgl. auch §. 95, 16). Vom 
Schluße des 15. Jh. m6gen die Formen ftammen, wo die Frage durch unzüch- 
tige Vergleichungen gebildet wird. 

Bitfei in der Weimarer Hs. 42 Q. Vgl. KeUer 1458 ff. — R&tfel in Meiftergefängen : 
Aretins Beitr&ge 9, 1145, SO. 60. — R&terfch. Straßb. M. Hüpfdff 1515. 4. — RatbüchUn. 
Auge. R. Frofchaner. Anf. des 16. Jh. Vgl. Haqpts Ztfchr. S, 24 ff. — Dat WerltUke Rat. 
bökelin. Hiunborch by Henrick Binder. 1594. 8. (Enth. : unüberfchriebene gereimte alte ; 
van gade ; van den hilligen ; vam gebede ; van dem water ; van drecke ; van den vagelen $ 
van banden; van den hantwerken; van dem hemmel; van den dagen; van dem erdrike 
und lande ; van den minfchen ; van den bokftaven. Die Rubriken find vielfach mit andern 
Beftandteilen verfetst.) Ueber die ganze Literatur des R&tfels H. v. Plötz. (§. 70, 2.) — Das 
RAtfel geht häufig in die fchwankhafte Erz&hlung über, fo daB die r&tfelhafte Frage zur 
fehwierigen Aufgabe gemacht wird. Auch diefe Form der Dichtung wurde im 15. Jh. ins 
Obfboone gezogen. Beilj[>iele bei Keller 1453 ff. 

§.90. 

Seit dem 13. Jh. begegnet man mehrfacher Erwähnung geiftl icher Gefän^<& 
neben den frommen Liedern der Kunftdichtet , d\ö «Xä 'BÄT'L^Ti^^t^'fe^Nix^s^«^ 
fchwerlich ins Volk drangen. Berthold (t iTl'X) wyjWmiX. Öl^^ ^'^Tv^€^Ä^ ^^ 



90 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

biten wir den heiligen geift. In den Ofterrpielen kommt das Chrift 
der ift erftanden vor. H&ufig erw&hnt wird das Wallfahrtslied: In Got- 
tes namen varen wir. In der Schlacht auf dem Marsfelde 1278 fang 
das deutfcheHeer Sant Mari muoter nnde meit al nnfrin not fi dir 
gekleit, was auch fp&ter noch wiederkehrte. Daneben wurde der Anfang 
gemacht lateinifche Hymnen in deutfche Yerfe su bringen, wie Yen! creator 
fpiritus, Jefüs dulcis memoria, Hymnum dicamus domino. Im 14. Jh. dichtete 
ein Bitter die tageweife O (tarker got, al unfer not, die 1356 viel gelingen 
wurde. Die Not der Zeit (der fchwarze Tod, Hungersnot, Kirchenzwifte, 
Sectenwefen) rief die Lieder der Mystiker und Geisler hervor, die größten 
Teils voll inniger Empfindung und echt dichterifcher Kraft find und fich ihrer 
fchönen Singbarkeit wegen ebenfofehr wie wegen ihrer fchmucklofen Einfalt 
fehr vorteilhaft vor den in ktinftlichen Strophengebäuden prunkenden Liedern der 
Kunftpoeten auszeichnen. Ein Lied der letzteren Art von Roarad vonQueinfurt, 
Pfarrer zu Steinkirch am Quei^, der 1382 zu L6wenberg in Schlefien geftorben 
fein foH, hat fich erhalten: Du lenze guot, des jares tiurfte quarte, 
ein Ofterlied in fiebenzehnzeiligen Strophen, das unter anderm die griechifchen, 
jü^difchen und lateinifchen Namen f&r Oftertag erkl&rt. Nach ihm begannen 
Uebertragungen lateinifcher Hymnen und Sequenzen häufiger zu werden. Der 
erfte namhafte Ueberfetzer war der am Schlufie des 14. Jh. lebende Mönch 
vonSalzburg, Herman oder Johann. Der Wert feiner Nachdichtungen ift zwar 
gering, fie haben aber doch die Bedeutung, daß fie wirklich ftr den Gefang 
gearbeitet und deshalb mit Noten verfehen wurden. Ein Verzeichnis gibt Hoff- 
mann S. 245 ff. Sein Nachfolger war Heinrieh von Laufenberg (Priefter 
zu Freiburg im Breisgau, fp&ter in den Johannisorden zu Straßburg einge- 
treten) der von 1415 — 58 viele geiftliche Lieder dichtete, meilt zum Lobe der 
heiligen Jungfrau, teils in Meifterfingerform , teils mit Benutzung weltlicher 
Lieder, diefe auch wol umdicht^nd. Er verfaßte 1425 den Spiegel menfch- 
lichen Heils in 15,000 und 1441 das Buch von den Figuren, sm Ehren 
der heil. Jungfrau, in 25,370 Verfen. 

Vgl. Hoffmann, Gefch. de« dentfohen Kirchenliedes bis auf Lathers*Zeit. Zw. Ausgabe. 
Hannover 1854. 8. J. Kehrein, Kirchen- und reUgi^fe Lieder aas dem IS.— 15. Jh. Paderb. 
1858. 8. (Die lateinifchen Texte aus Daniels thednoms hymnologicns, die dentfchen, großen- 
teils nur InterlineanrerAonen, keine Lieder, ans Wiener HandTöhrilten.) 

Die Legendendichtung dauerte im 15. Jh. fort. Vom Bifchof Hans von 
Olmtttz wurde ein Hieronymus (MA. 197),- von Joh. Rothe das Leben der heil. 
Elifabeth (224), von Jörg Zobel 1455 ein Euftachius und Alexius, von 
Ungenannten die Legenden Barbara (225), Dorothea (229), heil. Drei- 
kon i g e (229), Georg mit dem Lintwurm (Bericht der dentfchen Gefellfchaft 
in Leipzig 1831. ix. S 122), Katharina (MA. 180), Plaeidus Eufta- 
chius (228), Magdalena (198), Margaretha (162), Veronica(n4) 
poetifch bearbeitet. 

Eine der ausgezeichneteren Legenden ift die von den Jaeobsbrfidern, 
einem bairifchen Grafenfohne und einem Schwaben aus Heigerloh, die auf der 
Wallfahrt zum heil. Jacob zufammentreffen und in rüüirender Freundestreue 
fich bew&hren. Der eine der Freunde, vom Ausfatz befallen, kann nur durch 
das Blut des Kindes des andern Freundes geheilt werden. Das Opfer wird 
gebracht, der Freund wird rein und ein Wunder des heil. Jacob gibt dem ge- 
töteten Kinde das Leben wieder. Ein fonft unbekannter Dichter Kons KiAener 
will das Gedicht aus dem Lateinifchen verdeutfcht haben. Die unverwifchte 



Buch 3. §. 90. 91. .. 91 

Feinheit der Darftellung und Hindentangen auf nicht erz&hlte VerhSltnüTe 
laßen auf Benutzung einer älteren Arbeit fchließen. 

Ximz KiTtener. Hrsg. v. K. Gddeke. Haiiot. 1855. 8. Vgl. Gengenbach. S. 629. 

§. 91. 

1.^ Graf Hogo von MontfoH, geb. 1357, dichtete um 1400 (von 1396 an) 
eine Reihe von Liedern und kleinen Allegorien, in denen er die Zeit der 
Kirchenfpaltung beklagt, der Kaiferwahl, des Türkenheeres, des Böhmeiikonigs, 
des Berner falfchen Geldes gedenkt. Seine eigentlichen Lieder verfuchen noch 
den alten Minneton, fogar als Wächter- und Tagelieder. Mehrfach wendet er 
fich von Frau Welt und ihrer Luft, beginnt aber im Alter nochmals Minne- 
gedichte und endet mit einem Marienfange und Wallfahrtsliede. 

üngedruckt. HdTchr. in Heidelb. Nr. 529. Vgl. Adelung 2, 215 ff. Germ. 7, d37 ff. 

2. Oswald fon Wolkenütein, aus Tirol, geb. 1367, f 2. Auguft 1445. Sein 
unruhig bewegtes Leben f&hrte ihn nach Preußen und Jerufalem, nach Italien 
und Portugal und ließ ihn an allen hervortretenden Ereigniffen der Zeit Teil 
nehmen. Seine Gedichte haben daher einen Umfang des Stoffes und eine 
Vielfeitigkeit der Form wie bei keinem andern Dichter der Zeit. Er fang 
heitre Tanzweifen und dunkle Allegorien, fromme Marienlieder und üppige 
Grasliedlein, alles in leichter Sprache, die fich in der Ueberwindung von 
Schwierigkeiten gefällt 

Oswald von Wolkenfteln, mitgeteilt von L. Bergmann. Wien 1844. «. — Oswalds von 
Wolkenftein Gedichte, mit Einleitung, Wörterbuch und Lesarten. Hrsg. von Beda Weber, 
Insbmck 1847. 8. — Oswald von Wolkenftein und Friedrich mit der leeren Tafche. In eilf 
Bdchem. Von Beda Weber. Innsbruck 1850. 8. (Eine der lefenswerteften Monographien 
Eur Gefchichte der Literatur.) 

3. Moskatblttt, ein Dichter aus der erften Hälfte des 15. Jh. (1415 — 39), 
wahrfcheinlich bürgerlichen Standes und unter angenommenem Namen dich- 
tend. Marien- und Minnelieder, auch politifche, zu denen die huffitifchen Vor- 
gänge Anlaß geben. Er freut fich, daß die Gans des Unglaubens (Hus) ge- 
braten fei und fordert auf, die noch ungebratenen Gänslein zu klauben. 

Lieder Muskatbluts. Erfter Druck. Hrsg. v. E. v. Groote. Cöln 185^. 8. — MA. 955 ff. 

4. Michel Beheim, geb. 1421 zu Sulzbach bei Weinsberg, Weber, Meifter- 
fänger, that Eriegsdienfte, ftarb nach 1474. Er bewegte fich in mannigfachen 
Stoffen und wird an Reichhaltigkeit von keinem feiner meifterfängerifchen 
ZunffcgenolTen {übertreffen. 

Buch von den Wienern. Der Aufruhr der Wiener gegen Friedrich III. im 
J. 1462. Herausgeg. von Th G. v. Karajan. Wien 1^3. 8. — Leben des 
Pfalzgrafen Frie£-ich I. bei Rhein. Gedichtet 1469, nach mündlichen Berich- 
ten des Caplans Matthis von Kemnaten ; wie das Vorige in Strophen. Unge- 
druckt. Stellen in Kremers Gefchichte Friedrichs I., Mannh. IT^S. 4. Hdfchr. 
in Heidelberg Nr. 335. Wilken 414. — Die Heidelb. Hs. Nr. 312 (und 334) 
enthält eine von Beheim^ felbft gefchriebene Samlung feiner Gedichte, nämlich 
399 in 14 Meiftert6nen. Nur wenig ift daraus gedruckt. Vgl. Hagens Saml. 
f&r Literatur und Kunft 1, 43 ff. — Eine andere Samlung enthält Meifterlieder 
von den 7 Todfünden. lleidelberg Nr. 382. Wilken 4.56. — Zehn Gedichte 
lüchael Beheims zur Gefchichte Oefterreichs und Ungarns, hrsg. v. Th. G. v. 
Karajan, Wien 1848. — Ein Meiftergefang gegen Aberglauben ift gedruckt im 
Anzeiger 4, 448. 

Die übrigen Lyriker ,des 15. Jh. find bisher noch wenig beachtet worden. 
Es gibt deren eine gr6Bere Zahl als die hier genaunteti. \^^^t ^:%:csccb!^<^^ 
ift nichts Genaueres bekannt und von aWen ia.^ Ti\c\v\Ä ^^^Twssfex.» \>«Si ^^ 
MßifterfäDger geuAnnt werdeü und wol auch Yrareii, m«.^ «t^wVJD^B^^«*^^^- ^^^ 



92 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Bedeutung des Meiftergefanges in diefer Zeit ifl; eine rein formelle, keine in- 
nerlich wirkfame wie im 16. Jh. Der alte Strophe nhau (Stollenabgefang §. 49) 
ift, fchon feit Frauenlob (§. 79), bis zur Sußerften Eünftlichkeit und Trockenheit 
ausgebildet oder vielmehr ausgeartet. Der Inhalt iffc nicht aus jenen trüben 
Quellen gefchöpft, an denen die Schwank- und Faßnachtdichter als folche 
fchöpften ; aber auch diefe bedienten fich der verkünltelten Meifterfingerform 
f&r ihre .Lieder. 

5. Peter Zwinger. Von ihm wie von den meiften übrigen haben die fp&- 
teren Meifterfänger *T6ne' aufgenommen. Lieder von ihm in der Kolmarer 
Hs. HMS. 4, 906. — 6. Jörg Schilher (Schücher, Schiller). Seine *T6ne' waren 
befonders beliebt." Von ihm felbft ftehen Gedichte in der Heidelb. Hs. Nr. 109. 
Von den 10 Geboten, 11 Strophen in feiner Hofweis j über der Bauern Hoffart, 
in feiner Maienweis* 7 Strophen; ganz im Geifte der hochmütigen St&dter, 
denen das Aufftreben des Bauernftandes ebenfo verhaßt war, wie dem Adel 
nur irgend das Aufftreben der Städte gewefen war. — 7. Miehel Miller. Von 
ihm ein Lied auf die Jungfrau, 14 Strophen in des Schillers Hofton, in der 
Heidelb. Hs. Nr. 109. — 8. Matthias Worgenbock von Gr&tz, ein Lied von den 
faulen Hausmägden, in der Heidelberger Hs. Nr. 109. — 9. Wttrgendrikßel. 
Lieder von ihm in der Kolmaer Hs. Vgl. HMS. 4, 906. — 10. Mandel ¥eit, um 
1465. Von ihm ein Aufruf an die Völker der ChriTtenheit und befonders an 
die deutfchen Fürften zum Kriegszuge wider die Türken, veranlaßt durch den 
Fall Konftantinopels. Gedruckt bei Görres S. 246 flf.— 11. Ulrieli WieA, Meifter- 
fänger zu Augsburg, 1449. Von ihm ein in der Singfchule zu Augsburg ge- 
dichtetes ernftes Straflied gegen die Bifchofe, die mit dem Almofen ihre Krieg« 
und weltlichen Gelüfte beftreiten. Dies Gedicht wurde im 15. Jh. mehrfach 
SU einem Büchlein erweitert (§. 142). Aus Val. Holls Hs. Gedr. bei Uhland 
Nr. 165. — 12. Jörg Breining, um 1488 zu Augsburg. Von ihm ein Lied auf den 
Bifchof Ulrich, 7 Strophen in des Regenbogen langem Ton; ein anderes auf 
den heil. Alexius, 19 Strophen in demfelben Tone; beide in der Heidelb. Hs. 
Nr. 109. Vgl. MA. 168. 229. Maßmann, Alexius, S. 11, Nr. 147, wo gedruckte 
Sprüche von ihm nachgewiefen werden ; andere gedruckte in Berlin ; vergl. 
Ph. Wackernagel, Bibliographie S. 459 flf. Görres Meifterlieder 294. 

Vgl. J. Görres, alttentfche Volks- und Meilterlleder ans den Hss. der Heidelberger 
Bibliothek. Frkf. 1817. 8. K. G^deke, Meiftergefangbuch. 1856. 8. 

§.92. 

Das Schaufpiel hatte allm&hlich die lateinifche Sprache fallen laßen 
und nur im fegen. Ordo, der Ueberficht, deren lieh der Leitende, der Actor, 
bediente, um die Reihenfolge der redenden Perfonen aufrecht zu erhalten und 
den Gang der Darfbellung zu überwachen, blieb die lateinifche Sprach^ vor- 
herrfchend. Auch in den Spielen felbft, namentlich in den rein biblifchen 
Worten, erhielt fich das Latein mitunter noch. Mit dem Uebergewicht und 
der Herrfchaft des Deutfchen drang das volksm&ßige Element tiefer in die 
Dichtungen felbft ein, und es erzeugte fich eine Literatur, die, obwol auf ur- 
. fprünglich nicht volksm&ßigen Elementen aufgewachfen und von gelehrten 
(Jeiftlichen gepflegt, dennoch eine wirkliche Literatur des Volkes wurde, tiefer 
wurzelnd als in den Büchern und weiter um fich wirkend als diefe. Daß die 
Gegenftände der ernften Spiele nur geiftliche find, fällt nicht auf, da die 
Dichter geiftliche und die Zwecke der Darfteilung erbauliche waren. Die 
weltlichen Stofi^e 16ften fich ab und fanden als Faßnachtfpiele (§. 93) felbft- 
ItÄndige reiche Pflege. . 

Vgl. die §. 67 angefahrten Schäften Aber die dramatifche Dichtung. 

1. LebenJefu. 'Deutfeh. Hs. d. 14. Jb. Gedr. bei Mone 1, 72. 
2. Kindheit Jefn, Ha. d. 14. Jh. Gedr. Y)«Ä IAohö V, \4a. V^^t^L. 



Buch 3. §.91. 92. 93 

Weinhold 73 ff. Altv&ter und Propheten verkündigen den nahenden MeHias. 
Verm&hlnng Jofephs mit Maria. Heimfuchung. Qeburt. Anbetung durch die 
Hirten und die Töchter Sion. Die heiligen drei Könige vor Herodes. Begeg- 
nung'der Magier und Hirten. Anbetung. Darftellung Jefu im Tempel. He- 
rodes Befel zum Kindermord. Flucht nach Egypten. Klagen der Rachel. Auf- 
forderung des Engels zur Heimkehr nach Nazareth.) 

3. Marienklage. Bruchftticke beiMone 1, 201. 1, 198; vom Jahre 1494 
bei Mone 1 , 202. j 

4. Ludus virginis planctus cum prophetis. Deutfch. Hs. d. 14. 15. Jh. 
Qedr. bei A. Pichler, über das Drama des Mittelalters in Tirol. Innsbr. 1850. 
8. S. 115. • 

5. Paffionsfpiel. Deutfch. Hs. des 15. Jh. Qedr. bei Mone 2, 183. 
(4106 V.) Andere t>affionsfpiele erw&hnt bei Fichard, Archiv 3, 133 ff. ^ Ein 
PafGionsfpiel aus Friedberg, deutfch, Auf. d. 16. Jh. Auszugsweife gedruckt in 
Haupts Ztfchr. 7, 545. — Alsfelder Paffionsfpiel, deutfch, Anf. d. 16 Jh., gedr. 
in Haupts Ztfchr. 3, 478. — Ein ungedrucktes Paffionsfpiel v. J. 1511 in der 
Heidelb. Hs. Nr. 402. Vgl. Wüken, S. 468. 

6. Grablegung Chrifti. Deutfch v. J. 1494. Gedr. bei Mone 2, 131. 

7. Ofterfpiel. Deutfch v. J. 1472. Gedr. Hoffim. Fundgr. 2, 297. — Ein 
anderes bei Pichler. S. 143 ff. 

8. Auferftehung Chrifti.' Deutfch, Hs. des 14. Jh. , gedr. bei Mone. 
S. 109. 

9. Himmelfahrt Chrifti. Deutfch, Hs. d. 14. Jh., gedr. Mone 1, 254. 
— Ein anderes Spiel von der Himmelfahrt Chrifti: Ludus de afcenüone do- 
mini, ein mittelalterliches Schaufpiel. Abhandlung von A. Pichler, Programm 
des akad. Staatsgymnafiums zu Innsbruck. 1852. 4. Yergl. Pichler, über das 
Drama des Mittelalters, S. 51 ff. 

10. Fronleichnam. Deutfch. Hs. des 14. Jh. Gedruckt bei Mone, 
Sx^aufp. 145. 

11. Ludus honeftus de purificatione beatse virginis. Deutfch, Hs. d. 
14. 15. Jh., gedr. bei Pichler, S. 99 ff. 

12. Himmelfahrt Marise, deutfch, Hs. d. 14. Jh., gedr. b. Mone S. 21. 

13. Ludus de decem virginibus. Deutfch. Hs. d. 15. Jh. Gedr. in 
F. Stephans neuen Stofflieferungen, Heft 2, MiUhaufen 1847. 8. S. 173. (Im 
MA. 971, 24. 36. wurde dies Spiel zuerft als das der Eifenacher Prediger- 
mönche vom J. 1322 nachgewiefen, das dem Landgrafen Friedrich von Thürin- 
gen fo fehr zu Herzen gieng, weil es die F'ürbitte der Heiligen und Marias 
ohne wahre Reue und BuOe fÄr unzureichend erkl&rte. ' L. Bechftein benützte 
den Nachweis und gab das Spiel als ein von ihm wieder entdecktes heraus. 
Bemerkenswert ift, daß die lyrifchen Klagen der th6richten Jungfrauen am 
Schlui^e zuerft in einer Nibelungenftrophe, dann in der Strophe des Walther- 
liedes (§. 66, i) gefungen werden. 

Das groBe thflringifche Mvrterium von den zehn Jangfranen. Hrsg. v. L. BechTtein. 
HaUe 1855. 8. — C. H. Fankh&nel, Aber das gelTUiche Spiel von den zehn Jungfrauen. 
Weimar 1855. 8. 

14. Dorothea. Deutfch, Hs. d. 14. Jh., gedr. in Hoffm. Fundgr. 2,284. 
Ein Spiel von der heil. Dorothea wurde 1412 zu Bauzen gehalten, wobei die 
SchaubiUine einfkürzte. Vgl F16gel, kom. Lit. 4, 290. 

19. Ludus de beata Katerina. Deutfch, Hs. des 15. Jh., gedr. Ste- 
phan 2, 160. 

16. Sufann'a. Deutfch, ungedr. Hs. d. 15. Jh. in Wien 3027. Hoffmann 
Nr. 92, 7. 

17. Apotheofis Johannis YHI. Ponüficis Romani. Ein fch6n Spiel von 
Frau Jutten . . vor 80 Jharen gemacht . . jetzt in Dri^ck gegeben . . Eis- 
leben And. Petri. 1565. 8. 

Verfafit wurde das Spiel 1480 durch einen Merspfaffen Theodoricus Sckenberk zu 
HiUhauren; herausg. von lieroiyaiis Tüeiiiu (geb. 1531 zu Hirfchberg, Pfarrer in Zörbig, 
1565 in Delitzfch, 1667 in MülhauTen, wo er am 17. Sept. 1566 ftarb. Vgl. Thilos Helmbold 
26. 88.) — Lange Zeit das berAhmtefte Stttck des Mittelalters. Gedr. bei Gottfched^ n6tU«c 
Vorrat 8, 81— 188 : Keller, Faftnachtr]piele Nr. 111. Das SttLck v«TdV«Ti\.« ^^ &cQ!t(SL«e^\va^«vV 
die es gefunden: Die Teufel beitärken die Jungfrau 3uUa a.ual^Ti«\aaidL^ ^^\)LXL\«t ^«^s^'^-vo^fif^ 
Johannes in Männertrstcht mit einem Schreiber (iTmgeii OteVCtWatiftT^ wä ^^ ^i'^J^^ Sä^^csJä 1^»- 



94 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Paris stehen will, iii ihrem Vorhaben, um fie za verderben. Jutta tritt mit dem Kleriker die 
Reife an, um fleh mit Ktlnften zu zieren und Ehre zu erwerben. Ein Magifter unterweifet 
fie dort in den freien Künften. Sie werden Doctoren. Mit dem Baret begabt wandern fle 
nach Rom, um imDienfte des Pabftes zu groBer Ehre zu gelangen. Durch Vermittlung dmr 
GardinUe werden fie vor den Pabft Bafilius geffihrt, der fie als feine nichften Diener mit 
Bingen und Lefen annimmt und fie an Ehren zu erheben verheifit. Bald darauf macht er 
fie zu Cardin&len. Nach dem Tode des Bafilius wird Jutta zum Pabfte erw&hlt. Jutta ge> 
lobt, fich der Ehre würdig zu beweifen und den Sündern um Gottes Barmhendgkeit die 
Sünden zu vergeben. Ein r6mifcher Senator führt feinen vom Teufel UnverMn befefinen 
Sohn vor den Pabftf um ihn exorcifleren zu la^Oen. Anfangs weigert fleh Jutta und verweist 
an die Cardin&le. Da aber der Teufel nur dem Banne des Pabftes felbft weichen will, 
fchreitet diefer zur Befchw6rung ; da offenbart der Teufel, dafi der Pabft ein Weib und 
fehwanger fei. Vor der Gewalt des Pabftes f&hrt er, wenn auch mit wilden Drohungen, von 
dem Befefinen» Der Heiland, bereit, die Ififfethat des Weibes zu ftrafen, läßt fich durch 
FArbitte Marias zur Barmherzigkeit bewegen. Er fendet Gabriel mit der Botfchaft, wenn 
Jutta der Welt Schande auf fich nehmen woUe, folle ihr Gnade widerfahren, wo nicht mtl^ 
ihre Seele in ewiger Glut der Hölle brennen. Um der Gnade nicht verluftig zu gehn, w&hlt 
Jutta die Schande. Chriftus fendet den Tod, um die Sünderin abzufordern, die voll In- 
brunft zur ewigen Barmherzigkeit fleht. In der Geburt ftirbt fie. Das Volk I&uft zufammen, 
hebt das Kind auf, w&hrend Teufel UnverC&n die Seele Juttas hinfährt. Die frohloekendan 
Teufel fchenken ihr den Höllentrank. Aus Qual und Angft ruft fie zur HimmeUkdni^. — 
rZufatz: Die Cardin&le beraten, wie fle die von Gott wegen Juttas Aber Rom verh&ngte fchwere 
Strafe abwenden können.] Juttas Seele ruft aus den Höllenqualen 'den heil. Nicolaus und 
Maria lun Fflrbitte an. Durch die voreiligen Bitten beider bewegt, lädt der Heiland die Seele 
durch den Engel Michael aus der Hölle befreien und als liebe Tochter zur hlmmUfchen 
Freude fdhren. Juttas Benedeiungen auf Jefus Chriftus und ihre Fdrr^recher fchliefien das 
Stück. Es braucht nicht entwickelt zu werden, dafl der Gedanke in ftetem Fortfehreiten 
folgerecht entfaltet ift. Der ehrgeizige Trieb, der das Weib Aber fleh felbft hinaus zu der 
h6chften Stufe führt, demütigt fich und w&hlt als Bufie die ofihe Schande. An denTheo- 
philus (§. 100, 11), der ähnliche Gedanken ausdrückt, nur nicht fo harmonifch ihrer Herr ge- 
worden, erinnert Jutta einmal felbft. Die Vergleichung dr&ngt fich auf und fiClIt zum Vorteil 
des gegenwärtigen Spieles aus, das von Tilefius ungehörig interpoliert wurde. 

18. Der jÄngfte Tag. Deutfeh, Hs. v. J. 1467. Gedr. hei Mone 1, 273. 

19. Vom j fing ften Tage und Antichrifto, v. J. 1468, erw&hnt in Pi- 
chards Archiv 3, 133. 

20. Des Entkriftvasnacht. Qedr. hei Keller, Faltnachtfpiele Nr. 68. 
Zwar hier als Faßnachtfpiel hehandelt, aher mit dem alten lateinifchen Stücke 
(§. 69, 2) verglichen nur Bruchftück aus einer Dichtung. Der umfalTende Anti- 
chrift wird hier nicht überwunden, fondern überwindet feine Gegner (Enoch, 
Elias) und gründet, Tote zum Glauben an feine Macht erweckend, eiti Reich des 
irdifchen Genußes. So berührt fich der alte Ernfl; mit der neuen Aosgelafienheit. 

§. 93. 

Fa^nachtfpiele. Kleine Gefellfchaften junger Leute, zuweilen nur ein 
Paar, dann über zwölf, vierzehn hinaus, fchweiften zur Faftnacht in den 
Städten durch die H&ufer und ftellten in leichter Vermummung fremdartige 
Geftalten dar, bald wilde Männer, bald Bauern, bald herumftreifendes Bettel- 
volk, bald allegorifche Figuren. Männer trugen Frauenkleider, die Jugend 
borgte den Schein des Alters, der Verftand barg lieh hinter angenommener 
Dummheit, alles trug die Züge der Ausgelaßenheit und des Mutwillens. Es 
konnte nicht ausbleiben, daiß, um die Luft mehr zu beleben und zufammenzu- 
halten, Worte gefprochen, kleine Stoffe in Bede und Gegenrede gebracht 
wurden. Die vielfachen Scenen des t&glichen Lebens, beim Kauf a|^f dem 
Markte, vor Gericht, häusliche Zwifte unter Eheleuten, Zank des Gefindes und 
andere Dinge boten Stoff genug, und die vielfältig umlaufenden formelhaften 
Sprüche, namentlich die Priamel, das B&tfel und dergleichen, gaben leichte 
Einkleidung an die «Hand. Da der Befuch der fchwärmenden Larven nicht 
auf ein Haus befchränkt war und die Kürze der Zeit keine lange Ausführung 
litt, mufte alles kurz und vor allem einfach verftändlich fein. Die leichten 
kleinen Stoffe des Uebervorteilens beim Handel u. f. w. wurden bald genauer 
ausgearbeitet, bald durch neue Gegenitände verdrängt Die beliebte YerhÖh- 
nnn^ des BauemiUndes, deffen unbefangene kräftige Derbheit die übermütigen 



Buch 3. §. 92. 93. 95 

Beichsftädter mit ihrer eignen Roheit verwechfelten (§. 88), breitete iich auch 
in den Faßnachtfpielen aus. Den auf dfis Plumpfte und Qr6brte gefchilderten 
Bauemgruppen liehen die St&dter Gedanken und Worte, wie fie die ausge- 
fuchtefte Roheit nur zu erlinnen vermochte. Mit einer Erfindungskraft von 
ftaunenswerter Ausgiebigkeit wurden die gefchlechtlichen YerhältnilTe zum Ge- 
genftande des fchamlofeften im Schmutze feiigen Witzes gemacht und in im- 
mer neuen Wendungen enthüllt und verhöhnt Die brutale Roheit der Sitten 
hat in diefen Spielen (die darauf berechnet waren , von ganzen GefeUfchaffcen 
gegenüber ganzen Gefellfchaften gefprochen zu werden, demnach eine allge- 
meine Teilnahme an Stoff und Form vorausfetzen lallen , fowol bei den Spre- 
chenden wie bei den Hörern) den hochften Grad erreicht, von dem eine 
Charakteriftik keinen Begriff mehr geben kann. Jeder Sprechende ein Schwein, 
jeder Spruch eine Roheit, jeder Witz eine Unfl&terei. 

Fafbukchtf^iele ans dem fttnfzehnten Jahrhundert gefammelt von A. Keller. Stuttg. 
1858. ni. 8. Die Samlnng hat mit nnermAdetem Flei^e und gro^Oer Ausdauer das reich- 
haltigfte Material fdr die inpere Gefchichte des 15. Jh. zufammengebracht. Außer den 121 
Spielen, die fle darbietet, ift aus den HandTchriften an Schwänken und Sprttchen fo großer 
Reichtum mitgeteilt, daB alle dbrigen Yerfache, das 15. Jh. von diefer Seite kennen zu leh- 
ren, nur armfelig dagegen erfcheinen. ^ 

1. Die Form der Priamel kehrt in den Faßnachtfpielen fo h&ufig wieder, 
daß fchon daraus auf eine ihrer Quellen gefchloßen werden darf. Ein Zwie- 
gel^r&ch zwifchen dem Menfchen und Tode nennt fich *eine hübfche Priamer 
(gedr. MA. 976) ; ebenfo hat die Form des R&tfels den Keim des Dramatifchen 
in fich; der Eine gibt auf, der Andere loft. Diefe fchon alte poetifche Form 
(§. 55) hat im Tragemundesliede (Uhland, Yolksl. Nr. 1) völlig dramatifche Ge- 
fUdt angenommen und ift in einem Meiftergedichte vom Schlüge des 15. Jh. 
ebenfo angewandt (In Lauberß thon neu Fraghe vnd Antwort. *Seit heint 
gefanges arte' 4 Bl. 8.). Ein Spiel von dem Freiheit (d. i. fahrender Mann, 
Freihartsknabe, Freihart) befteht fa!t nur aus jenen alten R&tfeln des Volkes, 
was gr&ner als E^ee, weißer als Schnee, was kein Hahn überkr&ht, kein Wind 
Aberweht u. dergl. Einfach wie hier die Form des Zwiegefpr&chs das Drama 
bildet, kehrt fie auch in andern Verhältniffen wieder: der Ankl&ger und der 
Antworter (Keller Nr. 34) find Perfonen eines Spieles; ein Bauer, der einen 
Hafen verkauft und beim Bezahlen vom Käufer mit fchlechtem Gelde betrogen 
werden foU, wechfelt mit dem Ueberlifter wenige Worte und das Faillnachtfpiel 
ilt fertig (Nr. 35). Die Form der Gerichtsfcenen, auch im 16. Jh. in den ern- 
Xten Stücken fehr beliebt, wird fehr häufig benutzt (Nr. 8, 10, 11, 24, 29, 42, 
69, 102, 112), nur find hier meiftens Eheproceffe vor dem Official gew&hlt, 
weil die Unfl&terei dabei ein weitgeöffnetes Feld vor fich fah. Schimpfereien 
(4^ 5, 31, 37) wechfeln mit Tänzen (6, 48, 51, 52, 59, 67, 82, 89, vergl. MA. 



979). Großenteils find es Bauern, die zu Trägem des Spiels gemacht werden 
(z. B. 8, 30, 65 u. f. w.). Aus der Allgemeinheit treten wenig charakterifierte 
Perfonen hervor, der Official, der Waldbruder, der Mönch, der Henker, die 
Faßnacht felbft (MA, 977), meiftens nur : der Erft, der Ander u. f. w., oder der 
erft Narr, der ander Thor, der drit Efel, der viert Lap, der fünft Ginöffel, der 
fechst Diltap, der fiebent Ackertrap u. f. w. (MA. 981). Hin und wieder ift die 
äußere Erfcheinung angedeutet: fechs blau gekleidete Narren (Nr. 93), fieben 
Männer in fieben Farben (103) ; einmal kommt ein Weib, aber von einem Manne 
gefpielt, auf einem Efel geritten (26). 

2. Unter den einfachen vom Augenblick eingegebenen Spielen machen 
fich umfangreichere bemerklich, die teils älteren UrIJ)rung verraten (der Ent- 
krift, Nr. 68, vgl. §. 92, 20 ; eine gute Vasnacht, Nr. 57), teils ältere Stoffe in 
eine mehr dramatifche Form (nach heutigem Sinne) gebracht haben : der Dom- 
herr und die Kuplerin (Nr. 37, nach der Konrad von Würzburg zügefchriebe- 
nen Novelle *alten Weibes Lift', vergl. §. 72, 2), von dem Bauern und der 
Edelfrau (Nr. 46, nach der Meierin mit der Geiß §. 72, 2) ; Kaifer Conffcantiu 
und die fbreitenden Rabbinen (Nr. 106, vgl. Konrade S\W^^\«t V'^^N ^«t'VÄr 
neten Mantel (Nr. 81) und die Krone (Nr. 80), \>fe\d© ii.Tia^^^6ii^^%kT!tQ.^äto^x^^^ 



96 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

genommen; der Kaifer und der Abt (Nr. 22, auch befonders herausgeg. von 
A. Keller, Tübingen 1850), der noch bei^ Heinrich Julius (§. 171) dramatifch 
wiederkehrt und der Wunderer, der die Jungfrau verfolgt und von Dietrich 
von Bern getötet wird (Nr. 62) , find aus deutfcher Sage gefchöpft ; letzteres, 
mit allegorifcher Färbung, auch im Dresdner Heldenbuche (§ 97). Offenbar 
ältere Grundlage hat der Herzog von Burgund (Sohn Maximilians, Nr. 20), da 
in diefem Spiele die Weiffagungen der Sibylle, der dialektifche Streit der Ju- 
den und die Erfcheinung des Antichrifts wiederkehrt (vgl. Ludos pafchalis 
§. 67, 1. 2). Ebenfo fcheinen die Neidhartsfpiele (Nr. 21 u. 53, letzteres 2,300 
Yerfe), wenn auch gegen Ende des 15. Jh. überarbeitet, weit ältere Grundlage 
zu haben. [Der kluge Knecht (Nr. 107) gehört dem 16. Jh. an, wohin auch 
die zehn Alter (Nr. 119), Elsli Tragdenknaben (Nr. HO) und einige andere 
gehören.] 

3. Höheren Standpunkt nehmen wenige Stücke. Ein Rofenpl&t zugefchrie- 
benes Faßnachtsfpiel vom Türken (Nr. 39) fuhrt den türkiTchen Kaifer, der 
Konftantinopel gewonnen hat, als Befucher Deutfchlands und zugleich ^als 
ftrengen Beurteiler über die deutfchen Zuftände ein. Gerade dies Stück fcheint 
große Teilnahme erweckt zu haben und ift mehrfach leicht überarbeitet. Aehn- 
liehe Kritik wird in dem Spiele vom Pabft, Bifchof, Cardinal, König, Kaifer, 
Herzog u. f. w. (Nr. 78) geübt. 

4. Die meiften diefer Spiele find wol in Nürnberg, Bamberg, Augs- 
burg entftanden. Es werden erw&hnt Bamberg (Nr. 42, S. 320; Nr. 108, 
S. 851), Poppenreut (Nr. 14, S. 127), das Lechfeld (Nr. 58, 8. 517), die Pegnitz 
(Nr. 31, S.255), Niclashaufen (Nr. 55, S. 480), TreffentrüU (Nr. 99, S. 759; 
Nr. 39, S. 303, TripstrüU in Würtemberg), Eine Menge localer Beziehungen auf 
Kirchen, Bildwerke, Bauwerke, werden fich aus genauerer Ortskenntnis füd- 
deutfcher St&dte erl&utern laßen. 

§.94. 

Hans Rofenblftt, wahrfcheinlich aus Nürnberg, an deffen Kämpfen er 1449 
teilnahm. Er bezeichnet fich als einen Wappendichter, der an den Höfen der 
Fürften und Herren feine Nahrung fuche; wird der Schneperer genannt und 
nennt fich felbUk fo, und fcheint fp&ter in ein Klolter des Predigerordens ge- 
treten und darin geftorben zu fein. Ueber feine Schickfale und feine Schrif- 
ten waltet noch großes Dunkel. 

Der Name des Dichters wird bald Hans RofenplAt, bald der RofenplAt, der Schneperer 
Hans RofenplAt, Hans Rofenpldt der Schnepperer, Hans Schnepper, der Sehnepper in den 
SchlnSzeilen der Gedichte angegeben, Bezeichnungen, die in der nachfolgenden ZoTammen* 
ftellung auseinandergehalten werden. Da6 der Schneperer Hans RofenplAt am Nürnberger 
Kriege teUnahm berichtet er Telblt. Ebenfo im Lobl^ruch auf Ludwig, daß er den Wappen 
der Fürften nachreife. Die Beziehung bleibt noch dunkel. Daß er ^Bruder Predigerordens* 
genannt wird, kann nicht auffallen, da es erft 1477, alfo am Abend feines Lebens gefchieht. 
Die unter diefem Titel auftretende Dichtung ent4>richt demfelben. 

I. Hans Rofenpliit. 1) Von der peicht (D: Dresdner Hs. Nr. 58 d. 
S. 7. M: Münchner cgm. 714. Bl. 258; gedruckt bei Keller, Fftnfp. S. 1098. 
Das Gedicht ift ernfthaft). — 2) Von den fecha ärzten, Koch, Weinfchenk, 
Bader, Prediger, Beichtiger, Chriftus. Durchaus ernfthaft. (D. 81. M. 279. 
Gedr. KeUer 1083). — 3) Von Un/er Frauen fchMieiL Großes Lobgedicht auf 
die heil. Jungfrau (D. 153. Vgl. Keller 1330). — 4) Der müßiggener. Straf- 
gedicht. Durchaus ernfthaft. Gedruckt o. O. u. J. 15. Jh. 6 BU. 8. (D. 13. 
Darnach gedr. bei Keller 1152). — 5) Von der Hußenfiucht. Schilderung eines 
Zuges gegen die Hufßten (D. 165. Vgl. Keller 1330. In dem Münchner cgm. 
1136 heißt das Gedicht: Spruch von dem Pechamer, und die Schlußfchrift: 
Hans Pltit. Vgl. Keller 1139). — 6) Einspruch von Beheim. Verfchieden von 
dem vorigen, aber ähnliches Inhalts (D. 176. Keller 1186. 1330; im Münchner 
cgm. 1136 nicht enthalten. Dagegen in der Heidelberger Hs. Nr. 525. Bl. 147. 
Keller 1186). — 7) Lied von dem Türken, Nicht nach 1459. Aufforderung 
an Kaifer und Fürften zum Türkenzuge. (D. 363. Vgl. Keller 1340). 

U. Hans Bofenplüt 8) Von der tinte, (M. 176. Oedt. b^l Keller 



Buch 3. §. 93. 94. 97. 

1186. Gefchichte von einem bahlerifchen Pfaffen, delTen Geliebte fich anftatt 
mit Rofenwafier aus Yerfehen mit Dinte wäfcht und von ihm für den Teufel 
gehalten wird). — 9) Von der Wolfsgruben (Y : Weimarer Hs. 42. Q. Vgl. Keller 
1195. AuBer einem Wolfe wird ein buhlerifcher Pfaff, das Weib und die Magd 
in der Qrube gefangen. Vgl. Anzeiger 8, 105). — 10) Von einem vamdem 
fchtUer. (D. 207. Gedr. bei Keller S. 1172. Nach einem alten Drucke o. O. 
u. J. 4 Bll. 8 ; in T 1 lautet die SchluOfchrift : der Schneppeser BofenMfit. 
Vgl. Keller 1453. Der Schüler vergeblich um Obdach flehend fkberrafcht die 
B&urin und den Pfaffen beim MaUe und lißt letzteren fp&ter als Teufel er- 
fcheinen und die vor dem heimkehrenden Bauern verfteckten Speifen herbei- 
holen. Oft behandelter Schwank). — 11) Von dem edelmann und dem pf äffen. 
(D. 219. Vgl. Keller 1332.) — 12) Von dem Hbßgeyer. (D. 226. Vgl. Keller 
1332. Wie die Gefchichte vom Reiher in Hagens GA. Nr. 31.) — 13) Der 
Jhriejter in der Au, (D. 30. Vgl. Keller 1168. Auch in B.: Wolfenb. H8.29. 6. 
Auguft. Bl. 45. Vgl. Keller 1437) — 14) Der Mann im Garten. Bamberg 1493. 
(In D. 104: Der Knecht im Garten. Vgl. Keller 1150. Gedruckt im Bragur 5, 
1, 78. Götz, Hans Sachs 3, 170. Hätzlerin 290 Haltaus. Die Frau fagt dem 
Knecht zu, in den Garten zu kommen, fchickt aber den Mann, der nun (tatt 
ihrer vom reuigen Knecht gefchlagen wird. Die Gießer Hs. [Ztfchr. 9, 172] 
lilgt den Namen des Dichters unter Beibehaltung des Beimes auf behuet: 
gemuet f&r Bofenbluet. Der Münchner Cgm. 713 fchließt anftatt mit Hans 
Bofenbluet mit: der Bofenbluet.) — 15) Der kluge Narr, (D. 3. Vgl Keller 
1157. Gedr. in Canzlers Quartalfchrift 1, 1, 59. Götz, Hans Sachs 3, 177. 
Den ermahnenden Bifchof ermahnt der Narr, in der 6fteriichen Zeit drei 
Sch&fer, drei Spieler zu laden , damit fie einmal von Gott h6ren u. f. w. 
Durchaus würdig und emlt.) — 16) Von einem harhirer, (Valent. Holls Hs. 
unzüchtiger Spruch.) — - 17) Die fünfzehn klagen, (D. 266. Gedr. Keller Uli, 
auch in Y 9. KeUer 1453 und K : Wolfenb. Hs. 76. 3. Auguft. Fol. Bl. 152. 
Keller 1368. Gedruckt noch im 16. Jhund. o. O. u. J. 6 Bl. 4. Daraus in 
Gödekes Gengenbach S. 403 ff. BofenblAts Name ift im Druck getilgt.) — 
18) Des Künig von EngeUant Hochaeit, Faßnachtfpiel. (D. 312. Gedr. 
bei Keller Nr. 100, der Name des Dichters ilt weder genannt noch angedeutet, 
dagegen M. 459: 'Hans Bofenpluet*, doch nicht im Beim. Vgl. Keller 1524. 
Ebenfo inP: Hs. der Hamburger Stadtbibl. C.U.218. S. 67. Dies fcheint das 
einzige durch Rofenplöts Namen verbürgte Faftnachtfpiel von ihm. Es ift 
durchaus anftändig : Acht Herolde verkünden, daß der K6nig von England am 
8. Mai feine Tochter mit dem Herzoge von Orlenz verm&hlen werde. Jeder 
Herold verkündet eine koffcbare , in heitrer Auffchneiderei angepriesne Gabe : 
jeder Gaffc empfängt f&r jede gereifte Meile einen Gulden, der befte Tumierer 
erhält ein Pferd, 52 Mark Goldes wert; der zweite Preis ilt ein^ Halsband 
von griechifchem Golde, def dritte ein köMches Schwert, der vierte ein wun- 
derwirkender Bing ; die befte und züchtiglte Tänzerin empfängt einen Perlen- 
kranz; wer fich am tr&gften erweist, wird mit einem herrlich gefchmückten 
Efel befchenkt. Schließlich wird ein Brief, des Königs verlefen, in welchem 
er 12 Bürger benennt, um die Wahrheit der Verheißungen zu beglaubigen. 
Nicht im unehrbares Wort im ganzen Spiel.) 

m. DerRofenplfit. 19) Der Kbnig im Bade. Gedr. Bamberg 1493. 
(Deutfehes Mufeum 1782. 2, 347), o. O. u. J. bei Hector Schöffler. 4 Bl. 8. 
(Gödeke, R6moldt S. 67 ff.) Handfchriftlich in D. 1. Vgl. Keller 1327. 1151. 
in B. 48 ohne Namen. Keller p. 1438. Der K6nig der das Depofuit potentes 
nicht fingen h6ren will, wird von einem Engel, der im Bade feine Geftalt an- 
nimmt, bekehrt. Oft behandelter Stoff. §. 44.) — 20) Vom prießer und der 
frauen, (D. 30. Vgl. KeUer 1328.) — 21) Das fruchlpar loU. (D. 38. Keller 
1328.) — 22) Von 2er Kaiferm zu Eom. (D. 47. Keller 1328. Gedr. o. O. u. J. 
9 Bl. 4. Damach gedr. bei Keller 1139; in R. 1: Hans Rofenplftt. Vgl. Keller 
1433; ebenfo in P.*29. Vgl. Keller 1431. Es ilt die Gefchichte der Crescentia 
§.25, ohne die Namen.) — 23) Spruch von Nürnberg. Nicht vor 1447. (D. 90. 
Vgl. KeUer 1329.) — 24) Unfer frauen wappenred. (DA^, Nv^.^^'Kt\S^\>k 
— 25) Von dem Uinfidel. (D. 64. Vgl. KeUei i^fÄ, öiw %<3D2ffÄ\ \:^t^^n. ^« 
addeke, Ornndriß. ^ 



98 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

Bofenplüt in feiner Wappenred. Nach Cgm. 713, 223 gedr. bei Keller 1124» 

wo die Schlaßfchrift lautet: fpricht Bofener in feiner Wappenret.) 

IV. Der Schneperer Hans Bofenplüt. 26) Von der Weit. (D. 
408. Vgl. Keller 1343. Moralifche Betrachtungen.) — 27) Erzählung. «Eins tags 
i^acirt ich zu eim brtinnlein, darzu wallt manig geistlichs nünnlein.' (D. 402. Vgl. 
KeUer 1342^ — 28) Vom Kriege zu Nürnberg, (D. Hl. Vgl. Keller 1151. 1320. 
Oedr. Nürnberg bei Lochner vgl. §.83, 26; wiedergedruckt als Gefecht bei Hem- 
pftch in Beinhards Beitr&gen zu der Hiftorie des Frankenlandes. Bairentfa 1760. 
1, 225. Daraus inCanzlers Quartalfchr. 3, T, 27 ff. Waldau, verm. Beitr. 4,83. 
Be/ichreibung der Fehden, welche Nürnberg 1449 — 1450 mit Markgraf Albrecht 
^Uirte.) — 29) Vom Herzog Ludwig von Bfiiem. Lobfpruch. (D. 238. Vgl. 
Keller 1332 ungedruckt; f&r Kunde Bofenplüts wichtig.) 

V. Hans Bofenplüt der Snepperer. 30) Vom pfarrer der zu 
fOnf malen fiarb, (P. 97. Vgl. Keller 1431. 1157; in Y8 wird der Dichter: Hans 
sapff zue Nürmberg barbirer genannt. Vgl. §. 95, VH.) 

VI. Hans S ch n e p p e r e r. 31) Die lerch und auch die nachUgal, 
n>. 264. Gedr. Keller 1113. Lob des Landlebens im Gefchmack wie fp&ter 
Schmidts von Wemeuchen.) — 32) Ein diaputaz eines freÜieiU mit einem 
Juden, (P. 69. Gedr. Keller 1115. Disputation wie Panurgs bei Rabelais. 
Schwankhaft, aber emilhaft.) 

Vn. Der Schneperer. 33) Die klage vom wolf eim hage. (Gedr. 
bei Keller 1107, nach Münchner cgm. 713,. B. 195. Der Wolf klagt einem 
Hagen fein Leid, daß die Bauern ihn nicht mehr zu den Leuten laßen wollen 
und daß er, da er nicht hacken noch reuten könne, Hungers fterben müße. 
Vgl. §. 88, wo daffelbe wenig geänderte Gedicht einem ChriAannns Awer zuge- 
fchrieben ift.) — 34) Klopf an. Vgl. §. 89. Gedr. bei Keller 1149 nach E. 57, 
wo der Titel: *des Snepprers anklopfen.* In dem.fchdnen Gedicht felbft kein 
Name. 

Vin. Hans Bofenplüt, Prediger Ordens. 35) * Memorial der tugend. 
Ein löblicher Spruch von der Beichsftadt Nürnberg durch Bruder Bofenplütt, 
Prior in dem Predigerklofter , a. 1447. Schluß: 'Solchs hat gedieht mit Ver- 
nunft gut, Prediger ordens Hanns Bofenplüt.' Will Nopitfch 7, 312; <£in 
Miscellband des 17. Jh. in Fol. enthält Verfchiedenes aus dem 30 j&hr. Kriege, 
meift Nümbergifches und darunter 1) einen löblichen Spruch von der Beichs- 
ftadt Nürnberg, durch Bruder Bofenplütt, Prior in dem Predigerklofter, a. 1477.' 
Will bibl. Norica 7, 158. Da Nopitfch 7, 312 aus der bibl. Norica 7, 158 
fchöpft, ift die Angabe der letzteren (1477 anftatt 1447) die richtigere. — 

IX. Hans Bofenplüt 36) Die Wochen. (D. 20. Münchner Cgm. 713, 
130. Damach gedruckt bei Keller 1190. Auslegung der Pflichten der 7 Tage 
der Woche mit vielfach eingeftreuten lateinifchen Verfen.) 

Das ift alles, was durch Bofenplüts Namen oder Bezeichnungen die dem 
Kamen gleich gelten, als fein verbürgtes Eigentum bekannt ift. Unter allen 
Ijfummem ift nichts, was damals nicht allenfalls auch ein Geiftlicher hätte^ 
dichten können, 8 — 13 etwa ausgenommen, jedenfalls nichts was den Eintritt 
in ein Klofber bei vorgerückten Jahren hatte hindern können. Die Gedichte, 
auch wenn fie alle von Bofenpliit fein feilten , zeigen ihn reiner , ' als er nach 
den bisherigen Berichten erfchien. Diefer Charakter macht es nicht gerade 
unwahrfcheinlich, daß die geiftlichen Priameln, das Münchner Cgm. 713 (Kel- 
ler 1078) von BofeUplÄt herr&hren und daß er von diefen feinen Beinamen 
fAhrte. Die Priamel hat (vgl. §.89,1) einen doppelten Namen, von derAufz&h- 
lung verfchiedenartiger Gegenftände Priamel und von dem plötzlichen Ab- 
fehnappen Schneper, fo daß ein fchimpflicher Nebenbegriff nicht in einem da- 
her entlehnten Namen zu liegen braucht. 

luf BsMiftfcL der die G«rchlchte eines BAubmörders, des Zerrers, erz&lilt(gedr.Kener 
l$i^ lua mit BoltaplAt fleher nichts gemein. 



Buch 3. §. 94. 95. d9 

§.95. 
Hans Foli, Barbierer, d. i. Wandarzt, zn Nürnberg, lebte um 1480 — 90 und 
fcheint von Worms gebürtige zu fein. In ihm, dem blnmendüffcelnden MeiAer^ 
fänger, fchmntzigen Schwankdichter und Yerfaßer lasciver Faftnachtfpiele fteIH 
fich recht eigentlich die Ueppigkeit und der fittliche Verfall der Dichtung dar. 
Was Ungünftiges Aber die Schwanke (§. 88) n. FaXtnachtsfpiele (§. 93) gefagt 
ift, trifft vorzngsweife ihn. Eine Analyfe feiner Dichtungen üt deshalb ausge- 
fchloi^en. Die Quellen find ohne Mfthe zugänglich. Seine Gedichte waren beliebt 
und früh durch den Druck verbreitet. Bei den meiften nennt er fich in der 
Schlui^fchrift: Hans Folcz Barwirer. . Nur wo davon abgewichen wird oder der 
Name fehlt, wird darauf aufmerkfam gemacht werden. Es find vier Gruppen 
zu fcheiden : die lyrifchen Gedichte, die ernfthaften Sprüche, die Schwanke und 
die Faftnachtfpiele, denen das dialogifche Gedicht vom Kargen angereiht ift. 
üeber Pols vgL Kellers FaOnaclitr^iele. Bd. 3. 
- •!. MeiftergefSnge. 1) In der Grundweis Frauenlobs: 'O Gbtt wi« 
rein und zart^ Gedr. in den Mainzer Quartalblättern 1832. 3, 4, 59. Vgl. 
Keller 1271. Preis des Meiftergefanges und Anruf des Dichters an die Sänger, 
feine Ungefchicklichkeit zu entfchuldigen und ihn als SchAler aufzunehmen. 
— 2) Im langen Ton. Vom J. 1479. Vgl. Keller 1269. — 3) In Brenbergers 
Ton. Alter Druck. 4 Bl. 8. Gedr. im MA. 960. Vgl. Keller 1269. — 4) Der 
böfe Rauch; in der Flamm weis. Alter Druck. 4 Bl. 8. Gedr. bei Keller 1279. 
Der Name ift nicht genannt, aber der Schlußreim auf -er verfteckt ihn, fo daO 
man lefen kann: *Alfo fpricht Hans Folz Barbirer.' — 5) Wider den b^fen 
Rauch, in der Flammweis ein Liet von dem Lob der Ee. Alter Druck 
4 Bl. 8. Gedr. im MA. 959. Vgl. Keller 1282. Der Name ift auf dem Titel 
und im Schlußreime genannt. — 6) In der Flammweis : * Ein elich folk idi 
eins erkant.^ Gedr. in den Mainzer Quartalbl. 1831. 3, 55. Erz&hlung von 
der Frau, die beim LeichenbegängniG ihres zweiten Mannes die Tr&ger bittet| 
bei einem Baume nicht auszuruhen, da ihr erfterMann dort vom Tode wieder- 
erwacht fei. Geliert drehte die Gefchichte um. D. 1, 585. 

Fols werden folgende T6ne zagefchrieben : die FeUweis lOreimig; der Bäumton 18- 
reimig; die Abenteuerweis 20reimig; die Schrankweis 28reimig; der freie Ton SOreinilg; 
der Teilton Treimig. Vgl. Wagenfeil, de civitate Norimb. p. 634. 

n. Ernffchafte Spruchgedichte. 7) Von dem Leben und der BoBe 
Adams und Evas. o. O. 1480. 4 Bl. 8 Vgl. Keller 1248. Die Klage Adams. 
Vgl. §. 47 u. 132. — 8) Vomürl^rung des römifchen Reichs. o.O. (Nürnberg) 
1480. 20 Bl. 4. Wiedergedruckt bei Keller 1301—1323. — 9) Ton dem pflir- 
rer im loch. Alter Druck, o. O. u. J. 8 Bl. 8. ; Nürnberg. Hans Stuchs, o. J. 
8 Bl. 8. Die Gefchichte eines Pfarrers, der 1447 in SiciHen in einen Berg ge- 
worfen wurde und dort Wunderdinge fah. Vgl. Keller 1272. — 10) Von der 
Peftilenz. Alter Druck 1482. Vgl. Keller 1272. — 11) Von der coUatidn 
Maximilians ' in Nürnberg zugericht. Alter Druck: Nürnberg 1491, Fol. Be- 
fchreibung der FefÜichkeiten , die Max zu Ehren 1491 in Nürnberg gegeben 
wurden. Vgl. Keller 1208. — 12) Liber collationum. Confectbuch. Vitaii 
patrum. Alter Druck, 1485, in Folio auf Pergament mit Gewürzkäftchen , in 
Wolfenb. Vgl. Meufel, hiftor. bibl. liter. Magazin 4,' 133. Aelterer Druck mit 
be6rem Texte: o. O. u. J. 8 Bl. 8. Wiedergedr. in Fifchers typograph. Sel- 
tenheiten 2, 52 ff. Vgl. Keller 1266 f. .— 13) Eine gute lehre von allen 
willtbaden. Alter Druck, o. O. u. J. 8. ; Straßburg, Barth. Kylteller am Grtin- 
eck 1504. 8. Vgl. KeUer 1248. Befchreibung der Heilquellen. — 14) Voll 
dem dberften Richter in der Welt. Alter Druck, o. O. u. J. 4 Bl. 8. Vgl. 
Kener 1282. 

m. Gemif cht e Sprüche. 15) Die SeenSucht. Alter Druck, 6 Bl. St 
Wiedergedruckt bei Keller 1283 ff. Schilderung des Liebdebens. vol> Zartb^ 
und Schmutz. — 16) Retterfch. Gedr. in Haupt» 21tfc\a. %s t^^V ^V^W^^^ftii 
Kapaun, mit Bildern aus dem Leben ChriW.. k«Äm\\CiV^^a^\^^^^V^A;r^ 
i7) Fan abeDtenrliob Klopfan, Anff alietley art. Mte "Öroi^äteÄ^ o,0»xi. ä. ^^P- 

1* 



100 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

KeUer 1242, Nürnb. Stnchs 1521. 8. Vgl. KeUer 1244; Nümb. Knneg. Hergotia 
(um 1530) 8B1. 8. Vgl. Anz. 8, 365; wiedergedruckt bei Schade, Vgl §. 89,3. 
Zarte und unfaubre. — 18) Dye frech und die mil. Alter Druck, o. O. u. J. 
8 Bl. 8. Vgl. Keller 1209. Auch unter dem Titel : zweier Frauen Krieg. Vgl. 
Will Nopitfch 5, 344. Der Dichter belaufcht die Zänkerei zweier Weiber. — 
19) Der freiheit und priefter. Alter Druck. Wiedergedruckt in Haupts Ztfchr. 
8, 530 ff. Ein Freihart foppt den Priefter, der feine Beichte h6ren will, mit 
eulenfpiegelfchen Redensarten. — 20) Krieg mit einem Juden. Alter Druck. 
Vgl. Keller 1247 f. Streitgedicht über die Vorzüge des Chriftentums vor dem 
Judentum. Ein andrer alter Druck Nürnberg 1479. 4. 

rV. Schwanke. 21) Die halbe bim. Alter Druck, o. O. u. J. 6 BL 8. 
Wiedergedr. im MA. 855. Vgl. §. 72. — 22) Der Kuhdieb. Alter Druck, o. O. 
u. J. 4 Bl. 8. — 23) Der Pachendieb. Alter Druck. 4 Bl. 8. Vgl. KeUer 1271. 

— 24) Dreier pauren frag. Alter Druck. 4 Bl. 8. Vgl. KeUer 1271. Wieder- 
gedruckt in Meufels Magazin 4, 127. Anderer Druck: Nümb. Stuohs, 4B1. 8. 
Vgl. KeUer 1271. — 25) Von einem buler. Alter Drack, o. O. 1488. 6 Bl. a 
Wiedergedr. bei KeUer 1273. — 26) Ein pulfchaft von einer pauren meit und 
einem jungen gefeUen. Alter Druck. Wiedergedr. in Haupts Ztfchr. 8, J510. 
Wahrfcheinlich interpoliert. Der kürzere Text in VaL Holls Hs. Vgl. Keifer 
1278. — 27) Von der pulfchaft dreier ftudenten. Alter Druck. Nümb. 1480. 
Vgl. KeUer 1278. — 2ö) Von einem wirtsknecht und der hausmeit. Alter 
Druck, o. O. u. J. 4 Bl. 8. Nürnb. Stuchs 1521. 8. 'Sich fügt eins abends 
fp&t daß ich\ — 29) Von einem kriechifchen arczat. Gedruckt von hänfen 
folczen barwirer zu nurmberg. 1479. 6 Bl. 4. Wiedergedr. bei KeUer 1197. — 
30) Von einem kaufmann von Straßpurg der gen Rom zog. Nürnberg 1479. 4. 
Wiedergedr. Ztfchr. 8, 517. Vgl. KeUer 1 293. Agricol Sprichw. Nr. 673. — 31) Spruch 
von wannen die Affen kommen. . Val. Holls Hs. Darnach in Haupts Ztfchr. 

' 8, 537. Vgl. KeUer 1293. — 32) Von einem Spieler. Alter Dmck. 6 Bl. 8. 
Wiedergedr. bei KeUer 1288. — 33) Der neu GiUden Traum. Alter Drack. 8 
Bl. 8. Wiedergedr. bei KeUer 1293 (die 22 letzten ZeUen fehlen dort, Folz 
nennt fich im Schlußreim). — 34) Dreü weih die ein porten funden. 4 Bl. 8. 
Vgl. KeUer 1300; nach einem interpoUerten Drucke, der eine abgefchmackte 
aUegorifche Deutung bringt, aber auch den Dichter im Schlußreim nennt; ge- 
druckt in Haupts Ztfchr. 8, 524. — 35) Die worper. (Wol identifch mit dem 
Schwanke, Nürnberg 1479, 4., den Keller 1223 nennt.) Alter Druck, o. O. u. J. 
4 Bl. 8. Nürnb. Stuchs, 4 Bl. 8. Vgl. KeUer 130! (die Gefchichte von den 
Prophetenbeeren ; fchon bei Poggio facet, 1, 174 ed. Lond. ; Bebel. facet 2, 44 ; 
Eulenfpiegel Nr. 35; SchUdbürger Cap. 11; Hagen, Narrenb. S. 70; Ejring 
prov. cop. 1, 240. 344), auch in der Heidelb. Hs. Nr. 109, Bl. 125: <Hans Folz 
1514', was fich auf die Abfchrifl Simprecht KröUs bezieht. Vgl. WB. Nr. 79. 

— 36) Die erft außfart eines arztes. Nürnb. Stuchs. 8 Bl. 8. Vgl. KeUer 1202. 

— 37) Die gedieht peieht. Alter Drack. 6 Bl. 8. Wiedergedr. bei KeUer 
1202 ff. — 38) Hiftory von einer ebrecherin wie fie fich fo mit mancherlei 
hübfcher Antwort befch6net. 6 Bl. 8. Vgl. KeUer 1222. — 39) Von einem 
FüUer. Alter Drack, 6 Bl. 8. Wiedergedr. bei KeUer 1210 ff. — 40) Voi^ 
aUem hausrat Alter Drack, 8 Bl. 8. Wiedergedr. bei KeUer 1215 ff. — 
41) Der JüdenmeCßas. Alter Druck, 6 Bl. 8. Wiedergedr. bei KeUer 1223. 
(Schon bei Csefarius von Heifterb. und noch 1786 auf der Kanzel erz&hlt. 
Vgl. Journal v. u. f. Deutfchl. 1786, 2, 527.) — 42) Ein Köler der fein weih, 
eins goltfmids weib und fein meit fchlug. Alter Druck, 4 Bl. 8. Wieder- 

rdr. b. KeUer 1244. — 43) Practica teutfch. Alter Drack? ; Nürnb. Stuchs, 
Bl. 8. Vgl. Keller 1273. — 44) Von einem Kaufmann zu Bafel. In Val. 
Holls Hs. — 45) Schwank: 'Nun h6rt ein kurzweil' .. in Val. Holls Hs. 

V. Faßnachtfpiele. 46) Von der alten und neuen ee (Judentum und 
Chriftentum). Gedr. KeUer Nr. 1. — 47) Von pulem denen fraw Venus ein 
urteil feUet. Alter Druck, 4 Bl. 8., mit dem Namen im Schlußreim. Gedr. im 
MA. 980 ; nach d. Hs. G. gedr. bei KeUer Nr. 44, ohne den Namen, den der 
Beim noch andeutet — 48) Von den die fich die weiber nerren laßen. Alter 
Drack, 4 BL 8.; darnach im MA. 981. Nach der Hs. G. ohne Namen,, den 
der Scblttßreim andeutet, gedr. bei Keller Nr. 38. — 49^ O&t aia ^a£t Cv^tLCeh 



Buch 3. §. 95. 96. 101 

paurnfpil. fagt ietlicher was im auf der puoifchaft gegent ift. Gedr. bei 
Keller Nr. 43. In der Schlußfchrift : Hans Folz von Wurms barbirer. — 
50) Von einer gar pewrifchen pawrn heyrat. Nürnberg durch Jobft Gutknecht 
1419 (d. i. 1519, vgl. Keller 1465). Gedr. bei Keller Nr. 7. Am Schlüge: 
Hans Folz der Barbirer. And. Druck: Nürnberg, J. Gutknecht 1521, 8 Bl. 
8.; vgl. Keller 1467. Nürnberg, G. Merckel, o. J. 7 Bl. 8.; vgl. Keller 1466. 
— 51) Von einem pawrn gericht. Hans Folz, o. O. 1474. Vgl. Will Nopilfch 
5, 342. Nürnb. Stuchs, 4 Bl. 8. Vgl. Keller 1465. And. Druck 1535, vgl. 
Will Nopitfch 5, 342; gedr. b, Keller Nr. 112, ohne Schlußnamen. — 52) Von 
dem Kfinig Salomo und Markolffo. Nürnb. Stuchs, 16 Bl. 8. Vgl Keller 1468; 
älterer Druck in Berlin Z. 7941 ; gedr. bei Keller Nr. 60. — 53) Von einem 
reichen kargen . . red genant der kargen fpigel. Gedr. von hänfen folczen zu 
nürmberg barbirer. 1480. 4. Darnach gedr. bei Keller 1229. And. Druck: 
Der kargen fpigel. Ein fch6ner I^ruch von einem reichen kargen. Nürnb. 
Stefan Hamer. 1534. 12 Bl. 4. Vgl. Keller 1242. HB. 2123. 

VI. Hans von Wurms barwirer. Die widervergeltung. VgL Keller 
1444 ff. Eine auch bei Boccaccio 8, 8 u. fp&ter oft vorkommende Gefchichte. 

VII. Hans Zapff zue Nürmberg Barbirer nennt fich in der Weima- 
rer Hs. 42 Q. (Keller 1453) als Dichter des Schwankes, der auch Rofenplftts 
Namen tr&gt. Vgl. §. 95, 30. 

§.96. 
Angeekelt von der Roheit der Gegenwart wandten fich einzelne Dichter und 
Freunde der Dichtung- mit großem Eifer auf^ie alte Zeit zurück und verfuch- 
ten im Sammeln alter Dichtungen oder im Nachdichten fich über die Erfah- 
rung zu tSufchen, daß die Zeit der Ritterromane und der hdfifchen Poefie 
vorüber fei. Die eigne Leiftung hat nicht einen Hauch jener älteren Gedichte 
> mehr aufzuweifen ; die Sprache ift von unglaublicher Verwilderung und Ver- 
worrenheit, fo daß mitunter ein Verrückter zu reden fcheint. 

Pttterich von Reicherzhaufen bei Pfaffenhofen dichtete für die verwitwete 
Erzherzogin Mathilde von Oefterreich, Tochter des Pfalzgrafen Ludwig, die 
zu Rotenburg am Neckar lebte, im J. 1462 einen Ehrenbrief, in dem er, 
die Titurelftrophe oder Labers Ton benutzend, die Ritterbücher der Erzherzo- 
gin, feine eigenen und die damals noch turnierenden bairifchen Adelichen auf- 
zählt Er ftarb vor Fürterer. 

Gedr. bei Duellins excerptt. geneal. hift. 1725 p. 265. l€it literariTcliem Oommentar 

S%h die literar. Stellen Adelung 1788 heraas. Der Ehrenbrief wiedergedruckt in Haupts 
tfchr. Bd. 6. Vgl. HMS. 4, 883 ff. 

Dlrieh FOrterer dichtete für Herzog Albrecht IV. von Baiem (1475 f 1508) 
ein umfaißendes Werk über die Tafelrunde, das er mit dem trojänifchen 
Kriege und Argonautenzuge beginnt. Den Haaptftoff bildete Lanzelot, meiTfc 
nach dem franz6fifchen Profabuche. Das Gedicht, das nur als Gegenfatz zu 
den üppigen Schwänken der Zeitgenoi^en und als letztes Aufzucken der h4fi- 
fchen Poefie Bedeutung hat, wird felbft als roh, gefchmacklos und häufig ge- 
mein gefchildert, was im Vergleich mit den älteren Vorbildern gewis richtig, 
im Vergleich mit den übrigen Gedichten jener Zeit ebenfo gewis zu ftrenge 
ift. Ulrich bediente fich gleichfalls der Titurelftrophe. Er war auch Maler. 

Das Gedicht enthält: 1. TroJ. Krieg und Argonautenzug. 2. Merlin. 8. Gaudin und 
Oamuret. 4. Tfchionatulander und Sigune. 5. Parzival. 6. Lohengrin. 7. Flores und Wi- 
galois. 8. Siegfried von Ardemont. 9. Meleranz von Frankreich. 10. Iwein. 11. Pertybein. 
19. Paytislier. 18. Lanzek>t. Auszug gab HoffTt&tter: Altdeutfche Gedichte aus der Zeit der 
Tafelrunde. Wien 1811. n. 8. Vgl. MA. 822. 

Gedruckt wurden um diefe Zeit der Titurel (§.70, 1), der. Parzival (§.40), 
Vintlers Blume der Tugend (§. 87, 2), Konrads Schachzabel (§. 85, 2), des 
Bühelers Königstochter (§. 87, 1), Bücher, die als letzte R^^xv^^ii. ^^t V^^^'ftÄ. 
Dichtung erfcheinen. Bald ftreifte mau die Yoxm «Äi \m^ «tTÄiJcöi.\Ä ^^ ^&««i^ 
Gefebicbten in Profa. (§. 105.) 



1021 BttrgerKch gelehrte Dichtung. 

§. 97. 

Auch das dentfche Epos zuckte noch einmal in lebendiger Weife anf. 
Die yielfachen Handfchiiften des 15. Jh. (§. 61), der Druck des f. g. alten 
Heldenbuches (§. 86), vielfache Drucke einzelner darin nicht enthaltener Stücke 
(Sig^not §. T7, 1. Laurin §. 77, 2. Ecke §. 64, 2. HUdebr. §. 76) weifen 
auf eine bewegte Teilnahme; wirkliches Leben zeigen die Ueberarbeitongen 
iUterer Gedichte, wie die in Feifaliks Handfchrift, in der Dresdner Hs. des 
Kaspar von der Rosn, die Bedactionen Orendels und Oswalds (§. 33) und das 
erft im 16. Jh. nachweisbare, ficher aber im 15. Jh* fchon yorhanden gewefene 
Lied von Elrmenrichs Tode. Wie roh und verwildert alle diefe Dichtungen 
erfcheinen m6gen, auf dem Hintergründe der in leeren Allegorien oder groben 
ünfauberkeiten verkommenen Zeit erhalten fie eine höhere' Bedeutung. 

Eine von Jul, Feifalik aufgefundene Hs. enthält außer dem Ortnit Hug- 
uad Wolfdietrioh auch eine Bearbeitung der Nibelungen, die fleh felbft der 
Nibelunger liet nennt und auf einer Grundlage beruht, die nicht mehr 
yorhanden ift. Der Burgundenkönig, den die Nibelungen Dancrat nennen, 
heißt wie im Siegfriedsliede, Gibich (Str. 7 u. 123). 

Die Hs. (f. 61, 18) ift, nach einer Mitteilung des Entdeckers, ans dem Bnde des 15. Jh.,. 
doeh nicht fo ipkXe Abfchrift, fondem wirkliche Bearbeitung. Zun&chfk fchliefit fle fleh (vgl . 
f. 60) Ewar an Oa an, aber fo, da6 Ae auch Strophen, die A allein, einmal eine, die nur D 
•igentAmlioh ift, bietet and flberdies eine bedeutende Anzahl von Strophen hat, die allen 
Handfchriften fehlen, wihrend Ae ihrerfeits wieder Strophen der Abrigen auslädt. Sie aer- 
mit in Ewei grftfiere Teile. Der erfte, Str. 1—1162 hat die Ueberfchrift: *Das ift die erft 
ho^Mit) mit Seyfridt auB Niderlant uiuLmit KrenhiUden*, der sweite, Str. 1158— S449: <Das 
ift die ander hochczeit Kunig Eczels nm Krenhillden auB Purgunderlandt.* Die Strophe ift 
der fogenannte ^debrandston, der Reim unerhört firei ; der innere nur da, wo er aus nach- 
UMUger Wiederholung der Wörter aus der vorhergehenden Zeile entftand. Der Dichter be- 
ruft floh auf Gehörtes wie Gelefenes. Herausg. v. J. Feifalik. Hanover 1856. 8. 

Fr&her vielleicht f&llt die verloren gegangene Hs. einer Bearbeitung der 
I^belungenfage, in welcher Siegfrieds Kampf mit dem Drachen, der 
Kriemhilde entführt hatte, als 7. o. und 9. abinture ausführlich era&hlt wurde 
(etwa 12—1300 ZeUen). 

Nur die größere Hüfte des InhaltsveneichnifTes ift erhalten und inHpt8.Ztfohr. 10,144 
hng. von Weigand, der die Hs. su Anfang des 15. Jh. fetst. 

Der Drachenkampf Siegfrieds bildet den Stoff eines erft im 46. Jh. 
gedruckten in der Nibelungen&ophe verfaßten Gedichtes, das trotz feines 
Ip&ten Auftretens fchon aus alter Zeit ftammen muß, da es nicht nur mit der 
^dreks- fondem mit der älteren VölfUngafaga, ja mit noch älteren angel- 
fSehfifchen Gedichten fich ber&hrt. Vgl. MA. 549—557. 

Haadfehriften flnd noch nicht gefkinden. Alte Drucke : Nfimb. Knneg. Hergotin. o. J. 
8. (swifBhen 1598—84). — Nfimb. Georg Wächter o. J. (um 1540). 5 Bgn. kl. 8. — Frkf. a. 
ILW.Haa. o.J. 4 Bgn. kl. 8. — Bern. Sgfr. Apiarius. 1561. 8. — StraSb. Mttllers Leben 1580. 
8. — O. O. 1585. 5 Bgn. kL8. — O. O. 1591. 8. — Bafel 1592. 8. Bafel 1594. 8. — Leipc. 
1611. 8. — Niederdeutfeh als sweite der <dre kortwiligen hlftorien*. Hamb. Joch. L5w um 
1545. — Gedr. in Hagen-Primiffers Heldenb. Bd. 2. Neue Ausg. v. JuL Feifolik. 

Ermenrichs Tod behandelt ein niederdeutfches Lied in kurzer aber 
firifcher volksm&ßiger Weife, in der Nibelungenftrophe. Dietrich zieht mit zwötf 
Helden, darunter der junge Bl6delin, nach Frifach und erfchl&gt Ermenrich. 
Alles ohne die großen Mannfchaftsaufgebote der h6fifchen Dichtungen fp&terer 
Zeit, in echter Heldenweife die That auf ^inem zufammenhaltend. 

Konine Brmenrikes dot. Hrsg. ▼. K. 06deke. Hanover, Ehlermann 1851. 8. Wieder* 
gedmok« ia Hagens Heldenb. Leips. 1855. 2, 587. Vgl. MA. 557-62. 

&aapar von der Bosn (§. 61, 21), wol nur der Schreiber und Zufammen- 
fttUer der Dresdner Hs. folgte älteren und befiren Quellen als der Zufammen- 
AeUer der Straßburger Hs. Seine Samlung enthielt urfprünglich nur fünf 
Stficke: Ecke. Bofengarte. Sigenot Etzels Hofhaltung. Laurin. 

Ueber Ecke vgL §. 64, 2. — Die Quelle des aus 364 achtseiligen Strophen 
beftehenden Bofengartens ift nodi nicht wieder aufgefunden. Sie weist 
Mb fohoD äadurob aÜs Sltelte der bekannten Fal^ungeu aua, d«i^ VoVIk«! daxVa 



Buch 3. 8. 97. 98. fÖ3 

erfchlagen wird, w&hrend die Abrig^en Redactionen ihn voll Ortwin nur ver-' 
wandet werden laBen, weil fie aus dem zweiten Teile der Nibelungen feine 
K&mpfe an Etsels Hofe kannten. — S i g e n o t. Kaspar (timmt wefentlioh mit 
dem alten Drucke Aberein (§, 77, 1), nur hat er auch hier bemerkenswerlke 
Eigenheiten aus feiner Quelle, freilich in zerrütteter Form, überliefert. Bei 
ihm heiBt Hildebrants Schwert Weihe, was nicht auf den Namen Freife der 
Handfchriften, fondern auf Weife, Weifung zu f&hren fcheint, ein Schwert ätiti 
imBiterolf diefem und zugleich feinem Sohne Dietleib zugeteilt wird. — Etzelv 
Hofhalt ift wol.erft zu Kaspars Zeit entftanden: Frau Saal de wird von dem 
Wunderer gejagt und von Dietrich, der den Jagenden toetet, errettet (vgL 
§. 93, 2). Kaspar hat dem Gedichte keine Auffchrift gegeben. Der hier ge- 
Drauchte ftammt von den Herausgebern her. Der Wunderer w&re paffender 
gewefen. — Lau rein. Auch hier fcheint Kaspar die ältefke Faßung des Ge- 
dichtes benutzt zu haben, die wie das alte Gedicht die Entführung- Simütes 
nicht voraufftellte, fondern gelegentlich einflocht. Kaspar allein überliefert 
ausführlich die Einzelkämpfe mit den Riefen und zwar mit Berufung auf eine 
gefchriebene Quelle (Str. 290. Vgl. MA. 544). Er allein hat die Strophe von 
vier Langzeilen, w&hrend alle {ibrigen Redactionen in Reimpaaren gefchrieben 
find. Er kennt die Fortfetzung ebenfo wenig, wie er eines Heinrichs von 
Ofterdingen erw&hnt. Er nennt einen auch fonft (im Ermenrichsliede) er- 
wähnten Wolfdietrich unter Dietrichs Helden, den keine andere Redaction 
kennt. Aus der Yergleichung zwifchen dem Wolfdietrich > Sahen und der. 
Dresdener Hs., aus der ferneren Yergleichung Sigenots mit derfolhen Hs. und* 
den verfchiedenen Gedichten von Laurin ergabt fich fiir die Dresdner Hs. in 
Bezug auf Quellenwert ein fehr günHages Refultat — Das andere von Kaspars 
Hand gefchriebene Stück geh6rt nicht zur Heldenfage im engern Sinpe, zeugt 
aber gleichfalls fiir feine oder feines Auftraggebers Neigung zu nicht eigent- 
lich h6fifcher Dichtung. Es ift der Herzog Ernft, 54 Strophen in der 
Bernerweife. Die von andrer Hand gefchriebenen Gedichte folgen alten g^ten 
Quellen. O r t n e y von 587 auf 297 Strophen abgekürzt Tchliei^t fich an deu. 
älteften bekannten OrtniJ (§. 63, 2), W o 1 f d i e t r i ch u n d S ab e n , von 700 
auf 333 Strophen zufammengedrängt, iffc, da er auf dem älteften Wolfdietrich 
fiU3t und allein den Schlui) bewahrt hat (§. 63, 3) eine der wichtigeren Ur- 
kunden f&r die Gefchichte unfers Epos. Das Hildebrandslied bewahrt 
gleichfalls die Zilige einer älteren h6fifchen Bearbeitung diefer Volksdichtung 
(§.76). Ebenfo wurde f&r die Drachenkämpfe Dietrichs und feiner Ge- 
fellen eine alte Quelle benutzt, deren 408 Strophen auf 130 einfchmolzen. 
Das Gedicht, das wir noch befitzen (§.74^4) kann, da es 1097 Strophen z&hlt, 
nicht benutzt fein. Das Gedicht weiß von den Kämpfen gegen dieRiefeh nichts, die, 
wenn feine Quelle fie gehabt hätte, es wol ebenfo wemg würde unberückfich- 
tigt gelaßen haben wie Kaspar im Laurein. Abenteuerlich itt, das letzte Ge- 
dicht, das Meerwunder, 31 Strophen der Bernerweife, deffen Quelle unbe- 
kannt ifb und außer der Burg Luneria kaum einen Namen nennt, auf den fich 
weiter forfchen Heße. Ein Herr von Lamparten befreit eine Königin von 
einem Meerungeheuer. 

Ueber den Druck des Kasparfchen Heldenbaches vgl. §. 73 und BfA. 580—547. ^ 

§. 98. 

Die niederdeatfehe poetifche Literatur des Mittelalters ilt 
fehr dürftig und bietet mit Ausnahme der hiftorifchen Gedichte überwie- 
gend nur Ueberfetzungen aus dem Hochdeutfehen oder NiederländiTcheny 
beginnt auch erft im 1 4. Jh. einigermaßen zahlreich zu wenden und dauert' 
bis ins 16. fort. Die Profaliteratur ift dagegen bedeutend und bei wei- 
tem felbftfkändiger. Von der poetifchen Literatur mag allerdings Vieles 
untergegangen und würde wol noch weniger übrig fein, wenn nicht frühe 
Samlungen Einiges erhalten hätten. 

i. Am Scblnße des 13. Jh. wurde au« lA^öiwtv xm^ ^TT.VSiA\iÄ^^T^^ ^^^ '^^ 



104 Bürgerlich gelehrte Dichtang. 

in Münfter, Bremen nnd Niederdeatfchland überhaupt lebendig waren, die 
Thidreksfaga zafammengefbellt (§. 58), deren Fülle nnd Bnndnng auf den 
großen Beichtum der niederdeutfchen Sagen nnd Lieder sn fcblieBen berech- 
tigt. Erhalten ift von allen diefen Gedichten durchaus nichts. Die nieder- 
deutfchen Aufzeichnungen des Laurin, Sigenot, Siegfried, Hildebrant ^find 
Uebertragungen aus dem Hochdeutfchen nnd das Lied von Ermenrieh lA ur- 
kundlich erlt aus dem Beformationszeitalter. 

1. Hoirteinifche Beimchronik bis 1225 (gedr. bei Staphorft, Hamb. Kirr 
chengefch. 2, 118. Dreyer, monum. anecd. 461.) 

2. Gandersheimer Beimchronik bis 1228, yon einem Priefter Eberhard 
(Lenkefeld, antiqnitt Gandersh. 353—408. Leibniz, fcriptt. 3, 149.) 

3. Gotfried Hagens Beimchronik von Köln 1269. (Hrsg. v. E. ▼. Groote. 
Kdhi 1834. Niederrheinifch.) 

4 Blarenbergers Beimchronik von Goslar, vor 1280 (vaterUlnd, Archiv 
2,51). 

5. Braunfchweigifche Beimchronik bis 1279—91 (Hs. in Wolfenb. Aug. 
81. 14. Fol. Gedr. bei Leibn. Scriptt 3, 1 — 131 und herausgegeben von K. 
F. A. Scheller: Kronika fan Saffen. Braunfchw. 1826. 8.) 

6. Des Chriftianus Wierftraat Beimchronik der Stadt Neuß zur Zeit der 
Belagerung durch Karl den Kfthnen von Burgund. Nach dem Originaldruck 
von 1497 hrsg. v. E. v. Groote. Köln 1855. 8. 

7. Lied von der Verbrennung des Kloiters Catelnburg, 1350, von Henni 
Brumintvelt. (Letzner DafTelfche Chronik« Erf. 1596. Fol. 24. Soltau 67.) 

8. Lied von der Erfteigung Lüneburgs, 1371, von Keppenfen (Leibniti 
3, 185. Uhland N. 159.) 

9. Lied auf BuITo v. Erzleben und die von Stendal. 1372. (Soltau 69.) 

10. Lied vom Stortebeker und G6deke Michel. 1402. Urfprünglich 
niederdeutfch, aber» nur hochdeutfch erhalten und oft gedruckt. (Hildebrand 
§. 84. S. 3—9.) 

11. Belagerung des Schlotes Grubenhagen 1448^ (Urfprünglich nieder- 
deutfch; nur noch in hochdeutfcher Uebertragung bei Letzner, DafTelfche 
Chron. 92.) . ^ 

12. Lieder auf Job. Springintgudt. 1455. ' (Eins bei Soltau 130.) 

13. Spruch vom Bürgermeifter Holland zu Braunfchweig 1488. (Soltau 1 60). 

14. Lied von der Belagerung Braunfchweigs 1492. (Hildebr. S. 18.) 

15. Lied von der Schlacht bei Bleckenffcedt 1493. (Hildebr. S. 27.) 

16. Ein anderes Lied von derfelben Schlacht. (Hildebr. S. 32.) 

17. Lieder der Dithmarfchen 1500 in Dahlmanns Neocoms. - 

Laurin (§. 77, 2), Sigenot (§. 77, 1), Siegfried (§. 97), Hüdebrant (§. 76), 
Ermenrieh (§. 97). 

2. Legenden m6gen fchon Mh teils felbftändig gedichtet, teils fiber- 
tragen fein. Einzelnes hat fich erhalten. Das Biblifche möge gleich mit 
erw&hnt werden. 

Biruchftück einer Sufanna des 14. Jh. (Gedr. im neuen vaterlftnd. Archiv. 
Hanover 1824. 2, 147 ff.) — St. Urfula, 14. Jh. (Vgl. Altd. BU. 2, 41). — 
Eine poet. Bearbeitung der Apokalypfe, 14. Jh. (Vgl. Germania 10, 125 ff. 
Altd. Bll. 1, 283 ff.) — Eine Genealogie Chrifti (vgl. DeutMufeum 1777. 
2,236).— Uebertragung von Philipps Marienleben (§.81,10), in mehren 
Hss. erbalten (vgl. MA. 130). — Uebertragung von Barthel Begenbogens 
heil. Veronica, Hs. von 1490 in Hildesheim (vgl. W. Grimm, Chriftusbilder. 
8. 13). — Mariengrüiße des 15. Jh. (Hs. in Hanover> — Ofterlieder 
des 15. Jh. {Hb, in Hildesheim und in Hanover im Privatbefitz. Vgl. Hpts. 
Ztfchr. Bd. 1.) 

§.99. 

3. Blankenheimer Samlung des 14. Jh. enthält außer Gotfrieds ins 



Buch 3. §. 98. 99. 105 

Niederrh. nmgefchriebenem Triltan eine Reihe von kleineren Stücken in nieder- 
rheinifcher Sprache, zum Teil arfprönglich niederrheinifch. 

Vgl. Hagens Germania 7, 266 ff. 

1. Van dem greven van Hollant. Wilhelm m. 1304 t 1337. Allegorifch. 
Ans dem hochdeutfchen. 480 Yerfe. (Qedr. Oerm. 2, 251 ff.) ~ 2. Das 
böfefte Thier (der edle zum Verr&ter gewordene Mann. Germ. 2, 267). — 

3. Der Beiher (Yergleichung eines Landesverräters mit einem Reiher). — 

4. Fabel von der Jagd des Loewen, Bruns und Reynarts. — 5. Der Sperber. 
Erz&hlnng aus dem hochd. (Hagens GA. N. 22. Vgl. §.72). — 6. Von Minne 
und Geld (9 Strophen. Die Minne wird über das Geld erhoben. Gedr. German. 
7, 327 ff.) — 7. Der Minne Jagd (Allegorie. Wol nach dem hochdeutfchen). 
— 8. Gefpr&ch über Wappen und Minne. — 9. Sprüche von Freundfchaft und 
Minne. — 10. Der Minnen bergfrit (gedr. German. 7, 328 ff.) — 11. Ueber- 
fetzung von Liedern Hohenburgs, Walthers u. f. w. — 12. Uebertragung von 
Gotfrieds Trifban und des Türh^mers Fortfetzung. 

4. Hartebök. 1404. Das Herzbuch der Flanderfahrer enthält 7 Ge- 
dichte, die wol fämtlich aus dem Niederländifchen übertragen find und noch 
dem 14. Jh. angehören mtU^en. 

Die.Handfchrift in Hamburg (vgl. Ztfchr. des Vereins f&r hamborgiTche Gefchlchte 2, 
647); gedruckt in Staphorfts Hamburg. Eirchengefch. 1, 4. 175 ff. Einzelnes auch hrsg. von 
Klemmlng in Samlingar utgifiia af IVenska fornfkrift-fäUTkapet. Stockholm 1846. 8. Die 
Hb. enth&lt: 

1. Van der-bort Chrifti. 1017 Verfe. (Staphorft S.-175 ff.) 

2. Van dem holte des hilligen krüzes. 768 Verfe (Staphorft 
202 ff. Die Sendung Seths ins Paradis; kehrt aus derfelben Quelle bei Arnold 
Immenfen §. 100, 12 wieder). 

3. Van einem eddelen krutgarden. 218 Verfe (Staphorft 223 ff. Allego- 
rifch moralifch). 

4. De kraneshals. 314 Verfe (Staphorft 225. Allegorifche Vergleichung 
der Eigenfchaften eines Liebenden mit dem Hälfe eines Kranichs.) ' 

5. Ufe leyen frouwen rofenkrans. 105 Verfe (Staphorft 229. Lobgedicht 
auf Maria). 

6. Valentin und Namelos. 2639 Verfe. Ein Gedicht das an den Ker- 
lingifchen Sagenkreiß gelehnt iffc und die Gefchichte Valentins und des ver- 
wahrlosten Namenlos (Urfon) behandelt. (Gedr. Staphorft 231 ff. und beßer 
bei Klemming Bd. 3 S. 67 — 133). Das Gedicht, offenbar nach einer aus dem 
Franz6fifchen gefloi^enen niederländ. Dichtung bejubeltet, wurde ins Mhd. um- 
gefchrieben. (Bruchftück im deutfchen Mufeum Wl34. 2, 91 ff.) 

7. Van dren koningen. 300 Verfe (Staphorft 263 ff. Unvollftändig. Eine 
andere Faßung aus einer Hs. vom J. 1393 gedruckt in Gr&ters Bragur 1, 362.) 

5. Wolfenbüttel-Helmftädter Samsung, aus der erften Hälfte 

des 15. Jh., -die vollftändig, aber mangelhaft herausgegeben ift. 

Bomantifche und andere Gedichte in altplattdeutfcher Sprache. Hrsg. von P. J. Bruns. 
Berlin 1798. 8. 

1. Zeno. 1528 Verfe (Zeno, den der Teufel ausgewechfelt, befiegt diefen 
und gewinnt die Körper der heil, drei K6nige, die fp&ter aus Mailand nach 
Köln gebracht werden). 

2. De kraneshals. Kürzere Faßung des gleichnamigen Gedichtes im 
Hartebok (bearbeitet von Ettmüller in feiner Ausgabe Witzlavs (§. 78). S. 
56 ff.) 

3. Vruwen lof. 124 Verfe. Bruchftück aus einem gr6ßeren Gedichte, in 
ftberbotenem Stile Gotfrieds. Aehnliches Lob des Weibes im Reinfried. 

4. Der d^rde rÄt. (Wiederholt in Ettmüllers Witzlav S. 64.) 

5. Van funte Marinen. 329 Verfe. Nach latein. Quelle (Marina leidet, 
weil fie ihr Gefchlecht nicht entdecken will, die größten Martern). 

6. Van dem hiligenBrandan. 1152 Verfe. Brandan hat ein Wunderbuch 
verbrannt und muß um ein folches wieder zu fchaffen von IxVkiA ^sav<& ^^^- 
reife machen, auf der er allerlei mönchifche A.\>eTit6\]L«kX «t\^\». 

1. Van Flosae nnde BlankflosBe. iSTT ^Teite. ^ÄÄiOawÖM$Q. ^'3B^^ss^r. 



106 Bürgerlich gelehrte Dichtung. 

mittelbar aus dem Franzdfifchen, fondem dem Niederlftndifehen, wenn auch 
nicht ans dem Gedichte Diderics van AlTenede. (MA. 699). 

8. Theophilus. Als Erz&hlung^ gedrucktes SchanfpieL S. unten 100, 11. 

6. JüitifcheSamlung, des 15. Jh. gegenwärtig in Stockhofan. Enth. 
mehre gr6^ere Qedichte. 

Vgl. Dafent in Hpts. ZtTchr. 5, 404 und derfen Theophilna. London 1845. 8. Hofltauum, 
Theophilus. 1854. S. 39. 

De deif van Brugghe (gedr. Ztfchr. 5, 383 ff.) — Fuchs und Hahn (gedr. 
Ztfchr. 5, 406 ff.) — Theophilus. S. unten Nr. 11. 

7. Liefländifche Samlung, im J. 1431 durch einen Johannes in 

Liefland gefchrieben. 

Die Hs. frdher in Efchenbnrgs, dann Meafebachs, darauf Hoffhianns BeAts Ut gegen- 
wftrtig in der k&nigl. Bibl. vn Berlin. Vgl. Efehenborg, Denkmller altdentfeher Diehtkmift. 
Bremen 1799. *8. 8. 209 ff. BibUotheca Hoffinanni Fallersleb. Leips. 1846. 8. S. 80 ff. 

1. Bedeutung der Farben in der Liebe. Der Anfang fehlt. Noch 541 
Verfe — 2. Frauengefpr&ch über Liebe. 210 Verfe. ' Gedr. bei Efchenburg 
S. 257. — 3. Frauentreue. 200 Verfe. (Efchenb. 268. Uebertragung des hochd. 
Gedichtes. Hagens GA. Nr. 13. Vgl. §. 72). — 4. Von einem Schreiber (Stu- 
denten) 662 Verfe, aus dem hochdeutfchen. (Gedr. Efchenb. 234 ff. Hagens 
GA. Nr. 42.) ~ 5. Der Kl&ger und die Minne. Anfang fehlt. Noch 831 Verfe. 
Wol auch nach dem hochdeutfchen. — 6. LiebesUed, 3 Strophen. Uebertr»- 
gung aus dem hochd. des Barthel Regenbogen. HMS. 3, 452, 4 — 6. — 7. Flos 
und Blankflos. 1350 Verfe. Vergleichung mit der Helmftädter Hs. bei Efchenb. 
S. 222 ff 

8. Eine Samlung des 15. Jh. (1481) zu Wien enthält neben mehren 
offenbaren Ueberfetzungen aus dem hochdeutfchen, die hin und wieder mit 
der Blankenheimer Samlung ftimmen, auch den Henneke Knecht, ein Spott- 
gedicht auf den feefahrenden Bauerfohn. 

Vgl. Hoffmanns Wiener Has. Nr. 94. S. 191 ff. Henneke Knecht auch bei Uhland, 
VolksUeder Nr. 171. 

§. 100. 

9. Gerard, Dechant zu Minden, verfaßte 1370 (nach Aefop) 102 Fabeln 
in niederd. Sprache, d. h. er entlehnte aus dem Anonymus des Nevelet und 
einigen lindem Quellen feii^ Beifpiele und kleinen Erz&hlungen. 

Gerard erz&hlt mehr breit und redfelig als ausf&hrlich, weiB mitunter auch 
gefchickt zu lokalüieren. In dem 89. Beifpiele beruft er fich auf eine Erzäh- 
lung des Königs Woldamar van Denemarken, die er vor 50 Jahren von diefem 
felbffc gehört habe. 

Handfchr. in Magdeburg. Teilweife gedruckt inWiggerts zweitem Seherflein. Magdeb. 
18S6. 8. S. 28—70. 

10. Vridank. Eine niederd. Ueberfetzung des Freidanks ift handfchrift- 
lieh in Magdeburg vom J. 1460. — Befchreibung und Proben in Wiggerts 
zweitem Seherflein. Magdeb. 1836. S. 70 ff. 

Eine niederd. gereimte Umfchreibung des Facetus, gleichfalls aus der 
zweiten Hälfte des 15. Jh., in Magdeburg. — VoUftändig gedruckt inWiggerts 
Scheiflein 2, 6 ff. Eine andere Ueberfetzung machte Kinderling bekannt im 
deut. Mufeum 1788. Nov. 450 ff. 

Die Ueberfetzungen des C a t o , von denen keine in rein niederdeutfcher 
Mundart abgefaßt iH;, hat Zamcke (Cato S. 154 ff.) teils befchrieben, teils 
wieder veröffentlicht. 

11. Theophilus, der (ich, um geiftlichem Ehrgeiz fr6hnen zu können, 
dem Teufel verfchreibt, dann zu Maria bekehrt und von diefer erl6st wird, ill 
von dramatifchen Dichtern mehrfach zum Helden gew&hlt Die Behandlung 
jieigt Gewandtheit und Leben. 

Ueber die Theophiluslegende, die fchon zu Anfang des 12. Jh. In Hart- 



Buch 3. §.99—100. 107 

mans (§. 24) Rede vom Glauben 1926—2001 behandelt wurde, vgl. MA. 141. 
Das älterbe der drei niederdeutfchen Dramen ift das der Helmftädter Hand- 
fchrift (Nr. 2), das die beiden andern faft wörtlich benutzt haben, der Dichter 
der jfitifchen Samlung^ (Nr. 3) von v. 175 feines Spieles an und der Dichter 
der Trierer Hs. von y. 526 au. Beide haben die Vorgefchichte des Teophilus, 
die in der Helrnftädter Hs. fehlt, fo daß eine gemeinfame ältere Quelle aller 
drei Hss. vorausgefetet werden muß. Der jittifche Dichter ift darin kurz und 
hält den alten Gang des Nacheinanderredens der Perfonen feft; der Trierer, 
der eine umfangreiche, nicht vollftändig ^überlieferte Arbeit beabfichtigte, hat 
die Vorgefchichte, die fehlfchlagenden Hoffnungen des^Theophilus, zumBifchof 
gew&hlt zu werden, mehr dramatifch im neueren Sinne behandelt, da feine 
Perfonen wiederholt reden. 

1. Theophilus. Niederdeutfches SchaaXt>iel aus einer Trierer Handfchr. des xv. Jh. 
von Hoihnann v. Fallersl. Hanover 1858. 8. 

7. Theophilus. Nach der Helmltädter Hs. als Erz&hlung bei Bnms, dann als: Theo- 
philus der Fault des Mittelalters. Hrsg. v. Ettmüller. Quedlinburg 1849. 8. — Am heften 
von Hoffhiann: Theophilus. 1854. S. 51. * 

3. Theophilus, nach der Jfltifchen Samlnng hrsg. : Theophilus in Icelandic, low German 
and other tongues. From mss. in the royal library Stockholm. By €^orge Webbe Dafent. 
London 1845. 8. S. 98—65: daraus in: Theophilus. Niederdeutfches Schau^iel in zwei 
Fortfetzungen. Aus einer Stockholmer und einer Helmftädter Hs. von Ho&nann v. F. 
Hanover 1854. 8. S. 8—87. 

12. Stindenfall. Ein umfangreiches Schaufpiel, das mit dem Falle 
Lucifers begannt und bis zur Weihung der dreijährigen Maria geht, flicht eine 
Zankfcene zwifchen Salomo und feiner Frau ein. Als Dichter nennt fich ein 
Amoldus ImmefTen, der nicht aus Einbeck fondern Qoslar zu fein fcheint. 
Um 1460.- 

8958 Verfe. Hrsg. v. O. Schdnemann mit dem folgenden Stücke. 

13. Marien klage. Nach hochdeutfchen Quellen, um 1460 abgefaßt, 
mit lyrifchen Stücken und zu kirchlichem Zwecke. 

Der Sttndenfall und Marienklage. Zwei niederdeutfche Schaufjpiele aus Hss. der Wol- 
fenbttttler Bibliothek hrsg. von O. Sch6nemann. [f 1855] Hanover 1855. 8. 

14. Das Reden tiner Spiel von der Auferftehung Chrifd, 1464 gefchrie- 

ben aus der Gegend von Wismar, nicht ohne Spuren firanzöfifchen EinfluBes. 

2014 Verfe. Gtodr. in Mones Schauft>ielen des Mittelalters 2, 88 ff. und darnach in will- 
kürlichem niederdeutfch hrsg. als: Dat Ö>il fan der upftandinge. Von L. EttmAller. Qued- 
Unburg 1851. 8. 

15. Reineke. Der niederländ. Reinaert des 13. Jh. wurde im 14. Jh. 
einer Ueberarbeitung unterzogen und mit einer wiederholenden Fortfetzung 
verfehen (BiA. 615). Im 15. Jh. verfah Hinrik van Alkmer die Ueberarbeitung 
mit einer profaifchen Gloffe (MA. 678). Diefe bis auf wenige Blätter unter- 
gegangene Bearbeitung des Reinaert übertrug mit vollkommener poetifcher 
Kraft undUnbefangenheityielleicht der Buchdrucker Barkhufen ins Niederdeutfche, 
wobei er die Gloffe erweiterte. Durch fp&tere irrige Zeugniffe wurde diefe 
Bearbeitung dem Nicolaus Baumann zugeiphrieben. Aus der niederd. Arbeit 
flößen dann im 16. Jh. hochdeutfche, lateinifche und d&nifche, im 17. eine 
fohwedifche Bearbeitung und am Schlüge des 18. Jh. dichtete Goethe darnach 
feinen Reineke Fuchs. . • 

Reineke de tos. hübeok 1498. 4.; Roftock 1517. 4.; 1522?; 1539/49. 4. 
1548. 4.; 1549. 4.; 1553. 4.; 1592. 4.; Frankf. 1536. Fol.?; 1550. 4.; 1562. 4. 
1572. 4.; 1575. 8.; 1608. 8.; L&beck 1549. 4.?; 1592. 4.; Hamb. 1604. 8. 
1606. 8.; 1660t 8.; 1666. 8. Reineke de vos mit dem koker. (hrsg. v. F. J 
Hackmann.) Wulffenb. 1711. 4.; Leipz. 1752. 4.; 1792. 4. (hrsg. von Gott- 
fohed) ; Eutin 1798. 8. (hrsg. v. Bredow) ; Braunfchw. 1825. 8. 1835. 8. (hrsg. 
V. K. F. A. Scheller). Breslau 1834. 8. 1852. 8. hrsg. v. Hoffinann von Fal- 
lersleben. Vgl: MA. 616. 



108 Kirchliche Volksdichtung. 

Viertes Bach« 

Von der Reformation bis zum dreißigjährigen Kriege. 
ILirchliche Volfeusdichtmii;. 

§. 101. 
Die Dichtung diefes Zeitraumes hat die allgemeinfbe Teil- 
nahme des Volkes zu erwecken vermocht und ift durch Wahl 
und Behandlung der Stoffe, fo wie durch die allgemeine Betei- 
ligung aller Stände an der Ausübung der Dichtkunft eine 
durchaus volksmäßige, die eigentliche Blutezeit vom gefchicht- 
lichen Standpunkte. Die großen Umwälzungen Europas im 
15. Jh., der Fall Konftantinopels, die Erfindung des Buchdrucks, 
die Wiederbelebung klaflifcher Studien richteten die Blicke 
auf die inneren Zuftände und drängten die Gemuter mit großer 
Gewalt auf bürgerliche und kirchliche Verbeßerungen hin. Un- 
klar war dies Ringen des Geiftes am Schluße des 15. und im 
Beginn des 16. Jahrhunderts; bald wurde vom ethifchen Stand- 
punkte aus für eine Läuterung der Sitten (von Brant, Mors- 
neim, Gengenbach) geeifert; bald vom kirchlichen Standpunkte 
für eine Reinigung des geiftlichen Standes (Mumer, Ueiler); 
bald fuchte man die Rückkehr zum Beßem in der Rückkehr 
zu den alten überlebten Ideen (Maximilian); bald meinte man 
alles Heil in der Einfuhrung der humaniftifchen Studien zu er- 
blicken (Reuchlin, Locher, CeltesV Neben diefen geiitigen Be- 
ftrebungen machten fich fehr oedrohliche politifche geltend 
(Bundfcnuh, der arme Konrad), Stegreifleben der Ritter, wilde 
Ffehden, Machtlofigkeit des Oberhauptes und üppiger Trotz der 
Stände. Luthers mit der Anfchlagung der Thefen anhebender 
Kampf gab auf einmal einen zauberifch wirkenden Mittelpunkt, 
um den fich fortan alle geiftiee Bewegung und alle materiellen 
Kämpfe bewegten. Er hatte, die Tradition abweifend, die chrift- 
liche Lehre auf die Bibel, das Wort Gottes, zurückgeführt. 
Die Bibel war fortan die Quelle alles Wißens und die Ausbrei- 
tung des biblifchen Inhaltes ift die eigentliche Thätigkeit aller 
Schriftfteller, namentlich aller Dichter des XVI. Jahrhunderts. 
Die Bibel und ihre Gefchichte und Lehre bildete den großen 
ehrwürdigen Hintergrund, den jede Dichtung haben muß, um 
wahrhaft lebensvoll zu wirken, und der, feit dem Untergange 
des Heidentums, bisher der deutfchen Dichtung gefehlt hatte 
und feit dem dreißigjährigen Kriege wiederum fehlt. Die 
Bibel felbft brachte Luther in das Deutfche und fchuf in der 
Sprache der Ueberfetzunff eine über den Mundarten flehende 
hochdeutfche Schriftfprache, die fehr bald weiter . reichte als 
das lutheriTche Bekenntnis und allmählich alle landfchaftlichen 
MuDdarten, von denen das SchweizenCcYve wüd d.».% "SV^dföt- 



Buch 4. §. lOf. 109 

deutfche fich am längften wehrten, zurückgedrängt hat. Un- 
mittelbar aus der Bibel flößen die kirchliehen Lieder. Mit der 
Bibel und dem Kirchenliede war der wichtige Inhalt der Refor- 
mation gefertigt. Es begann bald, wie im großen Leben des 
Volkes, auch in der Dichtung ein Kampf um die reformato- 
rifche Lehre, in welchem fich der innere Kampf der Gemüter 
foiegelt. Während Brant verftummte, Murner die Autorität der 
ffirche und die Verbindlichkeit der Tradition verfocht, traten 
eine Menge älterer Männer (wie Hütten, Gengenbach, Manuel, 
Stifel, Scnwarzenberff) und unzählige neue Kämpfer für die 
Reformation ins Feld. Der ganze Meiftergefang folgte diefer 
Richtung; in Dialogen und hiftorifchen Gedichten wurde das 
große Thema auf die Zeitereignifle ausgedeutet; eine kaum 
uberfehbare Flut von Buchlein trug die reformatorifche Lehre 
in die Schichten des Volkslebens. Die Fabel fehlen faft nur 
erfunden, um als polemifche Waffe gehandhabt zu werden. Die 

fpoßartigfte Regfamkeit dichterifcher Kräfte, die den Inhalt der 
ibel und die reformatorifchen Lehren zu verbreiten und zum 
Gemeingut zu machen beftrebt waren, entfaltete fich auf dem 
dramatifchen Gebiete ; überallhin drang das biblifche Schaufpiel 
und erweckte die Jugend und das Volk zur lebendigften dar- 
ftellenden Teilnahme an dem gewaltigen Kampfe. — Neben 
dem Biblifchen gieng die epifche Tradition des Mittelalters her, 
die, wenn auch nicht fo unmittelbar wie die biblifche Dichtung^ 
zum Ausdruck der Reformation gemacht wurde, doch auch mehr 
oder minder die Farbe der Reformation annahm. — Alle Ele- 
mente der bewegenden Volksbildung umfaßte und beherrfchte 
ein fchlichter Mann des mittleren Bürgerftandes, der Schuh- 
macher Hans Sachs, deffen ftaunenswerte Fruchtbarkeit faß 
Alles dichterifch darzuftellen wufte, was bis dahin im deutfchen 
Volke lebendig gewirkt hatte Altertum und neuefte Zeit waren 
ihm gerecht; das Hochfte war ihm nicht zu fchwer, das AU- 
täglichfte nicht zu gewohnlich; er wufte Allem mildes poetifches 
Leben zu verleihen. Wahrer Dichter im vollften Sinne ver- 
fchmähte er wie fein Jahrhundert die mit Hülfe gefchichtlicher 
Gelehrfamkeit wahrnehmbaren Unterfchiede der Zeiten und 
Sitten; er fah und behandelte Alles als Gegenftand und Bege- 
benheit feiner Zeit und blieb deshalb immer überall und bei 
allen verftändlich. — Am Schluße des XVI. Jahrhunderts be- 

S innen wieder fremdländifche Einflüße wirkfam zu werden, die 
as volksmäßige Schaufpiel zerlltSrten. Auch die dichterifche 
Polemik, fo bewundrungswert ihre nachdrucksvolle Entwicklung 
war, wirkte zerftorend (Nafus, Fifchart) und Jbrachte den Zwie- 
foalt zwifchen Gebildeten und Ungebildeten wieder, den die 
Mitte des Jahrhunderts überwunden hatte, und der in dem fol» 
genden Zeiträume wieder als Regel dafteht. 



110 KirohUche Volksdiehtimg. 

ErllM Kapitel. 

§. 102. 
Die Volksliteratur, die den Hintergrund der vorreformatorifchen 
Decennien und teilweife auch der Reformationszeit felbft bildete, umfaßt 
das poetiTche Gemeingut das zum Teil aus dem fernsten Altertumey zum 
Teil aus dem Mittelalter herübergebracht wurde, teils aus Frankreich oder 
Italien zu uns gelangte. Diefe Sprichwörter und ReimTprüche, Volks- 
fchwänke und Volksbücher, Volkslieder und Volksdichtungen, die fich — 
ein Zeichen ihrer Lebenskraft — zum Teil noch bis auf die Gkgenwart 
erhalten haben, auf ihren Umwandlungen noch nicht überall genau be- 
gleitet und erforfcht find, gaben Stoff und Farbe für Profa und Dichtung. 
Der Stil der Schriftfteller des 1 6. Jahrhunderts hat durch eine Fülle leb- 
hafter Sprichwörter und fprichwörtlicher Redensarten eine Frifche und 
Anmut, wie ß.e feitdem nicht wieder zu erreichen gewefen find. Vieles 
erfcheint gegenwärtig roh und gemein, was damals durchaus unanltößig 
ausgefprochen und hingenommen wurde. Die Reimfprüche, ztim Teil 
noch aus alter Zeit ftammend, giengen wirkfamer und bedeutfamer vom 
Munde als gegenwärtig etwa Sentenzen und f. g. fchöne Stellen der Olaf- 
fiker ; &e hatten neben den biblifchen Sprüchen volle Geltung* und wur- 
den als Bekräftigungen gern in Schrift und Rede eingemifcht. DieVolks- 
fchwänke verdanken ihre Entftehung bald kleinen wirklichen Begeben- 
heiten, bald älteren Gedichten heitern Inhalts und find vorzugsweife gegen 
Wankelmut der Weiber, Plumpheit derBauemfUeppigkeit der Geiltlichen, 
Uebermut der Krieger, Befchränktheit kleinftädtiTeher Bildung und Ein- 
falt überhaupt gerichtet. Sie ftammen nicht feiten aus der Fremde und 
find in Deutfchland lokalifiert. Die Sprache derfelben ift gern die latei- 
nifche, weil fich hier mit eleganten Worten das Plumpüte und Bedenk- 
liches leichter einkleiden ließ. Die eigentliche Schwankliteratur breitet 
fich erft nach der Reformation aus (§. 160). Manche diefer Schwanke 
begegnen in den größeren neu entfpringenden Volksbüchern wieder 
(§.162). Die älteren Volksbücher, meiftens aus demSchluße desiY-Jahr* 
hunderts, find zum großen Teile aus fremden Quellen entlehnt Das 
Volkslied zeigt die fch6nfte und farbenreichfte Blüte und war auf den 
reformatorifchen kirchlichen Gefang vom größten Einfluße. Vorzugsweife 
dem Südweften Deutfchlands angehörig, zeigt es doch auch in Mittel- 
deutfchland und den nördlichen Strichen fich lebendig, wurde dort aber 
fpäter aufgezeichnet und forglofer behandelt. Die meisten Lieder des 
Südens wurden in das niederdeutfche übertragen; Uebertragungen vom 
Norden nach dem Süden begegnen feltner. Das Volkslied als folches 
.hat fich von der reformatorifchen Bewegung unabhängig gehalten, wenn 
auch offenbar die proteftantifchen Städte und Landftriche die eifrigfte 
Pflege der Dichtung, die mit dem Tonfatze nicht immer zufammenfällt, 
aufweifen. Diefe um den Glauben unbekümmerte Liederluft rief den 
Tadel der Reformatoren auf, ließ fich aber, wie die fteigende Zahl der 
fliegenden Blätter und der Liederbücher ausweilt, nicht verbannen. 

§. 103. 
Schon das Mittelalter fammelte SpxicViw'oTteT ^%. ^^\ d«t^TL 



Buch 4. §. 103. 163. 111 

Wefen nach der richtigen Bemerkung eines alten Samlers darin erkannt 
wird, 'daß ß.e erftlich nach dem Buchftaben recht und wahr find und 
darnach verblümter Weife weiter ausfehen, Urfach und Anleitung geben, 
fchärfer nachzufinnen auf etwas mehr, das darunter verftanden und ge- 
meint wird, als wenn man fpricht: alte Hunde find b5s bendig machen.' 
Kleinere Samlungen begegnen mitunter in Handfchriften des xy. Jahr- 
hunderts. Umfaßender gefammelt wurde feit Beginn des xvi. Jhd. Eine 
planmäßige Samlung aus den Quellen felbft und mit Bezeichnung der- 
felben fehlt noch. ^ 

Ueber die Literatur vgl. J. Zacher, die dentfchen Sprichwörterfamlungen. Leipz. 1852. 8. 

1« Antonii Tmiieii Monafterienfis in proverbia five paroemias Germanoruift 
Monofticha. Colon. 1514. 4. Tunicius lebte noch 1544 als Vicar ajn Dome 
zu Münfter; feine Samlung ift niederdeutfch - weftphälifch ; dem heimifchen 
Sprichworte ift ein lateinifcher Hexameter beigef&gt. Die meiften find aus der 
niederländlfchen Samlung (Proverbia feriofa . . communia), entlehnt; im Gan- 
zen 1362. 

Vgl. Hoftaiaim v. F. im Weim. Jahrb. 8, 178 ff. 

2. Johannes Fabri de Werdea, Baccalaureus der Rechte zu Leipzig, Pro- 
verbia metriea et vulgariter rytmifata. (Leipzig bei Martin Landsberg Herbi- 
polenf., um 1520.) 24 Bl. 4. Mehr Spr&che als Sprichwörter. 

VgL Hoffknann v. F. im Weim. Jahrb. 8, 188 ff. 

3. Johannes Agrieola von Eisleben, 1492 f 1566, vielfach fchriftftellerifch 
th&tig; hart angefeindet; Mitverfaßer des Interims von 1548, zuletzt kurbran- 
denburgifcher Hofprediger. Von ihm auch ein Schaufpiel: J. Huß. — Seine 
Sprichwörter haben Auslegungen , die meiftens fehr neben dem Sinne hergehen ; 
zuerft niederdeutfch, dann vermehrt hochdeutfch, und fpäter eine zweite Sam- 
lung, die grojßentheils aus dem Benner (§. 82) abgefchrieben ift. Agricola 
fcheint Anteil an der erweiterten Gloffe zum Reineke Yos gehabt zu haben 
und mag auch Herausgeber des Renners fein. Auch die Herausgabe der 
alten Priamelfammlung fcheint ihm zu gehören. 

Drehundert Gemener Sprickworde, der wy Dudefchen vns gebrnken, 
vnde doch nicht weten wor her fe kamen, durch D. Johann Agricolam van 
Isleue . . uthgelecht (Magdeborch 1528.) 12 und 144 Bl. 8. 

Dreyhundert Gemeyner Sprichwörter . . Nürnberg 1529. 8; Zwickau 
1529. 8. (mit dem andern Teile vermehrt); o.O. [Erfurt] 1529. H. 8.; Hagenau 
1529. H. 8.; Nürnberg 1530. H. 8.; Leipzig 1530. H. 8.; 1533. H. 8. Als: 
Siebenhundert und Fünf ft zig Deutfcher Sprichwörter. Hagenau 1534. 
8.; 1537. 8.; o. O. 1541. 8.; 1558. 8.; Wittenberg 1582. 8.; 1592. 8. 

Fünfhundert Gemainer Newer Teütfcher Sprüchwörter, durch Johann 
Agricola Eyjßleben 1548. Ohne Druckort (Augsburg) 16 und 188 Bl. 8. 

Freyhartspredig. Sampt hundert alten Sprüchen der Welt lauff betreffend . . • 
Baf. M. Apiarins (1540). 8.; rep. 1575. 8. (Wolfenb. 578. 17. Q.-8.); Dresden 1584. 8. (HB. 
161S. ISO Sprüche und andere Zuthaten enthaltend). Die Freihartspredigt auch bei Keller 
Faftnachtl^. S. 1158, die Priameln meiftens fchon in Hss. des xv. Jh. : in den neuen Auflagen 
vermehrt. Darin auch die in der Gloffe zum Reineke angefahrten Sprüche des Schweitzers 
▼on der Welt Untreue, d. i. des Schwetzers-Rofenplüts ? 

Vgl. B. Kordes, Agricolas Schriften. Alton. 1817. 8. (Das Gedieht von der Martinsgana 
ift nicht von Agricola. Vgl. Ackerman §. 147). 

4. Von ungenanntem Samler: Sibenthalb hundert Sprichwörter, wie vnd 
wo fie in Teütfcher Spraach von zier vnd bkürtzung wegen der rede, ge- 
braucht werdenn. Franc(fort) Chri. £gen(olph). 1532. 64 Bl. 8. 664 Sprich- 
wörter enthaltend. Diefe Samlung wurde in der Folge mit Ag^colas und 
Franks Sprichw. verarbeitet und ift als Egenolphs Samlung bekannt: Sprich- 
wörter, Schöne, Weife Klugreden . . In etlich Taufent znfamen bracht Frk€. 
1648. 4., 1570. 8., 1582. 8., 1591. 8., 1600. 8. u.C.yi. 

ft. SehMOiMaFräaek aus Donauwörth, UUe etwa von \^^^— Vb^\ ^^^^^^ 



112 Kirchliche Volksdichtimg. 

fchriftllellerifch th&tig; Wiedert&nfer ; pantheimfcher Phflofoph; nmfiditiger 

Ethnograph; freimtitiger Gefchichtfchreiber ; heftig angefeindet. Seine Sprich- 
wörterfamlung ift geiftvoller als Agricolas in der Auslegung und reichhaltiger. 
(Vgl. Ebert, bibl. Lex. 7881.) 

Sprichwörter, Sch6ne, Weife, Herrliche Clugreden, vnnd HoffTprucL 
Befchrieben und aul^gelegt, durch Seb. Francken. Francf. a. M. d. Chr. Egen- 
olff. 1541. n. 4. — Sprüchw6rter Gemeiner Tütfcher nation, erftlich durch 
Sebaftian Francken gefammlet, nüwlich aber in kommliche Ordnung gefteüt 
vnd gebeffert . . Züilch by Euftachin Frofchouer; o. J. (1545). II. 8. 

Von Franks flbrigen Schriften nur die kurzen Titelangaben: Diallage, rermdgnng 
der rtreytigen r^rflch in der fchrilft von Andrea Althamer von Brentx.. vertentreht. (lOt Vor- 
rede und Eingang.) o. O. 1528. 8. — MorieEncomium, Ein Lob der Thorludt, tob 
Eraftno, verteutfcht. Von der Eytelkait aller Menfchlichen Kunft und weiBhAit. . ans Heinr. 
Com. Agrippa verteutfcht. Von dem Bam deQ wi^ens Outz und bftB. . o. O. u. J. 4. Ulm, 
H.Vamir. 4. — VondemlafterderTrunkenheit. . Nümb.Peyp. 15S1. 4.; o.O. 15SS. 4.;o.O. 
1539. 4. — Chronica, Zeitbuch biß 1531. StraOb. Fol.; bii 15S6: o. O, FoL; Frikf. 15«5. 
Fol. — Belagerung vnd Zerft6rung Jerufalem. Frkf. 1532. 4. -- von AnknnffI der Meffe. 
o. O. 1533. 4. — Weltbuch. Tübingen 1534. Fol.; o. O. 1542. FoL: alt «rfter T«a ▼on 
Feyerabendts Weltbuche. Frkf. 1567. Fol. Wereltboek, Spiegelhelende Bealtnlir« des ghe- 
heelen Aertbodens. o. 0. 1562. Fol. (Vgl. R. Gofeke, Seb. Frank als Geograph. B«rl. 1868. 8.) 
— Beroaldi Declamation, verteutTcht. Kumb. 1531. 4.; o. O. 1586. 4. — DI« fftlden 
Ar eh. Augf^. 1538. Fol.; Bern, S. Apiarins 1557. Fol. De Gulden Arke. -o. O. 1560. 
Fol. — Auslegung des 64. Pfalms. o. O. 1539. 4. — Wie man beten und pfallleren (blL 
o. O. u. J. 8. Vgl. §. 135. — Germania, von gantcem TeutTchland. Angab. 1588. FoL — 
Bern 1539. FoL 1543. FoL — Paradoxa. 280 Wunderred. Ulm 1588. FoL 1586. FoL 
1539. FoL 1542. 4.; o. O. 1559. FoL — Sibenweifenauß Grecia. o. O. o. J. 4. — Das 
verbütfchiertBuch. Pfortzheim, G.Rabe. 1559. FoL — Von der HoAranff tbA Liebe 
Gottes. Frkf. 1543. 4. Cronica. Abconterfeyung der Türken. Nflmb. Pojpiu 1680. 4.; 
Augsb. 1530. Oct.; 1530 Dec. 

6. Eberhard Tappe aus Lune; (teilte deutfche Sprichw. mit griechifehen 
uncT lateinifchen znfammen. 

G^rmanioorum Adagiorum centuriae feptem. Argentor . . . . ; recogn. Argentor 1645. 8. 

7. Georgias Mayr, Notar und deutfcher Schulmeifter zuAngsburg; gab zux 
Vervolirtändignng der Egenolphfchen Samlung mehr Lebens- nnd Sittenregeln 
als Sprichwörter. 

Etlich hundert fchftner, luTUger vnd gemalner Tefitfcher SprflchwSrter. 1667 (Augip. 
d. Ph. Ulhart.) 32 BU. 8. 

8. Andreas Gärtner von Marienberg, gab lateinifche und deutfche Sprüche 
und Sprichwörter in Reimen. 

Proverbialia dicteria . . Teutfche Sprichwörter von den Sitten und gantaem Iiebon 
des Menfchen. Frcf. 1570. 8.; 1572. 8.; 1585. 8.; 1591. 8. 

9. Von ungenanntem Samler: Loci communes proverbiales de mori- 
bus, carminibus antiquis confcripti, cum interpretatione Germanica S. A. J. — 
Bafil. Oporin. 1572. 8. (Vgl. Anzeig. 1854, 269.) — Brun. Seidelii paroemi« 
ethicae five fententise proverbiales et morales. Francof. 1589. 8. 

10. Eaeharios Eyering, geb. 1520 zu KSnigshofen, erlt 1578 zu Würsburg 

als evangelifcher Prediger ordiniert, Pfarrer zu Streufdorf, f 1599. Seine in 

Reimen, nach alphabetifcher Ordnung der Sprichwörter, abgefa8te Samlung iffc 

gr6ßtenteil8 aus Agricola entnommen; die Schwanke find darin das Wefent- 

liche und Wertvolle. 

Vgl. J. W. Kraufs, Beitr&ge zur HildburghauTer Kirchen- und Schnlgofehichte. Hild- 
bnrgh. 1752. 2, 416 f. Vgl. DD. 1, 128 ff. 

Proverbiorum copia. Etlich vil Hundert Lat. und Teutfcher Sprichworter, 
Mit fch6nen Hiftorjen, Apologis, Fabeln vnd gedichten geziert 1601. EiOleben. 
16 u. 817 S. 8. — Ander Theil. Einleben (1601). Vorrede und 721 S. a — 
Dritter und letzter Theil. Einleben (1603). Vorr. u. 615 S. 8. 

11. Friedrieh Peters (Petri), Prediger zu Braunfchweig, auf der Schule an 
nfeld gebildet, lieferte die reichhaltigfte und hefte Sprichw6rterfamlung; ohne 
Erl&uterungen ; fein Werk ift faft unbekannt 

J^er Tentfcben WEißheit Hamburg h^ PYd^w ^ou OVa, VWb (:!Cä 1^. 



Bitdi 4. §. 103. 113 

Das Ander Teil 1604. Das Dritte Teil, Appendix, o. J. 06 Bogen 8. Etwa 

20,000 Sprichwörter, Priameln und Reirnfprüche. ^ 

Peters bezieht fich auf eine ältere Sprichwörterfamlnng feines Lehrers, des Reotor» 
Mich. Neander zn Ilfeld: *Veteram Tapientam Gtormanorum fapientia*, die In Keanders filthi«^ 
vetns et fapiens (Lips. 1599. 8.) enthalten Tein foll. Das Buch war mir nicht sugKqfUch. 

12. Chriftoph Lehmann, Stadtfchreiber zu Speyer, f 1638. Ao^er einer 
gefchätzten noch immer brauchbaren Chronik feiner Heimatstadt, yerfaßte er 
in fp&teren Jahren eine durch Reichhaltigkeit äusg^zMohneto "Sprichwörter- 
famlung, die unter Hau{)trchlagwörtem das frdher GeWtne ordnet und ältere 
Schwanke zum Witzwort zul^mmendrRngt. 

Florileginm politicum oder poütifdier Bhnnengarten. DariniNta auO- 
erlefene Politifche Senteniz, Lehren, Reguln, Vaä HprGchWön^ Vnft^ 28S Tftidn 
in locos communes zufammengetragen. Durch Chriltophorum iteWaim. o. Ö. 
Impenfis A<iitori8. l-6d0. 60 Bogen 8. (N«ichg^dr«(ikt : iiAbook 4639. <86«6g. 8.) 

— Der ander Theil. Florilegii politici aucti Coritinuaffib. $Af. *rt41. ^Ä.13. 

— Erneuerter polit. Blumengarten. Frkf. 1640. 8. (Titelaufiaf^ IlMd. 9.) ~ 
Der dritte Theil cum elencho titulorum. Frkf. 1642 30 B. 8. — Floril^um 
politicum. Frkf. 1662. IV. 12. (1. u. 11. umfaßen den ersten Teil von 1630; 
ni. enthält den zweiten Teil von 1641 und IV. dön driften Von 1^42.) — 
Gieffen 1662. 12. — Auch eine Amfterdamer Atisgal>e. 

(Die *Ohr<miea der •fr^yta Betete iMtdt Btfb^' «kfehi^ii filff. 1^1^. PIflA FfkxOä, 1668. 
4. (hefte Ausgabe) : Frkf. 1698. Fol. {de^ch Jol|. Melch. Fachs vennehrt) ; I^kf. 1711. Fol. 
Abdruck von 1698.) 

13. Von Ip&teren Samlungen find zu erw&hnen : J. Q, Seybolds Viridarinm« 
Luftgfirten , Von auserlefenen SpröchWörtem. Ktirmb. 1677. 8. und deCfen 
Selectiora Adagia Latino-Germanica. ^orimb. 1098. X BogÜn 12. Seyf)^d war 
Schulmeifter zu Schw&bifch-Hall ; lateiniTche alphabetifch geordnelte Sprich- 
wörter find durch deutfche erklärt. ~ J, 'Uh, j^lwhw Deutfehes Sprichwörter- 
buch. Leipzig 1780 — 82. II. 8. — J. Ei/elein, Die Sprichwörter und Sinnreden 
des deutfchen Volkes in alter und neuer Zeit. Zum erftenmal -aus denijuellen 
gefchöpft und erl&utert. Freiburg 1840. LH vnd 675 S. %. JRnt Wetei^e Er- 
Uuterungen; die Nachweifung der Quellen dürftig und der Umfang deifelben 
befchr&nkt; dennoch eine fehr brauchbare Samlung. — K, 'Simrooh, Die demt- 
fchen Sprichwörter. Gefammelt. Frai^^. a. M. o. J. ' V u. 501 S. 8. 12396 
Sprichwörter in alphabetifcher Folge ohne firi&uterungen uAd Qu^HieniafrgHbe ; 
auch eingemifchte Reirnfprüche. — JEdm. Höf^, \iFie das Volk fpilcht. ^24 
fprichwörtliche Redensarten. Stuttgart 1855. 8. Eine Samlung apologiiclier 
Sprichwörter, die in erzählender Form eine kleine Gefchichte durchfcheinen laßen. 

14. In den älteren Sprichwörterfamlungen begegnen häufig Reimfprüche 
und Priameln. Hochdeutfche Samlungen, die fich Reimfprüche zu liefern als 
befon^ereu Zweck gefetzt hätten, kenne ich nicht. Eine niederdeutfche Sam- 
lung gibt in großer Reichhaltigkeit gereimte Sprüche, iuM Teil ims Freldink, 
dem Renner , Seb. Brant , Morßheim , dem Reinekö , Vieles auch aU^ Liedöm 
und dem Volksmunde. 

Ein fch6n rimb^kelin, worinne vele lüAäge, nMte tmd künffcigi» i^rdke 
yoru«tet, welckere gantz k6rtwilich vnd lefflik tho lefen fynt, d6reh JeiWen 
guden fründt, vth dem Reineken Voffe vnd anderen B6ken tohope gelefim; 
o. O. u. J. 8. (Lübeck, Jjyh, Balhorn um 1548.) Wiedergedruckt als: Sclione 
kAttftliche Werldtfpr6ke, Darinne aller Stende, Natur vnd EgeblTchop aff- 

S^emahlet fyn, dÄrch de Olden Wolervaren WerldtWyfen befchreüen, Allen Mln- 
öhen thor Lere tüd Wahlinge, Exempöl, vnd ih RymÄS^yfe kbrt voHiatÄl, 
Ock thom deel vth dem Reyneken Volte, o. O. u. J. 8. — Schdne KAxüSSSj»^ 
Werltfpr&ke u. f. w. Hamborch by Hennk Biiiölw IR^X^CTOSSL V^.VNS^^^. 
48 Bl. a — Hamb. 1601. 8. 

aSdeke, Grundriß. ' ^ 



114 Kirchliche Volksdichtang. 

§. 104. 
Schwankfamlungen lehnen (ich an die Siteren des Poggio, des 
Königs Alphons oder der Novellenfamlungen des Boccaccio und anderer 
Italiener. Die von Deutfchen verfaßten haben nicht feiten fremde ältere 
Stoffe als einheimifche jüngft aufgekommene behandelt. 

Fr. Poggii (t 1459) facetiaram über. o. O. n. J. (Rom nm 1470). 109 Bü. 4. - 
o. O. n. J. (Venedig um 1470). 76 BU. kl. Fol. — o. O. n. J. (Nflrnb. F. Oreiim&er). 6S BIL 
kl. Fol. — o. O. u. J. (Numb. Koberger). 4ö Bll. Fol. — Kornb. F. CreaflClaer 1475. 61 BU. 
FoL — Poggii Florentini facetiaram libellus nnicns. Londini 1798. IL 18. (Die beftevon 
Fr. Jos. Noel zn Utrecht beforgte Ausgabe, deren zweiter Teil NachweiTtangen und Nach- 
bildungen oder frohere Fafiungen enthält.) 

Giov. Boccaccio, il decamerone. Yen. Csp. Valdarfer. 1471. Fol. — Hie hebt fich 
an das puch von feinem meifter in greckifch genant decameron, das Ift eento novelle. 
(Ulm 1472). 401 BU. Fol. Vlm (Zainer) o. J. 890 BU. Fol. — Gento Novelle. Dm feind 
die hundert neuen Fabeln. Augsb. Sorg. 1490. 868 BU. Fol., Stra6b. 1586, 1651, 1557, 1561. 
Fol. Abgeklirat und gereinigt: Gento NoueUa, Hundert newer Hiftorien. Btnb. 1509. Fol.; 
1619. Fol.f 1540. Fol.; Frkf. 1676. H. 8. 

Heinrich Bebel, aus Juftingen, ftudierte in Gracan und TAbingen Sprachen, 
Rechte und Dichtknnft; 1497 Proferfor in T&bingeu; Lehrer Melanchthons ; 
einer der wirkfamften Hümaniften; f 1514; feine Schwanke waren bis tief ins 
17. Jh. beliebt und wurden mehrfach ins Deutfche Aberfetzt. 

G. W. Zapf, H. Bebel nach feinem Leben und feinen Schriften. Angab. 1808. 8. 

Margarita facetiarum. impr. per Jo. Grüning^er 1508. 4.; Arg. 1509. 4.; 
1514. 4.; Tubing. 1542. 8.; 1.544. 8.; Frcf. 1590. 8.; auch in den Werken: 
Opera. Phorcese in Aedib. Th. Anshelmi. 1508. 4.; Opera fequentia. Triumph. 
Veneris ct. Phorcese in aedib. Th. Anshelmi 1509. 4. ; Opuscnla nova. Arg. J. 
Gryniü)jer. 1508. Fol.; Opera Arg. 1512. 4.; Arg. 1514. 4.; Paris. 1516. 4.; 
Antw. 1541. 8. (Auch bei Frifchlins facetiis.) 

Die Öefchwenk Henrici Bobelii. Sampt einer Practica [Heinrichmanns] 
Durch einen guten Gefellen aujß Latein in Teutfch gebracht; o. O. 1558. 8. 
(wol von Lindner überfetzt); Frkf. 1589. 8. (mit Beruh. Ochini Apologen, die 
fühon zu Augsb. 1559. 8. erfchienen) ; Frkf. 1606. 8. — Bebeis facetien 
bilden die Grundlage von Kirchhofs Wendunmut. 

Othomar Luscinius (eigentlich Nachtigal) lieferte eine kleine Samlong snm 
Teil üppiger Erz&hlungen. 

Joci et Sales mire feftivi. Aug^ Vindel. typis Sjmperti Rnff, impenfa 
Sigism. Grimmii. 1524. 8. — Eine andere Schrift Nachtigals: Seria jociqae; 
o. O. u. J. (Arg. 1529. 8.), 'enthält Ueber fetzungen aus Plutaroh und von Epi- 
grammen der Anthologie. 

Nicodemas Frifchlin (vgl. §. 113) wurde eine kleine Samlung von lateini- 
fchen Schwänken beigelegt, die erft nach feinem Tode erfchienen ifb. 

N. Fr. Balingenfis Facetiae felectiores, quibus ob argumenti fimilitndinem 
accefsernnt Henr. Bebelii facetiarum libri tres. Sales item feu facetiae ex 
Foggii Florentini Oratoris libro felectae. Nee non Alphonfi regis Arragonom, 
et Adelphi facetiae et Prognoftica Jacobi HenrlchmannL Lips. 1600. 8. Argent 
1609. 1612. 1625. 12. Amftelodami 1660. 12. 

Otho Melander (eigentlich Holzapfel) 1571 zu Hohne bei Efchwege gebo- 
ren, Advocat, f 1640. Er fammelte aus älteren Schriftftellern und füigte Ge- 
fchichten aus feiner Zeit nnd Gegend bei. Die Ausgaben weichen fehr von 
einander ab. 

Jocorum et feriorum libri duO. Mülhaufen 1600. 8. (Meiftens von feinem 
Vater Dionyfius Melander gefammelte Gefchichten.) Bep. 1603. 1605. 1612. 
Jocorum atque feriorum tum novorum, tum felectorum atque memorabiliom 
centuriae aliquot (749) recenf Othone Melandro. Nunc denuo auctae. Frcf. 
1626. 815 S. 12. — Deutfche Ueberfetzung :• Lieh 1605. 8. Darmbft. 1617. a 

Jae. Wimpheling (§. 1 13) yerfaQte unter angenommenem Nameu zwei fogeau 



Buct 4. §. 104. 105. 115 

Quodlibet, komifche Behandlung eines IScherlichen Satzes, wie fie auf üniver- 

lit&ten zur GemAtsergötzlichkeit Abiich waren. Latein und DeutTch, Profa und 

Vers, Deduction und Schwank wechfeln darin ab. 

Ueber die Disputationes quodlibeticae vgl. Zarnoke in Haupts Ztfohr. 9, 119 ff., der 
Wimphelings Autorfchaft beftreitet. Vgl. Riegger, amoenitatt. literar. Friborgens. 2, 940. 

De fide concubinarum -in facerdotes. Queftio accefforia caufa joci et ur- 
banitatis in quodlibeto Heidelbergenii determinata a magiftro Paulo Oleario Hei- 
delbergenü; o. O. n.J. (1501) 29 Bl. 4. (enthält auch de fide meretricum) ; Ulm 
1501. 4.; Heidelb. 1504. 4.; Mogunt. 1501. 4.; (1504) Hewman 4.; o. O. 1505. 
12 Bl. 4 ; o. O. 1557. 12. ; Frcf. 1624. 8. 

De fide meretricum in fuos amatores. Questio minus principalis yrbani- 
tatis et facetie caufa, in fine quodlibeti Heydelbergenfis determinata a magiftro 
Jacobe hartlieb Landoien. (Ausgaben wie bei der vorigen Schrift.) 

Eine ähnliche J)i8patation hat durch eingeflochtene Citate fAr die literargefchichtliche 
Chronologie Wichtigkeit. Sie ift in Erfurt gehalten: 

De generibus ebrioforum et ebrietate vitanda. Queftio facetiamm et vr- 

banitatis plena quam pulcherrimis optimorum fcriptorum flosculis referta. In 

conclusione quodlibeti Erphurdenfis anno. Chr. 1515 circa aequinoctium scho- 

•laftico more explicata. 1516. 4.; o. O. u. J. (Frkf. um 1550) 4.; o. O. 1557. 

12. ; Frcf. 1624. 8. 

Erw&bnung YlenTpiegels und Stellen die im Finkenritter (§. 173) vorkommen. 

§. 105. 

Die reiche Literatur der Volksbücher und Volksromane floß faft 
ohne Ausnahiiie aus dem Mittelalter und felbft die fpit entXtandenen 
Sammelwerke, die in echt poetifcher Kraft das Vereinzelte auf einen 
Brennpunkt brachten, laßen fleh in das Mittelalter zurtickverfolgen (§. 173). • 

Im Allgemeinen ift die freilich nicht mehr genüigende Schrift von J. Görres 
(Die teutfchen Volksbftcher. Nähere Würdigung der fchonen Hiftorien-, Wetter- 
und Arzneyb&chlein , welche theils innerer Werth, theils Zufall, Jahrhunderte 
hindurch bis auf unfere Zeit erhalten hat. Heidelb. 1807. XII. u. 311 S. 12.) 
zu vergleichen; eingehendere Unterfuchungen find von Simrock zu erwarten. 
— Samlungen: Buch der Liebe. Frkf. 1578. Fol.; Frkf. 1587. Fol. (Octavian. 
Magelone. Galmy. Triftrant. Camill und Emilie. Florio und Bianceffora. Thea- 
genes und Chariclia. Gabriotto und Reinhard. Meluiina. Ritter vom Thum. 
Pontus und Sidonia. Herpin. Wigoleis.) — Buch der fchönften, Gefchichten 
und Sagen. Von Q. Schwab. Stuttg. 1836. H. 8. (I. Siegfried. Magelone. 
Hirlanda. Genofeva. Grifeldis. Robert der Teufel. Die Schildbürger. H. Oc- 
tavian. Haymonskinder. Melufine. Herzog Ernft. Fortunat.) — Deutfche Volks- 
bücher nach den ächteften Ausgaben hergeftellt von K. Simrock. Berl. u. Frkf. 
1839 ff. (1. Salomon und Morolf. 2. Gregorius auf dem Steine. 3. Die fieben 
weifen Meifter. 4. Eulenfpiegel. 5. Schildbürger. 6. Heinrich der Löwe. 7. Ma- 
gelone. 8. Die M6rin. 9. Die Hajmonskinder. 10. Barbaroffa. 11. Octa- 
vian. 12. Reineke Fuchs. 13. Diemringer. 14. Fortunat. 15. Apollonius. 
16. Herzog Ernft. 17. Siegfried. 18. Wigalols. 19. Fauft. 20. Sprichwörter. 
21. Triftan und Kolde. 22. Melufine. 23. Grifeldis. 24. Der arme Heinrich. 
25. Der Schwanritter. 26. Flos und Blankflos. 27. Virgilius. 28. Bruder 
Raufch. 29. Ahasverus. 30. Fierabras. 31. K6nig Eginhard. 32. Das deutfche 
Rathfelbuch. 33. Der Finkenritter.) — Auszöge in Reichards Bibliothek der 
Romane. 1782—94. XXI. 8. — Vgl. DD. f, 143 ff. 

1. Herzog Ernft. Gegen Ende des xv. Jh. wurde das alte Gedicht aus 
den Reimpaaren profaifch aufgel6ft. 

Alter Druck o. O. u. J. Fol. (37 Zeilen. HB. 1673.) — o. O. u. J. (Straßb.) 
55 Bl. Fol. (32 Zeilen. Eb. 6908.) — Ganz neu gedruckt o. O. u. J. (um 1700. 
HB. 1674.) 

2. Wigalois. Im Jahre 1472 wurde daa Qööac\i\ ^\xti\ä nwi ^T«&ÄTisÄÄ% 
(§, 42) In Profa anfgelöft und 21 Jahre fpJiteT gedrucifct. 

9.* 



116 Kiichliclie Volksdichtung. 

Wigpolejß vom rade vom grafcuperg. Augfparg von hänfen fchSni^erger. 
1493. Fol. — Hiftory von dem Edlen herren Wigoleis vom Bade. St^h. J. 
Knoblanch. 1519. 4. (Wolfenb.) — Frankf. o. J. 8. — Fkf. G. Bähe vnd Wey- 
gand Han. 1564. 8. — Im Buch der Liebe 382 ff. — Frkf. 1586. S. — Hunb. 
Lorens Schneider 1611. 8. (HB. 1699.) — Nümb. 1653. 8. — Nümh. 1664 a 

3. Trift an. Ans dem üiberarbeiteten Gedichte Eilharts v. Oberge (§.38), 
nicht ans dem franzofiTchen Bomane, wnrde das dentfche Yolksbnch genom- 
men, wie ans der Schlußfchrift hervorgeht. 

Von difer Hvrtori hat von erft gefchriben ein meifter von Brjrtenia (ft. 41) vnd aaeh- 
mala fein buch gelihen einem mit namen Filhart von Obret. Der hat es damach in rmjtueu 
befchriben. Aber von der leflt wegen die folicher gereimbter bücher nlt genad'habent . . 
hab ich ongenanter dife hyitori in die form gepracht. 

Hje hebt fich an die hyftory herren Triffcrants vnd der fchenen yfolden, 
welliche hiftori gar knrtzweilig zu lefen ilt. Angfp. H. SchönQ). 1496. 50 BU. 
Fol. (Berlin ans Naglers SamlJ. — Straßb. 1510. 4.— Wormb9. Hofinano. J. 4 
(um 1540. Wolfenb.). — Straßb. Jac. FröUch 1557. 4. (Wolfenb.) — Frkf. a. M. 
Thom. Bebart vnd KiUan Hahn. 1570. A-B 4. 8. (Celle) — Ntimb. 1664. S. — 
Auch im Buch der Liebe. 

4. Wilhelm von Oefter reich. Das Gedicht des Johann von Wün- 
bürg (§.80,8) wurde von ungenanntem Bearbeiter in Profa aufgel6(t, fcheint 
aber keinen Beifall gefunden zu haben, da es nur einmal gedruckt .wurde. 

Hie hebt fibh an eine fchone vnd kurczweilige hyltori zelefen von herczog 
Leuppold vnd feinem fun Wilhalm von ofterreich wie die jr leben vollenndet 
haben. . Angfp. A. Sorg 1481. 133 BU. Fol. (1—74 Wühehn; 75—133 Marco 
Pojlo. Vgl. Panzer 1, 121). 

5. Barbaroff a. Die Sagen von Friedrichs I. Eroberung JeroTalems, 
mit K6nig Philipp von Frankreich und Bichard von England, vobei ein Herzog 
Eckhart von Baiern zu Hülfe kommt, der feinen Bundfchuh als Bimner auf- 
fteckt; von Friedrichs Bad und Gefangennahme durch den Sultan; von feinem 
Zuge gegen den Pabft, der ihn dem Sultan verraten hatte ; Friedrichs Tot und 
Bergentrückung. 

Vgl. MaTsman, Kaiferchronik 8, 1121 u. §. 189. 

Ein warhaffdge hiffcory von dem kayfer Friderich, der erft feines Namens, 
mit einem langen rotten Bart, den die Walhen nennten BarbaroiTa. . Lands- 
tmt. Joh. Weyffenburger. 1519. 10 Bll. 4. (HB. 1716. Wolfenbütteh. — Augsb. 
1519. 8 Bll. 4. (München, Stuttg., Dresd., wiedergedruckt nach MitteilungFra. 
Pfeiffers in Haupts Ztfchr. 5, 250 ff.) -^ Straßb. Grüninger. 1520. 1 Mttrs. 
kl.Fol. (Wolfenb.) — Augsb. 1543. Fol.— Cölnb. St. Lupus. o.J. 4 (Wolfenb.) 

Die Schrift, die der SchafiFhaoTer Stadtarzt Johann Adelphus, der Heraoageber der 
M6rin (§.87,d) über Barbaroffa verfaßte (Schaffhanfen 1520. 70 Bll. 4.: Stra6b. 1580. Fol. [HB. 
1717. Wolfenb.] ; Stra6b. 1585. Fol. [Wolfenb.]) ift eine verfchiedene. 

§. 106. 

6. Erft hier find die Schwanke des Pfaffen vom Kaien borg zu er- 
w^nen, die ein fonft unbekannter Philipp Frankfnrter gegen das Ende des 
XIV. Jh. zu Wien gedichtet haben foU, die aber erft feit dem Schinne des 
xy. Jh. nachzuweifen find. Die Erw&hnung im Buche, daß der Fürllb des 
Pfaffen, Otto der Fröhliche 1350 zu Wien geftorben fei, ift Irrtum, da Otto 
fchon 1339 zu Klofter Neuburg in Steiermark Itarb. Der Pfaff y. Kaienberg, 
Weigand von Dewin (De wen, Theben bei Wien) bildet ein Ivfittelglied zwifohen 
dem Pfaffen Amis und Eulenfplegel, fo wie dem fp&teren Peter Lewen, und 
hat Schwanke mit itallenifchen Schwankfamlungen gemeinfam. 

Die Annahme einer Samlung um 1400 (Ludwig, Germ, princeps, bair. Haus. p. 886) ift 

unbegründet. Die ftltefte Erw&hnung in Brants NS. 78, 24: Der muß feu fyn do vornan dron, W§r 

p0U han trybenfolliek werek AU treib der pfaff «om KaUnhergh, Mumer Narrenbefehw. 18 : dm- 

p/a^ rom iTaienbergk (hier fobon In r^richwttTtUoher fi\>ertra««n«T B«^«^t«ii«'^\ «\k«uto 87 : 



Bttcli 4. §. 105. 106. 117 

leh bin der pfaf vom Kalenberg^ Min ding gond gwonlieh vberawerg. Bebel, facet. 8, 54 : Saeerdo» 
Cmci mentU (Pfarrherr vom Kaienberg) in Auftria de eujn» faeete urbaneque dictie integri UbeUi 
perfcripti fitni. Ulenl^iegel^ Vorrede : vnd gib den anfang Dgl Vlenppiegels geburt, mit »ulegung 
etlicher fabuln de* pfaff Amu vnd de» pfaffen von dem Kaienberg. Agricola I]prickw. 1528, Vor- 
rede : vnde wat bg vnfem denkende gs nge worden, Centi nouella, dat Narrenfehip SebafHan Brande, 
de Pope vom Kaienberge, Vlenfbegel vnde Dinrdanck, — Luther, Je(tia Sirach 19, 5 Bandgl. (1588): 
aU Ulen/piegel, Vincentins , Pfaff von Kaienberg. Fifohart, Enlenip. Vorrede ; rifchart, NachtRab 
Dilj ; Kigrinos, Befchlag. 1571. Q 1 a : Eulenfpiegel, Mareolphus, Pfaffe v. Kaienberg, Sehimpf und 
Emft. ^griniu, Aifenl^iel 1571. H 2. (Die Schnudelbäeher :■ Aulnfpiegel, MareolphuM, der Pfaff 
vom Kdlenherg, der Negdhard, Jacob Freg, Triftrant, Sehapler, Galmg, Euriatus, Hertzog Luppoli, 
Centonouel, der Rokoage, Schimpff und Ernft. NigrinuB Widerlegung der 1. Centurle. 1571. F. 4: 
welche man grbber in Aulnfpiegel, Markolfo, vnd dem Pfaffen vom Kaienberge nicht findet, auch 
nicht in der Centonouella oder Rohoagen. Brun. Seidelii paroemise. 1589. B 8: Sunt qui amant 
dicteria Grglli. Et qui Smotmannum cupiunt audire per annum Turpia dicentem, \%\SvarmMm 
i^urca loquentem; Quique legunt pfaffi Calebergi facta vel a£fl; His placet inranus Neidhart, 
Laurin quoqne nanus; Comeus Seufridus bonns et nonas per et idus; JVarcoJ/'laudatur ; Eulen- 
fpigelue amatur; Et quis non legit qu» frater Raufehiu* egit. ;— Vgl. han6v. gel. Anz. 1752, 
87 ; Fl5gel, Hofnarren 487 ff;; Koch 2, 854 (eine Stelle aus Aventin) ; Büfohing, w6ch. Nachr. 
2, 85; Hagen, Narrenbnch 526 ff.; Lappenberg im Anzeigebl. der Wiener Jahrb. 1828. Bd. 48. 
8. 17 ff. und Ulenrk>iegel S. 854 ff. 

Ausgaben: o. O. a. J. (15. JIi. Exempl. in Hamburg. Vgl. Lappenb. in 
den Wiener Jahrb. 1828. Bd. 42. Anzeigebl. S. 17.) — Frkf. a. M. durch Her- 
man Gülfferichen. 1550. 48 BU. 8. — (Prankf. a. d. O.) o. O. 1582. 8. — 
Frankfurt a. d. O. 1596. 8. — Augsb. 1602 d. Val. Schonig. 8. (HB. 1753.) 
— o. 0. 1611. 8. (Dresden). — o. 0. 1613. 8. — o. 0. 1620. 8. (Wolfenb. Dresden). 
Wiederholt in Hagens Narrenbuch 269 ff. 

7. Peter Leu. Eine Fortfetzung der Schwanke des Ealenbergers, auf 
den Namen Peter Leu^s getragen, bilden die HÜtorien, welche AeblH^s Jafon 
Widman von Hall (in Schwaben) verfaßte. Leu war aflfängHch Blo^sktrftg^r 
in Hall, nahm am Zuge gegen die Armengecken Teil (1430), und trieb als 
Pfaff allerlei Poßen der Not. 

Hiftory Peter Lewen, des andern Ealenbergers .... in Reimen verfaßt 
durch Achilles Jafon Widmann von Hall, im Truck vor nie außganjten. Ge- 
truckt zu Franckfurt am Majn, durch Weygandt Han, in der Scimurgaffen 
zum Krug. 40 BU. 8. (CeUe). — Nurnb. Val. Neuber 1560. 36 BU. 8. — Frkf. 
1573. 8.— 0.0.1613. 8. (m. d. Kalenb.). — o. O. 1620. 84 BU. 8. (m. d. Kalen- 
berger, wie fchoii auf dem Titel fteht). 

8. Eulenfpiegel. Auf einen Bauern aus KneitUngen im Braunfchyrei- 
gifchen wurden Schwanke der wandernden Handwerksburfchen und fonffciger 
fSahrender Leute, ältere und neuere, fremde und einheimifche, oberdeutfche 
und niederdeutfche üibertragen, als feien iie alle von ihm ausgef&hrt. Manche 
derfelben dauerten unabhängig unter andern Namen noch neben der Samlung 
fort. Eine Spottfchrift auf Mumer fchreibt diefem die Urheberfchaft zu, was 
kaum auf eine Ueberfetzung des Buches aus dem niederdeutfchen ins hoch- 
deutfche gedeutet werden darf. Eulenfpiegel war mehrfach QueUe f&r Hiuis 
Sachs und Ajrer und das Buch von ihm das am meiften verbreitete Volksbuch. 

Vgl. Lappenbergs Ausgabe und Weimarifches Jhbueh 4, 15 f. 

Gedruckt : Ein kurtzweiUg lefen von DU Ulen/piegel, Straßb. J. Grieninger 
1519. 130 BU. kl. 4. (Gotha ; vgl, Lappefnberg, Die/er Druck iß der aUefte 
nachgewiefene, aher ficher nicht der erfie^ da ihm im 47, und 60. Capitel Zeilen 
fehlen, d%e in den fp&teren Drucken vorkommen und nur nach gedruckten Exem- 
plaren ergänzt werden konnten. Da nun fchon in der Ausgabe der Schrift de 
generibua ebrio/orum von 1516 des Ulenfpiepel gedacht vjird, muß die erße Aus- 
gabe früher fallen. Ohne Zweifel war es ein ntederdeut/cher Dru>ck, worauf das 
Dyl des Titels wnd wnzweifelhafl das Leotmluonder der Erfurter Ausgabe Cap. 35 
deutet, das Orieninger nicht verßand und ssu LevtUuonder werden ließ.) — Ajor 
kurtz wyUch lefen van Tyel vlenfpiegel. Gedr. by Servals Kruffter. 104 S. 4. 
(Krujfter druckte 1518—31, bis 1519 in Bafel, fpäter in CUn, Die T\tel#.^jw«w. 
treten fchon im Straßburger Terenz von 1499 auf.) — NonYleuJ-j^e^^. ^^äxm^^-, 
Meleher Saobfe, 1532, 4. (Diefem Drucke müßen /cKou atidflre dcr^^er^ OSfs^SÄn. 



118 Kirchliche Volksdichtimg. 

voraufgegcmgenfeinf da die ffolzßScke bereiU ahgemiMfind.) — Von Vlef^piegel, Erff^ 
Melch. Sachfe. 4. (Defectea Exempl, in Berlin.) — Von Vlenfpiegd. Erff. Melch. 
Sachfe. 1538. 4. — DyU Ulnfpigd, Cöln 1539 Jan von Ach. 4. fHierzuerfl 
die Ängahe, daß der Sander 1488 gebeten fei, die Hißorien zufafnmenzwbriaiigen.) 

— TyU Vlnfpiegel. Straßh. 1539. Jac. FrSlich. 4. (Khnigl, BihL in Berlin 
au8 Heyfes SamLung,) — DyU Vlnfpiegel, Augsb. 1540. Alex. WeüTenhom. 4. 
(Nach der Cö'lner des Jan von Ach,) — Ang«b. 1541. — TyU Vlenfjpiegel, Straßb. 
1543. 4t.— DyU VlenfpiegeL Frkf. 1545. Henn. Gülffericli. 8. — TyU Vlen/piegd. 
Straßb. 1551. 8. — DyU Ulenfpegeh Cöln 1554. 4. — Tyl Eutenfpie^el, Prk£ 
Weygand Han. o. J. 8. (Von hier an immer Tyl oder TyU EtUen/piegel, oder 
Etdenfpiegel aUein.) — Etdenfpiegel reimensweiß durch J. F(ifchfirt) G. M. 
Frkf. o. J. 8. — Frkf. 1571. 8. — o. O. 1586. — Frkf. 1588. ~ o. O. 1618. 
(*1382 gebeten'.) — o. O. 1675. — o. O. 1690. — o. O. 1713. — Hamb. 1714. 

— Dresden 1736. — o. O. xviu. Jh. (KwppUfch 7182, Nicht aus dem xvii, Jh, 
wie Lappenherg S. 205 angibt,) — o. O. xviii. Jh. (Kuppitfch 7183,) — o. O. 
1794. — Prag 1795. — Vielfache Jahrmarktsausgaben. — Dr. Thomas Mumers 
Ulenfpiegel. Herausg. v. J. M. Lappenberg. Leipz. 1854. 8. 

§. 107. 

9. Die Heben weifen Meister. Als Volksbuch in Profa viel ver- 
breitet und Quelle vielfacher Gedichte und Erz&hlungen des xvi. Jh. Auffal- 
lender Weife ift eine niederdeutfche Bearbeitung bisher nicht bekannt geworden. 

Ueber die Gefchichte des Buches vgl. Göttinger gel. Ahz. 184S S. 758 ff. Hirtori^ 
VH fapientum Romae. Colon, per Joh. ^oeUioff de Labeck. 4. HUtoria de calumala nover- 
cali. Antw. per Ger. Leen. (c. 1490). 4. 

Drucke: o. o. u. j. 38B11. Fol. o. o. u. j. 74 BU. FoL 32—34 Zeilen. — Augsb. 
Bämler. 1473. 65 BU. Fol. — Augsb. 1474. Fol.? — Augsb. Sorg. 1478. Fol. — 
Augsb. 1480. Fol. — Augsb. Schonfperger 1481. 74 BU. Fol. — Augsb. Sch6n- 
fperger 14S6. Fol. — Augsb. 1488. Fol. — Augsb. 1497. Fol. — Straßb. M. 
Hüpffuff. ßl2. 4. Augsb. J. Frofchouer. 1515. 4. — Straßb. 1536. 4. — (Straßb. 
Cammerl. 1538. Fol. 'Die alten R6mer\ außer den 7 weifen M. auch Erzäh- 
lungen der Gefta Romanorum.) — Ingolft. Weyffenh. 1544. 4. — Ingolft. 
WeyXTenh. 1546. 4. — Straßb. W. Rihel 1^49. 4. — Frkf. W. Han. 1556. 8. — 
Frkf. G. Rabe u. W. Han Erben. 1565. 8. — Straßb. Chr. MÜUer 1577. 8. — 
Frkf. 1577. 8. — Augsb. M. Manger o. J. 8. — Cöln. H. Netteffem o. J. a — 
Straßb. M. Heyden. 1617. 8. — Frkf. M. Brück o. J. (um 1620). 8. — Erf. 
1664. 8. — Nürnb. J. F. Endter 1670. 8. 

10. Salomon und Marcolf. Die Wechfelreden beider, des erAeren 
voU hochtrabender Weisheit, des andern voU erlefener Plumpheit, wurden 
nach lateinifeher Quelle in Profa und auch in Verfen als Volksbuch verbreitet 

Vgl. Efchenburgs Dettkm. 147 ff. 

Frag vnd antwort Salomons vnd marcolfi. Nürnb. M. Ajrer. 1487. 16BU. 
4. (Panzer 1, 168). — Red vnd Widerred. Augsb. Joh. Schobfer 1490. 4. 
(Panzer 1, 187). — Ulm 1496. 4. (Denis, Suppl. zu Panzer. S. 412). — Nürnb. 
1520. 12 BU. 4. (Panzer 1, 447). — Nürnb. Val. Newber (um 1560). 12 BÜ. 4. 

— Frkf. Weygand Han. 24 BU. 8. (CeUe). 

Niederdeutfeh: Marcolphus myt fynem Wive. o. O. u. J. 16 BU. 4. 
(Kopenhfigen BT 2, 212.) 

Lateinifch: CoUationes quas dicuntur feciffe mutuo rex Salomon fapien- 
tiflimus et Marcolphus facie deformis et turpiUimuS; tamen, ut fertur, eloqnen- 
tiffimus. o. O. u. J. 8 BU. 4. m. Sign. — o. O. u. J. 10 BU. 4. — o. O. u. J. 
12 BU. 4. Sign. a. b. — o. O. 1488. 20. Nov. 12BU.4. — Landsh J. Weyffen- 
burger 1514. 4. — o. O. 1521. 4. — Als: Dyalogus Salomonis et Marcolfi« o. 
O. u. J. 11 BU. 4. — o. O. u. J. 12 BU. 4. — o. O. u. J. 12 BU. 4. 31 
ZeUen. — o. O. 1482. 4. ~ Antw. 1487. 4. — Antw. Ger. Leeu. o. J. (um 
1490). 4. — Francf. 1598. 8. 

11. Grifeldis. Eine Novelle des Boccaccio wurde von Petrarca ins 
Lateinifche und daraus früh insDeutfche überfetzt. Es ift die Gefchichte, wie 



Buch 4. §. 106. 107.. 119 

der Markgraf Walther von Saluzzb ein armes Mädchen heiratet nnd ihre Treue 
und Demut durch verfchiedene (unmenfchKche und unmännliche) Proben zu 
erforfchen fucht und erprobt findet. 

Boccaco. decam. 10, 10. Petrarca.' opp. ed 1581 p. 540 ff. Liebrecht, Dnnlop. p. 252. 

Difz irt ain eplTtel francifci petrarche, von groffer Mtikeit ainer frowen 
Grifel gehaiffen. getr. Gintherus zainer von Reutlingen tzu Augpurg 1471. 
9 Bll. Fol. (HB. 1692.) — Augfp. Joh.Bämler 1472. 10 BU. Fol. (Kopenhagen; 
HB. 1693.) — o. O. u. J.^ (Ulm Zainer um 1473). 12 Bll. Fol. — (Ulm Zainer) 
1474. 12 BU. Fol. (HB. 1694.) — o. O. (Strasb.) 1478. Fol. (Kopenhagen). — 
o. O. u. J. (Augsb. A. Sorg um 1480). 10 Bll. Fol. — o. O. (Straßb. H. Knob- 
lochzer) 1482. 12 Bll. Fol. (HB. 1695). — Straßb. 1520. 4. (HB. 1696. Wolfenb.) 
Nürb. J. Gutkn 1522. 4. (HB. 1697. Wolfenb.) — Straßb. 1538. 4. (Wolfenb.) 

— Straßb. 1540. 4. (Wolfenb.) — Cöln (um 1590). "8. — Erfurt 1620. 8. 
(Wolfenb.) 

Niederdeutfche Ausgaben: o. O. u. J. Fol. (Eh. 16470). — Hamborch 
1502. 4. (Kopenhagen BT. 7, 206). 

12. Appollonius. Nach dem Lat^inifchen des Gotfried von Yiterbo. Die 
abenteuerliche Gefchichte beruht wefentUch auf der B&tfelpoefie, aus der fie 
Verwicklung und Lofung hernimmt. 

Die hyltorj des küniges Appolonij von latin zu teutfch gemachet hat 
gedruckt Gintherus Zainer von Reutlingen tzu Augfpurg. 1471. Fol. (HB. 1669). 
Augsb. Bämler 1476. 79 BU. 4. — Augsb. Sorg 1479. 71 BU. Fol. — Augsb. 
8teynerl540. 4. (HB. 1670). — Augsb. Hans Zimmermann. 1552. 4. (HB. 1671.) 

Niederdeutfch: Appollonius. Eine Schöne vnde Kortwylige Hiftoria, 
vam^Koninge AppoUonio, wo he van Landt vnde Luden vordreuen vnde vor- 
jaget, Schipbr6ke vnde mennigerlej vngel&cke vnde elende vorduldet, vnde 
doch thom leften wedder in fjn Landt gekamen ys. Hamborch Im Jahr, 1601. 
(bei Herm. MoUer ) 64 BU. 8. 

13. Flore und Blanfcheflur. Nach dem aus dem Franzofifchen ge- 
fchöpften Romane Filocopo des Boccaccio wurde das deutfche Volksbuch be- 
arbeitet. 

Vgl. MA. 699 und §. 42. 

Ein gar fchone newe hiftori der hochen lieb des kuniglichen furften florio : 
vnnd von feyner lieben Bianceffora . . Meczs. Cafp. Hochffeder. 1499. 4 und 
125 Bll. Fol. -^ Ein gar fchone newe hyftori von der hochen Heb des könig- 
lichen furrten Florio vnd von feiner lieben Bianceffora . . Metzs*. Cafp. Hoch- 
feder 1500. Fol. (HB. 1676.) — Ein fch6ne Hiftory von Florio vnd Bianceffora. 
Frankf. a. M. Weygandt Hau. 8. (HB. 1677.) — Im Buch der Liebe 118. 

14. Lother und Maller, ürfprünglich von der Herzogin Margareta 
von Lothringen, Gr&fin von Widmont, 1405 italienifch verfaßt und von ihrer 
Tochter Elifabeth, Gr&fin zu Naffau-Sarbr., die auch Hug Schapler bearbeitete, 
ins Deutfche. ÜLberfetzt. Lother ift Karls d. Gr. Sohn, Maller der Galliens. 

Gedr. Straßb. 1514. Fol. — Frkf. 1567. 8. (Wolfenb.) — Leipz. 1611. 8. 

— Lother und Maller, eine Rittergefch. nach einer ungedr. Hs. bearbeitet von 
Fr. Schlegel<s Frau). Frkf. a. M. 1805. 8. 

15. Fortunatus. Die in der ganzen Welt, namentlich in Cypern, Eng- 
land und Flandern fpielende Gefchichte von Fortunatus mit feinem Wünfch- 
hute und immer vollem Seckel, die den Sohn zeigt, aus dem dennoch etwas 
wird, fcheint nach fpanifcher QueUe gearbeitet zu fein. Entftanden ift fie oder 
doch neu redigiert um 1440. 

Vgl. aörres 71—82. Hagen, Mafeum 1, 276 ff. 

Fortunatus . . Zu truckeni verordnet durch Johanßen heybler, Appoteycker^ 
in .. Augfburg .. 1509. 108 BU. 4. (Kopenhagen, Vet^V. P^.xvL^t V.TA.^'l^ — 
Augsb. H. Steyner 1530. 4. - Augsb. H. ÄteytieT V^*^. '^. VJÖÄ, WVß.>i - 



120 Kirchliche Volksdichtung. 

Auffsh. 1544.4, — Frkf. 155L a - Frkf. 1554. 8. (Wolfenb.) -~ Strm6b. iSSS, 
4. (Walfe^b.) - Frkf. 1570. 8. (Celle.) — Frkf. (1610.) S. — Nümb. 1677. i% 

— Frkf. 1787. 8. 

§. 108. 

16. M^lnfine. Aus alten Localfagen, deren fchon Casfai^as von Heilter- 
bach gedenkt, verfaßte Jean d'Arras gegen Ende des xiv. Jh. ein XateiniTches 
Gedio^i von, der Meerfeie Melofina, das im xv. Jh. in franzöf. Profa gebracht 
und am 1480. gedruckt wurde. Dari^us entftand das deutfche Volksbuch, das 
Thüring von Ringoltingen 1456 ftberfetzte. 

Difs owenturlich buch beweyfet wie von einer firouwen genant Melufina 
die ein merfeye vnd darzu ein gebome Ktinigin vnd auf den berg awalon 
kommen was. o. O. u. J. (Straßb. um 1474) 64 Bl. Fol. 36—38 ZI. ~ Augsb. 
Bämler. 1474. Fol. ~ -o. O. u. J. (Strßb. um 1477) 79 Bl. Fol. 34 ZI. — o. O. 
u. J. §Ö Bl. Fol. — 0.0. 1478. Fol. (Panzer Zuf. 8.41.) — o. O. u. J. (Straßb. 
Prüfs um 1480.) 82 Bl. Fol. (HB. 1686.) — o. O. u. J. (Straßb. 1482. H. 
Knoblochzer.) 63 BL EoL (HB. 1687.) — Heidelb. H. Knoblochtzer 1491. F-oL 

— Augsb. H. Steyner 1538. 4. (HB. 1688.) — Augsb. H. Steyner 1543. 4. 
(Wolfenb.) — Frkf. a. M. Chatarina Eebartin vnd Kilian Hau, 1571. O Bogen 
8. (Celle.) — Auf ein neues ftberfehen ; o. O. u. J. (um 1700) 8. — Frkf. u. Lpz. 
o. J. (um 1750) 8. 

17. Der Ritter vom Turn. Nach franzSfiTcher Quelle, von Marqnard 

fom SteiV: {iberfetzt. 

Der. Ritter vom Turn von den Exempeln der gotsforcht vnd erberkeii 
Bafel, Mich. Furter 1493. 73 Bl. Fol. (Dresden. Culemann in Hanov.) — - Augfp. 
Sch6nnsperger. 1498. Fol. — Bafel, M. Furter. 1513. 73 Bl. FoL — Straßb. 
Knoblouch. 1519. 118 Bl. 4. (HB. 1790.) — Straßb. Cammerl. 1538. 59BLFol. 
(HB. 1791. Hanover.) — Frkf. 1572. Fol. — Im Buch der Liebe* — Frkf. 
1593. 299 S. 8. (Wolfenb.) — Nurnb. 1682. 12. (Wolfenb.) 

18. Pontus und Sidonia. Aus dem franzSüTchen Romane (der um 1480 
zuerlt gedruckt wurde) von Eleonore von Oefterreich (1448 — 1480) ftberfetzt 

L'histoire da noble roy Ponthas, Als da roy de Galice, et de la be^^. Sidoyne, fltte da 
roy de Bretaigne. Lyon. O. le Boy. o. J. Fol. 

Das buch vnd lobliche hiftori von dem edlen Königs Ain auIT Galicia ge- 
nant Pontus. Auch von der fchen'en Sodonia Eünigin auIT pritania. Welch 
hiftori gar luftig und gar Kurtzweylig su hören ift. Augfp. Hans Schönfperger. 
1498. FoL (Berlin aus Naglers Saml.) — Straßb. Mart. Flach. 1509. 96 BL FoL 

— Strßb. Sgm. Bun. 1539. Fol. (HB. 1700. Dresden.) — o. O. 154a FoL 
(Dresden). — Frkf. 1557. 8. — Frkf. o. J. 12. -i Frkf. 1568. 8. (Celle). — Im 
Buch. der Liebe 315. — Nürnb. 1657. a — Nü^rnb. 1670. a (Wolfenb.) 

Niederdeut fch: Hamborch. 1601. 8. (K. 5495. £b. 17760. Fehlt bei 
Scheuer.) 

19. Hug Schapler. Die fagenhafte Gefchichte des Hugo Capet; aus 
dem franz6fifchen ; von der Herzogin Elifabeth von Lothringen, Gr&fin von 
Widmont, Mütter des Grafen Johann zu Naflau und Sarbrück nach deffen 
SU S. Denis genommener Abfchrift des franz6f. Romanos verdeutfcht und von 
Konrad Heindörffer durchgefehen; fp&ter erneuert; vgl. §. 143. - 

VgLi Deat. MaTeam 1784. 8, 827. 

Ein liepliches lefen, vnd ein warhafftige hyftory wie einer der da hiefs Hug 
Schapler vnnd uz metzgers gefchlecht ein (gewaltiger kunig zu Franckreych 
ward durch feine groITe ritterliche manheit. Vnd als die gefchrifft fagt ift er 
der nächft gewefen nach Carolus magnus fun Kunig Ludwig. Straßb. 1500. 
FoL (Wolfenb.) — Straßb. Grüninger. 1508. 52 BL FoL (Dresden. Kopenh.) 

— Straßb. Barth. Grüninger. 1537. 59 BL FoL (HB. 1683. Dresd. Wolfenb.) — 
Frkf. a. M. Cathar. Bebartin in Verlegung Kilian Hau. 1571. P Bogen 8. 
^Ceüe.) — Leißz, J604 8. 



Buch 4. §. t07. 121 

20. Herpin. Urfprünglich franz6fifch und weit, verbreitet. Der Kern 
der weitläuftigen Gefchichte ift die Erl6fung eines verfchuldeten toten Ritters. 

Vgl. Hagen Gefamtabent. I, XCVn. — §. 72, 1» Rittertreue. 

Aeltere Handfchriften in Berlin, Brannrchweig (Scheller, BÄcherkunde n. 
1845). Gedr.: Der weis Bitter wie er fo getruwlich bei ftund ritter Leuwen, 
des Hertzogen Tun von Bnrges, das er zuletzt ein künigpreich befai}. Straßb» 
Grüninger. 1514. 182 Bl. (HB. 1684.) — Frkf. d. Th. Rebart und W. Hauen 
Erben. 200 Bl. 8. (Celle.) — Frankf. 1579. d. P. Reffler, in Verlegung Hart- 
mannin Hahns. 8. (Wolfenb.) — Im Buch der. Liebe 347. 

21. Magelone. Die Trennung und Wiedervereinigung zweier Liebenden, 
deren Gefchichte viel Berührungen mit dem Gedicht von der guten Frau 
(§. 42) und dem Meiftergefange vom Grafen von Savoyen (§. 88. 139) hat. Das 
franz6fifche Buch wurde von Veit Warbeck ins Deutfche überfetzt. Vgl. §. 160. 

Die fch6n Magelona. Ein faft luftige vnd kurzweilige Hiftori '. . durch 
Magifter Veiten Warbeck auß Frantzöfifcher fprach in die teutfchen verdol- 
metfcht mit einem Sendbrieff Georgii Spalatini. Augfp. Haynr. Stayner. 1536. 
4. (HB. 1690.) — Augsb. 1545. 4. - Frkf. 1549. 50 Bl. 4. — Frkf. 1550. 4. 

— o. O. 1556. 86 Bl. 4. — o. O. 1593. 8. (vgl. Berliner Monatsfchrift 6, 300.) 

— Leipz. 1611. 8. (Gotha.) — Nürnb. Endter (um 1660). 8. — Nürnb. 1678. 
8. (Gotha.) — Nürnb. J. A. Endter 1744. 8. 

22. Fi er ab ras. Riefengefchichte aus dem kerlingifchen Sagenkreiße, 
nach franzofifcher Quelle. 

Le romant de Fierabras le gdant. Oeneve 1478. f. — Lyon 1484. Fol. — 1486. Fol. 

— 1496. FoL * 

Ejn fch6ne kurtzweilige Hiftori von eym mächtigen Riefen auß Hifpanien 
Fierrabras genant, der eyn Heyd gewest . . newlich aus Frantzöfifcher fprach 
in Teutfch gebracht. Siemern, Iheron. Rodler. 1533. 53 Bl. Fol. (HB. 1685, 
Dresd., Wolfenb.) — Frkf. o. J. 8. — Frkf. 1594. 8. 

23. Haimonskinder. Die Gefchichte der vier S6hne Haimons von 

Dordogne, namentlich Reinolts, nach franzofifcher Quelle. 

Lea qoAtre filz aymon . . Oy finiftlyftoire du prenz etvaiUant cheaalier Begnanlt de 
MontABbani Lyon, J. d. Vingle. 1495. 185 BIL Fol. (Dresd.) — Les quatre filz Aymon.) Par., 
venfae de Mch. le Noir. 1521. 4. (Dresden.) Vgl. MA. 707. 

Eyn fch6n luftig Gefchicht, wie Keyfer Carle der groß,, vier gebrftder, 
HertsKxg.Aymont vonDordoas Stine . . fechzehen jarlangk bekrieget . . kürtz- 
lich auß FrantZk fpra^ in Teutfch tranfföri^t. Siemern. Iheron. Rodler. 
1535. I6&BL.F0I. (HB. 1678. Dresden.) ^ Cöln 1604. 8. — Ehedeffen auch 
zu Cöln gedr. (xviu. Jh.) 8. 

24« Oojtuvianus« Nach franz6fifcher (aujs dem Lateinifchen -gefloßner) 
Quelle,, von Wilhelm Salzman deutfch bearbeitet Der Roman geh6rt zum 
kerlingifchea Sagenkreiße. 

Kine Sch6ne Ynnd Kurtzweilige Hifitori von dem Keyfer Octaviano, fei- 
nem weib vnd zweyen fünen, wie die in das eilend verfchickt, vnnd wunder- 
barl^eh in Frankreich bey dem frummen Künig Dagobert, wiederumb zufamen 
komeii fhid, Newlich uß fraot^ fprach in teutfch verdolmetfcht Straßh. Grü- 
ninger 1585, 69 BL. Fol. (Dresden.) — Straßb. J.- Fr^Uch. 1548. 4^ (HB. 1681.) 

— C31n Jau. V. Aich. o. J. (um 1540). 4. (Berl. Meufeb.) — Augsb. M. Män- 
ger (unv. 1600). 8. — Nürnb> 1696. a 

25. Galmy. Nach fi^anzÄüfcher Quelle, vielleicht vc^ Georg Wickräm 
beaiheitet. 

Ritter Galmy. vß Sichottlanid. Ein fchone vnd liebliche Hiftory, von dem 
edlen vad theuren Ritter Galmien, vnd von feiner züchtigen liebe, So er zu 
einer Hertzogin getragen hÄt. Straßb. J. Fr61ich. 1539. 140 Bl. \.. — %\jt^!i5^. 
J. FrtUch. 1540. 4. (HB. 1702,) — Straßb. 3. YxoVick. Vt>^, öt. ^^\««&i^ - 
Frkf. A. M, 1564, 8. — Frkf. 1568. 8. (Ceüe.^ — Ä\.T«Hi» V^ö^;^. 



122 Kirchliche Volksdichtung. 

§. 109. 

Das Vo 1 k sl i e d des xv. bis xvii Jahrhunderts war unmittelbares Erzeugnis 
des Volkes felbft und fand erft gegen die Mitte des xyi. Jh. die Pflege der 
Mufiker vom Fach, die mit ihren künftlichen Bemühungen den einfachen Cha- 
rakter des Volksliedes zerftorten und die Melodien über die Texte ftellten, 
fo d&Q man der Mufik wegen fang, was man. der Worte wegen kaum hStte 
fingen mögen. Ein anderer Gegner des Volksliedes war das kirchliche Lied. 
Die Dichter diefer Richtung benutzten anfänglich Weifen des Volkes, um ihre 
Lieder rafch zu verbreiten, giengen dann aber weiter und (ttchten Volkslieder 
geiftlich umzudichten, um die erfteren zu verdrängen (§. 132). Die vielfach 
misgünftigen Erw&hnungen des Volksliedes beziehen fich wol weniger auf un- 
fittlichen Inhalt, als auf weltlichen Charakter deffelben. Unfittliche Lieder 
kamen zwar vor, aber im Verhältnis zu der überwiegenden Zahl durchaus rei- 
ner Lieder verfchwinden fie beinahe; gerade diefe Lieder begegnen in den 
düchern der namhaften Mufiker allein und fcheinen noch Ueberbleibfel auB der 
Zeit des Hs. Folz zu fein. Das Eigentum des Volkes, der Jugend, der Hand- 
werksgefellen , der Landleute, der Landsknechte und Reuter, der Schlemmer 
und Buhler (beider im bejßren Sinne) find meiftens auf fliegenden Blättern 
verbreitet worden und mü^en in großer Menge vorhanden gewefen fein. Die 
Druckereien in Nürnberg (Jobft Gutknecht, Hans Hergot, Kunegund Hergot, 
Chriftoph Gutknecht, Friedrich Gutknecht, Val. Neuber, Joh. v. Berg), in Augs- 
burg (Ramminger, Zimmermann, Ulhart, Schönig), Bafel, Zürich (Aug. Friejß), 
Bern (Apiarius), Straßburg (Fr61ich, Thieb* Berger), Wolfenbüttel (Horö), Mag- 
deburg (Waiden, Kempf), Lübeck (Joh. Balhorn) u. A. waren ungemein frucht- 
bar an folchen Flugblättern , deren Aufzeichnung hier nicht erfchöpft werden 
könnte, wenn fie überhaupt zu erfchöpfen w&re. 

Hier foUen nur die grdBeren Samlungen (bis auf die neuefte Zeit §. 110. 111) und dann 
einige Flugblätter, die fich befonders auszeichnen, genannt, fo wie einige hanptlXohlich beach> 
tenswerte Samlungen fliegender Blätter nachgewiefen werden (§. 112). Vgl. die hiffcori- 
fchen Gedichte §. 141. 

Vgl. Seb. Brant. Narren Schiff 61. — Vulgaris Gantio. Ich ftund an einem Morgen per 
Henricum Bebelium in carmen latinum redacta. Bei Bebelii faeetiis. — Es erfchallet (in der 
lürche) alfo von pufaunen, trumeten, kmmbhftmern, pfeiffen vnd orgeln, vnd darsa^flngt 
man auch darein. Do h6rt man fchenüiche vnd vnerliche bullieder vnd gefang, darnach die 
h. vnd pnben tantzen. Alfo laufft man heuffig in die kirchen, wie auff ein pan oder f^iel- 
hauß, etwas luftigs vnd lieplichs zu h&ren. Herr Era/hi9 von Roterdam verteutfckte ottßlegung 
vber Paulus Corinth. 1, 14. Vom Gefang 1521. 4. Aij. — Vnd find (die Lieder deaWaltherfchen 
GB.) auch ynn vier ftymme bracht, nicht aus anderer vrfach, denn das Ich gerne wollte, die 
iugent, die doch fonft foll vnd mus ynn der Mufica vnd andern rechten kflnften erzogen 
werden, ettwas hette, da mit fie der bul lieder vnd fleyfchlichen Gefenge los worde. Luikers 
Vorrede zum Wittenb. GBuchleyn 1524. — Es haben fich biß hie her die teütfchen fchnlmaifter 
die kinder auif die Creützwochen zum hochften befliffen, lofe lieder vnd heyligen Gefang 
zu leren, in welchen das wofl^efallen der eitern vnd zeytliches lob vnd aygner nutz mer ge- 
fucht ift worden, dan gottes eer vnd befferung der iugent . . fo lefen fle fchndde lieder, vn- 
gefchickte bücher, vnd vergeet alfo die iugent mit der zeyt .. Das Teutfeh gefang fo in der 
Mefz gefungen iDürd. 1525. — Die Aimm des alten vnd newen Teftaments ift wol als kortz 
vnd ring zuo lernen als der Berner, Ecken außfart, Hertzog Emft, der hüme SewMd, auch 
andere vnnütze, langwirige vnd hailloße lieder vnd maiftergefang, der fchandparen, ehrlofen 
vnd vnchriftlichen fo ainer oberkait zuo verbieten wol anftdnd, gefchwigen, damit man nit 
allain die zeyt übel anlegt, fonder auch offt vnd dick biß zuo den bluotigen köpffen wider- 
einander gefungen hat. J. Aberlin 1534. — alfo ift nichts in leben, das nit ein lieblich ge- 
fang von hertzen zu freuden beweg. Hans Ottl. 1534. — Dieweil du doch dein kind vnd g£id 
bißher wyefte fchandtliche lieder an den reyendentzen vnd fünft haft loffen fingen . . fchanlK 
liehe buoben lieder vnd feige mnotwillige f^rüch . . Katharina Zellin 1534. Vnd es find zwar 
grob Itit genuog, nit allein die göttliche gfang mit vnzucht bruchend, fonder die für fftlche 
vil üppiger lieder vnd gfang in täglicher Übung habend . . die wÜt ift voll geiftlofer, lycht- 
fertiger, vnreiner vnd fchedlicher lieder . . Joh. Zwick 1587. — Es ift bräuchlich, bei allen 
fr6lichkeiten vnd kurzweil frifche teutfche lieder zu fingen, wodurch dann vil unnutz ge- 
fchwätz und zutrinken verhindert werden. G. Forfter 1539. Nun hat der b6fe feind die fach 
dahin gebracht das dife herliche kunft vnd gäbe Gottes, die Mufic, fehler alleine zur Üppig- 
keit mifsbrauchet würdt . . Daher es auch erfchröcklich ift zugedenken, was ergemns bei 
derjugent vnd anderen, durch die teuflfelifchen buol lieder angeCtifftet wtLtdt^ Co das welch» 



Buch 4. §. 109. 110. 123 

on das zuo vil anmdtig errt durchs gefang noch anmutiger würdt. Jf. Bucer 1545. — Das 
die Mofica nicht zu vnzüchtigen dingen vnd Gottlofen liedern erfunden worden, wie fle dann 
zu ynTern zeiten von.vilen b6fen leuten gemainlich mißbrauchet wurdet. Joannes Gruen lbh5, 
von vnrainen, vnzfichtigen, Tettfelifchen Buol liedern abgemanet. Augsb. Gfangbüchl. 1557. — 
Ich tadle der alten Meifter <}efenge vnd Bergkreien nicht, Denn ich hab vil*rch6ner alter 
Gedicht, darin man gute vnd GhriTtliche leut fpüret, gefehen, als das vom Pellican, von der 
Mdhle und andere. Aber was leret oder wen tröftet der alte Hillebrant vnd Rifs Sigenot? 
J. Matthefius 1562. — AufT das fie der Buolen Texte abgeben möchte. H. Knauft 1571. — jrer 
vil in weltlichen Melodeyen gedichtet find, vrfach, damit das Junge volck von denfelbigen 
fcbamparen vAd vnzüchtigen Bulenlleder abgehalten . . Kolers Hausge fange 1. — den Poda- 
gramirehen dörfen die Genfer das Gaillartdantzen vnd die Fneszwizemde Capricolifche Gals- 
fprüng nicht verbieten. Fi/tkan^ podagr. 1577. 

Bergreien, Bicinia find zweiftimmige, Tricinia dreiftimmige Lieder. — Gaffen- 
h a u e r find Lieder der auf der Gaffe Gehenden ; hauen, gehen : hau hin : Foltz klopfan. fetfch 
dich .. vnd du haw auch hinweg. Hans Sachs 1, 421,6, daher: in den Schalksberg hauen. 
Gaffatim gehn, gaffieren, häufiger Ausdruck f&r Ständchen bringen ; fp&ter auch : graffieren. 
— Grasliedlein wurden die meiftens üppigen Lieder genannt, die im Sinne Sachfenheims 
(§. 88) und Folz (§. 95) gedichtet waren. — Reuterliedlein waren Lieder von vnd f&r 
Beuter, wie Landsknechtlieder, von denen keine Samlung erhalten ift, Lieder von und f&r 
Landskn. waren. — Gegen das Ende des xvi. Jh. beginnen die nach Tänzen genannten 
Galliarden und andere nach italienifchen Melodien gedichtete Lieder. 

§. 110. • 

1. Oeglins Samlung. 49 geiftliche und weltliche Lieder mit Sing- 
notelh; ohne Titel; am Schluße: ..gefangk büecher, mitTenor, Discant, Baüsi 
vnd Alt . . Augfpurg, . . Erhard öglin . . 19. July . . 1512. 4 und 32 Bl. q. 4. 

Die Samlung wurde von Forfter benutzt; er nahm daraus auf: Ach lieb mit leid (Nr. 
97 in Forfters Tenor 1839) ; Mein herz hat fleh mit lieb verpflicht (78) ; Nach willen dein (43) ; 
TrÄftlicher Ueb (123); Zucht ehr und lob ihr wonet bei (31 d. i. 30). Vgl. Winterfeld 1, 47. 
WB. 59. Uhl. Nr. 312. 

2. Schöffe 58 Samlung. 62 Lieder mit Singnoten; am Schluße: Ge- 
treckt zuo Mentz,. durch Peter Schöfifer. 1. Merz 1513. 

Daraus nahm Forfter: Unfall will jetzt haben recht (72); Von edler art (35); Ein meid- 
lein I^rach mir freundlich zuo (25); Zart fch6ne frau. Es find darin u. a.: Woluf, ir lieben 
gfellen (Uhl. 145) ; die beiden Bonenlieder : Man fagt von gelt und großem gut (Uhl. 235) 
und: Wer lützel bhalt und vil vertuot (Uhl. 236); Von üppiglichen dingen (Uhl. 249); vgl. 
Winterfeld 1, 47. 

3. Samlung Amts von Aich. In diffem buechlyn fyntman. lxxv. 
hubfcher lieder myt Difcant. Alt. Bas. vnd Tenor, luftik zuo fyngen. Auch 
etlich zuo fleiten, fchwegelen, vnd anderen Muficalifch Inftrumenten artlichen 
zuo gebrauchen. Am Schluße: Cöln, durch Amt von Aich . . o.J. (um 1519). 
84 Bl. q. 8. 

Es find nicht 75, •fondem 76 Lieder, 73 weltliche und 3 geiftliche (die in Hoffmanns' 
Gefch. d. KL. N. 287. 288. 300 v^ederhölt find). Das Buch z&hlt 77 Nummern ; es fehlt Nr. 38. 
Vgl. WB. p. 491. 

4. Apiarius. Fünfif vnd ibchzig teütfcher Lieder, vormals im truck 
nie vß gangen. Am Schluß : Argentorati apud Petrum Schoefifer. Et Matthiam 
Apiarium. o. J. (um 1520). 54 Bl. 6. 

Darin drei Bonenlieder; auch hiftorifche Lieder; unter den Gomponiften M. Greiter 
und Laz. Spengler. Vgl. WB. 121. Uhl. Nr. 29. 68. 

5. Valentin Ho 11s Hdfchr. ; enth. neben Sprüchen, größeren und geift- 
lichen Gedichten auch 60 weltliche Lieder, darunter Meifterlieder und Volks- 
lieder, die, wie die ganze Hs. , nach älteren Drucken 1525 — 26 abgefchrie- 
ben find.- , • 

Eigentum der Aferkelfchen Familie in Nürnberg. Vgl. WB. Nr. 215. 

6. Bergkreien, etliche geiftlich vnd weltlich. Zwickau 1531. 8. Wie- 
derholt: Zwickau 1533. 8. 

Vgl. Uhl. 8. 977. VermutUch bildet diefe nur dem Titel nach bekannte Samlung die 
Grundlage der folgenden. 

"*" 7. Bergkreyen. Etlich Sch6ne gefenge, newlich zufamen gebracht, 
gemehret vnd gebeffert. o. O. u. J (um 1534 bei Kunegund Hergotin in 
Nürnberg.) 40 Bl. 8. 

Es lind 58 geiftliche und weltliche Lieder, von denen die Nr. 1—38 durch ftrenge alpha- 
betifche Keihenfolge (nach den Anfangszeilen geordnet) fich als ältere Samlung zu erkennen 
geben. Vollftändigea Inhaltsverzeichnis durch K. Aue in Mones Anz. 8, 358 ff. K«.\v&x ^^- 
druck durch O. Schade: Bergreien. Eine Liederfammluiis . 4e% \^. ^\i. ^^\\sl«x V^v^. "^^ 
Der Herausgeber nennt die Samlung 'die Sltefte ge^Lxuckl« ^« «lUl -vuvä %c^<v(assv^'CL SS!^ ^a:«^^ 



124 KirchUche Volksdichtong. 



meint auf das 'gemeret und gebeBert* and *aaf dergleichen Titel werde nieht ra viel sa geben 
fein*. Von genannten Dichtern lind darin: Andreas Grnber (Nr. 1); H'einrlohlfnller 
(17); Ludwig HeilmanJ (26); Balthas von Haylprunn (57). Vgl. UhL 8. 976. WB.S45. 



8. Sch6ner ausferlesener lieder z. 1 Bogen 8. Am Schi.: GMr. 
Euo Mrnberg durch Kunegund Hergotin. o. J. (am 1534). 

Vgl. Uhl. S. 976. Enth.: 1. Vil gldck und heU. 2. Ach nnfalU neid. 8/ leh reu und 
klag. 4. Ach werde fmcht. 5. Ach weiblich art. 6. Wol kamt der mey. 7. ICmi fleht aoeb 
woL T 8. Mich zwingt darzao. 9. Ein Thomier fleh erhaben hat (fehon in 7 Mr. 7). 10. So 
wtlnfch ich ir ein gaote nacht. 

9. Hundert vnd ainundzweintzig newe Lieder, von berftmbtenn 
difer kunft gefetzt. Am Seh].: Gedruckt zu Nüremberg durch Iheronimam 
Formfchneyder. 15344 q. 8. 

Es find fünf Stimmen Tenor, Contratenor. Difcantos. BafiTtu, Vagans. Die Vorrede ift 
von Hans Ottl Buchfuerer (Nnrnberg 20. Ang. 1534) nnterzelchnet. 114 weltll6he,.7 geUtüehe 
Lieder. Unter den TonTetzern : Arnoldus de Brück. Ludovicos Senfflius, Qnilleuna« Breften- 
grafems. Vgl Uhl. Nr. 29. 45. 70. S. 1000. WB. 326. (Die Ausg. 1554 in Monea Ans. 1, 148 
ift Druckfehler fdr 1534.) 

10. Beutter 11 edlin. Frankfurt. Egenolf. 1535. 38 Lieder. Yg^ UhL 
8.979. • 

11. Fink. Schöne aulzerlefne lieder , des hoch ber&mpten Heinrici 
Finckens, fampt andern newen Liedern, von f&rnemTten difer Kunft gefetit.. 
1536. Am Schi.: Gedr. z. N&renb. d. Hieronjmum Formfehneyder. q. 8. 

Vier Stimmen (Tenor, Difcant, Alt, Bafs), unter den TonTetzern Helnr. Fink. Amoldna 
de Bruch, StefEänus Mahu, Ludovicus Senfl J. B. (Joh. Sthal) 95 weltliche, 6 gettUiciie Iilader. 
Vgl. Uhl. Nr. 9. 70. WB. 348. 

12. Bergkreyen, etlich fch6ne gefenge, newlich zufamen gebracht^ 
gemehrt und gebeffert. o. O. 1536. 8. 

Enth. 50 Lieder. Vgl. Uhl. 1, 976 f. WB. 851 und oben Nr. 7. nnten 18. 

13. Forfter. — 1) Ein außzug guter alter vn newer Tenifcher liecQein, 
einer rechten Teutfchen art, aufif allerley Inftrumenten zu braacfaen, aoBerlefen. 
Tenor. Getruckt zu Nürnberg bey Johan Petreio. Anno 1539. T BgiL- q. 4, 
(Tenor, Difcant, Alt, Baffus.) — Wiederholt als: Ein au^bundfch6nerTeiitfefaer 
Liedlein , zu fingen , 'vnd auff allerlej Inftrumenten, zu gebrauchen, fonderlich 
außerlefen . . Gedr. zu Nürmberck durch Joh. v. Berg. Ynd Vlrich Newber. 
1549. — Neue Auflagen: Frifche Liedlein. 1552. 1560. 2) Der ander Thejl, 
viler kurtzweyliger , frifcher Teutfcher Liedlein , zu fingen fehr l&ftig. Nfimb. 
1540. 1549; mit etlichen Newen Liedlein gemehrt* Nürmberg 1553; 1565. — 

3) Der dritt teyl, viler fch6ner Teutfcher Liedlein, zu fingen vnd auff aUerley 
Inftrumenten zugebrauchen, fonderlich außerlefen. (Nürnb.) 1549. 1552. — 

4) Vierter Teil. Niirnb. 1556. 5) Fünfter Teü. Nürnb. 1556. 

Samler Ut Oeorg Forfter, Teil L enth. 130; n. 78; HL 80: IV. 40; V. 59 Lieder, im 
Gänsen 380 Nummern; doch find nicht alle eigentliche Volkalieder; viel f. g. OelMUUiafte- 
lieder, die in den fpäteren Liederbdchem h&ufig, von andern Tonfetsem bearbeitet wieder- 
kehren. Vgl. Winterfeld 1, 49 ff. Fdr alle Samlungen von Volksliedern reiche und Itark be- 
nutate Quelle. VollftSndige Exemplare aller- vier Stimmen fehr feiten. 

14. Bicinia Gallica et Germanica. Vitteb. 1541. 1545. 

15. Gaffe nhawerl ein. Frkf. Egenolf. o. J. 21 Lieder, darunter 
1 geifÜ. 

16. 68 LJeder. Baff und Alt. Nürmb. d. Joh. vom Berg vnd Vlrich 
Newber. o. J. (um 1540). Vgl. Uhl. S. 1010. 

§. 111. 

17. Otts Samlung. Hundert vnd funfftzehen guter newer Liedlein, 
mit vier, fünflf und fechs ftimmen, vor nie im truck aufzgangen, deutfoh, 
Frantzofifch, Welfch vnd Lateinifch, luftig zu fingen, vnd auf die Inftrumen^ 
dienftlich, von den berhümteften difer kunft gemacht, o. O. u. J. 23*/* Bg. q. 4. 

Die Widmung ift von dem Buchfdrer Joh. Ott bu Nürmberg, 19. Juni 1544, nnteneieh- 
net. Die Samlung enthält geiftliche und weltliche Lieder. WB. 469. 

18. DaubmannsSaml. — Ander fchoene Bergkreyen, auft new'zufamen 
bracht mit au^erleßnen liedern, fo in den andern nicht begriffen find. Zu 
Nürnb. Truckts Hans Daubman. 1547. — Das dritt teyl der Bergreye» Eta* 

Jjcl/e fchdne Bßrgreyen, vom Schneberg, Annabetg, Marlenbet^, Fteyburg vnd 



Buch 4. §. 110. 111. 125 

Sankt Joachims thal, NewHoh zofamen gebracht. Gedr. zu Nürmberg, bei Joh. 
Daubmann. o. J. 

Die erfte Samlung enthielt Über 29, die zweite &ber 9 Lieder. Vgl. Uhl. 976. 

19. Rotenbucher. — Bergkreyen: Aufif zwo ftimmen componirt fambt 
etlichen dergleichen Franckrichifchen gefenglein . . Gedr. zu Nilirnberg, durch 
Joh. V. Berg, vnd Virich Newber. 1551. q. 4. 

Die Vorrade von Erafmiu Botenbucher in Nürnberg, 'der Schul zu S. Egidien mitver- 
wefer', vom 8. März 1551. Enth.- 28 Lieder, meift geiftliche (von P. Be%un, Nie. Henäan, 
Ambr. Blaurer), einige weltliche: Was wird es doch des trückens noch; vil glück vnd heil 
ift niemands feil; Papiers natur irt rauTchen. WB. S. 482. 

20. Ochfenkun. — Tabulaturbuch auff die Lauten, von Moteten, Frant- 
z6fifchen, Welfchen vnd TeutTchen Geyftlichen Liedern, fampt etlichen jren 
Texten, mit Vieren, Fünffen^ vnd Sechs Stimmen .'. Sebaftian Ochfenkun . . 
Heydelberg, durch Johann Kholen. 1558. 92 Bl Fol. 

Seb. Ochfenkun (geb. 1520) war Lautenift des Pfalzgrafen Ott-Heinrich. Die Saml. 
enth. 18 geiftl. und 25 weltliche Texte. Unter den Tonfetzem Oal^. Ottmair, Jobft von Brand, 
Steffan Zirler, P. Hoffhamer, Mart. Zilte, Hans Kilian. Steffan Mahn, Thomas Stoltzer, (Glan- 
ner. BreitengrafTer, Senffel, H. Ifaac, Greg. Petfchin.) WB. 751. Ein Exempl. auch in Wol- 
fenb. Muf. 

21. Le Maytre. — Geiftliche vnd weltliche teutfche Gefeng mit vier vnd 
fünff Stimmen gefetzt durch Matthaeum le Mayftre. Wittenberg 1566. 4. 

Vgl. Olefs. 2, 266. ühland N. 224. 

22.. Antonius S^andelli. — a) Nawe vnd luftige Weltliche Deudfche 
Liedlein mit Vier, Fünff vnd Sechs Stimmen zu gebrauchen vnd lieblich zu 
fingen. Nürnb. 1567. rep. Dreßd. 1578. 4. — h) Nawe fch6ne außerlefene 
Geiftliche Deudfche Lieder, mit Fünff vnd Sechs Stimmen . . Sampt einem Dia- 
logo mit Acht Stimmen . . getr. Dresden dulrch Gimel Bergen 1575. q. 8. WB. 
S. 488. Uhl. lOÖO. 

Scandelli war KapelhneiTter des KtürfOrften zu Sachfen. 

23. G a ft r i z. — a) Newe Gefäng mit vier Stimmen vnd Lateinifch . . 
Durch Matthiam Gaftritz. Nürnb. 1569. q. 8. — h) Newe Symbola etlicher 
Fürften vnd Herren neben andern mehr fch6nen Liedlein mit vier und fünff 
Stimmen. Nürnb. 1571. 4. Vgl. WB. 921. 

24. Meiland. — Newe außerlefene teutfche Liedlein, mit vier vnd fünff 
Stimmen, durch Jac. Meyland. Nürnb. 1569. 4. rep. Frankf. 1575. 4. Uhland 
1003. 1007. 

25. Orlandus di Laffus. — a) Newe Teutfche Liedlein mit fünff Stim- 
men . . Von Orlando di Laffus . . München bey Adam Berg. 1569. 4 Bgn. q. 4. 
rep. 1576. 

Enth. 17 Lieder: 1. Yatter vnfer im Himelreich. 2. Ich ruff zu dir Herr Je(\i Chrift. 
8. Die Fafinaeht ift ein foh6ne zeit. 4. Ift keiner hier der i^rich zu mir. 5. Der wein der 
fchmeckt mir alfo wol. 6, Die .zeit fo jetz vorhanden ift. 7. Vor zeiten was ich lieb vnd 
werd. 8,-10. Im Land zu Wirtenberg fo gut (durchcomponiert). — 11. Im lyfayen h6rt man 
die hauen. 12. Wie lang O Gott in meiner not. 18. VerzM^ hertz nit Gott wird dein bitt. 
14. Fraw ich bin euch von hertzen holt. 15. Am abend fpat beim kftlen wein. 16. Tritt auff 
den Rigel von der thär. 17. Ertlich zu fein ift mein manier. 18. Wer frifch wil fein der 
fing mit mir. 19. Ein guter Wein ift lobenswert. 

h) Der ander Theil Teutfcher Lieder, mit fünff Stimmen . . Durch Orlandum 
di Laffus . . München, bey Adam Berg. 4573. 8 Bgn. q. 4. 

Enth. 15 Lieder: 1. Mein man der ift in krieg zogen. 2. Nur närrifch fein ift mein 
monier. 8. Erzfim dich nicht o frommer Chrift. 4. Was kan vns kommen an für not. 5. 
Der tag der ift fo frewdenreich. 6. Kompt her zu mir fpricht Gottes Son. 7. Der Meye der 
Heye briiigt vns der blttmlein vil. 8. Es find doch feiig alle die. 9. Willig vnd trew on alle 
rew. 10. Man fleht nun wol wie ftet du bift. 11. Ein meidlein zu dem brunnen gieng. 12. 
Es jagt ein Jeger vor dem holtz. 13. Ich weiB ein hÄbfches fr&wlein. 14. Ich hab dich lieb 
Aas weiftu wol. 15. Einmal ging ich fpatzieren aus. 

c) Der Dritte Theil neuwer teutfcher Lieder mit fünff Stimmen . . München 
1576. 4. (Clesf. 2, 267. Vgl. Uhl. 999. Nr. 21.) Alle drei Teile. Nürnb. 1583. 
1594. 4. 

d) Etliche au0erlefene kurtz gute Geiftliche vnd Weltliche Liedlein mit 
vier Stimmen, fo suvor Jn Frantzöfifcher Spraach auQi;&ii^\^^ \^\2I2qxA ^^^^ 
mit teutfchen Texten^ vnd mit deß Authora \>eV\\\i%\m|& \iv Xxws^ ^^^^wv ^ssä^^ 



126 . KirchUche Volksdichtung. 

Johannem Bnhler yon Schwandorff , * SchulmeiTter zu RegenQ>nrg. München 
1582. 4. 

ej Gteiftliche Pfalmen mit drey Stimmen . . Van O. d. L. vnd feinem Sohn 
Bndolff newlich compouiert . . München 1588. 4. Zürich 1594. 4. 

f) Newe Teutfche vnd etliche FrantzSüfche Gefäng mit 6 Stimmen. Mün- 
chen 1591. 4. 

Orlando dl Laffo, geb. eu Bergen im Hennegäu 1520, lebte in Italien, Fnaikreioh, Eng- 
land; 1557 Kapell^eifter in München, wo er 1594 ftarb. 

26. Ivo de Yen to. — aj Newe Teutfche Liedlein mit fünff Stimmen, 
welche gantz lieblieh zu fingen .. München 1569. 4. rep. 157t. 4. 1576. 4. 

Enth. 16 Lieder : 1.— 6. Ach Gott was Toll ich fingen (durchcomponiert). 7. Ach maid- 
lein fein ich bin dir hold. 8. Jch waifl mir ain feins brauns. 9. Vergangen Ift mir glftck vnd 
hail. 10. 11. Der Liendel all mein tag. 12. Groß laid vnd klag. 18. Ach edler Hort. 14. 
Mein fleiTz vnd mühe. 15.— 18. Wolaoff in Gottes namen. 19. Ich folt ainmal f^aaieren gehn. 
20. Tritt auff den rigel von der thdr. 21. Frew dich du edler rebenftock. 22. Wie ToÜ ain 
hertz leben on Tchertz. 23. Es wollt ein J&ger jagen. 24. Fraw ich verhoff in kartier zeit 
25. Es flog ein klain Walda6gelein. 26' Ich ftnnd an ainem morgen. 

b) Newe teutfche Lieder mit 4. 5. vnd 6. Stimmen. München 1570. '4. — 
cj Schone, außerlefene, newe Teutfche Lieder mit vier Stimmen, fampt sweyen 
dialogis, deren einer mit 8. der ander mit fiben St. München 1570. 4, 1572 4. 

— d) Newe Teutfche Lieder mit drei Stimmen. München 1571. 4. 1577. 4. 
1591. — eJ Teutfche Lieder mit fünff Stimmen, fampt einem Dialogo mit 
achten. München 1573. 4. — f) Quinque Motetae . . Monachii 1576. Vgl. Hoffm. 
Gefellfchl. Nr. 107. 

Ivo de Vento lebte in München. 

27. Sechtzehen Gefäng mit vier vnd mehr Stimmen, durch G all um 
Dreslerum. Magdeb. 1570. 4. — hj Außerlefene teutfche Lieder mit vier 
vnd fünff Stimmen. Nürnb. 1575. 4. 

28. Neuwe teutfche geiftliche vnd weltliche Liedlein mit 4. 5. 6. 7. vnd 
acht Stimmen . . durch Chriftian Holland, weil. K. Ferd. L ComponlTten. 
München 1570.< 

29. Gaffenhawer vnd Reutterliedlin. 88 Nummern. Uhl. 979. Nr. 225. 

30. Graßliedlin. 28 Nummern. Uhl. 979 und Nr. 34. 45 etc. 

31. Sechs teutfche Lieder mit vier, fampt einem Dialogo mit acht 
Stimmen. Monachii 1572. 4. 

32. Teutfche vnd Lateinifche Lieder auff vier Stimmen componiert durch 
Petrum Nitzfch. Leipz. 1573. 8. 

33. Jacob Regnart. — Kurtzweilige teutfche Lieder, zu dreyen Stim- 
men, nach Art der Neapolitanen oder Weifchen Villanellen, newlich compo- 
niert durch Jacobum Regnardt, Rom. keyf Majeftat Muficum. Nürnb. 1574. 4. 

— Ander Theil. Nürnb. 1577. 4. — Der Dritt theil. Nürnb. 1579. 4. — Alle 
drei Teile. München 1583. 1591. — (Von Leonhard Lechner fünfftimmig ge- 
fetzt. Nürnb. 1579. 4. 1586.) Auch als Tricinia' 1584. 1588. 1593. 1611. 

34. Berckreyen. JEtliche Schöne Gefenge, newlich zufamen gebracht, 
gemehret vnd gebeffert. T^ürnb. 1574. Zwei Teile. 8. Vgl. Nr. 7. 12. 

35. Fr61iche newe Teutfche vnnd Frantzofifche Lieder mit 4. 5. vnd mehr 
Stimmen. Durch Alexandrum Vtenthal. Nürnb. 1574. 4. Vgl. Uhland 
Nr. 230. Hoffm. Gefellfchl. Nr. 108. 

36. Vier vnd zwantzig weltliche Ö^f&ng mit vier auch fünff Stimmen com- 
poniert durch Joan Steuerlein. Erffurt 1575. 4. • 

37. J o h. E c c a r d. ~ Newe deutzfche Lieder , mit Vieren und Fünff 
Stimmen .. Componiert, Durch Job. Eccardum Mulhufinum, des Herrn Jacobi 
Fuggers Muficum. Mulh. Georg. Hantzfch. 1578. 4. Königsperg 1589. 

38. Casp. Glanner. — Der Erfte Theil newer Tentfcher Geiftlicher vnd 
Weltl. Liedlein mit 4. vnd 5 Stimmen. München 1578. 4. — Ander Theil. 
München 1580. 4. (Glanner war fürftl. Salzburg. Organift.) 

39. Leonard Le ebner. — aJ Newe teutfche Lieder zu dreyen Stimmen, 
nach art der Weifchen Villanellen. Nürnb. 1576. 4. — Ander theil. 1577. 4. 
Beide Teile zufammen : Nürnb. 1586. 4. — bj Newe teutfche Lieder mit 4 vnd 
5 Stimmen. Nürnb. 1577. 4. 1582. 1590. — cJ Ne^e luftige Lieder nach art 
der WeUchen Cauzoneu mit 4 Stimmen componlett dnich Leonaxdiim Lechne- 



Buch 4. §. 1.11. 127 

rum, Athefinom. Nürnb. 1586. 4. — (Die Hiftori deß Leidens vnnd fterbens 
Jefu Chrifti, nach dem alten lateinifchen Kirchen Choral. Nürnb. 1594. Fol.) 

40. Liederbüchlein, darinn begriffen fmdt zwey hundert zwey vnd 
fechtzig allerhand fchoner weltlicher Lieder. Frankf. Nie. Baffeus. 1578. 8. 
[Frkf.] 1582. 8. (nach dem Exemplar der Ambrafer Samlung als: Das Ambra- 
fer Liederbuch vom Jahre 1582. Herausg. v. Jofeph Bergmann. Stuttg. 
1845. 8.). Frankf. 1584. 8. (Enth. 262 Lieder, wurde von der Frkf. Stadt- 
bibliothek 1843 für 130 fl. rh. angekauft.) 

Die Samlung geh6rt zu den wertvollften des XVI. Jh., enthält aber neben weltlichen 
Volksliedern, auch geiftliche und Meifterliedet, ernfte wie heitere.- 

41. Newe außerlefene teutfche Gefäng, auff ein befondere Art vnd Manier 
mit vier Stimmen .. Durch Melchior Schramm. Franckf. a. M. 1579. 

42. Newe teutfche Liedlein mit 5 Stimmen, welche den mehrertheil den 
Brauch difer Welt befchreiben vnd anzeigen .. Durch Johannem Knofe- 
lium, Churf. Pfähs. CapeUen Meiftern. Nürnb. 1581. 

43. Neuwe dentfche Lieder, mit dreyen Stimmen, auch auff allerley In- 
ftrumenten . . Durch Antonium Goßwinum, Capellenmeiftern des Herrn 
Ernefti Bifchoffs zu Luttich, Hildeßheim vnd Freifing .. Nürnb. 1581. 

44. Nie. R oft, Eapellmeifter zu Altenburg. — a. Froliche neuwe teutfche 
gefäng, fo zum theil Geiftlich, zum theil kurtzweilig, mit 4. 5 vnd 6 Stimmen 
componiert von Nicoiao Rofthio. Frankf. 1583. 4. — b. XXX Newer Lieb- 
licher Galliardt mit fchonen luftigen texten vnd mit vier Stimmen componirt 
von Nie. Rofthio. Th. 1 u. 2. Erf. 1593. 4. — Jena 1594. 4. — Erf. 1597. 4. 

45. L ang e. — Newe teutfche Lieder mit dreyen Stimmen, durch Ge- 
orgium Langium, Havelbergenfem. Preßlaw 1584. 4. rep. Brefslaw 1598. 4. 
— Der ander Theil Prefslaw 1586. 4. rep. 1597. 4. 

46. Oth Sigfriden Harnifch, new kurtzweilig teutfche Liedlein zu 
3 Stimmen. 1. vnd 2. Theil. Helmftatt. 1587. 4 1591. 4. — Newe Auferlefene 
Teutfche Lieder zu fünf vnd vier Stimmen. Helmft. 1588. 4. 

47. Henn. Dedekind. — Dodekaton muficum Triciniorum .. Neuwe 
außerlefene Tricinia, auff fürtreffliche luftige Text gefetzt, auß etlichen guten, 
doch biß daher nicht publicierten Authoribus zufammengelefen . . von Hen- 
ningo Dedekindo, muficse ftndiofo. Erf. 1588. 4. 

48. Mancini. — Das Erfte Buch newer luftiger Weltlicher Lieder mit 
vier vnnd fünff Stimmen . . Thomae Mancini, Megalopolitani. Helmft. 1 588. 4. 

. 49. Neue Teutfche Lieder mit vier Stimmen ad pares voces componiert 
Durch Wolffgangum Striccium, Saxonem. Nurnb. 1588. 4. 

50.. Brechtel. ~ Neuw kurtzweil teut. Liedlein mit 3 Stimmen nach 
art der Weifchen YiUanellen comp. Durch Franz Joachim Brechtel. Nürnb. 
1588. 4. — Kurtzweilige Neue Teutfche Liedlein, nach art der Weifchen Can- 
zonetten comp. Durch F. Joach. Brechtel. Nürnb. 1590 4. 1594. 4. 

51. Georgii Taurini Neuwe liebliche teutfche Lieder mit 4 Stimmen, 
nach art der Weifchen Villanellen. Nurnb. 1590. 4. 

52. Yal. Haußmann. — a. Neue Teutfche Weltliche Lieder mit 5 vnd 
6 Stimmen. Durch Valentin Haußmann. Nürmb. 1592. 4. rep. 1594. 4. — 
b. Eine faft liebliche art derer noch mehr Teutfchen weltlichen Lieder Nürnb. 
159.4. 4. — c. Neue Teutfche weltliche Canzonette mit vier Stimmen. Nürnb. 
1596. 4. — d. Newe liebliche Melodeyen mit 4 Stimmen, fo auch zum Tants 
eines theils mit Texten, ander theils ohne Text gefetzt, zugebrauchen. Nürnb. 
1594. 4. — e. Fafciculus Neuer Hochzeit vnd Braut Lieder. Nürnb. 1602. 4 
f. Neue fünffftimmige Paduane vnd Galliarde. Nürmb. 1604. 4. — g. Außzug 
Avß Lucae Marentii vier Theilen feiner Italianifchen dreyftimmigen Villanellen 
vnd Napolitanen. Nürmb. 1606. 4. — Liebliche Froliche Ballette. Nürnb. 1609. 
4. — Die erfte Claß DEr vierftimmigen Canzonetten Horatii Vecchii Durch 
Yal. Haußmann. Nürnb. 1610. 4. 

53. Das ^gro'ffe Liederbuch, darinnen 324 außerlefene hinzugethan. 
Nürnb. 1593. 8. (Clefs 2, 262. Draud. 552.) Vgl. 40. 

54. Zu 3 vnd 4 Stimmen etliche teutfche Reimen verfertiget Durch Jacob 
Reiner. Laugingen 1593. 4. 



128 Kirchliche Volksdichtung. 

55. SCh6ne Kewe Aaßerlefene Geiftliche ynd Welfliclie LIedmr . . Doreh 
Kicolanm Zangium. Frkf. a. d. O. 1594. 4. CöUn 1597. 4. Wien 1611. 4. 

56. Chriftph Demantius aus Reichenberg. — Nene Tentfche wehliche 
Lieder mit 5 Stimmen. Nürnb. 1595. 4. — Zierliche Polnifch vnd tentfche 
Dftnts zu 4. vnd 5. Stimmen, Galliarden mit 5 Stimmen. Nürnb. 4. — Con- 
yivalium concentuum farrago In welcher Dentfche Madrigulia . . Jebna 1609. 
4. — Tympanum Militare. Vngerifche Heerdrummel vnd Feldtgefchrey, neben 
andern Ungerifchen Schlachten vnd Victorien Liedern. Nürnb. 1600. 4. 1615. 
4. — Fasciculus Chorodiarum. Nürmb. 1613. 4. 

57. Hans Leo Haßler von Nürnberg. — Neue Teütfche gelkng nach 
art der weifchen Madrigalien vnd Canzo netten mit 4. 5. 6. ynd 8 Stimmen. 
Angsp. 1596. 4. Nürnb. 1597. 4. — Luftgarten Neuer Teutfcher Oefüngi Bal- 
lett!, Galliarden vnd Intraden mit 4. 5. 6. vnd 8 Stimmen. Nürnb. lS)0. 4. 
— 1601. 4 1605. 4. 1610. 4. 

58. ThomElsbeth, aus Neuftadt in Franken. — Newe tentfche vnd 
Lateinil/;he Lieder mit 3 Stimmen. Frankf a. d. O. 1599. 4. — NEwe Anffer- 
lefene Weltliche Lieder . . Frankf. a. d. O. 1599. 4. Liegnits. 1607. 4. 

59. Joh. Stephani (zu S. Johann in Lüneburg) new teutfcher GeOhig 
nach art der Madrigalien. pars 1 u. 2. Nurnb.' 1599. 4. 

60. Groß Liederbuch von 181 Weltliehen Liedern. Frandcf. b. Peter 
KopflF. 1599. 8. (Clefs 2, 262. Draud. 552.) Enth. 281 Lieder. VgL oben 53 
und Uhl. 975. 

61. Froliche Newe Tentfche Lieder durch Joachim um Belits. Alten 
Stettin 1599. 4. 

62. Das Erft Buch neuw teutfcher Balleten vnd Canzonetten su fingen 
vnd auffinftrnmenten zu brauchen. Durch Andream Myller, Hanmelfonrg. 
IVancum. Frkf. 1600. 4. 

63. Newe fr6Iiche vnd liebliche Täntz, mit fchönen Poetifcben '^ttea. 
Comp, durch Georg Hafen zu Nürmb. Nürnb. 1600. 4. 1602. 4. 

64. Neuw lüftige Däntz vnd Liedlein, auff Inftrument vnd zum fingen 
bröüchlich. Durch Chriftoph. Haiden. Nurnb. 1600. 4. 

65. Neue Tentfche Liedlein, mit vier Stimmen, nach art der Weilchen 
Conzonette . . Durch Paulum S art orium , Noribergenf. Nürnb. 1601. 4. 

66. Gefang mit dreyen Stimmen .. Durch M. Melch. Schaerernm. 
Nürnb. 1602. 3 Teile. 

67. Bluomm vnd Außbund Allerhand Außerlefener Weltlicher züchtiger 
Lieder vnd Rheymen . . Zu . . wollgefallen . . allen Ehrliebenden jungen gefellen, 
Frawen vnd Jungfrawen . . zufamen gezogen, vnd in Truck verfertiget Gedr. 
zn Deuenter 1602 q. 8. (Von dem Buchdrucker Paulus von der Aelft 
gefammelt.) Vgl. Hoffm. v. F. im Weim. Jahrb. 2, 320 ff. Das Buch wnxde 
fp&ter mehrfach benutzt, vgl. N. 72. 83. 

68 NEwe Deutfche Tricinien .. Durch CunradumHagium. Frankf. a M. 
1604. 4. 

69. Melchior Frank. — Deutfche Weltliche Gef&ng vnd Tftntze .. zur 
froligkeit Componiert .. Durch MelchioremFrancum.- Coburg 1604— 5. 2 Teile. 
4. — Farrago IV vocum. Cob. 1606. 4. — Muficalifche Fr6Ugkeit. Cob. 1610. 
4. — Tricinia nova. Nürnb. 1611. 4 — Ferculum Quodlibeticum. Cob. 1613. 
4. — Spann ewes luftiges Quodlibet. Cob. 1619. 4. — Newes Teutfches Mnfi- 
califches Froliches Convivium. Cob. 1621. 4. 1622. 4. — Newes liebliches 
MuficalifcheR Luftgärtlein. Cob. 1623. 4. — Viertzig Newe Deutzfche luftige 
Muficalifche TUntze, Deren eins Theils mit fehönen Amorofifchen Texten. Cob. 
1623. 4. 

70. Neuer Teutfcher Lieder Erfter Theil Durch Danieln Lagkhner. 
Nürnb. 1606. 

71. Das Erfte Buch, Schöner Newer weltlicher Lieder, deren Text am 
meiften von anfehnlichen Frawen vnd Frewlein felbft gemacht. Comp. Durch 
Joachimum Langeum. Prag 1606. 4. 

72. Ein neuw es Liederbüchlein züchtigen jungen GefellMi vnd 
Jungfrauen zu gefallen, zufammen getruckt. Nürnb. b. IHnhrmann. 1607. 8. 

a>ratid 552.) Vgl N. 67. 



Buch 4. §. 111. 129 

73. iNewe Deutfehe GefUnge, nach art der Weifchen Madrigalien. Durch 
Balthas. Pritfch. Leipz. 1608. 

74. Muficalifcher Zeitvertreiber. ^ Nümb. 1609. 

75. Newe Teutfche Weltliche Lieder. Durch Joannem Star icinm. Frkf. 
1609. 4. 

76. Venus Glöcklein. Oder Newe Weltliche Gefänge Durch Joh. Lyt- 
tichium. Jehna 1610. 

77. Venus Kräntzlein. Durch Joh. Staden. Jehna 1610. 

78. Venusblumlein Erfter Theil. Neuer luft. weltl. Liedlein mit vier St. 
Comp. Durch Ambrof. Metzger um. Nümb. 1611. 4. Anderer Theil. Nürnb. 
1612. 4. 

79. Schöne, auITerlefene, liebliche Tricinia. Durch Job. Jeep. Nürmb. 
1611. 4. — Studentengärtlein. D. J. Jeep. Nürmb. 1613. 4. 

80. Muficalifch Kurtzweil. Durch Erafmum W i d m a n n, JSalenfem. Nümb. 
1611. 4. — Neue Mufical. Kurtzweil. Durch Erafmum Widmann. Nürnb. 1618. 
4. — Muficalifcher Studentenmuht. D. Erafm. Widmann. Nümb. 1622. 4. 

81. Newe tetitfche weltliche Gefänglein. Durch Samuel Völckeln. 
Nürnb. 1613. 4. 

82. Niederdeutfehes Liederbuch, o. O. u. J. 8. (&ber 140 Nrn. 
vgl. Uhl. 977). 

83. LiederBüchlein. Darinnen 157 fch6ne außerlefene newe Lieder 
zu finden, allen Jungen Gefellen vnd z&chtigen Jungfrawen zum newen Jahr 
in Druck verfertiget. Jetzund auffs new vberfehen vnd g^mehret .. Erffordt 
b. Jac. Singe. 11 Bgen. 8. o. J. Vgl. oben N. 67 und Uhl.- 975 f. 

84. Newer Grillen Schwärm. Getruckt im Jahr 000000. 4 Bll. 4. 
(1620). Vgl. Weimar. Jahrb. 3, 126 ff. Liederanfänge zu einem Quodlibet 
verarbeitet, nach Mufter der trunknen Litanei in Fifchafts Gargantua. 

85. Neu vermehrtes vollftändiges Berg-Lieder-Büchlein. Gedruckt 
im Jahr. o. J. (um 1730). 8. 208 Nummern. Vgl. Uhl. 977. 

86. VolksUeder (Von Herder. Meüt fremdländiTche). Leipz. 1778— 1779. H. 8. 

87. Eyn feyner kleyner Almana ch vol fchönerr echterr Ijblicherr Yolcksljder 
.. von Danyel Seuberlich (Nicolai). 1777. 1778. 16. (Auswahl ans alten Drucken, um das 
von Herder und Göthe angeregte Studium des Volksliedes lächerlich zu machen.) 

88. Ungedrnckte Refte alten Gefangs nebft Stücken neuerer DichtkunTt von A. E 1 w e r t. 
Oiefsen 1784. 8. (Nur wenig DeutTches.) 

89. Des Knaben Wunderhorn. Alte deutfehe Lieder gefommelt von A. v. Arnim 
und Clem. Brentano. (Heidelb.) 1806. %. — Kinderlieder. Heidelb. 1808. 8; Thl. H. Heidelb. 
IBOS. Thl. m. Heidelb. 1819. Neue Ausg.: Charlottenburg und Berlin 1845—54. IV. 8. — 

Die Herausgeber find willkürlich mit den alten Liedern umgegangen und haben viel 
aus Eignem hinzugethan. Vgl. Zur Gefohichte des Wunderhoms. VonHoffin.v.F. imWeim. 
Jahrb. 2, 261 ff. Der vierte Band von Erk. 

90. Samlung Deutfcher Volkslieder, herausg. durch Bü fehl n g ^nd v. d. Hagen. 
Berl. 1807. 12. 

91. Alte teutfche Volkslieder in der Mundart des KuhlXndchens. Herausg. u. erl&ut. 
von J. G. Meinert. Erster (alleiniger) Bd. Wien u. Hamb. 1817. 8. 

92. Ute Volkslieder der Deutfchen .. durch F. K.Frhm. v.Erlach. Mannheim 1834 ff. 
V. 8. (Ohnü» Plan und Takt; faft werüos.) 

93. Die deutfchen Volkslieder mit ihren Singweifen, gefammelt und hrsg. v. Ludw. 
Erk u. W. Irmer. Berlin 1838—41. 12. Zweite Ausg. Berl. 1843. 8. 

94. Schleflfche Volkslieder mii Melodien, aus d. Munde des Volks gefammelt und hrsg. 
▼. Hoffmann v. Fallersleben und E. Richter. Leipz. 1842. 8. 

95. Altr h ein lündif che M&hrlein und Lieder. Goblenz 1843. 

96. Alte hoch- und niederdeutfche Volkslieder in fünf B&chem herausg. 
von Ludw^gUhland. Erfte Abtheilung. Stuttg. 1844. 8. 

Samlung der Schteften Volkslieder nach den älteften Texten in mufterhaft kritifcher 
Behandlung; ein ehrenvolles Denkmal deutfchen Fleißes und richtigen Taktes; das befte 
Quellenwerk Aber das deutfehe Volkslied bis zum 30J. Kriege. Enth. 365 Lieder, viele in 
mehrfachen FaQungen. 

97. Die deutfchen Gefellfchaftslieder des 16. und 17. Jahrhunderts. Aus 
gleichzeitigen Quellen gefammelt von Hoffmann vonFallersleben. Leipz. 
1844. 8. 

Die durchweg aus den Quellen gefchöpfte Samlung fchliefit fleh der Zeit nach trefflich 
ergänzend an Uhlands Werk und gibt Texte zu vielgeAingenen Gompofitionen der f^&teren 
LiederbAcher in kritifcher Behandlung. Enth. 200 Nummern. 

98. Die deutfchen Volkslieder. Gefammelt von Karl SlmTo^^. YT«.\i&Bi.«..>!L. 'S^^iV. %. 
879 Nummern; ältere und neuere, viele aus dem VoYk.Bm\m^«. ^ ^ 

99. Dentrcbe Volkslieder. Samlung von Franx I^uöln^. ^VXW^x. ^^IJJ^^b,, 
Leipzig 1846. 8, 1661 Nummern aus alter und neuer Tieit, töw ^€Ve «qa ^^isv^^J»soibq»5x 

Oödeke, Grundriß. ^ 



130 Kirchliche Volksdichtung. 

Von den niederlKndirchen LiederbKchem (Sneüaert veneiolinete 416 gedmekta) 
follen hier nur zwei, ein handfchriftliches und das &ltelte gedruckte genannt werden: 

100. Liederhandfchrift vom J. 1537 in Weitoar. Vgl, Hoffm. v. F. 
im Weim. Jhb. 1, 101 flf. 

Een fchoon liedekens Boek . . Gheprent Tantn^erpen by mi Jan 
Roulans Int iaer 1544. 128 Bll. q. 8. mit gefp. Columnen. (Das einzige 
Exemplar in Wolfenbüttel; darnach hrsg. v. Hofifmann v. Fallersieben. Ant- 
werpener Liederbuch vom Jahre ld44. Hannover 1855. 8.) 

§. 112. 

Einzelne Volkslieder, die üch durch Gegenftand oder Weife oder durch 
beide zugleich befonders auszeichneten und deshalb vielfach g^fungen wurden, 
verahlaßten Nachahmungen und ümdichtungen. Teils wui-de der weltliche 
Stotf geiftlich gewendet, um das weltliche anftoßige Lied zu verdrängen, teils 
wurde die Weife des weltlichen Liedes benutzt, um einem geifUichen oder 
weltlichen rafcheren Eingang zu verfchafifen, teils wurde mit der benutzten 
Weife ein Lied entgegengefetzten Inhalts verbreitet. Ümdichtungen diefer Art 
erfuhren u. a. folgende: 

VDen liebften buolen denichh an.' Das alte Lied ift noch nicht 
.aufgefunden ; die weltlichen Lieder des xvi. Jh. mit gleichem Anfange (Uhland 
N. 214. HoflFm. Gfchl. N. 96) folgen andrer Singweife. 

'Wie laut fo fang der wechter auf der zinnen;' gleichfalls noch 
nicht gefunden ; das Lied hatte fünfzeilige Strophen mit der Reimftellung a b a b a. 

Bo'nenlied; noch nicht gefunden; die Lieder mit dem Kehrreim 'nun 
gang mir uQ den honen' (Uhl. N. 235. 236) die aus der Schweiz oder Schwa- 
ben ftammen, find das Bonenlied nicht, aas bei Manuels Zeiten zu Bern ge- 
fungen wurde. 

Jacobsliisd. ^Welcher das eilend buwen well' (Uhland 302, ans der 
Muhchner Hs. 809 vom Ende des xv. Jh.) 5 Aufe&hlung der Länder, durch 
welche die Pilgerftraße führt, Schweizerlant, Jeckenlaht, Soffeien, Langetidock, 
Hifpanierlant) die Wallfahrt wird alfo von Schwaben anhebend gedacht und 
dort fcheint das Lied entflanden. 

'Ins wildpad hin ftat mir mein fin'; noch nicht gefunden. 

'Von uppiglichen dingen, fo will ichs heben an', Spottlied auf 
eineh BaUemtiänz, der in Schlägerei endet (vgl. §. 88), angeblich v<m dem 
1470 als Pfleger zu Päl in Oberbaiern geftorbenen Hans Hefelloher. Uhl. N.249. 

'Aus hertem we klagt fich ein held', ein Wächterlied; nur in der 
Atifeeichnung Forfters (§. HO, 13: 3, 13) nachgewiefen ; gedr. bei Wackem. 
KL. S. 840. 

'Gott grüß dich bruder Veite', nicht aufgefunden ; es fcheint ein 
Landsknechtlied gewefen zu fein und war fehr beliebt, da die Weife oft zu 
Ümdichtungen benutzt wurde. 

Die Fifcherin. Hoch- und niederdeutfch ; zweideutiges Inhalts (gedr. 
bei Wackern. KL. 8. 838); mehrfach geiftlich umgedichtet. 

- Der Jäger. Das weltliche Lied ift noch unaufgefnnden ; das geiftliche 
'es wolt ein Jäger jagen, er jagt vom himelstron', wurde oft gedruckt (Hofiin. 
GKL. N. 234. Uhl. N. 338). 

'Es flog ein kleihs walt v6gelein', gleichfalls hiebt aufgefunden; 
anderes Lied mit faft gleichem Anfange, doch andrer Reimftellung bei Ühl. 83 ; 
eine geiftliche Umdichtung diefes letzteren bei Hoflfm. GKL. S. 410. 

'Ich ftund an einem morgen*, eines der in Ümdichtungen am häufig- 
ften widerkehrenden weltlichen Lieder, und fehr häufig gedruckt. Uhland N. 
70 und 8. 1005. Vgl. Kymeüs §. 132. 

Buchsbaum und felbinger; in zwiefacher FaBung (Uhl. 9), Streit 
beider Bäume über ihren Werl; von Witzftadt (§. 139) zum Streite it^ifchen 
Fleifch und Seele umgedichtet. 

Andere Lieder verdankten ihre große VerbTelttcng votN^i^^^ttd ^em Stoff^ 



Buch 4. §. 111. 112. 131 

der Liebe, der Betrachtang der Natur, dem Kriegsleben, dem loltigen Wirfts- 
hausleben, den Jahresfeften, dem Spott tiber das Treiben der Bauern und 
älteren Erzählungen. 

Liebeslieder bilden die Mehrzahl aller Yolksliederfamlungen und begegnen 
faft auf jedem fliegenden Blatte. Sie mifchen fich mit den Naturbetrachtun- 
gen, vom Mai, vom Sommer. Die Lieder der Reuter (Uhl. 145 ff.) und Lands- 
knechte (Uhl. 188 ff.) fuhren das Stegreifleben und Wirtshausliegen (Uhl. 
214 ff.) naturgemäß mit fich; die Lieder von den Jahresfeften knüpfen fich 
meiftens an Faßnacft (Uhl. 242 ff.) und Marüni (Uhl. 205 ff). Die Spottiieder 
über die Bauern (Uhl. 245 ff.) fetzen den älteren Ton Neidharts (§. 52) und 
des XV. Jh. (§. ^) in i!ibermi!itiger Weife fort. Die erzählenden, lyrifch be- 
handelten Gewehte beruhen auf fehr verfchiedenartigen älteren Stoffen wie 
Pyramus und Thisbe (Uhlatod N. 90 Abendgang), Graf Friedrich (Uhl. N. 122 
fchon in einem Druck von Fr. Gutknecht) u. f. w. 

Schon früh wurden die fliegenden Blätter gefammelt. Derartige alte 

Samlungen bilden gegenwärtig die vorz&glichAen Quellen unferer Kenntnis 

der Lieder. Als Anfang foUen hier nur einige der wertvolleren Samlungen 

nachgewiefen werden. 

Das Anfldfen der alten Sammelbände erleichtert die Benutzung des einzelnen, nimmt 
aber der Möglichkeit weiterer Unterfuchungen vieles; manche der alten B&nde geben Adlon 
durch ihr Aeu^eres Anhaltspunkte für Zeitbeftimmungen, und durch die Reihenfolge der 
Lieder felbft Andeutungen, die mitunter fruchtbar werden. 

Erlangen. Die Erlanger Univerfit&tsbibliothek befitzt einen Mifchband in 
8. mit Drucken von 1497 — 1515, geiftliche und weltliche Lieder, Meirtergefäiige, 
kleine Erzählungen wie vom Grafen von Rom, Spruchgedichte und Volkslieder. 

Gotha. Ein Folioband mit bemalten und unbemalten Holzfchnitten auf 
der Gothaer Bibliothek, - fämtlich aus der erften Hälfte des xvi. Jh. ; vielen 
find Sprüche, Pasquille, Gefpr&che beigedruckt, gegen das Ende eine Reihe 
von Liederblättem, meift hiftorifchen Inhalts. 

Weimar. 14, 6: 60 e. Ein Oktavband der großfaerzoglichen Bibliothek 
in Weimar. Enthält Drucke von Jobft Gutknecht, Kunegund Hergotin, Haj)S 
Guldenmund u. f. w. Neben Meifterliedern fehr wertvolle Vglksliederdrucke, 
auch die Bergreien (§. HO, 7) und x Lieder (§. HO, 8). 

Volirtändiges Inhaltsverzeichnis durch K. Aue im Anzeiger 8, 358 ff. Der ßand hatte 
früher eine andere befire Ordnung, die noch aus den alten Zahlen herzultellen ift. Nach f^r 
neuen Zählung enthält der Band 80 Nummern, es find aber nur 70, da die ZlUüung von M 
gleich auf 65 f^ringt. Gekauft wurde der Band 1803 auf einer Erfurter Auction für 2 Thlr. 
3 Gr. Vgl. §. 189 und 111, 40. 

Uhlands Samlung niederdeutfcher Dichtungen; enth. niederd. Falknaolit- 
fpiele, geiftliche und weltliche Lieder; von Alberus, Forchheim ; das Rimb6kelin 
(§. 103, 14); Hiftorifches und Anderes; Drucke von Job. Balhorn in Bofto<^ 
von 1548. 

Yolirt&ndiges Inhaltsverselchnis in Kellers Faftnachtl^ielen. S. 1469 f. 

Wigand. Die Wolfenbüttler Bibliothek befitzt (theol. 926, 17. 8.) einmi 
imJ. 1549 eingebundenen Band aus der Bibliothek Wigands, des Freundas von 
Flacius Illyricus, in dem, außer lateinifchen Gedichten, unter Nmmmer JL6— rd8 
hiftorifche und geiftliche Lieder aus der Zeit des Interims befindlich find, v«n 
Alberus, Jonas, Warttenberg, Watzdorf und anderen. 

B e r li n F 9494, im J. 1554 gebundener Oktavband, früÜier in Veefenmeyei»» 
dann in Meufebachs Befitz; enth. 54 Nummern geiftlichen und weltlichen In- 
halts, Volkslieder und Meiftergefänge, aus den Druckereien von Fr. Gutknecht, 
Valentin Neuber (1554 Nr. 21), Georg Wächter, Wolfgang Heußler in Nürn- 
berg, auch ältere von Hector Schöffler zu Nürnberg ; NarciO und Meloh. Bam- 
minger, Hans Zimmermann in Augsburg. 

Anzeige des Inhalts in den literar. Blttttem 1804 N. 81. Meufebach kanfte 4cn Band 
aus Veefenmeyers Auction 1833 fdr 14 Thlr. 19 Sgr. und fügte die Berechnung hinzu 'kommt 
das Stttck etwas Aber 8 fgr.' 

Die Berliner Bibliothek, welche die BamVuiig^Yi öiet "^.«^«1^ ^ » ^*fi^wt% 
V. MeuTehach undHeyfea erworben hat, beCLt&t em«U^V\i« noxv wÄKt«tt\Ä»A«- 



132 Kirchliche Volksdichtung. 

mifchbänden in Folio, Quart und 8., die hier, wo nur angedeutet werden follte, 
nicht genauer verzeichnet werden können. Die Samlungen im Privatbeiitz 
verdienten genauere Erforfchung. 

Zweites Kapitel. j 

§. 113. 

« 

Der unbefriedigende Ausgang des Bafler Conciliums ließ in den Ge- 
mütern eine gährende Stimmung zurück. Der Sturz des griechifchen 
Kaiferreichs f&hrte griechifche Gelehrte und Bücher nach Italien, wo die 
Pflege der Wißenfchaften feit Petrarcha niemals fo tief vemachläßigt war 
wie in Deutfchland. Deutfche Männer holten lieh aus Italien (und Paris) 
neue Anregungen und benutzten die aufs neue erfchloßnen Schriften der 
Clafßker zur Wiederbelebung der Wißenrchaflen. Entfchiedener 
Bruch mit der Scholaftik; Folge davon war emltliches Denken an die 
Läuterung der kirchlichen Verhältnifse. Erfte Bewegung in Erfurt (Petrus 
Luderus und Jac. Publieius) und Weftfalen (Rudolf Lange), dann lebhaf- 
terer Auffchvning in Heidelberg (Joh. v. Dalberg, Rudolf Agricola). Ein 
wirkliches Leben gewannen die humanifdfchen Beftrebungen erft mit 
Johann Reuchlin und feinen Freunden Jac. Wimpfeling, Conr. Geltes u. a. 
Auf den von ihnen gelegten Grundlagen erhob fich Defiderius Erafmus 1 
zu glänzender H6he, nur fehlte ihm die freie Entfchiedenheit des Charak- 
ters. Rafche Blüte der Philologie, deren kritifche, auf die Quellen zu- i 
ruckführende Richtung die Kritik der Tradition veranlaßte und durch- I 
führte. — Stiftung gelehrter Gefellfchaften (focietas rhenana, danubiana). 
Beginnende Ueberfetzungeu aus lateinifchen ClalHkem, deren Nachahmung 
zu einer handwerksmäßigen Verfertigung lateinifcher Verfe führte. i 

Die Wiedererweckung claffifcher Stadien und die Wirkungen derfelben behandelt eine 
Beihe ausgezeichneter Schriften, von denen hier nur die vorzüiglicheren genannt werden 
kOnnen: K. Sieveking, Gefch. der platoniTchenAkademie zu Florenz. Göttingen 1812. ^ H.A. ' 
Erhard, Gefchichte des Wiederaufbldhens wi^enTchaftlicher Bildung, yomehmlieh in TentTch- i 
land bis zum Anfange der Reformation. Magdeb. Bd.L 1827: (Aelteres; Allgemeines; Lebens- I 
befchreibungen von Joh. Weffel. Rudolf Lange, J. v. Dalberg, Rud. Agricola, Alex. Hegios, 
Jae. Wimpheling.) Bd. n. 1830 (Conr. Geltes, Joh. Reuchlin, D. Eraftnus, Wllh. Pirkheimer, j 
Herman Bufch, J. Murmellius, Heinr. Bebel, Jac. Locher, Bohusl. y. Haffenitein, Eitelwolf | 
V. Stein). Bd. m. 1832 : (Einzelne Wißenfchaften und Lebensbefchreibungen unter andern ; 
von J. Heinrichmann, J. BöfchenTtein, Dietr. v. Pleningen, Seb. Brant, Cteiler v. Kaiferaberg). [* 
— J. F. Degen, Literatur der deutfchen Ueberfetzungeu der R6mer. Altenb. 1794 — 99. 8 Bde. | 
Literatur der deutfchen Ueberfetzungeu der Griechen. Altenb. 1797—98. 2 Bde. 8. Nach- 
trag. Erlangen 1801. 8.; (führt die Ueberfetzungeu der alphabetifch geordneten Antoren bis 
auf feine Zeit und gibt vielfach Proben.) 

Die humaniftifchen Beftrebungen im ganzen Umfange zu begleiten ligt 
außerhalb dei^ Planes. Die zahlreichen Dichter in lateinifcher Sprache blieben 
der deutfchen Dichtung fremd und ohne Einwirkung auf diefelbe. Ihre Er- 
zeugniffe bildeten eine Literatur der Gelehrten, die freilich bei der rafch und . 
allgemein durchgreifenden claffifchen Bildung nicht fo fchroff vom Volke ge- 1 
trennt waren, wie fp&ter deutfch dichtende Gelehrte; ihre Poefien ruhen faft ' 
ebenfo fehr auf volksmäßigen Elementen wie auf claffifchen. Locher über- 
fetate das Narrenfchifif, Schopper den Reineke Fuchs, Sabinus und Nemius den 
Eulenfpiegel ins Lateinifche, das umgekehrte Verhältnis tritt außer beim Gro- 
bianus (§. 158) faft nur noch bei Schaufpielen hervor, die deshalb hier im 
Zufammenhange vorgeführt werden Tollen. { 

I. L a t e i n i fch e Schaufpiele, von Univerfitäten und gelehrten Schulen 
anfgeffthrt; regten zuerft wieder Teilnahme gebildeter Stände an dramatifchen 
DBrÜellnngen an. Sie dienten deutfchen zuraVorbW^e, wor^eiv \.^^-^^\^^ %tv<(^ !> 



Buch 4. §. tl3. 133 

öberfetzt ; durch die lateimfche Sprache Gemeingut yerfchiedener Völker. Aus- 
fchließung fremder Dichter würde die Gefchichte des deutfchen Schaufpiels 
lückenhaft und dunkel laßen. 'Die älteften fchildern nach dem Leben, be- 
zwecken Empfelung daffifcher Studien. Von den Niederlanden kamen nach 
der Reformation nach alten Muftern geformte Spiele zu uns. Die jungen Leute 
legten ihre Fertigkeit im Lateinfprechen dar. Die Schulordnungen fchrieben 
derartige Darftellungen, neben den ohne Coft&m gefprochenen r^mifchen Ko- 
mödien und Dialogen Lukians, mehrfach vor. Geiftliche und Lehrer verbrei- 
teten damit reformatorifche Lehren. 

A. 1. Jac. Wimfeling von Schlettftadt ; 1450 f 1528. StyVpho. 1494. 4. 
1495. 4. fchon 1470 in Heidelberg aufgeführt; verfpottung ignoranter curtifanen. 

Vgl. Erhard 1, 428. 

2. Joh. Renchlin von Pforzheim, Capnio; 1454 f 1521. a) Sergim, f. l. 
e. a. 12 bll. 4., Phorccse 1507. 4. c. comment. Simler; Phorc. 1508 apr. 4. c. 
c. S.; Tüb. 1513. 4. c. c. S. ; Lips. V. Schum. 1520. 4.; Lips. N. Schmidt 
1521. 4. gegen monchsherfchaft. — b) Scenica progymncLsmata (fahvla gaUica; 
Benno) 1498. 12 bU. 4.; Argent. 1498 4.; Lips. 1503. 16bll. 4.5 Phorcc« 1508. 
4. ; Lips J. Thanner 1514. 4. ; f. 1. e. a. c. explan. Spigel 4. ; Tüb. 1516. 10 bll. 
4.; Magdeb. 1614. 8.; Büdiff. 1615. 8.; Gottfeh. vorr. 2, 144 ff. nach dem 
franzof. Jean Pathelin; überliftung eines rabuliftifchen anwalts. beide fpiele 
als CoTnoRdioe duce, Tüb. 1512. 8.; ib. 1513. 8.; Lips. 1514. 8.; ib. 1521. 4.; 
Colon. 1534. 8.; ib. 1537.^.; ib. 1540. 8. 



YghJ.H.Majus^ vitaRenchllm. Dorlacl 1687. 8.; C. Meinerg, lebensbefchreibnngen 1, 44 ff. 
E, Th, Mayerhoff, J. B. u. f. zeit. Berl. 1833. 

3. Jac. Locher von Ehingen, Philomnfus; 1470 f 1528. a) De fene 
amatore, f 1. e. a. 4. verhöhnuhg eines verliebten alten, angeblich in planti- 
nifcher manier. — b) Tragicus Ivdvs de Thurcis. Straßb. 1497. 4. ermahnung 
zum Türkenkriege. — c) Spectaculum in quo reges adverfum Thurcos conßlittm 
ineunt. f. 1. 1502. 4. ; Cracov. 1522. — d) Judicium Paridis, f. 1. 1502. 4. 

Vgl. Zapf, Jac. Locher. Nümb. 1802. Lochers gedieht 'mule ad moTam comparatio* 
(Norinb. 1506. 32 bll. 4.), das gegen die ScholaTtik gerichtet war and derPoefie Bahn brechen 
rollte, erregte heftige Streitigkeiten (vgl. Zamcke, Brants N. S. XXIV f.), war aber, am im 
beabfichtigten Sinne zu wirken, zu roh and barbarifch, aach anftößig durch den perfönlichen 
Mutwillen des Autors, der überall Streit anzettelte. 

4. Conr. Geltes aus Wupfeld bei Schweinfurt, Protucius; 1459 t 1508; 
Ludus Diance, 1501. 6 bll. 4.; rep. in IV libb. amorum. Norimb. 1502. 4.; bei 
Klüpfel p. 91. ein feftfpiel mit tanz vor Maxi, zu Linz aufgef6hrt; am Schlniße 
des dritten Actes wird Vincentius Long^nus zum Poeten gekrönt. 

Vgl. Klüpfel, Conr. Celtes. Prib. 1827. 4. 

5. Job. V. Ritzfcher, probat in Colberg : Tragicocom<Bdia de iheru/olomitana 
profectione prvncipis Pomeranice, Lips. 1501. 4. Stettin 1594. 4. wenig drama- 
tifches; die Reife des Fürften, der bei Candia von Seeräubern angefallen fich 
tapfer wehrt, wird erzählt; das Spiel läuft in einen Bericht des Autors aus; 
Prügelfcene. 

6. Chilianus, eques MiUerftatinus, comoedia Dorothee paffionem depingens. 
Liptzk. Wolfg;. Monacenf. 1507. 14 bll. 4. 

7. Leonardas Aretinus, com, PolifcencB. Sorten (= SchuJßenried). 1478. 14 
bU. Fol.; Sort. f. a. 4.; Lips. 1500 4.; 1503. 4.; 1513 4.; 1514. 4. Vienn« 
Auftr., J. Syngrenius 1516. 4. Werbung um ein Mädchen durch eine Kupplerin. 

8. Philymnas Syafticanus, Comoed. Teratologia. Witteb. 1507. 4. 

9. Barth. Zambertas, Dolotechne comoed. Argent. 1511. 4. 

10. Chriftophorns Hegendorflnas ; 1500 f 1540: a) Comcßd. nova. Lips. 
1520. 4 ; bei Gottfeh. 2, 172; rep. 1521. oft aufgeführt Zwei Bruder, ein aus- 
fchweifender und ein ftiller; jener ift außerehlich Vater eines Kindes, das 
diefem untergefchoben, vom rechten Vater aber mit Xc,\iÄ\Ti?ö«bT^T tirolQ^l^trossL^ 
famt der Matter angenommen wird. Mei£ter\iai\.fe T)aTt\.^'aTv^. — V^ 1>^ S««^ 
amaiore, in; Com. due. Lip8. 1521. 16 bU. 4. ^mit »..^ «oiYi^V^^^B« ^NRÄ.««itfsiv- 



184 KirchHche Volksdichtang. 

mKdchen ergibt (ich einem Alten, um mit ihrem Oelafinns defto fröhlidier zu 
leben. Lebendig aus der Studentenwelt; leicht nnd anmutig gefchrieben. 

Von dexnTelben Yerfaßer worden im xvT.jh. vielfache Facetien verbreitet und gefehStet: 
•Ifaieoiniam ebrietatis. Ldps. Val. Scham. 1519. 4. — Encominm fobrietatis. T. 1. e. a. 4. — 
Bncomium fomni. Lips. V. Schum. 1519. 4. — Somnium Spndei de liberalium arttom alter- 
catione et prseftantia. Lipzek Y. Scham, f. a. 4. — Dialogi paeriles. Lips. V. Scham. 1521. 8. 

11. Nie. BarptholomaBas Lochieniis, Benedictiner zn Loches? wol noch 
dem XY. Jh. angeh6rig. Chrijhts xylomciLs. . . Gandavi 1533. 4. ; Colon. 1537. 
8.; ibid. 1541. 8.; in Brjlingers famlung p. 450. Paflionafpiel ; Sündenfall, Er- 
löfang. 

12. 6r. Cairarias, Progne tragoedia, nunc primum edita. La academ. 
Veneta 1538. 33 ^11. 4. — rep. Romae, Mafcardi 1638. 4. Für ein Werk des 
Varius gehalten. Eb. 18019. 

B. Eine von einem Buchdrucker veranftaltete Samlung, ohne Angabe ihres 

Zweckes, diente vermutlich zur Lect&re in Schulen und b.ei Darltellimgen. 

Einzelne Stücke wurden häufig gedruckt. 

ComoBdi» ac tragoedi» aliqaot. Bafll. per Nie. Brylingemm 1541'. fept. 708 8. 8. enth. 
Stlleke von GnaphsBOB, Crocas, Papeas, Zovitias, Betalios, Naogeorgos, BarptholonuDUs und 
Kaeropedias. 

13. Gnil. Gnaphams, Fullo, 1493 f 1568; Rector im Haag, Proteftanten ge- 
neigt, vertrieben; Rector inElbing, Königsberg, 1547excommaniciert; Kinder- 
enneher bei einer Gräfin von Friesland; Bürgermeifter in Norden. — a) Aeo- 
lafius Baf. 1534. 8.; Col. 1535; Lips. 1538; Col. 1540; Paris 1554; Col. 1577; 
bei Brylinger S. 1. — b) Hypocrißs. recuf. Norib. 1587. 8. — c) Mifobarbus, — 
d) MorofophuSj de vera ac perfonata fapientia ^moedia. Qedani 1541. 4. 

Vgl. Swertii Athen» belgic». p. 307. 

Comadia mutaf vor ICarl V. ac^gefährt: Reachlin wirft Scheiter; Eraftnoa Aicht fie sh 
ordnen ; Lather zündet fie an ; der Kaifer fchürt mit dem Schwerte ; der Pabft gieBt Oel in 
die Flamme. Vgl. Mafenii f^ecolam veritatis. Colon 1664. 8. p. 662. Zeltner, de comosdia 
mnta Carole V. exhibita. Altdorf. 1725. 4. Gottfched 2, 201. 

SiMtl Leiuiu, t 1550. Lntii PifsBi Javenalis Monachoportumackia. f. L e. a. 84 blL 8. 
Satire gegen die Ehe Lather«. Vgl. Gottfeh. 2, 192 ff. Marr, neaes joamal 8, 85 ff. 

14. Petras Diefthemios. Homulus Petri Diefthemii, comoedia inprimia le- 
pida et pia, in rem chriftiani hominis adprime faciens, AntverpisB quondam in 
publioo civitatum Brabanticarum conventu vulgariter acta palmamque adepta. 
Ooloni», ex officina Jasparis Gennepei. 1536. 28 Bl. 8.; 15375 Antverp. 1538. 
35 Bl. 8.; 1546. 32 Bl. 8. 

*Quilibetf hens, qaondam fait ifta comoedia dicta, Namtrepidat mortis qaüibet Ire vias..* 
Bf ift eine von Chriltianas Jschyrias heraoBgegebene, von Petras von Diest verfaßte Bear- 
beltong des englifchen Every tnan (Hawkins, origin of the englifh drama. Oxf. 177S. 1, S7 — 68) 
und tpkXer ins Deatfche (vgl. §. 148) and aach ins Niederländifche (Ximmeghen 1556. 8. 
ABilterd. 1633. 8.: 1656. 8.; 1661. 8.; o. J. 8.; 1701. 8.) Aberfetst erfchienen. Vgl. K. G6deke, 
Homolas and Hekaftas. Hanov. 1857. 

15. Cornel. Crocas, Schullehrer zu Amfterdam ; Jefuit ; f 1550 in Rom : «7b- 
/eph, gefoielt 1535 zu Amfterdam; gedr. Antwerp. 1537; 1548; Colon. 1537; 
Amlterod. 1546; TremonisB 1549; bei Brylinger S. 63. 

Vgl. Swertios, Athenss belgic. p. 188. 

16. Xyftas Betalias, Sixt Birk; 1500 f 1554. — a) De Nobüüate vera 
orationes duse, a duobus juvenibus nobilem puellam ambientibus apud Sena- 
tum Romanum habitse , autore Bongarfo. Tota rei actio in ludi formam re- 
dacta. Aug. Vindel. 1538. 8. — b) Eva (Melanchthonis). — c) SapienUaSa- 
lomoms, ed. Kirchner. Marp. 1591. — d) Zorohahel, — e) Herodes, -^ £) Beel. 
— g) Judith, rep. Argent. 1585. 8. — h) Su/anna. Aug. Vindel. 1537. S. ; Co- 
lon. 1538; Tiguri 1538; Colon. 1539; Aug. Vindel. Ph. Vlhart; o. O. 1564; 
bei BryHnger S. 228. 

Sixt Birk fchrieb feine Stücke zam Teil arr^rttngUch deatfch und Aberfotate Oe dann 
felbft ins Uteinifche. Vgl. §. 146. 

^ 17. Anton Schoros aus Hoogftraten, lebte in Heidelberg, f 1552 in Laufanne. 
BeUgio . . . , fleht bei den Fürften umfonlt um Aufnahme , die fie beim Volke 
findet. Der Verf. mujßte vor des Kaifers Verfolgung flüchten. 
VgL Fl6gel 4, 297. 

JA lioMh NM0georgfitö^ von Hubelfchmeift \>^ %\x8!Qib\xi|^«ii, ^^cbsuux^ 



Bueh 4. §. iia. 135 

1511 t 1563; vielamgpetriebenes Leben; heftig/ter Polemiker unter den lateii». 
Dramatikern gegen das Pabfttum ; viel öberfetzt ; fchrieb auch eine nicht dra- 
matifche Satire Regnum papillkicum. f. 1. 1553; Baf. 1558, 1559; von Waldis 
öberfetzt. a) Pammachius. Viteb. 1538; Augnft Yind. 1539, 1546; bei Brylin- 
ger p. 314. — b) Mercator feu Judicium. 1540. 1560. 1590. — c) Incendia 
feu Pyrgopolinices. Witteb. 1541. in Goldafts polit. imperial. 1614. S. 1112. 
— ^d) Hamanns. Lips. 1543. — e) Hieremias, B^, c. 1551. Frpf. 1620. — 
f) Jiida>8 Iscariotes, Baf. 1552. . 

Vgl. Am Ende, in Strobela mifceUan. 8, 107 und §. 145. 

19. Joh. Sapidas, von Schlettftadt; 1490 t 1560: Lazartut reditfUms, Colon. 

1539. 1540. 

Vgl. Adami vit» germ. phU. 1663 S. 205. 

20. Jac. Zovitins, von Breda in Brab. 1512 f 15 . • a) Buth. A.ntw 1533 — 
b) Dida/calus. Antw. 1534, 1540. Colon. 1541. — c) Ovis perdiia. Colon. 1539, 

1540. Antw. 1540. Bei BryUnger S. 176. 
Vgl. Swertii Athen, belg. p. 379. 

21. Georg. Macropedias , Lankveld, aus Gemerten bei HerzogenbuTch, 
Kector in Utrecht (f 1558). Der ausgezeichnetefte lat. Dram^^er des xy|. ^., 
voll Erfindung ; glückliche Dj^rftellung \\n^ leichter Stil, a) Ädamti^, — b) Üt- 
mvUa, — c) Sujanna, — d) Hypomene. — e) Paffio Cfhrißi. — Q Afotm. Buf- 
ciduc. 1537; Colon. 1540. - g) Ändri/ca. Colon. 15^9, 1540. — h) Äluta, 
Colon. 1540. — i) Baffarus. Traj. 1549 ; Antw. 1541 ; Traj. 1552. — k) Hecaßus. 
Colon. 1539, 1540; Tremon. 1549. 8.; Frcf. 1571; Argent. 15§ß. — 1) Je/us 
fcholaßicus, Vltraj. 1556. — m) Jofephus. — n) Lazarus mendic^s, Vltraj. 1541. 

— o) Petrifcus. Bufciduc. 1536; Colon. 1540; Bufcid. 1541. — p) Rebelles. — 

bei Brylinger p. 658: g; p. 615: i; p. 334: k. — Comicar. fabularmn dttce, Bu- 

fciducis 1535 (p; h.) Colon. 1540, 1552. — Omnes fabuke. Vltraj. ^552. 1553. 

II. 8. (I. f, n, m, k, a, d ; II. h, p, o, g, i.) Die Aluta enthält eine^ §|if £|^§^- 

fpiegel übertragenen, fchon im Reinaert y. 297 ed. Willems angedeuteten 

Schwank, den Ayrer (faßnachtfp. bl. 58) nach Macropedius j[>earbe^ete. He- 

caftus wurde {Überträgen von H. Sachs, Rappolt, Spangenberg, Rebenftock und 

Schreckenberger. 

Vgl. Swertios p. 874. Andres bibl. belg. 1649. p.863. Foppens bi))l. belg. 1, J)S9. Koenig, 
bibl. 1678. p. 492 b. r TT --• . y r » 

22. Joh. AHopen« von Speyr: Äpotheoßß Minervce, Baf. c. 154p. §. Prpf^. 

23. Andr. Plether von Augsb. : Joseph, Auguftae. ^h. Ulhardt! ^. 

24. Petr. Papeas aus Flandern, Schullehrer zu ^eninf 8arn<mt^. Colon. 
1539. 1540. bei BryUnger p. 128. t . . . 

25. Joh. (iOrielüiis von Hadamar, Rat Wilhelms von Oranlen, fie) im Juli 
1569: Jobus. Marp. 1543. 

26. Hieron. Ziegler: a) Immolatio I/aac, Aug. Viudel 1543, — b) Cyrus 
major, dram. trag. Auguft Ph. Ulh. — c) re^jiifes tiv^vb nÄlatth. tiij. Aug. 
Ph. Ulh. 1553. — d) Pedoneihia (Hell) 1543. ' — e) u, f) drajtiaia fam^a duo 
(I, Jnfanticidium; 2,decem yirginesj Ingolft. }555. g] OphÜeies. Ingolft. 1549. R 

27. Petr. PhlHdnus von Ärras, Dechant zu Birich mi IIt?ttßognü : ä) Mofjdalfj^ 
evangelica. Antv. 1543. — b) Dial. de ^aacci immolatiönöH ^utv. \^^. P, 

28. Jac. Schoepper, Presbyter zu Dortmund : a) Johannen decoll^tu^ Coloq. 
1546. Ectracheliftis five J. decoll. Argent. 1565. — b) ]^fj-mmurhui Davidin et 
Golice. Tremon. 1550. Antw. 1551. — c) Euphejtias. Baf. f. a. ^ Antw. 1553. 
d) Ovis perdiia, Baf. f. a ; Antw. 1553. — e) Ährahüviwf }enlutiu^, Pofpu. 1564. 

— f) VolaptaHs et virhbUs pugna, Colon. 1546^ Norib. 159Ö, — Ö&nioif^^je et 
^agcßdice sacrce. Colon. 1562. (enth. a, f, b, e, c, d). 

29. Joannes PraHnns : PhücBmiis, trag. Vien^i^ 1548. 

50. Nie. Grimoaldas. a) Archipropheta, trag. Co][9n. 15^. — b) Chfiltus 
redivivus, com. trag. Colon. 1543. 

31. Chriltoph. Slymmelias, von Frankf. a. d. O., Superint. in Stettin; 1525 
t nach 1579. a) Studentes, Frcf. ad Viadr. 1549; 15Mi: Colp». 15S4; uhär. 
primum edita, Colon. 1561; Argentor. 1562-, CoVoü. \S1*s VSt^s ^5Ä^STsas!Ä. 
primmn edita, Magdeh. 1694; Lipa. 1596-, Uä&^)ö- V^V^> ^V \s^^^5^'^'^ 



1S6 Kirchliche Volksdiehtiiiig. 

d« rit» (hidioforam iiiictor« i|rnoto Peerdeklontio. AlentophoK 1647. SeUIde- 
niii# li<H)«rKch<»r Studentenwirtfchaft. — h) Ifaae immoiamdmM, (1579.) Magdeb. 
tt^tl Itil4 — Comcc^tUie du» (b. a.). Stetini 1579. 

S'l IUui»l|pli. (itMitlifras : Ao^a/, comoed. facra. f. 1. e. a. 

3^i fBrff«r Halaii«s. von Lüttich: a> Caikanmay trag. Antw. 1556. — 
h) ij^m^^ri%%vf. Antw. 1556. — c> Lamremtia*. Antw. 1556. 

34v l«lB$<SwaH«s Dalanthanus Henfdanos: Dida, trag. nov. Antw. 1559. 

35. ^ir. Sftefcrer: rAA^^Ain«, com. noTa de primoram parentnm condi- 
tion*. Witii^b. I56*K 

)l!k CafWpL LaarteMMB: a> Exwlt» fire tranfitiu marit imbii, eonued. trag., 
CHX i\i^itttt<-ta ^l>: b'i tl»i\erM regina com. (acra. Loranü 1563. EiUiera. 
AT^nl. 15^ mit dcauchcm prvU.. argnm. o. ejuHog. Aigeat 1596. — c) Mäes 
^AiylHiimta^ AnrnHfk 1565. 

3T. ^Hr. IMil^ t ^a üm^ ; ru;«Hv«rw. com. Arg. 1565. 

.^ imr. iMwfttw: a> iV?;^^ trag. FMl 156«L — b) iV e apm—yta » ka 
f^^m^ (sMqmla» l»ta. T. 1. I5T4. <- c^ ..-t^rjwte». Colon. 1600. 

;!k!jk Jur. IMwr. MicTlhis 0^^ ^ 1^^' AptGet ^spCw L eahnnnia. 
X>>HmK l^cSäl Kach iVincm Tode ron fein«» S^hne Jnfiw mit loDeit iUnigen 
^i^lk'^t«^» WiNnMi^.: TVtt CV>inicr ftVeti^tat. 

U (Ü^Mthrnrnmu aw$v4h>ttiUnd vl5<L>i6 H^ 15. Sept. 1582): a! B^Hflm fire 
<«km«;Mi Un^ 157:. Fivt 157>: G«»t» I5^%: L«gd.Bat. 1591; Witeb. 1596. 



b^ «V^ti^ , .. iVMC T. I^taer. $«Her. Xmpbdra&. a II gedr. ipBii^. opp. 
4K UiAr. NbiMK. ^^^ rt L^it^-ai^ Psv^^ r Oecngen 1 1561 : a) JZei^M 





«MdiMt. iVvVfc. I5^ai^ — V) ^sn^-^ft. Cv&ic^ 156^ — c« Jn i^nmm rtUOmmB, trag. 
C XJKdi ^^a^SUriiHfc Tv«^£)ümfc ar^ei»i«K «aeii üekn i 

lVt«.v:dQ>ffta>dfi IV $<<^ V^K^pM^ >«:&f^ XAcdA ^änt W^tknnf:. iäUk fir < 

IF^*k{i>irt^«'.*«^ ^tv* H/khurccrfc^J:: XT^ia^ Ij^^S«;^ irBi nj liy 

^V«irt*r ihi^c^lM^ ÜKtown. tJw^hpw«*»*' ^«w ^«pnoipf I^msiak ifiaräc j ^_ 

>WÄ. <t >^'«ä»w# iv^owK SJeSb/ct :r^ ^ A:::9*«tfanr. BÖR. IjSIl — V| Be- 
h^>v. YSitj ^3^ 4. .• >i»*i>»«Htf. riiy. :rSv ~ £ ^Cofmo-A. Tlk. I57Ü. 

>i 3^44i«««u>Mr-<«Mm. ^äiOmt -j15?IJ. -: 7»ih/iÄ*#k Tiari^^hoft. 35«: TVef. 1592; 
;i|«H^ -.Ji^k. VKÄN :?::<. ,*>ii«*wÄai «ia kX ^ ^|:^.>.^ ivnaur thm (e, fi. 
X^ -.38Ä. ^^KfC*:. tiKÄ. ^.J:J»K -^SÄv :?iW»v ?>:tt. rfc 

4C r. >gtiw n > 444<M; mt£ :^faiv|kw 4»«« 7t<<^iii«t¥ imif. Tniltriti^M: SBknfi. l^äMUBa. TAL 
)(,^ ^9li4 lllH|innii«> .Vfto^ r*«'^*^^ mlUt/m^ tmpiTitm. I q^nL^h a. Iltti^. 
4^ llir< m a i lUiltAms mi$ ^FU^um. U^K» it VT)ir. & r«A<^ TQm. XA.n- 

«wHtiv« "iiittv r?rSv ;^5^ \, >5^»^ij*"^ff.iH.4r . mnaoiittttRim^ K^&. 13)^. 

TU«li^ '^r»t ihn «>t>ir w:^» i^tTtCr*Vt ' , 

Jtf, ^MMl^ %wwi l a» in> ^'^titu*t*fij>», T»^>>v nnr.5^ iiw y ii f> tr/V^tenft«cp:: JSSW 
* l^»*!* Y^-i^-^btha"»^» *xa;» *"V»utT'wprtsC»hWfirvidlrtt t, JfMfnaL. > 3HdL — 
^^«^mcM)«' l»K»l. Ts,^. ;^ «K ^. ^vxtn*jvJi aun- "Äai >ita ißJ* t^ V.. Her 



Buch 4. §. 113. 137 

49. Johannes Ment; Tobiaa, comoBcl. nov. Tubingse 1586. 

50. Franc. Bencins, Jefuit, ausToscana, lebte in Rom; 1542 f 1594. a) Er- 
gafius. Rom. 1587; Ingolft. 1595. — b) PhUotimus. Rom. 1591; Ingolft 1602* 
c) Quinque martyres, Rom . . .; Colon. 1594. 

51. Andr. Hoins, aus Brügge, Prof. zu Bethune: Maithasm et MachdboBus, f. 
Conftantia. tragOBdiae facrse. Duaci 1587.* 

52. Gull. Gaziens, Gazet, aus Artois, Canonic. daf., 1554 f 1612. Magdali» 
(nicht Magalia oder Margalis) com. facr. Duaci 1589. 

53. Alb. Leoninos, aus Utrecht, Herr zu Groenewoude; Jurilt; f 1614: Co- 
moedia moralis de reducenda pace, Baf. 1589. 

54. Mich. Hospeinius (nicht Hospenius) : a) Equm trojanm. Argent. 1590. 

— b) Dido. Arg. 1591. Beide nachVirgil. 

55. Georg. Calaniinns, Rorich, aus Silberberg, Lehrer in Linz; 1547 t 1595. 
a) Helis, Argentor. 1591. — b) Rodolphottocarus^ aufkriaca tragoed. 

56. Dan. Oramer, aus Reetz in der Neumark; Prediger in Stettin; 1568 
1 1637: a) Äreteugenia. Witeb. 1592. — b) Hagium. Witeb.1593. als: Peiagium. 
Argent. 1605; Jen. 1610. Beide auch deutfch von Sommer; letzteres (der 
fächf. Prinzenraub) auch yon Ringwalt. 

57. Abr. Sanrius, aus Frankenberg, a) Agapetm, 'Ptci. 1592. — b) Confia- 
gratio' Sodomce, Argent. 1607. 

58. Tob.Cober, Arzt: a) PaHrmrus. Lips. 1593. Noch als Student fchrieb er 
diefe Trag, nach Virg. Aen. V, — b) Hoapitia f. xaxoxeQSo^aYog. com. Helmfk. 
1594. — c) MarctLS Curtiua f. (piXojtatQig. Lips. 1595 aus Livius Vn. Schrieb 
auch ein deutfches hiftor. Spiel. 

59. Corn. Schonaens, Rector in Harlem, 1540 f 1611. Schrieb Comoedien 
die als Schulbuch viel gebraucht wurden ; auch dargeftellt. Einzelne Comoed. 
kenne ich wenige: Tobastis. Antv. 1580; Argent. 1583. Pfeudoßraiiotce, Harlemi 
1592. Triumphiis Chrißi, Gryphisw. 1623. Gefammelt erfchienen üe nach und 
nach in drei Bänden als: Terendm chr\ftianu8. Colon. 1591. 8. Terentius chri- 
ftianus feu com. facrss fex. [a) Naaman, b) Tobcms, c) Nehemias. d) Satdus, 
e) Jo/ephu8, f) JudUha.] HarL 1592. 1594. Grevenbruch 1600 (mit Pfeudoftr. 
vermehrt); Colon. 1600; Ter. chriQ. pars {^Itera. [g) Sufanna, h) Daniel. 
i) TriumpJvua Chrißi. k) PfeudoftratiotcB, 1) Cunas, m) Vitvlv^,] Amfterd. 1595; 
Colon. 1595; Amfterd. 1599; Witteb. 1599. Terentius chriftianus tribus par- 
tibus diftinct. Amftelod. 1629 ff. m. 8. (L a— f; II. g— i; n) Typhlus\ o) Pen- 
tecoße; p) Änanias. JH. q) Baptißes; r) Dyscoli\ 1. m. k.) rep. Frcf. 1672, 1691. 

— Zum Teil dürftiger Witz ; im vitulus z. b. gyird ein betrunkner Bauer in eine 
Kalbshaut genäht und als Kalb verkauft ; der Schlachter hält ihn f&r befeßen ; 
ein Pfaff befchw6rt ihn u. f. w. wie es fcheint nur aus Nachahmung der Aluta 
des Macropedius (oben 21) entftanden, ohne die volksm&^ige Grundlage der- 
felben. SchonsBUS fchloß alle amores aus, was ihn den Schulen angenehm 
machte. Mehre Stücke wurden ins Deutfche übertragen, von Schnurr, 
Gadenfted1( u. a. 

60. Friderie. Baldoinns, aus Dresden, theol. Prof. in Wittenberg; 1575 
1 1623. Lucretia. Viteb. 1597. nach Liv. L 

61. JacJaeomotus. &) Agrippa Eccleßomaßix, trag. Genev. 1597. — h)Ehudf 
tragoed. Parif. 1600. 

62. Job. Avianas, von Thundopf bei Erfurt, Superint. zu Eifenberg, f 1 617. 
Tragicocomoedia. Hai. Sax. 1598. vgl. Clefs 1, 368. 

63. Job. Hildebrandt: Pfmdofridericus. Com. nova. Tub. 1598. 

64. Bemb. Mollems, Weftfale; fchrieb mehrfach latein. Gedichte, auch 
Schaufp. a) Vemalia Polycraiisy regis famii, et VII fapientum Graecise. Colon. 
1598. — b) Georgü et draconis pugna, tragoed. figurata. Colon. 1597. 

65. Sam. Janius, ans Schwiebus, Schullefarer in Spremberg. Lucretia. Ar- 
gentor. 1599 ; im Auguft zu Straßb. aufgef&hrt. 

66. Theod. Beza, aus Vezelai in Burgund, Prediger zu Laufanne, 1519 
f 1605 : Abraham facrificans. Genevae 1599. 16. 

67. Tb. Rbodius, lebte inStraßb ; ComoedicB duae [&)Dehora. h\ ThA^as^x-^X 
Heidelb. 1600. — c) Äfm/cm, trag. Heidelb. iöOO. — üxwxxaXÄ. Iwstv»., N^.,«^ K^<*.- 



138 Kirchliche Volksdichtung. 1 

gw; e) Hagne\ a, b ; f) Coligmus, [unter Karl IX.] Prof. 1615. 8. Argpeni 
1625. 8. 

68. Bernh. Sfephanios: OH/puSy trag. Mufiponti 1600. 12. 

69. Alb. Wichgrevius, aus Hamburg, Prediger zu Allermode im BiUwerder. 
Cornelius relegatus. Roft. 1600; 1601; Lips. 1602; anno jubil»o. Liebendige 
Schilderung des Studentenlebens. Deutfch von Sommer. j 

Vgl. Genthe in Rosenkranz n. ZtTchr. 1, 4, 83 ff. 

70. Chriftian. BachmannDS, aus Leipzig: MelancholicuSy com.noT. {aps. 1611. 

71. Job. Ludov. Prafchns, Straßburger; ConuBdia amici. Argent. 1613. 

72. Henr. Hirtzwigius, aus Witzenhaufen, 1614 zu Speier, 1615 bu Frcf. 
Bector: a) Jeßdus, com. facra. Spirse 1613. — b) Bcd/afar, trag. Spirae 1615; 
HalsB Sax. 1616. — c) Luüierus, drama. Witeb. 1617. Auf dem Speirer Schul- 
theater und anderswo aufgef&hrt. 

73. Heinric. Kielmannas , aus Wien, 1610 Conrector^ zu Stettin: Venus, 
trag. Stetini 1613.' Schrieb auch die Tetzlocramia deutfch. 

74. FraDCisc. Hildesheim , aus Cüftrin , kurfürltl. Leibarzt in Berlin ; 1551 
t 1614. a) Vita comoed. et b) Religio^ tragoed. Hai. Sax. 1614. Profa. 

75. Casp. Brulovius, aus Pyritz, prof. in StraOb., 1585 f 1627. a^Nebuead- \ 
nezar. Argent 1615; Halse 1616 (deutfch v. Stipitz). — b) Chariclia {sxLek 
deutfch). — c) Elias. Arg. 1613 (deutfch von Wolkenftein). — d) Andrcineda. 
Argent, 1611 (deutfch von Fr6reifen). — e) Julitis Ccßfar. Argentor. 1615 (auch 
deutfch). — f) Mo/es. Argentor. 1621 (auch deutfch). 

76. Job. Georg. Swalbacias , lebte zu Spejr: ArUipater, trag. Spirn 1617. 
(nach Jofephus antiq. judaic. libb. 16. 17). 

77. Matth. Cleoph. Jacobi: Mariamne. Spirse 1618. (Jofephus 15, 11.) F 

78. IVIc. CaussiDos, aus Troyes, Jefuit, Beichtvater Ludwigs Xm. , 1570 ) 
1 16.51 : Tragnedice facrce. Paris 1620, Cramoify ; Paris 1620,Chappelet ; 1621 ; 1629. 

79. Job. Scholvin, aus Lübeck, paftor in Buxtehude, f nach 1642: Aetkio' \ 
pijja, tragicocom. Frcf. ad Oderam. 1608; als Heliodori hiftoria lethiopica. 1 
Frcf. 1620. [ 

80. Joann. Bormeifter, aus Lüneburg: Plauti renati f. facri McUeF virgo, i 
Luneb. 1621. gefpielt; Verwandlung des- Araphitruo in die Geburt ChriltL i 

81. Chrifl. Speccias, aus Nürnb. : Com. de Titi et Oißppi amicitia. Altorl 
1623. (Athis und Profilias. Vgl. §. 38 und 160.) I 

8*2. Fr. Herrn. Flayderos: Arg&nia Barclai in com. redacta et acta. T&- 1 

hing. 1626. \ 

Die lat Comoed. dauern im "zvii. Jh. noch fort, namentlich in den Nieder- [ 

landen und England , bleiben aber ohne Einfluß auf Deutfchland. k 

§. 114. 

II. Neben diefen folbftändigen Nachbildungen des Altertums worden ' 
Ueber fetzungen verfucht, die anfanglich zwifchen wirklichen and ver- 
meinten Werken des claflifchen Altertums wenig zu fcheiden wußten und in | 
harter ungefchmeidiger Sprache kaum den Wert einer Interlinearverfion be- j 
fitzen. Nach der Reformation werden die Ueberfetzungen häufiger und ge- 
ftgiger (§. 143). Hier nur die älteren; diefe m6glichft vollftändig. 

1. Guido Columna. — Hie vahet fich an die köftlich hyftori die da 
fagt von der erft6rung der edelen auch allergröften ftatt Troya. w61che hy- 
ftori grundtlich befchriben haben die hochgelehrten meyfter, herr Darea von 
Troya, auch herr Humerus von Kriechen vnd ander meyfter als Cornelias 
Ovidius vnd Virgilius die koftlichen redner und buchdichler. o. o. a. j. 
(Augsb. Sorg.) 157 bll. fol. (vgl. Goeze, merkw. d. Dresdn. bibl. 2, 343. > 
Panzer 1, 42.) — Augsp. Bämler. 1474 fol. — Augsp. Schonfp. 1488. fol. — 
Straßb. Schott 1489. fol. (Panz. 1, 181.) -- Straßb. 1499. fol. (Dresden.) — 
Strßb. Knobl. 1510. fol. - Augsb. 1536. fol. 1540. foL i 

2. Boethius. — Anitij Manlij Torquati Severini Boetij Ordinarij Patoieij | 
yin exconfuUa de con/uiatione philofophie . . Am tc^xiS^Qi*. Bi^i 'NÄiei ^^«ca^ de \ 



Buch 4. §. 113. 114. 139 

confulatione philofophie in textn latina alemanicaque lingna refertus ac trans- 
latus . . finit feliciter Anno Domini 1473. 24 menfis Julij. Nürnb. Ant. Co- 
burger. 193 bll. fol. (vgl. Panzer, 1. 75). ~ Straßb. J. Schott. 1500. 4. (von 
anderm überfetzer. vg). Panzer l, 250.) 

3. Nicias vod Wylc. Die erfte Ausgabe feiner Ueberfetzungen hat keinen 
eigentlichen Titel. Auf der Bückf. des erften Blattes : Item in der erften 
tranflatze difes buches von Eurialo vnd lucrecia wirt funden ain groffer freder 
handel . . 252 bll. fol. o. o. u. j. (Efislingen, Conr. Fyner 147a vgl. Degen, 
Ueberfetzungen d. Gr. Nachtr. 204 ff. 

Die einzelnen Ueberfetzungen find in diefer Folge entstanden : 1461 Nr. 3. 4 ; 1462 1, 5 ; 
1463 Nr. 6 in Efslingen; 1464 Nr. 9; 1465 Nr. 7. 8; 1468 Nr. 12; 1470 Nr. 14; 1474 Nr. 16; 
1478 Nr. 17, die letzten drei in Stattgart. Die Nummern 2. 10. 11. 13. 15. 18 find nicht unter- 
zeichnet. Nie. V. Wyle war aus Bremgarten in der Schweiz gebürtig, Stadtfchreiber in Efs- 
lingen xmd Kanzler des Grafen Ulrich v. Wtirtemberg. Vgl. Strobel, mifcell. 4, 135). 

Tranflatzion oder tütfchungen des hochgeacliten Nicolai von Wyle: den 
zyten Statfchriber der Stat Effelingen: etlicher b&cher Enee filvii: Pogii flo- 
rentini: Felicis Hemerlin: doctoris. Mit fampt andern. Schryfften, dern xviii .. 
Straßb. 1510. J. Bryfe. 148. bll. fol. (vgl. Panzer 1, 325.) — Tranflation. oder 
Deutfchungen des Hochgeachten Nicolai von Weil . . Augfp. H. Stayner. 18. 
febr. 1536. 104 bll. fol. (vgl.' Degen Griechen 2, 72 f.) 

Die 18 Ueberfetzungen find folgende: 1. EigenfchafPt der liebe. 2. Trauriger aufigang 
vnordentlicher lieb. 3. Sich vor vnord. lieb zu hdten, vnd ledig zu werden. 4. Trdftung in 
widerwertigkait. 5. Ob die geft dem wtirt, oder der würt den geften dancken fol. 6. Ob 
eim alten man zim ein ehelich weyb zu nemen. 7. Guter rat, krieg zu fiirkommen. 8. Wie 
man das hauJß vnd haufigefind regieren foll. 9. Von den Reychen betlem. 10. Von nutz vnd 
lemung der fchrifft. 11; Wie Hieronymus von Prag zu Conftanz im Concili verprennet ward. 
12. Vom glück. 13. Vom guldin efel Luciani. 14. Vrl^rung des Adels. 15. Triftung in 
widerwertigkait auJß Francifco Petrarcha. 16. Von den vbertreflichen weybern. 17. Ein 
zyerliche red vom Coiicilio. 18. Orthographia, aufif fchreyberey faft nützlich. 

Einzelne Stücke wurden befonders gedruckt. 13. Eine hübfehe hiftory von Lucius . . 
Straßb. J. Knobl. 1506. 4. --' 11. Wie Hieronymus von Prag .. verprent worden ift. o. o. u.j. 
6 Bll. 4. (HB. 216.) Niclasens von Weyl XI. Translation. Procefs des Hieronymus auf dem 
Concil zu Coftnitz ; mit Poggius lat. Urtext . . vom Oberl. Niemeyer. Crefeld 1852. (Pro- 
gramm). — 1. Euriolus ..0.0. u. j. Pol.; Worms, Greg. Hofifmann. o. j. (1550). 4. HB. 1744. 

4. Aefop. — Aeibpi vitae et fabulae, cum fabulis Aviani ac Doligami, 
Aldefonii, Poggii facetiis. Lat. et germanice. 275 bll. fol., am Schi.: Geendet 
fäliglich von Johanne Zeiner zu vlm. (vor 1480.) 

Lateinifche Fabeln des Aefop, extravagantes, Rimicius, Avianus, Aldefonfns (= Petrus 
Alfonfi), Poggio, denen die deutfche Ueberfetzung beigefAgt ift. Der Ueberfetzer warHeinrlek 
Stdnkiwel, Arzt zu Ulm, von dem J. Zeiner zu Ulm 1473 auch eine 'tütfche Cronica* druckte. 
Ueber den Aefop vgl. Leßings Beitr&ge 1, 64 fiF. Sp&tere Drucke : Augl^. A. Sorg 1483. Fol. 
— Angl^. Joh. fchobffer 1486. Pol. — AngCp. Joh. Schobffer 1487.- Fol. — Augl^. Hans Sch6n- 
fperger 1491. Pol.; 149«. Fol.j 1498. Fol. — Augl^. Joh. Profchower. 1504. Fol. — (? 1508. Fol. 
Mit Brants Fabeln.) — Mit Brants Fabeln : Freyb. i. Br. Joann. Fabr. 1535. 4. (Wolfenb. 243. 1. 
Quodl. 4. HB. 1882.) — Frib. i. Br. St. Graff 1539. 4. (Dresden): 1555. 4. (Dresden); 1569. 4. 
(Dresd.) — Frkf. 1608. 8. — o. o. 1616. 8. — Erf. 1617. 8. — Frkf. 1622. 8. — Bafel 1676. 8. 

5. Terenz. — Hernach volget ain MaiTterliche vnd wolgefetzte Comedia 
zelefen vnd zeh6ren KiRig vnd kurtzwylig. Die der Hochgelert vnd groß 
Maifter vnd Poet Therencius . . gefetzt hat . . Am Schi. bl. 93 : Dife Comedia 
hat Hanns Nythart zu Vlm laffen trucken den Cünrad Dinckmüt Nach Crilts 
gebftrt m. cccc. Ixxxvj. Jar. fol^ 

Es ift die Ueberfetzung des Eunuthus. Exemplar in Wolfenb. Vgl. Panzer 1 N. 235. 
Die Ueberfetzung wurde beim Straßb. Terenz benutzt. Andre Ueberf. v. 1486 gibt es nicht. 

Terentius der hochgelert vnd allerbruchelift Poet von Latin zu Tütfeh 
transferirt, nach dem Text vnd nach der gloß. In finen VI büchern . . Am 
Schi. bl. 168. Straßb. Hanß grüinynger . . 1499. fol. 

Alle 6 Stücke, ohne Angabe des Ueberfetzers. Exempl. in Hanover u. Berlin. — 1486: 
Was thun ich nun? wird ich auch noch nit gan. fo ich vnbegerend bin beriefft? oder will ich 
mich allfo (teilen das ich der bulerei fchmachait nit verdulde? Sie hat mich ans gefchloffen. 
Sie beriefift mich wider, wird ich widerumb hin gan? Nain, ob fie mich flechnete. — 1499: 
Was wurd ich nun tun wUrd ich euch noch nit gon fo ich vnbegere byn berüfft. oder wil 
ich mich alfo ftellen, das ich deren buler in fchmachheyt nit verdulde. Sie hat mich vQ ge- 
fchloffen. fie berüfft mich wider würd ich widerum hyngon. Neyn, ob fie mich flechnete. — 
Vgl. Panzer 1 N. 477. 

6. Cicero. — TulliuB von allen ampten vnd ftänden der yi^U. ^"^ ^x ^g^- 
fchriben hat zu feim fun gen Athen. Am (cfal. \A. ^"^x K.xi^l'^. ^. "^^Oc^Sl"^^ 
Am montag nach /ant Pauls bekenmg Anno dm VAS^. \ax«. ic^. 



140 Kirchliche Volksdichtung. 

Ueberf. der BAeher de officiis von nnbek. Verf. Vgl. Brsnn notit. hiftorieo-liter. 
8, 163. Vgl. Schwarzenberg §. 134. 

Spiegel der waren Rhetorik. Vz M. Tullio Cicero vnd andern getütfcht . . 
Frib. i. Br. fridr. Biedrer. 1493. fol. — Strßb. Prüs. 1502, 1505, 1509, 1517 foL 

Keine Ueberfetzung, fondem Benntzung der rhetorifchen Schriften Giceros su einem 
gerichtlichen Formnlarbuche. — Nach Tritheim (illnrtr. vir. Germ. 1495. opp. 1, 170) foll Job. 
Gotfr. V. Odernheim, Pred. zu S. Kathar. in Oppenheim die Schrift de natura deornm 
ftberfetzt haben und zwar 'docte et eleganter.* 

7. Hyginus von den xij zaichn vnd xxlvj pildem des Hymels . . Angfp. 
Erh. ratdolt. 1481. 42 bll. 4. 

Von ungenanntem Bearbeiter ; die Widmung des Dmckers an Ulrich y. Fnmti^erg xa 
fant petersberg iXt ans Augsb. v. 1. merz 1481. 

8. Ariftoteles. — Proplemata Areftotilis Teutfch. Am Schi. Bl. 29: 
am tag Seruatij 1492. (Augsb.) 4. — Probleumata Arelloteles tütfch . . Augfp. 
Hs. Schawer 1493. 4. — Problemata Ariftotelis deutfch. Ylm, Hs. Zainer 1499. 
4. — Augfp. Hs. Frofchauer 1509. 4; 1512. 4. — Strßb. M. Hupflfhupff 1515.4. 
— Strßb. 1545. 4. ; 1557. 8. — Frkf. J. Wolff 1568. 12. ; 1577. a — Frkf. 
Wendel Hom. 1585. 8. — Cöln 1608. 8. — Bafel 1612. 8. ; 1622. 8. — Strßb. 
1631. 8. — Bafel 1661. 8.; 1666. 8. 

Nicht aus dem Griechifchen unmittelbar, und mehr Umfchreibung als Ueberfetzung; 
im Wefentlichen Uebereinftimmung zwischen den alten und den neuen Drucken. 

9. Livius. — Romifche Hiftorie vQ Titu liuio gezogen. Ments. Job. 
Schöffer. 6. Marcij 1505. 422 bll. fol. 

Von Beruh. Schöf erlin und nach delTen Tode von Ivo Wittig. Eleine eigentliche 
Ueberfetzung; Bearbeitung mit Benutzung andrer Schriftfteller. Nachgedruckt: Straßb. Job. 
Grtininger 1507. Fol. — Neue Auflage: Mentz. J. SchofFer. 1514. Fol. Eine Ausgabe: 'Manh. 
J. Schoffer 1503. Fol.* exiaiert nicht. 

10. Cfißfar. — Julius der erft R6mifch Keyfer von feinen Kriege ..Strßb. 
J. Grüninger. 7 merz 1507. fol., 1508. fol. — Mentz. Joh. Schöffer. 1530. foL; 
1532. Augsb. 1531. Frkf. 1565. 88. 1620. 

Der Ueberfetzer war Philefius (Ringmann), der auch aus Lukian flbertmg. 

11. Plautus. — Spiegel der fitten. im latein genant Speculum morum.. 
Dabey auch nachvölgklich Comedien Plaut! in Menechino et Bachide vnd 
Philegenia Ugolini . . Nach vermuttung des edlen . . Albrechts von Eybe. 
Augfp. Rynmann. 1511. 191 bll. fol. Augfp. 1518. 4., auch in der Ausg. v. 
Schimpf u. Ernft. Frkf. 1550. (Vgl. §. 160.) 

Es find die Menaechmi und die Bachides in Profa. Von Alb. v. Eybe gibt es noch 
andre Schriften: Margarita poetica. Numb. J. Senfenrchm. 8. dec. 1478. 475 bll. Fol.; 
Romae, U. Gallus al. Han. 80 nov. 1475 Fol. u. oft. — Ob einem manne fey zuneme ein 
eelichs weyb oder nicht, o. o. u. j. (Nümb. Koburger 1478). 57 bll. Fol. u. oft. 

12. Lukian. — Luciani Palinurus vQ kriechifcher fprach durch das latjn 
in tütfch tranfferiert . . Strßb. M. Hupffuff. 1512. 4. 

Der Ueberfetzer war Joh. Galinarins, der fich unter der Widmung an Sibylla, geb. 
Markgr&fin v. Baden, Gräfin zu Hanau und Lichtenberg, aus Cöln v. 10. Jan. 1518. der freien 
Künfte Meifter nennt. 

Ein zanck Hannibalis: Alexandri: vnd Scipionis . Strßb. 1507. ufw (beim 
Caefar des Philefius) Enth. 12 totengefpr&che. 

13. S e n e c a. — Seneca de quattuor virtrttibus cardinalibus. Nuremb. p. 
Hier. Holtzel. 1507. 20 bU 4. — Leipzig 1515. 4. 

Yerfaßer des lat. Textes, der hier in deutfchen Verfen wiedergegeben wird, ift nicht 
Seneca fondem Martinus Braccarensis. Von Seneca felbft flberfetzte erft Mich. Herr 
1536. 

14. Plinius. Salluffc« Lukian. — Dietrich von Pleningen, Kanzler des 
Kurfürften Philipp von der Pfalz, mit Rudolf Agricola und Joh. v. Dalberg in 
Italien gebildet, Freund Beuchlins und Celles, einer der einflußreichffcen För- 
derer claflifcher Studien in Heidelberg, fp&ter im Dienfte des Herzogs Albrecht 
von Baiern, zuletzt im j. 1512 als deffen Gefandter beim fchw&b. Bunde er- 
wähnt, lieferte felbft Ueberfetzungen. 

Des hochberompten Latinifchen Hiftorifchreibers Saluftii zwo fchon Hiftorien (OatiUn. 

Jugurtha) . . Darbey auch die Oration die Cicero wider Gatilinam gehalten . . Durch herm 

Dieterichen von Pleningen zu Schonbegk: vdd zu Eyfenhofen Bitter vnd Doctor getheutfcht. 

. . {WonoB 2. Jan. 1513) Getr. LandJBhut. Joh. WeyOenburger an erichtag nach Egidy. im 

JTK Jjwe, FoL 



Buch 4. §.114.115. 141 

Von Kläffern. Heraacb volge Zway pnechlein : das ein Lncianns : vnd das ander Pog- 
gina befchriben haben . . (4. fept. 1515 Landab.) . . Gedr. Landab. Job. Weyfienb. 1516 13. oct. 
22 BU. Pol. 

Gay Pliny des andern lobfagung . . vom beyllgen Keyfer Traiano . . Gedr. Landsb. Job. 
Weyöenb. 1515 14. dec. Pol.; 1520 Pol. 

(In difem bnecblein ITt begriffen ein anntwort anff zwo fragen : Namlicb die erft : wie 
es znkomm, das ficb wenig menrcben Jrs ftands benuegen lalTent .. die ander frag: wie es 
Zugang, das wenig lentt von auffgang pÜB zu nidergang der Tonnen das wäre gut erkennen, 
vnd po0 danon zu vnderfcbaiden wiCTent. Durch mich Dietrichen von Pleningen . . in teutfch 
anzaigt. Landab. J. WeyBenb. 1516. Pol.) 

15. Die üeberfetzung der Aeneis durch Murner §. 133. Außerdem üeber- 
fetzungen einzelner Stücke des Ifokrates (an Nikokles von Joh. Altenftai^. 
Augsb. 1517, an Nikokles und Demonikus von WH. Pirkheimer im theatr. virt. 
und fchon Augfp. 1519), des Plutarcb (von nutz der feind durch Emfer. 
1519; durch Pirkheimer im theatr. virt.; vom unterfchied des freundes und 
fchmeichlers nach Erafmus von Georg S^alatinus 1520), des Yegetius (durch 
Ludwig von Hohenwang vom Thal Elchingen. Augsb. um 1477, durch einen 
Ungenannten: Erf. 1511. Augfp. 1529. 1534) und die alte Ueberfetzung des 
Valerius Maximus durch Heinrich von Mügeln (§.85, 3), die Augsb. 1489 
gedruckt wurde. 

§. 115. 
Unter den Wiederherftellern der Wißenfchaften nimmt Sebaftian Brant, 
durch eigne Leiftungen und durch fruchtbare Anregungen, einen bedeutenden 
Platz ein. Ihm verdankt das Reformationszeitalter nicht die Wiederherftellung 
aber eine neue Schöpfung der Poeiie, die deshalb nach eignem Maße gemeßen 
fein will. Aus der Beobachtung feiner Zeit und mit den Gedankenformen, 
die ihm neben der Bibel Schriftfteller des claffifchen Altertums darboten, über- 
all einfach und verftändig die Sprache des Volks redend, faßte er in feinem 
Hauptwerke die fittlichen Gebrechen unter dem BegriflF der Narrheit zufammen 
und ftellte in dem nicht ftreng feftgehaltnen Bilde einer Schiffart der Narren 
einen Spiegel der Zeit auf, der 4*0 fcharf und richtig wiedergab, daß die Dich- 
tung im Ganzen und Einzelnen neben Reineke (§. 100, 15) und Luther leben- 
dig blieb und erll mit der Zerft6rung der Volksliteratur zu wirken aufhorte. 
Brant war 1458 zu Straßburg geboren, früh verwaift, ftudierte zu Bafel, dort 
1477 Baccalaureus, 1484 Licentiat, 1485 verheiratet, 1489 Doctor beider Rechte. 
1501 wurde er nach Straßburg berufen, 1503 Stadtfchreiber dafelbft, wo er am 
10. Mai 1521 im 64. Jahre ftarb. 

Vgl. A. W. Strobels Biographie vor der Ausgabe des KarrenfcbiffiB und Zamckes Ein« 
leitung, wo Brant auf dem Hintergrunde der Zeit gefchildert wird. 

1. Das Narren fchyff. Am Schluße: End des narrenfchiffs. Hie endet 
fich, das Narrenfchiff, So zu nutz heilfamer 1er, ermanung, vnd eruolgüg, der 
wißheit, vemunfft, vn guter fytten^ Ouch zu Verachtung, vnd ftraff der narr- 
heyt, blintheit Irrfal, vnd dorheit, aller ftädt, vn gefchlecht der menfchen, mit 
befunderm fliß , müg, vnd arbeit, gefamlet ift, durch Sebaftianü Brant . . Ge- 
druckt zu Bafel vff die Yafenacht, die man der narren kirchwich nenet, Im 
jor noch Chrifti geburt . . 1494 . . Nüt on vrfach. Jo. B[erg^an] von Olpe. 
158 bll. 4. — Bafel. J. Bergm. v. Olpe. 1495. 164 bll. 4. — Doctor Brants 
Narrenfchiff. 1499. Nüt on vrfach. Olpe. 4. — Bafel 1506. 4. — Bafel 1509. 
Nie. Lamparter. 4. — Straßb. Mathys Hupffnff. 1512. 4. — Gleich im Jahre 
des Erfcheinens wurde dcts Gedicht dreimal Tiachgedruckt: Das narrefchyeff. Am 
Schi, : Gedrückt zu Ni!bremberg von Peter wagner. Am abent vnfer lieben 
frawe heymbefuchüg. [2. Juli] 1494. 180 bll. 4. — Das Narren fchyff. Am 
8ehl,: Gedr. zu Rüttlingen vff den famßtag v^r Bartholomei [24. Aug.] 1494* 
158 bll. 4. — Augfp. BLs. Sch6nfperger. famstag vor fant martis tag 1494. 4. 
— Sp&tere Drucke ^ die im Wefentlichen treu find, erfcMeneu. Va. ¥T^\&i. \i^ 
Gtilfferich 1553. 8., 1555. 8., bei W. Hau 1560. ^.^ \i«v Qc. ^«X^^tl toä.^ .^^ 
neu Erben 1566. 8, und mit Geylers Auslegimg tL)o«^Tte\.iX äät^ ^Vs..^ö&om|jä\ 



142 Kirchliche Volksdichtung. 

Bafel bei Sab. Henne Petri 1574. 8. §. 120, 4. (Clefs f&hrt 2, 280 einen Straü- 
burger Druck 1542. 4. an.) 

Bald neieh dem Erfeheinen wurde da» NS. einer Veberarbeihmff unterzogen, gegen welche 
Brant feine Proteftation erließ. Die Interpolation ift, wenn auch gegen Brants EmfaeUteü 9er- 
ßoßend^ gefckickt gearbeitet und durch Sittenfehilderungen^ wie durch eimg^ehtne kleine Ertdh- 
lungen beachtenswert : Das ntiv fchiff vö Narragonia (Straßb. Grüninger) 1494. 4. — Aagtp. H. 
Schönfperger. 1495. 4.: 1498. 4. — Straßb. 1507. 4. — Eine aus der interpoUerun und der echten 
Ausgabe gefertigte Bearbeitung druckte Cammerlander : Der Narren Spiegel. Strafib. 1545. 4. die 
von W. Rihel (Der Narren Spiegel. Straßb. 1549. 4.) und fpdter von Jofias Rihel (Dm grofl 
Narren Schiff. Straßb. 1564. 4.) wieder aufgelegt wurde. Eine andere Interpolation wurde in der 
Sckweii vorgenommen: Zürich b. Frofchower. 1568, die nur aus L. Meißers Beiträgen (London 
1777. 1, 252 ff.) bekannt ift. — Auszüge und teilweife Umarbeitungen: Ain nlltilich Büchlein. So 
Reymsweiß geftelt. Darin all SULnd der menfehen begriffen, ordenlich vn mit fleyJB, aufl vil 
alten Hiftorien zufamen bracht . . Hans Hörburger 1531. Gedr. zu Angi^. d. Hainr. Stayner. 
18 bll. 4. (Vgl. Zarncke CIX.; war Heyfe fchon vor 1847 als BUtmenUfe aus dem NS. bekannt. 
HB. 1593.) — Das klein Narrenfchiff. StraiJb., Cammerl. 1540. 32 bU. 4. — Hafen Jagt .. Gedr. 
zvL Hasleben (Frankf.) Im Jahr 1629. 4. — Wolgefchliffener Narren-Spiegel .. dordi Wahr- 
mund Jocoferius. Freyftadt, Gedr. in diefem Jahr. — 

Gleichzeitig wurde das ßiS. ins Lateinifche von Locher und ins Niederdeutfehe {übertragen: 
Stnltifera Navis .. per Jacobnm Locher cognomentoPhilomoTumSaeuum in latinum tradaota 
eloqoium. 1497. Kai. Mart. (Bafil.) Olpe. 4. — Baf. 1494. Kai. Mart. 8. — Aug. Y. 1497. KaL 
Apr. 8. — Argent. 1497. Kai. Jun. 4. — Baf. 1497. Kai. Aug. 4. — Baf. 1498. Kai. Mart. 4. - 
Von Jodocus Badius Afcenfius nach Locher: Parif. G. d. Mamef. 1498. 8. Mart. 4. — Lugd. 
1498. 28. Jun. 4. — Parif. 1505. 4. — Baf. Nie. Lamparter 1406 (d. i. 1506). 4. — Baf. 1507. 4. 
- Parif. 1515. 4. — Baf. 1572. 8. 

Die niederdeutfehe Bearbeitung: Dat narren fehyp. Lübeck 1497. 4. mit 
128 Holzfchnitten. — Dat nye Schip voi} Narragonien. Rolifc. Dietz 1519. 4. 

Ueberfetzungen ins Franz6fifche (Par. 1497. Fol., Par. o. j. FoL, Lyon 1498. Pol., 1499. 
Fol. u. f.w.) und daraus ins .Euglifehe (London 1509. Fol. u.f.w.)} auch ins Niederländifche : 
Paris. G. Marchand. 6. Juin 1500. 4.; Antw. 1584; Leyden 1610. 4.; Amftelredam 1685. 8. mit 
den Holzfchnitten der Leydener Ausgabe. 

Neu herausg. v. A. W. Strobel. Quedlinb. 1839, und mufterhaft von F. 
Zarncke. Leipz. 1854. 

2. Catho in latin durch Seb. Brant getütfchet. (Bafel) M. Furter. 4. — 
Leipz. 1512, 4. — Augsb. J. Otmar 1517. 4. (HB. 24.) — Erfter Druck noch 
unbekannt. — Wiedergedr. bei Zarncke 131. — Vgl. §. 57. 

3. Liber F a c e t i docens mores hominum : praecipue Juvenum, in Aipple> 
mentum illorum, qui aCathone erant omifQ: per Sebaftianum Brant: in vulgare 
noviter tranflatus. (Baf.) J. B. d. Olpe. 1496. 16 bll. 4. Erfter Druck. — Baf. 
Furter 4. — o. O. u. J. 4. — Baf. Olpe. 1499. 4. — Colon. Quentell. o. J. 

4. — Nürnb. 1503. 4. (HB. 23.) — Wiedergedr. b. Zarncke 137. Vgl. §. 57* 

4. Liber Moreti docens mores Juvenum, in fupplementum illorum, qui 
a Cathone erant omiHi: per Sebaftianum Brant: in vulgare noviter tranflatusC 
Argent. J. Knoblouch. 1508. 4. (Nicht der erfte Druck.) — Mainz 1509. 4. -- 
Wiedergedr. b. Zarncke 142. Vgl. §. 57. 

5. De moribus et facetijs menfe. Thesmophagia. Tranflatum in then- 
tonicum. Bafilee per Seb. Brant Anno nonagefimo. kal. april. 4. — Wiederge- 
druckt bei Zarncke 147 ff. 

6. Aue preclara getutft durch Sebaftianum Brant. Gedruckt su Tübin- 
gen. Folioblatt mit Noten. (Berlin lib. imp. rar. fol. 117 a. Vgl. WB. 1071; 
Zarncke 163.) Ein gejftlich Profa, von der Mutter Maria, geteutfcht dnrch 
Sebaftianum Brandt. (In Vehes GB. Leipz. 1537. bL Kij. Hoffmanns Vehe 

5. 98.. Wackern. KL. n. 181.) Der erfte Druck diefer erft in Straßburg ent- 
ftandenen Uebertragung ift noch nicht gefunden. 

7. Mehre kleine Gedichte in: Varia Seb. Brant Carmina. Baf. Olpe. i498. 
4. ; Argentinae . 1498. 4. Wiedergedruckt bei Zarncke 153 ff., wo auch fp&tere 
gedruckt find. 

8. An den aller durchleichtigiften großmechtigiften herm Maxinülianä 
Bomifchen künig. von der wunderbaren geburt des Kindes. bey Wurmß 
des jars 1495. auff den 10. tag Septembris gefchehen. Ein au^legung Seba- 
ftiani Brant. 4 bl. 4. 

HB. 81. Zuerft wahrfcheinlich als offenes Blatt erfchienen. — Ygi. Hammel Nene 
BibUoth. Nürnb. 1776. 1, 412-415. — Wiedergedr. bei ZarAcke 162. 

9. Der Frey dank. (Straßburg 1508.) Johannes grüninger. 74 bl. 4. 
fEzempl. in Berlin und Göttingen.) Vgl. Zarncke 164 ff. — Augsb. 1510. fol. 

(Berlin.) — Angab. Hb. Schöa^. 1513. 40 b\. 4. Dovv^X^^'^xxmi^«!!. ^;i3E. 25. 



Bach 4. §. 115. 116. 143 

Hummel N. Bibl. Nürnb. 1T77. 2, 195 ff.) — Frkf. 1538. — Worms. Seb. 
Wagner. 1538. fol. — Worms. S. Wagner. 1539. Fol. — Frkf. Sigm. Feyerab. 
1567. 8. — Magdeb. Job. Francke. 1583. 8. (Wernigerode.) 

Die lateinifchen Gedichte und die von Brant herausgegebenen Werke, lateinifche wie 
deutrche, die er meifteuB mit reinen Yerfen fchmückte, find hier nicht zn verzeichnen. Der 
in Frkf. 1549 FoL erfchienene Renner des Hugo von Trimberg (§. 82, 8. 103, 3) ilt nicht von 
Brant beforgt. 

§.. 116. 

Früher Nachfolger Brants war Pamphilns Gengenbach, Bürger und Buch- 
drucker zn Bafel, der 1509 — 22 dichtete und druckte; feine Lebensgefchichte 
ligt faft ganz im Dunkeln. Eifriger Anhänger Oefterreichs ; fp&ter entfchieden 
auf Seite der Reformation. Erffcer Dramatiker des xti. Jh. 

Pamphilus Gengenbach. Herausg. v. K. Goedeke. Hanover 1856. XXVm. u. 699. 8. 
Von feinen zahlreichen Gedichten und mehrfachen Profafchriften hier nur die welche ihm 
ficher gehören. 

I. Meißerlieder. 1) Der gülden ParadejBöpffel* Ins Zwingers tbon. 
Augfp. M. Rammiger. o. J. 4 bll. 8. (Erfter Druck iffc unbekannt.) Gengeub. 
S. 541. 

2) Dz ift ein erfchrockenliche hiftorj von fünff fohnoden Juden .. jns 
Sp4ten thon. 10 bll. 4. Qengenb. S. 39. 

3) Ain mayfter gefanng von gott in der gründt wyß . . Heidelb. Hs. 109. 
bl. 152. 

4) Ein kürtzweilig new lied Von dem Teuffei, Todt vnnd Engel . . 
ins Schillers thon. 4 bll. 8. Erfter Dr. unbek. — Gengenb. 41. 

n. Hißorifche Gedichte. 5) Ein news hüpfch Ijed von dem krieg zwifchen 
dem Bapft. Keyfer. Künig von Frankreich, Vnd den Venedigern yn des 
Bentzenouwers Don (1509). 4 bll. 8. Gengenb. 536. Erfter Druck unbek. 

6) Das lied von der fchlacht gefchehen vor Nawerren (14. Juni 1513) .. 
In der wyß wie das Bündter.lied . . Zürich. Auguftin Frieß. 8 bll. 8. Erfter Dr. 
unbek. Vgl. Gengenb. 530, 4. 

7) Das ift ein neüw lied von der groffen niderlag gefchehen vor der ftat 
Terwan. . in der weyß wie das lied von derB6hemer fchlacht (22. Aug. 1513). 
6 bll. 4. Gengenb. 611. 

8) Der alt Eydgnoß . . 8 bl. 4. Gengenb. 12. — Ein hüpfch Lied von 
dem alten Eydgnoffen . . Zürich. Aug Frieß. 4 bl. 8. (verftümmelt). Vgl. 
Körner, hiftor. Volkslieder S. 9. 

9) Ein newes lied . . zu lob . . Carole erweiter r6mfcher Küng . . Folio- 
bogen 1517. (Weim. Jhrb. 4, 12 f.) — (Nürnb.) Folioblatt. 

m. Büchlein. 10) Liber vagatorum. Den Bettler erden man mich 
nendt .. 16 bl. 4. Gengenb. 343. (Aus den B aller Verhören gezogne in Reime 
gebrachte Befchreibung des Treibens der Betler mit angehängtem rotwelfchen 
Vocabular. Sp&ter wurde, wie die liehen gebliebenen Reime ausweifen, Gen- 
genbachs Buch in Profa aufgel6ft und oft gedruckt. Vgl. Hoffm. im Weim. 
Jahrb. 4, 65 — 101, wo irrig das entgegengefetzte Verhältnis angenommen wird.) 
3lfch Flufz .. 6 bll 4. Gengb. 3. 
5w Bockfpyl .. Folioblatt, 
idtfchu .. 6 bll. 4. — Der bundtfchu . . 4 bl. 4. — Der 
bnndt fchuch . . 14 bll. 4. Vgl. Gengb. 438 f. 

14) P r a c t i c a zu teütfch vff das XVc vnd new Jar . . 4 Bl. 4. Gengenb. 1 60. 

15) Diß ift ein iemerliche clag vber die Todten f reff er. 4 bll. 4. 
Ggb. 153. 

16) Ein graufame hiftory von einem Pfarrer vnd einem geyfk vnd dem 
Mnrner, der fich nempt der Narrenbefchwerer. 18 bll. 4. (Erfter Druck.) Vgl. 
Gengenb. 690. — N o v e 1 1 a . . 18 bll. 4. (nicht 8., wie Gengenb. 514 fteht). 
Gengb. 262. 

Scharfe und hefte Satire gegen Mnrner, der die Reformation befchw6ren will, aber vom 
Geift derfelben Verfehlungen wird. 

IV. Schau/piele. 17) A. Die .x. alter dyfer weit .. ^^tYÄX\tö.^L:^^ \Qrt -^Ä 
der herren f^Dnacht von etlichen fnrfamen vnÄ gete\i\<^\ÄTv ^\ä^««kv «« VJ^ 



rD.f, oa — IUI, w 

11) Der welf( 

12) Difz new 

13) Der buno 



144 Kirchliche Volksdichtung. 

Hohen ftat Bafel. (Bafel 1515). 16 bll. 4. Gengenb. 76. 442. — S. Manchen 
1518. 16 bll. 4. Vgl. Gengenb. 443. - C. Augfp. 1518. 16 bU. 4. — 2>. Blem- 
mingen durch A. E[un]. 1519. 4. — Interpolierte Ausgaben: a) StraOb. J.Fr6- 
Keh 1534. 32 bll. 8. Gengb. 444. — b) (Nürnb. J. Gutknecht) 1537. 28 bll. 8. 
Ggb.444. — c; Nürnb. J.Gutknecbt. 1539. 28 bll. 8. Ggb.444. — d)B&£eh Sam. 
Apiarius. o. J. Ggb. 445. — ej Tübingen, Alex. Hock. 1587. 28bll. S. Ggb. 446. 

— /; Collen, Heinr. Netteffem 1590. 32 bU. 8. Ggb. 446. — o; Bafel, Job. 
Schröter. 1594. 32 bll. 8. Ggb. 446. — h) Straßb. . Marx v. d. Heyden. 1622. 
28 bll. 8. Ggb. 447. — i) Bafel, G. Decker 1635. 32 bll. 8. Ggb. 447. — Wie- 
dergedr. in Kellers Faftnachtfp. Nr. 119. Gengenb. 76. 

18) Ä. Difz ift die g o u ch m a t fo gefpilt ift worden durch etlich gefchickt 
Burger einer loblichen ftat Bafel . . (Bafel 1516.) 20 bU. 4. Gengb. 503. — 
JB. Die Gouchmatt .. Strßb., Chr. Müllers Erben, 1582. 32 bll. 8. — Wieder- 
gedruckt Gengb. 117 ff. 

19) A. Der Nollhart. Diß find die prophetien fancti Methodij .. gefpielt 
jm XVc vnd xvu Jor vff der herren faftnacht von ettlichen erfamen vnd ge- 
fchickten Burgeren einer loblichen ftat Bafel. (Bafel 1517.) 28 bll. 4. Gengb. 460. 

— Ä (Augsb.) 1522. 24 bll. 4. Ggb. 461. — C, o. O. 1525. 8. Ggb. 462. - 
Interpolierte Ausgaben: a) Der alt vnd new | Bruder Nolhard . . (StraQb. um 
1545.) Cammerlander : 40 bll. 4. Ggb. 462. — bj Der alt vnd new Bruder | 
Nolhard. (Strßb. 1545.) Cammerl. 40 bll. 4. Gengb. 462. — Das gengenbachfche 
Spiel wiedergedr. in Ggb. 77, die Interpolationen 463 ff. 

Y. Buchlein in Prof a. 20) Der pfaffenfpiegel . . 12 bll. 4. (Ueber- 
fetzung eines Briefes des Hieronymus an den Nepotianus.) Wiedergedruckt 
Ggb. 167. 

21) Der Leienfpiegel fancti Pauli des alten gloubens wider den nüwen. 
12 bll. 4. (Stellen aus den paulinifchen Briefen über Gefetz und Glauben.) 
Ggb. 186. 

22) Der Ewangelifch burger .. 12 bll. 4. Wiedergedr. Gengb. 19a- 
Der ewangelifch burger . . 12 bll. 4. Vgl. Ggb. ^13. — Der Euangelifch Bur- 
ger . . Zwickau durch Jörg Gaftel. 1524. 4. Vgl. Ggb. 629. 

23) Von Drien Chriften. Dem R6mifchen Chriften. Dem Böhemfcben 
Chriften. Dem Thürckifchen Chriften. 12 bll» 4. Wiedergedr. Ggb. 214. 

VI. Erneuerungen älterer Gedichte: Räbhänfzlin. Rebhen£slins fegen 
heifz ich . . 8 bll. 4. — Wiedergedr. bei P. Schmid zu Mülhaufen im EUaß 
um 1560. 8 bll. 4. Vgl. Gengb. 519 und §. 89, 2. — Ein hübfch lefen .. . von 
. . zweien Jacobsbrüdern . . 18 bll. 4. (Gedicht Kifteners §. 90.) Wiedergedr. 
Ggb. 231. 

Noch nicht wieder aufgefunden ilt ein Büchlein Gengenbachs, das rip&ter in Oammer- 
landers Druckerei als 'Ein frifcher Gombi4)t* bearbeitet und zweimal gedruckt wurde; vgl. 
Gengb. 514. 661. 

§..117. 

Mehrfache Lehrgedichte, angeregt durch Brants Narrenfchiff, geben 
Zeugnis von dem drängenden Streben nach Verbeßerung der kirchlichen und- 
weltlichen Zuftände. 

Die Gedichte Mumers (§. 133) werden zweckm&Oig bis zur Gefchichte des Kampfes um 
die Reformation zurückgefetzt. Einige andere m6gen noch einmal die Anfchauungen kurz 
vor der Reformation vergegenwärtigen. 

1. Wem der geprant wein nutz fey oder fchad. vn wie er gerecht oder 
falfchlich gemacht fey. Bamb. 1493. 4. — o. 0. 1559. 4. (Mülh. P. Schmid.) 
«- Wiedergedr. in Canzlers Quartalfchr. 2, 3, 1, 69. 

2. Wider das graufam lafter der wüften Trunkenheit. 6 bll. 4. — Mül- 
hufen im oberen ElfaO d. P. Schmid. 1560. 6 bll. 4. 

3. Von S.JohästrückAin hupfcher Newer fpruch. 4 bl. 4. (HB. 1627.) 

— Wiedergedr. im Weim. Jahrb. Bd. 5. 

4. Joh. V. Morfzheim, Ritter, Hofmeifter in der Pfalz, fchrieb 1497 ein 
Lehrgedicht über die Untreue des Hoflebens, das erft fp&ter gedruckt wurde. 

A. Spiegel des Regiments, inn der FürCteu h&fe, da Fraw Untcewe gewaltig ift 
Oetr, Oppenheim 1615 (J. Kbhel), 16 bll. 4. — B. Erttordt. llblft. 1^ ^Ai- 4. — Q. <>. tk. ^. V 



Bach 4. §. 116. 117. 145 

le bll. 4. — D : Kew Erlegr^rfiTtung. FRaw Vntrew . . Straßb. J. Oammerl. 1584. 16 bll. 4. 
~ E: AnlicaVita. Hoffleben .. Straßb. Jac. Cammerl. 1539. 20 bU. 4. (interpoUert). — F:Fraakf. 
Sohmidlin. 1614. 12. — G: Frkf. Luc. Jennis 1617. 4. — H: o. o. n.J. (um 1830). 18 bll. 4. — 
Spiegel des Regiments von Johann v. Morfzheim. Herausg. ▼. K. GTceaeke. Stnttg. 1856. 8. 

5. Ein tractat contra peftem Prefervative vnd regiment . . (StraOb. 
Barth. KyfÜer. 1500. 24 hl. 4. (HB. 1577). — Oppenh. 1519. 4. 

6. Regimen fanitatis. Difz ift das Regiment der gefuntheyt durch 
all monat des gantzen iars .. Augufte per Joh. Frofchaner. 1501. 1502. 1508. 
10 bU. 4. (HB. 1578.) 

7. Regimen moralitatiß. o. O. u. J. 6 bl. 4. (HB. 1569.) 

8. Penitencionarius (lat. u. deutfch). o. O. u. J. 5 bll. 4. HB. 1568. 

9. Was nntzung von dem Allmufeii kompt, das man den Pfaffen, Mün- 
chen, vnd andern vnnottürfftigen mittailet. o. O. u. J. 4, bll. 4. HB. 1477. — 
Was nutz von almüifen kumpt, die man pfaffen, vnd mdnichen vnd andern 
loffen mittailett. o. O. u. J. 4 bll. 4. HB. 1478. — Von denn Almufzen. Gedr. 
Erffort zn dem bnnten lawen bey Sanct Paul. o. J. 4 bll. 4. HB. 1479. — Hie 
mftft jr Chriften wol verftan wie man mit vns yetz vmb ift gan Vnderm fchein 
des Almüfen zwar hat man vns betrogen lange jar . . o. O. u. J. 4 bll. 4. 
(Wolfenb. 253, l. Quodl. 4.) 

Alle vier Texte weichen ab ; teilweife fchon in Ulrich Wiefts Meiftergerange (§. 91, 11) 
enthalten. ^ 

10. Straff predig über alle Stend, Geyftlich vnd Weltlich .. o. O. u« J. 
2 bU. 4. (HB. 1592). 

Sp&ter Dmck des 16. Jh.; handfchriftlich in Stnttg. cod. poet 7. bl. 247. Vgl. Keller 
Fartnfp. l637 zu 1475, 28, wo andere Drucke. Aehnliches in Egenolfs Sprichwörtern (1548) 
1582, 349 b. 

12. Der Curtifan vnd pfrunde freffer. o. O. u. J. 4 bll. 4. (HB. 1480.) 

— Der Curtifan vnnd pfrunden freffer. o. O. u. J. 4 bll. 4. (HB. 1481.) 

Nach dem letzten Druck wiederholt in Schades Satiren und Pasquillen aus der Refor- 
. mationszeit. Hannover 1856. 1, 2; nach beiden Drucken in Q^dekes Gengenbach S. 620. 

13. Job. Schott: Spiegel chriftlicher walfart. Straßb. 1509. 4. 

14. Schiffart von diffem eilenden iamertal . . Gedr. zu Frankf. 1512 durch 
Batt mnrner. 12 bU. 4. — Frkf. 1515. 12 bll. 4. 

15. Von Eelichs Stadts nutz vnd befchwerden durch Joannem Mnrner ge- 
dieht vnd gemacht . . o. O. u. J. 24 bll. 4. 

Beide Mumer find Brflder des bekannteren Thomas Mumer. §. 1S3. 

16. Ulr. Tengler: Ein fchon buchlen vom iungfte gericht . . Item ein fcho- 
ner fpruch tzu allen ftenden . . Leiptzick J512. 4. (HB. 1545.) 

17. (Cento.) — Von de weyfen man wie er feynem Sun kurtze lere 
gibt, wie er fich gegen got vnd der weit halten foU. (Nürnb. bei) Wolffgang 
Huber. 4 bll. 8. (HB. 1576.) — Wye Eyn weifer man feynem Sun eyn lere 
geben foll von gutten fitten vnd wercken. Gedr. tzuLeyptzck .. 1521. 4 bll. 8. 

— Von dem weyfen man wie er feinem fun . . Gedr. zu N&rnb. d. Kuneg. 
Hergotin. 4 bll. 8. 

Vgl. Gödeke Gengenb. S. 575. Nach den beiden letzten Drucken wiederholt yon O. 
Schade im Weim. Jhb. S, 420. — Es find Verfe aus Vridank, Renner, Cato, Boner, Brant, 
Qengenb. u. r. w. — Aehnliches in Kellers altdent. Erz&hl. 680. 

18. (Cento.) — Ein hübfcher fpruch, wie fich der menfch gegen Gott 
vnd der weit halten fol. Nurnb. Chr. Gutknecht. 4 bll. 8. 

Aehnliche Auszftge in gefchickter Ordnung. Der ficher vorhanden gewefene filtere 
Dmck (Hubers?) ift mir nicht bekannt. 

19. ^Ibrecht Dflrer. Aehnlfche Lebensreg^ln verfaßte 1509 Albr. Dürer als 
feine *erften Reimen*, die von Wilib. Pirkheimer überarbeitet wurden und zu 
einem poeti^hen Streite mit Spengler fiihrten. Vgl. Murr, Journ. f. Litt. u. 
Kunft 7, 99—108. Reliquien von Albr. Dürer. Nürnb. 1828. S. 63—70. 

20. Die Welfch Gattung .. Straßb. Matth. Schürer 1513. 60 bll. 4. (HB. 
1398.) — Gedicht über die italienifchen Kriege, in Form eines Rechtaftc^UftÄ 
nach dem Vorbilae der M6rin Hermans v. SachteuYi^VRi (^. ^^. 

21. Nurrenfcbiff vom BundtCchuK o. O, u, 3. V^ \äl. ^ — ^%x- 
aSdeke, Orandriß, \S^ 



146 KirchUche Yolksdiehtung. 

renfcliiff Yom bandtfchnch. o. 0. 1514. 12 bll. 4. Ygl. GSdeke, Qengdnb. 
522 ff. Wiedergedr. daf. 392. Bericht über die Baaernverfchw4rang im BreiB- 
gau, Tgl. §.116, 13 u. §. 139. 

22. Gefchribe ffcad in difem buch Wie vff körnen wolt der bandfchnch Im 
werden würtenberger land .. Vnd ward der arm Conrat genannt, o. 0. 
n. J. 15 bll. 4. HB. 1402. Vgl. Zimmermann, GteCch. d. Bauemkr. 1, 191 ff. 
Weller, Altes 2, 284. 

23 Ein Spruch die regiment Teutzfcher Nation betreffend, o. O. u.J. 
7 bll. 4. HB. 1586. 

24. Das ift jetz der gemain vn new gebranch..in welchem das 
volck der weit zu diffen gezeitten gantz feer beladen üt. o. O. u. J. 8 bll. 4. 
HB. 1590. — Andrer Druck o. O. u. J. 8 bll. 4. 

Vielleicht nur neuer Druck eines Uteren Gedichtes des XV. Jh. wie die *01ag etlicher 
rtSnd* (gedr. in Gödekes Gengenbach 403) noch dem xy. Jh. angehört; vgl. §. 94, 17. 

25. Bemhart Klingler, von Eniisheim: a) In difem b&chlin findeüt du, wie 
man fich hÄten fol vor de fpiel . . Straßb. M. Flach. 1520. 10 bll. 4. HB. 1587. 
Wiedergedr. in Gödekes Gengenb. 373. — bj GiUden Parädieß Apfel mit dem 
Vall Adam vnd Eva . . mit fchonen Etiftorien vnderzogen . . Straßb. M. Flach. 
1520. 4. 

26. Jac. nfennel : Schachtzabel Spiel. Des Bitterlichen kunftlichen Schaeht- 
zabel Spiels vnderweyfung . . wohere das kommen . . Buch wie man das künft- 
lich lernen vnd ziehen foUe. Oppenh. 1520. 4. — Frkif. Egenolff. 1536. 4. 
HB. 1908. Neuer Druck eines älteren Gedichtes. 

§. 118. 

Kaifer Maximilian, der letzte Bitter, geb. 22. Merz 1459 f 11. Jan. 1519, 

verfuchte, wie er f&r, Ereuzzi!ige und ritterliche Abenteuer fchwftrmte, noch 
einmal die Wiederbelebung der ritterlichen-allegorifchen Poefie. Sein Gedicht 
erfchien gerade im Beginn der Reformation und wurde, wenn auch als Werk 
eines Eaifers bedeutfam und durch typographifche Pracht ausgezeichnet, mehr 
nur angeftaunt, als daß es wirkfam geworden w&re. 

Die geuerlicheiten vnd eins teils der gefcMchten des löbliche ftreitbaren 
vhd hochberümbten helds vnd Ritters Tewrdannckhs. Gedr. . . Nümb. 
durch den Eltern Hannfen SchÖnfperger Burger zu Augfpnrg. (1517.) 290 bll. 
fol. Pergamentdruck und Drucke auf Papier. — Zweite Ausgabe: Angfp. d. 
d. Eltern Hänfen SchÖnfperger. 1519. 290 bll. fol. — Dritte Ausg.: Augfp. 
H. Stainer. 21. Dec. 1537. 104 bll. fol. — Vierte Ausg.: Frankf. Chr. 
]Egenolff. 1553. 114 bll. fol. (von B. Waldis Äberarbeitet). — Fünfte Ausg.: 
Frkf. Chr. Egenolffs Erben. 1563. 114 bll. fol. — Sechfte Ausg.: Frkf. Chr. 
Egenolffs Erben. 1589. 128 bll. fol. — Siebente Ausg. : Frkf. Chr. Egenolffs 
Erben. 1596. 204 bll. 8. — Achte Ausg.: Ulm bei Matth&o Schultes. 1679. fol. 
(Neue Bearbeitung des alten Textes.) — Neunte Ausg.: Augfp. Mth. Schultes. 
o. J. fol. — Herausgegeben von K. Haltaus. Quedlinb. 1836. 8. 

Vgl. H. Gttl. Titz, disquifitio de inclyto libro poetico Theuerdanek. Altdorf 1714. 4. 
Ebert 22869—77. Haltaus Einleitung. Teurdank, d. i. tapfrer Held; in dem von Max Telbft 
erfundenen und größtenteils felbft auisgef&hrten Gedichte wird die Brautwerbung um Maria 
von Burgund allegorifch gefchildert. Maximilian lieB feine Arbeit von Marx Treisfanr- 
wein und Cpkter von Melchior Pfinzing (1481 f 1585) ordnen und überarbeiten. 

Die vier namhafften Königreich, nemlich des Königs der Tenffel, der 
Efel, der Menfchen vnd der König. In eim kurtzen vnd fcharpffen HofTpruch, 
von dem hochloblichen Helden Thewerdanck fu'rgebildet. Frkf. 1538. 12 bl. 4. 
Satire in Profa; der König Aber die K6nige ift der (deutfche) rÖmifche König. 

Der WeiB Kunig. Eine Erzehlung von den Thaten Kaifer Maximilian 
des Erften. Von Marx Treitzfaurwein . . zufammengetragen, nebft den von 
Hannfen Burgmair dazu verfertigten (237) Holzfchnitten . . Wien 1T75. fol. 

Vgl. K. Renatns Haufen, de claro libro, derWeid Kunig. Frkf.a. ^O. 1775. 4. — Auch 

diefe allegorifche Gefchichte in Profa, die auf den 'weifen* Vater des Kaifers au beilehea 

m, entwarf Max felbft und fAhrte Üe größtenteils fefbft aus. Ueber andre von' ihm hand- 

Ibbxifülob JiinterlAßne WerJce vgl. Bragnr 6, 8, 160 ft. tmd BAataaaa "BäaDüMAtoocn« vocm. *^«tts4AB^« 



Buch 4. §. 118. 119. i47 

Die leer: fo dem Keyfer Maximilian inn feiner erften jngent gemacht, 
vnnd durch eynen erfarnen trefflichen man feiner kriegßr&th jm zngeftellt ift. 
Zuerß gedruckt in :' * Die vier bücher Sexti Julij Frontini . von den gaten 
R&then vnd Ritterlichen anfchleg der guten hauptleut. Onexander von den 
KriegOhandlungen . . Meyntz bei Juo Sch6ffer. 1532. fol. bl. 45 ff. ; dann in der 
neuen Avsgahe des Buches Meintz 1537. fol. {daraus im deutfch. Mufeum 1779, 
1, 267—288); im Teurdank 1589; in Fronfpergers Kriegsbuch 1564, bl. 102 bia 
107; in Gobiers Chronik Frkf. 1566, bl. 80—86; wi Grundtlicher vnd Chrift- 
licher Vnterricht für alle St&nde . . Leipz. 1595. 4« 
Wol durch Pflnzing, der in Mainz lebte, mitgeteilt. 

§.119. 

Im Schoß der Kirche felbft regte (ich das Bedürfnis einer Verbeßrung der 
Zuftftnde and namentlich begann ein Streben, die deutfche neben der lateini- 
fchen Sprache wirkfamer zu benutzen. 

1. Tractatus De ruine ecclefie planctu. Impr. Phortze. 8 bU. 4. 
(WB. 17.) — Impr. Memmingen. 8 bll. 4. (WB. 18. HB. 1468.) - Planctus 
ruine ecclefie .. Der kilchen fal. 10 bll. 4. (WB. 19.) — Pläctus ruine ec- 
clefie . . Der kilche fal. 10 bll. 4. (HB. 1469.) — Tractatus de ruine planctu . . 
Impr. Hagnoe. 8 bll. 4. (WB. 20.) Abgedr. in Hardt, Autogr. 3, d3 6 — e4a. 
1 18 Str. , die erfte Hälfte jeder Zeile lateinifch , die zweite deutfch reimend. 
Vgl. Hoffm. in dulci jubilo. Hannover 1854. 8. 18. 87. 

2. Das b&chlin halt jnn von erft Die fiben zyten . . 192 bll. 8. Gedr. . ' 
um 1470. Ueberfetzung kirchlicher Profen und einige Lieder. (Hofim. 259 f. 
WB. 1.) 

3. Hier inne ft6nd ettlich tewtfch jmni .. Haidelb. von Heinryco Elnob- 
16tzer. 1494. 22 bll. 4. Ueberfetzungen in Profa, die den latein. Originalen an 
Zahl der Silben entfprechen, und: 14 hymni deutfch nach Weifen lateinifcher; 
eine Art Reimprofa. (jäinceri Nachrichten 1, 3. Neue Nachr. 1, 182. Hoffm. 
262. WB. 8.) [Ein vaft notdurfftige materi . . 64 bll. 4. (Hoffm. 264. Wß.9.) 
1494: Erklärung des Vater unfers, des Ave Maria, der Artikel des Glaubens 
u. f. w. Sine. n. Nachr. 1, 183.] 

? Der pfalur Marie. Erfurt, Hans Sporer. U93. 4. (Kch. 2. 11 ^on einem Meifterfänger, 
Namens Pucnsbanm. Auf der Leipziger Univerfitätsbibliotliek.*) 

4. Sixt. Buchsbaum, Meifterfänger, dichtete im J. 1500 : Ynfer lieben firawen 
Bofenkrantz in herczog ernfts meladey. Gedr. o. O. u. J. 8 bll. 8. (WB. 21 .) 
— (Nürnb.) Wolfg. Huber (c. 1512), 8 bll. 8. (Hoffm. 465.) — Augfp. Matth. 
Francke, o. J. 8 bll. 8. (WB. 21.) — Straub, bei Andre Summer. (Hoffm. 465.) 

5. Hieronymas Schenck von Sumave: a) Von der uberwirdigften muter 
gotes vnd reinen iunckfrawen Maria fchoner entpfahung . . in vrbe herbipol. 
per Martinü Schubart 1503. 6 bll. 4. (Hoffm. 467.) ~ bj Ein Salue regina . . 
in Civitate Herbipol. 1504. 12 bll. 4. (Er entfchuldigt fich lateinifch, daß er 
wie Poggius, Petrarcha, Boccaccius und ex noftris nonnulli in der mutter- 
fprache dichte. WB. 32. Exempl. in Bamberg. Hoffm. 468.) 

6. Dy fchydung vnfer lieben frawen in gefangsweyfe. Nürnberg von 
Peter Wagner. (14)97. 7 bll. 8. (»Vns fagt gefchrifft gar offenbare.' Panzer 
1, 452. WB. 13.) — Die Schiedung vnfer lieben Frawen. In des Regenbogen 
langen thon. (Nürnb.) W. Huber (c. 1512). 8 bll. 8. (Hoffm. 469.) 

7. Das ift die hymelfart vnfer lieben frawen in des regen bogen langen 
den. StraOb. d. Mart. Flach. 1508. 8 bll. 8. (*Da gott zu ym in ewigkeit.' 
WB. 35.) 

8. Ein fer andechtig Criftenlich Buchlei aus hailige fchrifften vnd Lerem 
von Adam von Fulda in teutfch reymenn gefetzt. Wittenburgk durch Simphorian 
Reinhart 1512. 36 Bll. 8. (Gereimte Vorrede Wolff Cyclops von Czwickau und 
5 Gedichte von Adam Fulda, wie ihn Cyclop nennt. WB. S. 458. Eäsv ^^^tsn.* 
plar befaß auch Superint. F. Ch. Fulda, f. Yew.e\e\Lma%. "R^J^ä Xi^AÄ^-^^^NSfeS^ 
Nr. 2700 h.) Von A. v. F. gieng das GedicU ^kc\i \n\i tiä!Ödl\rsä. x«ä. ^«ä^söo. 



1 49 Kirchliche Volksdichtung. 

klag' aus dem Nürnberger Enchiridion 1528 (WB. 265) in die lutherifchen 
Gefangb&cher über. 

Ein M. AdAinas Fulda war 1587 Prof. d. TheoL ra Marburg. Strobel, mifcelL 4, 198. 

9. Joh. BAfchenftein (geb. zu EJßlingen 1472 von chriftlichen Eltern 
f nach 1536. Verbreiter hebr&ifcher Sprachkenntnis zu Ingolftadt| Augsburg, 
Wittenberg 1518, Nürnberg, Heidelberg 1521/ Antwerpen, Zürich und wieder 
m Augsburg. 

Vgl. WUl, (Nttrnb. gel. Lex. 1, 129 ff. 5, 108 ff. Erhard 3, 882 ff.) von ihm vier liieder: 
a. Da Jefas an dem kreuze ftund. b. Wölt ir mieh merken eben. c. Gott ewig iit on endei 
Mrt. d. Von wunderlichen dingen. Gedr.: Ein gaiftlich lied von den tyben worten die got 
der herr I^rach an dem ftammen des heyUgen creütz. Offnes bl. 4. (enth.: a. WB. 71. HolAn. 
217) ; Ein geiftlich Lied von den Syben wortten . . 4 bll. 8. (a. WB. 72). — Ain hübfch lied 
von den aehen geboten In der tagweyfz. Es wonet lieb bey lieb . . Omies bl. Fol. (b. WB. 
73. Hoffm. 222) ; Die zehen gebot auff der Bibel gezogen Durch Joh. Böfchenftain priefter. 
Augfp. d. Erhart öglin. Offiies bl. Fol. (b.'WB. 74). — Ain new gedieht, durch Joh. Böfchen- 
ftain Kay. May. loblicher gedechtnus gefireyter hebraifcher zungen lerer au8gangen. Im 
thon Maria zart. Offiies bl. Fol. (c. WB. 76. Hoffhi. 458). — In diefem Biechlin feind begiyffen 
dreü gedieht In gefangswey8. Aufgängen durch Joh. B&fchenftain. 4 bll. 4m<c. b. d. WB. S. 
459). — Zwo Lieder von den tyben Worten Jelti GhriAi vnd von den zehen Geboten Gottes 
aus der Bibel gezogen durch Joh. BöfchenTtein. 1515 (a. b. WB. 75). — Ein feh^n lied von 
G&tlicher Maieaat .. 4 bll. 8. o. o.u.j. (c. b. WB. 705. 706). — (AlnDiemietlge Verf^rechung: 
durch Johann Böfchenftain, geboren von Chriftenlichen 6ltem, au8 der ftaH Efilingen, wider 
etlich die von jm fagen, Er feye von J&difchem ftammen, vnd nit von gebomen dhriften 
herkommen.) o. o.u.j. 5 bll. 4. vgl. Hofftn. 218. WB.77, c. Vgl. Hummel, neue bibl. v. feltnen 
bflchern 1, 421. Litter. muf. Altdorf 1780. 2, 388. Meufel, hifL biogr. Iit. magaz. 1, 110 ff. 

10. Das leiden Jefu Chrifti . . auCs den vier Euangelirten . . durch Wolff- 
ganng von Maen. in gefatzweifz bezwungen . . Augfpurg d. den Junngen Hannfen 
fchonnfperger 1515. 67 Bll. 4. (WB. 78 Wolfg. von M&n nennt fich in der 
Vorrede Vnwirdigen caplan* des Eaifers Maximilian, womit wie bei Waldis 
und andern ein Hofdienft nicht bezeichnet zu fein braucht. Vgl. WB. S. 540 a). 

11. PailQo Chrirti Von Martino Myllio inWengen zuVlm gaiftlichen Chor- 
herren. 1517. 17 Bll. 4. (26 Lieder, in nachgeahmten Versmaßen des clafs. 
Altertums ; teils Ueberfetzungen alter Hymnen ; nicht alle gehen auf die Palfion. 
Der Verf. hieß Martin MUler, f 1521. Vgl. Hoffm. 482—85. WBi 80. Zehen 
Lieder gedr. in Wackernagels KL. Nr. 167—176.— Ein Exempl. befaß Hejfe 
Nr. 1182. 

12. Hymnarms: durch das ganntz Jar verteutfcht . . Gedruckht zw Sjg- 
mundfluft durch Jofephn Piernfyder . . 1524. 18 Bgn, 8. (Die Ueberfetfeongen 
find fehr ungelenk und fordern zur Vergleichung mit den erften Liedern 
Luthers auf. Hoffm. 277—280. WB. 141.) 

Neben diefen f&r die Erbauung durch geiftlichen Gefang beftimmten Dich- 
tungen dauerten Legendendichtungen fort, von denen nur einige der poetifch 
geformten genannt werden feilen; fie find zum Teil nur neue Drucke älterer 
Gedichte (13 von Mufcatplüt §. 91, 3; 18 von Regenbogen §. 79, 2). 

13. Ein hübfch lied von fant katarinen leben. In dem mufcat blüyten 
don. Straßb. d. Mart. flach. 1508 (WB. 36, 8). Ein fchons lyed; von dem 
leben der heyligen Junckfrawen vnd martrerin Sant Eatherina. In dem Mufcat- 
plÄt don. Nürnb. d. Hänfen Weyffenburger. (c. 1512). 4 Bll. 8. (*Ein iunck- 
fraw fein fant Katberein.' WB. 36.) — o. O. u. J. 4 Bll. 8. WB. 98. 

Sent katherinen pafQe. o. O. (Cöln).u. J. 12 Bll. 4. — Sent Katherinen 
palfie. Coellen by Henrich van Nuyfz (c. 1513). 12 Bll. 4. niederrh.; nach 
beiden Drucken bei O. Schade, niederrh. Ged. S. 135 ff. 

14. Von fant Vrfiden fchifflin. Straßb. vff grÄneck von meifter bartho- 
lomeus küftler. 1497. 25 Bll. 4. (das lied *ein zit hört ich vil guter mär' von 
meifter Johannes Goffeler, pfarrherrn zu f. Joft zu Rauenfpurg. WB. 15. 
Hoffm. 475.) Die Bruderfchafft fancte Vrfide. Nürnb. 1513 durch Dr. Vir. 

-Finder (ftadtarzt zu Nümb.) 28 Bll. 4. (WB. 63 vgl. Schade S. 169 ff.) 

Hiftorie van fent Vrfulen vnd den eelff dufent Junfferen. (*Ich hain ge- 
lefen tzo latine') o. O. u. J. 6 Bll. 4. (Schade S. 163.) — Coellen By Henrich 
van Nuyfz. 8 Bll. 4. (Schade 164.) — Die hiftorien von fant Vrfulen vnd den 
B)ff tbaufent jonffrauwen . . Coellen . . tzo der roeder portzen. 1509. 8 Bll. 4. 

{WB. 4ZJ^ Die biftorien von fant Vrfulen ind deiil^yWT^Vi&xjX^Tii V°^qSs«w^ 



Buch 4. §. 119. 120. 149 

Coellen in der Roeder portzen. 1511. 8 Bll. 4. (WB. ^6. gedr. altd. Bll. 2, 50. 
Schade 166.) — Sent Urfulen vnd der XI. thanfent Junifrauwen hiftorien. 
C611en by Antonio Keyfer. o. J. 12 Bll. 4. (WB. 57) ; gedruckt in O. Schades 
niederrh. Ged. Hannover 1853. S. 183 ff. 

16. Ihrolkeen paffie. Coellen [bei Henr. v. Nuyfz] 1513. 8 Bll. 4. ; gedr. 
bei O. Schade S. 15 ff. 

16. Sent harbaren paffie. Collen by Henrich van Nuyfz 1513. 10 Bll. 4. 
(Schade 33.) — o. O. n. J. 10 Bll. 4. (Cöln. Schade S. 34); gedr. bei Schade 
S. 52 ff. — Süte Barbaren paffye. Lübeck 1521. (niederrächf. vgl. Bibl. Hofim. 
FaU. p. 67). 

17. Sent margareten paffie. Collen 1513 bi Henrich van Nuyß. 8 Bll. 4. 
— Collen 1514 bi Henr. van Nnyfz. 8 Bll. 4. — Gedr. bei Schade S. 83 ff. 

18. Die Fronica in dem brieff don. Nurnb. pete r wa gner. (14)97. 25 Bll. 
8. (*0 ffilTer got nach dein genaden fteet mein gyr'. WB. 12.) — Ein lied von 
der Fronica wie iie von Jernfalem gen Rom ift knmen In dem brieff don des 
Regenbogens. o. O.u.J. 24 Bll. 8. (Anz.4,46. Hoffm. 475.) — Nftrmb. Wolffg. 
Huber 1512. 24 BÜ. 8. (Panzer Z. m. WB. 58). 

§. 120. 

Joh. Geiler, genannt von Kaifersberg, f&hrt durch feine zahlreichen Pre- 
digten, die er deutfch hielt, dann lateinifch niederfchrieb, lebendiger als irgend 
einer feiner Zeitgenoßen in die Yorgefchichte der Reformation ein. Er tr&gt 
ganz die fcholaftifche Bildung und hat von der neuen WüJenfchaft nichts in 
üch aufgenommen. In den Formen diefer Bildung eine ächte reine Yplks- 
natur, bei der Hohes und Alltägliches unbefangen und friedlich gemifcht find; 
voll Freimut gegen Weltliche und Geiftliche bis zur Feindfeligkeit ; gedanken- 
reich und einfach, lebendig und fprachgewaltig. ^ 

Geboren am 16. März 1445 zu Schafhaufen, frfth verwaift; von feinem 
Großvater zu Kaifersberg imElfaß erzogen und danach genannt; bezog fchon 
1460 die üniverfit&t Freiburg, 1462 Baocalaureus, 1463 Magifter der Philo fophie, 
1469 Decan. Um Theologie . zu ftudieren gieng er 1470 nach Bafel, 1473 
Doctor; Prediger in Freiburg; dann nach Würzburg berufen, aber durch Peter 
Schott f&r Straßburg gewonnen, wo er 33 Jahre am Münfter als Prediger 
wirkte, f 10. März 1510. Seine Predigten wurden teils zurückftberfetzt, teils 
mündlich aufgezeichnet von Jac. Other ans Speier, von feinem Schwefter- 
fohn Peter Wickram, von Heinr. Weßmer, Snfanna H6 rwar tin 
von Augsburg, Priorin des BAßerklofters in Straßburg, und von Joh. PaulL 

Vgl. Vierling de Jo. Geilerl a Kayfersberg fcriptis Germ. Argent. 1786. — Fr. W. Ph. 
▼. Ammon, Geilers v. K. Leben, Lehren nnd Predigen. Erlangen 1826. 

1. Ein nützlich büchlein .. vn ift genant der Pilgrim. Augsb. 1499. 4. 
Vgl. 11. 

2. Predigen Teutfch: vnd vil gutter leeren. Augsb. H. Othmar 1508. 
Fol. Augsb. H. Othmar 1510. Fol. — ? Augsb. 1513. Fol. 

Vom berg des fchauenden lebens, chriTtenbilger, gelftl. werken, flben efelhalltem, 
dreierlei bUdem, mncken des mnndes, vom Zacheusbanm. 

3. Fragmenta paffionis J. C. in hunc modum collecta per Jac. Otherum. 
(Argent.) Schürer 1508. 4. 

4. Nauicula five fpeculum fatuorum . . aJac. Othero collecta. Argent. 
Schtirer. 1510. 4. — Argentor. 1511. 16. Jan. 4. — (Arg.) Schürer. f. a. 4. — 
Arg. Knobl. 1513. 4. — Narenfchiff . . 1498 geprediget. Vnd vß latin in 
t&tfch bracht (von Johannes Pauli leßmeifter zu Tan in dem iar 1519) . . Straßb. 
Joh. Grieninger . . Bartholom. abet 1520. FoL — Weltfpiegel oder Narrenfchiff 
auß dem Latein inn . . Teutfch . . durch N. Höniger. Baf Henric Petri 1574. 
8. vgl. §. 115, 1. — Geiftl. Schiffart. Augsb. 1708. 4. 

5. Der feelen Paradiß, von waTen vti3l '?o\kuTJÄ\i Xia^^'sA.«^ ^^%«i^ 
StrAßb. M. Scbürer. 1510. Fol. 



150 Kirchliche Volksdichtang. 

6. Das buch granatapfel. im latin gpenant Malog^anatiu. Angab. H. 
Otmar 1510. Fol. — Straßb. Knobl. 1511. Fol. — Strßb. Knobl. 1516. Fol. 

helt in ym den anhebenden, anffnemenden vnd vollkom. menfchen mitCampt gayfOicher 
bedefltang des ausgangs der kinder lArahel . . , ▼nderrichtung d. gaifü. (^innerin, Atlich pre- 
digen von dem hafen im pfeifer vnd von üben fchwertem vnd fchayden. Der Troftf^iegel. 
-» (Einzelne Stücke daraus find nicht als befondere Drucke, ntir als Ansfchnitte anzusehen.) 

• 7. Das irrig Schaf. Sagt von kleinmütikeit vnd Verzweiflung. (Straßb.) 
Schürer 1510. 4. — Das irrig Schafe. (Straßb.) Gryeninger. 1514. Fol. 

Der hellifch Lew, von bftfer Anfechtung. Die Ghriftenlich künigin. Der Dreyeekechte 
i^iegell, von den gebotten, von der beicht vnd von der kunft des woUterbens. Der Efchen- 
gradel, von dem anfahenden menfchen in dem gotsdienft. Das klappermaul, von hinterred. 
Der Troftfpiegel wider vnverniinfftigs trauren vmb die.abgeftorbnen fründ. (Letzterer auch 
einzeln: Bafel 1582. 8.) 

8. Sermones de oratione dominica per Jac. Otther Nemet. hac forma 
collecti. Arg. Schnrer. 1509. 4., 1510. 4. — Pater Nofter. Vßlegung Aber 
das gebette des herren (deutfchdurch J. Adelphnm). Straßb. Hupffuff 1515. Fol. 

9. Nauicula penitencie five fermones quadrageümales de navicula 
penitencie. Augsb. Otmar 1511 f. — Argent. M. Schurer 1512. 4., 1517. 4. — 

' Das Schiff der penitenz.. gepr. „ in dem hohen fkifft zu- Straßbnrg, in 
teutfch gewendt vom latin. Augsb. Otmar 1514. Fol. — Auszug: Das Schiff 
des Heils. Strßb. 1511. Fol. — Strßb. 1512. Fol. 

10. Fier Predig von vnfer lieben Frawen. Gepredig 1509. Straßb. 
1512. Fol. 

11. Chriftenlich bilgerfchaf f t zum ewigen vatterland. Bafel A. Petri 
von Langendorff. 1512. Fol. — Peregrinus .. a Jac. Othero congeftus. 
Argent. Schurer 1513. 4. 

12. Sermones de tempore et de fanctis .. Arg. Gruninger. 1514. 
Fol., 1515. Fol., 1519. Fol. 

de arbore humana. de YII excellentiis arboris cmciflxL de Xm fraetibaB (^iritns CanctL 
de Xn conditionibus mortis Aib lypo majoris villani arbonun Caefaris : Dorfmeier: Holsmeier. 
De xm obfequiis mortuis impendendis. 

Das buch Arbore humana. Von dem menfchlichen bäum. Straßb. Grie- 
ninger 1521. Fol. Paffio domini Jefu Chrifti. Arg. Schurer. 1511. 4. üeberf. 
V. J.Adelphus: PaHion des HereJefu. Straßb. 1513. Fol. — Straßb. Gruninger 
1514. Fol. — Landßhut, J. Weyffenburger 1520. 4. 

13. Das Euangelibuch. Das buch der Ewangelien durch das gantze 
iar. Straßb. Grieninger 1515. Fol. 

14. Predigen von ftuffen Pfalmen. Straßb. 1515. Fol. 

15. Die zehen gebott erkl&ri Straßb. 1516. Fol. 

16. Herr der küng ich diente gern ..15 leer vnd predig. Straßb. 
1516. Pol., 1517. Fol. 

17. Die Emeis. Dis ift das buch von der Onreiffen vnnd auch. Her 
der künnig ich diente gem. Straßb. Grieninger 1516. Fol., 1517. F<jl. 

Von unholden, hexen, gefpenft, geift, wdtendem beer, von weihwaTTer; herr der' künig 
ich diente gern (Name eines Strafibnrger Kinderfpiels). 

18. Die bröfamlin. Doctor Keiferfpergs vffgelefen von Frater Joh. 
Paulin barfufer ordens, vnd Tagt von den funffzehen HymelTchen ftafifelen die 
Maria vffgeHiegen ift, vnd ganz von den vier leuwengefchrei, auch von den 
wannen kromet der kauflüt . . bei 62 predigen. Straßb. Gruninger 1517. Fol. 

19. Alphabet in XXm predigen. Straßb.* 1512. Fol., 1517. Fol. 

20. Das buch der fünden des munds .. XXIV predigen . . Auch darby 
Alphabet in XXTTT predigen.. (Am Schluße: Hie endent fich die XXHI predi- 

fen von dem bäum des ewigen lebens nach dem Alphab.) Straßb. Grieninger 
518. Fol. 

21. Sermones et varii tractatus keiferfpergii jam recens excufi. 
Arg. Gruninger. 1518 Kai. Aug. Fol., 1521. Fol. 

Von Peter Tl^ckgram beforgt, gegen Pauli; darin berg der befchauung, alphabet, dM 
irrig fchaf u. f. w. 

22. An dem Oftertag gepredigt von den dry marien. Straßb. Grie- 
ninger 1520, Fol 



Buch 4. §. 120. 121« 151 

23. D. KeiferJßbergs Poftill: nber die fyer Euangelia durchs jor, fampt 
dem Quadragefimal, vnd von etlichen Hejligen. Straßb. Job. Schott. 1522. FoL 

24. Euangelia. Das plenarium vßerlefen . . Anfang der Mefs, Collect, 
Secret, Epiftel vnd Complet: Auch de fanctis. Summer vnd Winterteil . . Straßb. 
Grüninger 1522. Fol. 

Drittes Kapitel. 

§. 121. 

Die Reformation begann mit Luthers Bekämpfung des Ablaßhandels prak- 

tifch zu werden und griff bald tiefer in die Yerfaßung und Lehre der Kirche, 

namentlich in die Dogmatik und Moral, bis mit der entfchiedenen Abweifung 

der Tradition und der Wiederbegründung des Christentums auf der Bibel die 

Kritik zur freien biblifchen Forfchung und zur freien Forfchung überhaupt 

f&hrte. Der allgemeine Kampf, delTen Haupttr&ger Luther und Melanchthon, 

Zwingli und Calvin, und auf Seite des rSmifchen Stuhles Eck, Emfer und 

Cochläus waren, breitete fich vom rein kirchlichen Gebiete über das politifche 

und gefellfchaftliche aus und erzeugte eine neue Literatur, die mit Hülfe des 

Buchdruckes eine bis dahin nicht erhörte Wirkung Äbte. 

Fabrioii Centifoliiim Lutheranam. Hamb. 1728—30. n. — D. M. Luther, mit einer kur- 
zen Reformationsgefch. Dentfohlands und der Literatur, v. G. J. A. Ukert, hrsg. ▼. F. A. 
Ukert. Gotha 1817. H. — G. Hecht, Vita J. Tezelü. Witemb. 1717. 8. — P. G. Hofmann, 
Lebensbefchr. J. Tezels. Leipz. 1844. — J. W. Feuerlin, biblioth. fymbol. evang. Lutherana. 
Gotting. 1752: auct. ed. J. B. Biederer. Norimb. 1768. >- J. G. Walch, hiftor. Einleitung in 
die Religionsftreitigk. der evang. luth. Kirche. Jena 1733—39. V. — Zwingiis fämmtl. Schrif- 
ten im Auszüge, von Ufteri und VAgelin. Zürich 1819—20. ü. — J. J. Hottinger, helvetiTche 
Kirchengefch. Zürich 1708—29. IV. — M. Garriere, Die phüofophifche Weltanfchauung der 
Reformationszeit. Stnttg. 1847. — E. Hagen, Deutfchlands literar. und religi&fe Verhältniffe 
im Reformationszeitalter. Erlangen 1841—44. HI. — L. Ranke, Deutfche Gefch. im Zeitalter 
de« Reformation. Berl. 1848—13. V. — 

Martin Lather, geb. 10. Nov. 1483 zu Eisleben, Sohn des Bergmanns Hans 
Luther ; kam 1497 auf die Schule nach Magdeburg, 1498 nach Eifenach, bezog 
1501 die Univerfit&t Erfurt, promovierte 1502 und trat am 17. Juli 1505 ohne 
Wißen feines Vaters in das dortige Auguftinerklofter. Am 2. Mai 1507 hielt 
er feine erfte Meffe. Auf Staupitzens Antrag wurde er 1508 an die (neu be- 
gründete) Univerfit&t Wittenberg berufen und 1510 von feinem Convente (zur 
Ausgleichung der Streitigkeiten der Auguftiner mit dem Pabfte) nach Rom ge- 
fandt. 1512 Doctor der Theologie. Am 31. Oct. 1517 fchlug er feine Thefen 
wider den Abla^kram des Job. Tetzel an die Schloßkirche zu Wittenberg. Auf 
dem Augsburger Reichstage 1518 verlangte Cajetan feine Auslieferung nach 
Rom, die der Kurfürft von Sachfen verhinderte. Nach Augsburg geladen und 
zum Widerruf gedrängt, appellierte er an den Pabft, der ihn nach Rom for- 
derte, worauf Luther fich an ein allgemeines freies chriftliches Concil berief* 
1519 der päbftliche Legat Karl v. Miltiz in Sachfen; 4. — 14. Juli Luthers 
Difputation mit Dr. Eck zu Leipzig. 1520 vom Pabfte in den Bann gethan; 
feine Schriften verbrannt, worauf Luther am 10. Dec. 1520 die Bannbulle, das 
kanonifche Recht und Schriften der Gegner verbrannte. Auf dem Reichstage zu 
Worms 1521 weigerte er den Widerruf : *Hier ftehe ich, ich kann nicht anders. 
Gott helfe mir. Amen.' Am 8. Mai in die Acht erkl&rt, vom Kurfurften heimlich 
auf die Wartburg entf&hrt (Junker Gteor^), Am 6. März 1522 kehrte er, ohne 
Willen des Kurfurften, nach Wittenberg zurück. Abendmahlsftreitigkeiten mit 
Carolftadt. Im Sept. gab er das N. T. deutfch herauR^ U2Ä ^«^ ^Soii^^NsävjÄst 
Mofes, 1524 deu P/alterj das erfte Qefangbucl^ m"E|tl\3a\.. km^Qr£aiX».'e5.''^T«s!^.- 



152 Kirchliche Volksdichtung. 

wurde er mit Katharina von Bora ehelich verbunden. 1529 gab er den deut- 
fchen Katechismus heraus; am 16. April überreichten die evangelifchen Kur- 
furften, Fürlten und Reichsitände auf dem Reichstage zu Speier gegen du 
Religionsdecret, das die Ausbreitung der reformatorifchen Lehre 4>i8 zur £iit- 
fcheidung durch ein Concil verbot, ihre Proteftation (proteltierende Stände, 
Proteltanten). Am 3. Oct. mit den Schweizer Theologen CoUoquium zu Mar- 
burg. Verlefung der evangelifchen ConfefQon zu Augsburg auf dem Reichs- 
tage am 25. Juli 1530. Ausbreitung. Vollftändige Bibel&berfetzung 1534. 
Schmalkalder Artikel 1537. Am T.Januar 1546 begann das Tridentiner ConciL 
Luther kam am 28. Jan. krank zu Eisleben an, erholte fich, wurde aber am 
17. Febr. kränker und ftarb am 18. Febr. 3 Uhr Morgens ohne Schmerzen; 
am 22. wurde er zu Wittenberg beftattet. Joh. Bugenhagen hielt die Leichen- 
rede unter lautem Weinen. Als Karl Y. 1547 Wittenberg einnahm und auf- 
gefordert wurde, Luthers Gebeine- zu verbrennen, lehnte er es ab : 'Ich fähre 
keinen Krieg mit den Toten, laßet ihn; er hat feinen Richter.* 

J. M. Schröckh, Leben D. M. Luthers. Leipz. 1778. — G. Pfizer. Stattg. 1886. 

Samlungen feiner Werke: Wittenb. 1539 ff. Xu und VII Bde. Fol. — 
Jena 1556^-58. VHI und IV. Fol. — Altenb. 1661—64. X. Fol. — Leipz. 1729 
—40. XXn. Fol.— Von Walch. Halle 1734—53. XXIV. 4. — Die hefte Ausgiibe 
erfchien: Erlangen 1826 ff. LI. und XXUI. Bde. 8. (bei Heyder und Zimmer). — 
Tifchreden. hrsg. v. Aurifaber. Eisl. 1566. Fol., nach Aurifabers erfter Ausg. 
mit Vergl. der St-angwaldfchen und der Selneccerfchen Redaction hrsg. v. K. 
E. Förftemann und H. E. Bindfeil. Berlin. IV. 8. — Briefe, Sendfehreiben 
u. Bedenken, voUft. gef. u. krit. hift. bearb. v. de Wette. Berl. 1828. V. 8. — 
Luthers reformatorifche Schriften in chronol. Folge hrsg. v. Zimmermann. 
Darmft. 1846—50. IV. 8. 

Luthers literargefchichtliche Bedeutung würde nur aus der genanefMn 

Nachweffung feines Einflußes auf jede einzelne nach ihm entftandene Schrift 

zu erkennen fein, da mehr oder weniger alle auf ihn zurückweifen. Er gab 

ganzen Richtungen die Weihe, vielen das Dafein. Er üiberfetzte die Bibel, 

die vor ihm fo gut wie unÄberfetzt war; er legte die Bibel aus ihr felbft 

aus und verbreitete das gereinigte Bekenntnis in feinen Liedern und zahl* 

reichen Predigten. In gehaltreichen Büchlein regte er große poUtifche 

Fragen an. Gegen anders Gefinnte trat er mit unerbittlich polemifcher 

Schärfe, ja mit Härte auf. Die um das evangelifche Bekenntnis Leidenden 

tr6ftete er oder feierte ihr Gedächtnis. Seine f&r fein Sohnlein gefchriebenen 

Fabeln und feine Empfehlung des Schaufpils wirkte entfchieden auf die 

zahlreichen Erzeug^ffe diefer Dichtungen. 

Die einzelnen Schriften diefer Richtungen find hier nicht zu erfchöpfen; nur die Bibel- 
ftberfetznng als das Hauptwerk der Reformation and die Lieder follen genauer Torgefdbrt 
werden. Das Uebrige gehört mehr der Gultur- und Kirchengefchichte als der Gefohichte der 
Dichtung an. 

I. Schon vor Luther wurden üeber fetzungen der ganzen Bibel mehrfach 
gedruckt, die aber weder in das Volk dringen konnten, noch 'auf anderer 
Quelle als der Vulgata beruhten. Die Sprache ift unbeholfen fchwerfällig und 
weder genau im Sinn, noch treffend im Ausdruck. 

mt gUie BIM: 1) o. O. u. J. (Straßb. Eggefteyn. um 1466). 403 Bl. 2 Col. 60 Zea FoL 

— 2) o. O. u. J. (Straßb. Mentelin. um 1466). 405 Bl. 2 Col. 61 Z. Fol. — 3) o. O. u. J. (1474 
—77). 466 Bl. 2 Col. 54 Z. Mit 57 Holzfchn. Fol. — 4) o. O. u. J. (Nttmb. Senfenfchm. v. 
Friffner. 1470—73). 513 Bl. 2 Col. 57 Z. Mit 73 Holzfchn. Fol. — 5) Augfp. (G. Zainer. (147S 
—76). 582 Bl. 2 Col. 58 Z. 73 Holzfchn. Fol. — 6) Augfp. (O. Zainer) 1477. 321 und 832 Bl. 
2 Col. 51 Zeil. 78 Holzfchn. Fol. — 7) Augfp. A. Sorg. 1477. Fol. — 8) Augl^. Ant. Sorg. 
1480. Fol. — 9) Nümb. Ant. Koburger 1483. Fol. — 10) Strafib. 1485. Fol.— 11) Augl^. Schfin- 
l^erger 1487. Fol. — 12) Augfp. SchÄnfp. 1490. Fol. — Ntimb. 1490; Fol. — Augsb. 1494. FoL 

— AttgJp.1507. Fol.. 1610. Fol. 1518. Fol. — NiedeTdeut£c\i*. ^Ciö\Äuml4%QV Fol» Mit der 
AaMleguas des Nie. m Lyn. — Lüb. St. Amdes 1494. Fol. — B»l\>«tt^. l&%%. ^<A. 



Buch 4. §. 121. 153 

Der Pialter: l) Pfalter dentfch a. lat. mit der GlorTe (Strafib. 1477). Fol. — 2) Deaczfche 
Pfalter. Lipcsk (am 1498). 8. — 3) Der dentfch Pfalter. AngCp. Sch6nr^. 1490. rep. 1498. 8. 
4) Der Pfalter zu tentfch. Angfp. A. Sorg, 1492. 8. — Nie der dentfch: o. O.n.J. 8. (Ebert. 
18120. Yerfchieden von dem folgenden. Nnr 2Exempl. bekannt; eins beim Senator Culemann 
in Hanoyer). — de Salter to dnde mit der vthlegginge. Lüb. 1493. 4. (Hanover. Kopenh.) 

n. Die Bibelaberfetzung; Luthers, die ans der Urfprache geflogen ift, hat 
einzelne Irrtftmer, die aber weder Wefentliches betreflfen, noch überall in An- 
fchlag zu bringen find und nur deshalb bemerkt wurden, weil fie in dem wich- 
tigsten Buche der neuen Welt vorkommen. Gerade durch diefe wenigen 
Ueberfetzungsfehler tritt die wundervolle Treue des Uebrigen hervor. Nie iTt 
ein Buch der Welt fo meifterhaft übertragen wie die Bibel von Luther. In 
ihr ruht die ganze mächtige Fülle und Gefügigkeit unferer Sprache; die ein- 
fache Kraft, die feierliche Größe, die lautre Klarheit und fefte Sicherheit diefer 
Sprache ift niemals wieder erreicht worden. Auf Luthers Ueberfetzung beruhen 
alle fp&teren, auch die in fremden Sprachen. Mit ihr gewann die Literatur 
der neueren Zeit einen epifchen Hintergrund, auf den nur zurückgedeutet 
werden durfte, um ganze Reihen von Yorftellungen und Empfindungen wie 
durch Zauberfchlag zu erwecken. 

J. M. Götze, Kritik nnd Hiftorie der BibelAberfetsune LAers. Hamb. 1768. — Panzer, 
Oefch. der dent. BibeWberf. Lnthers von 1517—81. Nümb. im. — TeUer. Vollftänd. Dar- 
ftellnng nnd Beurteilung der dent. Sprache in Luthers Bibelflberfetzung. Berl. 1794. n. 8. 

— Q. W. Hopf, Würdigung der Intherifchen Bibelüberfetznng mit Rückfleht auf ältere nnd 
neuere Ueberfetzungen. Ntlmb. 1847. 8. 

Die biblifchen Stücke erfchienen anfUnglich einzeln: 1) Die Sieben pu6* 
pfalm. Witt, Grünenbergk 1517. 4., Straßb. J. Knobl. 1519. 4. — 2) Das 
Alte Teftament. (Pen taten eh.). Vuitemb. (M Lother. 1523.) Fol. — Augsb. 
Melch. Kammiger 1523. Fol. — Baf, Ad. Petri 1523. Fol. — Augsp. Hainr. 
Stainer 1527 f. — 3) Das Ander tejl des alten teltaments. (Jofua— Efther.) 
Vuittemb, (M. Lotther 1524). Fol. — Augsp. Silvan.Otmar 1524. Fol. — Straßb, 
Joh. Knobl 1524. Fol. — Baf. Ad. Petri 1527. Fol. — 4) Das Dritte teyl des 
allten Teftaments. (Hiob — hohes Lied.) Wittemb. (M. Lotther) 1524. Fol. 

— Augsp. 8. Otmar 1525. Fol. — Baf. Ad. Petri 1525- Fol. — Zürich Fro- 
fchowerl525, Fol. — 5) Die Propheten alleDeudfch. Wittemb. HansLuflft 
1532. Fol. — 6) Der Pfalter deutfch. Witt. (M. Lotther) 1524. 8. — Straßb. 
J. Knobl. 1524. 8. — Augsp. H. Stayner 1524. 8. — Nürnb. Petrej. 1525. Fol. 

— Nürnb. Fr. Peypus. 1525. 8. Niederdeutfeh: Witteb. Hs. Luflft. 1525. 8. — 
7a) Das Newe Teftament. Vuittemb. (1522 Sept.). Fol. — Straßb. Hs. 
Schott (1522). 8. — Augsp. Schönsp. 1523. Fol. (Mit den Typen des Teuer- 
dank.) — 76) Das newe Teftament. Vuittemb. M. Lotther. 1522 (Dec). Fol. 
(Neue Ueberarbeitung des Septemberdrucks.) — Bafel Ad. Petri '1523. Fol. 
Baf. Th.Wolff 1523. 4. — Augsp. Silv. Otmar 1524. Fol. — Straßb. Joh. Knobl. 
1524. Fol. — Augsp. Stayner 1528. Fol. — Niederdeutfeh: Dat nyge Teft. 
Witt. M. Lotther. 1523. Fol. — Dat nye Test. Roft. L.Dyetz. 1539. 8. — Die 
ganze Bibel (Teil 1—3. Proph. Apoeryph und NT.) — 8) Biblia d. i. die 
gantze h. Schrifft Deudfch. Mart. Luth. Witt. Hs. Luflft 1534. VI Fol., daf. 
1535. 1536. 1539. 1540. Augsb. H. Stayner 1535. H Fol. ^ 9) AuflTs New zu- 
gericht. Deudfch. M. Luth. Wittb. Hs. LuflTt 1541. Fol. — Niederdeutfeh: De 
Biblia vth der vthlegginge D. Mt. Luthers. Lüb. L. Dietz. 1541. Fol. (Ueber- 
fetzer war J. Hodderfen.) — Wittb. Hs. LuflFt, 154t. Fol. — Magdeb. 1539. 
1545. Fol. — BibUa. düdefch. Barth. 1588. 4. 

Die Auslegung der biblifchen Schriften und die Predigten verzeichnen 
nach den Jahren des Erfcheinens H. v. d. Hardt und Panzer ziemlich voll- 
Händig. Vgl. £. Jonas, Die Kanzelberedfamkeit Luthers nach ihrer Geneiis, 
ihrem Charakter, Inhalt und ihrer Form. Berlin 1852. 8. 

ni. Seine Lieder, die meiftens Kirchenlieder wurden, fchöpfte er «.v^^ ^«t. 
Bibel und aus alten lat. Hymnen; einige enlCtan^^Ti ViÄeta «t iö&» Xaräs«.- 



154 Kirchliche Volksdichtung. 

ftrophen fortdichtend benntste; andere hat er frei ans fich heraus g^fckaffen; 
etliche wenige find polemifcher Art. Es find die folgenden: 

A. im Erfurter Enchiridion 1524. 1) Dies ßnd die heiligen zehn 
gebot. 2J Nu freut euch liehen Chrißen gmein, — 3) Mitten toir im leben ßnd, — 4) 
Gott fei gelobet vnd gebenedeiet. — 5) Gelobet feiflu Jhefu Chrift, — 6J Jhefus 
Chrijl unfer heiland, der von uns den gottes zom wand. — 7) Wol dem der %n GoUea 
furchte ßeht, — 8) Äch gott vom himelfieh darein. — 9) Es fpricht der untoeifen 
mund wol. — 10) Es wolt unz gott genedig fein. — 11) Aus Hefer not f ehret ich zu 
dir . . Es fleet bei deiner macht allein. — 12) Chrift lag in todes banden. — 13) 
Jhefus Chrift unfer heiland der den tod überwa/nd. — 14) Nu kom der heiden hei- 
land. — 15) Kom heiliger geift herre gott. — 16) Chriftum wirfoUen loben fchon. 

— 17) Kom gott fchöpfer heiliger geift. — 18) Ein neues lied wir heben an (nur 
10 Str.; 'Der fchimpf fie nun gereuet hat . . Die afche wil nicht laßen ab^ su- 
erft im walth. gb.). — B. im walthe rfch eng efa ngbuchlein 1524 : 
19) Nu bitten tmr den heiligen geift. — 20) Aus tiefer not fchrei ich zu dir . . Bei 
dir gilt nichts denn gnad und gunft. — 21) Menfi^wUlu leben feliglich. — r 22) Itßt 
frid tmd freud ich far dahin. — 23) War gott mcht mit uns diefe zeit. — 24) GhU 
der vater won uns bei. — 25) Wir gleuben all an einen gott. — C. in : X) eudfche 
Meffe. Wittemb. 1526 fteht 26) Jefai dem propheten das gefchach. — D. 

27) Ein fefte bürg ift unfer gott in Der 130. Pfalm. De profnndis clamaui. 
Auß tieffer not fchrey ic!§^ü dir. Der 46. Pfalm, Dens nofter ref ugiu m et 
virtus. Ein fefte Burg ift vnfer Got. N&rnb. Kuneg. Hergotin. 4B1. S. (WB.281), 
dann in den Geiftlichen Liedern (§. 123 YII, 1) von 1529, worin auch wol fchon 

28) ^Verleih uns frieden gnediglicK (1 Str.) und 29) ^Herr goU dich loben wir' 
enthalten waren. Letzteres erfchien bei Kuneg. Hergotin (WB. 282). 4 Bl. 8. 
£. im klugfchengb. von 1535 ftehen zuerft 30) Vom himel hoch da kom 
ich her. — 31) Sie ift mir lieb die werte magd. — F. Lob vnd preis der lob- 
lichen Kunft Mufica: durch H. Joh. Walter. Wittemb. 153a Aij fteht 32) 
Vorrhede auf alle gute Gefangbucher : D: M: L: 'i^Fr aZiew/rcwrfe«. vgl. Walter. 

— G. in Val Schumanns geiftl. liedern 1539. Bl. 60 zuerft 33) Vater 
unfer im himelreich. (WB. 1084.) — H. 34) E in Lie d f ür die ki nd er, 
damit fie zu Mitterfaften den Pabft austreiben. D. M. L. Offnes Bl. Wittemb. 
1541. 'Nun treibenwir den Pabft hinaus' (WB 430 ; auch 4 Bl. 8. 1546. vgl. Altes 
und Neues. Leipz. 1732. S. 545). — [34 a) Das Judaslied auf Heintzen ge- 
deutet : 'Ah du arger Heintze, was haftu gethan*, Wider Hans Worft. Wittemb. 
1541. 4. Qij.] — I. 35)Einkinderlied,zu fingen wider die Eween Ertz- 
feinde Chrifti vnd feiner heiligen Kirchen, den Babft vnd Türeken etc. D. M. 
L. Wittenberg 1542. 2 Bl. 8., darin 'Erhalt tms herr bei deinem woH* (2 Str.) — 
K. Eyn fchön Lied, Von vnfer heiligen Tauff, u. f. w. 16 Bl. 8. (WB. 441 und 
428), darin: 36) 'Chrift unfer herr zum Jordan kam\ — L. imklugfchen 
gb. von 1543 zuerft 37) Wa^ fürchfla, feirtd HerodeSyfeer. — 38) 'VomhirMod 
kam der enget fchar\ — 39) Der du bift drei in einigkeit. — [40) Warhafftige 
contrafet der Churfurftl. Stadt Wittenberg im Jar 1545. Fol. darauf 'Wie GoU 
das gering nicht veracht'. 12 relmpaare, unterzeichnet: Martinus Luther, doctor. 

— 41) Abbildung des Bapftum durch Mart. Luther D. Wittemberg 1545. vgL 
Serapeum 1841, 36]. 

IV. Aus feinen {ihrigen Schriften nur einige der eigentftmlichften. 

D. Martini Lntheri, lucubrationiim pars ana. qnas edidit nsqne in auomn XX . . Baf. 
1520. Fol. (Inhalt in AL. 1. 94 ff.) DeutTche Schriften bis Mai 1520. (Vgl. AL. l,97ff) 4.— 
Tetttfcher Adel. An den Ghriftelichen Adel tetttfcher Nation: von des ChriTtenlichen ftands 
befTerang. D. Martinus Luther. Wittenberg (1520). 12 Bgn. 4. Niederd. 1520. 4. — De oapti- 
vitate Babylonica Eccieflae. Wittenb. 1520. 4., Aberfetzt v.Mumer.— Von derBeycht. Witten1l>. 
1522. 4. (Panzer 2, 66. 142.) — Von denn geyftlichen vnd kloftergelAbden. Wittemb. 1522. 4. 
Öp. 2, 66, 67^— £yn trew vormanong zn allen Ghrüten: Sich zu vorhdten f&r aolAmbr vnd 
Empörung. Wittemb. 1522. 4. (P. 2, 71). — Uon menfohen leeren zn jneyden. Wittemb. 1528. 

4. (P. 2, 72. 143). — Wider den falfch genanten geiltlichen ftand desBapXtsvnd der Bif ch&ffen. 
(Wittenb.) 1522. 4. (P. 2, 74). — Vom EeUchen Leben. Wittemb. 1522. 4. (P. 2, 75. 76. 148.) 

— Von den gutten wercken. Vuittemb. 1528. 4. (P. 2, 142). — Uon welltlicher vberkeytt, wie 
weytt man yhr gehorfam fchuldig fey. Uuittemb. 1523. 4. (P. 2, 147. 148). — 

Wider die BnUen des Endchrifts. 1521. 4. (P. 2, 9). — Der Garufi. Von dem Endchrift 
.. Wittenb. (1522). 4. (P. 2, 67. 254). — Bulla Cene Domini: das ift .. Wittemb. 1522. 4. (P. 

5, 68 f. 165). — oenttang der zwo grewlichen Figuren BapOerels zu Rom vnd Munchkalbs 
gn Freyberg jn Meyffeji tanden. wittemb. 1583. 4. (P. 8, 164.1^bV — I>«a \»«X»teaa luiV l%iu«&. 



Buch 4. §. 121. 122., 155 

gliedern (1526). 8. (P« 2. 434. Nr. 3024). — Wider die Mordifchen vnd Benbifchen Botien der 
Bawren. "Wlttemb. 1525. 4. (P. 2, 369 ff.) — Bin Sendbrieff von dem harten bAchlin Widder 
die bauren. Wittemb. 1525. 4. ^. 2, 871 f.) — Ein fchrecklich gefchicht vnd gericht Gottes 
über Thomas Miintzer. (1525.) 4. (P. 2, 372). — Warnung D. M. Luthers an feine liebe Dent^ 
fchen. Wittenb. 1531. 4. Waminge, An fyne leuen Dddefchen. Wittemberge. 1581. 8. (Die 
Schrift wurde aufgekauft und verbrannt). Wittenb. 1541. 4. — Wider Hans Worft. Wittemb. 
1541. ^ Wittenb. 1541. 4. — Wider das Bapftum zu Born vom TeuflFel geftilTt. Wittemb. 1545. 
4. — Widder den newen Abgott vnnd allten Teuffei der zu MeyfTen foll erhoben werden 

glenno]. Wittemb. 1524. 4. &*• «, 258—260). — New Zeitung vom Bein. 1542. 4. (HB. 495). 
r. M. Luthers Newe Zeitung vom Bein 1542. Eine Flugfchrift gegen das Heiligthum des 
Kardinals Albrecht. Wiederaufgef. u. hrsg. v. Dr. G. Schwetfehke. Berl. 1841. 8. 

Den An^erwelten lieben Freunden gottis zu Bighe, Beuell vnd Tarbthe ynn Lieffland. 
Wyttemb. 1528. 4. (P. 2, 154). — Eyn brieff an dieChriften ym Niderland (1623). 4. (P. 2, 166). 
— Ein criftlicher troftbrieff an die Miltenberger. Wittemb. 1524. 4. (P. 2, 256). — Von B. 
Henrico ynn Diedmar verbrand. Wittemb. 1525. 4. (P. 2, 360 f.) — Der Actus vnnd hendlung 
der Degradation vnd verprennung .. ds ChrlTOiche dreyen Bitter vnd Merterer» AuguTtiner 
ordes gefchehen zn Bruffel Anno 1528 prima Juli). 4 Bl. 4. HB. 420. — 3 Bl. 4. P. 2, 188. — 

An die herren Dentfchs Ordens, das (y falfche keufchheit meyden, vnd zur rechten 
Beliehen keufchheit greyffen, Ermanüg. Wittemb. 1524. 4. (P. 2, 255 f-) — An die Badherrn 
aller ftedte deutfches lands : das fle Chriftliche fchulen auffiriehten vnd hallten foUen. Wittembi. 
1524. 4. (P. 2, 261 f.) — Deudfch Catechifmus. Wittemb. G. Bhaw. 1529. 4. (HB. 468). -r- De 
Dddefche Catechifmus Hart. Luth. G^rucket tho Wittemb. dorch G. Bhaw 1529. 8. (Wolfenb. 
902. 1 Theol. 8.) 

Vom Kriege widder die Türcken. Wittemb. 1529. 4. — Eine Heerpredigt widder den 
Tttrcken. Wittemb. 1529. 4., 1580. 4., Augsb. H. Stainer 1542. 4. — Vermanunge zum Gebet, 
Wider den Türeken. Wittemb. 1541. 4. 

Ein newe Fabel Efopi. Newlich verdentfcht gefunden. VomLawen vndEfel. 1528. 9B1, 
4. (HB. 465. Hanover.) — o. O. u. J. 4. 

Etliche Fabeln aus dem Efopo verdendfcht, fampt einer fch6nen Vorrede von rechtem 
Nutz vnd Brauch deffelben Buchs. Anno 1530. Fol. (16 Fabeln. Wieder gedruckt in den Wer- 
ken 1566. V, 298. 1575. V, 298 und in Chytr&ns Fabelfamlung vgl. §. 156. 

§. 122. 

Luthers perfdnlicheB Wirken war fchwer von der allgemeinen Gefchichte 

der Zeit zu trennen. Eine große Anzahl von Schriften in Vers und Profa, 

von Freunden und Gegnern, behandelt den gemeinfchaftlichen Stoff. Hier nur 

eine Auswahl deffen, was fich enger an Luthers Perfon halt. 

Dr. M. Luther und die Beformation in VolksUedem. Von Joh. Falk. 1880. 8. Vgl. Hau- ' 
man §. 123, Emfer §. 134, Hütten §. 184, Styfel §. 134, Walter §. 180, Alberus §. 156, Hirtzwig 
§. 113, 72, c, Cuno §. 145, Bivander fi. 145, Binckart §. 147, Echo §. 145, Lemnius §. 118, 18. 
Urb. Begius §. 127, 3, G. Kern §. 127, 13, Mumer §. 133. Vgl. Hagens Germ. 7, 375. 

1. Ain Bericht wie Doctor Martini Luther von erften hinder föllichen 
fchw&ren handel kumen fy vn was in darzu geurfacht vnd bewegt hat. Ain 
klag zu gott dem herren gereimpt. Von Paulo vnd ander leer bezeugt Yber 
die gaiftlichen dz ilt war. Vollendt im XXI jar. Doch laut die klag nit auff 
die frumen Gemacht Hans wallfer zum rotten brunnen. 14 Bl. 4. (P. 2, 33, 
Wolfenb. 289. 4. Q. 4. (Tetzels Ablaßkram). — Ain bericht Wie .. 1521. 12 Bl. 
4. (HB. 1494). — 

2. Ob einer wilTen wolt wie der hieJß Der düTen fpruch auß gen lieB 
Das hat gethon ein frejer ftudent AuJß vrfach Das man luther feine bücher 
hat yerbrent. (am Schlüge: Loi gemigger von heinfeit). 6 Bl. 4. (HB. 1492. 
Wolfenb. Q. 172. 2.) — b) Zu lob dem Luther vnd eeren der gantzen Chriften- 
hait. Wollt yemant wißen wie der hieß, der difen fpr]^ch außgon ließ Das hat 
gethon Laux Gemigger ftudent Auß vrfach, dz man des Luthers böcher hat 
verprent. 6 Bl. 4, (Wolfenb. 151. 25 Theol.) — c) Zu lob dem Luther vnd 
eren der gantzen Chriftenhait, Wölt ainer wiffen , . 6 Bl. 4. (Wolfenb. 289. 
4. Q. 4.) 

Ein SendbriefF von einem jungen Studenten su Wittenberg an feine Eltern im land m 
Sehwaben, von wegen LutheriTcher Lehre, zugefchriben im jar 1523. 4. (Wolfenb.) 

3. Das ift der hoch thuren Babel, id eft Confuiio Pape, darinn Doctor Luther 
gefangen ift (Joh. Rhonanns 1521.) 40 Bl. 4. (HB. 583. P.2,29. Ueber Luthers 
Entführung, die dem Cardinal Aleander zugefchrieben wird.) 

4. Ein kurtz gedieht, fo nüwlich ein thurgöwifcher Pur, Docter Martin 
Lutter vnnd finer leer zu lob vnd fyne widerwerttigenn, zu Spott gemacht hat. 
4 BL 4. (HB. 1490.) 

5. Eyn fch6n reygenlied im thon, KuCticuB ama^JÄ«^^ "S^^^öw^vs^ 

dnrch UeyÜer Hemerlin jm berg Ethna fDer Bcibjl ruffl Küu^ wä, ^«^^«^ '^^'^ 



156 « Kirchliche Volksdichtung. « 

3 Bl. 8. (WB. 150. Weimar 14, 6: 60 d. 19.) — b) Ein fch6n Beyenlied .. 
Chrültlingen 1584. 8. — c) Ein hübfch new lied von dem Bapfbumb .. (nm 
1584). 8. ' 

6. Hie jnnen findt man gefchriben fton, Zu eeren gemacht teütfcher 
nation, In welcher entfpringt ein doctor werdt, Der fein leer gante heyter 
erclert, Martinas Lnther ift er genant, Zu troft vn6 gott jn hat gefandt. HKO. 
1523. 8 Bl. 4. (WB. 124. Wolfenb. 96. 20 Theol. 4.) 

7. Eynn bergkrey vonn Martini Lnthers lere anff die Melodey ich ftnnd 
ann Eynem Morgenn tc. 8 Bl. 8. (Leipziger Druck. G^gen Luther. Weimar 
14, 6: 60 d. 17.) 

8. Doctor Martinas Luthers Pa£fion oder Leiden durch Mareellnm be- 
fchriben. 6 Bl. 4. (Profa; gegen Luther. HB. 617.) 

9. Briederlich zuermanen alle Chriftenliche hertzen, die^eyl Gotsleftrung, 
trutzliche Verachtung der waren mütter Gottes Marie . . durch yffirbige 1er 
alle Teütfche land beleftiget, ift diß nachuolgend Dicht vffgericht vnd gemacht 
worden. Vnd fingt maus wie den Reyter orden. (0 Gott, du hbchftea guUe, y. 
Mich. Haag). Freyb. i. Br. Job. WörUn 1525. 6 Bl. 4. (WB. 208. Gegen Luther 
und die Reformation). Vgl. WB. 1076. 

10. Van deme fchentlijken . . Wyfnemen Martini Luthers eyn fuuerlike 
ledeken (Wcts han ick dummer monnich gedaan), Hamb. hift. Zeitfchr. 1847. 2,232. 

11. Eyn mercklick gedieht, nyges gemaket van deine vorgyflFtigen ketter 
Matino Luther (Nu wdket vp gy Chrijhn alle). Hamb. hift. Zeitfchr. 1847. 2, 256 ff. 

12. Nu wÜ ji hbren een nye gedieht, wat de LuUerfchen hebben täkgerieht . . 
Berckmanns Stralfunder Chron. hrsg. v. Mohnike. 1833. 8. 227. Soltau S. 278. 

13. Epitaphivm des Ehrw. Herrn vnd Vaters Martini Lutheri .. des reinen 
waren Evangelii treuen lerers vnd predigers. 1546. Gott vnd fein Wort bleibt 
ewig ftehn Des Babft gewalt wird bald vergehn. Wittenb. Bhaw. 8 Bl. 4. (ZV 
Eisleben iß mein Vaterland.) —- Vgl. HB. 1523. 

14. De viro fancto .. Auf das Chriftliche Abfterben des heil. Theologen 
D. M. Luthers. Durch M. J. Stigelinm. Wittemb. 1546. 4. (Wolfenb. 88. 4. Q. 4.) 
— b) In Apotheofin .. Durch M. J. StigeUum. 1546. 4. (HB. 1521.) — Vgl. 
§. 128, 85. 

15. Hiftoria vom Chriftlichen wandel vnd feiigem Ende . . D. M. Lutheri 
.. durch Francifcum Scharfchmied. Wittemb. 1546. 8BI. 4. (HB. 1522. Wolfenb.) 

16. Ein fch6n Chriftlich Lied, von dem Ehrwirdigen Herren, Doctor 
Martine Luther, vnd feiner Lere. 1546. Gemacht vnd Componieret, durch M. 
Johan Pridriehen Petfch, zu Wittemberg. (Seid from jhr lieben Chrißen,) 4 Bl. 4. 

17. Von D. Martini Luthers fterben, ein fch6n new Lied, darin kürtzlich 
begriffen, was er in der letzten zeit geredt, fehr tr6ftlich allen Chriften, durch 
Leonhardt Retner von Hersbruck . . Im thon, Ich rM zu dir Herr Jefti Chrift. 

4 Bl. 8. (WB. 494.) — b) Ein fch6n new Liede, von herrn D. Martini Luthers 
fterben. . . Nürnb. G. Wächter. 4 Bl. 8. (WB. 491.) — c) o. O. 1546. 4 Bl. 8. 
(Berlin F. 9494, 4. WB. 493; wiederholt in der Saml. v. alten und neuen 
theol. Sachen. 1732, 546,) — d) Nürnb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 492.) — 
e) Nürmb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 1090.) — f) o. O. u. J. 4B1. 8. (dabei 
*Ein Epitaphium odder klagred ob der Leich D. M. Luthers ; von Hans Sachs.^ 
WB. 495.) — g) Dry fch6ne neuwe geiftlicbe Lieder, Das erft, ein klagUed 
von dem abfterben .. Job. Brentzen .. 11. Sept. 1570. Das ander, Von 
Herrn D. M. Luthers fterben . . Das dritt, Von des Herrn D. Juftus Jonas 
feiiger abfchied [*Des herren unfers gottes wort*; auch in Kolers HausgeftUigen 
1, 22 : Akroftichon : Des herrn doctor Jußtis Jonas feiiger ahfchied] Zu end ein 
klagred der Theologia, ob dem abfterben Dr. Luthers, durch Hans Sachfen. 
Straßb. Thieb. Berger. 8 Bl. 8. (HB. 1160. Ketners Lied: Nun hbrt jr Chrißen 
newe Tnär, Die jch euch fing mit fchmertzen). 

Vgl. Ketners Abrige Lieder §. 127, 48. 

18. Klag vnd Troftfpruch von dem Chriftlichen abfchied des Herrn D.M. 
Z^aHi, (von CMaeus Sehnanß in Coburg. 1546. BeCchT^ibendes Gedicht.) 8. 
Vg'l §. i39. 



Buch 4. §. 122. 123. 157 

19. Ein Lied von des fei, Lutheri Todt. (Martimia iß nicht ge/chtüigen, JEs 
iß noch weit daruon,) o. O. 1546. 4 Bl. 8. (Wiederholt in: Saml. y. Alten u. 
Neuen theol. Sachen. Leipz. 1732, 540 ff.) — Andrer Druck in Hagens Ger- 
mania 7, 378. • 

20. Ein fchSn geiftlich Lied auf das Juheljar vnd lutherifch Freudenfeft. 
Ln Thon: Erhalt vns Herr bey deinem Wort. ^. O. 1617. 8. 

21. Ein fch6n. geiftlich Lied fo auff das erfte eyangelifche Jubelfeft anno 
1617 gemacht. Im Thon: Wie fchön leuchtet der Morgenftem. o. O. 8. 

§. 123. 

Der Orundton dei: Dichtung diefes Zeitraumes klingt im Rirchenliede und 
dem. erbaulichen Gefange, die mit allgemeinfter Teilnahme und nachdrücklicher 
Ausdauer gepflegt wurden. Manche Lieder wurden auf einzelnen offnen 
Blättern verbreitet. Von Magdebui'g wird erzählt daB dort ein alter armer 
Tuchmacher am 6. Mai 1524 die Lieder 'aus tiefer not fchrei ich zu dir' und 
*es woU uns gott gen&dig fein' feil bot und dem Volke vorfang. (WBj^ 133). 
Solche Liederblätter haben fioh erhalteir unter andern von: 

Erhard Hegenwalt ^Erbarm dich mein o herre gott' (WB. 134) > Heinrich 
Vogtherr *aus tiefer not fchrei ich zu dir, gott woUft dich mein erbarmen' 
15•^4 (Wilken Heidelb. Hs. N. 793, 6. WB. 136). *0 herre gott ich ruf dich 
an' (WB. 144) ; *Nun merckt jr chrifken leute' (WB. 143) ; *HeiUge dreifaltig- 
keit' (WB. 146); 'Lobt gott jr chrifken alle' (Wtf. 147); *Ach gott laß dich 
erbarmen' (WB. 142)5 LÄg her wie fchwach iß min gemAt' (WB. 152); 'Nu 
freut euch lieben chriften gmein' 1524 von Luther (WB. S. 461); 'Gelobet 
feiftu Jefu Chrift* von Luther (WB. 154)5 *J©^8 Chriftus unfer heiland' von 
Lather (WB. 155); 'O Jefu zart' 1524 von Hans Sachs (Wilken. Nr. 793, 21. 
WB. 164)5 Chriftum vom himel ruff ich an' 1524, von Hans Sachs (WB. 165); 
'Ich bjn fchabab, kain freüd ich hab, die weit hat Gotes werck verkert' 1525 
(WB. 195); *Habt ain weyl ruw* 1525 (WB. 196)5 *0 Gott in trinitate' 1525 
(WB. 19*4^ 'Gefang wil mir nit la|3en ru' von Raphael (WB. 198)5 '^'^^ war- 
halt thut mich zwingen' (WB. 203)5 I" Hailman 'Lobt got jr fromen chriften' 
(WB. 243 fchwerUch vor 1526). 

Die durch Luther veranlaßten, teils felbft zufammengefkellten teils durch- 
gefehenen GefangbAcher und die nicht immer treu wiederholenden Buchhändler- 
Unternehmungen. 

L 1) Etlich Criftlich lider Lobgefang, vn Ffalm, dem rainen wort 
Gottes gemeß, auß der heylige fchrifft, durch mancherlej hochgelehrter ge- 
macht, in der Kirchen zu fingen, wie es dann zum tayl berayt zu Wittenberg 
in ftbung ift. Wittenberg. M. D. xxiiij. 3 Bgn. 4. (WB. S. 462. Wolfenb. 127. 
20 theol. 4. Nr. 11). Enthält die Lieder von Luther 2, 8, 9, 11, von Speratos 
i\ 2, 3, und *Li Jefus namen heben wir an.' — 2) Etlich Criftlich lider Lob- 
gefang, vnPfalm .. Wittenberg. M.D.Xiiij. 3 Bgn. 4. (WB. S. 463. 6. Wolfenb. 
236. 3. Quodl. 4. p. 5048. 11; fchr. B.) — 3) Etlich CriftUche Ijeder Lob- 
gefang, vnd Pfalm .. Wittemberg. M.D. xxiiij. 3 Bgn. 4. (WB. S. 463. 7). — 
3 a) abdruck von Nr. 1 in J. Chrftph. Olearius jubilierender Liederfreude. 
Amft. 1717. 

n. 1) Eyn Enchiridion oder Handbuchlein .. zur ftetter vbung vnd 
trachtung geyftlicher gefenge vnd Pfalmen, Kechtfchaffen vnd kunftlich ver- 
tentfcht . . (Erffurd, yn der Fermente^ gaffen, zum Ferbefaß. M. D. xxiiij). 3 Bgn. 
8. (WB. 157). Enthält 25 Lieder, darunter von Luther 1— 185 von Speratu« 
mit deffen Namen 1 — 35 von J. Jonas 1, Hegen walt 1, £lifab. Creutziger d. i« 
H.Bonn 1 , und 1 anderes. — 2) Eyn Enchiridion .. Erffurt in der Fementer gaffen 
zuFerber Faß. M.D. xxiiij. 2V2Bgn. 8. (WB. 158). — 3) Enchiridion .. Erffurt 
zcum Schwartzen Hornn. M.D. xxiiij. 3 Bgn. 8. (WB. 159). — 4) Enchiridion.« 
Erffordt, zum Schwartzen Hom. M.D xxiiij. 6 halbe Bgn. 8. (WB. isa\, — ^S 
Enchiridion .. Corrigirt .. Nürmberg durch "HiMia "RetT^XX. V5JÄi. "SX^®^. '^^ 
(WB. 179). — 6) Enchiridion .. Corrigirt . . TJtei^«« ^utOci '^wÄ ^««%^^^. 



158 Kirchliclie Volksdichtimg. 

1525. 25 Bl. 8. (WB. 180). — 7) ETliche ChriftUche Gefenge vnd Pfalmen, 
welche vor bej dem Enchiridion nicht geweft find. o. O. 1525. (WB. 173). — 
7 a) Abgedruckt i^ Nr. 7 in Olearins jubilierender Liederfreade. — 8) Eyn 
Gefang Buchlien Geyiltlicher gefenge Pfalmen . . (Breflaw durch adam dyon 
am mitwoch nach oftem 1525. Winterfeld 1, 134 WB. 183). 

in. 1) Geyfitliche gefangk Buchleyn. Tenor. T^ttemberg 1504. 
[Baffus 1524.] 49 Bl. q.6. (WB. 163. Winterfeld 1,125 f. Enthält 32 Lieder, Luthers 
1 — 10 und 12 — 25; Speratus 1 — 3, Hegenwalt, Creutziger d. i. Bonn, Styffel 1, 
Spengler 1, Hans Sachs 1). — 2) Geyftliche Gefangbüchlin, Erftlich zu Witten- 
berg, vnd volgend durch Peter fchöffem getruckt. 1525. q. 6. (WB. 175). — 
3) Wittenbergifch Gefangbüchli durch JohanWaltem . . vff ein newes corrigiert 
. . 1537. (Argentorati ap. Petrum SchoBffer. Et Mathiam Apiarium). q. 6. (WB. 
358). — 4) Wittembergifch "deudfch Geiftlich GefangbAcMein. Mit vier vnd 
fünff ftimmen. Durch Johan Walthern, . Churfurftlichen von SachTfen Senger- 
meirtern, auffs new . . corrigirt . . Wittemberg, durch Georgen Rhaw. 1544. 
q. 4. (WB. 470). — 5) Wittembergifch deudfch Geiftlich GefangbÄchlein .. 
Witt^berg durch Georgen Rhawen. 1551. q. 4. (WB, 636). 

rv. 1) Eyn gefang Buchleyi]^, welche man yetsund ynn Kirchen ge- 
brauchen ift. (Zwickaw 1525). 7 halbe Bgn. kl. 8. (WB. 178 enthlUt 21 Lieder, 
Luthers 10, 2, 20, 25, 6, 15, 17, 1, 7, 8, 9, 3, 4; Speratus 1, Jonas 1, Styffel 1, 
Kohlros 2 und 3 andere). 

V, 1) Enchiridion geiftlicher gefenge fo man yetst (Gott anS lob) 
yn der kirchen fingt . . Wittemberg 1525. 4^/2 Bgn. kl. 8 (WB. 174. Hardt, 
tmtogr. Luth. 1, 215, enthält 26 Lieder, Luthers 19, 1, 2, 25, 3, 4, 6, 7, 8, 9, 

11, 10, 14, 16, 13, 12, 15, 17, 18; Speratus 1, Creutziger d. i. Bonn 1, Styfel 
1, Jonas 1, Greiter 1, u. noch 2). — 2) Enchiridion .. (Erffnrd durch Johannem 
Loerffelt zu der Sonne bey S.Michel). 27 BL 8. (WB.221 Wolfenb. 1163. Ö.Th. 
8. p 4681). — 3) Enchiridion . . 1526 (Erffurd durch Johannem Loerffelt). 4 
Bgn. 8. (WB. 1080 S.466). — 4) Enchiridion .. Erffurd 1526 (durch Johannem 
Loerffelt). 4 Bgn. kl. 8. (WB. 219. Wolfenb. litt. Sax. infer.) — 5) Enchiridion 
. . (N&rmberg durch Hans Herrgot 1527). a (WB. 252). — 6) Bncl^dion . . 
(Mrmberg durch Hans Herrgot. M. D. xxvij). 8V2 Bgn. 8. (WB. 253), — 7) 
Enchiridion geiftlicher gefenge vn Pfalmen, für die leyen . . gebeffert. Sampt 
der Vefper . . 1528. (zwickaw durch Hans Schonfperger den alten 1528). 11 
Bgn. 8. (WB. S. 466. 9. Wolfenb. 1196. 6. Th. 8.) — NiederdetUfche Ausgaben: 
8) Enchiridion Geiftlike Lede vnd Pfalmen . . Lübeck, Job. Balhom. 1545. 
15 Bgn. 12. (WB. 475). — 9) Enchiridion Geiftliker Gefenge vnde Leder. 
(LÄbeck, d6rch Jürgen Richolff. 1556). 15 Bgn. 12. (WB. 730). — 10) Enchi- 
ridion Geiftliker Leder vn Pfalmen (Hamborch, d6rch Johann Wickradt den 
JÄngern. 1558. 15 Bgn. 12. (WB. 754). — 11) Enchiridion Geiftliker Leder 
vnde Pfalmen ,. Witteberch 1560 (dorch Georgen Ruwen Eruen 1560). 31 Vt 
Bgn. 8. (WB. 770). — 12) Lübeck, Richolf 1564. 15 Bgn. 12. (WB. 857). — 
13) Hamborch, Jochim L6w* 1565. 13 Bgn. 12. (WB. 866). — 14) Magdeborch, 
Wolffgang Kirchener 1567. 24 Bgn. 8. (WB. 887, Wolfenb. 148. 1. poet. a 
Berlin aus Heyfes faml. 1191). — 15) Magdeborch, W. Kirchener. 1571. 16 Bgn. 

12. (WB. 924). — 14 daf. 1589. 30 Bgn. 8. 

VI. 1) Geyftliche gefenge, fo man ytzt (Qott zu lob) ynn der kir- 
chen fingt. Vuittemberg 1525. (Erffurt durch Wolffgang Sturmer). 4 Bgn. 8. 
WB. 182. Wolfenb. 1162. 5. Th. 8. p. 4680? Enthält 34 Lieder: Luthers 19, 
1, 25, 3, 4, 6, 7, 8, 23, 9, 20, 10, 12, 13, 17, 15, 14, 16, 21, 22, 25, 24; Speratus 
1 — 3; Creutziger; Jonas 1; Hegenwalt; Styfel 1; Spe ngle r 1; Agricola 1; 
Hans Sachs 2.). — 2) Erf. zum Schwarzen Hom 1527. (WB. 247), 

vn. l)#eiftliche Lieder auffs new gebeffert zu Wittemberg. D. Mar. 
Luther. M. D. xxix. A bis U Bgn. kl. 8. 

*64 lieder mit noten. Ein new vorrede Mar. Lntli. 'Nun haben Ach etliche* . . Luthers 
lieder nach älteren lateinifchen. etliche Pralm; darunter bl. Fiij Ein vefte Burg ift. 4 ftr. 
lieder von Jitlt. Jonas, Erh. Hegenwald, Joh. Agricola, Las. Spengler, Adam ▼. Fulda, den 
beiden markgrafen zu Brandenburg, Cafimir und Georg, Andr. Knöppen und EliT. Creuad^erin. 
die heil, lieder mos der heü. fchrift, To die Patriarchen uuäp PTO\>^QtATV 'vor lelten gemaoht 
hsben; in Mblbbnitten, mit noten, reimlos, alphabetyiohea te^IVtlst. QAdx«LA^ va''?9VtN«BiMät% 



Bueh 4. §. 123. 159 

dnrch Jofeph Elng. 1589.* Q. E. W. im joiirnal Ton und für Deutfchland. 1788. S, 828 f. WB. 
280. das gefangbuch ift bisher noch nirgends wieder nachgewiefen. 

la) Geiftliche Lieder und Pfalmen durch D. M. Luther zufammeng^bracht 
anno 1529. Tübingen 1830. 8 — 2) Geiftliche Lieder. Wittemberg 1533, — 2a) 
abgedr. in Cyprians hauskirche. Gotha 1739. 8. (WB. 315). — 3) Geiftliche 
Lieder. Wittemberg durch Jofeph Klug. 1535. 198 Bl. 16. (WB. 328). — 4) 
Leipzig, Valent, Schuman. 1539. 8. (WB. S. 470 f.). — 5) Nürnberg, Hans 
Guldenmundt. o. J. 16. (WB. 1085 S. 472 f.). - 6) Magdeb., Mich. Lotther 
1540. kl. 8. (WB. 408). — 7) Magdeb., Mich. Lotther 1540. kl. 8. ohne die 
deutfche meffe. (WB. 409). — 8) Leipz. Val. Schuman. 1542. 15 Bgn. 8. 
(Biederer, nachr. 1, 455. WB. 439). — 9) Wittemberg, Jof.Xlug. 1543. 25 Bgn. 
8. (WB. 462). — 10) Leipz. 1543, — 11) Wittemb. Jof. Klug 1544. 25 Bgn. 8. 
(WB. 462 S. 188). — 12) GeyfÜichf Lieder. Mit einer newen vorrhede, D.Mart. 
Luth. Leipzig (Valentin Babft in der Ritterftraffen. 1545). 35 Bgn. 8. (Göttin- 
gen, Weimar, BerUn. AL. 1, 480. 481. WB. 479). — 13) Leipz. Mich. Blum. 

1546. 8. (WB. 497). — 14) Magdeb., Mich. Lotther 1546. 8. (WB. 498). — 
15) Leipz., V. Babft. 1547. 35 Bgn. 8. (WB. 523). — 16) Leipz., Val. Babft 

1547. 8. (WB. 569). — 17) Erfiurdt durch Melcher Sachffen 1550. 19 Bgn. 8. 
(WB. 585). — 18) Leipz. Val. Babft 1551. 8. (WB.635). — 19) Magdb., Mich. 
Lotther 1553. 18 Bgn. 8. (WB; 647). — 20) Leipz., Jac. Berwaldt. 1553. 25 
Bgn. 8. (WB. 648). — 21) Leipz. Val. Babft. 8. (WB. 649). — 22) Leipz., 
Val. Babfts Druckerei 1555. 8. (WB. 696). — 23) Leipz., Jac. Berwald. 1555. 
40 Bgn. 8. (WB. 698). — 24) Leipz., J^c. Berwald. 1556. 8. (WB. 727). — 
25) Leipz., Val. Babft. 1557. 43 Bgn. 8. (WB. 736). — 26) Leipz., Jac. Ber- 
wald 1557. (WB. 1098). — 27) N&rmberg durch Gabriel Heyn. 1557. 43 Bgn. 
8. (WB. 747. Berlin aus Heyfes faml. 1187). — 28) NArmberg, Gabr. Heyn 
1558. 43 Bgn. 8. (WB. 748). — 29) Leipz., Jac. Berwald 1558. 8. (WB. 749). 

— 30) Leipz., Val. Babfts Erben 1559. 8. (WB. 758). — 31) Leipz., Jac. Ber- 
wald. 1560. 8. (WB. 774). — 32) Leipz., Babfts Erben. 1561. 8. (WB. 827. 
Hanover). — 33) Leipz , Jac. Berwald 1561. 8. (WB. 828). — 34) Nürmberg, 
Valentin Neuber 1561. 43 Bgn. 8, (WB. 829). — 35)# Witteberg, Lorentz 
Schwenck. 1562. 24 Bgn. 8. (WB. 838). — 36) Frankf. a. d. O., Job. Eichom 
1562. 26 Bgn. 8. (BW. 839). - 37) Leipz., Erneft Vögelin 1563. 35 Bgn. 8. 
rWB. 846). — 38) Eisleben, Vrban Gaubifch 1564. 16 Bgn. 8. (WB. 864). — 
39) Leipz., Jac. Berwald. 1565. 8« — 40) Leipz., AndreJß Richter, typis Voege- 
Hanis. 1566. 8. (WB. 873). — 41) Nürmberg, Nicol. Knorr. 1566. 26 Bgn. 8. 
(WB. 880). — 42) Leipz., Val. Babfts Druckerey. 1567. 43 Bgn. 8. (WB.889). 

— 43) Frkf. a. d. O. Eichhorn 1568. 8. — 44) Nürnberg, V. Newber. 1568. 
44 Bgn. 8. (WB. 895). — 45) Leipz., Erneft. VogeUn 1569. 35 Bgn. 8. (WB. 
901). — 46) Nürnberg, Val. Newber. 1570. 44 Bgn. 8. (WB. 914). — 47) Frkf. 
a. d. O., Job. Eichom. 1570. 28 Bgn. 8. (WB. 929). — 48) Leipz., Hanß Stein- 
man. Typis Voegelianis. 1573. 35 Bgn. 8. (WB. 933). 49) N'ürnberg, V. Newber 
1573. 44 Bgn. 8. (WB. 935). - 50) Nümb., V. Newber 1579. 8. (WB. 959). 

— 51) Leipz., Job. Beyer 1583. 30 Bgn. 8. (WB. 975). — 52) Frkf. a. d. O., 
Andreas Eichom. 1589. 28 Bgn. 8. — 53) Brefslaw, Georgius Bawmann. 1597. 
26 Bgn. 6. (WB. 1013). — 54) Magdeb., Andr. Gene, in vorleginge Ambro^j 
Kirchners. 1594. 30 Bgn, 8, (WB. 1032). — Niederdeutf che Ausgaben : 1) Geyft- 
like leder, vppet nye gebetert tho Wittemberch, dorch D. Martin Luther . . . 
Gedr&cket tho Magdeborch by Hans Walther. M. D. xxxiiii. XBgn. 8. (Joach 
SlÄter, von dem die Vorrede ift, ftarb fchon 1532. WB. 325. Wolfenb. 1185. 
13. theol. 8.) — 2) Magdeb. 1538. (Hardt, autogr. Luth. 1, 363 f. WB. 370). 

— 3) Magdeb. 1540 (WB^410). - 4) Magdb. 1543 (WB. 454 S. 475). — 5) 
Bofl»ck 1543 (WB. 455). — 6) Magdeb., Ambrof. Kerckener 1559. 19 Bgn. 8. 
(WB. 755). — • 7) Olden Stettin, Andreas Kellner. 1576. 61 Bgn. 8. (Winterfeld 
1, 330. WB.949). — 8) Roftock, Auguftin Ferber 1577. 18 Bgn. 12. (WB.953). 

— 9) Olden Stettin 1584. 8. (Kgl. Bibl. in Hanover). 

Vlll. 1) Chriftliche G e f e n g Lateinifch vnd Deudfch, zum Begrebnis. 
D. Martinus Luther. Wittemberg 1542 (durch Jof. Klug^. SO B\. %, ^^^^esti.^ 
ift bei der Signatur übergangen (WB. 440). — T^ ^\\.VJö.,YX\v^ Vb^. — *J^ 
l,eipB„ J, Berwaldt f552 (WB. 642). — 4) «wb. Ä. ^. ^«t^ ^xv^NVt.^^^^'«^ 



160 Kirchliohe Volksdichtang. 

1560 (WB. 775). - 5) Nürmb. 1560 (WB. 792). - 6) Nünnb. 1560 (WB. 
793). 

Allgemeine für die Kirchen augsburgifcher Confeflion beftimmte Bam- 
Inngen. 

Kirche Gef&ng, Aus dem Wittenbergifchen vnd allen andern heften 
Gefangb^ichem . . 1569. Franckf. a. M. d. Johannem Wolffinm. 363 BL Fol 
(Drei Ansgaben. WB. 903. Clefe 2, 80). — rep. 1570. 46 Bgn. 12. (WB. 911. 
Clefs 2, 80). — Kirchen Gefäng .. AvlQ dem Wittenbergifchen vnd andern 
den heften Gefang böchern gefamlet . . Durch M. Eucharium Zinckeifen, Pfar- 
herrn zu Langen . . Franckfort, In Verlegung Sigmund Fejrabend 1584. 420 
Bl. Fol. (WB. 979). - rep.* 1585. 30 Bgn. 12. (WB. 985. Clefs 2,34). 

§. 124/ 

Neben den allgemeineren Gefangb&chern entftanden f&r einzelze Gemein- 
den dergleichen Samlungen, deren Grundlage Luthers und feiner Freunde 
Lieder waren. Lutherifche und reformierte Dichter fteuerten bei; die in der 
kirchlichen Polemik herbe Scheidung fand auf dem Gebiet der Hjmnologie 
wenig Boden. Alte katholifche Gedichte, Lieder der m&hrifchen Br&der, Ge- 
fänge von Widert&ufern, Martyrlieder und von allerlei Sectierem wurden ohne 
ftrenge Auswahl aufgenommen. Aus fliegenden Blättern giengen Lieder in die 
Gefangbücher und aus diefen wieder in fliegende Blätter Aber. Erllt in der 
zweiten Hälfte des Jahrhunderts drang ein gewiffer confeflioneller PurismuB 
ein, war aber nicht mächtig genug, um die althergebrachte Gütergemeii^fchaft 
der Gefangbücher g^ründlich und durchg^reifend zu befeitigen. Schweizer Ge- 
fangbücher müßen mehre jetzt unbekannte vorhanden gewefen fein, aas denen 
die Lieder von Ko^oß 3 u. 4, und Jac. Fünckelins Gefänge in d^e fp&teren 
Bücher übergiengen. Von P. Eber erfcheint ein Lied nach feinem Tode zuefft 
in Kopenhagen. Die Sicherheit in Beftimmung vieler Autorennamen ilt noch 
immer nicht vollftändig. Auch Aenderungsverfuche treten fchon frühe ein, 
felbft in Luthers *£in vefte bürg* haben die GeifUichen vermeintlich gebeßert 
Die Niggenrader kerkenordeninge 1564 beßert de olde hhfe viend u. f. w. an- 
fkatt der alt hhfe feind (WB. S. 330 b.). 

1) Eyn weyfe Chriftlich Mefs zu halten vnd zum tifch Gottis zu gehen. 
Mart. Luth. Vuittemberg. 1524. 17 Bl. 4. (WB. 1077 S. 465). — Ein wejfe .. 
Martinus Luther. Württemberg. 1524. 19 Bl. 4. (WB. S. 465). 

Ein weife chrifüich Meß zuhalte vn zum tifch Gottis zu gehen. Mar. Lutiier. 
Wittemberg. 1524. 25 Bl. 8. 

(Mit den Liedern *Es wolt vns gott genedig fein' voi^ Luther, und 'Frolich 
wollen wir Alleluia fingen' von J. Agricola). 

Deudfche Meffe vnd Ordnung Gottis dienfts. Wittemberg. 1526. 6 Bgn. 4. 
(WB. 234 enth. Luthers 26. Lied). 

2) Deuifch Euangelifch Meffze .. Thonas Muntzer. Alftedt 1524. 4. 
(Darin die Lieder : 1.0 herre erlSfer alles volks ; 2. Gott heiiger fchÖpfer aller 
ßem ; 3, Herodea o du hhfewicht ; 4. Laßt uns von hertzen fingen all; 5, Künig 
Chriße fchöp/er aller ding; 6» Des Künigs panir geJm hervor; 7. Laßt uns nun 
aUe vorfichtig fein ; 8, Der heiigen leben thutßets nach gottßrehen; 9. Jhefu wnfißr 
erlbfung gar. WB. 138 vgl. AL. 3, 112. 106). 

3) Form vnd ordnung| eyner Chriftlichen Meß { fo zu Nürmberg im 
Newen| Spital im brauch ift. Nürmb. durch Hanß Hergot 1525. 10 Bl. 4. (WB. 
193; Wolfenb. Quodl. 218. 17. 4 teilt: im | Newen Spital | im ..) Die Euan- 
gelifch Mefs Teutfch. Auch dabey das handbüchlein geyftlicher gefenge . . fo 
im newen Spital zu Nürnberg gefungen werden. 1527. Hanis Hergot. 13 Bgn. 

Ä (^WB. 252). 



Buch 4. §. 124. 16t 

4) DasTeutfch gefang fo in derMelz gefangen würdt zu nutzynd gut 
den jungen kindem gedmckt. 1525. 2 Bgn. 8. (Zwei Drucke. WB. 205). — 
Das Teutfch gefang . . 1526. 2 Bgn. 8. (WB. 216). — Das Teutfch fang . . 
1526. (WB. 218). — Das Teutfch Gefange . . 1528 Nürnb., Georg Wächter. 2 
Bgn. 8. (Riederer Nachr. 1, 455 WB. 263). 

5) Teutfche Meß vnd Tauflf wie fye yetzund zu Straßburg gehalten 
werden. Straßb. WolflF Köpphel 1524. 15 Bgn. 8. (keine Lieder. WB. 161). — 
Ordenung vnd inhalt, Teutfcher Meß, fo yetzund im gebrauch haben Euange- 
liften vnd Chriftlichen Pfarrherren zu Straßburg. 1524. 12 Bl. 8. (Panzr. 2, 319). — 
Ordenung und ynnhalt Teutfcher Mefs vnd Vefper, So yetzund im gebrauch 
haben Euangeliften vnd Chriftlichen Pfarrherren zu Straßburg. Mit etlichen 
Neüwen gefchrifiPtlichen Introit . . in vorigem buchlin nit begriffen, o. O, u. J. 
24 Bl. 8. (mit: *Gott fei gelobet und gebenedeit' von Luther; *Aus tiefer not 
fchrei ich zu dir' von Luther; *0 jr knecht loben den herrn'; 'Ach gott vom 
himel fieh darein' von Luther; 'Laßt uns nun alle füiriichtig fein* von Th. 
Münzer; *Mein feel erhebt den herren mein' von Symphor. Pollio; *Es wolt 
uns got gen&dig fein' von Luther. WB. 161). — Ordnimg des herren Nachtmal: 
fo man die Meüz nennet . . Wie yetzt die diener des worts gottes zu Straß- 
burg, Emeiiwert . . haben .. 1525. 3 Bgn. 4. (WB.184). — rep. 1525. 3 Bgn. 8. 
(WB. 185). — Tkeütfch Idrche ampt mit lobgefenge vn göttlichen Pfalmen, wie 
es die gemeyn zu Straßburg fingt. 1525. 4 Bgn. 8. (WB. 187). — rep, Getr. 
by Wolff Köpphel. 23 Bl. 8. (WB. 188). — Das ander theyl, Straßburger kir- 
chengefang . . Straßb. bei Wolff Köpphel 1525. 2 Bgn. 8. (WB. 189). — Das 
dritt theü Straßburger Kirchenampt. 1525. Straßb. Wolff Köpphel. 2 Bgn. 8. 
(WB. 190). — Straßburger Kirchenampt. Wolff Köpphel 1525. Menfe Maio. 6 
Bgn. 8. (WB. 192). — Pfcdmnen gehett, vnd Hrchenvhung j wi e fie zu Straßburg 
gehalten werden. Bey Wolff Köpphl 1530. 88 Bl. 8. WB. 1150 S. 712). — 
rep. 3ey Wolff Köpphl 1533. 96 Bl. 8. (WB. S. 713 f.) — Pfalmen vnd geyjt- 
liehe Lieder j die man zu Straßburg . . pflegt zu fingen. Straßb. durch Han^ 
Preüffen, Inn Verlegung W olff Köpphel. 1537. 8. (wol nach einem altern 
Schweizer Gefangbuche. WB. 364). — PfaUer mit aller Kirchenubung, die man 
zu Straßb. .. pflägt zu fingen. Straßb. bey Wolff Köphl (Köpffei) 1539. 25 Bgn. 
12. (WB . 380). — Pfalmen, vnd GeiJUiche lieder, die man zu Straßb. . . pflegt 
zu fingen . . Das Erfi Theyl. 1541. Straßb. durch G. Mefferfchmid, Inn Ver- 
legung Wolffganff Köph. 26 Bgn. 8. (WB. 431). — Pfalmen, vnd Geiftiiche 
lieder, die man zu Straßb. . . pfl&gt zu fingen . . Das Erft Theyl. 1543. Straßb. 
durch Wolffgang Köpphl. 26 Bgn. 8. (WB. 459). — Das ander teyl, aller Pfal- 
men Dauids. Auch geyftliche Lieder, wölche im Erften teyl nit begriffen. 
1544. Straßb. bey Wolff Köpphel 1544. 20 Bgn. 8. (WB. 467). — Ein New 
Auferlefen Gefangbüchlin . . Strasb. bey Wolff Köphl. 1545. ISV» Bgn. 8. (WB. 
480). — Ein New Auserlefen Gefang buchlein . . Strasburg bey Wolffgang 
Köphl. 1547. 19 Bgn. 8. (mit Bucers Vorrede. 77 Lieder. WB. 524). — Das 
Newer bnd gemehret Gefangbüchlin, Darinn Pfalmen, Hymni, Geiftiiche Lieder 
. . Strasburg bey Thiebolt Berger. 1559. 23 Bgn. 8. (das vorige liegt zum 
Grunde. (WB 756J. — Das Gros Kirchen Gefangbuch, darinn begriffen find, 
die aller furnemiften vnd heften Pfalmen, Geiftiiche Lieder, Hymni vnd alte Chor- 
gefenge. Aus dem Wittembergifchen, Strasburgifchen, vnnd anderer Kirchen 
Qefangbüchlein züfamen bracht . . Hat nahe bey L. ftücken jetzund mehr, 
dann das Erfte Kirchen Gefangbuch, Anno XLI. alhie ausgangen . . Für 
Chriftliche Stett vnnd Dorff Kirchen, Latinifche vnd Deudfche Schulen zü- 
gericht. Gedruckt zu Strasburg, bey Georgen Mefferfchmid. 1560. 220 Bl. gr. 
Folio (ein Prachtwerk. Vorrede aus den GB. feit 1545 hier unter M. Bucers 
Namen [f 28. Febr. 1551 zu Cambridge]. 96 Lieder; drei der vorigen Ausgabe 
find durch drei andre erfetzt. Schnefings Lied ift auf den Namen C. Humberts 
Ä C. Hubert, Huber gefetzt (WB. 769), der Bucers amanuenfis gewefen war 
und ohnet Zweifel das Gefangbuch beforgpte, um Bucers Andenken ehrend zu 
erneuern). — Alle Pfalmen, Hymni, vnd Geiftiiche Lieder, die man zu St raßb urg . . 
pfleget zu fingen .. Wormbs durch Philips Köpffei. 1561. 28 Bgn. 8. Qrö.^i^. 
— Das Newer vnd gemehret Gefangbüchlin .. ÄttwS^ux^ >ae^ '^^ks^ö^ '^^'^^^«t 
am Barfürfer platü. 1562. 26 Bgn. 8. (\1^ lA^ei« m \ 'leiV^'ü.. ^^^^.'^^V^. — 

aSdeke, Ornndriß, W 



163 Kirchliche Volksdichtung. 

rep. Strash. bey Thiebolt Berger, am Weinmarck, zum Treübel. 1566. 26 Bgn. 
8. (WB. 876). — Ein new aujßerlefen GefangbAchlin .. Getr. in Verlegung 
Caroli Ackers Burger vn Buchhändler zu Strasburg. 1568. 39 Bgn. 8. (Acht 
Abteilungen. WB. 897). — Pfalmen, geyftliche Lieder vnd Gelänge, fambt 
etlichen Gebetten. D. M. Luth. Auch Anderer. Straub. 1569. d. Theodofium 
Riehel. 33 Bgn. 8. (In 6 Abteilungen. WB. 899). — daf. 1569. 24 Bgn. 12. 
(WB. 900). — daf. 1571. 33 Bgn. 8. (WB. 919). — daf. 1578. 31 Bgn. .8. (WB. 
957). — Gros Kirchen-Gefangbuch . . Straßb., Thiebolt Berger. 1572. Fol. 
(Röhrich, Mitteü. 3, 266. 1, 463). — rep. Straßb. Anton Bertram 1616. 661 
Seiten gr. Fol. (Röhrich 1, 463). 

6) Gantz newe geyftliche teütfche Hymnus vnd gefang . . 1527 . . Jobft 
Gutknecht. 5 Bgn. 8. (WB. 246). 

7) Form vnd Ordnung Gayftlicher Gefang vnd Pfalmen. 12 Bgn. 8. 
(Augsb. c. 1530. Nach WB. Vermutung veranftaltete Dachfer dies erfte Augs- 
burger Gefangbuch, das Pfalme von ihm enthält und ein Lied von des Herrn 
Nachtmal ^Es ift die warhayt bracht an tag* im Sinne der Reformierten.) — 
o. O. 1533. 16 Bgn. 8. (um 15 Pfalmlieder und 26 andere Gefänge vermehrt 
WB. 314). — Äugfpurg durch Melch. Ramminger 1539. 120 Bl. 8. (WB. 378). 
— Augfp. d. Ph. Vlhart 1540. 20 Bgn. 8. (WB. 407). — 1555 (yiB, 697). - 
Vgl. die Pfalmenfamlungen §. 126, 3. 

8) EYn gantz fchone vnde feer nutte ghefangk boek .. in Saffjfcher 
fprake klarer wen to vom verdudefchet . . 1526. 6 Bgn. 8. (Äfit einer Vorrede 
J. Sperati, wie fchon Feuarlin bibl. fymbol. 1752 p. 343 bemerkt. Enth. Ge- 
fänge von Luther, P. Speratus, (El. Creuziger o. n.),L. Spengler, M. Styfel, J. Jonas, 
A. Knöpken, L. Oeler, Nie. Decius, Symph. PoUio, Joh. Agfricola, Hans Sachs, 
Mrkgrf. Cafimir. Vgl. WB. 233.) Die ältere Ausgabe unbekannt. 

9) Kurtz Ordnung des Kirchendienftes fambt zweyen Vorreden, de erfte 
an den Lefer, die ander von Ceremonien, An den Erbam Radt der löblichen 
Stadt R y g a jn Leyfflandt. Mit den Pfalmen vn Götiüchen lobgefengen, die jn 
Chriftlicher verfamlung zu Ryga ghefungen werden, auffs newe corrigert vnnd 
mit vleyJß gemert . . 1537. Roftock, by Ludowich Dyetz 1537. 23. Aprilis. 14 
Bgn. 8. (Hoch- und niederdeutfch. — Das Gefangbuch, neue Ausgabe eines 
älteren bisher nicht aufgefundenen, fcheint unter Mitwirkung von Bnrehard 
Waldis zu Stande gekommen zu fein, von dem es ein hochd. Gebet zu Gott 
[gedr. bei Mittler S. 51] enthält. WB. 361). — Eyn körte Ordnung des 
Kerckendenftes fampt twen Vorreden . . 1548. Lübeck d6rch Jiirgen Richolff 
1549. 21 V2 Bgn. 8. (Enth. das Gebet zu Gott von Waldis, und Aber dem Liede 
Nun lob mein feel den herren, was in mir ift den namen fein' Joh. Poljanders 
Namen. §. 128, 54. WB. S. 479 ff.) — 1559 nochnicht aufgewiefen(WB. 943).— Körte 
Ordeninge des Kerckendenfl»s, Sampt einer Vorrede van Ceremonien, an den 
. . Radt der . . Stadt Riga yn Lyfflandt. Mit etliken Pfalmen vnde GÖdtliken 
Loffgefengen, de yn Chriftliker vorfammelinge tho Riga gefungen werden . . 
Lübeck dorch Joh. Balhorns Eruen 1574. 21 Bgn. 8. (WB. 943). — Körte 
Ordeninge des Kerckendenftes, fampt einer Vorrede . . Ghedrückt tho Riga in 
Liefflandt bey Nicolaus MoUyn. 1592. 21 Bgn. 8. (WB. 1020). 

Vthfettinge Etliker Pfalmen vnd Geiftiiken leder, fo nicht in der Rigefchen 
Ordnung gedrückt. 1567. Lübeck, dorch Jürgen Richolff. 1567. 16 Bl. 8. (10 
Lieder. WB. 891). — Vthfettinge etliker Pfalmen vnde Geiftiiken Leder, fo 
nicht yn der Rigefchen Orgeuinge gedrücket. Lübeck, d6rch Johan Balkom, 
1577. 16 Bl. 8. (10 Lieder wie 1567). — Etlike Pfalmen vnde Geiftlike Leder, 
fo in der Rigefchen Ordeninge nicht gedrückt fyn. o. O. u. J. 16 Bl. 8. (11 
Lieder. WB. 1021). 

10) Gefangbüchle von vil fch6nen Pfalmen vnd geiftlichen ' Liedern. 
Ztirych by Chr. Frofch. 1536 (von J. Zwick gefammelt; der Titel nach der 
Vermutung WB.353; noch nicht gefunden). — Nüw gfangbüchle von vil fchö- 
neu Pfalmen vnd geiftHchen liedern, durch ettliche diener der kirehen wü 
Coftentz vnd anderftwo . . gemert . . Zürych, by Chr. Frofchouer. 1540. 129 Bl. 8. 
(mit Joannes Zwicks Vorrede. WB. 392). — Chriftenlicher gantz Troftlicher 
rnderrieht, wie man fich zu ainem f&ligen ft&rben beraiten föUe . . Durch D. 



Buek 4. §. 124. 163 

Hans Zwicken. Getrttckt zia Coftantz by Balthaffar Rammetfcli. 1545. TVa Bgn. 
8. (darin 8 Lieder. WB. 482). 

11) Gefangbüchlin der Chriftlichen Kirchen zu N6rdlingen .. Durch 
Gafp. Löner. 1545. 8. (Mützell Qeim. Lieder. BerUn 1855. S. 978). 

12) Gejftliche Lieder, Pfalmen vnd Lobgefenge. D. Mart. Luth. . . Nümb. 
d. Valentin Fuhrman. 1569. 29 Bgn. 12. (WB. 902). — rep. daf. 1585. 33Vt 
Bgn. 8. (WB. 987). — Pfalmen, Geiftliche Lieder vnd Kirchengefenge . . D. 
ÄTartin Luther. Auch Anderer . . Numb. 1594. d. Val. Fuhrmafin. 33VaBgn. 
8. (WB. 1027). — rep. daf. 1597. 42 Bgn. 8. (WB. 1047). ^ rep. daf. 1598. 
4IV4 Bgn. 8. (WB. 1048). — 560. Geiftliche Lieder vnd Pfalmen . . Durch 
Mart. Luther, vn andere .. 16Q3. Nürnb. d. Val. Fuhrmann. 49 Bg^n. 8. 
(WB. 1061). — 766. Geiftliche^ Pfalmen, Hymnen, Lieder vnd Gebet . . Durch 
.. D. Martin Luther, auch andere .. 1607. Nümb., Durch Val. Fuhrmann. 
621/2 Bgn. 8. (WB. 1066). — 748. GeiftUche Pfalmen, Hymnen, Lieder vnd 
Gebett .. 1611. Nürnb., in Verlegung Georg Leopold Fuhrmanns. 56V4 Bgn. 
8. (WB. 1069). 

13) Geiftliche Lieder, Pfalmen vnd Lobgefenge. D. Martini Lutheri vnd 
anderer .. Nürnb. 1580. d. Katharinam Gerlachiti, vnnd Johanns vom Berg 
Erben. 29 Bgn. 12. (Nachdruck des Fuhrmannfchen GB. von 1569. WB. 9^0). 
-— GeiftUche Lieder vnd Pfalmen. D. Martin Luth, vnd anderer. 1571. Nürnb. 
D. Dietrich Gerlatz. 30 Bgn. 8. (WB. 918). — Dantzigk, beyJacobo Rhode. 
1587. 25 Bgn. 8. (WB. 1000). — Pfalmen, Geiftliche Lieder vnd Kirchengef&ng. 
D. Mart. Luther. Auch Anderer. Nürmb. 1589. bey Kathar. Qerlachin. tS 
Bgn. 12. (WB. 1006). 

14) Pfalmen, geiftliche Lieder vnd Gefänge, fampt etlichen Gebetten. D. 
Mart. Luth. Auch Anderer . . Franckf. a. Maya 1581. Durch Johann. Schmidt 
in Verlegung Sigmund Feyrabends. 29 Bgn. 8- (WB. 964). — Niederdeutfeh: 
Pfalmen Geiftlike Lede vnde Gefenge, fampt etliken Gebeden. D. Mart. LuÜieri 
Vnde Anderer ., tho Barth I586. 17 Bgn. 12. (WB. 992). 

15) 525. Geiftliche Lieder vnd Pfalmen .. Durch D. Martin Luther, vnd 
andere. Nürmberg bey Alex. Phil. Dieter ich 1599. 54 Bgn. 8. (WB. 1056).— 
535 Geiftliche Lieder vnd Pfalmen .. Durch D. Martin Luther, vnd andere ... 
Franckfurt am Mayn, bey Melchior Hartmann vnd Adam Brunner, In Verlegung 
Nicolai Baff sei. 1600. 49 Bffn. 8. (WB. 1057)^— 560 Geiftliche Lieder vnd 
Pfalmen,.. Durch D. Martin Luther, vnd andere .. 1601. Nümb., bey Catha- 
rina Di et erichin,* In Verlegung Conrad Bauers. 49 Bgn. 8. (WB. 1058). — • 
588. Geiftliche Pfalmen Vnd Lieder . . Durch . . D. Martin Luther, auch andere . . 
1605. Nü rnb. durch Abraham Wagemann, In Verlegung Johann Lauers. 52 
Bgn. 8. (WB. 1065). — 685. Geiftliche Pfalmen Hymnen Lieder vnd Gebett.. 
Durch D. M. Luth., vnd andere . . Nürnberg Durch Abraham Wagenmann 
Gedrackt vnd Verlegt. 1611. 50 Bgn. a (WB. 1070). 

16) Geiftliche gefang, aus heiliger Schrifft mit vleis zufamen gebracht^ Vnd 
auffs new zugericht [durch fiafp. Lönerl. Wittemb. 1538. 8. (Mützell 976 vgl. 
WB. 368). 

Geiftliche Lieder vnd Kirchengefenge, fo in der Chriftlichen Gemein 
zum Hoff [im Voigtlandel .. gebreuchliäi .. Durch MatthsBum Pfeilfchmidt 
1603. 14 Bgn. 8. (der Buchdrucker Pfeilfchmidt fagt in der Widmung an Bur- 
germeifter vnd Rat der Stadt Hof vom 24. Dec. 1603, er habe vor 41 Jahren 
(1562) zufammgedruckt etzliche Feftgefänglein, fo man in vnfem kirchen zur 
zeit des Advents . . zu fingen pflegt. WB. 1062). — rep. I6O8. 18Vt Bgn. 8. 
(in der Widmung bezieh t fich Pfeilfchmidt wieder auf das vor 46 Jahren (1562) 
ausgegangene Büchlein. WB. 1068). — rep. 1614 (WB. S. 4536). 

17) Pfalmen vnd Geyftliche Gefang, fo in der Kirchen vnd Gemein Gottes, 
in Ttitfchen landen gefungen werden. 1570. Zürych, by Chr. Frofchower. 36 
Bgn. 8. (mit Liedern von L Hetzer, Petrus Sch&r, Job. Frieß, J6rg V6gelein, 
Rad. Walther, Hans Wirt, Johannes Fünckelein und den Bekannteren. WB. 913). 

18) Geiftliche lieder vnd Pfalmen, So in Kirchen vndHeufern m6gen 
gefungen werden . . corrigirt . . gebeffert Kopfifenhageii \.S1V% ^^^. ^»x^cl 
Matz Weingart. 8. (Dresden.) 

GeiMicbe Lieder vnd Pfalmen, 80 in KiicYieTi 'Tü^lElwSftTU TSi^\yisix ^^a»- 



164 Kirchliche YolkscBchtaiig. 

gen werden. Ifit fleis Corrigirt, ynd mit fchönen Pfahnen gebeltert. L&beek 
15T7. (Lübeck, dr&ckts AITwerus Kr6g:er. 1577. 38 halbe Bgn. 8. Vier Abtei- 
lungen ; die dritte enth. Cfebete in Profa ; eine andere Lieder auf förltliche Sym- 
bola.) — GeiTtl. Lieder ynd Pfalmen, So in Sarchen vnd He nfem mögen geAm- 
gen werden . . Wittemb., Zach. Lehmann 1586. 9 Bgn. 12. (WB. 993). — Ham- 
burg 1590. 12. (Clefs 2, 41 u. 2, 262). 

19) Kirchen Gefenge Latinifch vnd Deudfch, fampt allen Eaangelien 
. . Witteberg 1573 . . durch Lorentz Schwenck, In Verlegung Samuel SeeUtTchs. 
604 Bl. Fol. (VfB. 934). 

20) Auferlefene Pfalmen Lieder vnd CfebeÜein .. bei ^oh. Francke, 
Buchf. zu Magdeb. 1585. 8. (Celle). 

21) Außerlefene Pfalmen vnd fi^eiftliche Lieder D. Martini Lntiieri. Barth 
in Pommern 1593. 18. (Clefs 2, 26!^. 

Hermann von Wied, Erzbifchof von Cöln, neigte fich' Beformatioiisbeftre- 
bungen zu und berief 1543 Bucer und Melanchthon nach Bonn, um das Chur- 
fürftentum Cöln zu reformieren. Es kam ein Gefangbuch zu Stande. Die 
Univerfit&t Cöln verurteilte diefe Beftrebungen. 

22) Bonnifch gefangbuch. 1544. (WB. 1089 S. 476, noch nicht auf- 
gefunden). — Gefangbüchlein Geifüicher Pfalmen, Hymnen, lieder vnd gebet, 
Durch etliche diener der Kirchen zu Bon, .. zufamegetragen. Auffs newe ge- 
mehret. 1561. H. 12. (WB.823). — 1564. H. 12. (WB.856). — Gefan^büchlein 
. . durch etliche diener der Kirchen zu Bonn. Zum andern auffs new gfemehrt 
mit der Kirchenordnung vnd viel .andern Gteiftlichen Liedern, fo in etlichen 
andern Bönnifchen Gefangbüchem nicht gefunden werden. 1569. H. 12. (K6nig, 
bibl. agendor. 1726. 4. p. 239). — Bonnifch Gefangbüchlein. . . Frankf. b. J. 
Lonicero 1582. H, 12. (Berlin aus Heyfes Saml. 1197). — Bonnifch Gefang- 
büchlein . . Franckf. Nie. Baff. 1586. 12. (Clefs 2, 49). — Bonnifch Gefang- 
büchlein . . 1589. Frankf. 1590. H. 12, (WB. 1007). — Bonnifch Gefangbüch- 
lein . . Frkf. durch Nie. Baffemn 1590. H. 12. (WB. 1014). — Bonnifch Ge- 
fangbüchlein . . Frkf. Nie. Baff. 1595. 12. (Clels 2, 260). 

§. 125. 

Vielfache Bearbeitungen biblifcher Teile in fbrophifcher Form. 
Zweck war, die . heiligen Gefchichten des alten und neuen TTeftamentes dem Ge- 
dächtnis faßlicher zu machen. Schon in den Liederfamlungen einzelne bibli- 
fche Hiftorien; dann felbffcMndige Arbeiten, aus denen Einzelnes wieder in 
die Gefangbücher übergieng. 

1) Die vier Euangelijien gantz künfÜich, vnd kürtzlich jnn reymen ver- 
fallt, alfo das du in eynes yeden reymen erften wörtlin, findeft das Capittel, 
vnd den namen des Euangelüten . . Durch Johannem gefchwindt. (}edrü<^t zu 
Speyer. 1527. 28 Bl. 8. (je 4 gleichreimende Zeilen begreifen 1 Capitel. 
WB. 260). 

2) Die kurtz Bibd. Eyn kurtzer nützlicher bericht der fUnff Bücher Mofe. 
Zu fingen in der tag weys. Des morgens Do der tag herfcheyn .. 1527. Ge- 
druckt durch Heynrich 6ttinger. 24 Bl. 8. (Fünf Abteilungen nach den 5 
Büchern Mofe, jedes Capitel 1 Strophe, deren Anfangsbuchftoben dem Alpha- 
bete folgen. WB. 261). 

3) Die vier Euangelijien vnd die gefchicht der Apofteln gebracht ynn ein 
lied, das man finget ym ihonn, Ach Gk>tt vom hymel fich darein. 1527. Gedruckt 
durch Henrich 6ttinger. 19 Bl. 8. (Fünf Teile , jede Strophe, deren Anfangs- 
buchftaben das Alphabet geben, 1 Capitel. WB.262). rep.: Eyn nüw ChriAen- 
Hch Lied, deOglychen vor nye gefehen. Begriffen mit eynem kurtzen innhalt, 
das gantz Neüw Teftament, lieblich zu lefen vnnd zu fingen. Im thon. Ich 
ftünd an eynem morgen . . Getruckt zu Bafel, by Lux Schouber. 1537. 18 B). 
8. (^n ift alleyn über die vier Euangeliften, vnnd der Apoftel gefchicht ge- 

machet Bald wurttü haben fant Paulus Epiftel, vnnd will Gott, das gantz attt 
Teltament'' HB. 1075). 



Buch 4. $. 124. 125. 165 

4) Ein fehr fchdnes vnd auch nützlicheB lied, desgleichen nie erh6rt ift 
worden, in gefangsweiB; cKe Mein Bibel genant, vom glauben, liebe mit fampt 
der hoffnong, wie jn die alten gehabt haben, Vnnd dardnrch feiig find wor- 
den . . Im thon, frewt euch, frewt euch mit fchalle . . Oder wie den Granen 
▼onBom, .. W. G.S. Straßb. durch Paulnm vnd Philippum Köpfflein, gebr&der 
1555. 12Bgn. 4. (am Schi, der Vorrede: 'Wendel gut' und am Schlüge «Wendel 
gute*, von WeüTenburg. Das S des Titels bedeutet ^Sangs* 387n Strophen. 
WB. 703). 

Wabrrcheinlioli aaoh VerfaSer des öfter (WB. 650—53) unter dem Titel *Gnmd vnd 
vrfacb des kleglichen Blutbads tentfcber Nation' gedruckten Liedes Aek Herr du aUerk&ekJier 
gou, das 1553 GKute) W(endel) W(eiflenbarger) S<ang8) onterrchrleben Ut. Der Gmnd find 
die Lafter der MenTcben. 

5) Ain kurtzer begriff vnd innhalt der gantzen Bihelf in drew Lieder zu 
fingen geftellt, durch Joachim Aberlin. 1534. 6 Bgn. 8. (Die AnfangsbuchTtaben 
der 132 Gefetze des AT ergeben: Joachim Aberlin auß dem Dorf Garmen- 
fchweiler, zwifchen dem vrfprung der Dünau vnnd dem Bodenfe, in ainer 
gegne die haißt das Madach, gelegen, fang es alfo am Iftro. WB. 324). — 
Bibel oder heilige gefchrifft gefangsweyß in drü lieder vffs kürtzefb zufamen 
▼erfaflet vnd geftellt durch herr Joachimen Aberlin. Gedr. zu Zürjch by Chr. 
Frofchouer 1551. 49 Bl. 8. (das erffc gefang faffet in fich alle biblifche vnd 
apokryphifche biicher der AT., ausgenommen den pfalter. denfelbigen aber 
vergreift das ander gefang, welchem auch der 2. u. 93. pf. fonderlich componirt 
anhanget das dritt gefang fchlieJßt in fich das ganz NT. — WB. 627. Sinceri 
neue faml. S. 81 f. K. 595). 

Die beiden pralmlieder ancb im pfalter §. 126, 1 der wol von Aberlin gerammelt worde. 

6) GeneJU oder Das erfte buch Mofe jn hubfche vnd Chriftliche lieder 

tefteltt Durch D. Panlnm Olinger. Strasburg 1555. bey Blafio Fabricio. 15 Bgn. 
. (WB. 704. P. Olinger, Dr. der Hechte zu Straßb. war 1517 geboren. Seine 
Poefie ift meiflerfingerifch.) 

7) Ein Lobgefang von den gefchiciiten der Altu&tter vnnd der Propheten, 
auß der heyligen Schrifft gezogen. Im thon des Hjmni, Bex fanctorum, des 
andern Verß. Ni^b. Fr. Gutknecht. 8B1. 8. (Berlin aus HB. 1107. 38 Strophen, 
jede mit einem Namen iiberfchrieben ; vielleicht aus weit älterer Zeit.) 

8) Der alte Cantor Nicolans Herman zu Joachimsthal in B6hmen, f 3. Mai 
1561 hochbetagt, fchloß fich früh der reformatorifchen Bewegung an. Freund 
des Joh. Mathefius; kindliches Gemiit; leichter klarer FliS} feiner innigen 
Lieder; erinnert an Hans Sachs. Seine Gedichte erfchienen zuerft einzeln; 
dann in Samlungen, die fich an die Evangelien und an Hifborien des alten 
Teltaments fchHefien, fchwerlich aber Hermans fämtliche Lieder enthalten. 
Große Popularit&t; giengen großenteils in die GefangbAcher Aber. Er fetzte 
feine Lieder felbJtt. 

Ain Mandat Jkefit Cbrlsti an alle feyne getrewen Gbriften, In welebem er anff gebewt 
allen fo Jm inn der tanff yerbaUTen vnd gefcbworen baben. Da ty das verlorne Scblofl (den 
glauben an feyn wort) dem teofel widemmb abge winnen foUeni. Gesogen aufi der bayligen 
gefcbrifft, Vö Nieolao Herman. 1584. 28 Bl. 4. (WB. S. 805. Wolfenb. 136. 6. tbeol. 4.) — o. O. 
15S4. 4. (Panser 8, 288.) — o. O. 1546. 4. Panzer 2. 288 AL 1, 498. Wolfenb.) — Niederd.: 
Eyn Mandat Jbefti OhrUti an alle lyne getmwen Cnriften) Jnn welke rtfm be vpbttt alle . . 
via Nicolas Herman. 1680, Ifagdeborob dorch Hans Waltber. 16 Bl. 8. (WB. S. 805. Wolfenb. 
902. 1. theol. 8.) — 

Ein ChrijUicher Ähentreien vom Leben vnd ampt Johannis des Tauffers 
f&r Chriftliche, zAehtige Jungfrawlein. N. H. 1554. Leipz. d. Wolff Günther. 
8 BL 8. CKompt her jr liebfle fchweflerlein*. WB. 663. Wiederholt in den Son- 
tagsevangelien 1560. Blatt T 4. 

Veer fch6ne nye Geiftlike Leder, Dat Erfte, Van 8, Dorothea [Tho Oce/ari 
in Cappadocif ein junges Megdlin war, Gads Wordt vnd Catechefin, heffi; £k 
geleret g&r: Er name Dorothea, ys w^ vnd bredt bekandt, van Vader vnd 
Moder beide, wart fe alfo genant. 16 Str. = Sontagseuangelia : Es war ein 
ChttfUrehtigea Vnd Chriltiichs Jungfrewlein, Gots wort vnd Catechifmus, hat 
ße gelemet fein, ir namen Dorothea etc]. Dat Ander, Wenn ick nu fchal tho 
deffer frift. Dat DrAdde, Yp mynen leuen Godt. D«A. V^^t^^^ ^ ^w ^»s^^a^^xs^ 
Herten fohjye ick tho äy. 4 Bl. 8, L4b., 3oYi, BaXhom. i^^.^BÄ. VÄ?C\. 



166 KircUiche Volksdichtung. 

Zwey fchSne GeiffeUche Liede. Das erfte aoß dem 56. Oder 104. FfaJbm, 
Dsrinn man bittet vmb fchön wetter, oder ein- feligen Begen . . Das ander, 
Nach dem tifeh zu fing en. Singen wir auß hertzen grundt . . Nfümb.« d. VaL 
Newber. 4 Bl. 8. (WB. 797; HB. 1068). 

Drey geyßUche Weyriacht \ lieder vom Newgebomen | kindlin Jefo, f&r die 
kin|der im Joachimstal. | N. H. | 6B1. 8. o. O. u. J. (HB. 1065; verfchobner 
Text). 

Ein GeiHtlichs | Lied, von der Dürfftigkeit Menfck- \ liehen ge/chZecTUs, Vnd 
▼om Tode, wie | jn Chriftns vberwnnden, Derwegen | auch nicht foU gefürchtet | 
werden etc. || In diefen fterbens zeiten j trSftlich zu fingen. | N. H. Am Ende: 
Gedruckt zu Leiptzig, Durch Georgium Hantzfch. | M. D. LV. | Melodie auf der 
Rückf. d. Titels. 4 Bl. 8. (Berlin a. Heyfes Saml. 1066). rep.: Nümb. Fr. Gut- 
knecht. 4 Bl. 8. (HB. 1067). 

Der Chriftliche Morgen vnd Ahendfegen auß dem Catechifmo Lutheri ge- 
zogen, durch Nicol. Hermannmii Reimenwei6 verfaft, vnd mit 4 Stimmen zu- 
famengefatzt durch Joan. Steuerlein, Schmalkaldenfem. 1573. 8. (Clefs. 2^ 264). 

Zwey Schone Newe Lieder, wie man ein Braut Geyftlich anfingen fol. 
Nikrmb. Val. Neuber. 1556. (W ir fin gen vnferm Herren und Hieför Mefur . . in 
züchten vnd in ehren). 4 Bl. 8. (WB. 725. Letzteres in der SAndflut R v.) 

Die Sontags Euangelia vber das gantze Jar, In Gefenge verfaffet, Für die 
Kinder vnd Chriftlichen Hauß veter, Durch Nicolaum Herman im Joachimsthal. 
. . Mit einer Vorrede D. Pauli Eberi Pfarrhers der Kirchen zu Witteberg. 
Witteberg 1560. Gedr. zu Wittemberg durch Georgen Rawen Erben. 1560. 
24 Bgn. 8. XWB. 788). 

Darin die früher erfchienenen lieder : ^Gehörn iß vns der heilige Chrifl\ das (WB. 718) 
vom dmokerHans Borger zu Straubing mit unrecht dem J. Matthefius beigelegt wird. — Die 
Paffion ^Da der kerr Chrifi zu tifche faß'. 

Drey geiftliche Weihnacht Lieder: a: Lobt gott jr chriTten alle gleich, b: Nun frewt 
euch jr chriftenleut. c : Hort Jr liebften Kinderlein. vgl. oben. Bin new gelTtl. lied von d«r 
fr&lichen Yfferftehung . . für die Jnngfrewlein in der megdlein fohul im JoaehimatbaL N. H. 
*Erfckienen iß der kerlicke tag*. • 

Ein geiXtlich lied von der todten aufferftehung : *Sanct Paulus die Corintkier', fchon in 
Rotenbuchers bergkreyen 1551. — Ein geiftlich lied für die kinder: *Herr fegne tmfer kirek 
vnd ßhuV. — Ein lied Ton S. Dorothea . . fecit fllia Aise Dorothesa. TgL oben. — Bin chrilt- 
licher abendreien vom leben Johannis .. vgl. oben. — Ein lied vom waren glauben .. wider 
die heuehler vnd maulchriften : *Wer hie rar gott wil fein gerecht*. — ^ 

Ein lied vom ampt der fchldffel : *So war ich leb fpriekt gott der kerr\ 

Ein lied aus dem 56. oder 104. pf. darin man bitt vmb fch&n wetter oder einen feligen 
regen . . für die Kirch im Joachimsthal : *6ott tater der du deine fonn\ vgl. oben. 

Von den zahbreichen Abdrucken ift das nachfolgende kein Yollftändiges Ver- 
zeichnis : Nüremberg, Val. Geyßler. o.J. 21V2Bgn.8. (WB. 789). — Euangelia 
auffalle Son- vndFefttage .. 1560. Wittenberg Job. Sch6n. 2OV2 Bgn. 8. (WB. 
790). — Die Sont ags E uangelia . . Wittemberg , d. Georgen Rhaweu Erben. 
1562. 24 Bgn. 8. (WB. 842). — Die Sontags Euangelia . . Witteberg 1566. 
(WB. 882. A— a Bgn. 8. 16 Bl. Vorft. u. 176 paginierte Bl. mit den beiden 
Epitaphien auf MatÜies Enderlein, jedes mit N. H. unterfchrieben. Auch das 
Lied: *Do Chrift der rechte Dauid hat' ift aus der Sindflut hier auf Bl. 625. 
her&bergenommen. Auch * heufchreeken und raupen' wie im Einzeldrucke vom 
56. Pfalm). — Sontags Euangelia . . Nürnberg 1576, d. Val. Newber. 21 Bgn. 
8. (WB. 951). — Die Sontags Euangelia . . Leipzig 1581. d. Job. Beyer. 21 
Bgn. 8. (WB. 965). — Der Sontagen vnnd fiirnembften Fefte Euangelia . . 
Nürmberg, d. Catharinam Gerlachin 1585. 20 Bgn. 8. (WB. 986). — Die Son- 
tags Euangelia . . Leipz. 1586. (WB. S. 399). — Leipz. 1588. d. Zach, Ber- 
waldt (WB, S. 399). — Der Sontagen vnd fömembften Fefte Euangelia . . 
Nftrmberg, d. Val. Fuhrman 1597. 20V8 Bgn. 8. (WB. 1045). — • Der Sontag 
vnnd f&rnembften Fefte Evangelia. Nürnb. Val. Fuhrmann. 1604. 8. (Berlin 
Heyfes Sml. 1201). — Bearbeitet wurde das Buch als: Sontigliche Euangelia 
. . durch Nicolaum Herman . . auBgangen. Jetzt aber durch Georgium San- 
derreitter Prediger der Euangelifchen Kirchen zu Augfpurg, geendert, gemehret 
vnd in der Augfpurgifchen ConfeHions Kirchen gebreuchUchften Melodeyen 
verfaffet 1580. Laugingen d. Leonhart Reinmichel. 36 Bgn. 8. (WB.962 *Gre- 
gorium\ — Vgl. Clefs 2, 266 u. 2, 97). 

IHeJSTißonen von derSindfludt, Joreph^MotefHe^&^l^^B.^ ntl^ ^«t ^laXanno, 



Biidi 4. §. 125. - 167 

fampt etlichen Hiftorien aus den Euangeliften , Auch etliche PjCalmen vnd 
geiiiliche Lieder, zn lefen vnd zn fingen in Reyme gefaffet, For Chriftlieke 
Hausveter vnd jre Kinder, Durch Nicolaum Herman im Joachimsthal. Mit einer 
Vorrede M. Johannis Matthefij, Pfarherrns in S. Joachimsthal .. Wittemberg. 

1562. Gedruckt zu Wittenberg: durch Georgen Rhawen Erben. 1562. iSBgn. 
8. (WB. 841). 

Darin frflher gedruckte lieder and neue. — Ein Bercklied, zu ehren dem Joachimsthal 
gemacht. N. H.: ^ Ich preis den werden JochinutkaV, anfangsbuchltaben der ftrophen : Joachimstal 
H. — Von der Sindflut : '/cA nam mir für in meinem mut von der findfiut zu fingen'. — Die fch6ne 
Hiftoria von Jofeph, Gene, am 87. Gapitel: *Von Jofeph dem z&chtigen held^ den billich rümt dt« 
ganze tceif' 1559. 84 Ma^. — Zween newe Bergrelen, Der erfte heiXTet Drei R. wider die 
Rhumretigen Thrafones ^d Bachgirigen Lent, vnd die jederman ausrichten vnd verdammen: 
^Drey R geburen Gott allein'. Das ander, Beicheidenheit vnd Sanfftmut der Regenten vnd 
Lerer, wider die Schnarger vnd eigenflnnige K&pffe : ' Wer fchnurt vnd purrt allzeit im kau**, 

— Die Hiftoria von Mofe . . : *Des allerhdchften gottes macht'. 1559. 16 jul. — Vom Propheten 
HeUa: *Kein* menfehen zung ausfpreehen kan'. 1559. — Hiftoria vpm Propheten Blifa: 
'Von Elifa dem theuren man*. — Des geddltigen Jobs Lied: *Als Job der Gottfürchtige 
man'. — Von der Sufanna: ^Von wunderlichen dingen^ die fich zu Babylon zutrugen^ wdUn 
wir fingen'. — Der erfte Pf alm: * Wer, zum Gottlofen fich nicht gfelt\ — Der ander Pfalm: 
* Wie find die heilten dock fo toll'. — Der dritte Pfalm : *Ach Gott wie viel find meiner feind'. — 
Der 91. Pfalm: *Wer auf Gott fetzt fein zuverficht' und ^Wer fein vertrawn vnd zuuerßcht'. — Der 
91. Pfalm, Welchen Dauid gel\ingen, nachdem jn Gott erhalten hat in dem groffen fterben . . 
N. H.: 'Wer bey Gott fchutz vnd h&lffe fktekt'. — Der 103. Pf.: *iV» lob msin Seel dein Herrn vnd 
Gatt, von gantzem hertzen jn preife'. — Ein Geiftlichs Lied, darin man bitt vmb ein feliges 
ftdndlein . . Im thon wie von der Sindflut . . : * Wenn mein ft&ndlein fürhanden ift vnd fall hin- 
farn mein ftraffe' . (in Einzeldrucke aufgenommen HB. 1070 f.). — Bin geiftlichs Lied, von ddrfftigkeit 
menfchlichen Gefchlechts, Vnd vom Tode, wie jn Chriftus vberwunden, Derwegen auch nicht 
fol gefilrchtet werden etc. In fterbens zelten tr6ftlich zu fingen. N. H. : 'Der menfch wird von 
eim Weib geborn'. vgl. oben. — Ein trdftlichs Lied, wider die Bauchforge . . : 'Arch Gott wie 
gehts doch jmmer zu, das vns fo hefftig plaget'. — Bin geiftlichs Lied, wider die Sicherheit . . : 
' Wer fteht der fchaw das er nicht fall'. — Ein Abendreien, Vom Herrn Chrifto, Pur ChrifU. 
jungfrewlein, Vorzufingen: '/r Schwefterlein, ir Schwefterlein, ir alUrliebften gefpielen mein'. — 
Ein Gel^rech zweier Chriftlichen jungfrewlein von nutz vnd krafft der helligen Tauff in einen 
Abendreien geftelt: 'Wil niemand fingen, fo wil fingen ich'. In die Johannis 1560. — 'In Gottes 
namen faren wir'. — 'Bin Gefang, wenn man am tag Chregorij die jungen SchAler in die Schul 
zu holen pfleget. 'Kompt mit vns lieben kinderlein'. — Ein brautlied zu ehren gemacht dem . . 
graven . . Andre Schlicken . . 1560 : 'Graff Andres Schlick der Edle Herr*. — Wie man eine 
braut anfingen fol. 'HiefSr, hiefSr . . in züchten pid in ehren* fchon vorher gedr. f. oben. — 
Auch andre Gelegenheitsgedichte, denen zum Teil die Beziehungen abgeftreift find. — 

Die Hiftorien von der Sindflut . . Wittemberg durch G. Rhawen Erben 

1563. 18 Bgn. 8. (WB. 843). — rep. Leipzig d. J. Berwaldt 1563. 24 Bgn. 8. 
(WB. 844). — 1565. (WB. 845). - Wittemberg 1566. A-S Bgn. 8. (WB.883). 

— Leipz. 1584. d. Jac. Berwaldts Erben. 18 Bgn. 8. (WB.98'1). — Leipz. Joh. 
Beyer 1595. 8. (WB. S. 409). 

Ueberfetzung lieferte Nie. Herman von dem lat. ged. des Joh. Matthefios 
CEconomia, vielleicht nach dem lat. Mspte. 

Joh. Matthefii profarhythmica de oeconomla. WitebergSB 1565. 8. 

(Economia Oder bericht, wie fich ein Hausvater halten foll. Job. Mathef^ ^ 
N&rnberg 1561 d. Joh. vom Befg vnd Vir. Newber. 8 Bl. 4. (Berlin aus Heyfes ^ 
Samlung 1606). — (Economia Oder bericht vom Chriftlichen Haußwefen. 
Sampt kurtzen Hausgebetlin Johannis Mathefij. Wittemberg 1564. 8. (Berlin • 
a. Heyfes Saml. 1607). — rep. Wittenberg 1565. a — rep.'Eger 1574. — rep. 
Wittenb. 1599. 4. — rep. Leipz. 1796. 8. Auch in Matthefius *Catechifmus- 
predigten\ Leipz. 1586. 4. S. 179—292 und in deffen * Hochzeitpredigten'. 
Nürmb. 1563. 4. 

Verfchieden davon ift ein felbftftändiges Gedicht Hermans, das Lebens- 
regeln einpr&gen will: 

Die Haustafel, darin eim jeden angezeigt wird, wie er fich in feinem ftand 
verhalten fol. In ein gefang gefaffet, zu fingen oder zu lefen. Wittenberg, 
d. G. Rhawen Erben. 1562. 12 Bl. 8. (WB. 840). 

9) Wolfgang Pignlus, aus Naumburg, Lehrer an der Schule zu Meiffen edierte 
die deutfche Mufica des Martin Agricola (aus Magdeb., eigentlich M. Sore) 
mit Sonntagsevangelien, die üibelfte Flickerei vielleicht des ganzen Jahrhunderts. 

Mufica Inftrumentalis Deudfch, darin das fiindament vnd application der finger vnd 
Zungen, auff mancherley Pfeiffen, als Fldten, Kromphdrner, Zincken, Bomhard, Sehalmeyen, 
8ackpfeiffen vn Schweiteerpfeilfen, etc. . . Durch Martinum Agricolam. 1545. Wittemberg d. 
. Georgen Rhaw. 83 BL 8. Tabellen. S. 3 der Vorrede bemerkt ex öl».^ ^e ^3iScrassÄ-is&."aÄ&.» ^»^ 
er 1529 [Eine kurtze Dentfche Mufica mit 63 Cdi^uen UebUe\ieu eTwm^e\sL\B. ^.^NJoassiWB.^^- 



168 Schliche Volksdichtimg. 

faffet, gebelTert mit 8 Magnlflcat. Martin Agricola. Wlttenb. o. J. 8.] habe ansgehn lafTen, sn 
tunkel und fchwer gewefen. — Mufica Figoralis, Teatfch, Martin Agricola. Wittenb.. 15S2. 8. 

Deatfche Mafica vnd Gefangbüchlin, der Sontags Buangelien, artig zu 
fingen, F&r die Schalkinder, kneblin vnd megdlin, Etwa in Deatfche reim 
verfallet, Durch Martinam Agricolam. Jetzund aaffs fleyiBgeft mit fchönen 
gefenjeen vnd gebetlin zagericht. Darch Wolffgangum Figalam. Anno 1560. 
(}edrackt zu Nürnberg, durch Johann vom Berg, vnd Vlrich Newber. 14Bgn. 
8. — NÄmberg durch Johann vom Berg, vnd Vlrich Newber. 1563. 14 Bgn. 
8. (WB. 847. Genau entfprechender Abdruck). — Niirnberg durch Vlrich 
Newber, WonhaflEt in der Jüdengaffe. 1568. 8. (WB. 8. 326 b.) 

10) Magdalena Heymairin, 1566 deutfche Schulhalterin zu Chamb fp&ter in 
Begensburg SchulmeiTterin , dann 1586 zu Cafchau * weiland Rueberifches 
Frawenzimmers hoffmeifterin^ (Bueber, verm&hlt mit Judith von Fridensheim 
ftarb vor 1586), bearbeitete verfchiedene biblifche Stoffe, die noch handfehrift- 
lich Abrig find, zum Teil von G. Sunderreutter überarbeitet wurden: 

Die Sontegliche Epidtel, vber das gantze Jar in gefang^eis geffcelt, durch 
Magdalenam Heymairin, Teütfche Schukneifterin zue Chamb. Mit einer vorede 
Magiffcri Bilibaldi Bambfbecken, Stadtpredigers zu Chamb. 1566. 133 Bl. 4. 
Heidelberger Hs. Nr. 421 (Wüken 471 f.) und Nr. 426 (Wilken 473). — Mag- 
dalense Heymairin, Sontags Epifbeln vber das gantze Jahr, in Gefangsweifi 
geftelt. Nümb. 1569. (1568?) 8. (Clefs 2, 87). 

Die Sonteglichen Epifbeln . . erftlich, anno 1568. Durch . . Magdalenam 
Haymairin, damal zu Chamb, jetzt aber zu Begenfpurg Teütfche fchulmeifberin, 
Nun aber durch einen guthertzigen Chriften . . vberfehen . . geendert . . ]ftfit 
einer vorr. M. Wilibaldi BamJßbeck, Stattpredigers zu Chamb .. 1578. Augfp. 
15 maij. 22 Bgn. 8. (WB. 956). 

Das Büchlein Jefu Syrachs in Gefange verfaft, durch . . Magdalenn Hey- 
mairin, Teütfche Schulmeifterin zu Begenfpurg . . 1572. 13 Bgn. 8. (WB. 928. 
k. Bibl. in Berlin). — Das Büchlein Jefu Syrachs . . Jetzt vberfehen, vnd 
etwas wenigs geendert vnnd gemeldet . . Durch Georgium Sunderreutter, Pre- 
diger . . zu Augfpurg bey S. Georgen. 1586. N Bgn. 8. (3 Gedichte mit G. 8. 
bezeichnet. Drei andre durch Akroftiche gewidmet: Sufanna Weiflin, Jeremias 
Martins und David Sunderreitterus. 

Die Apoftelgefchichte in Liedern von Magdalena Heymairin, . teutfcher 
Schulhalterin zu Begenfburg. 1573. 87 Bl. 4. Heidelberger Hs. Nr. 413 (Wilken 
S. 470) und Nr. 381 84 Bl. 4. 1573. (Wilken 456). — Das Buch der Apofto- 
lifchen Gefchichten, Gefangsweiß geftelt von der Gottfeligen Matronen Magdalena 
Heymairin vnd durch Georgium Sunderreutter Hydropyrgium [vberfehen]. 
Straßb. 1586. 8. (Clefs 2, 87). 

Das Buch Tobise, Inn ChrifÜiche Beimen, Vnnd Gefangweife gefaffc . . Durch 
Frauen Magdalenen Heymairin, Jetzt aber durch einen gilt Hertzigen Chriften 
gebeffert vnnd gemehret, vnd von newem mit anderen einverleibten Gef&nglen 
in Track verfertiget. Anno 1586. 25 Bgn. 8. in drei Abteilungen : Tobias, Buth, 
andere Liedlein. (WB. 994. Die *liedlein* zum Teil nach weltlichen Weifen. 
29 find mit G. S. oder G. SH; GS HA bezeichnet. Eins ilt akroftichifch^der 
^aria Magdalena Sunnderreitterin' gewidmet.) 

11) Georg Snnderreatter, Prediger zu Augsburg, der die Gedichte der 
Heymair herausgab und mit den feinigen vermifchte, gab gleichzeitig mit 
feiner Bearbeitung der Sontagseuangelien Hermans ein ergänzendes Werk 
heraus, auch die Pfalme. — Epißeln auff alle Sontag vnd die fürnembfte Feit 
Chrifti vnd der lieben Gottes Heiligen, fampt etlichen Texten a.iiQ dem alten 
vnd newen Teftament, in Geütliche liebliche Melodeyen verfaft . . Beimenweiß 
Lauwin^en 1580. 8. (Clefs 2, 262). — PfaUeriwm 1574. (Wolfenb. Poet. 166). 
-7- Damds Hindi/ehe Harpffen von neuwem aufgezogen vnd auff alte vnd 
neuwe Seyten, deren 80, gerichtet. Das ift, die 150 Pfalmen . . Dauids, in 
vnterfchiedliche 80 Melodeyen verfaßt, reimenweiß .. Nürnberg 1581. 8. 
(Clefs 2, 47). 

12) Samael Hebel aus Hirfchberg, auch Schaufpieldichter, reimte ^Sonntags- 
avan^eüen vber das gantze Jahr, in Gef&nge gefaffet. Görlitz 1571. 8. (WB. 

ÄÄ?. ßfeÄ 2, 109: 1572). 



Buch 4. §. 125. 126. 169 

13) Gefang PoMll, Das ift: Enangelia auff all vnd jede Sontag vnd fftr- 
nemfte Fefte durchs gantze Jar, in Gefang verfaft . . Durch Andream Giglemni 
Styrum, Pfarherr zn Grätz . . Gedr. Gr&tz dnrch Andream Franck 1569. 41 
Bgn. 8., mit neuem Titel 1574. (WB. 940). 

14) Ein fch6n Geiftlick Pfalmbock der Enangelifchen Hiftorien, fo vp de 
S6ndage vnde Fefte, yn den Kercken geprediget werden. D6rch M. Georgimi 
Barthinm, PaTtoren tho Lübeck .. Lübeck, d. AfTwenis Kr6ger. 18. Oct. 1575. 
18 Bgn. 8. (durch Nie. Herman veranlaGt. WB. 945). Das Sommerdel, der 
Chriftliken vnde Enangelifchen Pfalmen . . D6rch M. Georgium Barthium 
Paftoren tho Lübeck . . . Lübeck, d. AHwerum Kr6ger. 22. Bfart. 157a 22V« 
Bgn. 8. (WB. 945). 

Von demfelben Verf. gibt es : Dialogas. Gel^reke van der ynft&rfflicheit der Sele, tho 
defTen ergerliken tiden, gantz tr&ftllch vnd nfltte tho lefen. Maffifter Georgias Bart prediger 
tho Lftbeck. Anno M. D. ly. in dem Nouember. (Lftbeck by Jörgen Richolff. M. D. LH. 6 
Bgn. 8. Mit Vorrede von ErafsmusAlberos. Unter der Widmung: Georgias Bart Ofinabrugenfls.) 

15) Die SoTitaga vnd der fümemften Feft Etumgelia, durchs gantze Jahr, 
In gewiffe vnd dem Volck bekandte Melodien vnd Gefänge gefaffet . . Durch 
Adamum Hoppinm, Leobergenfem, Pfarrern . . zu Teppliwoda. Görlitz, durch 
Ambrofium Fritfch. (Vorrede vom 6. Jan. 1584). 8. (WB. 983. Clefs 2, 259: 
*GörUtz 1575*). 

16) Das Buch Jeßis Syrach dqr Jugend zu gut in liebliche Reimen bracht 
Durch Joan. Stefirlein. Frkf. Chr. Egenolffs Erben 1581. 4. (Gl. 2, 62). 

17) Kleine Bihd, darinn alle Capittel beydes Teltaments alfo eingezogen 
vnd in Reimen verfalt, daß ein jeder Reim, ein, zween oder drey Haupt- 
punkten feines Capittels in fich begreift. Durch Johannes Palndanns. Tübin- 
gen 1589. 8. (Clefs 2, 73). 

18) Teutfche Sprech font&glicher Euangelien der jährlichen Feft vnd 
Apofteltagen, mit 5. 6. 8 vnd 9 Stimmen gefetzet durch Andream Rafeliom. 
Numb. 1595. 4. 

19) Jean. Pofthii von Germersheim newe Gefäng auff die SotUags Euan- 
gelia componirt. Amberg 1597. 24. (Clefs 2, 74 ~ Die SOntags Evangelia 
g^efangsweife, Componirt von Johann Posthio Germershemio M. D. . . Amberg 
1608. 16. (321 S. u. reg.; die Widmung an feinen Sohn Erafinus Pofth ift 
aus Heydelberg vom 13. Julii 1596). 

20) Joh. Reneri Teutfche Reimen des Predigers Salomonis mit der auslegung 
Joan. Claij. Straßb. 1599. 8. (Clefs 2, 69 = M. Joan Claij Hertzberg. Auf- 
legung Ecclefiaftis, Predigers Salomonis, jetzt in teutfch Reimen bracht durch 
Johan Kenier Northufan. Straßb. 1599. 8. Clefs, 2, 65). 

21) Joh. Letzner, aus Hardegfen, Prediger zu Iber, Yerfaßer einer Daffel- 
fchen Chronik (Erf. 1596. Fol.) und andrer Werke: Coena Cypriani, Mauri 
Epifcopi, ad Lotharium regem Franci», Darinnen die fürnembften Hiftorien 
der Bibel mit kurtzen werten in reimen verfallet befunden werden. Erf. 1596. 
8. (Clefs, 2, 154). 

§. 126. 

Unter den biblifchen Stoffen nahmen diePfalme die größte Th&tigkeit 
der Dichter in Anfpruch. Zahllofe Bearbeitungen einzelner Pfalme, vielfache 
des ganzen Pfalters. Manche Bearbeiter wie Dachfer, Waldis dichteten aus 
Anlaß perfonlicher Schickfale. Der lutherifche Choralgefang genügte bald nicht 
mehr. Franz6fifche vierftimmige Melodien wurden kindifch oder ängftlich be- 
nutzt, jenes von Meliffus, diefes von Lobwaßer. Die Gegenwirkung blieb 
nicht aus. Cjr. Spangenberg und Corn. Becker, beide ohne die alte Kraft, 
kehrten zu den einfachen Melodien zurück. Andre fchloßen fich an. 

1) Der gantz P/alter, das ift alle Pfalmen Davids, an der zal 150 . . Auß 
Hieronimo, Feiice, Campenli, Munftero, Pagnino, Luthero, Zwinglio, Bucero .. 
1537. 8. (WB. 365. Die Pfalmendichter find: Ambr. Blanrer, Clauß ¥L<5JXKt^ 
Fritz Jacob von Anwyl, Heinr. Vogthexi, 3&c. \>«.<!\i^«t^ ^q^jöol* ^^«Kssv 
(z. B. Nr. 2; Jr Halden was tobt jr vmb &uiK) 3owi ^u^Äsätoi^ ^^«bä ^'^ssr^wt 



i70 Kirehliohe Velksdichteag. 

nitzer, Andreas Knopp (Knöpken), Erh. Hegenwald, Hans Sachs, Huldrich 
Zwingli, Joan Agricola, Joannes Botzheim, Joan Frofch, Joannes Xilotectos, 
Joan Zwick, Ludwig Hetzer, Ludwig Oeler (1.3— 7), M. Greiter (13), M.Stifel, 
Symphorian Pollio, Wolffgang Dachftein, Wolffgang Capito, Juftus Jonas, Leo 
Jud (9), L. Spengler, Luther (12.14), Paul Speratus, Thomas Plaurer, Wolff- 
gang Möfel, Sigm. Salminger, J6rg Breyning). 

2) Der New gefang pfaUer. darinn alle Dfalmen Dauids an der Zal 150. 
in gefangweiß geftelt . . 1538. 8. (WB. 366^nach dem Vorigen, mit läedem 
von Seb.Franck (der gegen das faule Zählen der Silben nach den Noten, und 
geiftlofe lateinifche Chorpralen und deutfche Scheinpfallieren eifert, in einer 
Sprache und Form, wie fie bei den alten Silbenz&hlern nicht rauher gefunden 
werden kann), Th. Münzer, Hans Hut? u.a. Die Abücht der Oppofition gegen 

. die Orthodoxie der Lutherifchen tritt deutlich hervor). 

3) Der gantz P/alter Davids, nach Ordnung vnd anzal aller Pfalmen . . 
yetz von newem, nach dem Text . . des Teutfch getruckten Pfalters, in Gefang- 
weiß . . gemachet . . Durch Jacoben Dachfer, 1538. 8. (Schon der Vorige hatte 
42 Lieder von Dachfer aufgenommen. J. Dachfer war, nach Riederers Nachr. 
1, 460, evangelifcher Geiftlicher in Augsburg, nach Veefenmeyers Beitr. 179 
Widert&ufer). 

4) Der ga/ntz P/alter Davids, in gfangsweyfe geftelt durch Hänfen Gamerf- 
felder . . 1542. N&rmb. durch Johan vom Berg vnd Virich Neuber. 1542, 22 
Bgn. 8. (WB. 446. Riederer, Nachr. 1, 20 ff.). — NArmberg durch Johann 
vom Berg, vnnd Virich Newber, 1563. 22 Bgn. 8. (WB.851. Gamersfelder war 
Bürger zu Burghaufen, unter feinen durchweg in fiebenzeiliger Strophe ab- 
gefaßten Pfalmen, denen noch einige Cantica folgen, find jnehre entlehnt). 

5) Der gantz P/alter, Durch Johann Claofen, oberften Brandenburgifchen 
Secretarium . . Ged ruckt zu Leipzig Durch Nicolaum Wolrab. 1542. 8 Bl. und 
A— Y Bgn. 8. (WB. 445 vgl. Nürnb. lit. Bl. 4, 199 ff;. Claus lebte zu Ansbach 
woher er unterm 10. Jul. 1540 feine Vorrede fchreibt. Seine Pf. find in Reim- 
paaren ; jeder fchließt mit einer Anrede an Gott 'fpar deine hülfe an mir nicht ; 
in deine huld ergeh ich mich; verwirf mich nicht u. f. w. Ein Exempl. auch 
auf der k. Bibl. in Hanover). — Heydelb. 1583. 8. 

6) Der Pf alter, In Newe Gefangs weife, vnd künftliche Reimen g'ebracht, 
durch Burcardom Waldis . . Franckfurt, Bei Chr. Egenolff. 1553. Im Mayen. 
35 Bgn. 8. (WB. 646 u. S. 484. 155 Lieder in vielfacher Strophenform. Schon 
im Gefängnis in Riga begonnen. Vgl. §. 157. Exempl. auch in Dresden. £b. 
23911). 

7) Der PfaUer Davids gefangswei ß, in teutfche Reime verfaßt, durch 
Johann Magdeburg. Franckfurt 1565. 8. (WB. 868. In fiebenzeiligen Strophen. 
88 Gefange giengen in das Wolffche Frankfurter GB. Aber. WB. S. 357). 
(Job. Magdeburg, Bruder Joachims f 6. Sept. 1565 als Diakonus an der 
Katharinenkirche zu Hamburg). 

8) FünffzigPfalmen des Königl. Propheten Dauids. außgelegt durch Nks. Sefaiee- 
ceram. Nürnberg 1563. — Der gantz PfaUer des K. Propheten Dauids. außgelegt 
durch N. Selneccerum. N&rnb. 1565/66. HL Fol. — Nürnb. 1569. HI. Fol. — Leipz. 
1571 ; Leipz. 1581 ; Helmft. 1589 ; Leipz. 1593; Leipz. 1621 ; Leipz. 1623. (Enth. 19 
Pfalmenlieder. WB. 898 beficshreibt ein gemifchtes Exemplar von 1569 I. u. H. 
und 1566 Teil DL und Nr. 1025 die Ausgabe von 1593).— Der PfaUer Dauids, 
Blit kurtzen Summarien vnd Gebetlein. Durch Nie. Selneccerum. Leipz. 1577 . . ; 
Sechfte Ausg. Leipz. 1589 ..; 1596; 1605; 1610; 1616; 1625; n37. — Chriß- 
liehe Pfalmen, Lieder vnd Kirchengefenge .. Durch Nie. Selneccemm. Leipz. 
durch Job. Beyer 1587. 4. (von ihm, Job. Spangenberg, Barth vFr61ioh; Georg 
Emilius, Job. Beltz, P. Heusler, Cafp. Franck, Magdalena Altbeck, Job. Schnei- 
derwein, Georg Negidius. WB. 996. Heyfes Saml. 1202. K. Bibl. in Hanover.) 
Nie. Schellenecker, geb. 5. Dec. 1532 zu Hersbruck bei Nürnberg, kam 1536 
nach Nürnberg, ausgezeichneter Orgelfpieler ; ftudierte in Wittenberg; 1557 
Hofprediger in Dresden; 1565 Prof. in Jena, 1568 in Leipzig; bis 1574 beim 
Herzog Julius von Braunfchweig als Superintendent ; gieng nach Leipzig, 1576 
Snperintenäent; wegen feines Eifems gegen die Calviniften 1589 feiner Aemter 

eatjfb^tf gieng tuusb Halle, Magdeburg*, Supeimt. m 13j\^Qi^ciasi\ \5^9nL meder 



Buch 4. §. 126. 171 

in leihe Leipziger Aemter eing-efetst, ftarb fchon am 24. Mai 1592. Ver»eichi;ii8 
feiner zahlreichen Schriften in Wills Nürnb. gel. Lex. 3, 673 ff. GeilUiche Ge- 
dichte in feinem 'propheten Daniel*. 1567. 4.; 'proph. Ofeas Joel yndMicheas* 
1568. 4.; 'Ehe- and RegentenfpiegeP 1600. 4. a. f. w.) 
Ptil HeHisis vgl. §. 169. Wineil«rg §. 169. Heanel §. 130. 

8) Der Pfditet defs K6niglichen Propheten Dauids, In deutfche reymen 
verftendiglich vnd deutlich gebracht . . Durch Ambro finm LobwafTer . . Leipzig 
1573. II. 8. (WB. 936. K. Bibl. in Hanover). — Pfalmen . . nach Frantzöfifcher 
Melodey vnd reimen art . . Durch . . Ambrofium Lobw affer. Heidelberg 1574 
durch Johannem Maier. 30V8 Bgn. 12. (WB. 938). — Leipz. 1576. 8. (WB. 
948). — Neuwftatt 1585. 32. — Straßb. 1586. 24. — Straßb. 1589. 12. — 
Speier 1591. 12. — Herborn 1593. 12. — Heidelb. 1594. 12. - Leipz. 1594. 
— Herborn 1595. 8. — Amberg 1596 Mich. Forftrer. 24. (vgl. WB. 855 u. 8. 
380 f.). — Straßb. 1597. 16. -~ Eißleben 1597. 8. (WB. 1046). — Leipz. 1598. 
8. — Hanaw 1600. 12. — Herborn 1600. 8. ^ Herborn 1600. 12. — Zürich 
1600. 12. — 1608. 12. — Frkf. 1623. 8. — Amfterd. 1686. 12. — Bernburg 
1742. 8. (HB. 1267) und fonft oft. Ambr. Lobwafser, 4. Apr. 1515 in 
Schneeberg geb., 1535 zu Leipzig Magifter und Docent, g^eng ^1550 nach 
L6wen, 1551 nach Frankreich, wurde 1557 Canzler zu Meiffen, gieng nach 
Italien, 1567 zu Bologna Dr. der. Rechte, 1563 Prof. jur. in Königsberg, Rat 
und Hofgerichtsaffeffor. f 27. Nov. 1585. cf. Adami vitt. JCtor. p. 267. Seine 
Ueber fetzung der Pfalmlieder des Cl. Marot und Beza entfpricht den franzö- 
fifchen Melodieen Silbe ita Silbe und wurde bei den Reformierten allgfemein 
aufgenommen. Schon vor 1565 vollendet, erfchien lie erft nach der des Me- 
liffus, gegen welche fie deutlich und verftändlich auftritt. Die Gefchichte des 
Buches bedürfte einer eigenen Unterfuchung. — Lobwaffer verfaßte auch 
andre Gedichte: Bewerte Hynmi Patrum vnd anderer gottfeligen Männer, 
welche durch das gantze Jahr in der Kirchen gefungen werden. Auß dem 
Latein ins Teutfche mit gleichen Reimen gebracht durch Ambr. Lobwaffer. 
Leipz. 1578. 8. (Clefs 2, 259). — Georgi Buchanani Tragodia von der Ent- 
havjptwng Johannisj genant Calumnia, auß dem lateinifchen ins Teutfche vertirt 
durch Ambr. Lobwaffer. 1583. 4.; o. O. u. J. 62 Bl. 8. — Biblia Darinnen 
die Summarien aller Capittel der gantzen heil. Schrifft in deutfche Reim ver- 
faffet, Durch Ambrofium Lobwaffer. Leipz. 1584. bey Hans Steinman. In Vor- 
legung Heimingi Grofen Buchhendlers. HI. 8. (WB. 980). — Ambrofii Lob- 
waffers deutfche epigrammata . . ; o. O. 1612. 12. 

9) Der gantze pfaUter dauitis . . Inn Reimen gefangsweiß verferdigett, . . 
Durch Jacobum Ayrern Von Nürmbergh. Vollendet denn 25. Febr. (15)74. (Hei- 
delberger Hs. 328. Fol. Adelung 1, 23. Wilken S. 411. WB. 941. Wahrfchein- 
lich der Schaufpieldichter, nicht der gleichnamige Verfaßer des hiftorifchen 
Proceffus juris, der 1603 in pfälzifche Dienfte trat. Vgl. §. 171.) 

10) Pf alter Davids in Reimen. Durch 6. Henniges, Prediger an S. Georg 
in Hannover. Magdeb. W. Roß 1578. 8. Von demfelben Dichter, der aus Nort- 
heim ftammte: Sprüche Salomorm in Reimen. Magdeb. W, Roß 1575. 8. — 
Jefvs Sirach in Reimen. Magdeb. W. Roß 1575. 8. (K. Bibl. Hanover). 

11) Der garitze PfaUerBamds, .. Gefangsweife gefaffet Durch M. Cyriacam 
Spangenberg . . Gedr. zu Franckfnrt a. M. 1582. bei Chriftoff Raben in Ver- 
legung Bemh. Jobins, Buchhändlers in Straßb. (WB. 972. In der Vorrede 
rfthmt er den wolangelegten fleiß des Burgkhard Waldis, des Magdeburgius, 
des Gramersfelder, des Doctor Ambrof. Lobwaffer vnd anderer, er aber habe 
die Wort der Pfalmen, wie fie Lutherus im Teutfchen gegeben, behalten wol- 
len, fich auch befliffen, diefelbigen vngezwungen vnd vnverkArtzet alfo in die 
Reimen zu bringen, daß fie einen feinen, vnd jhren klaren irechten vnd eygent- 
lichen Verftandt mit fich brechten. — Viele Pfalme find in mehrfacher Bear- 
beitung gegeben, nicht alle haben Spangenberg zum Verfaßer. Ein Anhang 
g^bt 114 Lieder der lieben Patriarchen u. f. w. vgl. §. 128, 95.) 

12) Elias Noricns, P/alter Dauids Reimenweiß. Magdeb. Job. Franck. 1^<M\. 
8. (Clefs. 2, 33). 

13) Der P/uÜer Danid« Gefangweia, A»ff ei^ Vä \.T>!Q&«nSs3SÄXi. ^i^ 



172 KirchUche Volksdichtmig. 

wohnlichen Melodeyen zugerichtet, Durch Gornelhui Becker. Lesung 1600. 8. 
Voigt (CleÜB 2, 106). 1602. Gedr. bei Ifieh. Lantzenberger. In verieging Jacob 
Apels. Buchhändlers. 8. (WB. 1060). — Leip«. 1607. 8. (WB. 1067). l6l7. S. 
— 1620. 12. ~ 1621. 12. (K. Bibl. Hanover.) Haue 1626. 8. Dresden 1661'. a 
Becker war 24. Oct. 1561 zu Leipz. geb., Lehrer an der Thomaafehule, Dia- 
conns zu Bochlitz, Paftor und Prof. der Theol. zu Leipzig; wegen fcharfer 
Predigten gegen die f. g. Kryptocalviniften eine zeiüang fuspendiert, bald wie- 
der eingefetzt, f 24. Mai 1604. Er tadelt, daG man auch in geiftlichen Sachen 
immerdar zu fremden und neuen Dingen mehr Luft und Begierde trage, wie 
fich das darin zeige, daG man die Pfalmen des facra^entierefchen B&dels- 
f&hrers Th. Beza und des Clem. Marot aus läem Franzöf. ins Deutfche ge- 
bracht und den lutherifchen Gefangen weit vorgezogen habe, was gewöhnlich 
zur ReligionsverSuderung und zur Einf&hrung des hochfch&dlichen Calvinismus 
der Anfang gewefen. Die lobwafferfchen Pfalmen, die auf fremde franzd- 
fifche und f£> die weltlilfternden Ohren lieblich klingende Melodien gefetat, 
würden hoch gehalten als ob nichts beßres konnte gefanden werden, unge- 
achtet daß es f&rwar mit den Reimen mefifig Ding fei, welche meiffces Tdls 
gezwungen, unverftändlich und gar nicht nach der Art deutfcher Reime, fon- 
dern mehr nach der franz6f. Manier gemacht feien. Er dagegen habe feine 
Pfalmlieder auf lutherifche Art und unfern Kirchen bekannte Melodien und 
Weifen gerichtet. Seine Arbeit gieng in die fp&teren Gefangb&cher ebenfo 
über wie Waldis in die Mheren und Lobwaßers in die reformierten. Er ift 
plan und einfach, verwäOert aber die alte kräftige Weife. 

14) Himlifche Cantorey d. i. der P/aUer Damds, Gefangsw. durch L. Alger- 
man. Hamb. Sam. Rüdiger. 1604. 552 S. 8. (Celle. Wolfenb. 929. 39 TheoL S. 
p. 6749). 

15) Der PlaaUer Davids, Salombn vnd Syrach. Alles dem gemeinen text 
nach durch Zachariam Eiring in Teutfche Reymen gebracht. Laugingen 1608. 
^8. (HB. 1208.) 

Neben den vorwiegend felbftändigen Bearbeitungen wurden vielfache 
Samlungen aus verfchiedenen Quellen veranftaltet : 

16) Q^fang B&chlin, Darinn der gantze Pfalter Dauids . . begrififen. 1557. 
Augfp. durch Ph. Vlhardt. 25 Bgn. 8. (WB. 738). — rep. NÄrmb., d. Val. 
Geyfsler 1560 (WB. 773). — 1560 (WB. 794). — Augfp. Ph. Vlhardt. o. J. 
(WB. 912). Nümb. 1576. 8. u. 12. Helmfk. 1600. 18. 

17) Chriftenlich Gefangbuch, Darinn der gantz Pfalter Dauids beniffen 
wirt. zufamen gel&fen durch Conradam Woliniarf, diener der Kirchen zu BafeL 
Ztirych by Chr. Frofch(ouer) 1559. 39 Bgn. 8. (WB. 761). 

18) Pfalmen vnd Gayftliche Gefang. ZArych, Chr. Frofchower. 1570. 36 
Bgn. 8. (WB. 913). 

19) iyalmen vnd Geiffcliche Lieder, welche in Kirchen vnd Schulen gefun- 
gen werden. Strafib., NidauO Wyriot. 1578. 15 Bgn. 12. (WB. 958). 

20) Pfalmen vnd GeiMiche Lieder, welche in Kirchen vnd Schulen deß 
Fürftenthumbs Zweibrücken gefungen werden. StraOb. 1587. Bemh. Jobin. 8. 
(Cl. 2, 107). 

21) Das gemeineft, wolbekömlichfi; Pfalmenbuchlein, von den gebrftuch- 
lichften Kjrchengef&ngen, Pfalmen vnd Liedern, dem gemeinen Mann zu gät 
f&r ein ChriMich Handtbiichlein in Truck verfertigt. StraOb. Bernhard Jobin 
,1577. 12.; 1591. 24.; Straßb. Anton. Bertram 1597. 8. (Clels 2, 107). 

22) Geiftlichs Ha/ndbücTdeinj darin der Pfalter Dauids, die Sprüche vnd 
Prediger Salomonis, fampt den gebräuchlichrten Chriftlichen lobgef&ngen. 
StraGb. Bemh. Jobin 1593. 12. (Clels 2, 41). 

23) Pfalmen mit 4 Stimmen in Kirchen vnd Schulen zu fingen. Straßb. 
1577. 4. (Clefs 2, 267). 

24) iybZmen Dauids, GeifOiche Gefang .. Bafel, Sam. Apiar. 1581 (WB.968). 

§. 127. 
Der Reichtum evangelifcher Gefangb&cher weist auf eine groGe Anzahl 
eraageäfaber Dichter. JNicht aller LdedeTYerfaftet to^X^c^^voaLV \A<b X^SkaaBsi.- 



Bnoh 4. & 126. 127. 173 

ten folgen hier der Zeit nach, ohne Unterfchied der Intherifchen und refor- 
mierten, saerft ,die hochdeutfchen, dann die niederdentfchen. Die meiften 
Lieder der Beformierten hätten in die Intherifchen Gefangb&cher übergehen 
können; mehr als die Abendmahlslehre, die nicht Alle durchdringt, war die 
Sprache hinderlich, vorzugsweife die Sprache der fchweizerifchen Dichter. 
Dennoch haben mehre Eingang gefanden. Die nd. wurden überfetzt, wie den 
nd. GB. Ueberfetzungen aus hd. zum Grunde liegen. Die Beformierten (galten 
fich in fich wieder mehrfach. Befondere Gruppe würden die Straßburger 
Dichter bilden, die meiftens auf der confefQo tetrapolitana fu6en und mit 
Dichtem der Augsburger CJonfeiBon zuweilen in Widerftreit gerieten. Ein 
folcher Dichter war C. Hubert, der dennoch in lutherifche GB. Eingang fand. 

Die geUtUchen Gedichte Styfels §. 184; b6hm. Br&der §. 189; kathol. Lieder §. 186; 
Hb. Sachs §. 158; Albenu §. 156; Waldis §. 157; FiTchart §. 164, 26; Bingwalt §. 167: Me- 
liiltaa §. 169 u. r. w. Vgl. MeiXterUeder §. 189. Hier die Dichter bis 1546 (Luthers Todes- 
jahr); §. 128 die Dichter bis Anf. des XVH. Jh.; §. 129 fttrltUche Dichter und Akromoha; 
§. 180 Tonfetzer; §. 181 niederdeutfche ; §. 182 Umdichtungen. ' i 

• 1. Erhart Hegenwalt, Magiller, lebte in Zürich ; vermutlich l^&ter Stadtarzt 
in Frankfurt (um 1540). Von ihm nur ein Lied bekannt 

Pfalmus miferere mei deus [Erbarm dick meffn o kerre §ott], Witte nber g freytag nach 
Epiphanie [Jan.) im 1524 Jar: Erhart Hegenwalt Oilhes Bl. q. Fol. (WB. 184, fleher in 
Wittenb. gedruckt.) — Im Erfturter enchir. 1524 (WB. 157, 5) und feitdem in faft allen QB, 

Handlung der verfam | lung in der löblichen ftatt Zürich auff den | xxix tag Jenners, 
von wegen des heylige | Euangeiy zwifchen der erfamen treffen- [liehen botfchafft von Con* 
Itents: Huld> | riebe Zwingli predigers des Eni I gel^ Chrifti vnd gemeyner prie | iterfchailt 
des gantie gebie- 1 tes der egenanten ftatt | Zürich vor gefeBene | Radt befchehen. | in^ 1528. | 
Jar. 24 Bl. 4. (Widmung: 'Dem ¥rirdigenn Geirtliohen herren vä vater: her Johan Jacob Ru* 
finger Apt sum Pfeffers: feinem gnedige herre Entbeuti Meyffcer Erhart Hegewalt feyn willi- 
gen dinft vnd frid in Chrifto*. Umerfekrift : *Zurich auff den dritten Tag des Monats MartH. 
Im Jar. 1528*. (Wolfenb. 90. 20 th. 4. vgl. AL. 8, 92. Panser 2, 2008 ff.) Dagegen fchrieb J. 
Faber: Ain warlich vnderrichtnng wie es zn Zürich by dem Zwinglin vff den 29. tag des 
monats Januarii nebft verfchine ergangen fey. 7 Bgn. 4. (Wolfenb.) — VgL Dialoge §. 140. 

2. Ambroflns Blaurer, geb. 14^2 zu Conftanz, Reformator Württembergs; 
als das Interim der Stadt ConTtanz aufgedrungen wurde, gieng er nach Biel, 
t 1564 6. Sept. zu Winterthur. Beformiert. Seine Lieder durchaus in Aus- 
drücken des gewöhnlichen Lebens. 

Adami vitt. theol. p. 418. Walchner 8. 175. WB. S. 619 ff. Heidelb. Hs. 686. 

Warhafft Verantwortung Ambro^j Blaurer, an aynem erfamen weyfen Rat su Coftentz, 
anaav^end warub er aufi demKlofter gewichen, vnd mit was geding er fleh widerum, hynein 
begeoe w6l. 1528. Von Luterifeher mayfterlodkait. Erger dich nit ab meiner that Die chrift- 
lieh grund vn vrfach hat. 5 Bgn. 4. O^anser 2, 168.) 

Ir gwalt ift veracht — ir kunft wirt verlacht — Ir liegens nit gaeht — gfehwecht ift ir 
bracht — Recht ifts wie6 Gott macht. Ambrofius Blaurer. 1524. 2 Bgn. 4. (Wolfenb. 185. 
6. Th. 4. Vgl. Panzer ^ 271.) 

Etlich geifOiehe gfang vnd lieder vor jaren gefchriben durch meifter AmbrofiumBlaurem, 
s&famengeftelt durch Gregorium Mangolt . . Im Jar 1562. 58 Bl. 8. paplerhs Auf der Wafier- 
kirchbibL zu Zürich. (Waekemgl. KL. 576 ff. und 8. 824 ff. WB. 8. 619 f. wo Lieder und die 
Vorrede mit^eteUt find. Die Hs. enth&lt auch Lieder von Thtau Blauer, Bttrgermeifter zu 
Conftanz, ftarb in der 8chweiz. 

3. Urbanns Reglas, K6nig, geb. zu Langenargen am Bodenfee, Itudierte 
zu Freiburg, IngolfUidt; kurze S^iegsdienfte; gekr6nter Poet, Prof. zu Ingol- 
ftadt; fchloß fich der Reformation an; floh; Prediger zu Augfpurg; 1530 Hof- 
prediger Emfk des Bekenners in Celle ; reformierte das Fürllentum Lüneburg ; 
t 23. Mai 1541. 

Vertetttfehung des Faften Hymps zu difer zeit Chrifte qui lux [Ckrift der du bift da* 
lUehi 9nd tag, des y»t» «im WUtemberg vermag). Urbanus Regius. Im jar 1528. Offnes Fol.-Bl. 
(WB. 126 wo 1525 Druckf. ift; im Breflawer gefang Buchlien 1595. Winterfeld. d. evang. 
jQrchengefang 1, 185). — 8eine zahlreichen fchriften von feinem fohne gefammelt 1562. II. Fol. 

4. Johann von Botiheim von Salbach, Domherr zu Conftanz. 

K. Walchner, Johann von Botzheim und feine Freunde. 8chaffhaufen 1836. 8. Biogra- 
phie 1—99; Briefe — 154: Gedichte — 159 ans Schelhoms Beitr. St. 2. — Biogr. Notizen 
Aber Vadian 160; Bonif. Ammerbaeh 162; Peace 164; Lupfet 165; Bombaflus 165; Mannlis- 
hofer 166; ürbanus Regius 167 ; Mich. Hummelberg 168; Beatus Rhenanus 170; Ottmar Luibi- 
nius 172; Ambr. Blaarer 175; Thom. Blaarer 178; Job. Zwick 182; Georg y6gelin 188\T!Vx. 
ZaBus 184; Joh. Faber 187.) Von B. ift das Gedicht «0 ktxr imd 90U iDotw toÄwÄ« \ ^^äassoL ^'^'• 
in »Hie Jnnen findt man' .. f. 126, 6. (WB. 124). B\. B b«u ^oMetÄ». ^^« 5^^- '^-i^ T 
q. 4. adt Noten, (WB. 1$9). - Zwoy feh&ne nwe Qt«lkCV-\WQlv%\AAA«t. \>%ÄlteS». \J 



174 Kirchliche Voiksdichtong. ^ 

dieh I himlifcher Vater an, Da wftUeft meinen glauben fteircken. i| Das ander, O Herr vnd 
Qot. Nümb., Fr. antknecht. 4 Bl. 8. (HB. 1074). im zwickfchen Gm. 1540, derfen Text mit 
dem gntknechtfchen fibereinftimmt, der Name— Ein lied wider die vonCoftane CofUtnz o we, 
am Boden fee im kathol. Sinne, mit Antwort Amb. Blaorers Coftanz du biß wol dran mit Ckrift 
in WKL. 680. 

5. Paolos Speratos, ans dem fchw&bifchen Gefchlecht der von Spretten, 
foll zn Paris 13. Dec. 1484 geboren fein, ftndierte in Paris nnd Italien ; lehrte 
das Evangelium zu Augsburg, Würzburg, Salzburg, Wien 5 hier 152!^ einge- 
kerkert, kam 'durch göttlichen Beiftand^ los 3 gieng nach Iglau in M&hren5 
K6nig Ludwig v. Böhmen Heiß ihn auf Anklage des Bifchofs v. Olmütz ge- 
fangen legen, um ihn zu verbrennen, Jan von Kuhnftedt und des Königs Unter- 
kämmerer retteten ihn 5 kam zu Luther 1524, der ihn an Albrecht v. Preußen 
empfaL Wurde Bifchof von Pomezan, wo er 17. Dec. 1554 ftarb. 

Vgl. Weiler altes und neues 1, 89. Adami viU. theol. p. 200. Rabus, märtyrer 5, 189. 
Beine Lieder : 1) Es i[i das heil uns kummen her im Erfurter enchirid. 1524. — Etlich CriXtlich 
llder. Wittenb. 1524 bl. 2. mit der unterfchrift Wittenberg 1524 Pau. Speratu«.- — im nutten 
ghefangkboek 1526. — 2) In gott gelauh ich das er hat im Erfurter «nehir. 1524.— Etlioh Orift- 
Hch lider. Wittenb. 1524. bl. 5. als gefang Do ct. Sperati, mit der unterfchrift: Wittenberg 
1524. — im nutten i^efangkboek 1526 — Der Glaube Deütfch zu fingen in einer fckftnen 
melo&ey. lieh glaub an einen gott, der da hat.] 4 bl. 8. (WB. 137.) — S) HUf gott iM'e ift dor 
wMnfehen not imErf. enchir. 1524. — Etlich GriTtllch lider. Wittenb. 1524 10.7 ak gefang 9oct. 
Sperati, mit der unterfchrift: Wittenberg 1524. — im nutten gheflangkboek 1526. — 4) Ich 
ruff zu dir herr Jefu Chnft zuerft bei Jobft Gutknecht (WB. 231 vgl. W. Linck) dann nd. in 
den Magdeburger geiftliken ledern 153^ ohne namen; hchd. im Wittenb. GB. 1535. o. n. — 
Einzeln um diefelbe Zeit mit einem W. Link zugefchriebenen Liede : Ein fch6n geyftlick 
lied, Zn Gott, in aller not trAbfal vnd Verfolgung. Im thon au6 tieffer nott fehrey ich zn dk. 
Oder nun frewt euch lieben Ghriften gemein. Ein ande r gei ftlich lied. Zu bitten vmb glau- 
ben, liebe vnd hoffhung etc. Jobft Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 231). — Er fchrieb femer ein 
Gedicht auf deuRefchstag von Augsburg: 5) Es ift der reickstag für »nd niektes befehloffen: £yn 
lied mit klagendem hertzen. Durch D. Paulum Speratnm Bifchoff zu Pomezan, zcn eyner 
getrewen warnung geftingen dem Kayfer vnd Fdrften, das fie fich die Bifchof nicht verfuren 
lafTen, vnnd da mit fich felber vnnd gantz Deutfchlandt ynn ej^el blut baden vnnd gar daxvnn 
erfaufifen. 4 Bl. 4. (17 Str. WB. 294). Zwey rch6ne ChriftUche lieder L Durch D. Pauhim 
Speratum, Bifchoff zu Pomezan Mit klagendem . . n. Durch einen Jungen Graffen N. au lob 
▼nd preis GötÜichs worts, mit viel lieblichen Exempeln der heiligen fchrifft. Mit zweien 
ftimmen, auff Bergkreien weis. Wittemberg. G. Rhaw. 16 Bl. 8. ('Freut euch, freut euch in 
difer zeit' von Alberus. WB. 295). 

6. Juftns Jonas, 5. Jul. 1493 zuNortbaufen geb. 5 Wittenbergs reformierte, 
im Auftrage Herzog Heinrichs von Sachfen, Meiffen und Thüuingen, 1541 Super- 
intend. in Halle 5 bei Luthers Tode zugegen 5 1551 Prediger zu Eisfelds 
t 9. Oct. 1555. 

Vgl. Adami vitt. theol. Frcf. 1653. 8. p. 258 ff. — Seine Lieder: 1) Wo gott dor harr nickt 
bei uns häU. im Erfurter enchir. 1524. o. n. (WB. 157). — 2) Herr Jkefu Chrift dein Erb «ht fimd. 
Der Neun vnd Sibentzigfte Pfalm, zu die- 1 fen ferlichen zeiten, allen Chriften su troft cu 
fingen vnd zu beten in Reime geftalt, Nach der Melodey, Wo Gott dei Herr nicht bey vns 
helt. Durch Doctor JuTt. Jonas Superattendenten zu HalL Anno 1546. HalUe Saxonum. 
9. Juiy. Gedr. z. wittemberg d. Georgen Rhaw. 4 Bl. 4. (Berlin theol. XL litnrg. hymnol. 
WB. 508). — o. O. 4 Bl. 8. (Wolfenb. 925. 17. theol. 8. Nr. 18. vor 1649). — 3) Der herr erh6r 
M*cA in der noth. Des XX. Pfalm Auflegung, jnn Reim gefaft, zu beten vnd zu fingep, vor 
die l6blicliften Gottf&rchtigen Herrn, Den Cburfürften zuSachfen, vndLantgrauen zuHefTen, 
vnd Jrer Ghur. vnd F. G. Mitvorwanten. Nach der Melodey, Vater vnfer im Him«lrei<di. 
Durch D. J. Jonam. 1546. Gedr. z. Wittemberg durch Georgen Rhaw. 4 BL 4. (HB. 1020. 
WB.909).— Vor einem liede B. Warttenbergks. 1546. 4B1. 8. (Wolfenb. 925. 17. Th. 8. N.16). 

— 4) Herr Jefu Chrift, o warer gott. Hertzog Johan Wilhelms zu Sachffen Lied, im thon, Ich 
armes Meidlein klag mich fehr, etc. (bl. Aiij folgt Jonas lied) o. O. u. J. 4 Bl. 6. (HB. 1154. 
WB. 537) Andrer Druck. 4 Bl. 8. (Wolfenb. 925, 17. Th. 8. Nr. 35 vor 1549. WB. 638). 

7. Laaanis Spengler, geb. 13. Merz 1479 zu Nürnberg, 1507 Batsfyndikiifi 
dafelbft, trat fehr frfih auf Luthers Seite 5 Beförderer der Reformation in Nümfo. ; 
t 7. Sept. 1534. 

Vgl. Gottlieb Hausdorf, lebensbefchr. L. Spenglers. Nümb. 1741. 8. — Sckmtzred vü 
«hriftenliche antwort ains erbam liebhabers g5tlicher warhalt der balligen gefchrifft, auff etUeher 
widerl^rechen, mit antzaigunge, warüb Doctor Martini Luthers leer nit fam unchriftilich ver* 
worffen, fonder mer als Ghriftenlieh gehalten werden fol. Apologia. 1519. 9BL 4. (Fünf Ana- 
gaben, f. Nopitfch-Will. 8, 256). — Bekantnus Lazari Spengler Weiland Syndici der ftat Nürn- 
berg. Mit Vorrede D. Mart. Luther. Wittemb. 1535/6. 8 Bl. 4. Bekendnis . . Nflmb. 1535. 12 
Bl. 4.; in Rabus, mXrtyr. 8 (Strßb. 1555. 4.), 178 ff. — Ein (bherzgedicht auf Alb. DArer 1509 
▼gl. oben §. 117, 19. — Seine Lieder: 1) Durch Adams fal ift gmttz verderbt, zuerft inWalthei* 
Gkyft. gefanf k Buchleyn 1524, im nutten ghefangk bock 1526. •— einzeln : Ain fchön GeiftUek 
Lied, Durch Adams fall, ift gantz verderbt, etc. Aus der heyligen gfchrifft gezoge n, hn thcAi, 
N'aeh willen dein. Oder, Was wirt es doch, des Wunders noch etc. 1534. 4 Bl. 8. (WB. 321^ 

— 9) Verffebens ift all mUt und koft, zuerft in J.Klugs Wittemberger GB. 1535; auch in For- 
/ItAfv Jledlein 1, Nr, 63 Nümb, 1539, nur Str. 1— d. Bior -^«te eiotV o\m« l^waei^ dar in altcoi 

Qmellen niebt gmimnnt wtfd. 



Bnch 4. §. 1*7. 175 

8. AeniyBU GcU zu Eifenach: Eyn new gedieht zcn fingen 3m der melod«y als man 
finget, Die weit die hat ein thummen mueth. (Frewdt euch ir chrifte alle glfyc hy dariu das gantze 
r&mifch reich. 20 fechsz. ftr. in der letzten der name). OfFhes Bl. Fol. (WB. 185.) 

9. Heinrich Vogthcrr, der ältere, geb. 1490, 1524 Maler zu Wimpfen, 1537 
Drucker zu Straßburg. (Der jüngere Heinr. Vogtherr 1513 geb. arbeitete mit 
dem altern 1537 gemeinfchaftlich). 

Vgl. Jof. Heller, gefch. der holzfchneidekunft. Bamb. 1828. S. 92. — Kunflb&chlein. 
Straßh. 1587. 40. 43. 1610. — H. Vogtherr Eyn fch6ne vnd Gotfelig KurtzweU eines chrift- 
lichen Loftbuchg. StraÜb. 1539. Fol. (in Verfen). — Ein nützlich Bad vnd artz nei, den Bruch 
.. zn heylen. Gktruckt zu StraBburg, durch Heinr. Vogtherren. 1539. 8 Bl. 4. (WB. B- 74). — 
1) Ain Nefiw SwangeUfch lied, au^ der fchrifft gezogen. In dem thon, Aufi hertem weekiagt 
fleh ain held (Auß tieffer not fehrey ich zu dir, Gott wbllfi dich mein erbarmen) . Heinrich VogthM* 
Maler zu Wimpffen 1524. Offnes Fol.-Bl. (WB. 186. Wilken Heidelb. Hss. S. 585.) in die GB. 
nicht aufgenommen. — 2) Ein neuwes Euangelifch Lied in allem cretitz Jedem Criftenn gante 
tröitllch Aufi göttlicher fchrifft gezogen. Im Jar 1525 (Lob fei dir Jefu Chrifte) am Ende : Ge- 
macht heinrich vogther maier zu StraBburgk Gedruckt Peter kommann von Augf^urgk. Im. 
26. Jar. 4B1. 8. (WB. 282.) — 8) Gott ift fo gut dem Ifrahel pf.78. — 4) Herr gott ich tram allein 
vff dich pf. 71. — (Beide im dritten teil des Straßb. kirchenampts 1525. WB. 190). — 5) Herr 
gott der du erforfcheft mich pf. 189. (1527, vgl. WB. 249.) 

10. Symphorianas Poliio, Althießer, Pfarrer zu s. Stephan in Sträßburg, nach 
Wicrams Abgange Prediger im Münfter als Matth. Zells Gegner, wurde deffen 
Genoße. . 

1) Mein feel erhebt den h erren mein, mein geift thut Heh erfpringen in Ordnung und Inhalt 
Tetitfcher Mefs c. 1524 (WB. 161, 7). — 2) Votier unfe r wir bitten dich, wie uns hat giert herr 
Jefu Chrifiy das ander theyl. Straßb. Kirchengefang 1525 (WB. 189, 8) im nutten ghefangkboeke 
1526. o. n. 

11. J«ka]iM8 6rM8. — Das gebet Hieremie des Propheten Auflegung defi gebets in 
gefangweyB. 1525. 4. — bl. Aij: Auflegung des Gebets in gefangweyÄt Im Thon es geet ein 
Arifcher ftunmer daher, da werd^ jr hören newe mer. Johannes .CreJß Neophites. Anf : *0 
menfch gedenck die grofTen klag . . rtr. 7 : Das waffer ift der haylig tauf^ Den mdfi wir von 
den pfaffen kanff, Das holtz bedeut den glauben, Dardurch die lieb des nachften brindt, vmb 
fonft k6n wirs nit haben. — 44 Str. Wolfenb. 77. 2. Th. 4. — Vgl. AL 8, 130. 

12. Otind lern. — Ain hübfch euangelifch lied dar in auifia ktlrtzeft angezaygt ift was 
gott am maiften mifzfeldt vnnd gefeit ktirtzlich corrigiert. Im thon es geedt ain frifcher 
fnmer da her. 1524. Oder Im new en thon von Mayland [Ain gnad reich zeit ift kummen daher] 
Oonradt Kern 1524. 4 Bl. 8. (WB. 151). 

13. Georg Kern, aus Geifenhaufen, Landgraf Philipps zu Heßen Gefang- 
meifter. 

Drey geyftliche lieder vom wort gottes, durch Georg kern Landtgralf Philip« zu Hoffen 
Gefangmayfter. Der Juppiter verendert geyftlich durch Hans Saohffen Sohufter. 1525. 4 Bl. 
4. (WB. 177. ELlendigklich, ritff ich, O gott mein herr, gewer. In dem Thon 'Klag fdr ich groß, 
gantz plofi' — ACh feyndes neydt, wie haft fo weyt, In dem Thon. 'Mich wundert zwar, was 
frawen bar* — VOn edler art, auch reyn *nd zart, erquilt wzs fort (das g6tlich wort?), wetichs 
gar lang. In dem Thon. Von Edler art, eyn frewlein zart. — 

14. Ludwig Oeler, KarthäuTerordens, wegen feiner Predigten über die Un- 
fittlidikeit der GeifÜichen von Freiburg im Breisgau vertrieben, 1524 Bürger 
zu Straßburg. 

1) Aeh herr, wie find meinr feind fo vil pf. 3. (1525 o. n. WB. 184). — 2) Wol dem men- 
fchen,^der wandelt nit pf. 1. — 8) Warumb tobet der heiden hauff pf.2. — 4) Erhir mich wann ich 
r&tf zu dir pf. 4. — 5) Erhbr mein wort, mein red f>ermm pf. 5. — 6) Ach herr ftraff mich nit in 
deim zom pf. 6. — 7) Auff" dich herr ift mein trauen fteiff pf. 7. — 8) Herr unfer her r, wi e herUek 
ift pf. 8. (Nr. 2—8 zuerft 1525 o.n. WB.189. Der Name von 1. 3—8 znerft 1537 WB. 364. — 
Nr. 1 auch o. n. in 'Drey fch&ne Geyftliche Lieder.' Das erfte von der gedult, Im thon ent- 
laubet ift vns der walde. Das ander, der 18. Pfalm Dauids [Hans Bachs]. Das dritte, der 
3. Pfalm Dauids In gefang weifi. Nümb. Val. Newber. 4 Bl. 8. (HB. 1045). 

15. Johann Xylotectos, J. Zimmermann, in Lucern, vertrieben, f 6. Aug. 1526 
zu Bafel an der Peft. 

Vgl. J. J. Hottinger, helvet. Kirchengefch. 1708. 8, 124. — J. Zwicks gfangbflchle 1540 
nennt J. Xylotectus als Verf. des Liedes " Welcher das eilend buwen wöl, der mach fUh vf end 
rikft ßch fchnell, wol vff die rechten ftraffen, Vatter vnd muter, eer vnd gut . .' (4 Str.), das nach 
einem alten Jacobsliede ^offm. GEL. S. 216) gedichtet ift. 

Andere geiftliche Umdichtungen der Jacobslieder aus I^&terer Zeit: Der Ghriften Bil- 
gerfcha£ft oder Walfart . . Augfp. NarziB Raminger. 4 Bl. 8. (WB. 886 'Welcher das eilend 
buwen will, fin feel bewaren vor der hall). — Bauet Jacobs Lied, Chriftlich gebefiTert (Wer 
das Elend buwen wil] Hans Gflldenmnndt. 4 Bl. 8. (mit Hans Sachs* liede : Chrift« warer fon 
gottes fron). — Sauet Jacobslied, Chriftlich gebeffert [Wer das eilend buwen will, der maeh 
floh vff vnd züch dahin]. Noch ain ander lied, Sanet Chriftoff du vil balliger man ^yoxvUaaBa^ 
Sachs], verendert, vnd Chriftlich Corrigiert. Augfj^urg, Hau» Wmmctrtvwi.. %. r^TÄ. '^'SV^ ^saA. 
beide mit Xylotectus liede: Drey GeiftUdie Jacobs Lledet .. ¥WÄTi>ö.\i«AwV%«i»%^.^. ^2:1. 
1641. 8 M. S. (WB. 484 f.) — N&mb. Val. Keubttr. « m. %. QfTÄ. «ft^. *.. ^ Tää^^ feÄSB^S»». 



176 Kirchliche Volksdichtung. 

Fried (nicht Paed). 8 Bl. 8. (Hofhn. GEL. S. 216. WB.388). — Nttmb. Fr. Gatkneoht. 4BL 8. 
(WB. 605. BerUn 9494. 25.) 

16. Woir^an^ Daehftein, Yicar and Organilt zn S. Thomas in Straßb., 
hatte 1524 den Mönehsftand verlaßen und fich verheiratet. 

VgL Bfthrich. gefch. d. ref. in Strfib. 1, 211. Seine Lieder : 1) Der t&reoht fprieht, es iß 
kein gott (Das ander theyl. Straßb. Urchengefang. 1525. WB. 189). 2) O kerr^ wer wirt wo- 
mtnge kan (Stra8b. kirchenampt 1525. WB. 192). 3) An wafferfi&fren Babylon (zuerft o. n. in 
Pfalmen vnd liedern 1530. Bl. 44. WB. 1150). 

17. Mattheas Greiter, Chorfänger am Münfter zu StraGbnrg, f 1552.' 
Von ihm 1) der 12. pf. Ack gott wie lang mergiffeft mein (Ordnung des herren nachtmal 

1525. WB. 184). — 2) der 51. pf. O Herre gott hegnade mick (Theütfch kircheampt. 1525. YTB. 
1§5). — 3) pf. 119 Es feind dock feiig alle die. — 4) ein teyl des 119. pf. Hilft f^'rre gott dem 
deinen kneekt. — 5) Nun welcke kie jr kofnung kan (3—5 in : Das dritt theil Strafib. Kirchen- 
ampt. 1525. WB. 190). — (Ein von ihm gefetztes Lied gegen Mnmer Von vpjriglieken dingen fe 
will ieks keben an fteht in G. Forfters MTchen Uedlein 2, 56). — 6) der 114. pf. Da Ifrael amß 
Egypten zock. — 7) der 115. pf. Hit uns, nit uns o ewiger gott (6 n. 7 in: Die zwen Pfalmen: 
In ezita Ifrael etc. vnd Domine probaffci me etc. verteütfcht .. Straßb., W. lE^opphel. 1527. 
8 Bl. 8. WB. 249). — 

18. Jörg Berckemneyr, 1525 — 1545 zu Ulm, wurde 1545 als ein Anhänger 
Schwenkfelds von dem Ulmer Pfarrer Frecht denunciirt. 

Vgl. Veefenmeyer, Beitr. Ulm 1792. 179 if. 

Fün£f Schöne ChrÜUiche andechtige Gebett. 1) Herr Jefa Ohrift, war menfch vnd gott 
(v. P. Eber). .2) Herr Jefa Ghrifte gottes fohn (v. Nie. Selneccer). 3) O kerr bis du mein tn- 
•erfiekt. 4) du betrübter Jeß$ Ckrift. 5) Hilff mir auch in der letzten not . . Angr]p. Mich. 
Manger. 8 Bl. 8. (HB. 1070). — rep. Anpfg. Val. Sch6nig. 4 Bl. 8. (Veefenmeyer 180. Berlin 
B 1180. — 3 in vielen GB. P. Eber zngefchrieben). 

Zeyger der Heiligen Gefchrift.. Das Bdchlin wird der Zeyger genannt, Die heilige 
Schrifft thnt es bekant, Welcher die Bibel hat im Hans, Dem gibts guten Verftand daraas, 
Vnd ift gut den gemeinen Layen, der mag fich wol darin ermeyen, Als in eim blfthenden 
Garten, Der Fracht werd wir am End erwarten. J6rg Birckenmayer zu Vlm ein Lay. 1525. 
12. (Panzer 2, 385 f.) 

Spruch au8 der heyligen gottlichen fchrifft, Alts vnd news Teftaments, welliches da 
feyent die falfchen propheten, weyffagen vnd lerer, die das volck Gottes veifdren vnd blen- 
den. Damach anzaygung der frommen gerechten propheten, weyffagen vn lerem, die allain 
das wortt (Lottes leren. J6rg Berckenmeyr zli Vlm. 1528. 10 Bgn. 8. 

19. Johann Oecolampadias, Hnsfchin, 1488 zn Weinsberg geb., Reformator 
in Bafel, Einf&hrer des deutfchen Kirchengefangs dafelbft nm Michaelis 1526, t 
1531, 23. Nov. (1. Dec.)| 

VgL Haller Schweizerbibl. 2, Nr. 1194 ff.— Der X.Pfalm geprediget im 1525. Jar, durch 
Joh. Oeoolampadinm Prndicant bey S. Märten zu Bafel. Mit famt derAnslegung inO^fangs- 
weife begriffen. Bafel 1526. 8. (AL. 3, 146). 

20. Johann Rolroß in Bafel. S. Schaufpiel §. 146. 

Von ihm die Lieder: 1) So gott znm kaus n^ gibt fein gu nft i m Zwickawer gefluigbchL 
1526. ohne Namen. (WB. 178). In dem Magdeborger GB. 1534 (WB. 325) in J. Klugs GB. 1535 

gWB. 328) ; im Straßb. GB. 1545 Luther zugefchrieben. (WB. 480.) — 2) Ick dank dir Ueber kerre. 
nerft einzeln: Ein fch6n geyftlich new Liede, zu fingen. So man zu morgens auffgeftanden 
ift. In d em t hon. Entlaubt ift vns der walde. Mit eynem fch6nen gebet . . Ndmb. G. Wächter. 
4 Bl. 8. (WB. 330 f. nur Nachdrucke älterer). — Sch&ner geyftlicher Lieder Zwev. Das Erft 
eyn Danckfagung wen man des morgens vfffteht. [Kohlr. o. n.]. Das Ander, Die Sch6nen 
Wort Ghrifti. In der Melodei: Chrifte, der du bift tag vnd Uecht, etc. Marpnrg im Jar 1555. 
8 Bl. 8. (HB. 1043. das zweite : Wir w&llen fingen Sch6ne wort. Die da geredet hat menfch 
vnd Gott . . 49 vierzeil. Str.). — zufammen mit Witzftadts b, Nümb., K. Hergot, Zwickaw, 
W. M^erpeck u. f. w.; in Val. Schumanns GB. 1539. — 3) Herr ick erkeb mein feel zn dir in 
Frofchowers GB. 1550 . o. n. WB. 761, 3. — 4) Ewiger gott vatter vnd kerr in Caroli Ackers 
gftagbchl. 1568. WB. 897, 8, e. 

21. Johann Frofch, ans Bamberg, Carmeliter; 1516 Licentiat nnter Luthers 
Vorfitz; 1517 Prior in Augsburg; 1522 evangel. Prediger zu Augsburg; 1527 
Difputation mit den Widertäufern ; 1531 Prediger in Nürnberg, f 1533. 

Vgl. Strobel neue beitr. 1,2, 187. Salve regina a D. J. Frofch, carmelita Angufte caftf* 
gatom. 15S4 in Kappes nachlefe 2, 623. Areti ns b eitr. 9, 1021. — Von ihm : ^tt felbp iß 
unfer fckutz nnd macht, hinter Brenz* tedenm (WB. 297) dann in den Straßburger pfätmen 
1580. Bl. 68 f. o. Namen. 

22. Wenzeslaos Linck, geb. 1483 zu Kolditz, AuguTtiner, Prior; fchlqß fich 
Luther an, heiratete 1523, predigte 1525 in Nümb. evangeliTch, Paftor an der 
Spitalkirche; f 12. Mai 1547. 

Seine vielen Schriften bei Will-Nopitfch 2,448. 6,306. Darunter: Wie der grobe menfch 
nnfers herm eferfein folL 1518. 1519. 1521. — Dialogus der ausgelaufenen mttnchen. 1521. 
1525. — B[iftoria wie s. Heinrich von Zutphan neulich in Dithmars vmbs Euangelions willen 

gemMrtert vnd geftorhen ift. 1525, 4. — Bapft Gepreng au8 dem Geremonien Buch. Stra6b. 

JMfi. 4. — Von ihm: fiEii £ch6n geyrtUob \iod, Sbi OqU, ia «IVsk ikoV XaAao&tS^^nA ^«ct(k!«u< 



Buch 4. §. 127. . 177 

. . Jobrt Gntknecht. 4 Bl. 8. fmit Speratus 4. o. n. WB. 231), in der Angsburger form und 
Ordnung 1533: im wolfTchen GB. Luther gegeben und die Bemerkung, Aa,Q etliche ezem- 
plaria das gefang D. W. Lincken zufchrieben. WB. S. 356. Sein Name zu Teinen Lebzeiten 
nicht genannt. Zuerft in Val. Babfts GB. 1553 mit D. W. L. bezeichnet, woraus die Ver- 
wechOnng mit D. M. L. erkl&rlich. ' 

23. Ofwald Glaydt: Die Zehen gebot zu fingen im thon, Es wonet lieb 
bey Hebe. 153Ö. 4 Bl. 8. (Es redet Gott mit Mofe, WB. 296). 

24. Johannes Anglicns, Englifch, von Buchsweiler, Helfer am Münfter zu 
Straßburg, 1563 wegen feines hohen Alters in Ruhe gefetzt, f Aug. 15T7. Ge- 
wöhnlich der Leymen Hans genannt, weil ei^im Leimengäßlein wohnte. 

Die ihm zugefchriebenen Lieder: 1) Gebenedeit fei gott der herr und 2) Im fried en dein 
o herre mein erfcheinen, ohne Namen, zuerft im Straub. Gefangbuche von 1630 (WB. 1150). 
Einzeln: Der fiben vnd dreyrfigft pfalmDauids .. [von Hetzer]. Das lobgefang Zacharie, Be- 
nedictus, Luce 1. Das lobgefang Simeonis, Nunc dimittis, Luce ij. (Str^b. W.Köpfel.) 8B1. 8. 
(WB. 251). — Nr. 2 wird in AberUns Pfalter 1537 und in W. Köpfete Pfalmen 1541 buEAdUck 
beigelegt, was wol mit Englifch gleichbedeutend iXt? 

25. Sebaldns Heyd, geb. um 1498 zu Nürnberg, befuchte die Lorenzfchule ; 
Univerfität zu Ingolftadt; Lehrer inSteier und in Ungarn; 1519 Cantor in der 
Spitaler Schule zu Nürnberg; änderte das Salve regina, Streit mit Schatzgeyr ; 
1524 ßector zu S. Sebald; f 9- Jul. 1561. 

Vgl. G.Q.Zeltner, kurze erläuter. der Nürnb. fchul- u. reformationsgefch. aus leben und 
fchriften Seb. Heyden. Nürnb. 1732. 4. — Beine Lieder: 

1) O menfch bewain dein fünd en g roß. Erfter Druck fehlt. — In Form vnd Ordnung Gayft- 
licher Gefang . . (Augsb. c. 1531. WB. 291). ^ Einzeln : Der paffion, oder das leyden Jhefu 
Chrifti, in gefangs weyß geftellet. In der Melodey des 119. Pfalms, Es find doch feiig alle 
die. Nürnb. G. Wächter. 8 Bl. 8. (wenigftens nicht vor 1525, wenn auch nicht von diefem 
Jahre (WB. 207). — Zürich, Auguftin Prieß. 8B1. 8. (WB.403). — Nürnb., Fr. Gutknecht 1548. 
8 Bl. 8. (mit einer 23. Str. WB. 565). -^ Nürnb., Fr. Gutkn. 8 Bl. 8. (WB. 666). — Die gantze 
Hiftoria des Leidens, Sterbens vnd Aufferftehung . . fampt den Noten . . Leipz. Val. Babft. 
1549. 8B1. 8. (WB.576). — Paflio, Oder das Leyden Jhefu Chrifti .. 1560. Nürnb. Val. Newber. 
8 Bl. 8. (WB. 806). 

2) Wer in dem fchirm des h&ch/ien ift Pf. 91. hinter *Der 91. Pfalm. Wie ein Chrift in 
fterbJBleufften fich tr&ften foll. Zu Nürnberg gepredi gt, D urch Vitum Dietrich 1544. NArmb., 
d. Johann vom Berg, vnd Ulrich Neuber. 4 ; Bl. Tij (wB. 464). — Im Buche : ETliche Lieder 
Gepet vnd Pfalmen. die ein Erber Rath der Stadt Nürmberg . . zu Singen vnnd zu Beten 
angericht haben. Nürmb. Chr. Gutknecht. 16 Bl. 8. (WB. 514). — Vor Freders 'Ich dank dir 
got' Nürnb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 623). 

3) Ich glaub an den allmechting got. Der Chriftliche Glaub, in GefangsweyA geftelt, Durch / 
Sebaldum Heyden. Im Thon des Vatter vnfer D. Lutheri. 1545. Nürmb., d. Johann vom Berg 
vnd Virich Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 486). — Zwey fchöne Geiftliche Lieder, Im Thon des Vater 
vnfers zu fingen. Das erft, wie man beten fol, vnd was zu einem rechten ernftUchen gebet 
geh6r, nemlich fünff ftdck, wie hernach klerlich folget [Nim Gottes wort fdr dich, fichs an 
So du ein rechts gebet wilt than. 13 fechsz. Str. vgl. Kettner.J Der Chriftliche Glaub in ge- 
fangsweifi geftellet, Durch Sebaldum Heyden. Nürnb. durch Val. Newber. 4B1. 8. (HB. 1056). 

4) Als Jhefus Chriftus vnfer herr. in Veit Dietrichs agendbüchlein 1545?— Die einfetzung 
vnnd brauch des heyligenn Abendtmals . . in gefangsweyß geftelt. Durch S. Heyden. Nürmb. 
Chr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 810. BerUn F 9494. 40). — Nürnb. Val. Newber. 4 Bl. 8. (HB. 
1056). — Nürnb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 810). 

5) Chri/lus Gottes fohn unter herr. Mit dem Namen, der 5. in: Fr öhlic her Oftergefeng 
Sechfe, auft der heiUgen fchrifft .. Nürnb. Val. Neuber 1554. 8 Bl. 8. (WB. 664). — Nürnb. 
Val. Newber 1561. 8 Bl. 8. (WB. 826). 

6) Gott unfer ftärk und zuverßcht Pf. 46. Ein Lied zu fingen wider die zwen Ertzfeinde 
Chrifti vnnd feiner heyligen Kirchen den Babft vnd Türeken etc. Doctor Mart. Luther [35. 28]. 
Der 46. Pfalm, eynem jeden .Chriften in difer zeit tr6fl;lich zu fingen, Im Thon, Nun frewt 
euch lieben Chriften gemeyn. Durch Sebaldum Heyden. Nürnb. Val. Newber. 4 Bl. 8. (WB. 666). 

7) Gott du hirt Jjraels merck auff. Der 80. pf. zu fingen vnd zu betten für die chriftlich 
Kirchen wider alle Wider Chriften vnd Verfolger des g6ttlichen Worts inn gefangsweyl) ge- 
ftelt. Durch Sebaldum Heyden. Nürnb., Val. Newber. 4 B1.-8. 

26. Anton Corvinns, geb. zu Warburg 11. Apr. 1501, Ciftercienfer zu 
Biddagshaufen, Loccum; ftudierte in Leipzig; 1522 aus demKlofter gefto^en; 
Wittemberg; Anteil an der Errichtung der Univerf. Marburg 1527; 1528 Pre- 
diger zu Goslar, kehrte 1532 nach Marb. zurück; mit Kymeus in Münfter 
KnipperdoUing widerlegend; unterfchrieb die Schmalkalder Artikel ; 1538 Pre- 
diger zu Witzenhaufen ; reformierte das Fürftentum Calenberg, 1541 Prediger 
zu Pattenfen, 1542 Hofprediger und Generalfuperint. Die Reformation durch 
Erich n. bekämpft; Corvinus 1549 eingekerkert, feine Bibliothek zerftreut, 
Teile davon in der Stadtbibl. zu Hanover; 1553 befreit, f 3. Apr. 1553. 

D. E. Baring, leben Ant. Corvini. Hannov. 1749. %. 

Ermanung an den Adel fo unter den EuangeAiCcVxen. tat5\.etk. -«o^^u . . Ti^Ä ^^a^ "*^n«]^ 
gotea wort vü die Bnangelifchen zu ftrelten nlt -vor uemeu ..I>\aOa.k3DÄv<ya.^^x^^^'öö'*^^'*^* 

06deke, Grundriß- ^^ 



178 KirchHohe Volksdichtung. 

Harpurg. 6Bgn. 4. (Berlin aus HB. 1506, Gedicht nachHattensMafter, durch das Aiigaburger 
Beligionsedict veranlajßt). 

Die fümemeften Artickel ynTer GhriXUichen Beligion in Chriftliche gefenge gebracht.. 
Durch Anto. Coruinuia . . Hannober, Henningk Rflden. 1546. 21 Bgn. 8. (26 Gedichte. WB. 500). 

Kirchenordnung für die ftadtNortheim 1539. 4.; Mündener Kirchenordnung. Erf. 1542. 4. 
Kerc kenOrdeninge vor de Parheren yn dem Förftendome Hertogen Erichs. Hannouer 1544. 4 
(WB. 466). — Kercken-Ordeninge der Stadt HUdenaen. Hannouer 1544. 8. * 

Epiftola de miferabili MonafterienSum anabaptiftarum obfidione . . regia, Knipperdollingi 
ac Krechtingi confessione et ezitu, ad G. Spalatinum Marp. 1536. 8. Witteb. 1536. 4. (Schard 
88. rer. germ. Giefsen 1673. p. 314). — Gefpreche vndDiI)putationAntoniiGoruini vndJoannis 
Kymei mit dem Mtinfterrchen König, mit KnlpperdöUing vnd Krechting, ehe denn fie gerecht- 
fertiget worden fein, gehalten Im Jenner 1536. 4. (in Luthers dentfchen Sehr. Wittb. 2, 428. 
•Seckendorf fchol. ad hiftor. Luther. Ny40). — Acta, Handlungen, Legation vnd fchriffte, fo 
durch den Landgraffen zu Hoffen Herrn Philipfen in der münfterfchen Sache gefchehen. 4. 
(vgL AL. 1, 327. Alle 3 in der Stadtbibl. zu Hanover). 

27. Herman Volpins and 28. Jacob Rlieber, unbekannt, um 1530. 

Vier geiftliche Reyenlieder, Das erft. Nun kum herzS du Junge fchar. In dem thon wie 
man vmb krentz fingt [unterz.: Hermanus Vjüpiusl. Das ander, Der Maye, der Maye, bringt vrns 
der bl-ätnlein vil [10 Str., die dritte : Wir waren all gefangen . .]. Das dritt, Im thon, Heint 
hebt fich an ein abent tantz [Pf. 32. Ich weiß der herr der ift mein hirt 18 Str.] Das viert [Ein 
Reyenlied vom Gefetz vnd Euangelio], Wie fteet jr hie vnd [echt mich an. Auch darbey das 
Vatter vnfer, in ge fang sweyfe. [Vater unfer der du bift, Kyrieleifon] Ndmberg, Kunegund 
Hergotin. 8 Bl. 8. (WB. 339. Jedes der drei Lieder mit Jacob Klieber unterzeichnet. Vgl. 
Hoffm. Gefch. d. KL. S. 404). — Ndmb. Chriftoph Gutknecht. 8 Bl. 8. (Berlin F 9494. 23). — 
Nümb. Val. Newber. 8 Bl. 8. (WB. 341). — daf., andr. dr. (WB. 342). — Nflmb. Fr. Gntknecht. 
8 Bl. 8. (WB. 340). — Aufgenommen in Val. Babfts GB. 1553 ift Vulpius Lied und KUebers 
erftes (WB. 649) ; in den Dietr. 525 geifU. Liedern. 1599. 787 u. 780 find beide Nie. Herman 
zugefchrieben. In den Fuhrmannfchen Nürnb. 766 Pf. 907 ift der Maye o. Namen, Vulpius 
Lied unter deffen Namen aufgefahrt. vgl. Halbmeyr. — Die Umdich^g des Liedes vom 
Kuckuck, die Hoffm. GKL. p. 398 dem 'luther. Prediger Herman Vulpius' zufchrelbt, ift nicht 
von diefem, fondern von Herman Vespafius. §. 132, 11 . 

29. Hiehael Weyuntr, diener des euangelions zu Angfpurg 1580—41. — Ain Emftliche 
ermanung Jhefu Chrifti, vnfers lieben Haylands, an dye vnfleyfßgen Chriften, Durch den 
Weytberumpten Doctom Erafmü von Roterdam, im Latein befchi^ben, Vnnd durch D. Ml- 
chaelem Weynmar zu Augfpurg mit andacht zu fingen verordnet [Sagt an ir menfchen all ge- 
mein 53 ftinfz. Str.]. Im thon, In Gottes namen faren wir, oder wie dye Zehen gebot. Mit 
fampt Anderen fch6nen gayftlichen Lobgef&ngen etc. [Mit Luft vnd freud ich far dahin; 
Luth. 22? Luth. 16. 14. 28. Chrift der aynig gots f un — O Herre got in ewigkait, Wie ift 
dein nam fo Wunderleich ; Th. Mflnzer 8. 7.] Augfp. Heynrich Steyner. 1532. 16 Bl. 8. Biederer 
nachr. 1, 455. WB. 313. S. 468). 

Ain kurtzer einfeltiger bericht vom hailigen Sacrament des leibs vnd bluota vnfers 
Herren JeAi Chrifti. Durch die Prediger vnnd Diener de^ hailigen Euangelij zu Augl^purg 

SK Seb. Mayer, D. Michael Weynmar, M. Bonifacius Wolfhart, M. Mich. Keller, Wolffgangus 
eüßlin, Joh. Henricus, M. Jacobus Dachfer, Joh. Ehinger, Wolfgangus Haug, Leonhardna 
Kegel] 1535. Ph. Vlhart. 16 Bl. 4. 

Eine ^eiffige und freundliche Ermahnung zu der Gnadenreichen Liebe gegen GOtt und 
den Nechften . . die zu dief en Zeiten am allernohtwendigften feyn wil. Zu Augsburg in Sanot 
Ulrichs Glofter, durch Doct. Michael Weynmair nützlich vnd traulich gefchriben .. Augsb. 

1541. 8. (AL. 3, 309). 

30. Kltner. Drey Schöne Lieder. Erftlich, Entlaubet ift der walde, Gaiftlich [Belaubet 
ift der walde durch A. Kitner. 1533] vnnd Weltlich [Entlaubet ift der waldej, in einem hohen 
Thon zu fingen. Zum dritten, des . . herm Achatzen vo n Lof enftain Lied [Nach gßtndt vnd 
freudtj gemacht in feiner kranckheit]. o. O. u. J. 4 Bl. 8. (WB. 317). 

31. Wolfgang Capito, geb. 1478 zu Hagenan, legte mit J. Oecolampadios 
den Grund der Reformation zu Bafel, 1520 Ho^rediger beim Erzbifchof von 
Mainz, Prediger zu Straßb., f l^ec. 1542 an der Peft. 

Von ihm: Gi b fri d zu unfer zeit, o herr, groß not ift ietz vorhanden, (noch nicht im StraBb. 
GB. von 1530 wie WB.1150,4 angibt, wo 555 anftatt 535 zuleifen ift.) Wol zuerft imStraSb. 
GB. 1533. WB. S. 714. Dann auch im Augsb. GB. 1533. WKL. 535. — Einzeldruck vom J. 

1542. Berlin F 9494. 48). — Ich bin ins fleifch zum tod geborn; dafelbft.— Die nacht ift hienf der 
tag bricht an ; zuerft im Straub. GB. 1545. 

32) Johanne! Sanffdorffer: Ein geiftlich lied, Wider die drey Ertzfeinde der feien, Im thon. 
Mag ich vnglück [0 gott verleih 'mir dein genad, gib hilf und rat zufa mmen mit Witzftadts b] 
(WB. 230. 259 ; mit dem Namen), in Val. Schumanns GB. 1539 (WB. 1084, 8). 

33) M. B., Mttnzer, ein Baier oder Franke, um 1534. — Zwey Schön new Geiftlich lied, 
aus Göttlicher fchrifft, von dem wdften wefen der itzigen böfen Welt, zum Schrecken den 
Gottlofen, vnd zu troft den Chriften, Im thon, Frifch auff ihr Landsgnecht alle etc. Durch 
M. R.Müntzer. Das ander, Gott zd bitte vm Vergebung der filnd vnd vmb ftercküg des glau- 
bens, auch vmb ein feiiges end, Im thon, wie der 13. Pfalm, Herr GU>tt wie lang vergiCfeft 
mein [vgl. M. Greiter 1.] etc. .. M. R .. Ndrnb. durch Ghriftoff Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB.608. 
Berlin F. 9494. 36. — 1) Ach gott thu dich erbarmen, 12 neunzeil. Str. mit Unrecht Alberus zu- 
gefchrieben. 2) Mer m einen glaub gott fch6pffer mein, 4 fiebenzeil. Str.) rep.: Nürnb. Fr. Gut- 
knecht. 4 Bl. 8. (WB. 610). — rep. Ntimb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 609). Nr. 1 o. N. als: 
Ein fch6n News Lied, von dem fchwlren zorn Gottes, jetzt vber Teutfchlandt verbanden vnd 

vor »ugen. Im Thon: FrUch auff jhr Landtsknecht alle, feyt fr&lich vnnd gutter ding: Lobet 
43^^ den Herren vnd auch Edlen K6nig. o. O. u. J. 4 Bl. %. QS&. V\.t>%^\ ^x. \ v(»&i hinter 



Buch 4. §. 127. 179 

Bonns 16., o. N.; Nttrnb. 4V. Gntkneeht. 4 Bl. 8. (Berlin F. 9494. 18) und in einem StraBb. 
Liederblatte von 1635 (HB. 18&4). 

34. Wolfgan^ Mnscolas, Meüßlin, Mofel., geb. 8. Sept. 1497 zu Dieufe in 
Lothringen ; trat zu Weftrich in ein Klofter ; fchloß fich der Reformation an ; 
verheiratet; diente in Straßb. einem Weber und als Taglöhner; Bucers Ab- 
fchreiber ; Diaconus ; 1531 nach AUgsb. berufen ; verließ nach dem Interim die 
Stadt;. Schweiz) Aufteilung in Bern, f 30. Aug. 1566. 

Vgl. Adami vitt. theol. p.' 867— 89. L. örote, Wolfg. Mascnlns. Hamb. 1855. -- Von ihm: 

1) Der herre itt mein treuer hirt (Augsb. Form und Ordnung 1583 ohne Namen). — 2) Vatter 
unfer der du tn hitnelen bift^ in Köpphels Pfalmen 1537. o. N. — 8) Herr gott erbarme dieky 
dar. o. N. — 4) Mein hirt ift gott der herre mein^ daf. o. N. — 5) Wer underm Jehirm des hdeh- 
ften helty daf. o.N. (Auch Einzeldruck o.N.; Der ain vfi neintzi chft P falm tröftlich in derOe- 
main zu der Zeyt der Peftilentz zu fingen, o. O. u. J. 4 Bl. 4. WB. 391. um 1534 vgl. Billd). 

— 6) Gott ftadt in ßner gmeinde recht, in Zwicks GB. 1540 m. N. — 7) Chri/le der du hift tag 
und Hecht, daf. m. N. — 8) O allmechtiger herre gott. daf. m. N. — 9) herr mein hört, dein 
g&ttlichs Wort (ilt lang verdunkelt bli eben ? vgl. Heymair. JefUsSyrach 1586 c. 31), das fchon, 
ohne Namen, im Erftirter GB. 1537 (WB, S. 97, 5) vorkommt, fonit auch Speratus zugefchrie- 
ben wurde.— Vgl. WoUfgangi MnfcuU 40 (?) geiftliche Lieder mit 4 Stimmen. Nfirnb. 1597. 4. 
Clefs 2, 268. 

35. Johann Schweintzer, in Straßburg, wo er 1530 druckte (WB. S. 146). 
Glück feiig ift der mann Pf. 118; in Köpphels Pfalmen 1587 mit dem Namen; auch in 

Aberlins Pfalter 1537: im Zwickfchen GB. 1540; im Wolffchen GB. 1569 m. Namen u. f. w. 

— Vgl. *Die gantze Evangelifche Hiftorie .. in vier bdcher gebracht durch Andream Ofian- 
drum. Cum prsef. Job. Schweintzer, interpretis, ad Gaf^arum, comitem mansfeldenfen. Franck- 
ftirt 1541. 4.* XL. 2, 237. 

36. Seb. Franck vgl. Pfalter 1538 §. 126, 2. Sprichw. §. 103, 5. 

Wie man Beten vnnd PAtllieren foll, Ein Wolgedichter, Schriftreicher Pfalm, fampt 
feiner Vorred, Auflegung, vn anzeygüg woher er genomen vö Sebaftian Franck geftelt. 8B1. 
8. (HB. 1146 Ob gleich die Harpf, iß gut vn fcharpf. Das fie in oren klinget). 

37. 8. Salainger. Von ihm in dem Neuen Gefangpfalter 1538: /n tr&bfal herr fuchen wir 
dich — Ain lobgfang haben wir gh^t — Zion froloek.mit begir — So höret nun all in gmain — 
(WB. 366). 

38. Le^ihtrd Ptminger, Schulrector in Paffau, Tonfetzer, Freund Luthers, vgl. Dia* 
löge. Verfaßte vielleicht das fchöne Lied Hie rhu ich inn dem ftaub der erdt, Herr erweck 
mich mit der herdt (7 vierz. Str.) in : Ain Tr6ftlich gfang von der aufferftehnng des fleifch vn 
ewigem ^leben. Im thon. Nun welle Gott das vnfer gfang. L. P. 4B1. 8. Narci^Raminger (mit 
einem 'Weinacht gfang verteütfcht in feiner aygen wey8 : Danck fagen wir alle Gott vnferem 
Herren Chrifto, und Luthers 16 WB. 416. Berlin F^ 9494. 42.) 

39. L^o Jod, geb. 1482 zu Zürich, Leutpriefter zu Einfideln, Prediger an 
S. Peter zu Zürich f 1542. 

Ad. vitt. theol. p. 94. flberfetzte die Auslegung der paulinifchen Briefe des Eraftaius, 
Das frofchouerfche Gfangbüchle 1540 legt ihm vier Lieder bei: 1) dir o herr will ich fingen — 

2) Dvn kunig und regenten din — 3) Din, din fol ßn das herze min— 4) Gotts gnad und fin barm- 
hertzigkeit — die letzteren beiden als 'gfchrifftm&fQg aber in der kirehen nit gebrucht.' 

40. Johannes Zwick, Pfarrer zu Riedlingen, 1525 Prediger zu Conftanz 
+ 1542 (Sinceri neue Nachr. 1, 154), Beforgte das 1540 bei Frofchauer in 
Zürich erfchienene Nüw gfangbüchle, in dem feine Lieder unter denen ftehen, 
deren etliche in der kirehen vor oder nach den predigen, etliche aber allein 
ufferthalb an ftatt der üppigen und fchandtlichen wältliederen gefangen werdend. 

-^ 1) Nu w&lle gott das uufer gfang, 2) Herr gott din trüw mit gnaden leift — beide in dem 
Einzeldrucke: Der Sequents, Sancti I^iritus affit etc. Vnd das, Tedeum laudamus teUtfch, 
Damach ein Geyftlich gefang zu dem Newen Jar, Mit einer angehenckten Predig von der 
Kinderzucht, Durch Joannem Fritz von Memmingen verteütfcht. 1534. Nürnb. Fr. Peypus. 
8 Bl. 8. (WB. 322). — Im Köpf elfchen GB. 1537: 3) Us des.vatters herz ift geboren. — 4) Uf 
difen tag fo denkend wir. — 5) Ich glaub in gott den vatter min. — 6) Ach unfer vatter der du bifl. 

— 7) Chriftus mit finen Jüngern gieng. — 8) Chri/lus hat giert die fäligkeit. — Dazu kommen aus 
feinem GB. 9) gott und vatter gnaden vol. — 10) Ach 4rüwer gott du haft uffgricht. — 11) gott 
und vatter aller vater. — 12) Jetz ift aber ein tag dahin. — 13) Diß tagwerh ift yetz ouch volbracht. 

— 14) Nu wil ßch feheiden nacht und tag. — 15) So wir yetz find den tag am end. Nr. 1. 4—8 
ftehen auch in Dachfers Pfalter 1538 und mehre auch fchon in Aberlins Pfalter 1537. 

^1. Hatthys Schiner. Formfehneider : Zu dir fchry ich gott vatter herr im Zwickfchen GB. 1540. 

42. Friii Jacob von Anwyl, fchon in Aberlins und Dachfers Pfalter. Im Zwickfchen GB.: 
1) Ich reßgnier, uff opffer dir. — 2) Gottlicher nam, fin lob vnd eer. — 3) Wol denen die mit forg vnd 
mA. — 4J Es ifl umbfunft Vernunft und kunft (Von ihm eine Chronik der EidgenoJßen, vgl. Haller 
Bibl. 4, 378, woraus Seb. Franck eine Befchreibnng des Thurgaus in feine Chronik aufnahm. 
«aUer 4, 1002.) 

43. Oltiiss I«ller, fchon in Aberlins und Dachfers Pfalter, im Zwickfchen GB.: gott 
lob dank fey dir gefagt. 

44. GuMr Haobor verfaßte vor 1540? das Lied Chrifie me\n Ii6tt \cH \Atv ^o.-«wt. \eTTx fe^a. 
GayftUcha Jied, wie ain armer flinder fpin not klagt GYMcVIUi tftVa«aiYL«tT«ii.^N\Ä.\ö^^^^i^ 



180 Kircliliche Volksdichtung. 

vmb gnad ynd hilff anrflfft. Im fhon. Nach willen dein. Oder, Was wirt es doch etc. Oder 
wie TOlgt. Offnes Bl. in Fol. Die AnfangsbuchTt. der Strophen ergeben den Namen. WB. 398. 
(Zu vergleichen? Oasp. Huberi SchliU^rede vom Sacrament. Nürnb. 1540. han6v. Stadtbibl.) 

45. Veit Dietrich, geb. 8. Dec. 1506 zu Nürnberg, Luthers Famulus, 1536 
Prediger an der Sebalduskirche in Nürnberg, f ^' Merz 1549. 

Vita et obitns Viti Theodori per Vitum Ennium. 16 Bl. 8. Will-Nopitfch 1, 257. 5, 214. — 
1) Herr es find heiden in dein erb tmt groffem grim gefallen in feiner f chrift : Wie man das volk 
zur hxxQ und emTtlichem gebet wider den Türken anf der canzel vermanen fol, famt einer 
auslegung des pf. 79. — Dann im Gefangb. Btraßb. 1545. (WB.*480, 5). — 2) Das fr^Uch Öfter- 
gefang, Victime pafcali laudes genandt, verteat(sht durch Vittum Dietrich Predicanten zu 
Ndmberg. 1543. Nürnb. durch Johan Günther. 4 Bl. 8. (BerUn aus HB. 1057. WB. 461. Wir 
Chrifien all ytz frdlich fein. 8 fiebenz. Str.) — 3) S«<<enle o tnenfch die groffe gnad in Kirchengefang 
von der einfatzung vnd rechtem brauch der Sacr ame nt. Durch Veit Dietrich. Im thon als 
Jefus Chtiftus vnfer Herr. Nürnberg 1547. 4BI. 8. (WB. 521. BerUn B 1014). ^ Nürnb., Job. 
vom Berg vnd Vir. Neuber. 1547. 

46. Johann Spaugeuberg, geb. 1484 zu Hardegfen bei Göttingen, 1520 
Bector zu Nordhaufen ; trat zur Reformation ; 1523 Rector in Stolberg ; 1524 
evangel. Prediger in Nordhaufen ; 1543 Generalfuperint. zu Eisleben; f 13. Jun. 
1550. Vater des Cyriacus Sp.; Großvater des Wolfhart Sp. 

Vgl. Leuckfeld, Leben J. Spangenbergs .. 4. 

Alte vnd newe G«iffcliche Lieder vnd Lobgefenge von der Geburt Chriftivnfers Herrn, 
f&r die Junge Ghriften. Johan Spang. 1543. Erff. Melcher Sachffe. 20 Bl. 8. (WB. 456. Wol- 
fenbitttel). — rep. daf. 1544. (WB. S. 475. Wolfenb. meift von Sp.) 

Zwölff Chriftliche Lobgefenge vnd Leiffen. fo man das Jar vber, jnn der Gemeine 
Gottes fingt, auffs kürtzte ausge legt, Durch M. Johann Spangenberg. 1545. Wittemberg, d. 
Georgen Rhau. 14 Bgn. 8. (WB. 476. Wolfenb. Kein Lied von Sp.) — Sermone lat. reddit. 
per Reinard. Lorichium. Prancf.' 1550. 8. (Mützel 977). 

Gantiones ecclefiafticie .. Kirchengefenge Deudtfch [Bibl. Ebner. 1163 a] .. durch Johan 
Spangenberg, verfaffet. 1545. 379 Bl. Fol. (W^. 477. Viele Lieder von Sp.) 

47. Conrad Hubert, Huober, Humbert, Hunbart, geb. 1507 s^u Bergzabern 5 
Heidelberg, Bafel; 1531 Bucers Gehülfe in Straßburg, 1545 Canonicus zu S. 
Thomas ; f April 1577. Beforgte die Ausgabe des Großen Earchengefangbuohes. 
Straßb. 1560. 1572. §. 124, 5. 

Vgl. Röhriek, MitteUungen 3, 245—274. Seine Lieder: 1) Gott du kbchfter gnadenkort 
in Köphls auserlef. gfgbchl. 1545 WB. 480, 5. ohne Namen. In Bergers GB. 1566 m. Namen). 
— 2) Dieweil wir feind verfamlet in Köphls auserlef. gfgbchl. 1545 0. N., in Bergers GB. 1566 
m. N. — 3) Nun ßeh wie fein und lieblich ift in Köphls auferl. gfgbchl. 1545 0. N., in Borgers 
GB. 1566 m. N. — 4) Weltfchöpfer kerre gott in Bergers GB. 1559, 1566 und in Garoli Ackers 
GB. 1568 immer mit dem Namen. — 5) Streitig zwifchen ihm und Joh. Sekneesiig (f 1567 als 
Pfarrer zu Friemar bei Gotha) ift das Lied: Allein zu dir kerr Jefu Ckrih mein kofnung ftekt 
auf erden^ das jedoch in keiner alten Quelle Schneefing beigelegt wird. Die StraBb. GB. (das 
gros Kirchen GB. 1560: Conrad Humbert; Bergers GB. 1566: Gonr. Huber; G. Ackers GB.: 
Conr. Huber; W. Köphls auferlef. gfgbchl. 1545 und 1547 ohne Namen) entfoheiden meiltens 
für Hubert, der das Gros K GB. felbft herausgab. Einzeldrucke ohne Namen : Nürnb. G. 
Wächter. 4 Bl. 8. — Nürnb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. — Nürnb. Wolfg. HeuiJler. 4B1. 8. (WB. 
530). Nürnb. Fr. Gutknecht (HB. 1058). vgl. WB. 485. — o. O. u. J. mit andern Liedern zu- 
fammen. 8 Bl. 8. (WB. 428. 441. Riederer Nachr. 1, 467 ; vgl. Kymeus §. 132). 

48. . Leonhard Rettner yon Herßbruck, 1545 Cantor zu Nürnberg. 

Vrf. Wm-Nopitfch 2, 280. 6, 199. — §. 122, 17. 1) Nim goites wort für dick, ficks an: 
Ein fchon geyftlich Lied wie man beten fol .. Durch Leonhardt Kettner von Herjßbruck. Im 
Thon des Vatter vnfers zu fingen. Nürnb. G. Wächter. 4 Bl. 8. (WB. 395). — Nürnb. Val. 
Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 396). — o. O. u. J. 4 Bl. 8. (Berlin F. 9494. 28). Mit Seb. Heyden 3 : 
Nürnb. Val. Neuber (HB. 1056. vgl. Heyd. 3). — 2) Hort zu jr frumen Ckriften all: Ein fchdn 
geyftlich Lied, von der heyligen DryfelÜgkeyt, wie von derfelben befchloffen ift worden, das 
Ghriftus menfch werden, vnd für vnfer fünd bezalen fol. Durch Leonhard Kettner von HerS- 
pruck. In dem Thon, Kumpt her zu mir fpricht Gottis Son etc. Nürnb. G. Wächter. 4 Bl. 8. 
fWB. 397. Berl. F. 9494. 11). — Nürnb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 398). — 3) Ein Freuden 
Spruch Ein Erbam Rath zu Rottenburg auff der Tauber des angenummen Euangelii halben 
zu Eeren vnd gefallen geftelt durch L. K. erftlich in Latein [Carmen gratulatorium. Norib. 
Chr. Gutkiiecht 1544. 4.J vnd durch jhn auch in Verfen verteütfcht. Nürnb. Chr. Gutknecht. 

49.07riteii8 Gerleke, Paftor und Superintend. zu Bemburg: Ein Chriftlich Gebet fdrChur 
vnd Fürften zu Sachfen vnd Hoffen fampt allen Ghriftlichen Ständen fo itzund wegen gott> 
liebes Worts in Rdftung fevn, aui) dem XX. pf. Dauids, in Reimen geftelt. Durch D. C^a- 
cum Gerichium. o. O. u. J. 4. (um 1546). 

50. Martinas Poeonins, Paftor zu Boad an der Regnitz, um 1546. 

Ein Sch6n Lied Vom Hochwirdigen Sacrament des Leibs vnd Bluts Jefu Chrifti vnfers 
einigen Mitlers vnd Erl6fers. Durch Martinum Poconium . . geftellet. Im thon. Ach Herre Gott 
dein göttlich wort, ift lang vertunckelt bliben. 4 Bl. 8. (HB. 1089: VErley vns Gnad Herr 
Jkefu Ckrift, «on dir kertzlick zu fingen^ 13 zehnzeU. Str.) vgl. AL. 1, 508. 



Buch 4. §. 127. 128. 181 

§. 128. 

51. Chriftoph Solins, Soll, geb. 1517 zu Brau neck im Etfchlande, erfter 
Paedagog de» Wilhelmer Studienftifts in Straßburg, f i8» Nov. 1552. 

Vgl. Röhrich, mitteilungen 3, 231--244. — Von ihm : ChH/i für auf gen himel In Köphlg 
anserlef. gfgbchlein. 1547 o. N. 3 Str.,. CpkXer 2. B. im Frkfrter GtB. 1581 Bl. 41 nach der 
erften um eine (Chriftus vnfer Heiland) erweitert. — Von ihm vermutlich auch die in Frkfirter 
Kirchen Gtofäng 1584 mit CS. bezeichneten Pf. 37 : Erzürn dich nicht auf bbfe leuty und Pf. 134 : 
Nun lobt jr knecht den herren. 

s 52. Adam Relßner, geb. 1471 in Frankfurt, wo er ohne Amt feinen Studien 
lebte, t 1563. 

Befchreibnng der ftadt Jerufalem. 1574. m. Fol. (Am Ende des 2. Bandes: JerufaUm 
heilig genannt). 

Das Leiden vnfers Herrn Jefti ChrifU. Imm Ton Maria zart. A. B. 1547. Gtodr. durch 
Melcher Erie^ffcein: zu Augfpurg. 8. (20 zwölfz. Str.) 

Sein Name (A. Ryfner) fteht im Zwickfchen GB. 1540 bei den Liedern: In dich hab ich 
gehoffet herr (fchon o. N. in der Angsbnrger form und Ordnung 1533, im Augsb. Gftigbdchlin 
1557 u. f. w.) — Mein herz hat gutes wort betracht. Ein drittes O hinein feel gott den herren lob 
erfcheint o. N. im Brüdergefangb. 1566. 

53. JSrg TSgeÜD, Stadtfchreiber zuConftanz, verteidigte 1523 die reformatorif che Lehre, 
wurde 1548 nach dem Gonftanzer Sturme vertrieben und lebte Cpkier in Zürich. -^ Ach herr, 
ach gott, ach matter mein, im Frofchouerfch. GB. 1570 (WB. S. 365). 

54. Johann Graman (Grauman, Poliander) geb. 5. Jul. 1487 zu Neuftadt 
in Bayern; auf der Difputation zu Leipz. 1519 Ecks Amanuenfis; trat zur 
Reformation; von Luther nach Preußen empfolen; f 29. Apr. 1541. 

Das Lied Nun lob mein feel den herren, was in mir ift den tutmen fein, das zuerfL ohne 
Namen, in Joannes Kugelmanns Goncentus novi trium vocum, ecdefiarum ufui Prufua pre> 
cipue accommodati. News Gefang mit Dreyen ftymmen . . Augf^. Melch. Kriejßftein. 1540 
(WB. 411) und unter den GB. zuerft in dem Lübecker enchir. 1545 o. N., vorkommt, wird 
mehrfach P. Spvratus zugefchrieben (z. B. Hamborger enchirid. 1558 Bl. 70 b, H erbom er 
Pfalmen 1589 8. 862). Der Name Joh. Polyandri zuerft in der Rigaer Ordnung 1549. (WB. S. 
480 fr) — Der cm. Pfalm, Nu lob mein feie den Herren. In gefangsweyJß. Mer drey fchöner 
geiftlicher lieder. Das erft, Herr Gott dein gewalt ift vber iung vnd alt [dafiür laß vns nit 
grawen. 3 elfzeil. Str.] Das ander. Der. menfch lebt nit allain im brodt [5 vierzeil. Str.]. 
Das dritte. Allein zu dir Herr Jhefu Chrift [G. Huberts vgl. Schneefing]. Kflrnb. G. Wächter. 
4 Bl. 8. (WB. 485 Berlin F 9494. 9 und E 882). — Diefelben Lieder: Nümb. Fr. Gutknecht. 
4 Bl. 8. Zwei Drucke, a teilt: Das ander, | der menfch .. (WB. 685), b: Das an — der. Der 
Menfch .. (HB. 1058), beide mit der 5., der Gloriaftrophe. • 

55. Joachim Magdeborg, 1525 zu Gardeleben in der Altmark geb., 1546 
Bector zu Sch6ningen, 1547 entfetzt; Paftor zu Dannenberg im Lüneburgifchen, 
dankte 1549 ab; Prediger zu Salzwedel, 1551 abgefetzt, bei Strafe des Stranges 
aus dem Kurfürftentum verwiefen; 1552 Prediger in Hamburg, 1558 abgefetzt; 
Flacius ^Mitarbeiter an den Centurien; Paftor zu Osmanftedt in Thüringen, 
1562 abgefetzt; Prediger in Raab und Grafwerd, 1581 abgefetzt; lebte in 
Efferding in Oefterreich, mufte 1583 fliehen. 

Vgl. Dialoge §. 140. 

Zwe fch&ne Gefenge. Der eine vber die vier erften vers des 36. Pfalm [Von grund mein* 
hertzen wolbedachtj. Der ander vber die . . Fabel iBfopi, vom Wolff vnd Schaff . . wider die 
Papiften vnd Interimift: Diaphoriften. [Eins tages gieng pafßerenj. J.H.6. o. O. u. J. 8 Bl. 8. 
(WB. 612). 

Ein Klagelied der heiligen Ghriftlichen Kirchen . . an «ihren lieben Breutigam JeAim 
Chriftum. Im thon als man finget, An WafferfiAffen Babilon, dar faffen. Joachimus Magde- 
burgius, Prediger zu Hamburg . . 1552. 4 Bl. 4. (WB. 640). -r Daffelbe : datum 15. nov. 1551. 
8. Ach was fol ich dir klagen herr, in meinem fchweren alter, 18 zehnzeil. Str. 

Ghriftliche vnd Tr6ftliche Tifchgefenge, mit Vier Stimmen, . . der Jugendt zu gut zu- « 
iam gefchrieben, Vnd mit Text, fo dazu dienet, zum theil verendert vnd verbeffert. Durch 
Joachimum Magdeburgium Gardelebenfem. (datum Erff. in meiner Herberg zur giilden Diftel 
1571. 21 May). 4 Bgn. q. 8. (WB. 925). 

56. Gasptr MftUer, von Werdau, in Weimar. — Die Erften Vier Pfalmen Dauids, wie 
fle ein ieder Chrift der vmbs Euangelij willc vertriben, gefangen oder fonft verfolget wird, 
beten . . fol . . Der 20. Pfalm für die Oberkeit zu beten Vnd der 44. wider die Verfolger der 
Chriftenheit. Durch Cafparum MAller von Werdau, in deudfche gefeng verfaffet . . Zwickaw, 
Wolffg. Meyerpeck. 12 Bl. 8. (1550 der Herzogin Sibylle zumTroft zugefchrieben. 1) Wol dem 
der Gottes gut betracht, — 2) jhr König und fürften reich. — 3) Ach wie bin ich in angft und 
not. — 4) Ach gott mei ner gerechtig keit, — 5) Befchirm o herr mein oberkeit. — 6) Mein gott wir 
habens offt gehört. WB. 614). 

57. JtMb Fnnkelln zu Biel in der Schweiz, vgl. Schaufpiel §. 146. Das Frofchower- 
fche GB. 1570 teilt ihm folgende Lieder zu: 1) Ich glaub in gott den vater mein, der durch fein 
(nennt ihn Johannes Ftinckelein). — 2) Eer fey gott im h&ehften thron [aus Jac. Funkelins Spiel 
von der Empfängnis und Geb. Ghrifti. Zürich 1553 Bl. c] — 3) Nun finget Govv i.u \o\» wv«. *Vt . 
— 4) Gnad vnd frid und reichen fegen. — 5) Dieweil uns nicKts toUl fcHwe T ^»v »» — ^ VJatV». «»»\^ 
waek 0ufpom feklaf difer ftnnd, — 7) Wie lool ick bin «on Her»e» mein. -NTO. ^, ^RR». — ^x. ^ 



ist Kirchliche Yolksdichtang. 

fchon in Oaroli Ackers gfgbchl. Strasb. 1568. WB. 897, 9. Nr. 3 u. 4 auch im Kirchengefang. 
Zürych 1599. 

58. J«hu HIItstetD, Prediger. ~ Geiftliche vnd Chriftliche aefenge, aus der heiigen 
Schrifft gezogen vnd zofanien bracht, Durch Johan Hiltftein. 1557. iMrardt, Durch G^rg 
Buwman. 8 Bgn. 8. (WB. 744. darin das fchon in V. Babrts geUtl. Liedern 1553 vorkommende 
Elend hat mich umbfangen. — Einzeldruck mit dem Namen Hans HildAain. Vor 1554 Berlin F 
9494. — Aus Hlltftein nahm Cyr. Spangenbergs Chriftlichs Gefangbüchlein 1568 auf: Wer Mt 
vnd iileubt in difer zeit, — reicher gott gib uns die gnad. — Per glaub zwingt mich. WB. 896). 

59. Michael Berckringer von Trüfftem, Prediger zn Chamb, am 1554. 
Mehre Lieder. 

Ein fch&n Lied des . . Hierm Johann Friderichen, Ghurf. zu Sachfen vnd Sibilla feiner 
genaden gemahel abfterben. Durch Michael Berckringer, diener des wort gottes zu Chamb. 
1554. Straubing, Hans Burger. 8 Bl. 8. (WB. 659). — Ndmb. Val. Neuber. 4B1. 8. (2 Drucke 
WB. 657. Merckt auf ir chrißen was ich wil euch jetzt mit fchmerzen fingen. 28 akroIUchifche 
Strophen. 

Drei Sch&ne Geiftliche Weihenacht gefeng .. Das Erft M. Jo. Mathefius [iftvon Nie. 
Herman: Geboten ift vns der heil. Ghrift. vgl. Sontags-Euangelia Bl. 19). Das Ander ift das 
Refonet in laudibus, verteutfcht vnd gemert durch Michael Berckringer von trdfftem. Das 
dridt ift das fch6ne In dulci iubilo, in lauter teutfch für die einfaltigen vnnd Lateinifcher 
f^rachen vnkundigen geltellet durch Mich. Berckringer. Straub., durch Hänfen Burger. 4 Bl. 
8. (WB. 718). 

In den Nümb. 766 geiftl. pf. 1607 S. 3 (1599 fehlt der Dichter noch) wird ihm (nach 
Kolers Hausgel%ngen 1, 15?) der 2. Pf. Ach herre gott wie kamt es doch, daß die heiden fo wüten 
beigelegt. 

60. Johannes Cli^as, 1530 in Herzberg geb., auf der Schale in Grimma, 
Univerfit&t Wittenberg; 12 Jahr Schulmann za Goldberg and Frankenftein in 
Schießen; ftudierte dann in Wittenberg Theologie, 1572Reotor in Nordhaafen, 
1574 Pfarrer zu Bendeleben, f 11. Apr. 1592. 

'Gedicht von Jofeph und der Sufanna 1555. — Ecclefiaftes Salomonis in teutfchen 
▼erfen Leipz. 1583 [vgl. Kener].— Die Epiftel des Paulus an die R6mer in teutfchen verfen. 
— Hieropiedia f. pi» precationes ex euangeliis annlverfarils, teutfch. Leipz. 1587. — Drei 
böcher geiftl. gedichte. — Fünf bficher verfchiedener gedichte, darunter: 4) dberfetzung 
Hefiods opp. et dies; 5) vom url^rung und erhaltung der goldbergfchen fchule.* Dunkel 3, 
900 ff. vgl. Clefs 1, 368, wo die lateinifchen Titel. 

61. Matthffins Friederich aus Görlitz, Pfarrer zn Görenz. Vgl. Teufel §.161. 

Zwey fch&ne newe Geiftliche Lieder, zu diefer zeit nützlich vnd tröftlich zu fingen. 
Das Erfte, ein i^h6ne vermanung an die Deudfchen. [Wacht auff, jr werden Deutfchen, es 
thut euch warlich not.] Das Ander, ein hübfcher troft in aller noth. Durch Matthseum Fri- 
derich von Görlitz [Wil mir Gott wolyjb geht mirs wol, vnd kans niemand erwehren], Fran ckf. a . 
d. O. Job! Eichhorn 1556. 4 Bl. 8. (WB. 726) nachgedruckt von Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 
667). — Ndrmb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (WB. 668). 

62. Johannes Matheflus, geb. 24. Juni 1504 zu Rochlitz; Schulbefuch in 
Mitweida und Nürnberg ; erbärmlicher Zuftand der Schulen überhaupt ; Studium 
in Ingolftadt ; durch Luthers Lehre von den g^ten Werken fAr^ die Reformation 
gewonnen; 1529 in Wittenberg, Luther befreundet, trefflicher Sänger. 1532 
Rector im Joachimsthal; kehrte nach Wittenberg zurück; 1541 Cdakon im 
Joachimthai, 1545 Paftor, f 7. Oct. 1565. 

Vgl. Adami vitt. theol. p. 403 ff. reiches Verzeichnis feiner Schriften bei 01e£B S, 71, in 
mehren ftehen Gedichte von ihm und Luther. 

In Zwo Troftpredigten . . Joh. Hatthef . . Leipz. G. Hantzfch 1556. 8. fteh^ ein Lied 
Lafl uns folgen S. Paulus lehr das wir nit wie tUe heiden umb unfer freund trauren zu fekry das 
WB. 732 ff. Caspar Franek zufchreibt. Eine f^äte Hs. (HB. S. 159) vermehrt die 17 Str. um 
eine und unterzeichnet: * Joachim Weindl\ — Ein Sch6n new Geiftlich Lied , vom fchlaff und 
, aufferftehung der Chriften. Nümb. Val. Neuber. 4 Bl. 8. (drei Drucke. WB. 731—33). Zwey 
fch6ne, geiftl. Lieder bey dem Begrebnus der verftorbnen zu fingen. Das erft Laft vns . . 
Das ander. Der Menfch wird von eim Weib gebom [Nie. Herm.] . . Noch ein ander lied zum 
begrebnus Nun laft vns den leib [M. Weiffe] . . Straubing, Hans Burger. 8 Bl. 8. (WB. 735.) 
^ Zwey Sch6ne Geiftliche Lieder. Das erfte, frifch fr6lich in ehren, Lobet Gott den HErren 
[4 zehnzeil. Str.].- Das Ander, Laft vns . . Im Jahr 1575. 4 Bl. 8. ^B. 1120) — aufgenommen 
In Georg Dietrichs chrifü. gefenge, und zwar 'Durch den alten Herrn Johannem Hathefium 
gebeffert, N. H.' überfchrieben. Ca^ar Franek war nur Herausgeber und lehnt die VerfaÖer- 
fchaft gerade ab. 

S. Ghriftophorus Johannis Mathefij. Verdeutfcht. Nurmb. 1561. durch Joh. vom Berg 
vnd Virich Newber.- 4 Bl. 4. (HB. 1605. Ueberfetzung eines von M. lat. verfaßten Gedichtes, 
nicht umgekehrt.) 

Oeconomia Joh. Matheiy. Nümb. 1561. 4. (vgl. Nie. Herman §. 125, 8.). 

Vom Eheftandt vnd Haußwefen, 15 Hochzeytpredigten. *1563. Nurmberg. J. y. Berg 
vnd Vir. Newber. 4. (mit der Oeconomia und hochzeitliedern , Wem gott ein ehlich weib). — 
Ehef^iegel. 1591. Ehebüchlein. 1592. (HB. 281.) 

J. Math. Epitaphia oder Grabfchrifften des Erfamen vnnd Namhafften Joh. vom Berg 
Bürger vnd Baebdruckerherm zu Nürnberg. 1563. 4. (Vetfo.) 

SArepUt oder BergpotOU , darinn von alletley Bergwetck ^fii^ l&.«\»a\«u. ^mj& Vdx '\as«ia- 



Buch 4. §. 128. 183 

fchafft vnd Natur guter Bericht gegeben wird , mit tr&ftlicher Erkl&mng aller Spruch , £o in 
heil. Schriflt von Metall reden, fampt der Joachimfithalifchen kurtzen Chronicken . . . rep. : 
Auff ein newes mit ÜLeiQ vberfehen. NOrmb. 1564. Fol. rep. Nurnb. 1571. Fol. , 1578. Fol., 
1587. Fol., Leipz. 1618. 4., Freyb. 1679. 4. (mit Gedichten: Goti vfiter fohn heil, geift, Ckrift 
König Gott vnfer Heiland.) 

Hiftoria von des Ehrw. Manns Gottes D. Martini Luthers Anfang, Lehr, Leben ynd 
Sterben, von Jaren zu Jaren, wie fich alle fachen haben zugetragen, ordentlich befchriben. 
Nümb. 1566. 4., rep. 1570; 1576; 1600; Stettin 1663; Güftrow 1715. 8.; Leipz. 1806. 8.; Aus- 
zug von Arnim, Berl. 1817. 4. 

Das tr6ftliche De profnndis, welchs itt der 130. pf. gepredigt. Nttmb. 1565. 4. (darin: 
Herr gott der du mein vater bift — Abram glaubt dem verheißnen Ckriß.) 

Diluuium d. i. außlegung der erfchr&cklichen vnd widemmb tr&ftlichen Hiftorien von 
der Sttndflut in '54 predigten. Nttmb. r587. 4. (Darin: Wer bey gott fckutt vnd hülfe ßtcht.) 

Ein Wiegenlied f&r gotfelige Kindermeidlein. [Nu fchlaf mein liebes Kindelein vnd thu 
dein duglein s«./ M. Johan. Mathe. Ein Kinder Jofeph , nicht in der Kirchen , fondern im 
Haufe zu fingen, Die Chriften Kinder mit zu fchweigen oder einzuwiegen. ImThon, Refonet 
in laudibus etc. [0 Jhefu liebes Herrlein mein.] M. Johan. Mathe. Nümb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 
8. (HB. 1064. WB. 820.) 

Ein Chriftliches Liedt vom ampt vnd leyden Jefu Chrifti etc. [Hört jr Chriften vud 
mercket recht, was gott u>eiffagt.\ J. S. Nümb. de Yal. Neuber. 4 Bl. 8. (HB. 1063.) 

Zwei geiftl. Lieder Job. Mathefij im cod. pal. 732. — [Aus meines hertzen-grunde Jag ich 
dir lob und dank, in Wolders New Catechifmus Gefangbuchlein. Hamb. 1592. S. 387 ohne 
Namen; in 525 geiftl. Liedem. Nümb. 1599. S. 429, ohne Namen, fchwerlich von Matheflus, 
obwol fchon vor 1592 bekannt, vgl. G. Engelhart unten 103.] 

Sch6ne geiftliche Lieder, fampt etlichen Sprüchen vnd G«bettlin, mit kurtzer Aufle- 
gung. Item Epitaphia oder Grabfchrifften deß alten Herren M. Johan. Matheiy feiigen. 
Durch Felicem Zimmermann Joachimicum. Nurnb. 1580. 8. (Clefs 2, 262. Samlung der lieder 
des Mathef.) 

63. Johann Schönbrnn, Diakonus zu Chemnitz, f vor 1556. 

Etliche fchAne Geiftliche vnd Chriftliche Lieder, gemacht durch den Ehrwürdigen 
Herrn Johan SchAnbmn, die zeit Diacon zu Kemnitz 1557. Erffnrdt, Georg. Bawman. 2 Bgn. 
8. (Hrsg. V. d. Sohne des verftorbenen Adam Sch6nbrun von Leifsidck. Neun Lieder. WB. 
745.) Früher fchon einzeln: Ein fch6n new lied, von der Gedult. Li der melodei. Entlaubt 
ift uns der walde. Nümb. G. Wächter. 4 Bl. 8. (WB. 413.) — Nümb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 
8. (HB. 1097, vorauf: Ach mein gott I^rich mir fireundlich zu) — mit Hans Sachs 13. pf. und 
Oelers 1 als : Drey SchAne Geyftliche Lieder, Das erfte von der gedult . . Nümb. Val. Newber 
4 Bl. 8. (HB. 1045) — noch 1629 mit einigen andern in Augsburg als Liederblatt gedruckt 
(HB. 1343). 

64. Joh. Policarins, Prediger zu Wei^enfels (wol nicht mit Johannes Poli- 
chorius zufammenzartellen ?) 

Ein naw andechtigs Lied vom ende der Welt vnd Jdngften tage, vnd wie die Gotlofen 
follen doran geftrafft werden. Im Thon, Kompt her zu mir I^richt Gottes Son. Gemacht 
durch M. Johannem Policarium Prediger zu Weiffenfels (mit einem Liede von M. Weiffe und 
einem von Er. Alb erus) Drefzden. Matthes Stöckel. 1557. 8 Bl. 8. (Kein gottes wort ift mehr 
erkort. 20 Str. WB. 743.) — Vgl. Antwort Auflf das vergiflfte buch des Bifchofs zu Naumburg. 
Durch Johannem Pollicarium. StraiJb. 1557. 4. (HB. 642) — Von b6fen Zungen, widder das 
verfluchte teuflifche Lafter des Verleumdens , Ligens , AfFterredens . . Durch M. Joannem 
Pollicarium, Prediger zu Weidenfels. Leiptz., G. Hanztfch. 1556. 4. (Aller Ketzer glauben .. 
ein kurtzer begriff Johannis Polichorii 1531. 4. Jacob Vielfeld, Jac. Polichorius, Multicampia- 
nus fcheint ein andrer zu fein.) 

65. JtacUmHtmiuig, blinder Pfarrer zu Sulzbach am Kocher.— Drey Geiftliche Lieder in 
gebetsweiß, durch M. Joachim Horaung . . geftellet,vmb widerbringung feines Gefichts . . Ndrm- 
berg, Val. Neuber 1558. 8B1.8. (WB. 753. Meufeb. 3207.) — aUe drei in Kolers Hausgefängen 
2, 11 — 13 mit dem Namen aufgenommen. 

66. Jtkani Stolti HoQ>rediger zuWeiinar, f vor 1559; verfaßte das Lied DaChrift der Herr 
erftanden war. — Ein freuden Lied, Von der Ärmlichen Himelfart Chrifti , aus dem 68. Pfalm. 
Durch den Gottfeligen Mann, M. Johan. Stoltzen . . Anno 1550 gemacht. Jhena 1559. 2 Bl. 
8. (WB. 769.) 

67. Rudolphns Gualtherus, Walther, geb. 1519 zu Zürich f 1586. (Der 
jüngere R. Walther geb. 1552 f 1577). 

Er fchrieb argumenta in facra biblia in eleg. diftichen , die Burckhardus Waldis 1556 
in deutfche Reimpa are brachte. Den kerren gott will ick loben frifck pf. 34, in Conr. Wolff- 
harta Pfalter 1559. (WB. 761) — Der kakn kräht uns die ftunde, im frofch. GB. 1670 (WB. S. 
866) in Kolers 100 Hausgefängen 1, 27. 

68. ■ Hie. Stnnis ? (ein Hans Maurer war Stadtfchreiber zu Memmingen). Do Ifrael auß 
Egypten zoch, in Conr. Wolflfharts Pfalter 1559 (WB. 761.) — Maria das jungfrdulein zart, in 
525 Liedern. Nttmb. 1599 S. 202 mit Namen. 

69. n«ma8 Bnwer nennt fich in der letzten Zeile eines Liedes. Ein Bittgefang Got t 
du hbchfter Vater werdt. Li diefer zeit fehr ntlt^lich . . Nümb. Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 
796. BTO. 1073. 

70. JenniM Htmkernr, in Steiermark. — Ein fch6n lied von der Rechtfertigung des 
Armen Menfchens f&r Gott, durch die vermifchung der gerechtigkeit vnnd Barmhertzigkeit^ 
nach der fchAnen betrachtung des Heiligen Bemhardj vber den 85 Pfalm. ItccL \XvQi<&.^ \c\w \v«!<Mak 
an einem morgen etc. [abgefang : Von Satana dem /^oUzen Feind\. Qt xVto , ^^3lX0cv'L^OE^Mev»A'%Ms^&0&.^ 
Fonofobneider. 8 Bl 8, (Gegen das finde nennt ach det N^it. ^9ir&. *l*\\. N^ V v^^^ 



184 Kirchliche VoULsdichtong. 

71. George ^Bmilias, eigentlich Oemler, geb. 25. Jan. 1517, mit Luther 
verfchw&gert, Superintendent zu Stolberg a. Harz, f *^» ^i 1569. 

Etliche fchAne Propheceien oder weisfagrimg des alten Teftaments von ChrUto , . . der 
Jagend zum beften in Deutfche reim gefafTet, durch Georg. Emilium D. vnd Pfurher zu Stol- 
bergk. 1560. Eisleben, Vrb. Ganbifch. 16 Bl. 8. Unter der Widmung (vom 28. Dec. 1559) 
Georgias Emilius Oemler. f^x^che in reimpaaren, Des kevm ifi der erdenkreis. (WB. 786. 
Schrieb auch lat. geiOl. Gedichte.) 

72. Johannes Gigas, Heune, aus Northaufen, geb. 1514, Schulmeifter im 
Joachimsthal, Eector zur Schulpforte, Paftor zu Freiftadt und Schweidnitz, 
t 12. Jul. 1581. 

Vgl. Adami vitt. theol. p. 528. Seine Lieder : a) Ach lieben chriften feid getroft (in Eich- 
horns geiTU. Liedern. Prkf. a. d. O. 1562. WB. 839.) — b) Ach wie elend iß vnfer »eit (in N. 
Knorm geiftl. Liedern 1566. WB. 880.) a auch einzeln : Nttmb. Fr. Gutkn. 4 Bl. 8. (Berlin 
E. 1067) -- Augspurg, M. Prancke. 4 Bl. 8. (WB. 881) im Catechifmus J. Gigantta : Gepred. 
zur Schweidnitz Elyßorum veterum 1577. Frkf. a. d. O. 1578. Leipz. 1583; o. O. 1589 find 
5 Lieder von Luther (1. 25. 33. 36. 13) und Nie. Hermans *So war ich leb X^richt gott der 
herr\ keines von ihm. Schriften von ihm bei Clefs 2, 67. 

73. Peter Pretorias, geb. 1528 zu Cotbus, 1556 Superintendent zu Königs- 
berg in der Neumark. 

Der Kleine Catechifmus Doctoris Martini Lutheri. Fdr die Jugent vnd Einfeltigen . . 
erkleret durch Petrum Pretorium D. Wittemberg 1563 d. Georgen Bhawen Erben. 17 Bgn. 8. 
(WB. 850.) 

74. Gafpar Faber von MeUerftadt, Prediger zu Deyftingen auf dem 
Eichsfelde. 

Einfeltige vnd kurtze Erinnerung vom Sabbathsteuffel, Gal^aris Fabri Farinopolitani . . 
1572. 17 Bgn. 8. (als Zeugnis der kurzen reformationsfreude auf dem Eichsfelde lehrreich, 
mit liedem akroftichifcher Ajof&nge: Heinrich von Wefterhagen; Wilhelm von Wefterhagen 
vnd Chriftina Wurmfin; Jacob der wart von hertzen fro, von G. Faber; Es ift ganu nahe der 
jüngße tag^ v. demf., auch Walters ^Hertzlich thut mich erfreuen.* WB. 1100.) 

75. Zacharias Prietorins, Prediger zu S. Andres in Eisleben, mit Cyr. 
Spangenberg befreundet, dann fein Gegner. 

Einderpfalter. Eisl. 1565. 8. — 1) vater in dem himel. — 2) himlifcher vater ich danke. 

— 3) Der Herr ift metn Atrt, mir wird nichts mangeln. (1—3 in Cyr. Spangenb. chriftl. Gfngbchl. 
1568.) — 4) Das Ohriftliche Grabelied: Jam moefta quiefce querela. verdeutfcht. Item, 
Vier vnd zwantzig Tag vnd Nachtftunden, des Leidens . . JheAi Chrifti etc. 1575. Eisleben. 
Vrb. Gaubifch. 4 Bl. 8. (S. 8 : Z. Pretorius. Hör auff alles leid, klag vnd fehnen, 10 vierzl. Str.) 

76. Peter Retzmann, geb. zu Nürnberg 4. Dec. 1521 ; Pfarrer in der N&he 
Leipzigs, 1552 in Augsburg, Streitigkeiten über Nebendinge trieben ihn fort; 
kam nach Amberg, von wo ihn die Calviniften vertrieben; f in Sulzbach. 

Von ihm : Wer in dem fchutt des hbchften lebt wnd utuer feinem fchatten fchwebt pf. 91 : 
Der XCI. Pfalm Davids, Welcher in fterbens, vnnd andern forglichen leufften, trdftlich zu 
fingen ift. Der Jugend inn den Lateynifchen vnd Teutfchen fchulen zu Amberg zu ehren 
geftellet. Im Thon . Chrifte der d^ bift tag vnd Hecht. NAmb., Yal. Newber. 4 Bl. 8. (WB. 
813.) — Rep, mit P. Ebers 4: Nümb., Fr. Gutknecht. 4 Bl. 8. (WB. 814.) Beide male ohne 
Namen, der im Frankfurter G^. 1569. 1581, Bl. 109 angegeben ift. 

77. Jactk Ltckkem, Pfarrer zu Wifent; Ein Chriltlich Bethgeßmg wider den grew- 
liehen Blutdtirftigen Erbfeind des Chriftlichen Glaubens den graufamen Tttrcken. Begenl^. 
Hanns Burger 1566. 4 Bl. 8. *Gött vater der Barmhertzigkeit* (WB. 874.) 

78. Beiedict Tkairer, zu Eisleben. Ein lat. Ged. von ihm zum Lobe Luthers fteht 
in Spangenbergs acht Predigten. Eisl. 1566. 8. Cyr. Spangenbergs Chriftl. GefangbAchlein, 
Eisl. 1568 (WB.896), enthält folgende Lieder mit feinem Namen: 1) Ach liebßer gott und vater 
mein. — 2) Mein gott mein gott vom himel hoch. — 3) Der herr iß mein getreuer hirt (verfchieden 
von Kolbs). — 4) Nach dir o herr verlanget mich in meiner. — 5) Ich will dem herren meinem 
gott. — 6) Ich fag von grund des herzen mein. — 7) Gott fei mir gnedig in der nat. — 8) Gott in 
der ftille zu Zion. — 9) Herr gott erhör ins himels thron. — 10) Du bift herr unfer hilf und fchutz, 

— 11) Wer mit des hbchften fchirm und fchutz. — 12) Nun lobe mein feele. — 13) Ich fckrei zum 
herren mit meiner ftimm. -— 14) Ich will dich gott erhöhen ; elf davon (außer 7, 8, 12) wurden in 
die Nümb. 766 pfalme aufgenommen, vgl. Cyr. Spangenberg, unten 95. 

78. Paolos Eberos, geb. 8. Nov. 1511 zu Kitzingen, Melanchthons Fa- 
mulus, Profeffor, Prediger, 1559 Generalfuperint., f 10. Dec. 1569, 

Adam. vitt. theol. Frcf. 1653. 8. p. 428 ff. Chr. H. Sixt, Dr. Paul Eber, der Schdler, Freund 
und Amtsgenoffe der Reformatoren. Heidelb. 1843. IIV» Bgn. 8. Er dichtete : 1) Herr Jefk 
Chrißy war menfch vnd gott in Vierzehen fch6n e Geiftliche Lieder. Nümb. Val. Neuber. Nr. 8* 

— Nürmb. Hans Koler [um 1569] Nr. 2. (WB. 799. 800.) nd. im Hamburger erchir. 1565 mit 
der Unterfchrift: D. Paulus Eberus Filiolis fais faciebat 1557. (WB. S. 333.) Hchd. in Ackers 
Strafib. gefangbuchlin 1568 (WB. S. 849 a).— 2) Herr gott dich lobe n all e wir (in Geiftl. liedem 
Frkf. a. d. O. Eichhorn, vor 1562. unter Melanchthons Namen) [WB. S. 321.1 — Ein fchdn 

^ejr Chei/tlicb Lobgef&ngf Im thon. Es fleugt ein Vfigleln lelCe. Ein Ander Lobgefang von 
der dieoitbarkeit der heyligmi Engeln, Im ti^on, Oon^tot aäiae fiL^etum, «(Va. "^^^xti^. "^«Sl 



fiucli 4. §. 128. i8£» 

Iffewber. ' 4 Bt 8. 8. aiij f. (WB. 680. HB. 1062). — 'S) Helft tnir gom» giU« pfeifen. (Kopffen- 
hager lleder u. pf. 1571 ; Lübecker geiltl. lieder. 1577. Hill ohne Namen ; die Anfuigsbnch- 
ftaben der Strophen ergeben : Helena.) — 4) Das Gebet Jofaphat 2. Paral. 20. Wenn wir in 
hbchften nbten fein. Im thon erhalt yns Herr bev deinem Wort. Mehr der 91.Pfalm. Welcher 
in rterbens, vnd andern r&rglichen lenfften, troftlich zn fing en, Im thon Chrift der du bilt 
tag [von P. Ketzmann]. Ndmb. Fr. Gntknecht. 4 Bl. 8. (WB. 814.) Lüb. geiftl. Lieder 1577. 
J., o. N. vgl. Engelhart. — - 5 ) Herr Gott in Himmels Trone, in den flrofchauerfchen Pfolmen 
vnd gefang 1570. S. 477 (WB. S. 865). — 6) Herr bis du mein zuverßebtj in Ackers Straßb. 
gefangbuchlin 1568. (WB. S. 849 a.) 

80. Okilianis Friederick, Pfarrherr zn Magdeburg. Unterricht vom Tftrcken znAimmen- 
getragen. 1567. 8. (darin GiJ : Äch Herr mit deiner Hülff erfchein. 11 fiebenz. Str. = Freders 
Gedicht). 

81. Nicelaas Acker: im ftam Juda ift Gott bekannt. 7 Str., in Caroli Ackers gefangbiichlin. 
Strasb. 1568. (WB. S. 347). 

82. Johannes Placotomns, Bretfchneider, von Murftadt geb. 1514, Freund 
Melanchthons, 1543 Dr. med. zu Wittenberg, *1544 Prof. der Med. zu Königs- 
berg, 1549 entlaßen; 1566 Phyücus und Medicus zu Danzig, f um 1574. 

Ein Gefang von der Abfolution. Jo anne s Placotomns : Hdrt s«, merckt auff, jr Chriften 
all, in Cyr. Spangenbergs gftigljchl. 1568. (WB. S. 346). Nürnberger 766 pf 1607. S. 667. 

83. Ambroflus Wilflingseder, aus Braunau in Baiern, unterfchrieb 1550 
(Cantor an der Sebaldusjjphule zu Nürnberg) das Nürnberger Bekenntnis 
gegen Oüander; 1562 Diaconus an der Sebalduskirche ; f 31. Dec. 1563. 

Von ihih in den Nürnb. GBdchem das Lied: Gott du mein Gott und Heiland biftj auch 
einzeln : Der LXTTT. Pfalm . . In gefangsweiß geftelt, durch Ambrofinm Wilflingfeder . . Ndrmb. 
Val. Newber. 4 Bl. 8. (WB. 625). — Erotemata mufices practic». Nor. 1668. 8. — Deutfche 
Mufica der Jugend zu gutem geftelt. Nürmb. 1561. 8., 1569. 8., 1574. 8., 1585. 8. Vgl. Forkel, 
Lit. der Mnf. 282. 

84. Sagdaleia Beck, unbekannt; von ihr in Selneccers Pfalmen 1587 ein Gedicht Mag es 
denn je nicht anders fein, worin die Anfangsfllben der Strophen Magdalena Bekin ergeben ; 
fHiher fchon in Eholers Hausgefängen 1, 57 ; und in Knaufts Gaffenhauem geändert, wie es 
nach Selneccer ^fonft fehr falfch gedruckt vnd geAingen wird*. 

85. Jek. Stigeliu, geb. zu Gotha 13. Mai 1515; gekrönter Poet, Prof. in Wittenberg, 
Jena, f 12. Febr. 1562. Vgl. §. 122, 14. 

menfck wiltu für gott be/ian, erft in Th. Biehels Pfalmen Straßb. 1569, im fünften Teile» 
m. dem Namen. 

86. CSeerg Medel, bearbeitete dasVaterunfer in 8 vierzehnzeil. Strophen: Herr gott vatter 
im himelreich (in Fuhrmanns Geyftl. Liedern, Pfalmen u. Lob gefengen 1569; GeiftL Lieder 
vnd Pf. Nümb. Heu61er 1589. Bl. 58 mit dem Namen, vgl. WB. S. 355). * 

87. Okristopk Tkema Walliser; unter feinem Namen in den Strafiburger Pfalmen (Theod. 
Riehel 1569 Bl. 236) : Am end hüf mir Herr Jhefu Chrift (WB. S. 352. e). 

88. Hais Kelk (aus Steinbach in Franken) wird in Kolers Hausgefängen 1, 23 das 
fch&ne Lied Der herr ift mein getreuer hirt zugefchrieben; ebenfo in den Nürnberger 766. Pf. 
1607. S. 112. 

89. MicluVegel,Verfa£er des Liedes Mach mich heilfam o Gotte, deffen Anfangsbuchftaben 
feinen Namen ergeben; erfchien einzeln: Ein fch6n Geiftlich Troftliede. Ndrmb. Hs. Kholer 
(um 1570). 4 Bl. 8. (HB. 1085); wiederholt in Kolers Hausgef&ngen 1, 60. 

90. In Kolers Hausgefängen werden als Verfaßer folgender Lieder genannt : Ich armer 
gfell leid ungefel: Kasp. Ktni aus Nördlingen (1,49); Merkt auf ihr fromen chri/len: Strt. Waldner 
(1, 58); Wacht auf ihr Deutfchen alle: Huldr. Brettel (1, 88); Was hilft uns trauern und zagen: 
ikr. Ulrick von Cronach, Pfarrer zu Zerwitz (1, 95); Zu dtr o Gott und vater mein: Nie. ATrer 
von Nürnb., Pfarrer zu R6mhilt (1, 100); Ach Gott in deinem höchften thron: Wolfgang T.Beikuch 
'- '■- ^ Ach Gott vom himel ßch darein derfelbe (2, 62); Wie groß ift^ herr^ die angft derfelbe 

Herr Jefü ChHft in deinem: Gkrstpk.SckSmeder (2, 82); Jefus Chriftus, der einig fels: W81f 

, , 81) ; Haoen wir von dem Herren gott (2, 65), Wie lang wiltu mein herr (2, 64) ; Wenn 

gleich der reißend l6w (2, 63) von JoacL Listeiins Pfarrer zn Witftock, von dem noch fol- 
gende Gedichte: PafQon nach dem Spruch Efai» 53 .. gefangsweiß .. Wittenb. 1569. 4., und: 
Hiftorien der Figuren vnfers Heil. Catefchifmi . . gefangsweife . . Wittenb. 1586. 8. (WB. 995). 

91. Jok. Orteakerg: Ein new geiftlich Lied, Vom Leiden vnd Sterben vnfers lieben HErm 
Jheiti Chrifti. Durch Johan Ortenberg. Im Thon, Nu lob mein Seel den Herren. G6rlitz, d. ^ 
Ambr. Fritfch (um 1570). 4 Bl. 8. HB. 1084. Sagt der Tochter Sione. 16 zwölfz. Stroph. 

92. Gkrist. Weissglrker: Sing du werte Chriftenheit, im Frofch. GB. 1570 (WB. S. 365). 

93. Petms Sckir: ich armer fünder klag mich fehr, im Frofch. GB. 1570 (WB. S. 365). 

94. Haas Wirt. heiliger gott, o ewiger gott, und Herr Jeßt Chrifie warer gott, im Frofchouer- 
fchen GB. 1570 (WB. S. 365). 

95. Gyriacos Spangenberg, 17. Juni 1528 geb., Sohn Johanns, Schullebrer 
in Eisleben, Prediger ; Schloßprediger in Mansfeld ; Anhänger des Flacius Illy- 
ricus, multe flüchten; Prediger zu Slitzfee, von wo er wegen der "Lehre von 
der Erbfünde wieder fort mufte; f ^0. Febr. 1604 zu Straßburg. Vater dea 
Wolfhart Spangenberg. — Vielfache hiftorifche und t\i^o\Q^l<:?SÄ ^OwfÄVÄ^i.. 

VgL Tenfel §. 161, Schaul^iel §. 147. — Notwen^ge -wwciwaig kq. *ä» €sa>\.^wÄÄ ^wsSw- 
a^eke, QnmdrW. VI %. 



186 KirchUche Volksdichtong. 

rohe Kriegsleate. Eisleb. 1569. 18., 1570.* 8. — Ehel^iegel. StrA6b. 1570. 8. — Mansfoldirehe 
Chronik 1572. Fol. SächßTche Chronik. StrajQb. 1585. Fol. Hennebergifche ohronik. Strafib. 
1599. Fol. Querfortifche Chronik, Verdenfehe Chronik a. T. w. — AdelsX^iageL SohmalkAlden 
1601—94. n. Fol. 

Von der kunlt der mufica, auch von aufkommen der meirterfKagar. Strafib. 1698 (hand- 
rohrlfUich). 

PfaUer vgl. §. 126, 11. 

Der Hundert vnd Dritte Pfalm, Gefangs weij$, In dem Thon, Herr Chrift der eynig 
Gottes Son, etc. Durch M. Cyriacum Spangenberg [1: Nun lob. mein f§el den Herren, äenHnrem 
Jefutn Chrißy 11 fiebenz. Str.] o. O. u. J. 4 BI. 8. rep. am Tchlu^e des : 103. Pfalmen Danids, 
Fnr Kinder vnd einfeltigen. 1560. [widmg. v. 15581. rep. am fchlu^ der *Zwo Predigten Von 
dem rechten Chriftenlichen Banne . . Item der Cm. Pfalm . . Alles durch M. Cyriacum Span- 
genberg, Prediger im Thal Manj}feldt. 1563. 8. Bl. 78 d. i. 96. 

Ein rch6n geiltlich Lied, [2:] Erhalt vna Herr bey deinem Wort [weUke wir MAI«r haben 
gehört] .. Durch M. Cyriacum Spangenberg gemacht in feinem Exilio. 1574. 4B1. 8. (HB. 1060). 

Drey SchAne Geiftliche Lieder. Der Xm. Pfalm Dauids. [30 ^ch Gou wuin not mich 
hat etc. Im Thon wie folget [Noten]: 14. Cyriac. Spang. Das Ander. Der XXV.Pfal. [4:] Hoch 
dir Herr verlanget mich [mein gott auf den ich traue]. Im Thon, Nu firewet euch lieben Ohri* 
Aen gemein. M. ^nria. Spang. Das Dritte. Der XXV. Pfal. Nach dir O Herr verlanget mich etc. 
Im Thon, Ich ruff zu dir Herr JheAi Chrift etö. Gedr. zu Erffnrdt, durch Georginm Bawman. 
4 Bl. 8. (HB. 1059). 

Chriftlichs Gefangbüchlein .. Mit einer Vorrede. M. flyria. Spangenberg .. Eisleben 
durch Andream Petri. 1568. 24 Bgn. 8. Darin viele Lieder feines Vaters, nnd von EOltftein, 
Pr&toriua, Placotomus, Rifman, Thaurer und von ihm 3. 4. 5 : herr o fehöpfer aUer A«r». 
(WB. 896.) ^ 

Cithara Lutheri. Die SchAnen .. Lieder .. D. Martini Luthers .. Aufgelegt vnd gepre- 
digt. Durch M. Cyriacum Spangenberg. VierTheile. Erff. G. Bawman 1570. 4. (I.n.a.in. der 
vierte : Mülh. G. Hantzfch 1581. Keine Lieder von ihm). 

Schöner getftlicher Lieder zwey, Das Erfte, Von der Wirtfchafft zu Cana in GteUlea, 
ge£angsweife. Im thon. Nun frewt euch li^en Chriften gemein [Am dritten tag ein "Wlrdt- 
fchafft ward]. Das ander, Vonn derTauff Chrifti, AxlQ dem Euangelio, Matth. am 8. Im thon , 
Ich rÄflf zu dir [6 : Da Chriftus het nun dreyfßg jarj. Nfimb., durch Job. Kramer- 4 Bl. 8. (WB. 
590). — rep. NUrnb. Val. Newber. 4B1. 8. (WB.591). Auch in: Drey Schöne Geiftliche Lieder. 
Das Erfte, Ich hab mein fach Gott heimgeftelt . . Das Ander, von der Tauff Chrifti, Im thon, 
Ich ruff zu dirHErr, etc. Das Dritte, Ich paffiert einmal alleine, wol in desMeyens zelten, etc. 
In feiner Melodey. Gedr. zu Magdeburgk. 4 Bl. 8. 

96. Johann Frieß, Schweizer, dichtete das fchSne Ehe lied : Der hat ein 
Schatz erfundeny im Frofchowerfchen GB. 1570. S. 436 (WB. S. 365). 

97. Wolfgtng Anmra, Pfarrer zu Dinkelsbühl. — Neuw Gefangbuch Teutfch vnd Latei- 
nifch darinn die mrnembften Pfalmen vnd GefSnge der Kirchen Augf^. ConfefAon, mit einer- 
ley Melodeyen vnd gleichen Reimen in beyden Sprachen gefaxt etc. Pfalmodia nova .. 
1571. Francof. Cfir. Egenolf. Erben. 12. (WB. 970. Clefs 8, 186) daf. 1583. 19. (WB. 974 
Ueberfetzung deutfcher KL. in lat. gereimte Verfe.) 

98. Cleorg Dietrich , Cantor an der Stadtfchule zu Meiffen : Chriftliche gelüenge, Latei« 
nifch vnd Deutfeh, zum Begrebnuj) . . Nümb., Dietr. Gerlaoh 1578. 6^U Bgn. 8. (WB. 980. 
Clefo 8, 262.) — rep. Nümb. 1589. 8. (ClefT 2, 42) ; 1591 (WB. S. 875). 

99. Chriftoph Fifcher, geh. 1544 zu Wittenberg, 1571 Superint. zu Mei- 
ningen, 1574 Generalfuperint. u. Hofpred. zu Celle f 1597. 

Wir danken dir herr Jefu Chrift, daß du fiur %ms geftorben bift; im Nflrnb. GB. 1607, 548» 
WO Nie. Selneccer als Verf. genannt ift, von dem mehre Lieder ähnlich anfangen. 

100. Ludwig Hehnbold. 21. Jan. 1532 zu Mülhaufen in Thüringen geb., 
Conrector in Erfurt, zu Mülhaufen Rector, Diaconus und Superintei^nt, 
t April 1598- 

W. Thilo, Ludwig Helmbold nach Leben und Dichten. Berlin 1851. 17 Bgn. 8. — Von 
H. zahlreiche Dichtungen, trockne lateinifche, ungelenke deutfche. Die meiften inMufik ge- 
fetzt. Auch Polemifches. — 1: TTTT. Od» Ludouici Helmboldi, Latinae et Germanien .. New 
GeHinglein, auff der Schüler Feft an S. Gregorij tag, gerichtet und in Vier Stimmen Compo- 
niret, Durch Joachimum k Burck et Johannem JGccardum Mulhufinum . . Mülhaufen, Georg 
Hantzfch. 1574. 1 Bgn. q.4. (WB. 1101). — Crepundia facra. ChriftUche Liedlein, an S. Gre- 
gorij, der Schaler Feftag vnd fonften zu fingen, mit 4 Stimmen zugerioht. Mfilhaufen 1578. 
8. (Ciefs 2, 266). — rep.: Mülhaufen durch Andream Hantzfch. 1589. 8. (14 Lieder. WB^IOOS. 
ThUo 102>. — rep. daf. 1596. 8. (21 Lieder. WB. 1087). — rep. Erfurt 1608. 8. (21 Lieder. 
Thilo 101). — 2 : Zwantiig Chriftliche Gefäng L. Helmboldi mit 4. 5 und mehr Stimmen eom- 
ponirt durch Job. Eccardum. Mülhaufen 1574. 4. (Clefs 2, 264). — 3 : Zwantiig teutfehe Uedlein 
mit 4 Stimmen, anfif Chriftliche Reimen M. Lud. Helmboldi, lieblich zu fingen, vnd anflT In- 
ftmmenten zu gebrauchen, appliciret vnd gemacht. Durch Joachimum k Burck, Symphonetam 
Mulhufinum. Erf. G. Bawman 1575. 4. (Clefs 2, 263. ThUo 97). — 4: XXI. Geiftliche Lieder, den 
Gottfeligen Chriften zugerichtet. Durch M. Ludouicnm Helmboldum Mulhufinum. Vnd nu mit 
Vier Stimmen Componiret . . Durch Johannem Steurlein, Smalcaldenfem, Stadtfchreibeni an 
Wartingen. 1575. Er£f. G. Bawman. 4 Bgn. q. 4. (21 Lieder. Das letzte Nun laft uns GOtt dem 
HSrren WB. 1102. Cl. 2, 265. 266). — Diefelben 1577. 8. (Cl.'2, 87. Th. 98); diefelben KofN 
newe vberfehen. Mülh. 1589. 4. — 5: Ein new Chriftlich Vermanlied, aus dem dritten Gebot, 
zu vnuergeßlicher heyligung des Feyertags, im Thon: DLß find die heyligen Zehn G^bot .. 
ÄC Ladoulona Helmboldua. Mülh., Georg. Hantzfch. 1576/ 4 Bl. 8. (HB. 1088 : LÄft fingen vem 
arü/MGe^O. — 6: eine neue »eitung gegen dieJerallen mBAV\i««n£\aAt.\]b'l« (^itkmMaitfftrato 



Buch 4. §. 128. 1811 

unterdrückt, vgl. Wolf Kirehengefch. desEiohafeldes S.189.) — 7: VoxaH.Eheftaudt: Vieraig 
Liedlein^ inn warhafftige, tr6ftliche, freudenreiche vnd denckwirdige Beimen, aoß Gk)ttlicher 
Warheit von M. Ludouico Helmboldo gefaffet, vnd mit 4 Stimmen, welche gantz lieblicher 
art zn fingen-, auch auff Inftrumenten zugebranchen, abgefaBt von Joachiiüd a Burck, Sym- 
phoneta Mulhufino. Mülhaufen 1583. (Glefs 2, 263 vgl. WB. 977. Th. 106). — tHefelben : zum 
Andern Mahl Gedr. zu Mülh. d. Andreum Hantzfch. 1595. 5V» Bgn. 8. (WB. 1035. fh. 106). — 
8 : Vom h. Eheft. 41 Uedlein . . J[>ireantu8 libri fecund!. Zum erlten Mtfhl geätf. tA Mülhaufen 
d. Andr. Hantzfch. 1596. 5*/« Bgn. 8. (WB. 1036. Th. 130). — 9: Der Jtf^tUer Orden, auBer wel- 
chem Niemand kau feiig werden. Reimweife befchrieben durch M. Lud. Helmboldum, Mül- 
hufinum. Gedr. zu Mülh. d. G. Hantzfch 1583. 8B1. 4. (Wolf, Kirehengefch. d. Eichsf. 188. Th. 
107. 231). — 10 : Sepultura Lutheri. Begrebniß D. M. Lutheri. G. Hantzfch 1584. 4 Bgn. 8. 
(Th. 111. dberfetzung der Sepultura Lutheri. Dialogus. 1538. 4. von Job. Lange, vgl. AL. 1, 
357). — 11: Drefffsiff Geiftliche Lieder anif die Feft durchs Jahr, auch fonften .. zu fingen ge- 
ftalt . . Mülh. Andr. Hantzfch. 1584. 8. (Th. 107). — rep. daf. 1594. 4 Bgn. 8. (WB, 1031). — 
rep.: Erff. 1609. (Th. 109). — 12 : Offenbarung der Jefuiter, durch jhre eigene antichriftifch« 
(zu Gratz zufammengekratzte vnd im Jahr 1587 zu Mainz in Druck gemeunfehte) Verfälfchung 
des Chriftlichen Catechifmi D. M. Lutheri . . fampt etlichen Chriftlichen Liedern, befchrieben 
durch M. L. Helmboldum. Mülh. Andr. Hantzfch 1593. 12 31. 4. (Gl. 2, 87. 7h. JLSO). Gefam- 
melt wurden die deutfchen Gedichte. 13 : Schöne Geiftl. Lieder vb6r alld Evangelia Er£ 
Mart. Wittel 1615. 8. (222 Lieder. Th. 149). Der ander TheU geiftlicher Lieder M. L. Helm- 
boldi. Brf. M. Wittel 1615. 5V» Bgn. 8. 45 Lieder (Th. 152). -- AuBertleM zMUWTohe lat.Ged., 
die Thilo verzeichnet. Dazu noch einLiber piarum meditationum jämb. dimetris confcriptus. 
1584. Mulh. 8. (k. Bibl. Hanov.) Vgl. Mülhauflfcljes GB., darinnen M. Lutheri, Helmboldi und 
anderer geiftreiche 578 GefKnge enthalten. Mülh. 1761. 8. — Die bekannteren fehier Lieder: 
Von gott will ich nicht laßen (o. N. fchon in Kdlera HausgefKngen 1, 81). — Nun ift es zeit sm 
fingen. — Du friedefürft herr Jefki Chrift. — Frifch auf mein feel verzage nicht. — Es ftehn vor 
Gottes throne. — Ich weiß daß mein erlöfer lebt. 

101. Panlu Hemler. — Der Ein vnd neunzigfte Pfalm, tr6ftlich zu diefer z«it, wider 
die Seuche der Peftalentz vnd ander anliegen in gefangsweife verfaffet. Im Thon, Es fjprieht 
der vnWeifen Mund wol, etc. Durch M. Paulum Heuflerum. Leipzig, d. Jac. Berwaldts Erben. 
Anno 1575. 8 Bl. 8. (HB. 1086 : Las wiuten Teuffely Tod vnd Hell. 39 fiebenz. Str.) 

102. Franz Barghardi, Prediger za Riefenbnrg inSehlefien, miifte bei den 
ofiandrifcheip Streitigkeiten weieben, 1555 Prediger zu Danzig^ t500 Prediger 
und Prof. zu Thorn, f als Prediger zu Großzinder im Danziger Werder 1590. 
Eifernder Anticalvinift. 

Gott hat den menfehen zart und rein von anfang her gefchaffenf im Danzig» GB. 1587 Bl. 
M (WB. 1000; in den Nürnberger 766 Pfalmen. 1607. S. 760 mit dem Namen). 

103. detrg Enselkardt. Die NAmb. 766 geiftl. Pfalmen etc. 1607 legen ihm das Lied bei 
Elias der prophetifch man. Vgl. HB. 1071 : 1 : Ewiger vatter im Himmelreich. — 2 : Es ift gewis- 
lich an der zeit [v. Ringwalt]. — 3: Elias der prophetifch Mann [o. N.}. — 4: Ich hab mein 
fach gott heimgefkeUt [v. Pappus}. — 5 : Ich weid mir ein Bldmlein. — 6 : loh ging einmal 
fpatzieren ein weglein das war klein. — 7:0 Chrifte Morgenfterne. — 8 : Was mein Ck>tt 
will das gfeheh allzeit. — 9 : Frifch auf mein feel verzage nicht. — 10 : Wenn wir in h6ch> 
ften n6ten feyn [P. Bberus]. — 11 : Wenn mein ftündlein verbanden ift [Nie. Herman}. — 12 : 
Der gnaden brunn thut flieffen. — 18 : Aufi meines Hertzen gründe, fag ich [J. Mathefius]. 
— 14: Hertzlich lieb hab ich dich o Herr [C. Hubert]. 2 Bgn. 8. Titelbl. fehlt.. 

104. Job. Pappns, geb. 1549 zu Lindau am Bodenfee, ftudierte feit 1567 
zu Straßburg, 1570 Pfarrer zu Beichenau, 1571 Profeffor zu Straßb., * 1578 
Prediger am Münfter, ftarb 13. Juli 1610. 

Ihm wird das Lied: Ich hab mein fach gott häimgeftellt, zugefchrieben, das zuerft in 
der oben (unter Engelhardt) befchriebenen Samlung, auch in der Hefdelb. Hs. 765 Bl. 36 
(Wilken 531), in den Strafi'b. Pfalmen (A. Bertram^ um 1597) Bl. 182, Nümb. Pfalmen 1607. 
S. 868, Aberall ohne Namen, fteht ; ebenfo in : Drey Sch&ne Geiftliche Lieder. Das Brfte, Ich 
hab mein Sach Gott heimgeftellt . . Im Thon, Es ift auff Erden kein . . Das Ander (Dd Clhrl> 
ttXkB hett nun dreifflg Jahr) . . Das Dritte, Ich paHlert einmal aUeine, wOi fnt des Meyens zeiten 
. . Magdeb. (W. BoB» nm 1600). 4 Bl. 8. — (Anderes Lied mit ähnlichem Anfange : Ich hab mein 
fach zu gott gepellt^ fchon 1555 (HB. 1079. Frkf. Liederb. 1582 N. 209) ohne Namen, 6 fechra. 
Strophen). 

105. jMeUH Ernst, Fttrft zu Anhalt. — Sacra Po6matf^ d. t Getfßiefa«- Gedichte . . 
cum prsef. co^jugis. Zerbft 1587. 4. (Wolfenb. 165 Th. 4. p. 113 u!id p. 1800. GeifU. Gedichte 
in Reimpaaren, nur ein ftrophifches, manche akroftichifch). 

106. firegorins Meyer, Organift (vielleicht' derfelbe mit Georg Ma^ §rl'03, 7, der am 
24. jun. 1570 noch deutfcher fchulmeifter und vorfinger zun barf&3em in Augsb. war. WBk 
S. 363) ; unter feinem Namen in den Frankfurter Pf. 1581 Bl. 37 : Chrißus der iß erßanden, 
da:* htü kam uns zu handen, und Bl. 66 : ratter unfer der du biß in himmlen da dein wohnung iß. 

107. Lies EdelikeKers Gefangbüchlein vnd HauBlieder Sampt etlichen mehr vor nie 
gedruckten neuwen Bachern, auch angehencktem Bdchlein, Jungfirauwen Zucht genandt. 
Frankf. 1583. 8. (Clefs 2, 84). 

108. Alkert Ltkmeler aus Lttbbeke, 1584 Prediger zu Wettbergen, dann zu Linden vor 
Hanover 1586. 

ZwölfSch&neGhriftlicheGefenge, .. fampt einer .. predigt .. Lemgo bey Conr. Grothen 
1587. 4Vs Bgn. 8. (WB. 997. darin u. a. Bl. 11 f. <der 42 pf., eine rechte ChriftUche Beicht. 
Im thon, Entlaubet ift vns der Walde etc. Selich o felick e6en, felicK \\i Aev 9«v>\^ — \5:{^Q^^^9v.. 
18: Bin andechtlg Liedt, des Ehwirdigen Herrn IimU VraA<StaMn\^«XXAx^ im, Q^wxäV ^^^n».%^ 



188 KirchHche Volksdichtung. 

meines lieben Prs^ceptoris, So er in feiner Verfolgung vnter den Jeftiiten gedichtet: O irmur 
Miand Jhefu CkHft, 8 vierzeil. Str.) 

109. J«L Wittiek, Arzt zu Amftadt, Verfafier der : Ecclefla domeftica Wllliebiana : W5ehent- 
liohe Kindervbung) Betreffende den Morgen vnd Abendtfegen .. 1587. Erff. Gheorg. Bawm. 16 
Bgn. 8. (WB. 998). 

110. Georg Mtrkaek : Chriftliche Erklärung des alten Weinachtslieds, Ein Kindelein fo 
löbelich. etc. fampt einer fchdnen außtheilung de^. neuwdVi Jahrs, Beimweiß befchriben. 
Hagdeb. 1588. 4. (Clefs 2, 44). 

111. Cafpar MelifTander, Bienemann, geb. zn Nürnberg 1540, General- 
Itiperint. zu Altenburg, f 1591. 

Ohrirtliche Reim-Gebete ynd S^mbola Durchl. Perfonen. Erf. 1589. 18. Darin fechs 
Lieder von ihm: Herr leite mich in detnem wort. — Herr wie du wilt^ fo fekiek* mit mir. — lek 
woiß daß mein erldfer lebt. — herr erkalt mich bei deim wort. — kerr regier mieh dmrek dein 
Wort. — Sein leben von J. H. Aker. Jena 1718» 4.; auch bei MeliXTanders EhebAchlein. 
Bndolft. 1719. 12. 

112. Mich. Saxe, f^iegelbergifcher Hof^rediger zu Tho nna; Ein New LEhr, Gtobet vnd 
Troftbdchlein in allerley njthen . . Leipz. 1591. 19»/, Bgn. 8. (WB. 1017). 

113. Oregtriis AIku, legte das apoftolifche Symbolum fatzweis in Verfen ans. — Svm- 
bolum apoftolicum. Das ift. Die artickel vnfers ChriTtlichen Olaubens .. Durch Gregorium 
Album. Gedruckt 1595. Jhena durch Donat Bitzenhan. 8 BL 8. 

114. Orriacos Schneegass, 1579Superint.'znFrledrichsroda bei Gotha, fSS. Oct. 1597. Von 
ihm: KinderPomil. Magdb. 1591. 8. Weyhenacht vnd Neujahrs Gtefänge. Brflftirt 1596. 8. Zwey 
vnd Zwäntzig Chriftl. Gefänglein. Erff. 1597. 8. 

115. DtT. Wtlder, Prediger zu Ham burg; New Catechiftnus GeflangbÄchlein. Hamb. bei 
Theodof. Wolders. 1598. 38 Bgn. 8. (WB. 1052). (Von ihm auch: HlTtoria van derPeftUentse, 
darmede de Kinde Ifrael vmme erer vnde Dauides Sunde willen find geftraffet worden. Hamb. 
1697. 4. 9uch eine niederd. Bibelausgabe, Hamborch 1596. Fol. in der er fich Wolders nennt). 

116. Peter Berteid, von GüTtrow. — Handbdchlein, darinn der Pfalter Dauida, l^prflehe 
Salomonis vnd GefaugbAchlein. Hamb. 1599. 16. 

117. JoL Oenrad von Ulm. Im Wolfffchen GB. Zürich 1599 fünf Lieder ven ihm: 1: Wmr 
undorm fchirm des köckften ßtit. — 2 : Als Ckriftus unfer herr mnd gott, — 3 : ßlun ktrt der Metren 
Teftament. — 4: iVtm hört mit ernft die zehn gebot. — 5: Als Ckriftus unfer Herre feH. (WB. 
S. 443). 

118. Philipp Nicolai, geb. 10. Aug. 1556 zu Mengeringhaofen, 1596^1601 
Prediger zu Unna in der Graffchaft Mark, Prediger zu S. Katharinen in Hamb., 
wo er am 26. Oct. 1608 ftarb. 

Von ihm zwei Lieder: 1: Wie fch&n leuchtet der mor genßem. — 8: WaelMi emf rnft ww 
He ftimme. Die Anfangsbuchftaben des erften Liedes WEGUHZW bedeuten: WUhalin Graf 
und Herr zn Waldeck, die des zweiten WZG in umgekehrter Folge : Graf zu Waldeek. Beide 
in Nicolais Frewden Spiegel des ewigen Lebens . . Frkf. Job. Spies 1599. 4. (Die Widmung 
ans Unna vom 10. Aug. 1598) ; das erfte S. 409, das andere S. 412. Der FreudenAplegel er- 
fchien auch 1607. 4. — Nicolai polemifierte gegen die Calvinüten in mehren Sehriften. 

119. Jtcek Cryneiu. — Im Wolfffchen GB. Zürich 1599 von ihm das Lied : Herr Je/kt 
Ckrift das nachtmal dein. (WB. S. 443.) 

1*20. Johann Halbmeyr von Merckendorf, Pfarrer zu Vendersbeim im rhein. 
Ritterkreife. 

Die NÄrnb. 766 Pf. (1607) fchreiben ihm 8 Lieder zu : 1 : Den Herren lobe die feele mein. 
Pf. 104 (7 zwölfz. Str., S. 813). — 2: Hirt zu all vdleker eben Pf. 49 (10 nennz. Str., 8. 891). 
-r~ 8 : Der Meye^ der Heye bringt uns der bli^ein vil . . Str. 3 : Darumb fo laft wn* »reifen . . 
reienlied für die Jugend (12 Str., S. 908); letzteres verfchieden von Jac. Kliebers Um- nlid 
Fortdichtung des VolksUedes. g. 127, 28. 



fchatz 1707. 4, 65); er fcheint aus Bafel zu fein. 

122. Ckristiai ThiUnlner, nennt fich in der letzten Strophe eines ^Geiftl. Liedes, darinn 
die Summa deQ Chriftl. Glaubens kurtz begriffen': Gott fei globt ich empfinde wol, mein ftünd- 
Mn ift vorhanden^ in den Nümb. Pfalmen 1607. S. 641. 27 fiebenzeil. Str. 

128. Talerias Herkerger , am 21. Apr. 1562 zu Frauftadt in Polen geb., ffcarfo am 18. Mai 
leiT auf der Kanzel. Er foll 1613 zur Zeit der Peft das Lied ' Valet will ich. dir geben, 4n arge 
fttifeke welt,^ gedichtet haben. 

§. 129. 

Mehrfach begegnen in den GB. und auf fliegenden Blättern Namenlieder, 
Gedichte deren Strophenanfänge den Namen einer Perfon darbieten. Schon 
das häufige Vorkommen folcher Lieder mit fürftlichen Namen hätte vor dem 
Irrtume warnen mü^en, als feien die genannten Perfonen Verfaßer diefer Ge- 
diebte, die ihnen gewidmet und wie aus ihrem Munde gedichtet worden« 



Bach 4. §. 128. 129. 189 

Aeltere Samlnngen folcher und anderer auf fürfüiche oder ftädtifche Symbola 
gedichteten Lieder. 

1. Maria, geh. 1505, Königin von Ungarn, Schwefter Karls V.; durch den 
Tod des Königs Ludwig am 29. Aug. 1526 verwitwet, 1531 Regentin der Nie- 
derlande, t 18. Oct 1558 in Spanien. Mag ich Unglück nicht vnderßan. 

Die Anfangsfilben der drei Strophen ergeben MaRiA. Ihr wird auch ein Lied auf den 
Tod ihres Gemahls zagefchrieben : Ach got wag fol ich fingen, — Das erfte erfchien zaerft als 
Anhang zu Luthers Ueberfetzung des Puer natus: Ein alt geiftlich liedt, von der Geburt 
vnfers Herrn .. 4 Bl. 8. (HB. 1041), dann niederdeutfch in Magdeborger GeyrUiken ledern 
1534 mit dem zufatze: *dorch de Vörftinnen tho Vngem': X^&ter oft gedruckt, aber fehr ab- 
weichend : in Forfters liedlein 1539. 1, N. 51. u. f. w.; als Einzeldruck mit dem zweiten zu- 
fammen: o. O. u. J. 4 Bl. 8. (Kömer S. 136 «.). — Nümb. Q. Wächter. 4 Bl. 8. (WB. 242). 
— StraBb. o. J. 4 Bl. 8. (WB. 371). — Niederdeutfch: Twe fch6ne Lede, Van der K6ni- 
ginnen van Vngem, Frouw Maria vnde erem Gemahl Kdninck. Ludowich, Vnde ys dat Erft« 
ym Thone, Mach ick vngelAcke nicht wedderltan. Noch ein fchdn Geiftlick Leedt, ImThone, 
Ach Godt wem fchal ickt klagen, o. O. u. J. 4 Bl. 8. 

2. ^Caßmir Markgraf zu Brandenburg* lauten die Strophenanfönge des 
Liedes Capitan Herr Gott veUer meyn. 

Zuerft im Erfurter enchirid. 1526 Bl. D^ und (mit bloßen Druckfehlern in den akro- 
rtichifchen Silben) im niederd. 'nutte ghefangkboek von 1526* und dann in faft allen hoch- 
und niederdeutfchen GB. bis um die Mitte des Jh. nrfprünglich hochd., nicht vom Mark- 
grafen felbft. 

3. ^Oeorg marckgraf zu Brandenburck* die Anfangsfilben der Strophen 
des Liedes Genad mir herr eunger gott, das zuerft in dem Wittemberger GB. 
1529 vorkommt; niederdeutfch im Magdeb. GB. 1534 Bl. Fiij. 

4. Friedrich 1., Konig von D&nemark 1523 f 1533, unter dem 1527 die 
Reformation eingeführt. 

Das Lied Fred giff vns leve here im 'loven rein ergibt in den Anfangsfilben der Strophen 
^Fredderick koninck tho Denmarck', worin zugleich der Name des Verfafiers Freder su fteckem 
fcheint. Es fteht zuerft Magdeburger nd. GB. 1534. 

5. Johann Friedrich, Kurfürft zu Sachfen, f 20. Febr. 1554. Seine trau- 
rigen Schickfale regten die Dichtung lebhaft an; Lieder mit feinem Titel wur- 
den ihm mehrfach zugefchrieben und auch andere, die aus feinem Namen 
gedichtet wurden, mag die unfichere Tradition ihm nur beigelegt haben. 

a) Des Gefangenen Chriftlichen Churfürften rechter Titel . . In ein Lied verfaffet Im 
thon, Mag ich vnglück nicht widderftan. etc. ym jar 1548. 4 Bl. 8. (Die Anfangszeilen der 
5 Strophen geben : Von Gottes Gnad Johans Fridrichy Ein aufsbund vnd rechter GhurfArft, Das 
heilig Creutz drumb föhrt ynd tregt n. f. w.) 

b) Vier fch&ner lieder, Das erfte des Ghurfflrften zu SachlTen, im Thon ein newes lied 
wir heben an. (Jo lieher kind. Je herter ftraffi die Anfangsfilben der Strophen ergeben : JoHan 
FriedReich HertzZog Zv Sachfen Churfurft.) Das ander, der Churfdrftin, im thon Ubrug ich 
mus dich lalTen. (Ach got mich thut verlangen ; auch bei a.) Das Drlt, Hertzog Johans Wilhelm. 
(Ich arme» Fürftlein klag mein leyä.) Das vlerdt Ton des ChurfArften gefengnls. (Nun wolt Jr 
hören fingen^ von mir ein new gedieht). Ein fchdner Pfalm (Wol dem der nicht wandelt im rat), 
o. O. u. J. 8 Bl. 8. nicht naoh 1549. 

c) Ein fchftn New Lied, Von einem gefangen Fdrften. In dem thon, OGott verleih mir 
dein gnad (Job was vor Gott gerecht vnd fromm). 1549. o. O. 4 BL 8. (WB. 579. Anfangsbuch- 
ftaben der 13 Strophen ergeben: JoHann FridBeich Von Gots Gnad HerrZog Zu Sachffen 
ChurFürft). 

d) Eyn New Lied, des Frommen, Chriftlichen Alten Churfürften, Hertzog Hans Fride- 
rlohs des Eltern. Durch Pet. Watzfdorfl. zufamen gefetzt. Anno M.D.xlyiij .. Auff den 
Titel gedachtes FOrften gemacht. Für die Gelerten mit vier Stymmen . . (Von aller Welt vor- 
laffen). 4 Bl. 8. Die Anfangsworte der erften 8 Strophen ergeben: Von Gottes Genaden 
Johans Fridreich Hertzog Zu fachfen ChurfUrft. — Ein andrer Druck 'Des Gefangenen Chrift- 
lichen Churfürften rechter Titel' u. f.w. o. O.u.J. 8. läjßt Watzdorfs Namen weg und zeichnet 
die akroftichifchen Worte durch den Druck nicht aus. 

e) Ein Troftlied zu Ehren dem gefangnen Chriftlichen Churfflrften HERtzog Johans 
Fridricn. geftelt an freunde vnd feinde aufif den thon. Mag ich vnglück nicht widerftan. Im 
Jar 1548. 4 Bl. 8. (WB. 542. 579. Am Schluße : J. G. Z. — 57 elfzeiUge Strophen. 

f) Zwey fch&ne Newe Lieder, deß firommen Johanfen Friderichen von Sachfen, welche 
Er in feiner G«f&ngknu3 gedichtet hat .. 4 Bl. 8. (WB. 540. Es find die Lieder: Wie» Gott 
gefällt fo g fällt» auch mir und : Ich hab» geftalt ins Herren Gwalt. vgl. unten 13, 2 f.) 

6. Moritz, Kurfürft von Sachfen, fiel in der Schlacht bei Sieyershaufen 1553. 
HErtsog Moritzenn, des Churfürften zu Sachfen Lied, welches er gemacht hat, Ee er 

auB feinem Land hinweg ift geritten, Inn dem Thon, Ob ich gleich Arm vnnd Eilend bin, 
fo trag ich doch ain fteten £yn. 1. 5. 52. (Mein herz da» hat kein trawen nicht.) 4 Bl. 8. (An- 
faagsbnchftaben und Silben der 17 Strophen ergeben: MOBIZ HerrZog Zu Sachfen ChurFürft 
BorgGraff Zu MagDeBurg. 

7. Maria Jaeobiea von Holland. Sie foU das Lied dAY^&Krv». ^^\3J\!^w^^kc\s. 
Dachahmend ein vierftrophiges felbft geCdineb^xi \i«^eii. 



190 KirchUche Volksdiohiang. 

Mag ich dem glückk nicht damnkhen vilf die AnfangsAlben ergeben : MaltyA Jacob e(rwirb). 
Ctodr. in Mones anz. 

8. Auch die Lieder von Ph. Nicolai §. 128, 118 gehören hierher. Ein 
Gedicht mit dem Akroftichon : Carolos der Ainft n. f. w. und ein anderes mit 
dem Akroftich Willem van Naffow f. unter den hiilior. Gedichten §. 141, 207 
und 242, b. — Ueber den angeblichen Grafen Jörg von Wirtenberg ygi. §. 139. 

Neben den Namenliedern auf Fiirften wurden dergleichen auch auf andre 
Leute gedichtet: 

9. Solche Lieder auf Gregorius Margret Forwerkin (WB. 741), Heinrich 
von Wefterhagen und Chriftina Wurrafin (WB. S. 486), von Paul Eber: Helena 
(§. 128,79,3), von Knöpken: Hulde (§. 131, 4), Magdalena Beckin (§.128,84) 
und andre. Zweien Wolth&tern Wenzel Hoeswalt und Thomas Klinokhart zn 
Ehren dichtete 1554 ein Sachfe zwei Lieder in diefer Weife (WB. 662). Deut- 
lich wird an einem Gedichte Peter Watzdorfs auf die Familie des Kur- 
f&rften von Sachfen, wie die Dichter aus fremdem Munde dichteten ; es find 
nur die Anfangsbuchftaben der Namen an den Rand gefetzt und die damit 
bezeichneten 'fingfen daneben in erfter Perfon: 

Ein New Lied, Den Jangen Ftirften zn SachfTen, HertBog Hans Friderichen dem Mitt- 
lem. Hertzog Hans Wilhelm. Hertzog Hans Friderichen dem Jdngften, Vnd jhrer P. G. be- 
trübten vnd verlaffenen FdrJtin vnd Fraw Muttern, Zu ehren gefteUet, Durch Petrum Wats- 
dorff. Im Tbon, Kehr wider glück mit frewden. Anno 1547. (Kehr Widder gnad mit fHeden.J 
o. O. 4 Bl. 8. • • 

Aehnlicher Art find die Lieder auf die Wahlfprüche der Fürften und Städte, 

welche die Buchftaben' deuten und die Deutung auslegen. Auch diefe Gedichte 

hat man den Inhabern der Sjmbola felbft zugefchrieben, während mühfelige 

Dichter fich nur damit empfelen wollten. 

10. Drey fchone Newe Geiftliche Lieder, Die erften zwev, des Hochlöbl. 
K6nig8, K6nig Chriftian des IIL zu Dennemark feiiger Gedechtniß. Anff fein 
Symbolum: Ach Gott fchaff deinen willen (Äch got du liehßer vaUer'mein und 
auf das Symbolum : Zu Gott mein troft allein fonft anders kein : Zu Got fnein 
troß allein ich ßeü). Das Dritte. Diefes jtzigen Hochlöblichen Begierenden 
Königs, König Friderich, Auff fein Symbolum. Mein hoffnung zu Gott allein 
(Mein hofnung trofi wnd zwoerficht). 

Aus dem einzeldracke aufgenommen in Geiftliche lieder vnd Pfalmen. Kopffenhagen 
M. Weingardt. 1571. 8. und in deren Nachbildung: Geiftl. Lieder vnd Pfalmen ete. Lttb. 
1577. 8. (darin noch andre Lieder auf Symbola: Got Verlelt Die feinen Nicht, nnterselclmet 
E. L Rerauius; ferner: Mein hofnung zu got allein; Auf dich herr trauw ich. 

11. Kurtze, au^erlefene Symbola. Maximiliani Secundi Bömifchen Keyfers. 
Georg Fridrichen Marggrafen zu Brandenburgk. Hertzog Reicharts Pfaltzgrafen. 
Hertzog Ludwigen, vnd Hertzog Johann Ca^miri gebrüdem vnd Pfaltzgrafen 
. . Dureh J. Hagiom Redwizenfem. Nurnb. Vir. Neuber. 1569. q. 4. (WB. 1099). 
Der -Statt Nürnberg Symbolum: Nur Gott mein bürg, mit 4 Stimmen, in Reim- 
weiß gefetzt durch M. Joh. Hagium. Nürnb. 1569. (Cl. 2, 264.) 

12. Kurtze vnd fonderliche Newe Symbrla etlicher Fürften vnd Herren, 
neben andern mehr fchdnen liedlein mit f&nff vnd vier Stimmen, .. Componirt 
Durch Mathiam Gaftritz. Nürnb. Dietr. Gerlatz 1571. q. 4. (WB. 1021). 



Symbola des Kurfürflen Friedrich von der Pfalz (Herr nach deinem willen), des Pfalz- 
,__jn Ludwig (ÄU ding »ergenglich) , Johann Cafimir (Glück wart der »«»i;, Chriftoph (Habe 
Go$t für äugen), der Pfalzgr&fin Dorothea (Mein leben bift du Je/\» Chrift) und andrer Perfonen 



des Hofes. 

13. ALlerhand Troftreiehe vnd in Reymen verfaißte fprüch vnd Gebetlein 
. , CoUigiert. Durch Bernhardt Heabolt von Gundelfingen. Frkf. Chr. Egen. Erl. 
1596. 12. (WB. 1041). -— Parabolse vnd fchone holdfelige gleichnuffen aufi H. 
Schrifft .. Durch Bernhardum Heapoldum. Frkf. 1596. 8. — Manual oderHand- 
bftchlein Fürftlicher Perfonen. Zufammengetragen durch B. Henpoid. Bafel 
1620. 12. 

Darin Lieder auf Namen und Symbola: Johan Fridrich 1: Von aller Welt 9erkUjne». — 

8: Wies Gott gefeilt fo gfellts auch mir. — 3: Ich habs gefielt ins herm gemalt. — 4: Slbyllae: 

Aek Gett mich thut verlangen. — 5: Joh. Wilhelm: Herr regier mich durch dein wort, — 6: 

ar»brebrift Johann Wilhelms: Joh. Wiih. der thewre held. D. 0. W. (MeUsianierf) 157S. — 8: 

J>orotbe»e Sufannacj herzogin v. Sachfen: Ick weiß daß mein erl6fer lebt. B.Q.M(elifOKad6r). 



Buch 4. §. 129. If^l 

1578. — 9 : Friedrich Wilhelm, Herzog : ktrr erkalt mich bei deim wort, ~ C. M. D. 1582. — 
10 : Johann, Herzog v. Saohfen : Herr leite mich in deinem toort. — 11 : Muda, Aebtiffln za 
Qnedlinbnrg: Herr v>ie du wilt fo fckicks. G. M. D. 1574. — 15j K6nig Friedrich I. zu Denne- 
mark. — 17: Markgraf Albrecht zu Brandenburg: Wo» mein gott will das gfckeh allzeit. — ISi^ 
Maria von Ungarn. — 19 : Markgraf Caflmir. — 20 : Markgraf Georg. — 21 : Herzog Ulrich 
von Mecklenburg : Herr Gott Vater vnd keiland mein. WlUiehl Bfienkacl D. (S. 117). — AoBer- 
dem : Der grimmig tod mit feinem pfeil [Ueberfetznng eines lat. Gedichtes auf den zu Prag- 
verftorbenen Herzog Heinrich Jnlius von Braonfchweig. vgl. Wolfenb. 218. 13. Qnodl. 4. -~ 
Andrer Druck : Betrachtung des Todtes . . 1619. o. O. 4 Bl. 8. Andrer Text in Corners Groß 
Catbol. GB. Fürth 1625. B. 931] und : Nun mach dick eilends auf du Teutfcke Nation (ausdrftok- ' 
lieh al^ Bidenbachs Gedicht bezeichnet, der fchon im März 1571 ftarb. Das Lied erfch^at 
auch nn Anhange zu lUngwalts lautrer Warheit). 

Zweifelhafter erfcheint die Urheber fchaft andrer unter fürftlichen Namen 

und aus ihrem Munde gedichteter Lieder. 

14. Markgraf Albrecht von Brandenburg, Beformator Preu|)ens und Grün- 
der der Univerfit&t K6nig8berg (1490 f l-'>57). 

~ Ihm wird zngef chrieben : Was mein gott will das gefekek alUeit} ohne Namen in zwei 
Drucken von Fr. Gutknecht (WB. 671. HB. 1096) im erften 3, im andern 4 Strophen; mit 
Namen im Kopenhager GB. 1571, Heupold. 

15. Johan Wilhelm, Herzog zu Sachfen, Sohn des Eurfürften Joh. Friisdrich« 
Hertz'og Jo-ihan Wilhelms 1 zu SachrTen Lied .. 4BI. 8. (HB. 1154). — Hertzog Jo-|han 

Wilhelms zu Sa-|chffen Lied .. 4 Bl. 8. fWB. 538). — Vgl. oben 5, 6. C^ck armes Fürftlein 
klag mein leid). — Der 79. Pfalm, unterfchxieben von Johann Wilhelm Hertzog zu Sachfen in 
der Heidelb. Hs. N. 764. Wilken S. 530. — Vgl. oben 13. 5. Das GB. Henning Großes, Eisl. 
1589. 8., fchreibt ihm das von MelilTander für Dorothea Sufanna verfaßte Lied (oben 13,8) zu. 

16. Sibylle, Kurfürftin zu Sachfen, Gemahlin Johann Friedrichs, f 1554. 

^Ack Gott mick tkut verlangen, nack dem der jttt gefangen . . in : Des Gef. Churf. rechter 
Titel .. 1548. Bl. 3. vgl. oben 5, a. — Abweichend (der KeiTer meinte nit gut u. f. w.) inr 
Vier fch^ner Ueder . . Bl. Ai^. vgl. oben 5, b. 

17. Chriftian, Herzog und Kurfürft zu Sachfen. f 

J>as GB. des Buohh. Henning Gro8> Eißleb. 1689; 8., fchreibt ihm das Lied zu: 7^ Gen 
allein kab icks geftellt. (WB. 1050, 8.) 

H&ufiger Gebrauch war es, daß Dichter ihren Namen durch Akrofticha za 
erkennen gaben, oder denfelben am Schlüge in den Vers brachten. 

18. Hans yan Gottingen (§. 131, 5), Heinrich Muler (§. 137), Andreas. 
Gruber (§. 137), Albert Salzborch 131, 12, Andreas K6fter 131, 16, Ludwig 
Hailman (§.141,101) Bernhard Kreczfchmer (Biß mir gnedig o herre gott. HB. 
1044. WB. 821), Chriftophorus Schütz (Chriftenheit hat den hohen preiß. WB. 
156), Georg Baur zu Neuburg: 

Ein Lied von vnfer fchwachheit, vom Gfetz vnd Euangelio vnd was Gott den Allmech-' 
tigen gedrungen hat, feynen Son in dife weit zu fenden (Numb. G. Wächter. 4 Bl. 8. WB. 
894. Berlin F 9494. 51. — 19 Str. deren AnfangsbuchTtaben Georg Pawr Newburger S(angs) er- 
geben; in der letzten Zeile Jörg Pawr zNewburg gAingen. 

Chriftoffer Buft, Ambrofius Lobwafser, Magdalena Haimajrin und viele andre« 
Der Gebrauch war namentlich bei den Meifterfängern üblich und fcheint durch, 
fie in das kirchliche Lied eingeführt. §. 139. §. 141, 215. 

An diefe mit großer Abfichtlichkeit benannten Lieder mögen einige goi- 
reiht werden, deren Yerfaßer ihre Namen nur andeuten, vielleicht weil fie be- 
kannt genug zu fein glaubten. Die Ausfindung der Namen ift noch nicht 
gelungen : 

19. Ein fch6n new Bergklied, Gott zu ehren vud allen frommen ChrifU 
liehen Bergkleuten zu nutz, teglich zu fingen. Dadurch man den Segen des 
lieben Bergkwercks von Gott reichlich m6ge erlangen vnd behalten, Geftelt 
durch einen Ehrliebenden Bergkman in der .. Bergkftad S. Annabergk. Im 
Thon, Difs find die heiligen Zehen Gebot. [In Gottes namen faren wir ein. Am 
Schi. W. R.(eibifch?] o. O. u. J. 4 Bl. 8. (HB. 1023. WB. 776. 21 Str. hinter 
jeder: Kyrieleis. 

20. Ein gar Schönes newes Geyftlichs Lied: Gehabt euch wol, zu difen 
zeyten etc. Vnnd ift gleich als ein Lehr, oder Ermanung, wie fich der Menfch 
hie im zeygt, gegen Gott vnnd der Wellt halten foll. In feiner ey^eti -^^^Si.^ 
oder Melodey zufingen. Augfp. Math. Francke. 4 B\. %. Vi^Oltääi ^«ov Aiv&^Ä "^^ 
W. R. — WB. 808) rep. mit: Das ander: Wir w&JXe^^ otLe jUarbw., O lA««^^-^ 



192 Kirchüche Volksdiolitimg. 

da» recht bedenck, etc . Im Thon, Hilff GOtt das mir gelinge. Augfp. Jofias 
W(>rliii. 4 Bl. 8. (WB. 809) rep. mit: Herr gott nun fei gepreiTet, und: Was 
Gottes fchntz und fchirm bewacht. Nümb. Fr. Gutkn. 4 Bl. 8. (WB. 807). 

21. Ein fchön Geiftlich Lied, Ach Herre Gott mich'treybt die not. Ein 
ander Geiftlich Lied, Der gnaden Brunn thut flielTen. Ln Thon, Die BrAnlein 
die thun flielTen [unter dem Liede die BachrtabenG.L(effel?]N{urmb.yal.Newber. 

. 4 BL 8. (WB. 616). — rep. daf. 4 Bl. 8. (WB. 617). — rep. NÄrnb. Fr. Gut- 
knecht. 4 Bl. 8. (WB. 618). — rep. o. O. u. J. 4 Bl. a (E L — WB. 619). — 
rep. (anftatt des erfteren : ^O herr ich klag, das ich mein tag^ und die Buch- 
Ct&en weglaßend) Straubing, d. Hänfen Burger. 4 Bl. 8. (WB. 621). — rep.: 
Regenfp. d. Hänfen Khol. 4 Bl. 8. (WB. 620). 

22. Zwey GeifÜiche newe Lieder : Das Erft, Oott in feinem hbchjten throne 
etc. Im Thon: Es wolt gut J&ger jagen etc. Ein anders Geiftlichs Lied, 
liebe Freund nembt eben war etc. Im Thon : Kompt her zu mir fpricht 
Gottes. H. B. o. O. u. J. (Augsb. Mich. Manger) 4 Bl. 8. HB. 1118. 

23. Die PafQon vnd leyden vnfers Herren Jefu Chrifd. In Reymen 
weUJ gefteUet. ^552. Augfp. Ph. Vlhardt. 8 Bl. 8. WB. 643. 

Im Mfinchner Exemplar, das Geibel für mich nachgefehen, fteht wirklich unter dem 
Gedichte D.W.E, was nur Druckfehler des Nachdmckers fOr B.W.H. (Bnrcard,WaldiB,HeCre) 
XU fein feheint, auf den fchon die typographifche Einrichtung weist. 

24. Andre Buchftaben mehrfach unter Liedern: A. R. (HB. 1108), L. R. 
(HB. Uli), I. F., (HB. 1122 vgl. §. 164, 79). 

Die ganz ohne Andeutung der Namen verbreiteten Lieder, die fchon in den erXteh GB. 
vorkommen und in der Folge aus Mlsverft&ndnis oder bloßer Vermutung nicht feiten X^&teren 
Dichtem zugeteilt wurden, können hier nicht verzeichnet werden; es kam hier nur darauf 
an, die benannten Lieder möglichft in den flrAheften Drucken ^achzuweifen, deren blofie 
AulReeigung viele haltlofe auf fpkie Quellen und vermeinte Tradition geftützte Vermutungen 
widerlegt. Ein alphabetifches Verzeichnis der Liederanfänge aus den älteften GB. mit ge- 
nauer Nachweifung derfelben ift lange fchon ein Bedürfiiis und würde, fo trocken es er- 
fcheinen mag, mehr ntttzen, als die Nachweifung der Annahme in fp&tere ohne Kritik ku- 
fammengeraflte GB. des xvn. Jh., deren grundlofe Mutmaßungen recht eigentlich die ürfache 
waren, daß die Forfcher des vorigen Jahrhunderts wie OleuAus, Cvprian, Schöber und Bie- 
derer und in unferm Jh. Ph. Wackernagel Aber den Wuft der ^Tradition* hinweg su den 
lautem Quellen fchritten. 

§. 130. 

Die meifteu Gefanghucher der Reformatio nszeit enthalten Melodien. 
Danehen pflegten viele Tonfetzer in f^lhMtändigen Werken den geiftlichen 
Gefang. Ihre Bischer hahen, ahgefehen davon, daß üe einen hervorragenden 
Lehenskreiß des kirchlichen oder geiftlichen Leides erfchließen, durch darin 
mitunter zuerft erfcheinende Texte auch beachtenswerte Bedeutung für die 
Lieder felbft. 

Vergl. §. 110 f. dieSamlungen weltlicher Lieder, unter denen vielfach geiltliche Dichtun- 
gen befindlich find, und die Werke von Winterfeld und C.F.Becker, die Choralfamlungen. 1845. 

1. Johan Walther, Capellmeifter der Kurfürften Johan Friedrich und Moriz 
sa Sachfen. 

Geyftliche gefangK Buchleyn. Tenor Wittemberg M. D. Uy. Baffas Wittemberg 
ILD.xxiiij. 49 und 36 Bl. q.6. (WB. 163 vgl. §. 123, m.) — durch Peter fchöflFem 1526. 47—29. 
80 u. 12 Bl. q. 6. (WB. 175). — Wittenbergifch Gefangbüchli durch Johan. Walthem Chur- 
fürftlichen von Sachfen fcnger mcyfter, vff ein newes corigiert , geb effert vnd gemert. 1637. 
Argentor. ap. Petrum Schoefifer. Et Mathiam apiarium. q. 6. (WB. 358}. — Wittembergifch 
deudfch Geiftlich Gefangbdchlein. Mit vier vnd nin£f itimmen. Durch Johan Walthern, Chur- 
fflrftlichen von Sachffen Bengermeiftern, aufifs new mit vleis corrigirt, vnd mit vielen fch5nen 
I4edern gebeffert vnd gemehret. Gedruckt zu Wittemberg, durch Georgen Rh aw. 1544. 
IV. q. 4. WB. 470.) — rep. Wittemb., d. Georgen Rhawen Erben. 1551. V. q. 4. (WB. 636.) 

Das Chriftlich Kinderlied D. Martini Lutheri, Erhalt vns HErr etc. Auffs new in Sechs 
Stimmen gefetzt, vnd mit etlichen fchönen Chriftlichen Texten, Lateinifchen vnd Teutflohen 
Gefengen gemehrt, durch Johan Walter den Eltern, Churfürftlichen alten Capellmeifter . . 
Wittembergk, Job. Schwertel 1566. q. 8. (Luthers 35, und Herzlich lieb hab ick dich mein §ou 
— AUein auf gottee teort vfill ich , J. W. unterzeichnet. — Holdfeliger meins heriten tröli — 
WB. 879.) 

2. Johan Walther, der jüngere, gleichfalls fachiifcher Capellmeifter^ von 
dem älteren nicht immer Hoher zu nnterfcheiden. 



Buch 4. §. 129. 130. 193 ' 

Lob vnd preis der l&blichen Kunft MoAca: durch H. Johan Walter. Wlttemberg. 1538. 
durch Georgen Bhaw. 12 Bl. 4. (WB. 369. HB. 1594). rep. 1564. (Göttingen. WB. 369, 5 ?). 

Ein newes Geiftliches Lied, von dem Gottfellgen, thewren vnd hochbegnadeten Manne, 
Doctore Martine Luthero, Deutfches Landes Propheten vnd Apofteln. Im Thon, O HWRRw 
GOTT dein Göttlichs Wort, etc. Durch Johann Walther. 1564. c Bgn. 8. (HB. 1155: Das 
ErTte theil, Von des Antichrifts Zeit vnd Regiment. herre gott ich bUte dich. Das ander 
tOT, Von Offenbarung vnd ftArtzung des Antichrifts. Doch hat gott feinen »om gewandt. Das' 
Dritte Theil, Von der gnedigen HeimAichung Gottes, Vnd frAlichen zeit des Euangel^ . . AU 
nu der Bapft der B&fewicht. Das Vierde Theil, Ift eine Vermanung zur Danckbarkeit . . Ob 
Deutfehland fo viel wolthat hat. Ein ander new Lied, Von falfchen Propheten . . *Der herre 
ChriXt gewarnet hat* — Ein ander new geistlich Lied Von falfchen Propheten . . 'Ach gott es 
ift jetzt b&fe zeit'). 

Ein Schöner Geyftlicher vnd Chriftlicher newer Berckreyen, Von dem Jungften tage 
vnd ewigem Leben, Auff die Melodei vnnd weife. Hertzlich thut mich erfirewen. Durch Johan 
Walthem, Inn jetziger betrdbten zeit, hne vnd allen Chriften zu troft gemacht. Gedr. zu 
Marpurg, bei Andres Kolben, im Jar 1556. 8 Bl. 8. (Herzlich thut mich erfreuen. WB. 699.) — 
rep. m. dem Namen: 1561. Nürnberg durch Valentin Newfoer. 8 BL 8. (WB. 830.) — rep. o. 
O. u. J. 8 Bl. 8. mit dem Namen. (WB. 831.) — rep. m. d. Namen: Regenfpurg, durch Hans 
Burger. 8 Bl. 8. (WB. 838.) — rep. ohne den Namen: fitraab., bey Thlebolt Berger am Wein- 
marckt zum Tretibel. 8B1. 8. (WB.882.) — rep. o. N. (zufammen mit: Ach gott wem fol Ichs 
klagen, das groffe elend mein — und : BilUch ehret man gott allein aus herzen mut und finn) 
o. O. u. J. 8 Bl. 8. (HB. 1061.) — Das fr&liche SommerUed oder GhriftUche vnd tr6ftliche Ge- 
dancken vnd Reimen, Von der Hiftorien ded zukünfftigen Jungften Tages .. Johan Walthers; 
ktirtzlich erklärt von M. W. Chr. Frofchen. Hof. 1670. 4. CHB. 1038). 

Von J. Walter dem Jüngern wird auch das mit J. W. J. unterzeichnete geiftliche Lied 
fein : Lieblich hat fich ge feilet (vgl. WB. 768). 

3. Pfalmodia hoc ef t Cantica facra veteris ecclefiae felecta. Quo ordine et melodijs 
per totius anni curriculum cantari vfitate folent . . coUecta . . per Lucam LmsIui Luneburgen- 
fem. Noribergae ap. Gabr. Hayii. 1553. 188 Bl. Fol. (nur wenige deutfche Gefänge. WB.645). 
-. Witeb. ap. haered. Georgij Rhau 1561. 4. (WB. 824). — Witeb. 1569. 4. 1579. 4. 

4. Das Ohriftlich gefang: Allein nach dir Herr Jefti Chrift, mit vier Stimmen, durch 
Chr. HtUMd. Ntimb. 1567. 4. 

5. Teutfche aufierlefene Pfalmen, Muteten vnd geiftliche Lieder von berühmten diefer 
Kunft componiert, vnd mit vier Stimmen gefetzt, durch dementem Stofkaii. Nümb. 1568. 4* 
vgl. §. 149. 

6. Teutfche Pfalmen des konigL Propheten Dauids mit 4. 5. vnd 6. Stimmen componiert, 
durch G^org Weker, Cantor zu Naumburg. Mülhaufen. 4. Erfter Theil 1568. Ander Th. 1569. 

7. PafAon vnfers Herrn .. nach den vier Euangeliften auff den teutfchen Text mit 
4 Stimmen zufamengefetzt, durch Jeaeh. a BraeL Wittenb. 1668. 4. Erflhirt 1572. 1577. — 
Dreißig Geiftl. Lieder auff die Feft durchs Jahr mit 4 Stimmen zu fingen. Mtilh. 1594. 4. und 
8. Vgl. Helmbold g. 128, 100. 

8. Pafflo Chrifti fecundum Matthseum teutfch gefangweü), auf die alte Chormelodey 
geftelt, vnd in vnterfchiedliche Perfonen außgetheüet, wie die in den Reformirten Euange- 
lifchen Kirchen in der Charwochen gefungen wirdt. Nümb. 1570. Fol. 

9. XC Cantiones Galli Drwleri, Neraei, Cäntoris Magdeburgenfis. Quatuor et plurium 
vocum. Magdeb. 1570. q.4. — Opus facrar. cantionum nunc denuo recognitum. Norib. 1585. q.4. 

10. Joh. Stenerlein, geb. 1546 ; Stadtfchreiber zu Wafnngen ; hennebergi- 
fcher Secretär; Bürgermeifker in Meiningen; f 5. Mai 1613. 

Das gebett: Herr Jefb Chrift war menfch vnd gott, mit 4. 5. vnd 6. Stimmen compo- 
niert. Erff. 1574. 4. — Teutfche Benedicite vnd Gratias vor vnd nach Tifch, betweifi zu fingen 
mit 5. Stimmen comp. 1575. 4. — 21 geiftliche lieder durch Helmboldum, componiert. Erff. 
1575. 4. vgl. g. 128, 100. — Teutfche Paffion, mit 4. Stimmen componiert. Erff. 1576. 4. — 
Epethalamia. Geiftliche hochzeitgef&ng zum gebrauch in kirchen vnd fchulen, mit 4 vnd 
mehr ftimmen componiert. 1587. 4. — 27 newe geiftl. GefSng, mit vier und mehr ftimmen, 
compon. Erff. 1588. 4. r 

11. Pfalmen für Kirchen vnd Schulen auff die gemeinen Melodeyen, fyibenwei^ zu vier 
Stimmen gefetzt duroh Dav. WoIkeDStela. Strafib. 1583. 4. 

12. Au3erlefene fehr liebliche geiftliclie GefSng^ mit drey ftimmen gants artlich com- 
poniert. Durch Chriftophor. Hitiestur. Lauwingen 1585. 4. 

13. Cithara Chriftiana Pfalmodiarum facrarum libri feptem. authore Joh. LaitorkaeUt, 
poeta coron. Chriftliche Harpffen G^iftlicher Pfalmen vndLobgefeng fieben Bücher .. Leipz. 
1685. 8. (WB. 988). 

14. Neuwe Weynachtliedlein, mit 4. vnd 8. Stimmen componiert durch Leonhard 
Sehritter, von Torgaw. Helmft. 1587. 4. 

15. Geiftliche teutfche Gef&ng D. M. Luth. auff die fttmembfte Fefte vnd fonft zu 
fingen, mit 5 vnd 6 Stimmen componiert, durch Georgium OtkoaeB. Erff. 1588. 4. 

16. HaufiKirchen Cantorei. Aus Joh. Habermanns von Eger, Superintendentis zuNaum- 
burgk vnd Zeits, etc. Wöchentlichen au^getheilten Gebetten gezogen, in liebliche bekandte 
Melodeyen gebracht. Durch Pafchafium Reiniglui von WAfterhaufen. BudifQn 1587. 8. (WB. 
999. Ol. 2, 100 gibt 'Budiffln 1688. 8.» an). — (Straßb. 1595. 12.). — Wittenb. 1600. 8. 

17. Cantica facra, partim ex facris literis defnmta, partim ab orthodoxis patribus et pils 
ecclefiae doctoribus compofita . . ad duodecim modos ex doctrina Glareani accommodaA«. «A. 
edita ab Francifco Kiere, Vlyfseo [Elers aus Uelzen, Cantor an det JoYsasit^IO^l^^ VcL^^^as^xa^. 
Hamburgi 1588. H. 8. (Der zweite Teil 'Pfalml D. M.MtUÄl^u\Äi«tV «X «Ä-orom^ «o«o2K&.VA 
niederd. und 4 Ut., der erfte Teil 4 lüederd. LÜ^er. "WB. VMIV). 

QSäeke, Grandriß' ^^ 



194 Kirchliche Volksdicbtung. 

18. HiTtori« vom Leiden vnd Sterben vnTers Herrn vnd He^^nds, wie fie yna der 
Euangelift Jobannes im 18. vnd 19. cap. befchrieben, mit 2—5 Stimmen componiert durch 
Bartholomeum Q«ei. Wittenb. 1588. Fol. — Geiftl. Lieder D. M. Lutb. vnd anderer Ohrirten, 
quatnor et quinque vocum. Frankf. a. d. O. 4. Brfter Theil 1601; ü. 1605; IIL 1607. 

19. M. Lnth. D. Gefangbucb mit vier rtimmen comp, durch. Joh. Baiwili Pfarherr zu 
Wetter. Frankf. 1589. 12. % 

20. Neuwe tentfcbe Gteiftl. Lieder mit 3 vnd 4 Stimmen, nach art der WelTehen Yilla- 
nellen zu fingen. Durch Adamum Clu»elikaiB«rui, TroAsergenfem componirt Augib. 1591. 
4. München 1591. 4. ^ ' . 

21. New geütliche tricinia. Durch Joach. Frideric. Pritiini, BrandenburgenTem. 
Nümb. 1594. 4. 

22. Hiftoria äeQ Leidens vnnd Sterbens Jefh Ohrilti, au8 dem E. Mattheo mit 6 Stim- 
men comp, durch Joh. HertMui Jenenfem. Grätz 1594. 4. (Weltliche Lieder quatuor vocum 
nach Art der welTchen Canzionetteji. Nflmb. 1600. 4.) 

23. Harmonia Cantionum EcdefiaTticamm. Kirchengefenge vnd GteiftUche Lieder. D. 
Lutheri vnd anderer firommer Chriften. Mit vier Stimmen contrapuncts weife richtig geletzt, 
Durch Sethum Calfisiui, Cantorem zu St. Thomas in Leipzig (1556 f 1617). Leipz. 1597. 4. 
(WB. 1044. Cl. 1, 397). rep. L^s. 1598; 1604; 1612; 1622. 

24. Begenl^urgifcher Kirchen Contra punct, Allerley Pflalmen vnd Lieder. Mit 5 Stim- 
men gefetzt, Durch Andr. Baseliui, lat. StattfchulCantorem dafelbft. Begenf);>. (1599). 8. (WB. 
1053). — Teutf che Sprach fonUlHgUcher Euangelien, mit' 5. 6. 8 vnd 9 Stimmen. Ndmb.1595. 4. 

25. Himlifche Cantorey. d. i. der Pfalter Dauids, Ghefangsweife. Durch L. Algerman. 
Hamb. Sam. RÜdinger. 1604. 552 S. 8. (früher 1596, dann als Oithara Davidis. Heinrichftadt 
1610. 8.) 

26. Melodeyen GefangBuch. Durch Hieronym. PrsBtorium, Joach. Dec kerum , Jacob. 
PrsBtorium, Dav. Scheidemannum, Organiften. Hamb. Sam. Büdinger. 1604. 8. (WB. 1063). 

27. Muf&e Sioni» Michaelis Prcterü G. Darinnen Deudfche Pfalmen vnd geiftliche 
Lieder, mit 2—8 und mehr Stimmen. 8 Bde. 4. (I. Begenfp. 1606 ; H. Jehnal607; HI. Helmft. 
1607; IV. Helmft. 1607: V. WolflFenb. 1607; VI. 1609; VH. 1609; Vm. WolflPenb. 1610. Alle 
8 Bde. in Berlin und Hanover). 

28. GeiftlicherMufikalifcherLuTtgartenf mit 4—9 Stimmen componieret. Durch Melchior 
Pnieken (§. 111, 69). Nümb. 1616. q. 4. 

29. Concentus EcdefiafUco - domefticus. Kirchen vnd HaudMuflca (}eifklicher Lieder. 
Durch Sam. Beiler. Bresl. 1618. H. q. 4. 

30. ThrenodiSB Das ift: AufTerlefene Troftreiche BegräbnttS Geflnge, mit 4—6 Stim- 
men gefetzet. Durch Chr. Dernntiui (§. 111, 56), Beiohenbergenfem Muflcum, der Kirchen 
vnd Schulen dafelbft (Freiberg) Cantorem. Freybergk 1620. 8. 

§. 131. 

Ueber die niederdeutfchen G6. vgl. §. 123. Die Zahl der nd. Lieder- 
dichter ift yerhältnismäßig gering und die wenigen Lieder, die fie gedichtet 
haben, wurden nicht alle hochdeutfch überfetzt. Manche erfcheinen in den 
GB. ohne Namen, zu denen hochdeutfche Originale nicht nachgewiefen find. 

1526: Kämet wy verfröwen vns. — Salich de nicht geit. — Hiemfalem des louen ftat 

— O Jefa aller falicheit. — Dyt feft vnd frowde. 

1534: Als Chriftus to Jerufalem. — Got dem vader fy loflf. — Vader vnfe de du MfL — 
Kämet her latet vns romen den heren. — ■ Wo wol gar vele der bdfen fint. — Herr got in 
dinem namen. — Gegr6teft flftu ein Konig. 

1537 : O JeAi Chrift du bift. — Gelavet fi got unfe got. — O JeAi aller werlt ein anb. 

— Herr giff dat metich faften y/i. — Konink Chrift. — Chriftus de uns mit flnem blot. — Got 
dem vader fl lof unde dem fon. — Ach wi armen minfchen wat heben wi gedan. — Glory 
und er ß di fachtmfidiger. — Dem lemlin dat tor oftertlt. — Jefu unfe erlöfer alle. — Chrifto 
got dem heren. — Alfo tein dage erfchenen. — Got hefft all dink erfchapen gut. — Vgl. 
Waldis, Alberus. 

1. Johann Agricola, vgl. §. 103, 3 und 147. 

Von ihm 3 Lieder: Frdlieh wollan wir alMuja ßngen^ fchon in der weife Chriftl. melk sn 
halten §. 124, 1; Ach herre gott wie haben (ich, im Erf. enchirid. 1526 Bij; Ootte» reckt vnd 
wunderthatf enchir. 1528; vielleicht alle wie feine Sprichwörter urf^rttnglich niederdeutfch. 

2. Nicolans Decias, Probft im braunfchweig. Klofter Steterburg, trat zur 
Reformation, Schullehrer in Braunfchweig, Prediger in Stettin, 1541 vergiftet. 

Vgl. Rehtmeyer braunfchw. KirchenhiTt. 3, 19. Es werden ihm zugefchrieben : 1: AUein 
got in der hbge fy ehr. (1526 nutte ghefangk boek G 6. WB. 233, 3). — 2:0 Lamb kmb gad€s 
vnfehAldig (1534 Magdeb. geifU. leder. WB. 335, 7). 

3. 4. Andreas Knöpken (Knoppen, Knopf, Cnophius, Knöpfchen) geb. zu 
Cültrin, mit Bugenhagen Rector an der Schule zu Treptow, gieng nach Riga, 
Prediger an der Peterskirche dafelbft, Reformator der Stadt Seine Lieder 
orfpi&igUch niederd. 

Vs^L Adtuai ritt. theoL Frot. 1658. p. 16 f. Ghyte. BiaL. x, «VI. 4e!aX£0DA «oa«. K ^\ f. 



Buch 4. §. 130. 131. 195 ' 

(Chytieas Angaben über Enopkens Lieder find ans der Rigaer ordenlnge von 1574, haben an 
fleh relbft^airo keinen Wert; diefe fchreibt ihm 12 Lieder zu. 1: Help got wo geit dat yümmor 
tko (znerit hinter Waldis Parabel 1527; im Zwickaner enchir. 1528, im Magdeb. G3. 1584. 
in der Bigaer Ordnung 1537. 1549. 1574 m. Namen). — 2: Ach got min Miger troft vnd heil 
(Waldis. 1537. 1549. 1574 m. N.) — 3 : Van allen minfeken afgewandt (Waldis. 1534. 37. 49. 74 
m. N.) — 4 : Wat kan uns kamen an vor not (1534 o. N.; 1537. 49. 74 m. N.) — 5 : &y framen 
fr&uwetjuw (1534 o. N.; 1537. 1549. 74 m. N.). — 6: Help uns in dinem namen (1584 o. N.; 
1537. 49. 74 m. N.). — 7: Prys mine feele got den heren (1537. 49. 74 m. N.). — 8: lek glöve idt 
vaft und bins geuns (1537. 49. 74 m. N.). — 9 : Sye wo ganz lef'ick (1537. 49. 74 m. N.). — 10 : 
Wol dem de recht /In wandern leth (im nutten gefangboek 1526 und Lübecker enchir. 1545 o. 
N., fehlt 1537; m. N. 1549. 74). — 11: Po idt wol ginck Pf. 125 (1574). — 12: Herr Chrift der 
enig gades ßn (ftreitig zwifchen A. Knöpken und der Elisab. Oreitiigeria, Frau des Caspar 
Creutziger, f 1558. Das Lied erfcheint im Erf. enchir. 1524, 1526, Lübecker ehchir. 1545. 
1556, Magdeborger geiftliken ledern 1559, Hamborger enchir. 1565 jedesmal ohne Verfafier- 
namen; in Magdeborger geiftl. ledern 1534, Rigaer ordenung 1537, Hamborger enchir. 1558, 
nd. enchir. 1560, Lübecker enchir. 1564 mit dem Namen der Elifab. Creutzigerin ; in der 
Rigaer ordeninge 1549 und 1574 mit dem Namen Andre Enopkens. pie Ungewisheit würde 
nur zu heben fein durch das Original des nutten gefangb. von 1526, das das Lied fchon vor 
dem Erf. enchir. von 1524 aus dem Nordoften eingeführt haben könnte. Daß die nd.Faßung 
die urf^rüngliche ift, geht, abgefehen von den im hd. geft6rten Reimen (ewigkeit: fteht; 
erden : begirden) daraus hervor, daß der akroftichifche Strophenanfang 'hulde* im hchd. auf- 
gehoben ift: <hflde'. Im Zwickauer Enchir. 1528 mit ^Elifabet. M.' bezeichnet. (WB. S. 467.) 

5. Hans van Gottingen (§. 141). Sein Lied ift im nrrprünglichen Texte 
noch nicht wiederaufgefunden. Die hochdeutfchen Faltungen find lehrreiche 
Beifpiele für die Entftellungen durch die Umarbeiter. 

Herr got wem fehal ickt klagen, Hochdeutfeh in *Ein new Chriftlich Pfalmbuch. Gryphij) 
walt. Aug. Ferber. 1597. 8. S. 469. Damach wiederholt durch Lappenberg, in der Zeitfchr. 
des Vereins für hamb. Gefch. Neue Folge 1, 206 ff. Die Anfangsbuchftaben der Strophen er- 
geben in diefer Fajjung : Hans van Gazzingen, d. i. Hans van Gottingen. Eine hochdeutfche 
abgekürzte und umgearbeitete Fafiung Ach gott, wem fol ichs klagen geht auf den Namen 
Francifci Rhodi, eines Buchdruckers in Marburg, Hamburg und Danzig ; gedr. in Berwaldts 
GB. 2, 111, (Mützel 750.) vgl. Lappenberg a. a. O. Die Anfangsbuchftaben der um zwei ver- 
kürzten Strophen ergeben hier: ahdeuüdeedwsd. 

6. Nicolans Boye, Senior zu Wefslingbiiren im Ditmarfchen, f 1542. 

Godt wy daneken diner gitde (Magdeborger geiftl. leder 1543. Bl. 160 ohne Namen). 
Als VerfaJßer wird Boye von Joh. Detlef genannt, der hinzufügt: B. hefft dat leed mit fo 
leeffliker melodie allererit geAingen, welkes noch (xvn.Jh.) in allen Gafterien, kindelbehren 
vnd hochtiden an ftadt des Gratias na der maltidt gefungen werdt. 

7. Niclas Boye, Paftor zu Meldorp im Ditmarfchen, 1524 f 1547, hatte 
eine Frau 'van dem Süderdike, welkere fine fründe mit gewapeneder hant 
heimgeföret' ; er berief den unglüchlichen Heinrich von Ztitphen. §. 137. 

Dat Ditmarfen neue vpgedrungene vnd fülueft vpgeworffene overichkeit hefft, fündem 
dorch ordentliche gewalt erwählet dorch Nicol. Boyen paftor to Meldorp. 1542. vgl. Menken 
monum. cimbr. 4, 1441. 1448. 

Dat Renedictus, Vp de wyfe, HER Chrift du einige Gades S6n. M. Nicla. Boye ynDit- 
merfchen. Gehenedyet fy de HERR de Godt yn Ifrael, (M^deborger ench ir. 1 567. Bl. 176). O 
Chrift wy daneken diner güde (Magdeborger geiftl. leder 1543 Bl. 159. WB. 454, 11). Hans 
Detlef gibt den Namen und fügt hinzu: dat fch6ne leed darinnen denn de twe leften verfch 
in Koften [Hochzeiten] vnd andern apenliken gafterien thofamen gefangen werden. 

8. Hermann Bonn, geb. 1504 zu Quackenbrück, predigte in Stralfund und 
Greifswaid das Evangelium, Hofmeifter des Herzogs Johann von Holftein, 
opponierte Luther in der disputatio de facra coena zu Wittenberg, 1530 Rector 
in Lübeck, 1531 Superintendent dafelbft, unter WuUenweber entlaßen, dann 
wieder eingefetzt, 1543 nach Osnabrück berufen, um die Stadt in Ruhe zu 
bringen, f l^« Febr. 1548 zu Lübeck. 

Rotermund gel. Hannover I, XLIX ff. Casp. Heinr. Starek, Bonn! leben. 1710. 8. 

Chronika der vomemlickften go^chichte vnde händel der kaiferlicken ftadt Lübeck. 
Magdeborch 1539. 8. 

Eine körte vorvatinge der chriftllken lere in frage vnde antwort geftellet vor de kinder 
vnde den gemeinen mann. Magdeborch 1539. 4 Bgn. 8. HildenfTem, HenningkRüdem 1543.18. 

Ghriftliche Kirchenordnung der Stadt Offenbrügge dorch M. H.' Bonnum verfatet. 1543. 
4. ungedr. vgl. Saml. v. alt. u. neuen theol. Sachen 1727, 958. 

Ein Sermon vp dat Euangelium, Wo men ynt Hemmelrike komen fchal. Geprediget ym 
klofter thom Reynefelde vor der königinnen tho Dennemarcken, dörch M. H. Bonnum. Lübeck. 
Joh. Balhom 1546. 

In den Geyftliken ledern vnd Pfalmen. Magdeb. 1543. Bl. 169 ff. : 'Etlike fchöne Geift- 
like gefenge, Gecorrigeret dorch Magiitrum Hermannum Bonnum, Superattendenten tho 
Lübeck' : 1 : Puer natus in Bethlehem. 2 : Ein Kind is geboren. 3 : Och wy armen ßnders vnfe 
mifTedat. 4 : lat. hymnus. 5 : Jhefus Chriftus war Gades ftne. — 6 : lat. hymnus. — 7 : Regina 
coeu. — 8: Difcubuit Jhefhs.— 9: Nu lath vns Chriften frdlick fyn.— Im Lübecker «a<i&^&x\5^^'f^ 
1545. Bl. 152 diefelbe Ueberfchiift, dann 1—9; 10: ZYu ia-oe min (ee\ den HeTren-^VY*. Km w^«^ 
dage der ßdten hrot; 12: Der Konigin der JbemmeU; IS: WcWm» -^«X^iXxsöi-, '^^** ^*^^'*' ^>V®^. 
•dUt nohiB grMttMi 15: Nu htm werder kiUiger geifty 1«; Wakei >ip, w cWrxtt*^ oXU^Vl*. KcYw %^v 



196 Kirchliche Volksdichtang. . 

v)ol tny erhbreni 18: Idt werdt fehier de letzte dag herkamen ; 19: Beuedfet fy de herr j 20: Wol 
uns wol uns der guden tydt, — Ebenfo 1547 : Parchim dorch Jochim Low. (WB. 5SS Guden 
2, 11 aoa Wetzel 1, 125). — Ebenfo 1556 Lübeck, Jürgen RicholfF. 1—10. 12—17. — Ebenfo 
Lübeck J6rgen Richolflf 1564. Nr. 1—16. — Im Hamburger enchir. 1558 und 1566 nur 1—8; 
im Magdeburger 1667 BI. 109 ff. nur 1; 2; 21: Myn feel o herr motk lauen dy i 3; 22: Gelaunt 
fy got van Ifrael^ 23: Sy gnedich o herr; 5; fo daß wol nur 2, 3, 6, 9?, 21, 22, 23 von ihm find. 
Hymni et fequenti», tarn de tempore, quam de Sanctis .. correcta per H. Bonnum. 
Lubec. 1559. 16 Bgn. 4. Vgl. den Lihalt in v. Seelen Athen. Lubec. IV, 81 ff. 

9. Wilhelm van Förftenberch oder Fdrlltenborch, deutfcher Ordensmeiller 
in Liefland 1557, d^kte 1559 wegen feines hohen Alters ab. 

Vgl. B. Ruffow Lyfllendifche Chronica. Roft. 1678. Bl. 61—69. — Im Lübecker nd. 
enchir. 1543 erfcheint unter den von Bonn corrigierten Liedern Ach got wil my erk^en ick 
rope van Herten ledt, das im Hamburger enchiridion 1558 ^Wilhelm FOrftenborch in Lyfflandt' 
Aberfchrieben ift, ebenfo im Magdeburger enchirid. 1567. Bl. 184. Die Rigaer körte orde- 
ninge hat das Lied nicht aufgenommen. Dagegen der dazu gehörige Anhang ('Vthfettinge' 
1567. 1577 Ach Godt teillft my erh^en und andere kleine Abweichungen; o. O. n. J.) gibt Lied 
und Namen. 

10. Johannes Freder, 29. Aug. 1510 zu Cöslin geb.; in Luthers Haufe; 
1537 Conrector am Johanneum in Hamburg; 1540 Paftor dafelbft; 1547 Su- 
perint, zu Stralfund; 1549 Ptof. in Greifswald, Superintend. der Infel Rügen; 
1556 Superint. zu Wismar; f 25. Jan. 1562. 

Vgl. Mohnike, Preders Leben. 1840. 4. 

Seine Lieder zuerft niederdeutfch : 1. Got vader in dem hemelrik^ Lübecker enchir. 1546 
ohne Namen. — 2 : Ach herr mit diner hülp erfchin^ I^amborger enchirid. 1558 o. N. — 3 : Nu 
is de angeneme tydt, dafelbft o. N. mit d. Namen in der Vthfettinge 1667. 1677. — 4: Chripus 
thokumpft is verbanden^ dafelbft. o. N. — 6 : Ick danek dy got vor dine woldat, Magdeb. nd. GB. 
1669. — 6: Ach lete here Jefu Chrift, Hamborger enchir. 1566. o. N. — 7: Min viende als ein 
fcharpes fchwert, daf. 0. N. — 8 : De ogen aller creatur^ Stettiner geiftlike lede 1676. m. N. — 
9: Wol dem de nene gemenfchop^ daf. m. N. — 10: Van ganzem Herten danket got, diikt. m. N. — 
11: /ff» an fang got gefqhapen hat daf. m. N. — 12: Got vader ßn vne^hillge geeft AaS, m. N. — 
13 : Dyt hefft wol nenen fcHyn vnd pracHt. daf. m. N. — 14 : Min feie fchal vtA Herten grundt, daf. 
m. N. — Nr. 2 hat fleh Chilianus Friederich, Pfarrherr zu Magdeburg (Unterricht vom Türken 
1567. 8. Bl. Gij) in hochd. Form angeeignet. Freders Name erfcheint erft in SttBttiner geiftl. 
leden 1576. Bl. 30. Die Rigaer GB. haben nichts von Freder aufgenommen ; die Vthfettinge 
hat Nr. 3 mit dem Namen. 

11. Ooii.Bed., eine Frau, deren voller Name (etwa conjux Red ..?} nicht bekannt ift, Ick 
dancke dy got, vor alle dyne woldat (2, 1—6: Erholt mi here, by glimp vnde ere, nim in din 
hot, lif feel vn godt, gemal vnde klndt vnde min gefindt). Zuerft im Hamborger enchir. 1568. 
Bl. 155 — in Stettiner geiftliken leden 1676 Bl. 110 wird Joh. Freder als Verf. genannt. 

12. Alkert Stlskorck oder Alber tho Salsborch ergeben die Anfänge der Strophen eines 
Liedes .Allein in got vertruwen, das zuerft in Wickradts enchiridion Hamb. 1558 (als erftes der 
zweiten Abteilung abfichtsvoll vorangeftellt) auftritt, urf^rünglich nd., flaue pulvere: graue 
tumba, falicheit, felicitas : fteit ftat. vorlaten deferere : faten inßfiere u. f. w. 

13. JtacUH Willick. De 140. pfalm Dauids, In gefangs wyfe gebracht, dorch Joachim 
Willichium: Erredde my Here tho deffer tydt. Magdeborger enchirid. 1667. Bl. 896. 

14. Hemtn Btytin (wol in Holftein) : Twe nye Geiftlike Leede, Dat Erfte, Is ein Kin- 
deken Jhefus gaue, vamJflngeften dage, Allen fi'amen Chriften tho gude, yegen datNyeJaer. 
Im Thone, Nu kum der Heyden Heylandt, etc. Dorch M. Herman: Boytin [Nu kwn der Chri- 
ften Heylandt. 13 vierzeil. Str.]. Dat Ander, Myn Godt war fchal ick Henne ghan, ete, 4 Bl. 8. 
um 1580. 

15. Otto Mofaenins, Paftor des Klofters Lüne, fp&ter Probft, d.i. Prediger 
zu Lüchow. 

Twe Chriftlicke Gefenge Anno 1580. vnd 1581. gellellet tho ehren vnfem lenen 
Herrn Jhefn Chrifto, vnde tho trofte allen bedr&ueden Ohriften, D&rch Othonem Mufaenium 
praepoßtum Luchouienfem. Vlffen 1681. 4 Bl. 4. — Geiftlyke GEfenge, vor de ynngen 
Einder .. Durch Ottonem Mufaenium, fei. gedechtnus. Hamborch by Paul Langen. 1613. 8. 
286 S. und errata. 

16. Andreas Elster: Dre Sch6ne Leder, Dat Erfte, Ach Godt du hillige Drefoldieheit, Im 
Thone: Ach Godt van Hemmel fehe darin, etc. [7 Str., deren Anfangsbuchftaben ^Andreas' 
ergeben; unterfchrieben : D6rch Andre am K6fter. Darunter ein Gebet in 7 Reimpaaren, 
akroftichifch : 'Andreas']. Dat Ander, Hertlick do ick dy bidden. [13 Nibelungenftr.j Im Thone, 
Fr&lick in allen Ehren, bin ick fo menge ftund, etc. Dat DrAdde O Godt myn HERR, tho 
dy my keer, ick weth neen troft vp Erden [6 Str.] 4 Bl. 8. um 1680. 

17. Menfo Alting, geb. 1541 zu Felde in Oftfriesland, 1573 Prediger zu 
Heidelberg, 1575 in Emden, f 1612. 

Vgl. Adam Menfo Ifing, Emmii Leben Altings. Groningen 1728. 4. Mit ihm begannen 

die Unruhen zwifchen Lutherifchen und Reformierten in Oftfriesland. — Ein Chriftlich Ge- 

Amck vam hilligen Nachtmahl, im Thon : Myn Godt voedt my als ein Herder . . Bremen 1689. 

conäfclertf wiedergedruckt in: Oftfrief. Hiftorie und Landes-VerfafTung. 1,7, 407 ff. 37 fechs. 

Strophen f gegen die iotherfche TransftibrtantLatloiialehxe. 



Buch 4. §. 131. 132. 197 

18. Johann Brnno, 1530 zu Rendsburg geb., Paftor zu Krempe im Hol- 
fteinfchen, f nach 1593. 

Ein Chriftlick Gefanck Van dem vnaorgencklikem Eme aller Chriftgel6iiigen Minfchen, 
Im Thone : Waket vp gy Chrirten alle 1593. Hinter feiner 'Lyckpredigt . . by der begreffnifTe 
der . . Amxa. Luthken . . Hamb. Dfirch E. Jandeck. 1594. 4. 

Herm. Vefpafius §. 132, 11. 

§. 132. 

Die geiftlichen Umdichtungen, die fchon frfth beginnen (§. 90), wur- 
den in der Reformationszeit fehr beliebt. Teils wurden weltliche Lieder be- 
nutzt ^§. 112) um deren Texte durch- Geiftliche zu verdrängen oder deren 
Gefangweifen zur rafcheren Verbreitung der geiftlichen Gedichte wirkfam zu 
machen, teils fachte man ältere Lieder der katholifchen Kirche durch Lieder, 
die ihnen in Form und Weife genau entfprachen, zu befeitigen. In der zwei- 
ten Hälfte des Jahrhunderts wurden teils Samlungen folcher, bereits vorhan- 
dener Umdichtungen veranftaltet, teüs ganze Bände neu gedichtet. DerWider- 
fpruch zwifchen Worten der weltlichen Lieder und dem ernften Inhalte der 
geiftlichen, anfangs unanftöOig (und namentlich in den Niederlanden bis aufs 
AeuOerfte gehend), blieb nicht ganz unempfunden und regte den Spott auf. 

Hier genügt es an einzelnen Beif^ielen die Bichtung zu cbärakterifleren und die Sam- 
lungen nachzuweifen. — Die Umdichtungen wurden gewöhnlich als 'verendert und chriften- 
lich corrigiert' bezeichnet. — 'Tichten doch nnfere predicanten geiftliche lieder von einer 
wilden fau, das geiftlich wacker braun meidlein, den geiftlichen felbige^\ Fifchart^ Garg. 1575 
Vorrede. — Souter Liedekens. 1540. vgl. WB. 1109—1116. 

1. Einer der erften Umdichter war Hans Sachs, der 1525 ältere katholi- 
fche Lieder und Rufe *verendert und Chriftlich corrigiert' erfcheinen ließ (§. 153). 
Ueber die Umdichtungen des Jacobsliedes (§. 112) vgl. Xylotectus §. 127, 15. 

2. Von uppiglichen dingen (§. 1 12), umgedichtet : Groß freitd ztmngt mich 
zu fingen : Ein nüwe zytung vnnd fpiegel aller Geiftlichheit, wie fy yetz ift, 
vnd fyn fol, wo nit im w&fen, doch im gegenteil. In gefangswyß geftelt vff 
die Melody von üppigklichen dingen, o. O. u. J. 4 Bl. 8. (WB. 374. Schwei- 
zerifch, Satire auf die Ueppigkeit der Geiftlichen, die als demütig, keufch, fromm, 
m&ßig gefchildert werden), rep.: Newe Zeittung vnd Spiegel aller Geiftlicheit 
. . 0.0. 1538. 4 Bl. 4. (WB. 373. gedr. in Strobels Beiträgen 3, 2, 193 flF. 
WKL. N. 813. HUdebrand hift. Volkslieder S. 191). rep.: New zeitung vnd 
fpigel ^er GaiftUchkait . . o. O. 1539. 4 BL 8. (WB. 379). Vgl. §. 141. 

3. Aus hertem we klagt fich ein held (§.112), wurde von Heinrich Vogt- 
herr (§. 127, 9) umgedichtet; wiedergedr. in WKL. N. 655. 

4. Gott gr&ß dich bruder Veite (§. 112), von L. Hailmann (§. 123^ zu 
einem Jubelliede der evangelifchen Chriften, und von M. Styfel (§. 134) zu 
einem Lobliede auf Luther umgedichtet. 

5. Frau fifcherin (§. 112): Das lied von der Fifcherin gayftlich zu fingen 
In dem Weltlichen thon. — Offnes Qüartblatt (WB. 89. Wiedergedr. WKL. 
N. 177). 

6. Ich ftund an einem morgen heimlich an einem ort, do het ich mich 
verborgen, ich hört klegliche wort Von einem frätdein hubfch und feiny das 
JPtund bei feinem bulen: es muft gefchieden fein. (§. 112. DD. 1, 33.) 

Mehrfach umgedichtet, a) Ich ftuud an einem morgen . . Von einem jungen 
rtolzen man, der tot der kam gefchlichen und griff ihn tiefer an : 

Ei n fcho n geyltlich lied von dem todt . . OfRties Foliobl. 14 i^trophen. (WB. 87 ; wieder- 
gedr. in WKL. N. 675). 

b) Ich ftund in großen forgen . . Von einem jungen ftolzen man . . 
OfRaes Foliobl. 15 Strophen. (WB. 88.) 

c) Ich ftnnd an einem morgen . . Von einem jungen ftolzen man . . 

18 Strophen. Nttmb. G. Wächter. 4B1. 8. (WB. 266). — Das fönfte In. d^tCL xov^^t V\ä- 
rchriebenen Druck Daubmanns. — Nttmb. Val. Keuber. 4'B\. %. ^JSa. WV^V — ^V^^^^- 
deatfch: Veer Jede vojgen, Dat erfte, Xck ftuxvdt an einem mox^en. \>%X «cAsst^'W^x ^3^ ^»»- 



198 Kirchliche Volksdichtung. 

fyn bnins mSdelin, gefallen yn mynen tyn. Dat drddde, Wol vp gi GhrUten alle, Im tone, 
Wol vp gi Lantzknecht alle. Dat veerde, lok armer Bo£, bin gantz vorert, etc. o. O. n. J. 
4 Bl. 8. um 1550. 

d) Ich ffcand an einem morgen . . Von einem jungen Itolzen man, der Tod 
kam hergefchlichen vnd wolt jn greyffen an . . 

21 Strophen. — Augl^. M. Francke. 4 Bl. 8. (HB. 1180.) 

e) Ich ftund an einem morgen . . Von Satana dem ftolzen feind . . 

Ein rch6n lied von der Rechtfertigung des Armen Menfchens für Gott durch die Ver- 
mifchnng der gerechtigkheit vnnd Barmhertzigkheit nach der fch9nen Betrachtang des heil. 
BemhardJ .. Gr&tz, Zach. Bartfch. 8B1. 8. (von Jeremias Homberger. Vgl .§. 128, 70. WB. 771). 

f) Ich Hbund an einem morgen . . Von einem frommen chrilten fein. 
In Knanfts GaCTenhanem (unten 7) Nr. 31. Wiedergedr. WKL. N. 676. 7 Strophen. 

g) Ich ffcund an einem morgen . . Seel leib die warn in groHer pein, die 
feel die fprach zum leihe, es muß gefcheiden fein .. 

11 Strophen. — Das vierte Lied in dem unter k befchriebenen Drucke Joh. Daubmanns. 
WB. 1095, c. 

h) Ich fteh in groffen forgen, des glauhens Wirklichkeit fei heut noch tief 
▼erborgen der menfchlichen Weisheit . . 

63 Strophen. — Ein fchdn new Lied von derC^otheyt vnd herrligkeyt vnfers Herre Jefti 
Ohrifti nach feiner edlen menfchait. Zum preyB der glorien OhrifU vnd allen Chriftglaubigen 
zum troft gefangen . . 1543. Gedr. zu Speir. 11 Bl, 8. — Ein fch6n New . . 1556. Nflmb. Val. 
Neuber. 8 Bl. 8. (WB. 724). 

i) Ich ftund an einem morgen . . Ynnd ein iemerlichs gefchrey von einem 
fromen chriften vber die ketzerey . . 

46 Strophen. Spottgedicht auf Luther und die 'Ketzerei*, o. O. u. J. 8B1..8. (WB.172. 
Das Exemplar in Weimar ift am Schlüge defect, aber zuverläOiginLeip^g 1520—21 gedruckt. 

k) Ich ftund an eynem morgen . . Die Heua klagt jr groffe not, der Adam 
ihet fie tr6ften mit Gottes heyigem wort . . 

12 Strophen; von Joh. Kymeus, zugleich Umdichtung des weltlichen Liedes und der 
alten Adamsklage (§. 47) im Sinne der Erlftfong durch Ghriffcus. Wk. lyaeu, geb. zu Fulda 
1498, Francifcaner, verließ das Elofter, wurde Pfarrer zu Homburg, war 1536 mit Corvinus 
in MttnTter, wo er mit den Widertäufern dil^utierte; Superintendent zu Gafsel; Gegner des 
Interims, f 1552. (vgl. J. A. Hartmann, vita J. Kymei. Marb. 1728. 4. Kuchenbecker, analect. 
hafflac. 6, 8). Er fchrieb : Von der priefter eheftande. Wittenberg 1533. 4. •— Ein Concilium 
zu Gangra gehalten wider die mönche vnd widertSufer. 1537. 4. — Gefchicht vnd auffrur von 
denen die Ghriftum an Juden vnd beiden rechen wolten. Wittenb. 1537. 4. — Vom guten 
wandel vnd rechten werken. Vom geift vnd buchftaben. Von der kinder tauf. Von den natu- 
ren in Ghrifto, verdeutfcht. Wittbg. 1537. 4. — Des Bablts Hercules wider die Deutfchen. 
Wittbg. 1538. 4. Sein Lied wurde mehrfach gedruckt: Ein Klagliedt vom Fall Adams vnnd 
Heua, fampt der tr6rtlichen verheifTung des Samens Abrah e: G eftelt durch M. Johann Ky- 
msBus. Gedr. zu Nürnberg, durch Joh. Daubmann 1550. 8. (WB. 1095 nur die letzten 24 Bl. 
eines aus 88 Bl. beftehenden Liederbuches, vermutlich einer neuen Auflage der §. 111, 18 
erwähnten Bergreien. Es ift darin noch ein anderes Lied von Kymeus ^vom ende der weit*: 
Kein Gotte* wort^ fechs fttnfzeil. Strophen, enthalten). — Fflnif auOerlefene Geyftliche lieder, 
vorhin eyns teyls imtruck nie aufigangen. mit fchdnen melodeien. Gtedruckt zu Marpurg im 
jar 1555. 8 Bl. 8. (WB. 716. HB. 1046; es ift darin das fünfte, ohne Namen; die andern find: 
Mein feel o herr muT^ loben dich; O herr fih vns gnedig an; Witzftadts b. §. 139; Hubert- 
Schneflngs §. 128, 47). — Ein Klagliedt, vom Fall Adams vnd Heua .. Ein ander Liedt, von 
dem gebenedeiten Samen Abrahe, Im Thon, Von edler art [von B. Gletting? vgl. §.139.) etc. 
Nümb. Val. Neuber. 4B1. 8. (WB. 634). — In Kolers hausgefengen 2, 97. — Niederdeutfeh 
in Yefpafius gefengen N. 104. Wiedergedr. in WKL. N. 677 nur 11 Strophen; die letzte ift 
weggelafien. — Die Umdichtung durch Waldia bei diefem. §. 157. 

7. Gaffenhawer, Reuter vnd Bergliedlein, Chriftlich moraliter, vnnd fittlich 
verendert, damit die h6fe ergerliche wei^, vnnütze vnd fchampare Liedlein, 
auff den Gaffen, Felde, Käufern, vnnd anderßwo, zufingen, mit der zeit ab- 
gehen mochte, wann man Chriftliche, gute nütze Texte vnd wort darunder 
haben köndte. Durch Herrn He nrich Knanlten . . Franckfort a. M. 1571 b. Chr. 
Egenolffs Erben. 40 Bl. 8. (WB. 922). 

Gedichtet waren die 51 Lieder der Samlung fchon um 1550; Knauft felbft hat 48 als 
die feinigen bezeichnet; die beiden andern find das ^Warum "betrdbfk du dich mein herz', 
<Ich ftund an einem morgen*, und Helmbolds Von gott. — Heinrich Knauft, aus Hamburg, 
ftudierte in Wittenberg, 1540 Rector des Kölnifchen Gymnafiums in Berlin; 1544 gab er das 
Lehrfach auf und widmete fich den Rechten; anfangs zu Berlin, dann in Bremen und f^&ter 
in Erfurt, f nacA 1577. Er fchrieb Vieles, Alles in heitrer forglofer Weife. Seine lat. Schau- 
fpiele §. 113. 38, feine deutfchen §. 151; außerdem u. a.: Senectutis encomium, Herrligkeyt 
des Alters, ramt zweien Tractetlein, das erfk vom vnterfchied aller alter des menfchen, das 
ander vom leben der jugent. Frkf. 1567. 8. Erinnerung wider den Neidhardt, auD allerley 
hiftorien zufammengebracht. Frkf. 1569. 8. Vom bierbranen (und den Eigenf Charten der deut- 
fcben Biete). Brff, 1675. 8. 



Buch 4. §. 132. 199 

8. Hundert: ChriftenUche Haußgefenge, welche in andern Kirchen gefang 
nit begriffen findt . . Der E rfte Theil. Gedr. zn Kibrmberg durch Johann Kolet. 
o. /. (1569. vgl. Cl. 2, 56. WB. 909). — Hundert Chriftenliche Haußgefang, 
welche in andern Kirchengefäng nit begriffen find . . Der Erfte Theil. Gedr. 
zu Nftmrberg, durch Johan Roler. o. /. (WB. 908). 

Es find 99 Lieder, viele mit den Namen der Umdichter; darunter: Ach du geliebtes 
deutTches Land; Berchaffens glück von ewigkeit; Der weite pracht ift hoch geacht; Einmal 
thet ich flpazieren; Frftlich To v?il ich heben an; Ich armer gfell leid ungefell; Ich Tach mir 
einmal ein wnnderfchftne maid; Lieblich hat fleh gefellet; Mag ich dem tot nicht widerftan; 
Schlemmer was bifta fingen ; Was wird es doch des wanders noch ; Wammb betrflbrt dn dich 
mein hers (ohne Namen); Wacht auf ihr DeutTchen alle: Wacht auf ihr werden DentTchen; 
Wies gott gefeilt gefeilt mirs auch (ohne Namen). Die (amtlichen Liederanf&nge bei WB. 908. 

9. Andere hundert : Chriftlicher Haufzgefenge, welche in andern Kirchen- 
gefeng nicht begrieffen find . . Der ander Theil. Gedr. zu Nfirmberg, durch 
Johann iLoler. o. X (1570. vgl. Cl. 2, 50. WB. 910). 

Es find 100 Lieder deren Anfilnge WB. 910 nütteilt; darunter: Der morgenftem hat 
fleh aoffgefchwongen; Der gnaden bmnn thut fliegen; Ich armer menfch bin ganz ver- 
irrt; Ich ftund an einem morgen (mit Kvmens Namen); Mag ich onglttck nicht widerftan 
^ohne Namen) ; Nach willen dein : O weit ich mn^ dich lafien ; Wach aoff meins hertzen ein 
(mit d. Namen Hans Sachs SchnTter) ; Wach anff dn werte chriftenheit. 

10. Ein fchon gefangbü^chlein Geiftlicher lieder zufamen getragen Au6 
dem Alten vnd Newen Te&tment, Durch frome Chriften vnd liebhaber Gottes, 
welcher hie für etliche getruckt feindt gewefen, aber noch vil darzu gethan, 
welche nie im truck außgangen feindt. o. O. u. J. 8. — Ein fchon gefang- 
buchlein, darinn begriffen werden vielerhandt fch6ner Geiftlicher Lieder au6 
dem Alten Tnd Newen Teftament . . Jetzo von newem widerumb vberfehen . • 
0. O. u. J. 8. 

Die LiederanfSnge bei Hofltn. (3tKL. 413 ff. Im Ganzen 66 Lieder, darunter : Der Kuckuck 
hat fich zu tot gefallen; Der mon der fcheint fo helle; Der f]pilman aus der Wirtenberg; Es 
get ein friTcher Tommer daher; Ich habs geftelt fo weit ins feld; Ich fach den herm von 
Falkenftein; Ich ftunt an einem morgen: Rofina wo was dein Geftalt: Von üppiglichen din- 
gen; Wiir ich ein wUder falke; Wolt ir hdren ein neues liet was zu Mttnfter ilt gefchiet; Zu 
Coftenz was ein kaufinan. 

11. Nye Chriftlike Gefenge vnde Lede, vp allerley art Melodien, der 
heften, olden, Dfidefchen Leder. Allen framen Chriften to nfttte, Nu erftlick 
gemaket, vnde in den Driick gegeuen: D6rch Hermannum Vefpannm, Predyger 
tho Stade. P. K. 1571. Gedrficket tho Li^beck, d6rch AOuerum Kroger. 1571. 
172 Bl. 8. (WB. 923. Exemplare in Cafsel ; im Nachlaß F. H. ▼. Hagen, in 
der Amswaldt'fchen Bibl. in Hanover.) 

Unter den 121 Liedern des Buches find 97 von Vef^aflns. Vgl. Winterfeld 1, 88--85. 
Das Buch fetzt Aberall die weltliche Weife, die dber den Liedern angegeben wird, als be- 
kannt voraus;' Noten find nirgends. Die meilten find Volksweifen, doch waren auch fchon 
nach Stade die franzdf. Melodien vorgedrungen, da ein G«(^r&ch Chrifti und des Sfinders 
auf eine folche gedichtet ift 

Viertes Kapitel. 

Im Rirohenkampf traten Streiter auf, die auf der einen Seite der Name 
Mumer, auf der andern der Name Hütten bezeichnet. Die Kämpfer für die 
Lehre von der Verbindlichkeit der Kirche hatten zum Teil vor Luther felblt 
eine Yerbeßerung und Beinigung der kirchlichen Yerfaßung erftrebt, aber 
innerhalb derfelben, nicht von ihr gefondert. Die äußere weltliche Form foUte 
reiner und freier, die Sitten der Geifklichen fittlicher werden; an das Dogma 
wurde nicht gerührt. W&hrend manche mit Luther weiter giengen und die 
Ueberlieferung der Kirche verwarfen, den Glauben lediglich auf die Bibel 
zurückführten, traten andere ihm und feinen Anhängern mit voller Entfchie- 
denheit entgegen. Unter ihnen war Murner, wie der Haß der Zeitgenoßen 
und die Verkleinerung der Nachkommen gleichm&ßig bezeugen, einer der bei- 
deutendften und unter den Dichtern der bedeutendfte. Die vielfachen Streit- 
gedichte der Zeit werden bei Qen hiftorifchen Gedichten (§. 141^^ dft^^.B.^^^'isssk. 
(§. 142) weiter nachgewiefeo werden. StyieV m«^^ \äct «^a N «sN.x^N«t ^^^ ^^s^- 



200 KirchUche Volksdichtang. 

reichen Clade von Männern gelten, die noch im Klofter f&r die neue Lehre 
entflammt wurden und, um todtlichen Verfolgungen zu entgehen, flüchten 
muTten. Alle {überragt an Feuereifer im Angriff auf die politifche Verfaßung 
der Kirche Ulrich von Hütten, der als frühreifer eleganter lateinifoher Dichter 
fchon viele Bewunderer gewonnen hatte, als er, durch perfdnlichen Anlaß auf 
das politifche KampfPeld gefuhrt, rafch fchrittweife weiter gedrängt wurde, bis 
er in d^m heißblfitigen Mut, der ihn einen Krieg gegen den Pablt f&r m6g- 
lich halten ließ, unerwartet abgekühlt, fleh mit um fo heftigerem Nachdruck 
auf den literarifchen Kampf warf und, AUes feiner Ueberzeugung opfernd, ver- 
einfamt ftarb. Sickingen und Schwarzenberg griffen unmittelbarer ein und 
letzterer hat bei den Zeitgenoßen als Dichter hohe Anerkennung gefunden. 
Im Kampfe der Kirchen entwickelte (ich ein lebhaftes Sectenwefen, von dem 
neben den Lutherifchen und Reformierten nur die Secte der Hulüten (b6hm. 
Briider) eine fefte geordnete Geftalt bewahrte; die übrigen aber, namentlich 
als die r6mirch-katholifche Kirche, die (ich auf Waffen und weltliche Macht 
ffeützte, den Anfang gemacht hatte, wurden von Proteftanten und Katholiken 
wetteifernd bekämpft und unterdrückt. Eine Beihe von Märtyrern legt daf&r 
blutiges Zeugnis ab (§. 137). 

§. 133. 

Thomas Marner wurde am 24. Dec. 1475 zu Oberehenheim bei Straßburg 
geboren, auf der Franciskaner Schule unterrichtet und zog als fahrender Schtiler 
durch Frankreich, Deutfchland und Polen. Schon 1494 foU er zum Priefter 
geweiht fein. In Paris ftudierte er Theologie. 1499 lebte er in Freiburg und 
ffcudierte die Rechte; dann fcheint er Guardian des Franciskanerklofters in 
Straßburg geworden zu fein. Maximilian kr6nte ihn 1506 zum Dichter. In 
Krakau lehrte er Logik, gieng dann zur allgemeinen Ordensverfamlung der 
Franciskaner nach Rom; in Venedig wurde er Erzieher; Körperleiden ffihrten 
ihn in die Heimat zurück. Vor 1509 wurde er Doctor der Theologie und 
Lefemeifter der Barfüißer in Bern. Sein fchweifendes Leben zeigt ihn bald in 
Trier, in Frankfurt, wo er Schelmenzunft und Narrenbefchw6rung lateinifch 
predigte, in Straßburg und an andern Orten. Heinrich YHI. rief ihn als 
Gegner Luthers nach England. Von dort kehrte er 1523 zurück. Als Abge- 
ordneter des Straßburger Bifchofs wohnte er dem Nürnberger Reichstage bei. 
Vom Straßburger Rate verfolgt, gieng er nach Oberehenheim, von wo er, vor 
den Bauern flüchtend, 1526 in die Schweiz fleh rettete. Der Bat zu Luzem 
nahm den 'unverdient und ohne rechtlichen Spruch an den Bettelftab abge- 
fertigten? Mann zuvorkommend auf und verlieh ihm ein Predigtamt. Er nahm 
an der Badener Religionsdifputation (1526 Mai) Teil, deren Acten er heraus- 
gab (N. 46). Nach dem Cappeler Kriege mufte er von Luzem fliehen. Er 
wandte fleh nach Heidelberg, wo der Kurfürft Friedrich ihn wolwollend auf- 
nahm. Sein Todesjahr ift unbekannt. 

Mumers perf6nlicher Charakter wurde von den Zeitgenoßen, mit denen er , 
in Streit lebte, leidenfchaftlich herabgewürdigt. Sein Leben ift faft hur in 
den Schmähungen feiner Gegner zu verfolgen.^ Seine dichterifchen Leiftungen, 
meiftens fatirifcher Art, ftehen zwar auf Brants Vorgange, aber übertreffen 
diefelben in Areier G^ftaltung des Stoffes und in leichtem Fluß der Rede. An 
menfchlichem Werte bleiben fie hinter jenem sBurück, ohne die Vorwürfe der ' 
ßlttenloßgkeit zu degründen, die dem Dichtei gem«A\i\. ^Tn^^n. 



Buch 4. §. 133. 201 

Vgl. Lappenberg, Ulen(lpiegel S. 887--411. — Doktor Th. Murners Streithandel mit den 
EidgenoITen von Bern und ZUrich. mit Urkunden. Von B. Hidber. 1856. 33 S. 8. — Die älte- 
ren Schriften Aber Mumer weist Lappenberg nach. — Eine Ausgabe von Murners Gedichten 
Sier Ketzen Schelmenzunft, Narrenbefchworung, Badenfahrt, Mtthle von Schwindelsheim, 
mohmat, LutherbefchwArnng nnd Lied vom Untergang des Glaubens) itt vorbereitet. 

Seine Schriften, von denen die meiften tiberaus feiten find (voUftändige 
Ausgaben der Mühle von Schwindelsheim noch nicht gefunden) belaufen fich 
über fünfzig ; einige (1 — 3) nur aus feinen Anführungen bekannt. 

1. Peri^ectiva. 'Quod in perf^ectinis noftris conclamatum eCV, mit dT Bandnote: *Mia- 
nems de Perq>eotiuis*; jriin»0W tractatus de pkithonico contractu. Da* Werk felbft ift nirgends 
nackgemiefen nnd vielleicht nie gedruckt. 

2. Tractatus Mumeri de revolutionum veritate et faUItate. Im angef&krten Werke Rand- 
note zu den Worten <de hoc (de falfltate opinlonis ATtrologorum probantibus) (^ecialem trac- 
tatum edidi*. 

3. Quadripartitum mi^vs. Randnote deffelben Werkes zu den Worten : Si aliquis fortuitns 
effectns in voluntate ponatnr, in Deum redneere oportet, qui omnibns prouidet et eoninngit, 
cum dicat, imo et capilli capitis veftri nnmerati Aint. Hoc antem cum fit contra aftrologos, 
clarius de hoc loquar in quadripartito meo majori. Das Werk wird in den Invectivis genannt. 

4. Invectiva contra Aftrologos .. Regi Maximiliane contra Foederatos, iquos vulgo 
Snitenfes nuncupamus, interitum praedieentes. Argent. 8. Maji 1499. 5 Bl. 4. (Göttingen; 
Wolfenb. Vgl. Lappb. 389.) 

5. Tractatus perutilis de phitonico contractu .. ad inftantiam Ctonerofi domlni Johannia 
Woemher de Moerspurg compilatus . . Friburgi Brisgoiae. 1499. (Octob.) 4. (GSttingen ; Miln- 
oben. YgL L. 390). — Wiedergedr. im Malleus maleficamm tom. IL 

6. Nova Germania. (VgL Lappbrg. 898.) 

7. Epiltola ad Wlmphelingium. o. O. u J. 4. (München. L. 891, 3.) 

8. Honeftomm poematnm oondigna laudatio, impudieorum vero miranda eafUgatio. 
o. O. u. J. 4. (Berlin; München; Hamb.; Frankfurt; Kopenh. Vgl. BT. 7, 199. L. 392.) 

9. ChartUudium logice feu logica poetica vel memorativa cum jucundo pictasmatis 
exercitamento. Cracov. J. Haller. 18 kaL Mart. 1607. 4. (Bbert 14534). — Logica memorativa 
Chartiludiü logice .. Arg. Jo. Grüninger. 1509. 4. (Wien; Berlin: München: Wolfenb: Germ. 
Muf. vgl. L. 394.) - rep. Brüssel 1609. 8. (Niceron 21, 861). — Pariflis 1629. 8. (Göttingen). 

10. Uon den fier ketzeren Prediger ordens der obferuantz zu Bern in 
Schweitzer land verbrennt, in dem jar noch Chrifti gehurt. M. CCCCC. ix. 
vff den nechften donderftag noch Pfingften. Mit vil fchönen figürlin ynd lieb- 
lichen reymfprüchen neuwlich geteutfcht. (StraÖb. o. J.) 86 Bl. 4. (WB. 45. 
L. 395. HB. 39). In Reimpaar^. 

De quatuor hereflarehis ord. praedicatomm . . apnd Suitenfes in eivitate Bemenfi com- 
buitis Anno Ohr. M. D. ix. 26 Bl. 4. (Ohne Mumers Namen, mit einem Ctodicht Lochers gegen 
die Ketzer. — Wolfenb. 225. 1. Q.4.) — Die warHiftorv von den vier ketzer prediger ordens, 
zu Bern .. verbrant. £in fchdn lied von der vnbefleckten entpfengknuB Marie. (Maria fchon, 
du himelfch krön ..; von Hie. HuieL) o. O. u. J. 22 Bl. 4. (Wolfenb. 108. 15. Q. 4. Vgl. WB. 
38.) — Ein fchon bewerts lied von der reynen unbefleckten entpfengknnÜB Marie . . Vnd dar- 
bey die warhiftori ..* 20 BL 4. (WB.39).— Ein fchon bewerts lied vonnder .. entpfengknüfi .. 
Ynd darbey die wor hiltori . . 26 Bl. 4. (WB. 40). — Ein fchön bewerttes lied von der . . entpfengk- 
ntl8 .. Vnd darbey die war Hiftori .. 24 Bl. 4. (WB. 41).— Vgl. Haller, Schweizerbibl. 3, 85—64. 

11. De Angnftiniana, Hieronymianaque reformatione poetamm. Argent. 1509. 72 Bl. 4. 
(Göttingen; Hamb.; Wien; Frkf.; Berl.; München ; Kopenh. Vgl. BT. 7, 199. L. 396.) 

12. Ludns ftndentü Friburgenflnm. Francph. Beat. Mumer. 1511. 16 Bl. 4. (Frkf.; Mün- 
chen.) — rep. 1512. 4. (Berlin.) L. 396. 

13. Scacens infalUbilis quantitatis lyilabamm. Fol. (München). 

14. Arma patientie cotra omes feculi aduerfitates. f^ckfordie predicata. (1511). i Bl. 
quart (nicht FoUo, wie L. 897 angibt. München; Frkf.) 

15. Bitus et oelebratio phafe iudeor., cum orationibns eor., et benedictionibus menfe ad 
Utterä interptatis . . ex hebreo in latinü traducta eloquium. (Frcf. 1512.) 16 Bl. 4. (Wien). 

16. Bededicite iudeor. ante et poil dbum. Frcf. 1512. 4. (Wien.) 

17. Der luden benedicite wie ly. gott den herren loben, vnd Im vmb die CpejCz dancken 
. . vnd wie £y leren dodten begraben. Oedr. . . Franckenfart durch Batt mumer. 4 Bl. 4. 
(Wolfenb.) 

18. Die Schelme züfft. (Frcf.) BaU. Mumer. 1512. 36 Bl. 4. (HB. 29). — 
Stra6b. o. J. 4. (Panz. Zuf. 140). ^ Augsb. 1513. 4. (Hamb.; München ; Ber- 
Un.) — Augsb. 1514. 4. (Wolfenb.) — Straßb. 1516. 4. (BerUn; Darmft.) — 
Frkf. 1567. 8. — Straßb. 1568. 8. (HB. 30). — o. O. u. J. 8. (Göttingen). — 
Frankf. 1618. 8. (Wolfenb.) — Hrsg. v. Waldau. HaUe 1788. 8. — Bearbeit- 
ung bei Cammerlander §. 143. 

19. Doctor thomas Murners NarreubefcViiTeQrQiTi^. o, Ci. tsl, ^. 1 '^^ga.» ^ 
(GötfciiijraB; J^fönchen). — Dootor murnen TiarT^\iÄte\i'N««tü^» ^Xa.'Ä.^asB^'tQSS.. 



202 Kirclüiche Volksdiehtung. 

1512. 4. (Berlin). — o. O. 1512. 4. (Wien). — Strßb. Knobl. 1518. 4. 
(Berl.; München). — StrJßb. 1522. 4. (Wolfenb.l — Bearbeitung von Wickram 
§. 143. 

20. Ein andechtig geiftliche Badenfart . . zu Straßbarg in de bad erdioht 
.. (Bl. Pij: Getr. d. Job. Grüninger tu Straßb. 1514. vff fat Oßwalts tag.) 
A— P 6a. 4. (Göttingen, München, Wien, Lübeck). — ? Straßb. 1518. 4. L. 398. 

21. Die Mülle von Schwyndelfzheym vnd Gredt Müllerin Jarzeit. Straßb. 
d. M. Hupfiiff 1515. 36 Bl. 4. (Wolfenb.; Berlin. — Mamers Name ift im Buche 
nirgend genannt; mehrfache gleichzeitige Zeugnifse legen ihm die Urheber- 
fchaft bei.) 

22. Vergilii Maronis dryzehe Aeneadirche Bftcher von Troianifcher zer- 
ftorung vnd vffgang des B6mifche Reichs, durch Doctor Mumer v^tutst. Strßb. 
J. Grüninger 1515. 186 Bl. Fol. (Berlin). — Worms, Greg. Hofman. 1545. S. 
(Dresden. HB. 36.) — Frkf. 1559. 8. (HB. 37. Dresden. Hanov.) — Frkf. 1562. 
8. (Dresden.) — Jena, J. Weidner. 1606. 343 Bl. 12. (Dresden). 

23. Thome Morner Oratio ad capitulam provinoi» Aiperioris Alemanie. (1515.) 4. Vgl 
Bibl. Ebner. 5, 15 N. 18789. L. 399 f. 

24. inriohen von Hütten .. Von der wunderbarlichen Artsney des Holtz Oniacnm ge- 
nannt .. verttttTchet vnd gedolmetfchet. StraOb. 1519. 4. (München. Vgl. L.403 and 9.]jS4,74.) 

25. Die geuchmat zu ftraff alle wjbfche mannen . . erdichtet, vnnd eyner 
frummen gemeyn der löbliche ftatt Bafel in Areyden va eyner letz befchriben 
vnd verladen. Bafel, durch Ad. Petri von Langendorff. 1519. S.April. 4. (HB. 
33. Göttingen; Wolfenb.; Wien; München; Darmftadt.) — Die GäuehmaU .. 
Frkf. 1565. 149 Bl. 8. (Wolfenb.) Frkf. 1567. 8. (Clefs 2, 290?) 

26. Inmtnten ein warer YrCprung vnnd Fundament des Keyferlichen Rechtens . . ver* 
dntzfcht, ynd vff der hohen Schal BaTel in tyner ordenlichen lioctur offenlich mit dem Latin 
vergUchet. Bafel, Ad. Petri ▼. Langendorff. 1519. 104 Bl. 4. (Oöttingen. Vgl. GottTched, krit. 
Beitr. 3, 116.) — Bafel 1520. 4. (Wolfenb., germ. Mufeum.) 

27. OhartUndiü Inftitute fümarie doctore ThomaMnrner memorante et ludente. Argen- 
tine per Joh. Prüs. Impenfls . . J. Knoblauch. 1518. 119 Bl. 4. (Berlin, Wien, Mttnchen, Wol- 
fenb. Vgl. L.401.) 

28. Vtriofq. Juris Tituli et Regule . . in Alemanicnm traducti eloquium. Baflleae 1518. 
4. (BerUn; München.)— Bafll. 1520. 4. (Berlin; Mttnchen; Heidelb. Vgl. L.401. Gottfeh. Beitr. 
8, 130). — Lugd. 1580. 8. 

29. Der keiferlichen Aatrechten ein ingang md wares ftindament. Meilter vnd r£dten 
tntfoher nation .. gegabet vnd su gefallen verttttfchet. StraOb. J. Qrttninger 1520. 4. (Berlin; 
Mttnchen. Vgl. L. 402.) 

SO. Von der Babylonifchen gefengknu8 der Kirchen, Doctor Martin Luthers. o.0.n.J. 
18 Bgn. 4. (SUdtbibl. in Hanover.) 

31. Ein chriftliche vnd briederliche Ermanung zu dem hoehgelerten doctor Martine 
luter .. Dz er etliche reden von dem newe teftamet der heilige meCTen gethö abfkande .. o. 
O. 1520. Martini. 4. (Qenn. Mufeum.) 

32. Von Doctor Martinus luters leren vnd predigen, das ile argwenig feint o. O. 1520. 
Cathar. Abend. (24. Nov.) 4. (Wien; BerUn. Vgl. L. 404.) 

33. Von dem babftenthum .. wyder Doctor Martinum Luther. (StraOb.) 1520. 13. Deo. 
4. (Berlin.) 

34. An den Grof^mechtigen vnd durchlttchtigrten adel ttttfcher nation das tye den 
chriftlichen glauben befchirmen wyder den zerfti^rer des glaubes chrifti, Martinn luther. 
(Stradb.) 1520. 24. Deo. 4. (BerUn.) 

35. Wie Doctor M. Luther vtz falfchen Vrfachen bewegt, das geiftlich Recht verbrant 
hat. Strafib. J. Grttninger 1521. Mondtog Invocavit (17. Febr.) 4. 20 Bl. 4. (Berlin. Vgl. L.404.) 

36. Ain new lied von dem vndergang des Cbriftlichen Glaubens in Bru- 
der Veiten thon. o. O. u. J. 4. (Berlin.) — Ain new lied von dem vndergang 
des Chriftlichen glaubens Doct. Mumer. jnn Bruder Veiten thon. Ain ander 
lied Darwider vom auffgang der ChriHtenheit jn D.Mur. Veiten thon. o.O.u.J. 
4 Bl. 4. (BerUn ; Wernigerode.) Vgl. Styfel §. 134, 12. 13. 

87. Proteftation D. Th. Mumer Das er wider Doo. Mar. Luther niehtz vnreehts ge- 
handlet hab. Straßb. 1521. 8. März. — Wiedergedr. bei RShrich in Niedners Zeitfchr. Ittr 
hiftor. Theol. 1848 S. 598—602. 

38. Antwurt vnd klag mit entfchuldigung wider bruder Mich. Styfel. o. O. u. J. (1522.) 
4. (Brit. Mufeum.) Vgl. Styfel ft. 134, 15. 

39. Bekennung der flben facramenten wider Martinum Lutherum gemacht von dem . . 
XSnisr MU Eu^elland. Stradb. J. Grieninger 1522. (7. Sept.) 4. (BerUn.) — Vgl. ft. 134, 58. 

4(K Ob der Känig v$ engsUand ein rngnec C«y «te 4«t lioS^kn. !ä»VnX^.l.Qiil«slBCtr. 



Baoh 4« §. 133. t34. 203 

1582. Nov. 4. (Berlin.) — Ob der kflnig von engelland ein lilgner fey oder der Luther, o. O. 
n. J. 4. 1 . 

41. Von dem groißen lutherifchen Narren wie jn doctor Murner befchwo- 
ren liat. Straßb. J. Grüninger. 1522. 4. (Wolfenb.; Berl.; München : germ. Mu- 
feum.) — Von dem gro^Ten Lutherifchen Narren wie in doctor Murner be- 
fchworen hat. Straßb. J. Grüninger 1522. 4. — Thomas Murners Gedicht vom 
großen Lutherifchen Narren. Herausg. v. Heinr. Kurtz. Zürich 1848. 8. 

42. Inftituta Helvetiomm doctoreTluMiirnero figurante et memorante. Lucemae. 1526* 

43. Thom. Mumers Brieff den gefandten botten der 12 Oertter einer löbl. eidgnorchaft. 
Luzern 1526. 

44. Ein worliafEtigs verantworten der doctores, die eu Baden vif der disputation ge- 
wefen. o. O. u. J. 4. (Hamburg. Vgl. HaUer, Bibl. der Schweizer Gefehichte. 8 N. 277.) — 
Landshuty Joh. Weyffenburger. o. J. 4. (Panzer d. ann. 2, 441 f.) 

45. Der luterifchen - evangelifchen Kirchendieb- vnd Ketzerkalender. 1527. Febr. Fol. 
(Vgl. Haller 3, 299.) — Herauag. v. Waldau. 1804. 16 Bl. 8. — Wiedergedr. in Scheible's Klo- 
fter 10, 201—215. 

46. Die DUlputation vor den Xu Orten einer löbl. Eydgnofchaft. Luzern 1527. 18. Mai. 
4. (Berlin. Inhalt in Veefenmeyers Beiträgen. S. 69 ff. Vgl. Haller 3, 267.) 

47. Appellation der Doktoren J. Ecken, J. Fabri und Th. Mnmer wider die Disputa- 
tion zu Bern. Luzern 1528. 4. 

48. Hie wttrt angezeigt das vnchriTtlich . . vnd verechtlich v^riefTen vnd fttmemen einer 
loplichen herfchafft von Bern, ein DiX^utation zu halten .. Lutzem 1528. 8. Febr. 29 Bl. 4. 
(Vgl. HaUer 3, 316.) 

49. An die fürfichtigen erfame rngfame vnd frommen ftandthafltigen chriften des alten 
woren vnd vngezweiffleten glaubens der gemeinen chriftenheit alle vnderthon vnd verwanten 
der löbliche Herfchaft von Lutzem ein entfchuldigung Doctor Mumers. Lutzem, freitag nach 
JubUate 1527. 4 Bl. 4. (München. Vgl. L. 409 f.) 

50. Die Gotsheylige mefo vö gott allein erftift, ein ft&dt vn lebendigs opfTer für die leben- 
digen vn die dodten .. wider die fünfft Schlu^red zu Bem dii^utiert .. Lutzem 12. Winter- 
mondts 1528. 7 Bgn. 4. (BerUn, vgl. L. 410. HaUer 3, 326.) 

51. Vfzlegung des vngefalzenen Briefes derHerfchaft von Bem an die acht chriftlichen 
Oerter in der Schweiz. Luzem 1529. 9 Bgn. 4. (Wolfenb. Vgl. L. 410.) 

52. Doctor Mumers Antwurt vf die Anklag eines Eerlkmen Wyfen Radts der Statt 
Zürich gemeinen Eidgnoffen vber in gethan. o. O. n. J. (Luzem.) 4. Vgl. Haller 3, 328. 

§. 134. 

Mumers Schriften {iher einzelne Punkte der Reformation riefen eine Menge 

Flugblätter der Gegner hervor, die fich in leidenfchaftlichen Uebertreibungen 

überbieten, auch wol bewuHter Weife Unwahrheiten zu Hülfe nehmen. £ber< 

lins fünfzehn Bundesgenoßen veranlaßten Murners Gedicht vom Lutherifchen 

Narren und diefes wieder die f. g. Novella. Diefe drei Schriften zeichnen 

R6hf bei aller Leidenfchaft, durch eine gewiffe kiinftlerifche Form aus und 

ftehen weit über den gegen Murner perfönlich gerichteten Schmähfchriften. 

Die meilten find in Scheible's Klofter wieder abgedruckt, aber verAreut und ohne die 
erforderlichen fachlichen Erlfiuterungen. 

1. a) Karffchans. 15 Bl. 4. mit Titelholzfchnitt, ohne Schlui^reime (Dialog 
in Profa. 1520 ; veranlaßt durch Mumers N. 31). — b) Karffchans. 16 Bl. 4. 
mit Titelholzfchnitt und 50 Reimzeilen am Schluß. — c) Karfthans. 15 Bl. 4. 
ohne Titelholzfchnitt, mit 4 Beimzeilen am Schluß. — d) Karfchhans mit vier 
Perfonen. 15 Bl. 4. mit Titelholzfchnitt und den 4 Reimen aus c. — e) Karft- 
hans mit vier Perfonen. 16 Bl. 4. mit Titelholzfchnitt (HB. 55). — Wieder- 
gedruckt nach a mit den Reimen aus b c bei H. Kurz (§. 133, 41) S. 161 ff.; 
auch bei Scheible 10, 219. — Vgl. unten 91. 

2. Defenfio Ohrirtianoram de Crace, id eft, Lutheranoram. Cum pia admonitione F. 
Th. Mumeri, Luthero maftigis, ordinis Minorum, quo flbi temperet a convieiis et ftultis im- 
pngnationibus M. Lutheri. Matthaei Gnidii AuguTtenfls. Hagenoae 1520. 4. Vgl. Jung, Bei- 
träge 2, 255. 

3. a) AinKurtzi anred zu allen myßgünftigen Doctor Luthers vn der Chri" 
rtenlichen freyheit. (üeberfetzung des Schlußes aus 4 und einem Reime 5 am 
Schlnße: J. A. hat es gemacht da er frolich was.) 1521. 4 Bl. 4. — b) Eyn 
kurtze anred . . 4 Bl. 4. (HB. 1498). 

4 a) Mnraanui Leoiathan^Vulgo ^ctoB O^Ytuva.^ o^« Qi^o^^^^^^^ 



204 Kirehliche Volksdichtung. 

Murnarns, qni et Schoanheufelin oder Schmntzkolb de fe ipfo. Si nngae — 
relligiofus ego. Raphaelis Mnfaei in gratiam Martini Lntheri et Hatten! pro- 
pognatoram Chrirtianae et Germanicae libertatis ad Ofores EpiTliola. 15 Seiten. 
4. (1521 ; der Raph. Mufaeus ift Matth. Gnidius.) — b) MornaniB — epiltola. 
Auctio Lntheromaftigam, dialogus recens illis additus. 4. (Wolfenb.) 

5. a) Diß band zwen Schwytzer Purren gemacht. F&r war £y band es 
wol bedacht. Befchribung der göttlichen Müly, fo durch die Gnad Gottes an- 
gelaßen yn durch den hochberümpteften aller MfiIlern.Era8mam von Roterodam, daa göttlich 
mel Eufamen gefcHwarbet, ynd von dem trttwen becken Martin Luther gebaehen, auch von 
dem ftrengen Karfthanfen befchirmpt, durch zwen Schwitzerpuren zu beftem, fodann gro« 
bem vnd ruchem Volck (als ty genennt werden) mdglichen ift befchriben. o. O. u. J. 11 S. 4. 

— b) Das hond zwen fchweytzer bauren gemacht. Ftlrwar fv hond es wolbetracht. TUelhoU- 
fchnitt} am Sckluße: 1581. 10 S. 4.; wiedergedruckt in Scheibles Klofter 10. 377 und inSchades 
Satiren 1, 19. — c) Das hond . . Titelholzfcknin ohne Schlu^ahrszahl. — (Nichts gegen Mumer.) 

6. Triumphus veritatis. Sich der warheyt. (von: Hans Heinrich Preier- 
mut, Geborn zu Nürnberg vff de fand Wöhafft by zürch im fchwytzerland.) 
32 Bl. 4. (HB. 1470. Wolfenb. 135. %, Theol. 4.) . Vgl. Strobel neue Beitr. 
3, 2, 251. 

7. a) Kogel fpil gebracttiziert aufz dem yeczigen zwytracht des glaub ens 
zu eym tail ain gefeiletz, Alle fo dan Martine annhangent. Z^m tail die dan den 
Bechtten alten weeg des Euangeliums nach jrem vermügn nach volgent^ mit fampt 
andren fo hye dyfem fpil zu lugen hyerin vergriflfen genantt werdent. Die 
Kugel ift die hailig Gefchrifft. Das zyl ift der glaub. Der platz des Jamertal, 
Kegel feind die armen fchlechten einf eltigen leyen, Die abentheyer ift das ewig 
leben, die dreyer feind die hailigen lerer der Paulus .iiij. Euangeli. vn die jdj. 
poten. Im Jar. MDXXH. 8 Bl. 4. — b) Kegelfpill .. 1522. 8B1. 4. (Panzer 2, 
122. N. 1581.) 

8. Der geftryfft Schwitzer baur. Diß bfichlin h^t gemacht ein Baur auß 
dem Entlibuch, wem es nit gefall der küQ jm die bruch o. O. u. J. (Bafel bei 
G^ngenbach 1522.) 31 S. 4. (Gegen Murner, für das Lefen der deutfchen Bücher 
durch Laien.) HB. 588. 

9. a) Ain fchoner dialog9 Vn gefprech zwifchen aim Pfarrer vnd aim 
Schulthayß, betreffend allen übel Stand der gayffclichen. Vnd b6ß handlug der 
weltlichen. Alles mit geytzigkayt beladen. (1521). 10 Bl. 4. — b) Ein fchoner 
Dialogus .. am Schi. Vollend im jar 1521. 10 Bl. 4. — c) Ain fch6ner dialog9 
Vnd .. 12 Bl. 4. — d) Ain fchoner Dialogus Vn . . 11 Bl. 4. — 3) Ain fch6ner 
Dialogus vnd . . 12 Bl. 4. — e) Eyn fchoner dialogus vn . . 10 Bl. 4. 

Es werden darin u. a. Murner 'die Narrenbefchwdrung, die Schelmenzunft, der Gret 
MtUlerinJartag, auch der Eulen^iegel (§.106,8) und andere fchone bdchlein mehr* beigelegt. 
Wiedergedr. bei Scheible 10, 801. 

10. a) Ein graufame hiftory vö einem Pfarrer vnd eine gey(t vnd dem 
Murner, der fich nempt der Narre befchwerer. 18 Bl. 4. (vgl. Gengenb. 690). 

— b) Nouella. W&r jemandtz der new m&r beg&rt . . 18 Bl. 4. (vgl. Gengenb. 514). 

Wiedergedr. bei Scheible 8, 675. Gödeke Gengenb. 868. vgl. 658 und §. 116, 16. 

11. (Joh. Eberlln von Günzburg, die f&nfzehn Bundsgenoißen.) Ein kläg- 
liche klag an de chriftliche R6mifchen kayfer Carolum, vö wege Doctor Luthers 
vnd Virich von Hütten. Auch von wegen der Curtifane vnd bättelmtinch. 
Das Kayferlich Maieftat (ich nit \&Q follich leut verf&ren. Der erft büdtsgeno^. 
4 Bl. 4. — Der ander bundtsgnoß, Vom faften der xl. tag vor Öfteren . . 4 
Bl. 4. — Ein vermanung aller chrifte das fie fich erbarme vber die Klofter- 
frawe. Thu kein Tochter in ein klofter, du Ufleft dan diß bÄchlein vor. P. W. 
Der ni. büdtsgnoß. 5 Bl. 4. — Von dem lange verdrAffigen gefchrey, das die 
geiftliche MAnch, Pfaffen vnd Nunnen die fyben tag zeit heiffen . . Der JUU. 
büdtsgnoß. 4 Bl. 4. — Der .V. bundtsgnoß. Ein vermanung zu aller oberkeit 
Teutfcher Nation,, das fy den Predig ftul oder Canzel reformieren. 4 Bl. 4. — 
EBafmus von rotherodam ein f&rft aller gelerten zu vnfern zyte, fchreibt jm 
buch genät Encomium morias, vom predigen der b&ttelmtinch . . V. S. Der .VT. ' 
bundtsgnofz. 1521. 5B1. 4.— Dz lob der pfarrer. VOü de vnnutze koften der 

gelegt Wirt vö de gemeine vnverftedige volck vff muß l&fen, volgungen, be- 
grebnüß, fybend, dryßg£t, j&rtag. etc. Vn vom.|ob ^w Yi«tx«t >i\A Vt« ii^^^!«^ 



Buch 4. §. 134. 205 

Caplon. Der .Vn. bundtgnoß. 6 Bl. 4. — WArüb man herr Erafmus von Ro- 
terodam in Tenifche fprach tranfferiert. Warum Doctor Luther vnd herr Virich 
von Hütten teutfch fchriben . . Der .VIII. bundts gnofz. 5 Bl. 4. — An alle . 
chriftenliche oberkeit jn w&Itlichem vnd geyrtlichem ftand Teutfcher nation, 
ein kl&glich ernftlich klag aller gottsforchtige Münch Nunnen vnd pfaffen, dz 
man inen zu hilflf kurä damit fy vö ire endtchriftifchen by wonere erl6ft wer- 
den. Der .IX. büdtgnoß . . 8 Bl. 4. — New ftatute die Pfitacus gebracht hat 
vJß dem lad Wolfaria welche betr&ffendt reformierung geyftlichen ftand .. Der 
.X. büdtgnofz. 6 Bl. 4. — Ein newe ordnüg weltlichs ftädts das Pfitacus an- 
gezeigt hat in Wolfaria befchriben. Der .XI. büdtgnoß. 5 Bl. 4. — Ein frünt- 
Hche antwort aller gotzforchtigen, erberen, verftedigen in Teutfchem land v£f 
j&merliche klag der ordens leut an fie gethon. Der .XII. büdtgnoß. 4 Bl. 4. 

— Ein zuverfichtig ermanung an die redlichen, erberen ftarcken vnd chrift- 
lichen herren obem vnd vnderthon gemainer Eydgnofchafft (genant Schwytzer) 
das fy trewlich helflfen handthaben Ewangelifche leer vnd frumme chriften. . 
Der .XIII. bundtsgno^. 4 Bl. 4. — HErr erafmus vö Rotherodam im buch 
Encomion Morias, zaigt an de fp6tlichen dienft fo wir jetz hewyfen den hai- 
ligen. Der .Xnil. bundtgnoß. 4 Bl. 4. — Alle vnd ietliche chriftgel6ubige 
menfchen eine heylfame wamüg das fy fich hinten vor newen fchedlichen leren. 
Der .XV. bundtgnoß. 4 Bl. 4. (Bafel bei P. Gengenbach 1521 gedruckt.) — 
Sybenn frum aber troftlofe pfaffen klagen jre not, ainer dem andern vnd ift 
niemant der fy trofte . . am Schi. J. E. M. W. (d. i. Job. Eberlin, magifter 
Wittenbergenfiis. 1522.) 11 Bl. 4. — Der Frommen pfaffen troft. Ain getreuer 
glaubhaffter vnderricht vnd antwurt vff der fyben trof tiefen pfaffen clage 
Newlich durch die Funfzehen Bundsgenoffen befchriben . . J. E. M. W. 8 Bl. 4. 

— Eyn new vnd das letzt außfchreyben der xv bundtgenoffen J. E. M, W. 
(Am Schi,: *Wyr xv bundtsgnoffen haben vil gefchryben als vnfere erften .xv. 
büchlin zaigen mögen auch ,die vii chrifblofen pfaffen, der pfaffen troft, vnd 
zcu letftdiß büchlin, wir wollen auch vffhoren fchryben', und in der Widmung 
feines Büchleins *Wider die falfchfcheynende gayftlichen vnder dem Chrift- 
lichen hauffen, genant Barf&ffer' fagt Eberlin : Nempt an . . dz ich fo trew- 
lichen in meinen fünfftzehen Bundtgnoßen gefchriben hab\) Die 15 Bnnds- 
genoßen wurden auch zufammengedruckt. (Bafel 1521). Q Bogen. 4. 

Ueber Eberlin vgl. Ströbele lit. Mufeum. Altbrf 1778. 1, 363-422. Panzer Annal. S, 
1200—1210. H. Kurz, Momer luth. Narr. S. IX ff. Der 10. Bundsgeno^ ilt wiedergedruckt 
in Ströbele Mifcellaneen 2, 209— 224. — Das letzte Ausfchreiben auch niederd.: Eyu nye vnde 
dat lefte Vthfchryvent der XV. Bundgenaten. J. E. M. W. wes ddldich, de tydt nalet fick. 
Wittenb. 1523. 4. AL. 1, 163. 

Michael Styfel, 1487 zu Eßlingen geboren, Auguftiner; verließ 1522 fein 

Klofter und wurde Prediger bei Hartmut von Cronberg; gieng dann nach 

Wittenberg; Hofprediger in Mansfeld; 1525 Prediger zu Tolleft im Oefter- 

reichifchen5 lebte dann wieder in Wittenberg; 1528 Pfarrer in Lochau in 

Sachfen. f 9. Apr. 1567 in Königsberg. 

Vgl. Flacius, Oatal. teftium ver. 1562 p. 583. Götz Beitr. z. Oefch. d. Kirchenliedes. 
S. 44 ff. Schnurrer, Erlkiter. der Würtemb. Ref. Oefch. S. 41 ff. Strobel, neue Beitr. 1, 
1, 6—90. 

12. a) Brüder Michael Styfel Auguftiner von Effzlingen. Von der Chrift- 
f6rmigen, rechtgegründten leer Doctoris Martini Luthers, ein tiberuß fch6n 
kunftlich Lyed, fampt feiner neben vßlegfung. In bruder Veiten thon . . (Joan- 
nes thut vns fchreiben 32 achtzeil. Str., mit nebenftehender Erkl&rung in Profa.) 
o. O. u. J. 31 Bl. 4. (WB. 113. Wolfenb.). — b) Bruder Michael Styfel Augu- 
ftiner von Effzlingen. Von der Chriftfermigen . . ain . . Lied, fampt feyner 
neben außlegung. In bruder Veyten thon . . (Nachdruck von a). o. O. u, J. 
24 Bl. 4. (WB. 114. Wolfenb.) — c) Bruder Michael Styfel von Effzlingen. 
Von der Chriftförmigen, rechtgegründte . . ein . . Lyed, fampt feiner neben 
vl^legung. Newlich gemeert vnd erftreckt, vff fünfftzig gefetz, jnhaltend den 
gantzen grundt Chriftliches wefens. In bruder Veiten thon. (50 Str.) o.O.u.J. 
76 Bl. 4. (WB. 116. Wolfenb.) — d) o. O. u. J. 92 Bl. 4. (WcsW^TÄ^.^Iva. V'YV.^ 
4. p. 1798). — e) Ein Lieplicher fch6ner auCzug m ^^t^tiX» ^^\^^ ^«iö»Ääo^> ^fV» 
ertten anioDgBf von aine EngelJiehliclken leer^T, ^« |^b>iÄs2ki6iv '^«tV'KÄ» . - V^o^t 



206 KiichHehe Volksdiehtong. 

die 32 alten Str. die hier, ohne die Auslegung, als Nibelnng^enllr. gedruckt 
find; es folg^ verglichen mit c, hier gleich anf die 30. Str. die fonfidglte als 
31. und dann die 49. als xweinnddreiBigfte.) 4 BL 4. (WB. 115. HB. 1015. 
Wolfenb.171. 21 Quodl. 4.) — Ged ruckt (32 Str.) in: Sapplem. an den znföll. 
Selationen. Ulm 1719. S. 48; WKL. 800. 

13. Wider Doctor Momars falTch erdicht Ljed: von dem vndergang 
Chriftiichs glaubens. Bruder Ifichael Styfels von EÜTlingen vßleg* vnnd Chrift- 
liche gloß darüber. Ach du armer Murnar was haftu gethon . . [Strophenweife 
'Widerlegung des ganz mitgeteilten Liedes von Mumer. N. 36). 28 Bl. 4. (HB. 
589. Wolfenb. 312. 41. Th. 4. p. 1798). Der Reim Sron dem armen Mumer' 
kam ohne Styfels WiBen und 'V^len auf den Titel. 

14. £uange]iü von den zehen pfunden Matthei am xxv. mitt fchöner chrilV- 
licher vßlegung Bfichael Styffels von Eflzlingen (an Harmut von Cronberck. 
1522). 28 Bl. 4. (Wolfenb. 90. 20. Th. 4.) 

15. Antwort Michel Styfels vff doctor Thoman Mumars mumarrifehe 
phantafey, fo er wider yn erdichtet hat. Mit einer kurtzen befchreibung des 
waren vnd einigen glaubens Chrilti. Darzu von Kejferlicher Oberkeit welcher 
alle Chriften, geifüich oder weltlich genent, zugehorfamen pflichtig feyen. Am 
Schi.: Geben zu Wittenburg. Anno. 1523. 12 Bl. 4. (HB. 604. Wolfenb. 77. 
2. Th. 4.) Vgl. §. 133, 38. 

16. Das Euangeliü von dez verlorne Son, Lnce. xv. ca. Ain menfch hatt 
gehabt zwen r6n etc. Außgelegt durch Michael Styffel von Eßlingen. M.D.zxiü. 
33 Bl. 4. (Wolfenb. 127. 20. Th. 4.). — o. O. u. J. 4. (Bibl. Ebner. 4, 12333.) 
Strobel S. 29 nennt irrig eine Ausgabe von MDXlUi. 

17. Ein fch6n Lied: Dein armer Haufe herr thut klagen, dar&ber der 
zehnte Pfalm zu fingen wider den AntichriA vnd fein Reich im Ton: Pange 
Hnguam von Michael Styefel (18 fechsz. Str.) o. O. 1525. 4. 

(Schon 1524 in Walthers G^IU. gefangk Bnchleyn. ohne Namen. WB. 163; im 'Witten- 
berger Enchiridion 1525 WB. 174; in den Strafiburger Pfalmen 1530 WB.1050,4, wo 237 für 
327 gelefen werden mti3. vgl. §. 127, 31. Sp&ter findet es floh der heftigen poiemifchen Hal- 
tung wegen nur feiten noch. Wiedergedr. WKL. 237.) 

Arithmetica integra. Norimb. 1544. 4. DentTche Arithmetic». Inhaltend die Han3recb- 
nong. Dentfche Go3. Kirchenrechnnng. Nfimb. 1545. 24 Bgn. 4. — Rechenbuch Ton der wei- 
fchen vnd deutfchen Pracktich. Nfimb. 1546. 4. — Ein fehr wonderbarliehe wortrechnnng 
Sampt einer mercklichen erklemng etlicher Zalen Danielis vnd der Offenbar. 8. Joh. Anno 
1553. 4. — Die GofT. Chr. Lndolff mit fchdnen Exemplaren der CofT durch Mich. Stifel ge- 
beffert vnd gemehrt. Kdnigsb. 1553. 4. 

Die Verfechter der romifch-kathoUfchen Kirche waren an Zahl und Be- 
deutung gering, und keiner fo wirkfam wie Mumer. Vgl. §. 136. 

18. Joh. Eck, Profeffor zu Ingolftadt, fchrieb 1520 vom Primat des r6mi- 
fchen Pabftes, 1521 vom Fegfeuer, 1522 von Beibehaltung der Bilder und der 
Ohrenbeichte, 1524 Handbuch wider die Ketzer, 1526 drei Bücher vom MelÜB- 
Opfer. Opera contra Lutherum. Ingollt. 1530. II. Fol. 

19. Joh. Faber, Generalvicar des Bifchofs von Conitanz, dann Bifchof in 
Wien, t 1541 : adverfus nova dogmata M. Lntheri. Lips. 1523. 4. (vom Primat 
des Pabftes); Ynderricht vnd Gegenantwort wider die zornige I^äffcerfchrift M. 
Luther von wegen Widerrufs, des fich Luther gegen dem Fürften von En^and 
erboten hat. Bresla 1527; Epiftola apologetica de invocatione virginis Mariae, 
angelorum, apoftolorum, martyrum et lüiorum electorum dei. Yiennae 1528 5 
Predigten f&r das Sacranient des Altars. Wien 1532; Vom Mefsopfer 1534; 
An Paul in. von der abfoluten Notwendigkeit wider Luther. 1537. 

20. Friedrich Nanfea, Fabers Nachfolger in Wien: Auslegung der 12. 
Glaubensartikel 1529; Von den Tagzeiten 1531; Von dem engUfchen Grufi 
1537; Von dem Sacrament des Altars; Von dem CSlibat derPriefter und den 
Ordensgelfibden. 

Hieronymns Emfer, geb. zu Ulm 1477, aus adlichem Gefchlechte, das einen 

Bock im Wappen führte; ftudierte in Tübingen und Bafel die Rechte; reifte 

mit dem Cardinal Raimund von Gurk als deffen Secretarius; lehrte in Erfurt 

Poeße und i504 in Leipzig. In diefem 3a3b| gv«i\t^ «t ii^% ^«cx^XiKn^oA 



Buch 4. §. 134. 207 

Herzog Georg von Sachfen; 1510 nach Rom, um die Canonifation desBifchofs 

Benno vonMeiffen zu bewirken (die 1524 Ilattfand). Seit der Leipziger Difpn- 

tation 1519, bis wohin er Luthers Freund gewefen, wandte er fich diefem ab 

nnd wurde fchrittweis heftiger in Feindfeligkeit gegen die Reformation. Er 

Itarb 8. Nov. 1527. 

Waldan, Nachricht von Emrers Leben nnd Schriften. An(j|>ach 1783. 8. — Fortgefetete 
Nachr. voA alten nnd nenen theol. Sachen 1780. S. 187 ff. 

21. Ein deutfche Satyra vnd ftraffe des Eebruchs, vnd in was wurden 
und erenn der Eelich ftand .. Gedr. d. M. Lotter 1505 czu Leiptzck. 11 Bl. 
4. P. z. 561 c. 

22. Dialogifmus de origine propinandi vulgo compotandi, et an compotatio 
licita fit in repub. bene confbituta. Lips. J. l^anner 1513. 4. 

23. Opuscula. Argentor. 1516. 4. 

24. Wider die anfechtung des todes vnnd das der nit tzu forcbten fey 
ein fchon gedieht getzoge aus de Edeln Poete Baptifta Mantuano. M. Loother 
tzu Leiptzck 1517. 5 Bl. 4. 

25. Plutarchus wie jm einer feinen veyndt nutz Machen kan. 1519. 
8 Bl. 4. 

26. Difputatio excellentium doctorum Job. Eccii et Andreae Coralftadii, 
quae coepta eft Lipfise 27. Junii 1519. Difputatio fecunda Joh. Eccii et A. 
Coralftadu qu» coepit 15. Jul. Difput. ejnsdem Joh. Eccii et Martini Lutheri, 
quae coepit 4. Julü. Cum prsefat. 1519. 4. (Luther fchrieb dagegen: Ad 
Aegocerotem Emferanum Martini Lutheri additio. Witteb. 1519. 4.) 

27. De venatione Lutheriana Aegocerotis afferlio. Cum prsef. ad M. 
Luth. 1520. 20 Bl. 4. (Vgl. Joh. Eccii pro Hieronymo Emfer contra male- 
fanam Lutheri venationem refponfio. 1519. 4.j 

28. Wid' das vnchriftenliche buch Martini Luthers Auguftiners, an den 
Tewtfchen Adel außgangen Vorlegung Hieronymi Emfer . . Hut dich der 
bock Aofzt dicJi. Leyptzk d. Bac. Mart. Herbipolenfem. 1521. 18 Bgn. 4, 
(Dagegen: An den Bock zu Leyptzick Doctor Martinus Luther. Vuittemb. 
1521. 4 Bl. 4.) 

29. An den Stier zu Vuittenberg. (1521) 4 Bl. 4. (Dagegen: Auff des 
bocks zu Lejpezick Antwort D. M. Luther. Wittemb. 1521. 8 Bl. 4.) 

30. Auff des Stiers tzu Wiettenberg wiettende replica. Addita eft lima 
prioris libelli contra reformationem Luterianä. (1521) 11 Bl. 4. (Dagegen: 
Auff das vbirchriftlich vbirgeyftlich vnd vbirkünftlich buch Bocks Emfers zu 
Leyptzick Antwort D. M. L. Darynn auch Mumarrs feynß gefeilen gedacht 
wirt. Lieber Bock [toQ mich nit. ViTittemb» d. Joh. Gruneribergk. 1521. 10 
Bgn. 4. — o. O. u. J. 11 Bgn. 4. 

31. Quadruplica auff Lnters Jungft gethane antwurt, fein reformation 
belangend. Lejptzck 1521. 29 Bl. 4. (Dagegen Luthers: Ein V^iderfpmch 
D. Luthers feins irrthnmbs, ertzwungen durch die allerhochgelahrteften prie- 
fter Gottes, herm Hieron. Emfer, Vicarium zu MeifTen. Mit Vorr. Luthers 
1521. 4.) 

32. Emfers bedingpung auff Luters orften widerfpruch. Drefd. Idib. Nov. 
1521. 14 Bl. 4. 

33. Antwort auff die Warnung oder fchandbuch durch vngereimpte reymen 
ohn eyn namen außgangen. (1521, ohne Emfers Namen). 4 Bl. 4. 

84. Das yeranlafiende Gedicht war: Ein wamnng an den Bock Emfer (Boek Emfer ka$ 
wie ich berieht^ Reime; am Schi. B. 8. M.) 4B1. 4.; wiedergedr. bei Waldan 72. -> Gleichzeitig: 
Bin httplbh liedlin von dem Bock von Leyptzig ^Jrar<»ii«w ift mit gefehwigen. 16 vierzeil. Str., 
verschieden von dem Liede mit gleichem Anfang §. 122, 19, das 41 vierseil. Str. enthält). 
8B1. 8. Beide Ghedichte find wol von EraAnus Albems, der die 6 Str., die anch in dem Liede 
vom Interim §. 141, 215 a den Anfang bildet, in feiner 8. Fabel von der Stadtmans fingen 
lä0t. Der Dichter des Liedes nennt fich Str. 18: als Studenten. 

35. Verantwortung, auff das ketzerifche bucli AndY^% ^«xq\SX«X» ^«arcw ^c^- 

thuenng der bUder. (Drefden 1522.) 32 B\. 4. 



209 Kirchliche Volksdichtong. 

36. Das man der beyligen Bilder in den kircben nit abthon noch vnehren 
foll. (1522.) 4. 

37. Schutz vnd handtbabung der fiben Sacrament Wider M. Luther, 
vö dem .. Kunig zu Engelandt . . Hainrlohen dem achten auBgangen. 1522. 
17 Bgn. 4. 

38. Ein heilfame ermanung des kindlein Jefu an den fnnder getzogen 
anfz Erafmo. (Dieweil hei mir allein man findt. fechszeilige Strophen) o. O. 
u. J. 4 Bl. 4. (vgl. Altes u. Neues 1720, 208. Biederer Nachr. 1, 456. WB. 
111.) rep. o. O. 1522. 4 Bl. 4. (Waldau 50.) Wiedergedruckt als Pirck- 
heimers Ueberfetzung in delTen Tugendbüchlein 1606. S. 55. 

39. Befchawlicheit vnd Contemplation damit lieh ein mefch die gantze 
wuchen vmb, vbenn vnnd im feyn tzejt nutz machen mag (Keime). Leyptzick 
1522, 6 Bl. 4. 

40. Wider den falfchgenäten Ecclefiaften , vn warhafftigen Ertzketzer 
Martinum Luter Emßer getrawe vn nawe Vorwarnung . . Leyptzck, d. M. Her- 
bipolenfem. 1523. 17 Bgn. 4. — Drefden (Stöckel) 1524. 4. - 

41. Entfchuldigung von wegen der Ehrwirdigen Domina der AbtifQu zu 
Nürmberg . . (Dresden 1523) W. Stöckel. 3 Bl. 4. 

42. Die Abtiffin Charitas Pirckheimer hatte an Emfer gefchrieben, in Nürnberg werde 
alles ketzerifch. Als EmTer den Brief heriunzeigte, erfchien : Eyn miCTyve odder Sendbrieff, 
ro die Ebtiffche vö KArnberg an den hochberdmpten Bock Emfer gefchriben hat, faTt kunft- 
liefa vn geirtlich auch g«t Nohnifch getichtet. o.O. 1521. 4B1. 4. EinMiffive .. gut Ndnnifch 
getichtet. 1523 Wittemb. 4B1. 4. Es iTt der Brief mit BandglofTen. Darauf erfchien die obige 
Schrift Emfers. Brief, Gloffen und EntTchnldigung gedr. in Biederen Nachr. 1, 195—206. 

43. AuJß was grund fnnd vrfach- Luthers dolmatfchung, vber das nawe 
teftament, dem gemaine man billich verbotten worden fey . . Leypßyk 1523. 
21. Sept. 43 Bgn. 4. Vgl. Panzer Gefch. der röm. cathol. deut. Bibelüber- 
fetzung. S. 11 ff. 

44. Sermon am tag des heiligen Hieronymi . . zu LeypJßgk geprediget 
Leypßgk, W. Stöckel. 1523. 8 Bl. 4. 

45. Wider der tzweier Pr6bft zu Nurmberg Falfche grund vnd vrfachen, 
Warumb fie die beyligen Meß vnd andere Cbriftliche ftück vnd ceremoiiie 
geendert vnd tzü teyl gar abgethan haben. (1524). 26 Bl. 4. 

46. Antwurt Auff das lerterliche buch wider Bifchoff Beno zu MeilTen, 
vnd erhebung der heylige jungft außgegägen. Drefden 1524. 20 Bl. 4. — Ant- 
wort auff . . Leypßgk. 1524. 16 Bl. 4. 

47. Epithalamia Martini Lutheri Wittenbergenfis et Joannis Heffi Yratis- 
lavienfis, ad id genus nuptiarum. (1524). 4 Bl. 4. 

48. Auff Luthers Grewl wider die heilige Stillmeß. Antwort. Item, wie, 
wo vnd mit wöltehen wortten Luther yhn [in] feyn buchern tzur auffrur er- 
mandt, gefchriben vnd getriben hat. 1525. 22 Bl. 4. 

49. Der Bock dryt frey auff difen plan Hatt wider Ehren nye gethan . . 
Spruchgedicht : Hdrt zu jr tetUfchen, vnd fchawt an,) 1525. 4 Bl. 4. 

50. Annotationes vber Luthers new. Teftament gebeßert vnd emedirt 
Drefde. 1524. (am ScM, 1525). 37 Bgn. 8. — 1527. Fol. 

51. Ein Miffive oder Sendbrieve an Nicol. Haußmann, pfarrern tzu 
Zwickau. 1525. 4. 

52. Schirm vnd Schutzbuchlin der Diatribe wider Martin Luthers knecht* 
liehen Willen durch Erafmum von Roterodam, in teutfch gebracht durch Hier. 
Emfer. Leyptzick, 1526. 4. 

53. Emßers bekentnis, das er den titel auff Luters Sendbrieff an den 
KSnig zu Engelland gemacht, vnd das yhm Luter, den verkert, vnd zu mild 
gedewt hat. Dresden, o. J. 4 Bl. 4. — o. O. 1527. 4 Bl. 4. Vgl. Riederer, 
Nachricbten 2, 83, wo die Schrift auch wiedergedruckt fteht. 

54. Das gantz neu teftament So durch den hochg^lerten Herrn Hierony- 
mnm Emfer verteutfcht, mit famt feinen zugefugten Summarien vnd Annota- 

Honen über jregklichen capitel angezeigt, wie l&axtm\v& Lxxtthfir dem rechten 



Buch 4. §. 134. 209 

tezt (dem haHifchen Exemplar nach) fein's gefallens, ab vnd zugethän, vnd 
verändert hab . . Getmckt zu tübingen 1532 (durch Joh. Dietenberger corrigirt). 
224 Bl. Fol. (Die luther. Ueberfetzang, lediglich auf die Vulgata zurüc^e- 
f&hrt, und zwar fo, daß Emfer nur in ein gedrucktes lutherifches Exemplar 
hinein corrigierte.) 

Cochlasas, Johann Dobneck, 1479 zu Wendelftein bei Nürnberg geb., 1511 

Bector zu S. Lorenz in Nürnb., ftudierte 1517, wurde Dechant zu Frankfurt, 

gieng 1.525 nach CÖln, 1525 Canonicuszu 8. Victor in Mainz, 1527 Nachfolger 

Emfers in MeiiTen, 1539 Canonicus in Breslau, wo er am 10. Jan. 1552 ftarb. 

Eifriger Gegner Luthers, aber unwirkfamer als Eck, Emfer und Mumer; fchrieb 

meiftens lateinifch. 

500 articoli extracti ex 36 fermonlbtui Lntheri qtdbus refponftim a Cochleo. 1525. 4. 
— De baptijtlmo contra Lnthenun. De fomite peccati. De Petro et Roma adverüius YUenum. 
Contra Lathemm et Manzemm. Wider Lutheri Bach wider den geiitlichen Stand. Wider die 
anfriUirirchen Bawren. 1525. 4. — Gatalogos brevis eomm qnsB contra novas fectai fcriplt 
Joannes Gochlsans. Mognntie 1549. 4. (Von Oochl. felbft gefertigtes Verzeichnia feiner Schrif- 
ten gegen die nenen Lehren, vgl. bibl. Bonay. 8, 3 S. 1219). 

55. Lutherus fepticeps ubique fibi contrarius (lat. u. deutfch). o. O. 1529. 
4. Paris 1569. 8. — Siben Köpffe Martini Luthers vom Hochwürdigen Sacra- 
ment des Altars, (gedr. Leypfig d. Y. Schuman. im 29 jar.) 25 Bl. 4. — Siben 
Kopffe M. Luthers, von üben Sachen des chriftl. Glaubens (Gedr. z. Drefden 
d. W. Stöckel). 17 Bl. 4. 

56. Pia exhortatio Bom^e ad Germaniam filiam. 1529. 8. 

57. Commentaria J. Cochl^ei de Actis et Scriptis Martini Lutheri Sazonis 
chronographice ex ordine ab anno domini 1517 vsque ad annum 1546 inclufiTe 
fideliter confcripta .. Mogunt. Behem 1549. Fol. 

58. Bockfpil Martini Luthers, darinnen faft alle Stende der Menfchen be- 
griffen vnd wie fich ein yeder beklaget der yetz leuffigen fchweren aeyt . . 

' Gehalten zu R&mmbach vff dem Schlojß. 25. Jun. 1531. Mentz, bey Peter Jor- 
dan. 15. Jul. 1531. 24 Bl. 8. 

Bock war ein Kartenf^iel. sDie Satire ift nach Art der alten Fafinachtf^iele eingerichtet; 
die Perfonen (frechen nur einmal. Es reden Luther; D. Joh. Oooleus; D. Joh. Eckiua; D. 
Joh. Faber; v^rlaufner Mönch; verlaufhe Nonne; verlaufoer Pf äff: Edelman; Kanfinan; 
Beichftädt; Burger; Handwerksman; Kriegsman; Bauersman; der alt Man: D. Tho. Mumar. 
In Letzerem vermutet Flftgel S, 255 irriff den Yerfafier. Die an Herren Gorgen v. N. Hanpt- 
man zu N. gerichtete Widmung aus Bijnmbach vom 26. Jun. 1531 ift 'Hanns will Keller* 
unterzeichnet, d. i. Joh. Oochl. — Auszug in Biederers Kachrichten 2, 226—239. 

Ulrich V. Hotten, geb. 21. Apr. 1488 auf dem Schloße Steckelberg, zum 
Geiftlichen befdmmt; entwich aus Fulda nach Cöln und von da nach Frkf. a.O*, 
wo 1507 fein erftes lateinifches Gedicht gedruckt wurde; befuchte Italien?; 
lebte dann in Greifs wald bei dem Bürgermeifter Wedegus Loez, der ihn, als 
er von dort fortzog, plündern ließ ; Nov. 150f9 in Boftock ; 1510 in Wittenberg; 
Reife durch Böhmen und Mähren; 1511 in Wien, wo feine lateinifchen Ge- 
dichte die Gelehrten bezauberten; 1512 nach Italien, im Apr. zu Pavia, im 
Jul. zu Bologna; 1513 that er als gemeiner Soldat Kriegsdienfte bei der Be- 
lagerung Paduas; 1514 krank nach Deutfchland, fchlechte Aufnahme daheim. 
1515 ermordete Ulrich von Württemberg Huttens Vetter Hans, deffen Frau 
bei ihm blieb, während Hütten in den beredteften Schriften gegen Ulrich auf- 
trat, den gerade feine Verwandten gegen das württembergifche Volk gefbützt 
hatten. Streit Pfefferkorns, Hoogftratens und des Ortuinus Gratius gegon 
Reuchlin ; Hütten auf Reuchlins Seite ; mit Crotus Rubianus und andern Ver- 
faßer der Epiftolae obfcurornm virorum5 Bulle des Pabftes. 1516 nach ItaHen, 
um die Rechte zu ftudieren; Bologna 5 Venedig; im. Juni 1517 wieder in 
Deutfchland. 1518 im Dienft des Erzbifchofs Albtecht TQi[i l&Kcca.^ ^^\^ ^^ \m. 
Bommer auf den Au^sbnrg«r Raichstag begleiteW. ILoASet Is^as. ^«dsdca«^ ^^^Kb. 
G6d0ke, Grundriß. ' V\. 



210 KirchGche Volksdichtung. 

Bitter und kr6nte ihn als Dichter. Gegen Ende des Jahres wieder in Mainz. 

1519 auf Steckelberg; Theilnahme am Kriege gegen Ulrich v. Württemberg; 

dann wieder in Mainz und auf Steckelberg. Der Erzbifchof entließ ihn. An- 

fchluß an Luther. Keife nach Brüffel, um den Kaiferhof gegen den päbftlichen 

Stuhl zu ftimmen; herbe Enttenfchnng. 1520 Zuflucht bei Franz von Sickin- 

gen ajif der Ebernburg, wo zahlreiche Schriften Huttens gedruckt und latei- 

nifch erfchienene von ihm ins Deutfche uberfetzt wurden. 1522 Sickingens 

Vorbereitungen zum Kriege gegen die Bifch6fe5 Hütten entlaßen ; Reife mit 

Oecolampadius nach Bafel. Erafmus lehnt feinen Befach aus feiger Furcht 

ab und verdächtigt ihn als unruhigen Kopf, der nichts zu verlieren habe. 

Wanderung über Mülhaufen und Zürich. Zufluchtsftätte bei Pfarrer Schnegg 

auf der Infel Ufhau im Züricherfee, wo er Ende Auguft 1523 im fechsund- 

dreißigften Jahre ftarb. 

Vgl. Adam: Vitt. IGtor. p. 18. — Borckhard, Gommentariaa de vita et moribns Vlriehi 
de Hütten. Wolfenb. 1717—23. m. 8. — L. Schubart, Ulrich v. Hütten. Leipz. 1791. 8. — C. 
Meiners, Lebensbefchreibang berühmter Männer. Bd. 8. (U. v. H.) Zürich 1797. 8. — G. W. 
Panzer, ü. v. H. in litterarifcher Hinficht. Nürnb. 1798. 8. Vgl. dazu: Allg. Ut. Anzeiger 1798 
col. 1785, 1795, 1809, 1817, 1853, 1963 und 1799 col. 1217. Oöttinger gel. Anz. 1798 Stfickl21. 
MeuTel hift. lit. biogr. Magaz. 1, 88— 47. Allg. Lit. Ztg. 1800 N.UO. Neue allg. dent. Bibl. 44, 4. 

— A. Schreiber, Gedichte von ü. v. H. u. einigen feiner ZeitgenoOen. Heidelb. 1810. 8. — 
Hütten und fein Zeitalter nebft deiTen Reden gegen Ulrich v. Württembg. GieBen 1813. 8. — 
G. C. F. Mohnike, Ulr. v. Huttens Jugendleben (Klagen gegen Wedeg L8tz und deffen Sohn 
Henning, herausg., überf. n. erl&utert) Greifsw. 1816. 8. — A. Wagenfeil, U. y. H., nach fei- 
nem Leben, feinem Charakter und feinen Schriften gefchlldert Nürnb. 1823. 8. — U. v. H., 
der Bitter, der Gelehrte, der Dichter, der Kämpfer für deutfche Freiheit. Dargeftellt von A. 
Bürck. Dresden u. Leipe. 1846. 8. 

59. Querelarum libri duo in Wedegum Loetz et filium eins Henningium, 
vtr. iur. Doctorem, Gripeswaldi in Pomerania. o. O. u.J, 54 Bl. 4. — Francof. 
ad Viadr. J. Hanaw. 1510. 46 Bl. 4. 

60. De Arte Verfificandi Liber vnus Heroico carmine. (Vuittemb. 1511). 
Lips. Vuolffg. Manacenf. (1511). 12 Bl. 4. — Lips. V. Schuman 1518. 14 Bl. 4. 

— Parif. Rob. Steph. 1526. 8. — ib. 1528. 8. — ib. 1532. 8. — ib. 1534. 8. 

— ib. 1536. 8. — Norimb. 1531. 8. — ib. 1542. 8. 

61. Ad Divum Maximilianum bello in Venetos euntem Exbortatio. Viennae 
ap. Hier. Yictorem et Joannem Singrenium. 1512. 4. — rep. 1514. 1519. 

62. Epilltola ad Maximilianum Caefarem Italiae fictitia. Bononiae 1516. 4. 

— Aug. Vindel. 1516. 4. — Erphord. 1516. 4. 

63. Carmen . . mores hominum iucunde complectens, cui titalas: Vir 
bonus. (Bononiae. 1512. 4.?) 

64. Nemo (48 Diftichen). Daventriae 1513 (mit Beuchlins fcenic. progymn. 
V. §. 113). Outis. Nemo (78 Diftich.) Aug. Vind. (1518). 4. — o.O. a. J. 12 Bl. 
4. — Lips. Schum. 10 Bl. 4. — Bafil. Jo. Frob. 1518. 4. — Baül. J. Frob. 
1519. 4. — Roftochii, L. Dyetz 1543. 8. — Leydae, Jac. Marc. 1623. 12. - 
Dornov. Amphitheatr. 1 p. 757. 

65. In laudem Alberti Archepiscopi Moguntini Panegyricus. Tabingae 
ap. Thom. Anshelmum. 1515. 4. 

65 a. L. T. Hütten, Ausfehreiben gegen Hertzog von Württemberg. 1615. Fol. — Das 
ausfchreyben der von Hütten an die LandfchajSt zu Wierttemberg. 1516. Fol. 

66. Phalarismus dialogus. Jacta eß alea. (Exoriare cdiquia noßris ex ojjßbui 
vltor,) 9 Bl. 8. — o. O. 1517. 4. — In hoc volumine haec continentur A^. H. 
£q. Super interfectione propinqui fui Joannis Hutteni equit.^ Deploratio ; Ad 
Ludowichum Huttenum fuper interemptione filii Confolatoria ; In Ylrichnm 
Yuirtembergenfem Orationes V . ; In eundem Dialogus, cui titolus Phalaiifmus ; 
Apologia pro Phalarifmo, et aliquot ad amicos epirtolae; Ad Francifcam Gal- 
liarum regem ne caufam Vuirtenpergen tueatur Exhortatoria . . Excaf. in arce 
Steckelberck. 1519 Sept. 4. — Vgl. AL. 2, 63 ff. 

67. Epi/Itolae obfcurorum virorum ad Yenerabilem virum Magiftram 
Ortuinum Oratinm Dauentrienfem .. (.Vgl. lAexxteX \iil\.oT. ^i\«t. \^vo^. Ms- 



Buch 4. §. 134. 211 

gazin 1, 38 ff. Allg. Lit. Auz. 1798 col. 1811 ff. Rotermunds Ausgabe. Ebert 
N. 6827 ff.) 

68. Joannis Keuchlin . . encomion : triumphanti Uli ex devictis obfcuris 
virisT id eft theologiftis Colonien. et fratnbus de ordine predicatorum : ab 
Eleutherio Bizeno decantatum. o. O. u. J. 1518. 22 Bl. 4. — Triüphus Doc. 
Keuchlini . . 20 Bl. 4. 

69. De donatione Conftantini quid veri habeat eraditomm qnorundam 
iudicinm (die Donatio, die Declamatio des Laurentius Valla gegen Echtheit 
and Gültigkeit und einige andere kleine Schriften ; dem Pabfte Leo X. ge- 
widmet). Ex arce Steckelberg 1517. 49 Bl. 4. — o. O. u. J. 8. 

70. Epiftolae trium illaTtrium virorum, ad Hermannum Comitem Nuen- 
arium (darin der dritte Brief von Hatten, gegen Hoogftraten) Ex Borromago. 
Wiedergedr. in Herrn, v. d. Hardt, hiftor. Keform. 2, 145. Wagenfeil, Opp. 
Vir. d. Hütten 102 f. — Colonie 1518. 4. 

71. Ad principes Germaniae at bellam Tarcis invehant ' Exhortatoria. 
Aug. Vind. S. Grimm et M. Wyrfung. 1518. 4. (unvoUftändig). — Mogunt. 
J. Scheffer 1519. 4. (vollftändig). 

72. Aula. Dialogus. (Aug. Vindel.) Sept. 1518. 4. — Lips. Schumann 1518. 
4. — Bafil. Frohen. 1518. 8. — Aug. Vindyl. März 1519. 4. 

73. Ad Bilibaldum Pirckheimer Epiftola vitae fuae rationem exponens .. 
Aug. Vindel. 6. Nov. 1518. 4. — Aug. Vindel. Apr. 1519. 4. 

74. De Guaici medicina et morbo gallico liber unus. (Aug. Vindel. No- 
vemhr. 1519.) Mogunt. 1519. 4. — Bonon. Apr. 1521. 4. — Mogunt. 1524. 4. 

— Mogunt. 1531. 8. Vgl. Mumer §. 133, 24. 

75. Livius duobus libris auctus (praefatio ad principem Albertum Bran- 
denburg., Cardinalem, Archiepifcopum Moguntin. et Magdeburgen. Principem 
electorem, primatemque.) Mogunt. Novemb. 1518. Fol. — Mog. 1519. Fol. 

76. Febris Dialogus. Februar. 1519. 4. — F^br. 1519. 4. — Febr. 1519. 4. 
^- April. 1519. 4. — Mogunt. f. a. 8. — Ambergae ap. Job. Schoenfeld 1619. 4. 

— Dialogus oder ein gefprech. Febris. genant . . yetz durch gut gAnner zu 
teutfch gemacht, o. O. u. J. 4. — Dialogus, oder eyn gefprech Febris genant 
. . Leypfyk durch Wolfg. Stöckel 1519. 4. — o. O. u. J. 4. 

77. De vnitate eccleiiae confervanda liber in Fuldenfi bibliotheca inven- 
tus nuper. Mogunt. Joann. Scheffer. März 1520. 4. Wiedergedr. in Freheri 
Scriptor. Germ. tom. 1. 

78. a) Dialogi. Fortuna. Febris I. Febris H. Trias Bomana. Infpicientes. 
Mogunt. Apr. 1520. 4. — Lovanii 1521. 4. — b) Gefpräch büchlin herr Virichs 
von Hütten. Feber das Erft. Feh er das Ander. Vadifcus oder die Romifche 
dreyfaltigkeit. Die Anfchawenden. o. O. u. J. (1521). 4. — c) Trias Romana. 
Wiltu etwas neues liaben .. 4B1. 4. — Wiltu etwas newes habenn .. 4B1. 4. 

— Wiltu etwas newes habenn '. . 4 Bl. 4. — Trias Romana. Wiltu etwas 
newes haben. Frkf. Sigm. Feierab. u. S. Hüter. 1563. 8. — Trias Romana. 
Wiltu new vnd fremd Zeitung habe . . Smalcaldiae. 1588. 8. — d) Eyn luftiger 
vn nutzlicher Dialogus . . Vadifcus, oder die Rhdmifch Dreyfaltigkeyt genant. 
Durch Ulrichen Varnbüler den jungem *. . neulich verteutfchet . . Straßb. b. B.- 
Beck 1544. 13 Bgn. 4. 

79. Epiftola ad D. Martinum Lutherum Theologum. Vuittemb. (1520). 
2 Bl. 4. 

80. De fchifmate extinguendo, et vera ecclefiaftica libertate adferenda 
epiftolae aliquot .. (Steckelberg 1520). f. 1. e. a. 4. 

81. a) Hoc in libello continentur, Vlrichi de Hütten, ad Carolum Imp, 
adverfus intentatä fibi a Romaniftis vim et iniuriam conqueftio. Eiusdem alia 
ad Principes ac vires Germaniae, de eadem re conqueftio. Eiusdem ad Alber- 
tum Brandepurgen, et Friderichum Sajfonü Duce, Principes Electores, aHec^e 
ad alius epiftolae. (Ebernburg.) f. 1. e. a. 20 Bl. 4. — (B«l^^\.^ l.V ^. ^.^T^^Sv. 
4. — f. 1. e. a. (Errata). 4. — f; 1. e. a. 1^ "B\. B. — L V ^. «.^Ä.^^.'^ — 



2 1 2 KirchHche Volksdichtung. 

Wiedergedr. bei Burckh. 1, 68 ff. — b) Die verteutfcht dag Ylnchs vöHntten 
an Hertzog Frideriche zu Sachfen . . 10 Bl. 4. — Ulrichs von Hatten vertentfcht 
clag An Hertzog Friderich zu Sachfen .. 7B1. 4. — Virichs von Hatten ver- 
teutfcht clag, an. Hertzog Friderich zu Sachfen . , 7 Bl. 4. — c) Ein Clagfchrift 
des Hochberiimpten vnd Eernuefte herrn Virichs vö Hatten . . an alle ftend 
Deutfcher nation, Wie vnformlicher weife . . Er . . vö dem Romanilte, an leib, 
eer, vnd gut, befchwert vnd benötiget werde . . 1520. 9 Bl. 4. 

. . fo habe ich mir fargenommen, Alle meine Bücher, die ich biJiher in Istin gefchriben 
vnd drucken hab la^en, darinne dan (als ich nun erft fleh) demBapft feines gefalles nit von 
mir gelebt, in teutfche (^rach, fo beft ich immer mag, vnd Ach das fchicken will, zn trans- 
feriere vnd außlege. Dann ich gantz kein abfchew trage, fonder beger von hertzen, das yder* 
man wiffen hab, welches die braut fey, darumb man mir tantzen zugemut. (Bl. 9 b.) 

82. Bulla Decimi Leonis, Contra errores Martini Lutheri, et requaciom 
(mit Commentar und Bandgloffen). o. O. u. J. 21 Bl. 4. — o. O. a. J* 
21 BL 4. 

83. Ain new lied herr Virichs von Hütten. (Ich hahs gewagt , mit ßnnen 
1 zehnzeil. Str.) Getruckt ym Jar xxi. Offnes Foliobl. (WB. 101). Gedr. WKL. 
799. — Offnes BL, g